Monroe OC-8820 – Bürocomputer aus dem globalen Gemischtwarenladen

Litton Industries hatte Anfang der 1980er-Jahre ein bemerkenswert breites Verständnis davon, was zu einem ordentlichen Produktportfolio gehört. Der amerikanische Mischkonzern stellte Mikrowellenöfen, Flugzeugelektronik und Büromaschinen her; über seine Tochter Ingalls Shipbuilding entstanden sogar Kriegsschiffe. Während Monroe den OC-8820 auf den Büromarkt brachte, lag in Littons Werft in Pascagoula bereits die USS Ticonderoga auf Kiel, das Typschiff einer neuen Klasse von Lenkwaffenkreuzern. Wer über das nötige Kleingeld verfügte, bekam bei Litton somit beinahe alles zwischen Büroarbeit, Mittagessen und Seekrieg.

Vom Rechenautomaten zum Bürocomputer

Monroe passte gut in dieses Sammelsurium. Das 1912 gegründete Unternehmen war mit mechanischen Rechenmaschinen groß geworden und 1958 von Litton übernommen worden. Jahrzehntelang standen Geräte mit dem Namen Monroe in Buchhaltungen und Geschäftszimmern. Als Taschenrechner aus Japan die traditionellen Hersteller unter Druck setzten, erweiterte das Unternehmen sein Angebot. Aus der Monroe Calculating Machine Company wurde 1980 Monroe Systems for Business. Mit dem neuen Namen weitete Monroe seinen Anspruch auf die gesamte Büroorganisation aus.

Der OC-8820 richtete sich ausschließlich an Unternehmen. Verkauft wurde eine vollständige Büroanlage, betreut durch Monroes eigenes Netz aus Vertriebs- und Serviceniederlassungen. Vorgesehen war sie für Textverarbeitung, Datenbanken, Kalkulationen und die Buchhaltung.

Als die britische Zeitschrift Personal Computer World den OC-8820 im April 1982 testete, bestand der Markt für professionelle Mikrocomputer noch aus zahlreichen untereinander kaum kompatiblen Systemen. Ein eigener Rechner mit eigener Software war zu diesem Zeitpunkt kein ungewöhnlicher Weg. Erst der wachsende Erfolg des IBM PC und seiner kompatiblen Nachbauten machte herstellerspezifische Lösungen zunehmend schwerer verkäuflich.

Viel Speicher für einen Z80

Im Gehäuse arbeitete ein mit 3 MHz getakteter Zilog Z80A. Die Grundausstattung umfasste 128 KB RAM, erweiterte Ausführungen kamen auf 256 KB. Das war für einen Z80-Rechner beachtlich, denn der Prozessor konnte unmittelbar nur 64 KB adressieren. Der OC-8820 teilte seinen größeren Speicher daher in umschaltbare Bereiche auf. Auf erhaltenen Platinen sitzen entsprechend ganze Reihen einzelner Speicherbausteine – ein erheblicher Aufwand für eine Kapazität, die heute nicht einmal für ein kleines Vorschaubild reichen würde.

Hinzu kamen ein eingebauter monochromer Neun-Zoll-Bildschirm mit 80 Zeichen in 24 Zeilen, eine vollständige Tastatur, drei serielle Schnittstellen, ein Parallelanschluss und zwei 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerke. Zusammen boten die Laufwerke je nach Ausführung ungefähr 600 bis 640 KB Speicherplatz. Eine Festplatte mit 5 MB war zumindest angekündigt; andere Unterlagen nennen außerdem eine Ausführung mit 10 MB. Der rund 22 Kilogramm schwere OC-8820 war damit zwar ein Kompaktgerät, allerdings nur in dem Sinne, dass Monroe Bildschirm, Laufwerke und Elektronik in dasselbe Gehäuse gezwängt hatte.

Beim Einschalten übernahm ein lediglich 2 KB großes Boot-ROM. Erhaltene Fassungen zeigen, dass es den Arbeitsspeicher und die angeschlossenen Systemgeräte prüfte und anschließend das Betriebssystem von Diskette lud. Ohne passendes Medium blieb der Rechner bei einer höflichen, aber endgültigen Aufforderung stehen: „Ready For System Disk“.

Das Büro als geschlossenes System

Als Betriebssystem bot Monroe ein eigenes Multitasking-System an. Die größere Speicherausstattung erlaubte es, mehrere Büroaufgaben im Speicher zu halten und zwischen ihnen zu wechseln. Daneben war eine für die Hardware angepasste Ausgabe von CP/M erhältlich. Zum Softwareangebot gehörten Monroe BASIC sowie Programme und Sprachen für Textverarbeitung, Datenbanken, Tabellenkalkulation und kaufmännische Anwendungen. Zeitgenössische Übersichten nennen unter anderem WordStar, dBase II, COBOL, Fortran und Pascal.

Die CP/M-Unterstützung machte den OC-8820 nicht automatisch mit den Disketten anderer CP/M-Rechner kompatibel. Monroe verwendete ein eigenes Aufzeichnungsformat, weshalb der Computer gewöhnliche CP/M-Disketten anderer Systeme nicht ohne Weiteres lesen konnte. Mehrere heutige Darstellungen haben daraus einen ungewöhnlichen Kopierschutz oder gar den Versuch gemacht, Käufer an Monroes Softwareangebot zu binden. Dabei war dieses Durcheinander bei CP/M eher Alltag als Ausnahme: Das Betriebssystem vereinheitlichte die Programmschnittstelle, überließ die konkrete Ansteuerung der Laufwerke aber den jeweiligen Herstellern. Prozessor und Software konnten zusammenpassen, während die Disketten trotzdem unverständlich blieben.

Mit einem zusätzlichen Kommunikationssystem konnte der Monroe über SNA/SDLC an IBM-Großrechner angebunden werden. Er ließ sich dann als entferntes Terminal einsetzen, ohne seine Fähigkeit zur lokalen Datenverarbeitung aufzugeben. Gerade darin zeigte sich die Zielgruppe: Der OC-8820 sollte keinen Großrechner verdrängen. Er erledigte die Arbeit am Schreibtisch und griff bei Bedarf auf die zentrale Unternehmens-EDV zu.

13.100 Pfund für den Schreibtisch

In Großbritannien kostete der OC-8820 2.990 Pfund. Inflationsbereinigt entspricht das 2026 rund 13.100 Pfund. Dafür erhielt der Kunde 128 KB RAM, zwei Diskettenlaufwerke, Bildschirm und professionelle Schnittstellen; Installation, Schulung und Anwendungsunterstützung spielten bei solchen Geschäftssystemen ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Preis war in dieser Geräteklasse nicht außergewöhnlich, verdeutlicht aber, wie weit der OC-8820 von einem Computer für den privaten Schreibtisch entfernt war.

Der OC-8820 kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Mit dem IBM PC und den bald folgenden kompatiblen Rechnern entstand ein Markt, in dem Unternehmen Hardware, Programme und Erweiterungen verschiedener Anbieter miteinander kombinieren konnten. Monroe setzte weiterhin auf eine eigene Architektur, ein eigenes Betriebssystem und den Vertrieb über seine Büromaschinenorganisation.

Wie viele OC-8820 verkauft wurden, ist nicht bekannt. Lange blieb das System jedenfalls nicht im Angebot. Litton trennte sich 1984 von Monroe; die Rechner verschwanden, während sich das Unternehmen wieder auf andere Bürogeräte konzentrierte.

Heute sind nur wenige OC-8820 erhalten. Manche ließen sich erst wieder starten, nachdem Restauratoren korrodierte Kontakte instand gesetzt und verlorene Systemdisketten rekonstruiert hatten. Ausgerechnet der Konzern, der gleichzeitig einen modernen Lenkwaffenkreuzer bauen konnte, hinterließ bei seinem Bürocomputer kaum genug Material für einen ordentlichen Systemstart.

Panasonic FH-2000 – Computer aus der Aktentasche

Bild stammt von der Seite: https://jameltayeb.com/

Knapp ein Kilogramm schwer, acht Textzeilen auf dem Bildschirm und kein einziges Laufwerk: Der Panasonic FH-2000 hatte wenig mit den tragbaren Computern gemein, die Mitte der 1980er-Jahre als schweres Reisegepäck durchgingen. Panasonic dachte kleiner. Der Rechner sollte in eine Aktentasche passen und unterwegs genau jene Programme ausführen, die sein Besitzer für die Arbeit benötigte – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die tschechoslowakische Zeitschrift Mikrobáze ordnete ihn 1988 bei den „Handheld Computern“ ein. Das klingt heute nach Hosentaschenformat, bezeichnete damals aber eine recht unterschiedliche Gruppe tragbarer Arbeitsgeräte. Sie wurden in Lagerhäusern, Laboren oder im Außendienst eingesetzt, erfassten Daten und übermittelten sie später an einen größeren Rechner. Statt von Diskette kamen ihre Programme meist direkt aus einem ROM.

Genau für diese Art der Arbeit war der FH-2000 gebaut. Sein LC-Display zeigt acht Zeilen mit jeweils 80 Zeichen und erreicht eine Auflösung von 480 × 64 Bildpunkten. Eine Beleuchtung gibt es nicht. Dafür blieb das Gehäuse mit ungefähr 25,8 × 11 × 4,1 Zentimetern erstaunlich kompakt. Panasonic brachte darauf dennoch rund 90 Tasten unter. Mit etwa 910 Gramm ließ sich der Rechner tatsächlich mitnehmen, ohne dass daraus gleich eine Kraftübung wurde. Strom lieferte ein wiederaufladbarer 6-Volt-Akku, am Schreibtisch übernahm das Netzteil.

Ein x86-Rechner im Kleinformat

Beim Prozessor wird die Sache komplizierter. Zwei erhaltene Geräte sind mit einem 80C88 bei 4,77 MHz dokumentiert: ein FH-2000 im Computermuseum der Nationalen Technischen Universität Athen und ein baugleicher Nixdorf PC-05 aus einer privaten Sammlung. Andere technische Verzeichnisse nennen hingegen einen Oki 80C86.

Vollständig auflösen lässt sich der Widerspruch bisher nicht. Ein technisches Handbuch ist ebenso wenig aufgetaucht wie ein Platinenfoto, auf dem sich der Prozessor zweifelsfrei erkennen ließe. Da sich die 80C88-Angabe immerhin auf zwei konkrete Geräte stützt, spricht derzeit mehr für diesen Chip. Der 80C88 gehört zur gleichen Prozessorfamilie wie der Intel 8088 des ursprünglichen IBM PC. Intern arbeitet er mit 16 Bit, nach außen ist sein Datenbus jedoch nur acht Bit breit.

Beim Arbeitsspeicher gibt es ebenfalls unterschiedliche Angaben. Das Exemplar in Athen wird mit 128 KB geführt, der erhaltene Nixdorf PC-05 mit 256 KB. Hier könnten tatsächlich mehrere Ausstattungen im Umlauf gewesen sein.

Auf ein Diskettenlaufwerk verzichtete Panasonic vollständig. Betriebssystem und Anwendungen steckten in ROM-Bausteinen, von denen der Rechner mehrere aufnehmen konnte. Zur Grundausstattung gehörten Taschenrechner, Uhr, Wecker und Funktionen für die serielle Datenübertragung. Mit zusätzlichen ROMs kamen BASIC, eine DOS-Umgebung oder speziell entwickelte Firmenprogramme hinzu.

Für den Anwender war das denkbar einfach: Gerät einschalten und loslegen. Er musste weder ein Programm laden noch eine Diskette einlegen. Allerdings war der FH-2000 damit immer nur so vielseitig wie die vorhandenen ROMs. Ohne die passenden Bausteine blieb von seinen Möglichkeiten nicht viel übrig.

Software nach Maß

Panasonic bot zum Rechner ein eigenes Entwicklungssystem und ein EPROM-Programmiergerät an. Unternehmen konnten ihre Anwendungen damit selbst vorbereiten oder anfertigen lassen. Das fertige Programm wurde auf einen EPROM-Baustein geschrieben und anschließend in den FH-2000 eingesetzt.

Wie das in der Praxis aussah, zeigt ein erhaltener Nixdorf PC-05. Ein französischer Sammler brachte das Gerät nach dem Austausch eines defekten Speicherchips wieder zum Laufen und konnte anschließend das BASIC-ROM starten. Weil sich die nackten Bausteine nur umständlich einsetzen und herausnehmen ließen, fertigte er dafür eigene kleine Halterungen an.

Über eine serielle Schnittstelle konnte der Rechner Daten mit anderen Systemen austauschen. Daneben befand sich ein Anschluss für Erweiterungen, allen voran den passenden Thermodrucker. Dessen Gehäuse diente zugleich als größere Basisstation mit Akku und bot Platz für weitere ROM-Bausteine. Für die Arbeit unterwegs ließ sich der FH-2000 herausnehmen und allein verwenden.

Beim Kunden statt auf dem Schreibtisch

Einen seltenen Einblick in den tatsächlichen Einsatz liefert das FH-2000 der Nationalen Technischen Universität Athen. Es wurde in den 1980er-Jahren von Außendienstmitarbeitern der griechischen Versicherung Interamerican benutzt. Sie konnten beim Kunden Daten eingeben, Berechnungen durchführen und die Ergebnisse mit der angeschlossenen Thermoeinheit ausdrucken. Zurück im Büro ließen sich die gespeicherten Informationen über die serielle Verbindung übertragen.

Damit nahm der FH-2000 eine Rolle ein, die später spezialisierte Handheld-Terminals, PDAs und schließlich Smartphones übernehmen sollten. Er war kein kleiner Bürocomputer für alle Gelegenheiten, sondern ein Werkzeug für einen vorher festgelegten Arbeitsablauf.

In Deutschland erschien derselbe Rechner als Nixdorf PC-05. Nixdorf dürfte ihn vor allem zusammen mit angepasster Software an Geschäftskunden geliefert haben. Im gewöhnlichen Computerhandel spielte er offenbar kaum eine Rolle – und vermutlich liegt genau darin der Grund, weshalb heute nur wenig über ihn zu finden ist.

