Monroe OC-8820 – Bürocomputer aus dem globalen Gemischtwarenladen

Litton Industries hatte Anfang der 1980er-Jahre ein bemerkenswert breites Verständnis davon, was zu einem ordentlichen Produktportfolio gehört. Der amerikanische Mischkonzern stellte Mikrowellenöfen, Flugzeugelektronik und Büromaschinen her; über seine Tochter Ingalls Shipbuilding entstanden sogar Kriegsschiffe. Während Monroe den OC-8820 auf den Büromarkt brachte, lag in Littons Werft in Pascagoula bereits die USS Ticonderoga auf Kiel, das Typschiff einer neuen Klasse von Lenkwaffenkreuzern. Wer über das nötige Kleingeld verfügte, bekam bei Litton somit beinahe alles zwischen Büroarbeit, Mittagessen und Seekrieg.

Vom Rechenautomaten zum Bürocomputer

Monroe passte gut in dieses Sammelsurium. Das 1912 gegründete Unternehmen war mit mechanischen Rechenmaschinen groß geworden und 1958 von Litton übernommen worden. Jahrzehntelang standen Geräte mit dem Namen Monroe in Buchhaltungen und Geschäftszimmern. Als Taschenrechner aus Japan die traditionellen Hersteller unter Druck setzten, erweiterte das Unternehmen sein Angebot. Aus der Monroe Calculating Machine Company wurde 1980 Monroe Systems for Business. Mit dem neuen Namen weitete Monroe seinen Anspruch auf die gesamte Büroorganisation aus.

Der OC-8820 richtete sich ausschließlich an Unternehmen. Verkauft wurde eine vollständige Büroanlage, betreut durch Monroes eigenes Netz aus Vertriebs- und Serviceniederlassungen. Vorgesehen war sie für Textverarbeitung, Datenbanken, Kalkulationen und die Buchhaltung.

Als die britische Zeitschrift Personal Computer World den OC-8820 im April 1982 testete, bestand der Markt für professionelle Mikrocomputer noch aus zahlreichen untereinander kaum kompatiblen Systemen. Ein eigener Rechner mit eigener Software war zu diesem Zeitpunkt kein ungewöhnlicher Weg. Erst der wachsende Erfolg des IBM PC und seiner kompatiblen Nachbauten machte herstellerspezifische Lösungen zunehmend schwerer verkäuflich.

Viel Speicher für einen Z80

Im Gehäuse arbeitete ein mit 3 MHz getakteter Zilog Z80A. Die Grundausstattung umfasste 128 KB RAM, erweiterte Ausführungen kamen auf 256 KB. Das war für einen Z80-Rechner beachtlich, denn der Prozessor konnte unmittelbar nur 64 KB adressieren. Der OC-8820 teilte seinen größeren Speicher daher in umschaltbare Bereiche auf. Auf erhaltenen Platinen sitzen entsprechend ganze Reihen einzelner Speicherbausteine – ein erheblicher Aufwand für eine Kapazität, die heute nicht einmal für ein kleines Vorschaubild reichen würde.

Hinzu kamen ein eingebauter monochromer Neun-Zoll-Bildschirm mit 80 Zeichen in 24 Zeilen, eine vollständige Tastatur, drei serielle Schnittstellen, ein Parallelanschluss und zwei 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerke. Zusammen boten die Laufwerke je nach Ausführung ungefähr 600 bis 640 KB Speicherplatz. Eine Festplatte mit 5 MB war zumindest angekündigt; andere Unterlagen nennen außerdem eine Ausführung mit 10 MB. Der rund 22 Kilogramm schwere OC-8820 war damit zwar ein Kompaktgerät, allerdings nur in dem Sinne, dass Monroe Bildschirm, Laufwerke und Elektronik in dasselbe Gehäuse gezwängt hatte.