Die Geräte überdauerten mit etwas Glück in einem Lagerraum oder einer Sammlung. Die eigens für einen Kunden programmierten ROMs verschwanden dagegen häufig zusammen mit der Anwendung, für die sie bestimmt waren. Bis heute fehlt außerdem ein vollständiger öffentlich zugänglicher Satz der Systemsoftware. Deshalb lässt sich der FH-2000 nicht einfach im Emulator starten und erforschen. Von einem Rechner, der einst seine Programme unverlierbar im ROM trug, ist ausgerechnet die Software am schlechtesten erhalten.

Apple II europlus: Der Apple II Plus für Europas Fernsehnormen

Ein anderer Netzstecker war Apples kleinstes Problem. Als der Apple II Ende der 1970er-Jahre nach Europa kam, traf ein ausgesprochen amerikanischer Computer auf andere Netzspannungen, Kassettenrekorder und Fernsehnormen. Steve Wozniaks sparsame Videoschaltung, die in den USA ohne eigenen Grafikchip mehrere Farben erzeugte, ließ sich nicht einfach von NTSC auf PAL umstellen.

Apple europäisierte den Rechner deshalb in zwei Schritten. Zunächst erschienen modifizierte Apple-II-Systeme, die in den technischen Unterlagen als Euromod bezeichnet wurden. Danach folgte der Apple II europlus als internationale Ausführung des Apple II Plus. Beide Modelle zeigen, wie eng die Farbdarstellung des Apple II mit der amerikanischen Fernsehtechnik verbunden war.

Wozniaks Farbe war ein amerikanischer Trick

Der amerikanische Apple II besaß keinen eigenen Grafikchip. Wozniak nutzte stattdessen eine Eigenart der NTSC-Fernsehnorm: Bestimmte Abfolgen heller und dunkler Bildpunkte wurden von einem Farbempfänger als unterschiedliche Farben interpretiert. Dieses Verfahren wird heute meist als Artefaktfarbe bezeichnet.

Pixelmuster, Bildtakt und NTSC-Farbträger mussten dafür genau aufeinander abgestimmt sein. Aus dem Hauptoszillator gewann der Apple II unter anderem die rund 3,58 MHz starke Farbreferenz und den ungefähr 1 MHz schnellen Prozessortakt. Die Videoschaltung war damit eng mit der gesamten Takterzeugung des Computers verbunden.

In den USA sparte diese Konstruktion zahlreiche Bauteile. In Europa wurde sie zum Hindernis: PAL arbeitete mit einem anderen Bild- und Farbverfahren, sodass ein amerikanischer Apple II an einem gewöhnlichen europäischen Farbfernseher kein korrektes Farbbild erzeugte.

Der Apple II Euromod als Zwischenlösung

Apples erste europäische Ausführung war noch kein eigenständiges Modell. Beim Euromod handelte es sich um einen veränderten Apple II, der auf Gehäuse und Typenschild weiterhin lediglich als Apple II erscheinen konnte. Die Bezeichnung Euromod findet sich vor allem in den begleitenden Unterlagen und in der späteren Sammlersprache.

Apple-II-Platinen ab Revision 1 besaßen vorbereitete Lötstellen, mit denen die vertikale Bildfrequenz auf 50 Hz umgestellt werden konnte. Bei der frühen Revision 0 fehlten diese Möglichkeiten. Für den Umbau mussten Verbindungen auf der Platine geändert und ein anderer Hauptquarz eingesetzt werden. Apple warnte im Referenzhandbuch ausdrücklich, dass ein nachträglicher Eingriff die Garantie erlöschen lasse und nichts für Anfänger sei.

Eine erhaltene Eurapple-Anleitung nennt weitere Änderungen. Am Steckplatz 7 führten zwei zuvor unbenutzte Kontakte nun ein horizontales Synchronisationssignal und eine ungefähr 3,58 MHz starke Farbreferenz. Beide Signale waren für eine zusätzliche PAL- oder SECAM-Farbkarte vorgesehen.

Bei der in diesem Dokument beschriebenen Euromod-Ausführung war die rückwärtige Cinchbuchse nicht angeschlossen. Das Composite-Signal musste an einem Hilfsanschluss oder einem zusätzlichen Kontakt auf der Hauptplatine abgegriffen werden. Ohne Farbkarte erschien es auf einem PAL-Empfänger schwarzweiß; für SECAM-Geräte erwähnte Apple einen beim Händler erhältlichen Inverter.

Auch der Kassetteneingang wurde verändert. Weil europäische Kassettenrekorder laut Apple niedrigere Signalpegel lieferten, ersetzte man den Widerstand R15 mit 220 Kiloohm durch ein Exemplar mit 2,2 Megaohm. Beim Netzteil war die Anpassung noch unvollständig: Für ein 110-Volt-Gerät verlangte die Anleitung an einem 220-Volt-Netz einen externen Abwärtstransformator.

Vom Euromod zum Apple II europlus

1979 erschien in den USA der Apple II Plus. Äußerlich blieb er dem Vorgänger ähnlich, erhielt aber eine verbesserte ROM-Ausstattung. Applesoft II BASIC ersetzte das Integer BASIC des ursprünglichen Apple II. Der Autostart-Monitor suchte beim Einschalten selbstständig nach einem Diskettencontroller und versuchte, von Diskette zu starten.

Für die europäischen Märkte entstand daraus der Apple II europlus, auf dem Gehäuse als „Apple ][ europlus“ bezeichnet. Apples Referenzhandbuch beschreibt ihn im Kern als Apple II Plus mit einer Hauptplatine ab Revision 1, Autostart-Monitor und Applesoft II BASIC. Die europäischen Ausführungen erhielten außerdem ein für 110 und 220 Volt vorgesehenes Netzteil sowie die Anpassung an 50-Hz-Bildsysteme.

Der Europlus war damit ein reguläres internationales Serienmodell und keine nachträglich veränderte US-Ausführung. Eine vollständige PAL-Farbdarstellung gehörte dennoch nicht zur Grundausstattung.

Merkmal Apple II Euromod Apple II europlus
Grundlage ursprünglicher Apple II Apple II Plus
BASIC im ROM gewöhnlich Integer BASIC Applesoft II BASIC
Automatischer Diskettenstart bei frühen Geräten nicht vorhanden Autostart-Monitor
Bildanpassung modifizierte 50-Hz-Ausführung serienmäßige 50-Hz-Ausführung
PAL-/SECAM-Farbe zusätzlicher Encoder zusätzlicher Encoder
Stromversorgung teilweise externer Transformator nötig europäische 110/220-Volt-Ausführung
Kennzeichnung häufig weiterhin Apple II Apple ][ europlus

50 Hz waren noch keine PAL-Farbe

Der Europlus wird häufig als PAL-Version des Apple II Plus bezeichnet. Das ist nur teilweise richtig. Er war an die europäischen 50-Hz-Bildsysteme angepasst, erzeugte aber nicht automatisch das normgerechte PAL-Farbsignal eines gewöhnlichen europäischen Farbfernsehers.

Ohne zusätzlichen Encoder erschien das Bild an üblichen PAL-Geräten daher monochrom. Für Programmierung, Textverarbeitung und geschäftliche Anwendungen war das kein großer Nachteil. Spiele und Grafikprogramme verloren dagegen einen wichtigen Teil ihrer Darstellung, weil ihre Gestaltung häufig auf den Artefaktfarben des amerikanischen Apple II beruhte.

Für eine normgerechte Farbausgabe war ein Eurocolor-Encoder vorgesehen. Die Karte wurde in Steckplatz 7 eingesetzt und mit dem Hilfsvideoausgang verbunden. Von der Hauptplatine erhielt sie das Synchronisationssignal und die Farbreferenz, aus denen sie ein PAL- oder SECAM-kompatibles Farbsignal erzeugte.

Ganz ausgeschlossen war Farbe ohne diese Karte nicht. Apples Referenzhandbuch erwähnt geeignete europäische Farb-Videomonitore und weist darauf hin, dass die Farben der hochauflösenden Grafik bei umgerüsteten Geräten abweichen konnten. Einige spezialisierte Monitore kamen offenbar mit Signalen zurecht, die ein normaler PAL-Fernseher nur schwarzweiß darstellte. Eine zuverlässig kompatible PAL- oder SECAM-Ausgabe verlangte jedoch den zusätzlichen Encoder.

Ein HF-Modulator erfüllte eine andere Aufgabe. Er setzte ein vorhandenes Videosignal auf einen Fernsehkanal um, damit es über den Antennenanschluss eingespeist werden konnte. Wer einen Monitor mit Composite-Eingang verwendete, benötigte ihn nicht. Ein HF-Modulator allein verwandelte das Signal außerdem nicht in PAL-Farbe; er änderte den Anschlussweg, nicht die Farbcodierung.

Im Kern blieb es ein Apple II Plus

Der MOS Technology 6502 des Europlus arbeitete mit ungefähr 1 MHz. Je nach Ausstattung besaß der Rechner 16, 32 oder 48 Kilobyte RAM. Mit der Language Card ließ sich der Speicher auf 64 Kilobyte erweitern.

Die acht internen Steckplätze – Slot 0 sowie die Slots 1 bis 7 – blieben die große Stärke des Systems. Über sie konnten Besitzer Diskettencontroller, Drucker- und Modemschnittstellen, Speichererweiterungen, Z80-Karten für CP/M und den europäischen Farbencoder nachrüsten. Der Europlus war kein geschlossenes Haushaltsgerät, sondern eine vielseitig erweiterbare Computerplattform.

Besonders wichtig war das Disk-II-Laufwerk. Der Autostart-Monitor suchte beim Einschalten nach einem Controller und startete ein eingelegtes System automatisch. Gegenüber frühen Apple-II-Geräten, bei denen der Anwender den Start noch von Hand auslösen musste, war das eine spürbare Erleichterung.

Alte Bauteile, gute Reparaturchancen

Ein Restaurationsvideo des Kanals Mr Lurch’s Things zeigt, wie gut sich ein Europlus noch Jahrzehnte später instand setzen lässt. Beim Aufbau eines Geräts treten mehrere typische Altersprobleme auf: Ein RIFA-Entstörkondensator im Netzteil ist geplatzt, ein D8-ROM defekt, die Tastenschalter sind korrodiert und ein Logikbaustein auf der Tastatursteuerung arbeitet nicht mehr korrekt.

Später beschädigt ein versehentlich falsch eingesetzter Baustein die Takterzeugung. Mit Ersatzteilen von einer Spenderplatine und dem Diagnoseprogramm Apple-Cillin lässt sich der Rechner dennoch wiederbeleben. Das Video ist keine Quelle für die Entstehungsgeschichte des Europlus, zeigt aber den praktischen Vorteil seiner offenen Konstruktion. ROMs, RAM und zahlreiche Logikbausteine lassen sich einzeln prüfen und austauschen. Ein Defekt bedeutet deshalb nicht automatisch das Ende des Rechners.

Ein amerikanischer Computer für Europa

Der Apple II europlus war mehr als ein Apple II Plus mit europäischem Netzkabel, aber keine neue Computergeneration. Apple passte eine vorhandene Architektur an einen Markt an, dessen technische Normen bei der ursprünglichen Entwicklung keine Rolle gespielt hatten.

Der Euromod zeigt, wie umfangreich diese Arbeiten waren. Bildfrequenz, Farbcodierung, Videoanschluss, Kassettenpegel und Netzspannung verlangten jeweils eigene Änderungen. Der Europlus fasste sie zu einem regulären internationalen Modell zusammen.

Bei der Farbdarstellung verlor Wozniaks ursprüngliche Lösung allerdings ihre bestechende Einfachheit. Für normgerechte PAL- oder SECAM-Farbe musste Apple genau jene zusätzliche Hardware einsetzen, die beim amerikanischen Apple II eingespart worden war. Die offene Architektur machte diese Anpassung möglich – beseitigen konnte sie die Grenzen des amerikanischen Ausgangsentwurfs nicht.

 

Sega TeraDrive – wer brauchte einen PC von Sega?

Picture is taken from: https://segaretro.org/Teradrive

Ein Mega Drive war 1991 eine aktuelle Spielkonsole. Ein IBM-kompatibler PC erledigte Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Datenverwaltung. Weshalb sollten beide Geräte auf derselben Hauptplatine sitzen?

Diese Frage führt näher an den TeraDrive heran als jede Aufzählung seiner Prozessoren. Wollte Sega zusätzlich in Büros vordringen? Sollte der Rechner Familien ansprechen, die Computer und Konsole nicht getrennt kaufen wollten? Oder erprobten Sega und IBM Japan eine Nische, deren Größe niemand genau kannte?

Sega und IBM nannten keine klar umrissene Zielgruppe. Die Werbung stellte „Amusement & Computer“ nebeneinander und zeigte Arbeitsprogramme ebenso wie Mega-Drive-Spiele. Der britische New Computer Express berichtete bereits vor der Veröffentlichung, Sega wolle Menschen an ernsthaftere Computeranwendungen heranführen, die sich bislang vor allem für Spiele interessierten. Das spricht für einen vielseitigen Heim- und Personalcomputer. Hinweise auf eine geplante Eroberung japanischer Büros gibt es nicht.

Ganz neu war der Gedanke für Sega nicht. Bereits 1983 hatte das Unternehmen den SC-3000 als „Game Computer“ angeboten. Er verband Spiele mit BASIC und weiterer Computersoftware am heimischen Fernseher. Der TeraDrive griff diese Idee acht Jahre später mit der Hardware des Mega Drive und einem IBM-kompatiblen PC wieder auf.

Auch für IBM Japan passte das Projekt in die Zeit. Das Unternehmen hatte im Oktober 1990 DOS/V angekündigt. Diese japanische Ausgabe von PC DOS stellte Kanji und andere japanische Schriftzeichen mithilfe von Software im VGA-Grafikspeicher dar. Das V stand ursprünglich für VGA.

Ein DOS/V-PC war keine eigene Rechnerarchitektur. Gemeint war ein weitgehend international kompatibler PC, der japanische Texte darstellen konnte. Das war auf einem Markt wichtig, auf dem NECs PC-98 und weitere landesspezifische Systeme ihre jeweils eigene Hard- und Softwarewelt mitbrachten. DOS/V sollte gewöhnliche PC/AT-Technik für japanische Anwender öffnen.

Für IBM dürfte der Reiz in Segas Zugang zum privaten Spielemarkt gelegen haben. Sega erhielt im Gegenzug eine fertige Grundlage für einen DOS/V-kompatiblen Rechner. Ob beide Unternehmen damit eine neue Gerätekategorie schaffen oder zunächst eine schmale Marktnische erproben wollten, bleibt offen.

Am 31. Mai 1991 erschien der TeraDrive in Japan. Sega bezeichnet ihn als gemeinsame Entwicklung mit IBM Japan. Seine PC- und Mega-Drive-Komponenten teilten sich eine Hauptplatine und konnten je nach Betriebsart unabhängig nebeneinander laufen oder auf Bereiche der jeweils anderen Seite zugreifen.

Sega und IBM auf einer Platine

Ein zeitgenössischer japanischer Bericht schrieb IBM die Fertigung der Hauptplatine zu. Bekannt sind damit die gemeinsame Entwicklung und die Beteiligung IBMs am zentralen Bauteil. Wer Gehäuse, Netzteil und Endmontage verantwortete, ist nicht dokumentiert.

Der PC-Teil verwendet einen Western-Digital-Chipsatz, der auch in anderen 286- und 386-Rechnern zu finden war:

  • WD76C10LP als System- und Speichercontroller
  • WD76C30 für serielle und parallele Schnittstellen
  • WD76C20 für Diskettenlaufwerk, Echtzeituhr und nichtflüchtigen Speicher
  • WD90C10 für die VGA-Grafik

Ähnliche Bausteine kamen im japanischen IBM PS/55 5510Z zum Einsatz. Hinzu kommt der IBM 79F2661. Auf der TeraDrive-Platine ist er mit „BUS SW“ beschriftet. Er verbindet den 68000-Bus der Mega-Drive-Seite mit dem ISA-Bereich des PCs und verwaltet den Zugriff auf ein zusätzliches Firmware-ROM.

Diese Verwandtschaft macht den TeraDrive nicht zu einem PS/2 Model 30 mit schwarzer Front. Seine Hauptplatine nimmt PC- und Mega-Drive-Technik gemeinsam auf und wurde für deren Verbindung eingerichtet. Auch Gehäuse und Erweiterungsmöglichkeiten unterscheiden sich deutlich von den entsprechenden IBM-Rechnern.

Der TeraDrive misst 360 Millimeter in der Breite, 80 Millimeter in der Höhe und 334 Millimeter in der Tiefe. Je nach Ausführung wiegt er zwischen 5,6 und 6,2 Kilogramm. Die flache schwarze Bauform erinnert eher an eine Hi-Fi-Komponente als an einen Büro-PC der frühen Neunziger.

Drei Modelle, ein Prozessor

Sega bot drei Ausführungen an. Prozessoren, Grafik und grundlegende Architektur blieben gleich. Unterschiede bestanden beim Arbeitsspeicher und bei den Laufwerken.

Modell PC-Arbeitsspeicher Laufwerke Preis 1991 vor Steuer Heutige Kaufkraft, etwa
Model 1 640 KB ein 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk 148.000 Yen 1.000 Euro
Model 2 1 MB zwei 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerke 188.000 Yen 1.270 Euro
Model 3 2,5 MB ein Diskettenlaufwerk, 30-MB-Festplatte 248.000 Yen 1.680 Euro

Die Eurobeträge zeigen die ungefähre heutige Kaufkraft der japanischen Preise. Grundlage sind der japanische Verbraucherpreisindex von Mai 1991 bis Juni 2026 und der EZB-Referenzkurs vom 3. August 2026. Die Beträge entsprechen keinem damaligen deutschen Importpreis. Der schwache Yen drückt die umgerechneten Eurozahlen zusätzlich.

Alle drei Modelle verwendeten einen 80286 mit 10 MHz. Der konkrete Hersteller konnte variieren. Auf der in den Hardware Notes dokumentierten Platine sitzt ein AMD N80L286-10/S. „Intel 286“ beschreibt daher die Prozessorfamilie, nicht zwingend den Hersteller des eingebauten Chips.

Der PC-Teil besaß 256 KB VGA-Speicher. Er stellte unter anderem 640 × 480 Punkte mit 16 Farben oder 320 × 200 Punkte mit 256 Farben dar. Der Arbeitsspeicher ließ sich offiziell auf höchstens 2,5 MB erweitern.

Als Betriebssystem lieferte Sega IBM DOS J4.0/V samt TeraDrive-Treibern aus. Beim Model 3 war DOS/V bereits auf der 30-MB-Festplatte installiert. Die kleineren Modelle arbeiteten von Diskette, sofern sie nicht nachträglich einen Massenspeicher erhielten.

Zur PC-Seite gehörten außerdem ein paralleler Druckeranschluss, eine serielle RS-232C-Schnittstelle und ein PS/2-kompatibler Mausanschluss. Manche späteren Tabellen nennen zwei serielle Schnittstellen. Sega führt nur eine auf; der separate Mega-Drive-EXT-Anschluss wurde offenbar gelegentlich mitgezählt.

Das TERA-Menü im Zusatz-ROM

Neben dem 128 KB großen PC-BIOS besaß der Rechner ein zusätzliches 512-KB-ROM. Darin liegen ein Kanji-Zeichensatz, Firmware für die Mega-Drive-Seite und ein ROM-Disk-Abbild des TERA-Menüs. Der IBM-Busschalter blendet daraus jeweils 8 KB große Bereiche in den PC-Adressraum ein.

Das TERA-Menü bot eine einfachere Oberfläche als die DOS-Eingabeaufforderung. Es führte zu den vorhandenen Betriebsarten und stellte grundlegende Datei- und Laufwerksfunktionen bereit. Damit konnte der Rechner unmittelbar nach dem Einschalten eine eigene Bedienoberfläche anzeigen.

Das zusätzliche Kanji-ROM widerspricht dem DOS/V-Prinzip nicht. DOS/V stellte japanische Texte grundsätzlich über Software und VGA dar. Der TeraDrive benötigte Schriftzeichen jedoch bereits für sein eigenes Startmenü und seine Firmware, bevor DOS/V geladen war.

Wie alt war der 286 wirklich?

Ein 10-MHz-286 war 1991 eine vorsichtige Wahl. 386-Rechner waren etabliert, der 486 bereits erhältlich. Anspruchsvollere Programme und die weitere Entwicklung von Windows verlangten nach mehr Rechenleistung und mehr Arbeitsspeicher.

Der 286 war trotzdem kein unverkäuflicher Restposten. Auf dem jungen DOS/V-Markt erschienen weiterhin neue Rechner mit dieser Prozessorfamilie. Ein zeitgenössischer Bericht verglich den TeraDrive mit einem IBM PS/55 5510Z mit 12-MHz-286 und einem 16-MHz-Rechner von Kansai Denki. Der Sega-Rechner war langsamer, enthielt dafür DOS/V und die vollständige Mega-Drive-Hardware. Sein Preis erschien dem Magazin im damaligen Umfeld nicht abwegig.

Für Textverarbeitung, Tabellen, Datenbanken und typische DOS-Anwendungen reichten 10 MHz aus. Auch japanisches Windows 3.0 wurde von Sega gezeigt. Die knappen Reserven ergaben sich aus dem Gesamtpaket: offiziell höchstens 2,5 MB RAM, ein einzelner Erweiterungssteckplatz und 30 MB Festplattenspeicher im teuersten Modell.

Der Prozessor war fest verlötet. Ein gewöhnlicher Austausch gegen einen schnelleren 286 oder ein Aufrüstmodul war nicht vorgesehen. Der TeraDrive kam als brauchbarer DOS/V-Rechner auf den Markt, bot aber wenig Spielraum für die folgenden Jahre.

Ein verändertes Mega Drive

Die Konsolenseite orientiert sich an frühen Mega-Drive-1-Platinen, entspricht ihnen aber nicht vollständig. Sie enthält einen 68000, einen Z80A, Segas Video Display Processor, einen diskreten Yamaha YM3438 sowie die üblichen Anschlüsse für Module und Controller.

Der dokumentierte Toshiba TMP68HC000N-10 ist für 10 MHz ausgelegt. Bei gewöhnlichen Mega-Drive-Modulen läuft er mit dem üblichen Konsolentakt von etwa 7,67 MHz. TeraDrive-spezifische Betriebsarten können ihn auf 10 MHz umschalten.

Der höhere Takt beschleunigt weder automatisch den Grafikprozessor noch gewöhnliche Mega-Drive-Spiele. Normale Module bleiben beim vorgesehenen Konsolentakt, damit Spielgeschwindigkeit, Musik und zeitkritische Routinen unverändert arbeiten.

Auch beim Speicher unterscheidet sich der TeraDrive von der Serienkonsole. Er besitzt 128 KB VDP-Speicher und insgesamt 16 KB Z80-RAM. Das ursprüngliche Mega Drive hatte jeweils die Hälfte. Normale Module erhalten dadurch keine besseren Grafiken oder aufwendigeren Klänge. Die zusätzlichen Reserven standen besonderen TeraDrive-Betriebsarten und angepasster Software zur Verfügung.

Beim FM-Klang verwendet der Rechner einen eigenständigen Yamaha YM3438. Eine separate Logikschaltung korrigiert dabei das Verhalten bestimmter Statusabfragen. Dieses Detail zeigt, wie weit die Konstruktion über das Einsetzen einer unveränderten Mega-Drive-Platine hinausging.

Der Z80A läuft mit 3,58 MHz und übernimmt vor allem Klang- und Nebenaufgaben. Segas Werbespruch „Zwei Gehirne docken an“ bezog sich auf 80286 und 68000. Der Z80 arbeitete weiter, ohne im Slogan mitzuzählen.

Dual Boot und Bus Swap

Die oft verwendete Formulierung vom „gleichzeitigen Betrieb“ verdeckt zwei unterschiedliche Betriebsarten.

Im Dual-Boot-Modus laufen 80286 und 68000 gleichzeitig und weitgehend unabhängig voneinander. Der PC kann ein DOS-Programm ausführen, während auf der Mega-Drive-Seite ein Modul läuft. Fast alle TeraDrive-spezifischen Zugriffe zwischen den beiden Hardwarebereichen sind in diesem Modus gesperrt. Die beiden Rechner arbeiten parallel, bleiben dabei aber weitgehend unter sich.

Beim Bus Swap wird die Verbindung enger. Setzt der 286 das entsprechende Steuerbit, hält er selbst an und gibt den 68000 aus dem Reset frei. Übergibt der 68000 die Kontrolle zurück, wird er zurückgesetzt und der 286 setzt seine Arbeit fort. Die Hauptprozessoren arbeiten dabei nacheinander.

Der TeraDrive konnte somit beide Hauptprozessoren gleichzeitig betreiben oder eine engere Verbindung zwischen den Systemen herstellen. Beides geschah nicht im selben Modus.

Fenster in die jeweils andere Maschine

Der 286 erhielt ein 8 KB großes Speicherfenster. Über Register wählte die Software aus, welcher Ausschnitt des 68000-Adressraums oder des zusätzlichen Firmware-ROMs dort erschien.

Der 68000 konnte umgekehrt ein 1 MB großes Fenster in den PC-Adressraum einblenden. Ab einer weiteren Adresse erreichte er außerdem den PC-I/O-Bereich und damit grundsätzlich PC-Speicher, VGA-Register und weitere Schnittstellen.

Die Prozessoren teilten sich keinen gemeinsamen Arbeitsspeicher. Sie sahen ausgewählte Ausschnitte der anderen Seite. Software musste diese Fenster einrichten, Daten übertragen und anschließend die Kontrolle wechseln.

Die Architektur ging damit deutlich über zwei getrennte Platinen mit einem Umschalter hinaus. Ein symmetrisches Mehrprozessorsystem, in dem 286 und 68000 frei auf denselben Speicher zugreifen und gemeinsam denselben Programmablauf bearbeiten, war sie nicht.

Zwei Programme auf zwei Bildschirmen

Sega und IBM führten den unabhängigen Parallelbetrieb öffentlich vor. Ein Bericht in Beep! MegaDrive vom August 1991 zeigt fünf TeraDrives im IBM-Informationszentrum in Tokio. Zu jedem Rechner gehörten zwei Monitore. Auf einem Bildschirm lief die PC-Seite, auf dem anderen ein Mega-Drive-Spiel.

Der Rechner bot dafür einen analogen RGB-Ausgang für 15- und 31-kHz-Signale sowie einen Composite-Ausgang für die Konsolenseite. Ein gewöhnlicher VGA-Monitor konnte den PC darstellen, während das Mega Drive gleichzeitig sein Bild an einen Fernseher oder Videomonitor ausgab.

Segas separat angebotener HTR-2200 akzeptierte beide Zeilenfrequenzen. Er konnte wahlweise die PC- oder die Mega-Drive-Ausgabe anzeigen. Für beide Bilder zur selben Zeit waren weiterhin zwei Bildschirme nötig.

Der 14-Zoll-Monitor kostete 79.800 Yen vor Steuer, nach derselben Kaufkraftberechnung rund 540 Euro. Model 3 und Monitor kamen zusammen auf etwa 2.220 Euro. Der Spezialmonitor war bequem, wegen des zusätzlichen Videoausgangs aber nicht zwingend erforderlich.

Tastatur, Maus und Controller

Zum Rechner gehörte eine schwarze japanische JIS-Tastatur mit 106 Tasten. Bauform und Anschlag erinnern an IBMs Model-M-Familie. Eine eindeutige Zuordnung zu einer bestimmten Model-M-Ausführung oder IBM-Teilenummer gibt es nicht.

Sega legte einen Mega-Drive-Controller bei. Manche späteren Datenbanken nennen zwei Pads, Segas eigener Lieferumfang führt jedoch nur eines auf. Die Zahl zwei in den technischen Daten bezeichnet die vorhandenen Controlleranschlüsse.

Die passende Maus HTR-2300 wurde separat für 6.800 Yen verkauft. Das entspricht heute ungefähr 46 Euro. Sie verwendete eine PS/2-kompatible Schnittstelle und arbeitete mit 200 Zählschritten pro Zoll. Mit der 1993 erschienenen Sega Mouse für das Mega Drive war sie nicht identisch. (

Hinter Klappen an der Vorderseite lagen die Anschlüsse für Tastatur, Maus und Controller. Der Modulschacht befand sich links im Gehäuse. Mit geschlossenen Abdeckungen wirkte der Rechner weniger nach Arbeitsplatz als die meisten kompatiblen PCs dieser Zeit.