Beim Einschalten übernahm ein lediglich 2 KB großes Boot-ROM. Erhaltene Fassungen zeigen, dass es den Arbeitsspeicher und die angeschlossenen Systemgeräte prüfte und anschließend das Betriebssystem von Diskette lud. Ohne passendes Medium blieb der Rechner bei einer höflichen, aber endgültigen Aufforderung stehen: „Ready For System Disk“.

Das Büro als geschlossenes System

Als Betriebssystem bot Monroe ein eigenes Multitasking-System an. Die größere Speicherausstattung erlaubte es, mehrere Büroaufgaben im Speicher zu halten und zwischen ihnen zu wechseln. Daneben war eine für die Hardware angepasste Ausgabe von CP/M erhältlich. Zum Softwareangebot gehörten Monroe BASIC sowie Programme und Sprachen für Textverarbeitung, Datenbanken, Tabellenkalkulation und kaufmännische Anwendungen. Zeitgenössische Übersichten nennen unter anderem WordStar, dBase II, COBOL, Fortran und Pascal.

Die CP/M-Unterstützung machte den OC-8820 nicht automatisch mit den Disketten anderer CP/M-Rechner kompatibel. Monroe verwendete ein eigenes Aufzeichnungsformat, weshalb der Computer gewöhnliche CP/M-Disketten anderer Systeme nicht ohne Weiteres lesen konnte. Mehrere heutige Darstellungen haben daraus einen ungewöhnlichen Kopierschutz oder gar den Versuch gemacht, Käufer an Monroes Softwareangebot zu binden. Dabei war dieses Durcheinander bei CP/M eher Alltag als Ausnahme: Das Betriebssystem vereinheitlichte die Programmschnittstelle, überließ die konkrete Ansteuerung der Laufwerke aber den jeweiligen Herstellern. Prozessor und Software konnten zusammenpassen, während die Disketten trotzdem unverständlich blieben.

Mit einem zusätzlichen Kommunikationssystem konnte der Monroe über SNA/SDLC an IBM-Großrechner angebunden werden. Er ließ sich dann als entferntes Terminal einsetzen, ohne seine Fähigkeit zur lokalen Datenverarbeitung aufzugeben. Gerade darin zeigte sich die Zielgruppe: Der OC-8820 sollte keinen Großrechner verdrängen. Er erledigte die Arbeit am Schreibtisch und griff bei Bedarf auf die zentrale Unternehmens-EDV zu.

13.100 Pfund für den Schreibtisch

In Großbritannien kostete der OC-8820 2.990 Pfund. Inflationsbereinigt entspricht das 2026 rund 13.100 Pfund. Dafür erhielt der Kunde 128 KB RAM, zwei Diskettenlaufwerke, Bildschirm und professionelle Schnittstellen; Installation, Schulung und Anwendungsunterstützung spielten bei solchen Geschäftssystemen ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Preis war in dieser Geräteklasse nicht außergewöhnlich, verdeutlicht aber, wie weit der OC-8820 von einem Computer für den privaten Schreibtisch entfernt war.

Der OC-8820 kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Mit dem IBM PC und den bald folgenden kompatiblen Rechnern entstand ein Markt, in dem Unternehmen Hardware, Programme und Erweiterungen verschiedener Anbieter miteinander kombinieren konnten. Monroe setzte weiterhin auf eine eigene Architektur, ein eigenes Betriebssystem und den Vertrieb über seine Büromaschinenorganisation.

Wie viele OC-8820 verkauft wurden, ist nicht bekannt. Lange blieb das System jedenfalls nicht im Angebot. Litton trennte sich 1984 von Monroe; die Rechner verschwanden, während sich das Unternehmen wieder auf andere Bürogeräte konzentrierte.

Heute sind nur wenige OC-8820 erhalten. Manche ließen sich erst wieder starten, nachdem Restauratoren korrodierte Kontakte instand gesetzt und verlorene Systemdisketten rekonstruiert hatten. Ausgerechnet der Konzern, der gleichzeitig einen modernen Lenkwaffenkreuzer bauen konnte, hinterließ bei seinem Bürocomputer kaum genug Material für einen ordentlichen Systemstart.

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