Firmware für verschiedene Programmtypen

Die Firmware der Mega-Drive-Seite erkennt neben gewöhnlichen Modulen zwei besondere Kennungen:

  • TERA68K
  • TERA286

Ein TERA68K-Modul wird unmittelbar auf dem 68000 gestartet. Bei einem TERA286-Modul kehrt die Firmware zunächst zum 286 zurück und hält die Möglichkeit offen, die Mega-Drive-Hardware vom PC aus freizuschalten. Zusätzlich sucht sie im Option-ROM-Bereich des PCs nach Segas Lizenztext.

Damit waren zwei Formen angepasster Software vorbereitet. Ein Programm konnte direkt auf dem 68000 laufen oder den 286 als Hauptprozessor verwenden und auf Teile der Konsolenhardware zugreifen.

Die Firmware sollte außerdem verhindern, dass gewöhnliche Module bequem über den PC ausgelesen wurden. Erkennt sie ein normales Modul statt eines TERA286-Typs, blockiert sie bei späteren Starts die entsprechende Freigabe. Die Verbindung zwischen den Systemen sollte nicht nebenbei als Modulkopierer dienen.

Puzzle Construction

Sega veröffentlichte Puzzle Construction als TeraDrive-exklusive Software. Das Programm verband einen Editor auf der PC-Seite mit einem fallenden Blockspiel und führte damit die Zusammenarbeit beider Hardwarebereiche vor. Es gehörte nicht zum regulären Lieferumfang jedes Rechners.

Wie Puzzle Construction intern zwischen 286 und 68000 aufgeteilt ist, wissen wir nicht. Sicher ist, dass der PC als Editor diente und das Ergebnis die Mega-Drive-Seite einbezog. Welcher Prozessor im Spielmodus die Programmlogik ausführte, geht aus den bekannten Unterlagen nicht hervor.

Die TERA286-Betriebsart würde einen direkten Zugriff des 286 auf VDP, Klang und Controller erlauben. Die Existenz dieser Betriebsart beweist jedoch nicht, dass Puzzle Construction sie auf genau diese Weise verwendet.

The Manhole

Ein weiteres TeraDrive-Programm tauchte erst 2024 wieder auf. Die erhaltene Fassung von The Manhole, dem frühen grafischen Adventure von Cyan, wurde teilweise gesichert und basiert offenbar auf der japanischen FM-Towns-Version.

Nach Angaben des Finders läuft das eigentliche Programm auf der PC-Seite, während die Mega-Drive-Hardware die Musik übernimmt. Die genaue Aufgabenteilung zwischen beiden Seiten ist noch nicht geklärt. Auch der damalige Veröffentlichungsstatus der erhaltenen Fassung bleibt offen.

Weitere Titel wurden ausdrücklich für den TeraDrive angeboten oder entsprechend gekennzeichnet. Das belegt ihre Lauffähigkeit auf dem PC-Teil, aber keinen Zugriff auf 68000, VDP oder Mega-Drive-Klanghardware. Eine TeraDrive-Ausgabe eines DOS/V-Spiels war daher nicht automatisch Hybridsoftware.

Entwicklungsrechner oder vielseitiger PC?

Die Firmware war auf spezielle TeraDrive-Programme vorbereitet. Entwickler konnten Code auf der PC-Seite erstellen, Daten in erreichbare Speicherbereiche übertragen und Programme oder Routinen auf der Mega-Drive-Hardware ausführen. Zeitgenössische Berichte erwähnten dafür vorgesehene Werkzeuge.

Ein allgemein erhältliches Entwicklungspaket mit vollständiger Hardwarebeschreibung und kommerziellem Mega-Drive-SDK ist nicht bekannt. Segas Werbung stellte Programmierung und Entwicklung neben Büroanwendungen, Multimedia und gewöhnliche Spiele.

Der TeraDrive eignete sich für Entwicklungsaufgaben und war technisch darauf vorbereitet. Als reine Entwicklerstation wurde er nicht angeboten. Seine Firmware zeigt, was möglich war; eine breite Verwendung in professionellen Studios ist nicht dokumentiert.

Aufrüsten: ein Steckplatz und zu viele Möglichkeiten

Sega sah zwei reguläre Ausbauwege vor. Der PC-Arbeitsspeicher ließ sich bis 2,5 MB erweitern, und ein einzelner AT-Bus-kompatibler Steckplatz nahm eine Half-Size-Karte auf.

Für einen DOS-PC war dieser eine Steckplatz schnell vergeben. Eine Sound-Blaster-kompatible Karte verbesserte viele Spiele deutlich, weil die PC-Seite ab Werk nur einfache Beep- und PCM-Funktionen bot. Die FM- und PSG-Klangerzeugung des Mega Drive stand gewöhnlicher DOS-Software nicht automatisch als Soundkarte zur Verfügung.

Die Karte musste in das flache Gehäuse passen und mit der Stromversorgung des TeraDrive auskommen. Eine volle ISA-Kompatibilität auf dem Papier bedeutete noch nicht, dass jede zeitgenössische Karte mechanisch und elektrisch problemlos funktionierte.

Mehr als 2,5 MB RAM

Die Hauptplatine und das BIOS begrenzten den regulären Ausbau auf 2,5 MB. Model 3 war bereits vollständig bestückt.

Spätere Umbauten erreichten deutlich mehr Speicher, teilweise bis zu 8,5 MB. Dafür reichen größere Module allein nicht aus. Zusätzliche Verdrahtung und Eingriffe in die Platine sind nötig.

Mehr RAM verbessert Windows und speicherhungrige DOS-Anwendungen. Für die meisten gewöhnlichen Mega-Drive-Spiele ändert sich nichts, da deren Speicherbereich von der PC-Aufrüstung getrennt bleibt.

Der fest verlötete 286

Auch ein CPU-Upgrade war nicht vorgesehen. Der 80286 sitzt direkt auf der Hauptplatine. Ein Austausch erfordert das Auslöten des Prozessors, einen nachgerüsteten Sockel und je nach Beschleuniger weitere Änderungen an Takt und Platine.

Solche Umbauten zeigen, was technisch möglich ist. Für einen seltenen Rechner sind sie kein naheliegender Standardausbau. Der größte Flaschenhals blieb zudem nicht allein die CPU: wenig RAM, der einzelne Steckplatz und die begrenzte Festplatte wirkten gleichzeitig.

Die 30-MB-Festplatte

Model 3 enthielt eine 30-MB-Festplatte aus IBMs WDL-330-Familie. In erhaltenen Geräten wurde unter anderem eine WDL-330PS dokumentiert. Die gelegentlich genannte WDL-320 mit 20 MB passt weder zu Segas offizieller Model-3-Ausstattung noch zu den untersuchten Rechnern.

Die Bezeichnung der Schnittstelle sorgt bis heute für Verwirrung.

XTA steht für XT Attachment. Dabei handelt es sich um eine frühe 8-Bit-Festplattenschnittstelle für Rechner der XT-Klasse. Ein großer Teil der Controller-Elektronik sitzt bereits im Laufwerk. XTA ähnelt damit im Grundgedanken dem späteren ATA beziehungsweise IDE, ist aber nicht mit dessen 16-Bit-Schnittstelle kompatibel.

Die in frühen IBM-PS/2-Systemen verwendete Lösung wird häufig ebenfalls als XTA bezeichnet. Technisch verwendet sie jedoch andere Befehle und Register. Eine gewöhnliche XTA-Festplatte lässt sich deshalb nicht einfach anschließen. „XTA“ beschreibt hier eher die Geräteklasse als einen vollständig kompatiblen Standard.

ESDI steht für Enhanced Small Device Interface. Dieser Standard aus den Achtzigern verlagerte einen Teil der Signalaufbereitung vom Controller in das Laufwerk und erlaubte höhere Datenraten als die ältere ST-506-Technik. Gewöhnliches ESDI arbeitete mit getrennten Steuer- und Datenkabeln.

Der MAME-Treiber bezeichnet die noch nicht nachgebildete TeraDrive-Festplattentechnik als eingebautes ESDI-Interface und ausdrücklich nicht als IDE. Das WDL-330-Laufwerk des TeraDrive verwendet jedoch keinen normalen ESDI-Kabelsatz, sondern einen IBM-spezifischen Anschluss, über den auch die Stromversorgung geführt wird.

Für den Leser ist der praktische Punkt wichtiger als die strittige Bezeichnung: Eine normale IDE-, XTA- oder ESDI-Festplatte lässt sich nicht direkt einsetzen.

Heute gehört das Originallaufwerk zu den schwierigsten Bestandteilen des Rechners. Ein funktionierendes Exemplar sollte zunächst vollständig gesichert werden. Für einen Ersatz sind ein zusätzlicher Controller, ein angepasster Adapter oder ein moderner Massenspeicherumbau nötig.

XT-IDE- und CompactFlash-Lösungen bieten mehr Speicher und höhere Zuverlässigkeit. Ihr Controller belegt jedoch den einzigen regulären Erweiterungssteckplatz. Damit konkurriert die neue Festplatte unmittelbar mit der Soundkarte.

Moderne Ersatz-Riser können mehrere ISA-Steckplätze bereitstellen und diesen Konflikt entschärfen. Sie verändern den ursprünglichen Ausbau und benötigen je nach Kartenbestückung eine angepasste Stromversorgung.

Für einen heute regelmäßig verwendeten TeraDrive ist eine zuverlässige Speicherlösung die sinnvollste Aufrüstung. Danach folgt für DOS-Spiele eine kompatible Soundkarte. Mehr RAM hilft ausgewählten Anwendungen; ein CPU-Umbau greift dagegen tief in die seltene Hardware ein.

Mega-CD, 32X und Mega Adapter

Der TeraDrive besitzt den Erweiterungsanschluss des Mega Drive. Die dokumentierte Pinbelegung enthält auch Signale, die vom Mega-CD verwendet werden. Ein gewöhnliches Mega-CD passt wegen der Gehäuseform trotzdem nicht direkt an den Rechner.

Zeitgenössische Berichte erwähnten eine eigene CD-ROM-Erweiterung für den TeraDrive. Sie sollte offenbar sowohl PC- als auch Mega-Drive-Anwendungen dienen. Eine Verkaufsversion erschien nicht.

Mit einer angepassten Verlängerung des Erweiterungsbusses lässt sich ein gewöhnliches Mega-CD technisch verbinden. Das war weder eine von Sega angebotene Aufrüstung noch eine Lösung, die ein damaliger Käufer aus der Verpackung nehmen konnte.

Beim 1994 erschienenen Super 32X liegen die Schwierigkeiten an anderer Stelle. Die dokumentierte Speicherbelegung des TeraDrive führt die üblichen MARS- und 32X-Registerbereiche auf, falls ein 32X vorhanden ist. Die Grundarchitektur steht dem Zusatz damit nicht vollständig im Weg.

Der versenkte Modulschacht verhindert jedoch das direkte Aufstecken. Mindestens eine Modulverlängerung ist erforderlich. Hinzu kommt die Bildausgabe: Das 32X muss sein eigenes Bild mit dem Videosignal des Mega Drive verbinden. Der TeraDrive besitzt dafür nicht die gewöhnliche Mega-Drive-Verkabelung. Ein vollständiger Aufbau benötigt daher weitere Anpassungen. Eine offizielle Unterstützung ist nicht bekannt.

Der japanische Mega Adapter für Mark-III- und Master-System-Spiele scheitert bereits an seiner Form. Sega nennt ausdrücklich, dass er weder am Mega Drive 2 noch am TeraDrive angebracht werden kann. (SEGA セガ | 製品情報)

Der eingebaute Mega-Drive-Chipsatz machte den Rechner damit nicht automatisch zu allen früheren und späteren Zusatzgeräten kompatibel. Modulschacht, Gehäuse und Videoanschlüsse setzten eigene Grenzen.

Ein Markt ohne Verkaufszahlen

Der TeraDrive blieb auf Japan beschränkt. Westliche Vorberichte spekulierten über eine Veröffentlichung in Großbritannien und weiteren Ländern, doch dazu kam es nicht.

Sega veröffentlichte keine bekannten Verkaufszahlen. Auch ein genaues Produktionsende ist nicht dokumentiert. Angaben wie „nach wenigen Monaten eingestellt“ oder „nur 10.000 Exemplare gebaut“ haben keine gesicherte Grundlage.

Seine geringe Marktwirkung ist trotzdem erkennbar. Es gab keinen regulären Nachfolger, nur wenige speziell angepasste Programme und keine internationale Vermarktung.

Für einen Käufer, der hauptsächlich Mega-Drive-Spiele spielen wollte, war bereits Model 1 teuer. Wer vor allem einen PC benötigte, bekam leistungsfähigere oder leichter erweiterbare Rechner. Der TeraDrive musste seinen Preis mit der Verbindung beider Hardwarebereiche rechtfertigen.

Diese Verbindung existierte. Das Softwareangebot nutzte sie nur selten.

Was vom TeraDrive bleibt

Der TeraDrive war kein gewöhnlicher PC mit einer zusätzlich eingesetzten Konsolenkarte. Sega und IBM Japan kombinierten einen 286-Rechner, eine veränderte Mega-Drive-Architektur, zwei Videosysteme und einen kontrollierten Austausch zwischen den Adressräumen auf einer gemeinsamen Hauptplatine.

Die Hardware beherrschte zwei klar getrennte Betriebsweisen. PC und Mega Drive konnten unabhängig und gleichzeitig laufen. Für den engeren Zugriff übergab eine Seite der anderen die Kontrolle. Ein zusätzliches Firmware-ROM verwaltete Startmenü, Kanji-Zeichensatz, Modulschutz und mehrere Formen TeraDrive-spezifischer Software.

Die Grenzen waren ebenso konkret. Der 286 bot wenig Zukunftsreserve, der offizielle RAM-Ausbau endete bei 2,5 MB, und der einzige Erweiterungssteckplatz zwang zur Wahl zwischen Sound, Massenspeicher und anderer Peripherie. Die ungewöhnliche Festplattenschnittstelle erschwert Reparaturen bis heute. Spätere Konsolenzusätze benötigen Adapter oder weitere Umbauten.

Sega und IBM bauten eine technisch ernst zu nehmende Verbindung zwischen zwei Rechnerwelten. Für ein ebenso überzeugendes Angebot aus Software und Erweiterungen reichte es nicht.

 

Nascom 2: Als zehn RAM-Chips zum Lieferproblem wurden

Der Nascom 2 sollte 1979 fast alles auf einer Platine vereinen, was ein brauchbarer Mikrocomputer benötigte: Z80A, Monitorprogramm, BASIC, Bildausgabe, Tastatur, Kassetteninterface und Erweiterungsbus. Die geplante RAM-Bestückung ließ sich jedoch nicht in ausreichender Stückzahl beschaffen.

Der Nascom 2 folgte auf einen erfolgreichen Vorgänger. Der Ende 1977 vorgestellte Nascom 1 kombinierte bereits einen Z80-Prozessor mit vollständiger Tastatur, Videoausgabe, Kassetteninterface und parallelen Schnittstellen. Damit bot er erheblich mehr als viele damalige Einplatinenbausätze, deren Bedienung sich auf Hexadezimaltastatur und Leuchtdioden beschränkte. Nascom gab 1979 an, innerhalb von 18 Monaten rund 12.000 Geräte verkauft zu haben. Der Hersteller betrachtete den Nascom 2 deshalb ausdrücklich nicht als Ersatz für das erste Modell. Er sollte die Reihe um einen stärker als vollständiger Computer ausgelegten Bausatz ergänzen, bei dem viele zuvor notwendige Erweiterungen bereits auf der Hauptplatine saßen: ein schnellerer Z80A, mehr Speicherplätze, Microsoft BASIC im ROM, der neue NAS-SYS-Monitor und eine erweiterte Tastatur.

Für den Nascom 2 wurden zehn Kilobyte RAM 1979 zu einem Produktionsproblem. Der britische Hersteller hatte den Rechner als ungewöhnlich vollständig ausgestatteten Einplatinencomputer entworfen. Neben Prozessor, Videoerzeugung und Ein-/Ausgabelogik sollten zehn statische Speicherbausteine vom Typ Mostek MK4118 auf der Hauptplatine sitzen.

Acht davon bildeten den Anwenderspeicher. Je ein weiterer MK4118 diente als Bildschirmspeicher und als Arbeitsbereich für Systemprogramme. Die vollständige Bestückung ergab damit zehn Kilobyte RAM.

Hinzu kamen zehn Kilobyte ROM. Zwei Kilobyte enthielten NAS-SYS 1, den Monitor zum Starten, Untersuchen und Bearbeiten von Programmen. Weitere acht Kilobyte waren mit Microsoft BASIC belegt. Zusammen ergab das die beworbenen 20 Kilobyte Speicher auf der Hauptplatine: zwei Kilobyte Monitor-ROM, acht Kilobyte BASIC, acht Kilobyte Anwender-RAM sowie je ein Kilobyte für Bildschirmspeicher und Workspace. Der Bausatz kostete 295 Pfund zuzüglich Mehrwertsteuer.

Speicher auf einer zusätzlichen Platine

Die Konstruktion setzte voraus, dass Nascom zehn MK4118 für jeden vollständig bestückten Rechner beschaffen konnte. Genau daran scheiterte die geplante Serienkonfiguration. Die Bausteine waren zeitweise nicht in ausreichender Menge verfügbar.

Nascom änderte deshalb das Angebot. Auf der Hauptplatine verblieben die beiden unverzichtbaren MK4118 für Bildschirmspeicher und Workspace. Die acht Bausteine für den Anwenderspeicher entfielen zunächst. Stattdessen erhielten Käufer eine separate dynamische 16-KByte-RAM-Karte für den NAS-BUS.

Zeitgenössische Anzeigen bezeichneten diese Karte als kostenlose Erweiterung und führten den Preis von 295 Pfund zuzüglich Mehrwertsteuer weiter. Die Werbung erklärte zugleich, dass der Rechner wegen der fehlenden MK4118 ohne die acht vorgesehenen Anwenderspeicher ausgeliefert werde.

Die geänderte Ausführung bot damit mehr nutzbaren Speicher als die ursprünglich geplante Vollbestückung. Sie benötigte allerdings eine zusätzliche Platine, eine Busverbindung und ein Netzteil, das auch die Erweiterung versorgen konnte. Aus dem als Einplatinencomputer entworfenen Nascom 2 wurde bereits in seiner frühen Lieferkonfiguration ein System aus mehreren Baugruppen.

Der gepufferte NAS-BUS machte diese Änderung überhaupt praktikabel. Die Erweiterungsschnittstelle gehörte von Beginn an zur Konstruktion und führte Adress-, Daten- und Steuersignale der CPU nach außen. Beim Nascom 2 war dafür keine separate Pufferplatine erforderlich. Die RAM-Karte nutzte somit eine vorhandene Systemfunktion, auch wenn ihr Einsatz ursprünglich nicht als Voraussetzung für die Grundausstattung gedacht war.

Tastatur, Video und Schnittstellen

Nascom zielte auf einen Rechner, dessen Ein- und Ausgabe nicht auf Hexadezimaltastatur und Leuchtdioden beschränkt waren. Auch dem Bausatz lag eine fertig aufgebaute alphanumerische Tastatur mit 57 Tasten bei. Zusammen mit der integrierten Videoerzeugung konnte der Nascom 2 nach dem Aufbau unmittelbar mit einem Fernseher oder Monitor verwendet werden. Eine vollständige Tastatur und eine Bildschirmschnittstelle waren bei Mikrocomputerbausätzen dieser Zeit noch keine Selbstverständlichkeit.

Ganz fehlersicher war die Verkabelung nicht. Das Hardwarehandbuch warnt ausdrücklich davor, die Tastatur mit dem benachbarten seriellen Anschluss zu verbinden. Dort lagen Spannungen an, die die Tastatur beschädigen konnten.

Als Prozessor diente ein Z80A. Frühe Beschreibungen nannten mehrere Taktstufen; das überarbeitete Lucas-Handbuch von 1981 dokumentiert eine Umschaltung zwischen zwei und vier Megahertz und bezeichnet vier Megahertz als normale Einstellung. Für die spätere offizielle Konfiguration sind daher zwei oder vier Megahertz die belastbarsten Angaben.

Zur Grundausstattung gehörten außerdem ein UART für serielle Kommunikation und ein Z80-PIO mit zwei parallelen Acht-Bit-Ports. Das Kassetteninterface arbeitete regulär mit 300 oder 1.200 Baud. Das Handbuch beschreibt zusätzlich eine 2.400-Baud-Konfiguration, für die Verbindungen auf der Platine geändert werden mussten. Auch RS-232 und eine 20-mA-Stromschleife waren vorgesehen. Diese Schnittstellen gehörten bereits zum Grundentwurf der Hauptplatine.

Textdarstellung und Zeichensatzgrafik

Die Bildausgabe zeigte 48 Zeichen in 16 Zeilen. Der Bildschirmspeicher belegte die Adressen 0800 bis 0BFF hexadezimal, der Workspace folgte von 0C00 bis 0FFF. NAS-SYS lag am unteren Ende des Adressraums, das acht Kilobyte große BASIC-ROM im Bereich E000 bis FFFF.

Eine frei adressierbare Bitmapgrafik besaß der Nascom 2 nicht. Auf der Platine befand sich jedoch ein Sockel für einen zweiten Zeichengenerator. Der optionale NAS-GRA-ROM ergänzte den normalen Zeichensatz um 128 grafische Zeichen. Microsoft BASIC konnte daraus eine blockbasierte Darstellung mit 96 × 48 Elementen zusammensetzen. Die häufig genannte Auflösung bezeichnet daher Zeichensatz-Semigrafik.

Eine integrierte Klangerzeugung besaß der Rechner nicht. Töne ließen sich über zusätzliche Hardware oder programmierte Ausgabeleitungen erzeugen, gehörten aber nicht zur serienmäßigen Ausstattung.

Konfiguration per Steckbrücke

Die acht Speicherplätze für den Anwenderbereich waren nicht ausschließlich für RAM vorgesehen. Über Linkblöcke konnten sie je nach Bestückung für MK4118-RAM oder 2708-EPROM eingerichtet und unterschiedlichen Bereichen des Adressraums zugeordnet werden.

Das Lucas-Handbuch widmet diesen Einstellungen mehrere Seiten. Falsch verdrahtete Linkblöcke konnten zu Fehlfunktionen oder Schäden führen. Flexibilität bedeutete hier elektrische Konfiguration: Der Benutzer musste Speicherart, Adressierung, Takt und mehrere Schnittstellenoptionen direkt auf der Platine festlegen.

Die erhaltene Ausgabe des Hardwarehandbuchs trägt das Datum 17. Juli 1981 und nennt Nascom bereits als Abteilung von Lucas Logic. Sie dokumentiert weiterhin die ursprüngliche Hauptplatine, ihre Speicheroptionen, Schnittstellen und das vollständige Schaltbild. Der Rechner blieb damit auch nach den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des ursprünglichen Herstellers ein gepflegtes und erweiterbares System.

Der Nascom 2 entsprach noch nicht dem späteren Bild eines geschlossenen Heimcomputers. Netzteil, Gehäuse und Massenspeicher mussten ergänzt werden, und viele Einstellungen erfolgten über Schalter, Steckbrücken oder Verdrahtung. Dafür brachte die Hauptplatine bereits Tastaturanschluss, Videoerzeugung, Kassetteninterface, serielle und parallele Ein-/Ausgabe sowie einen gepufferten Erweiterungsbus mit.

Als die vorgesehenen MK4118 nicht in ausreichender Menge verfügbar waren, konnte Nascom die acht Kilobyte Anwenderspeicher auf eine externe DRAM-Karte verlagern. Die Lösung machte den Rechner aufwendiger, ermöglichte aber die Auslieferung ohne die vollständige SRAM-Bestückung. Der Erweiterungsbus wurde damit schon beim Marktstart zu einem wesentlichen Bestandteil des Systems.

Technische Daten

Merkmal Nascom 2
Vorstellung 1979
ursprünglicher Hersteller Nascom Microcomputers
spätere Firmenbezeichnung Nascom Microcomputers, Division of Lucas Logic
Preis £295 zuzüglich Mehrwertsteuer als Bausatz
Prozessor Zilog Z80A
Takt 2 oder 4 MHz in der Lucas-Dokumentation
geplantes RAM auf der Hauptplatine 10 KByte: 8 KByte Anwender-, 1 KByte Video- und 1 KByte Workspace-RAM
geänderte frühe Konfiguration 2 KByte RAM auf der Hauptplatine plus 16-KByte-DRAM-Karte
ROM 2 KByte NAS-SYS 1 und 8 KByte Microsoft BASIC
Bildausgabe monochrom, 48 × 16 Zeichen
Grafik optionaler Zeichengenerator für Semigrafik bis 96 × 48
Tastatur 57 Tasten, fertig aufgebaut
Massenspeicher Kompaktkassette, regulär 300 oder 1.200 Baud
Erweiterung gepufferter NAS-BUS
Sound keine integrierte Klangerzeugung

Commodore CBM 700 (1983) – Viel Rechner, wenig Erklärung

CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons, Curid 16547

Dr. Reinhard Grabowski wollte den Commodore CBM 700 1984 für die mc testen. Statt lediglich Leistung und Bedienung zu prüfen, musste er zunächst herausfinden, wie das System überhaupt arbeitete. Er suchte Systemadressen, untersuchte Befehle durch eigene Versuche und veröffentlichte seine Ergebnisse anschließend in seinem fünfseitigen Bericht „Computer mit Dokumentations-Defizit – Commodore-700“.

Die mc – Die Mikrocomputer-Zeitschrift war kein Magazin für Gelegenheitskäufer. Das seit 1981 im Franzis-Verlag erscheinende Fachblatt behandelte Prozessoren, Schaltungen und maschinennahe Programmierung. Seine Leser sollten Computer nicht nur bedienen, sondern ihren Aufbau verstehen. Wenn selbst der Autor eines solchen Magazins den CBM 700 teilweise selbst dokumentieren musste, saß das Problem nicht vor der Tastatur.

Auf den ersten Blick machte der Rechner einen freundlichen Eindruck. Der Bildschirm zeigte saubere grüne Zeichen, die abgesetzte Tastatur arbeitete leise, und das abgerundete Gehäuse wirkte neben den kantigen PET-Modellen wie der Beginn einer neuen Commodore-Generation. Im Inneren steckten reichlich Speicher, IEEE-488, RS-232 und sogar der SID des Commodore 64. Es fehlten jedoch Programme und Unterlagen, die daraus einen verlässlichen Arbeitsplatz machten.

Ein neuer Commodore für das Büro

Commodores PET- und CBM-Rechner hatten sich in Schulen, Laboren und kleineren Betrieben etabliert. Anfang der 1980er-Jahre stieß ihre Architektur jedoch an Grenzen. Größere Speichererweiterungen ließen sich nur mit angepasster Software sinnvoll nutzen, während neue Geschäftsanwendungen mehr Platz verlangten.

Die 1982 angekündigte CBM-II-Familie sollte diese Beschränkungen beseitigen. Die flachen 600er-Modelle arbeiteten mit einem externen Monitor, während die 700er einen eingebauten 12-Zoll-Bildschirm und eine frei aufstellbare Tastatur erhielten. In Europa kamen vor allem der CBM 710 mit 128 KByte RAM und der CBM 720 mit 256 KByte auf den Markt.

Daneben kursierten Bezeichnungen wie B700, CBM 128-80, CBM 256-80 oder PET 700. Commodore plante außerdem Modelle mit Doppellaufwerken und zusätzlichen Prozessoren. Ein übersichtliches Sortiment entstand daraus nicht.

Das Gehäuse entwarf Ira Velinsky, ein amerikanischer Industriedesigner bei Commodore. Seine Softline ersetzte die Blechkanten älterer PETs durch Rundungen und ein nach hinten abfallendes Monitorgehäuse. Die Bürocomputer-Serie erhielt 1983 eine iF-Auszeichnung. Später verwendete Commodore die Form unter anderem für den CBM 8032-SK, den 8096-SK und den 8296 weiter.

Grabowski lobte die praktische Ausführung des 700ers. Die entspiegelte Bildfläche zeigte kräftig grüne Zeichen, deren vergleichsweise lange Nachleuchtdauer für ein ruhiges Bild sorgte. Schnelle Veränderungen blieben allerdings kurz sichtbar. Auch der eingebaute Lüfter meldete sich hörbar – im stillen Büro lästiger als auf einem Messestand.

Viel Speicher hinter mehreren Türen

Im CBM 700 arbeitete ein MOS 6509A mit rund 2 MHz. Der mit dem 6502 verwandte Prozessor konnte mittels Bank-Switching zwischen mehreren Speicherbereichen wechseln. Das war nötig, weil ein gewöhnlicher 6502 nur 64 KByte unmittelbar ansprechen konnte.

Der 6509 teilte den Speicher in bis zu 16 Bänke mit jeweils 64 KByte auf. Damit entstand theoretisch ein Adressraum von einem Megabyte. Der CBM 710 besaß 128 KByte, der CBM 720 256 KByte; Erweiterungen sollten insgesamt bis zu 960 KByte ermöglichen.

Der Prozessor sah jedoch nie den gesamten Speicher gleichzeitig. Er arbeitete innerhalb einer ausgewählten Bank und wechselte bei Bedarf in eine andere. BASIC verteilte Programmtext, Variablen und Zeichenketten weitgehend automatisch auf die verschiedenen Bereiche. Wer ausschließlich in BASIC arbeitete, bekam vom Bank-Switching daher wenig mit.

In Maschinensprache wurde es schwieriger. Programmierer mussten wissen, in welcher Bank ihr Code lag, welche Systemroutinen erreichbar waren und auf welchen Speicherbereich ein Befehl tatsächlich zugriff. Genau hier ließ das deutsche Handbuch Grabowski im Stich. Es erklärte zwar die grundsätzliche Speicheraufteilung, enthielt aber keine vollständige Übersicht der vom Betriebssystem verwendeten Adressen. Grabowski suchte deshalb selbst nach Cursorposition, Bildschirmzeile, Textfenster und Tastaturpuffer und veröffentlichte seine Ergebnisse im Test.

BASIC war nicht das Problem

Nach dem Einschalten meldete sich der Rechner mit BASIC 4.0+. Das wirkte 1983 bei einem Bürocomputer bereits etwas konservativ, doch die Sprache war deutlich besser ausgestattet als das schlichte BASIC V2 des C64.

Mit PRINT USING ließen sich Zahlenkolonnen, Dezimalstellen und Währungsbeträge sauber ausrichten – nützlich für Rechnungen, Lagerlisten und Tabellen. Verzweigungen konnten übersichtlicher geschrieben und Programmfehler behandelt werden, ohne dass die Ausführung sofort abbrach. Hinzu kamen Befehle für Laufwerke, Dateien, Zeichenketten und die Speicherbänke. Grabowski beurteilte vor allem die Fehlerbehandlung positiv und sah in BASIC 4.0+ ein brauchbares Fundament für kaufmännische und technische Programme.

Auch die Tastatur passte zum Büroeinsatz. Sie besaß einen eigenen Ziffernblock und programmierbare Funktionstasten, auf denen Befehle oder kurze Eingabefolgen abgelegt werden konnten. Der Editor arbeitete komfortabler als beim CBM 8032.

Eine kleine Eigenheit fiel erst bei längerer Benutzung auf: Hielt man eine Cursortaste gedrückt, verschwand der Cursor während der Bewegung und tauchte erst am Ziel wieder auf. Der Benutzer konnte zwischendurch nur schätzen, wie weit er gewandert war.

Der SID im Rechnungsbüro

Zwischen Speichersteuerung und Schnittstellen saß ein MOS 6581 SID. Der Chip bot drei programmierbare Stimmen, Hüllkurven, mehrere Wellenformen und ein gemeinsames Filter.

Beim C64 wurde der SID zum Ausgangspunkt zahlloser Spiele und Musikprogramme. Im CBM 700 war er eher für Signaltöne und akustische Rückmeldungen gedacht. Ein Rechner für Buchhaltung und Textverarbeitung konnte damit drei Stimmen durch ein analoges Filter schicken, während der Anwender am Grünmonitor seine Zahlenkolonnen bearbeitete.

Für den Büroalltag wichtiger war der IEEE-488-Bus. Vorhandene Commodore-Laufwerke und Drucker ließen sich grundsätzlich weiterverwenden. Der CBM 700 benötigte dafür allerdings ein besonderes Adapterkabel, weil sein Anschluss nicht in der von älteren Geräten gewohnten Form herausgeführt wurde.

Hinzu kam eine RS-232-Schnittstelle für Drucker, Modems und Terminals. Auch hier verlief der praktische Einsatz nicht immer geradlinig. Commodores eigener Zeichencode stimmte nicht vollständig mit dem ASCII-Code vieler Geräte überein. Grabowski warnte daher vor möglichen Zusatzkosten für eine Codewandlung.

Z80- und 8088-Koprozessoren sollten später CP/M beziehungsweise MS-DOS zugänglich machen. Die 8088-Platine erreichte mehrere Entwicklungsstufen, wurde jedoch nie zu einer breit verfügbaren und verlässlich unterstützten Erweiterung.

Das Handbuch kam nicht beim Käufer an

Der Titel „Computer mit Dokumentations-Defizit“ bedeutete nicht, dass Commodore überhaupt keine Unterlagen verfasst hatte. Ein deutsches Handbuch existierte, und auch ein umfangreicher englischer Reference Guide ist erhalten geblieben. Entscheidend war jedoch, was der Käufer 1984 tatsächlich bekam.

Das deutsche Handbuch behandelte maschinennahe Fragen nur oberflächlich. Das ausführlichere englische Material war nach Grabowskis Angaben in Deutschland nicht erhältlich. Nach späteren Berichten aus der CBM-II-Szene stellte ein Mitarbeiter von Commodore UK das englische Programmiererhandbuch weitgehend aus eigener Initiative und teilweise in seiner Freizeit zusammen, weil die britische Niederlassung den Rechner an Geschäftskunden verkaufen wollte.

Der Autor verfügte demnach nicht über vollständigen Zugang zu den Entwicklern und ihren Unterlagen. Das könnte erklären, weshalb das Handbuch viele nützliche Angaben enthielt, an anderen Stellen aber unklar blieb oder Beispiele aufführte, die nicht zuverlässig funktionierten.

Auch der erhaltene Reference Guide wirkt nicht wie eine vollständig durchredigierte Systembeschreibung. Bereits auf den ersten Seiten werden Hoch- und Niedrigprofilmodelle sowie verschiedene Bezeichnungen miteinander vermischt. Wer tiefer einsteigen wollte, benötigte zusätzliche Bücher und musste selbst herausfinden, welche Angaben für das eigene Modell galten.

Diese Lücke traf den CBM 700 besonders hart. Die neue Speicherarchitektur machte Programme des CBM 8032 häufig inkompatibel. Reines BASIC ließ sich noch anpassen, doch kommerzielle Anwendungen verwendeten oft feste Speicheradressen, eigene Bildschirmroutinen oder Maschinensprache. Neue Software hätte geschrieben werden können – dafür benötigten Programmierer jedoch genau jene Systeminformationen, die Commodore nicht zuverlässig bereitstellte.

Zu spät für den Markt

Ein Geschäftskunde kaufte keinen Computer, um auf eine künftige Umsetzung seiner Buchhaltung zu warten. Das Gerät sollte am Tag der Lieferung eine konkrete Aufgabe übernehmen. Grabowski berichtete, einige Händler würden den CBM 700 bereits nur noch mit ausdrücklichen Vorbehalten verkaufen.

Die älteren Commodore-Systeme boten weniger Speicher, konnten dafür aber auf vorhandene Programme und erfahrene Anwender zurückgreifen. Gleichzeitig wuchs rund um den IBM PC ein Markt aus Software, Erweiterungskarten und kompatiblen Nachbauten.

Innerhalb Commodores beanspruchte der erfolgreiche C64 einen großen Teil der Entwicklungskapazitäten, Fertigung und Werbung. Änderungen an Hardware und Firmware verzögerten unterdessen die CBM-II-Reihe. Die europäischen Geräte gingen erst gegen Ende 1983 in Braunschweig in Produktion. Bereits 1984 endete die Fertigung wieder.

In Großbritannien senkte Commodore den Preis der 700er-Serie 1983 um 18 Prozent auf 650 Pfund. Inflationsbereinigt entspricht das rund 2.960 Pfund im Jahr 2026. Laufwerk, Drucker und Anwendungssoftware waren damit noch nicht bezahlt.

Der Nachlass änderte nichts am Kernproblem. 128 oder 256 KByte RAM waren für einen Betrieb nur dann nützlich, wenn am Montagmorgen ein Programm bereitstand, das damit arbeitete.

Die Benutzer übernehmen

In den USA gelangten viele Geräte über den Restpostenhändler Protecto an neue Besitzer. Rund um Chicago entstand eine Benutzergruppe, die Programme, technische Hinweise und interne Unterlagen sammelte. Sie hielt das aufgegebene System noch einige Jahre am Leben.

Vier Jahrzehnte später stieß ein heutiger CBM-II-Programmierer auf dieselben Lücken. Er wollte das alte, mit der Schreibmaschine erstellte Referenzmaterial zunächst nur neu setzen und besser lesbar machen. Beim Durcharbeiten fand er jedoch unklare Erklärungen und Beispiele, die nicht funktionierten. Aus der Neusetzung entstand deshalb ein neues Handbuch mit Speicherkarte, KERNAL-Routinen und eigenen Programmbeispielen.

Commodore verwendete das Softline-Gehäuse später für Rechner, deren ältere Technik besser dokumentiert war und auf eine vorhandene Softwarebasis zurückgreifen konnte. Der modernere CBM 700 verschwand dagegen aus dem Programm.

Der Rechner war längst ein Sammlerstück. Seine Gebrauchsanweisung war noch immer nicht fertig.

Philips P330 – Der Bürocomputer im Schreibtisch

Der Philips P330 gehörte zu einer Geräteklasse, die heute fast vollständig verschwunden ist: integrierte Büroarbeitsplätze für kaufmännische Anwendungen. Der 1978 vorgestellte Rechner vereinte Bildschirm, Drucker, Laufwerke und Recheneinheit in einem einzigen Möbelstück und war für Aufgaben wie Finanzbuchhaltung, Lohnabrechnung, Fakturierung und Lagerverwaltung vorgesehen. Während spätere Personal Computer meist aus separaten Komponenten bestanden, präsentierte sich der P330 als komplette Arbeitsplatzanlage für den professionellen Einsatz.

Entwickelt wurde das System von Philips Data Systems, jener Unternehmenssparte des niederländischen Elektronikkonzerns, die für Lösungen zur elektronischen Datenverarbeitung verantwortlich war. Der P330 entstand als Nachfolger älterer Philips-Bürosysteme, bei denen Magnetkontenkarten und spezialisierte Abrechnungsverfahren eine wichtige Rolle spielten. Ziel war es, kaufmännische Arbeitsabläufe stärker softwaregestützt abzuwickeln und größere Datenbestände elektronisch zu verwalten.

Bereits die äußere Erscheinung unterschied sich deutlich von dem, was heute üblicherweise mit einem Computer verbunden wird. Die Technik war vollständig in einen massiven Schreibtisch integriert. Vor dem Anwender befand sich ein Schwarz-Weiß-Monitor, daneben arbeiteten die eingebauten Diskettenlaufwerke, während der Drucker direkt in die Tischkonstruktion eingelassen war. Der Bildschirm konnte 24 Zeilen mit jeweils 80 Zeichen darstellen und war auf die Darstellung von Formularen, Listen und Buchungsdaten ausgelegt.

Im Inneren arbeitete ein Intel-8080-Prozessor beziehungsweise ein kompatibler NEC-Lizenznachbau. Zur Standardausstattung gehörten 32 Kilobyte Arbeitsspeicher. Die Datenspeicherung erfolgte über zwei integrierte 8-Zoll-Diskettenlaufwerke. Je nach eingesetzter Laufwerksgeneration konnten unterschiedliche Speicherkapazitäten verwendet werden. Zusätzlich waren ein Magnetband-Kassettenlaufwerk zur Datensicherung sowie externe Festplatten als Sonderausstattung erhältlich.

Der fest eingebaute Nadelmatrixdrucker war für den täglichen Büroeinsatz vorgesehen. Er konnte Journale, Buchungslisten, Kontenauszüge und Durchschlagsformulare direkt ausgeben. Dadurch ließen sich viele Arbeitsabläufe ohne zusätzliche Peripheriegeräte erledigen.

Frühere Philips-Buchhaltungssysteme arbeiteten teilweise mit sogenannten Magnetic Ledger Cards. Dabei handelte es sich um Kontenkarten mit Magnetstreifen, auf denen Buchungsdaten gespeichert wurden. Beim P330 verlagerte sich die Datenspeicherung überwiegend auf 8-Zoll-Disketten. Dadurch konnten größere Datenbestände verwaltet und Arbeitsabläufe flexibler organisiert werden, ohne dass für jedes Konto eine eigene Magnetkarte erforderlich war.

Nach dem Einschalten stand nicht sofort ein betriebsbereites System zur Verfügung. Zunächst musste eine Systemdiskette eingelegt werden, von der Betriebssystem und Anwendungsprogramme in den Arbeitsspeicher geladen wurden. Anschließend standen die jeweils benötigten Buchhaltungs- oder Verwaltungsprogramme zur Verfügung. Der Rechner war für typische kaufmännische Aufgaben in kleinen und mittleren Unternehmen vorgesehen und wurde unter anderem in Finanzabteilungen, Lohnbüros und Verwaltungsbereichen eingesetzt.

Der Markt für solche Systeme war Ende der 1970er Jahre stark umkämpft. Philips konkurrierte unter anderem mit Bürorechnern von IBM, Nixdorf und Wang. Anders als spätere Standard-PCs wurden diese Anlagen meist als vollständige Geschäftslösung verkauft, häufig einschließlich Installation, Wartung, Schulung und branchenspezifischer Software. Die Anschaffungskosten lagen entsprechend hoch. Zeitgenössische Angaben nennen Preise von rund 80.000 niederländischen Gulden, was heute einer Kaufkraft von deutlich über 100.000 Euro entspricht.

Eine unerwartete Bekanntheit erlangte der P330 durch seinen Auftritt im James-Bond-Film „In tödlicher Mission“ aus dem Jahr 1981. In einer frühen Filmszene ist ein originaler Philips P330 auf dem britischen Aufklärungsschiff St. Georges zu sehen. Noch bekannter wurde das verwandte Modell P430, das im Labor von Q als futuristisch wirkender „Identigraph“ zur Rekonstruktion eines Gesichts eingesetzt wurde. Die im Film gezeigten grafischen Fähigkeiten entsprachen allerdings nicht den Möglichkeiten der realen Systeme; die Darstellung entstand durch Filmtricks.

Mit der Verbreitung standardisierter Personal-Computer-Systeme verlor die Klasse proprietärer Bürosysteme zunehmend an Bedeutung. Viele Anlagen wurden nach ihrer Ausmusterung verschrottet. Aufgrund ihrer Größe, ihres Gewichts und der geringen Nachfrage nach veralteten Geschäftssystemen blieben nur wenige Exemplare erhalten. Die überlebenden Geräte befinden sich heute überwiegend in Museen oder in den Sammlungen spezialisierter Retrocomputer-Enthusiasten.

Der Philips P330 dokumentiert einen Abschnitt der Büroautomatisierung, in dem Hersteller komplette Arbeitsplätze statt einzelner Computer lieferten. Für die Anwender stand nicht die Technik im Vordergrund, sondern die tägliche Bearbeitung von Buchungen, Rechnungen und Geschäftsdaten. Genau dafür wurde der P330 entwickelt.

Kompakte Spezifikationen

Hersteller: Philips
Modell: P330
Erscheinungsjahr: 1978
Entwickler: Philips Data Systems
Prozessor: Intel 8080 beziehungsweise kompatibler NEC-Lizenznachbau
Arbeitsspeicher: 32 KB RAM
Bildschirm: Monochrom, 80 × 24 Zeichen
Massenspeicher: 2 × 8-Zoll-Diskettenlaufwerke
Optionen: Magnetband-Kassettenlaufwerk, externe Festplatte
Drucker: integrierter Nadelmatrixdrucker
Einsatzgebiete: Buchhaltung, Lohnabrechnung, Lagerverwaltung, Fakturierung

ZPA IQ-151

ZPA IQ-151 – Schulcomputer, Überhitzungskünstler und Ostblock-Ikone

Der ZPA IQ-151 gehört zu den markantesten Bildungscomputern des sozialistischen Ostblocks, ein Rechner, der weniger durch technische Brillanz als durch seine Entstehungsbedingungen und seine Rolle im tschechoslowakischen Schulsystem in Erinnerung geblieben ist. Entwickelt und produziert wurde er ab 1985 vom Betrieb ZPA Nový Bor, einem Unternehmen, das ursprünglich auf Mess- und Automatisierungstechnik spezialisiert war. Der IQ-151 war dabei nie als klassischer Heimcomputer gedacht; er wurde überwiegend an Schulen und Bildungseinrichtungen ausgegeben, die in den 1980er-Jahren erstmals systematisch mit Informatikunterricht experimentierten. Seinen Namen erhielt der Rechner von der eingesetzten CPU, der Tesla MHB8080A, einem lokalen Nachbau des Intel-8080-Prozessors, der mit 2 MHz lief und dem Gerät eine für Bildungszwecke ausreichende, wenn auch bescheidene Rechenleistung verlieh.

Sein modularer Aufbau machte den IQ-151 zu einem der ungewöhnlichsten Systeme seiner Zeit. Im Gegensatz zu westlichen All-in-One-Lösungen besaß er kaum integrierte Funktionen; stattdessen wurden entscheidende Komponenten über steckbare Erweiterungskarten bereitgestellt. Zu den verbreiteten Modulen gehörten u. a. die einfachen Videokarten Video 32 oder Video 64, die reine Textdarstellung ermöglichten, sowie weiterentwickelte Module für Grafikbetrieb oder Programmiersprachen wie BASIC oder Pascal. Diese Architektur war teilweise eine pragmatische Antwort auf Materialknappheit und Produktionsbeschränkungen: Funktionen konnten so flexibel ergänzt, ersetzt oder nur bei Bedarf installiert werden. Gleichzeitig war dieses Konzept anfällig für Kontaktprobleme, und viele Benutzer erinnern sich an Geräte, die im laufenden Unterricht ausfielen oder nach kurzer Betriebszeit einen deutlich warmen Metallkorpus entwickelten. Solche Berichte sind gut dokumentiert, auch wenn manche der kursierenden Anekdoten im Rückblick eher humoristisch gefärbt sind als technisch belastbar.

Die grafischen Fähigkeiten des IQ-151 hingen stark vom eingesetzten Videomodul ab. Während die Grundkarten kaum mehr als Text in 32 bzw. 64 Zeichen pro Zeile und 8 Zeilen Höhe darstellen konnten, bot das optionale Grafikmodul eine höhere Auflösung – dennoch blieb das Bild insgesamt weit hinter westlichen Computern wie dem Sinclair ZX Spectrum, dem Atari 800XL oder dem Amstrad CPC 464 zurück. Trotz dieser Beschränkungen erfüllte der Rechner seinen Zweck: Er bot eine Plattform, auf der Schüler erste Erfahrungen in BASIC-Programmierung, algorithmischem Denken und strukturierten Aufgabenproblemen sammeln konnten. Dass Programme oft von Hand gesichert oder abgeschrieben werden mussten, bevor ein überhitztes Gerät den Dienst quittierte, gehört heute zu den charakteristischen Erinnerungen seiner damaligen Nutzer.

In der ostdeutschen Computerlandschaft hätte der IQ-151 gegen Systeme wie den Robotron KC 85/2 oder den späteren KC 87 kaum bestehen können, die robuster und praxisnäher waren. Doch im tschechoslowakischen Kontext besetzte er eine Nische, die ihm rückblickend einen gewissen Kultstatus eingebracht hat. Während der Westen in denselben Jahren bereits mit erschwinglichen, grafikstarken Heimcomputern arbeitete, symbolisiert der IQ-151 jene Mischung aus Improvisation, staatlich gelenkter Produktion und technischem Pragmatismus, die für viele Rechner des sozialistischen Ostblocks prägend war.

Heute sind funktionstüchtige IQ-151-Einheiten selten geworden, vor allem vollständige Systeme mit mehreren Originalmodulen. Auf dem Sammlermarkt erzielen sie aufgrund ihres kulturhistorischen Werts und ihrer ungewöhnlichen Architektur beachtliche Aufmerksamkeit. Der Rechner steht nicht für technologische Spitzenleistung, sondern für eine Zeit, in der Informatikbildung in weiten Teilen Europas noch experimentell war und selbst einfache Maschinen für viele Lernende ein Tor zu einer neuen Denkweise öffneten. Genau darin liegt seine eigentliche Bedeutung.

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Commodore Amiga 600: Vom günstigen A300 zum kompakten Klassiker

Amiga 600

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Commodore Amiga 600 vom Sparmodell zum kompakten Klassiker

Der Amiga 600 ist einer jener Computer, deren Ruf sich mit den Jahrzehnten beinahe umgekehrt hat. 1992 wirkte der kleine Amiga wie ein merkwürdig positionierter Ersatz für ein erfolgreiches Modell. Heute machen ihn gerade sein kompaktes Gehäuse, der interne IDE-Anschluss und der PCMCIA-Steckplatz zu einem ausgesprochen praktischen Klassiker.

Seine Geschichte beginnt jedoch nicht als Amiga 600. Commodore plante zunächst einen günstigen Amiga 300 unterhalb des Amiga 500. Aus diesem Vorhaben wurde ein Rechner, der am Ende mehr kostete als der Computer, den er preislich unterbieten sollte. Genau darin liegt der Kern des A600: Die Technik war keineswegs nutzlos, doch Produktidee, Preis und Zeitpunkt passten nicht mehr zusammen.

Vom günstigen A300 zum teureren A600

Dass der A300 mehr als ein flüchtiger Projektname war, belegt ein gedrucktes Commodore-Handbuch aus dem November 1991. Es beschreibt einen kompakten Rechner mit Motorola 68000, 78-Tasten-Tastatur, internem Diskettenlaufwerk, Speichererweiterung an der Unterseite und einem PCMCIA-Anschluss, damals anschaulich als „credit card connector“ erklärt. Das Dokument zeigt damit ein Produkt, das bereits weit genug fortgeschritten war, um für Kunden erläutert zu werden.

Bei einer späteren Podiumsdiskussion mit ehemaligen Commodore-Entwicklern erinnerte sich Jeff Porter an den Ausgangspunkt. Commodore wollte einen Rechner, dessen Herstellung noch günstiger war als beim A500. Der von IBM gekommene Bill Sydnes sei mit dem Versprechen angetreten, die Kosten deutlich zu senken. Dieses Ziel wurde verfehlt. Als der neue Computer schließlich mehr kostete als ein A500, änderte Commodore die Modellnummer von 300 auf 600. Im Zuge dieses Wechsels erhielt der Rechner auch mehr Arbeitsspeicher.

Das erklärt die verwirrende Stellung des Geräts besser als die oft wiederholte Behauptung, der A600 sei einfach als Nachfolger des A500 entworfen worden. Der A300 sollte die Modellpalette nach unten ergänzen. Erst aus dem teurer gewordenen Projekt wurde ein A600, der plötzlich an die Stelle des etablierten Heimcomputers rückte. Mit dem professionellen Amiga 3000 hatte dieser geplante A300 trotz der ähnlichen Zahl nichts zu tun.

Ein kleiner Rechner an der falschen Stelle

Commodore brachte den Amiga 600 im März 1992 auf den Markt. Der Amiga 500 Plus war zu diesem Zeitpunkt erst wenige Monate erhältlich. Wer die aufsteigende Modellnummer sah, konnte einen klaren technischen Fortschritt erwarten. Tatsächlich blieb die Rechenleistung weitgehend auf dem Niveau des A500 Plus.

Gegenüber dem Amiga 500 fiel zuerst das deutlich kleinere Gehäuse auf. Der separate Ziffernblock entfiel, ebenso der große seitliche Erweiterungsanschluss des A500. Dafür erhielt der A600 zwei Schnittstellen, die bei einem günstigen Amiga neu waren: einen internen ATA-Anschluss für 2,5-Zoll-Festplatten und einen seitlichen PCMCIA-Steckplatz. Commodore ersetzte also vertraute Erweiterbarkeit durch Anschlüsse, deren Nutzen sich 1992 erst noch beweisen musste.

Technik des Amiga 600

Im Kern ist der A600 ein kompakter ECS-Amiga. Er blieb beim Motorola 68000 und war damit der letzte neue Amiga, der serienmäßig auf diesem Prozessor basierte. Die Custom-Chips entlasteten die CPU bei Grafik, Sound und Datenübertragung, doch gegenüber dem A500 Plus entstand daraus kein Leistungssprung.

Merkmal Ausstattung
Marktstart März 1992
Prozessor Motorola 68000 mit 7,09 MHz bei PAL beziehungsweise 7,16 MHz bei NTSC
Chipsatz Enhanced Chip Set mit Agnus, Denise und Paula
Arbeitsspeicher 1 MB Chip-RAM ab Werk, über den Trapdoor-Steckplatz auf 2 MB erweiterbar
Grafik Von 320 × 200 bis 1280 × 512 interlaced; 32 Farben regulär, 64 im EHB- und bis zu 4096 im HAM-Modus
Audio Vier 8-Bit-PCM-Kanäle, als zwei Stereopaare ausgegeben
Diskettenlaufwerk Internes 3,5-Zoll-Laufwerk mit 880 KB
Massenspeicher Interner 44-poliger ATA-Anschluss; A600HD mit 20- oder 40-MB-Festplatte
Erweiterungen PCMCIA Typ II, Trapdoor-Speichererweiterung und externer Diskettenanschluss
Tastatur 78 Tasten ohne separaten Ziffernblock
Abmessungen 350 × 240 × 75 mm

IDE und PCMCIA als eigentliche Neuerungen

Der Gayle-Chip steuerte sowohl den internen ATA-Anschluss als auch PCMCIA. Über den 44-poligen ATA-Anschluss ließ sich eine kompakte 2,5-Zoll-Festplatte direkt im Gehäuse betreiben. In der A600HD-Ausführung wurde diese Möglichkeit ab Werk genutzt. Damit konnte Workbench wesentlich bequemer starten als von Diskette, und Programme sowie Daten ließen sich dauerhaft im Rechner speichern. Das klingt selbstverständlich, war bei Commodores günstigen Tastatur-Amigas aber ein wichtiger Fortschritt.

PCMCIA stammte dagegen aus der damals jungen Notebook-Welt. Der Steckplatz konnte Speicher- und I/O-Karten aufnehmen. Passende Hardware war zu Beginn teuer und nicht annähernd so verbreitet wie später. Der Anschluss wirkte deshalb 1992 eher wie ein Versprechen. Heute gehört er zu den Stärken des Rechners: SRAM-Erweiterungen, Netzwerkkarten und CompactFlash-Adapter lassen sich verwenden, ohne das Gehäuse zu verändern.

Die beiden Schnittstellen waren also nicht grundsätzlich falsch. Commodore brachte sie nur in einem Modell, das gleichzeitig als günstiger Nachfolger des A500 erscheinen sollte. Käufer verglichen deshalb weniger die neuen Möglichkeiten als die Dinge, die weggefallen waren.

Kickstart 2.05 und seine drei wichtigen ROM-Versionen

Die neuen Anschlüsse benötigten Unterstützung im ROM. Deshalb erhielt der A600 Kickstart 2.05. Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich jedoch drei Revisionen mit erheblichen Unterschieden. Wer heute einen A600 mit Festplatte oder CompactFlash-Karte ausstatten will, sollte deshalb nicht nur auf die Zahl 2.05, sondern auf die vollständige ROM-Revision achten.

Revision Typischer Einsatz Praktische Bedeutung
37.299 Frühe A600 ATA und PCMCIA sind vorhanden, ein direkter Systemstart davon ist jedoch nicht möglich. Die Treiber müssen von Diskette geladen werden.
37.300 Vor allem A600HD Direktes Booten über ATA oder PCMCIA ist möglich. Ein ROM-Fehler begrenzt nutzbare Festplatten auf 40 MB.
37.350 Späte A600HD Der Fehler ist behoben; Festplatten bis 4 GB werden unterstützt.

Die Unterschiede sind in der Übersicht zu Kickstart 2.05 dokumentiert. Workbench 2.1 erschien später als reines Software-Update auf Diskette. Ein Kickstart-ROM 2.1 gab es nicht. Damit lässt sich auch eine häufige Verwechslung auflösen: Kickstart und Workbench gehören zusammen, ihre Versionsnummern müssen aber nicht identisch sein.

Die Revisionen 37.300 und 37.350 können beim Start auf ATA- und PCMCIA-Geräte zugreifen. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder heutige PCMCIA-Adapter automatisch als Startlaufwerk taugt. In der Praxis dient eine interne CompactFlash-Karte am IDE-Anschluss meist als Systemlaufwerk, während ein PCMCIA-CF-Adapter häufig für den Datenaustausch eingesetzt wird.

Kompatibilität und Grenzen des kleinen Gehäuses

Im Alltag verhielt sich der A600 weitgehend wie ein A500 Plus. Ältere Programme und Spiele konnten jedoch an Kickstart 2.x, am ECS-Chipsatz oder an unsauber programmierter Hardwareabfrage scheitern. Programme wie Relokick luden für solche Fälle ein Kickstart 1.3 in den Arbeitsspeicher. Das verbesserte die Kompatibilität, kostete jedoch RAM und war keine Garantie für jedes Spiel.

Der fehlende Ziffernblock war ebenfalls mehr als eine optische Änderung. Einige Spiele und Anwendungen nutzten diese Tasten direkt. Die Zahl der betroffenen Programme blieb überschaubar, aber ausgerechnet ein als kompatibel gedachter Heimcomputer konnte damit bei einzelnen Titeln schlechter dastehen als sein Vorgänger.

Gravierender war der Wegfall des A500-Erweiterungsports. Commodore setzte beim A600 stark auf oberflächenmontierte Bauteile und verlötete auch den Prozessor. Das half beim kompakten Aufbau und bei der Serienfertigung, erschwerte jedoch klassische interne Umbauten. Moderne Beschleuniger lösen das häufig mit Aufsteckadaptern direkt auf der CPU. Elegant ist das nicht, wirksam durchaus.

Die zeitgenössische Presse urteilte nicht einheitlich

Der A600 wurde bereits 1992 kritisch beurteilt, doch die Fachpresse lehnte ihn nicht geschlossen ab. Amazing Computing sah ein eher schrittweises als revolutionäres Modell. Die kompakte Bauweise und PCMCIA galten als interessant, gleichzeitig machten die fehlende Kompatibilität mit vielen A500-Erweiterungen und die geringe Mehrleistung einen Umstieg unattraktiv.

Amiga Computing bewertete besonders den A600HD freundlicher. Die eingebaute Festplatte machte den Rechner im Alltag erheblich angenehmer, während die Geschwindigkeit ungefähr auf dem Niveau des A500 Plus blieb. Amiga World legte den Schwerpunkt dagegen auf das externe Netzteil, den fehlenden Erweiterungsbus und den unveränderten 68000. Aus dieser Sicht eignete sich der kleine Amiga vor allem für Menschen, die weder aufrüsten noch ihren bestehenden A500 ersetzen wollten.

Diese Urteile widersprechen sich weniger, als es zunächst scheint. Wer einen kompakten Amiga mit Festplatte suchte, konnte im A600HD einen angenehmen Rechner finden. Wer bereits einen ausgebauten A500 besaß und auf mehr Leistung wartete, bekam kaum einen Grund zum Wechsel.

Dave Haynie und die verletzte Amiga-Idee

Besonders scharf fiel die rückblickende Reaktion von Dave Haynie aus. Der langjährige Commodore-Entwickler betrachtete den Amiga als technisch zusammenhängende Plattform, die sinnvoll weiterentwickelt werden sollte. Für ihn stand der A600 deshalb nicht isoliert. Er war ein Beispiel dafür, wie Managemententscheidungen ein vernünftiges Entwicklungsziel verschieben konnten.

In einem Interview von 2003 beschrieb Haynie den A300 als George Robbins’ Idee für einen Amiga unterhalb des A500, ausdrücklich als zusätzliche Baureihe und nicht als Ersatz. Bill Sydnes habe dem Projekt jedoch „so much bloat“ hinzugefügt, dass der A600 schließlich 50 Dollar mehr als der A500 und 100 Dollar mehr als ursprünglich vorgesehen gekostet habe.

Haynies Wortwahl ist erkennbar emotional und sollte nicht mit einer neutralen Kostenanalyse verwechselt werden. Gerade deshalb ist sie historisch interessant. Sie zeigt die Frustration eines Entwicklers, der den erfolgreichen A500 gestrichen sah, während der technisch wichtigere nächste Schritt noch auf sich warten ließ. Der Ärger richtete sich weniger gegen das kleine Gehäuse als gegen die verlorene Richtung der Produktplanung.

193.000 verkaufte Amiga 600 in Deutschland

Als weltweiter Flop mit einer vermeintlich exakten Gesamtstückzahl lässt sich der A600 nicht seriös abheften. Belastbarer ist eine deutsche Übersicht, die der Marketing-Abteilung von Commodore Frankfurt zugeschrieben wird. Danach waren bis zum 31. Dezember 1993 193.000 Amiga 600 in Deutschland verkauft. In derselben Aufstellung steht der A500 bei 1,081 Millionen Geräten und der A500 Plus bei 79.500 Exemplaren.

Die Zahl macht den A600 nicht zum Nachfolger auf Augenhöhe mit dem A500. Sie zeigt aber, dass er mehr war als eine bloße Fußnote. Sein Marktleben blieb kurz: Noch im Herbst 1992 erschien der A1200 mit dem schnelleren 68020 und dem AGA-Chipsatz. Damit war der kleine ECS-Amiga technisch bereits wieder überholt.

Warum der Amiga 600 heute interessanter ist

Aus heutiger Sicht verschieben sich die Maßstäbe. Niemand muss einen A600 mehr als zeitgemäßen Nachfolger des A500 kaufen. Entscheidend ist, wie bequem sich ein klassischer Amiga erhalten und benutzen lässt. Dabei helfen ausgerechnet jene Schnittstellen, die 1992 nur begrenzt überzeugten.

  • CompactFlash statt Festplatte: Ein einfacher IDE-Adapter ersetzt das mechanische 2,5-Zoll-Laufwerk. Das System arbeitet leise, benötigt wenig Strom und lässt sich leichter sichern.
  • PCMCIA für Datenaustausch und Erweiterungen: Geeignete CF-Adapter vereinfachen den Transfer mit modernen Rechnern. Kompatible SRAM-Karten oder Netzwerkkarten erweitern den kleinen Amiga, ohne sein Gehäuse zu verändern. Der A600 benötigt 16-Bit-PCMCIA-Karten; spätere 32-Bit-CardBus-Karten funktionieren nicht.
  • Mehr Speicher: Eine Trapdoor-Erweiterung erhöht das Chip-RAM auf 2 MB. Eine passende PCMCIA-SRAM-Karte kann bis zu 4 MB Fast-RAM ergänzen, womit ein klassisch ausgebauter A600 auf insgesamt 6 MB kommt. Moderne interne Module erlauben weitere Ausbaustufen.
  • Gotek und moderne Videoausgabe: Ein Diskettenemulator kann verschleißanfällige Medien ersetzen. Scandoubler und HDMI-Lösungen erleichtern den Anschluss an heutige Bildschirme.
  • Beschleuniger: Aufstecklösungen mit schnelleren Prozessoren und zusätzlichem RAM verwandeln den A600 in einen erstaunlich leistungsfähigen Retro-Rechner. Für ein historisch nahes System sind sie jedoch nicht nötig.

Vor jeder Aufrüstung gehört der technische Zustand auf den Prüfstand. Der A600 verwendet SMD-Elektrolytkondensatoren, die nach mehr als drei Jahrzehnten auslaufen und Leiterbahnen beschädigen können. Eine fachgerechte Kontrolle und gegebenenfalls ein Recap sind wichtiger als die nächste Turbokarte. Auch Speichererweiterungen mit Akku sollten auf Korrosion geprüft werden.

Ein missglücktes Marktmodell mit praktischem Nachleben

Der Amiga 600 war kein schlechter Computer im einfachen Sinn. Er bot die vertrauten Stärken des ECS-Amiga, ein ungewöhnlich kleines Gehäuse und zwei moderne Schnittstellen. Sein Problem lag in der Rolle, die Commodore ihm gab. Aus einem preiswerten A300 unterhalb des A500 wurde ein teurerer A600, der den erfolgreichen Vorgänger ersetzen sollte, ohne deutlich mehr zu leisten.

1992 wirkte das wie Stillstand in neuer Verpackung. Heute ist die Lage beinahe umgekehrt. IDE, PCMCIA und die kompakte Bauform machen den A600 zu einem besonders handlichen Einstieg in echte Amiga-Hardware. Seine Entstehung bleibt ein Lehrstück über Commodores Produktpolitik. Als Retro-Computer hat er sich von dieser Geschichte längst ein Stück weit befreit.

Amstrad / Schneider PC 1512

Amstrad PC 1512

Amstrad / Schneider PC 1512

Amstrad / Schneider PC 1512

Als Amstrad im September 1986 den PC1512 vorstellte, waren IBM-kompatible Rechner längst etabliert. Billig waren sie deshalb noch lange nicht. Amstrad packte Rechner, Monitor, Maus, Schnittstellen und ein ungewöhnlich umfangreiches Softwarepaket zusammen und setzte einen Preis an, der deutlich unter vielen etablierten PC-Angeboten lag.

Für das Einstiegsmodell mit Monochrommonitor kündigte Amstrad £399 zuzüglich Mehrwertsteuer an. Popular Computing Weekly führte wenige Wochen später die Version mit 512 KB RAM, einem 360-KB-Laufwerk und Monochrommonitor für £469 inklusive Mehrwertsteuer. Die beiden Angaben widersprechen sich also nicht: Amstrads öffentlichkeitswirksame £399 waren ein Nettopreis, während die Zeitschrift einen Endkundenpreis inklusive Steuer nannte.

Im deutschsprachigen Raum wurde der Rechner über die Schneider Computer Division als Schneider PC1512 vertrieben. Damit stand neben den CPCs und den Joyce-Schreibsystemen plötzlich auch ein IBM-kompatibler PC im Schneider-Programm.

8 MHz und 512 KB

Im PC1512 arbeitete ein Intel 8086-2, also die für 8 MHz spezifizierte Variante des 8086.. Die Grundausstattung umfasste 512 KB RAM, weitere 128 KB ließen sich direkt auf dem Mainboard ergänzen. Damit erreichte der Rechner die unter DOS damals üblichen maximalen 640 KB konventionellen Arbeitsspeichers. Ein Sockel für den mathematischen Coprozessor Intel 8087-2 war ebenfalls vorhanden.

Der 8086 konnte den Arbeitsspeicher über einen internen 16-Bit-Bus ansprechen. Bei den Erweiterungssteckplätzen blieb der PC1512 dagegen bei einer 8-Bit-Anbindung. Der Peripheriebus arbeitete mit 4 MHz und zusätzliche Wartezyklen konnten entsprechende Zugriffe weiter bremsen. Die 8 MHz des Prozessors erzählen deshalb nur einen Teil der Leistungsgeschichte: Speicherzugriffe konnten schnell sein, Zugriffe auf Erweiterungshardware und Ein-/Ausgabe deutlich langsamer.

Viele Funktionen, für die andere PCs Zusatzkarten benötigten, brachte der Amstrad bereits auf dem Mainboard mit. Dazu gehörten Grafik, Diskettencontroller, eine serielle RS-232C- und eine parallele Schnittstelle sowie eine batteriegepufferte Echtzeituhr. Drei Erweiterungsplätze blieben frei. Amstrads Konstruktion sah genügend Stromreserven vor, um beispielsweise eine Festplatte samt Controller zu versorgen.

Auch zeitgenössischen Testern fiel der kompakte Aufbau auf. Der britische Computerjournalist John Lettice testete den PC1512 wenige Wochen nach dessen Vorstellung für Popular Computing Weekly. Er beschrieb, wie Amstrad die bei älteren PCs noch über zahlreiche Bausteine und Karten verteilten Funktionen auf einer vergleichsweise kleinen Hauptplatine zusammengefasst hatte. Für einen Hersteller, der große Stückzahlen zu niedrigen Preisen verkaufen wollte, war das ein ziemlich vernünftiger Weg.

512 KB waren mit GEM schnell aufgebraucht

Beim Betriebssystem beließ es Amstrad nicht bei MS-DOS 3.2. Zum Lieferumfang gehörte außerdem Digital Researchs DOS Plus sowie GEM mit grafischem Desktop. Locomotive BASIC 2 kam ebenfalls mit. Der Käufer bekam damit mehrere Möglichkeiten, mit seinem neuen PC zu arbeiten, musste sich allerdings erst einmal mit deren Zusammenspiel auseinandersetzen.

Lettice fand gerade dieses Zusammenspiel 1986 wenig elegant. DOS Plus und GEM waren einzeln brauchbar, griffen seiner Erfahrung nach aber schlecht ineinander. Wer GEM verließ, konnte beispielsweise nicht einfach wieder zum Desktop zurückkehren, ohne Teile der Umgebung erneut zu laden.

Auch der Speicherverbrauch zeigte schnell, weshalb die Erweiterung auf 640 KB sinnvoll war. Popular Computing Weekly stellte fest, dass GEM zusammen mit Locomotive BASIC 2 mehr als 470 KB der vorhandenen 512 KB beanspruchen konnte. 512 KB waren für einen preiswerten PC 1986 eine ordentliche Ausstattung. Sobald die mitgelieferte grafische Umgebung ins Spiel kam, war von dieser Großzügigkeit allerdings nicht mehr viel übrig.

CGA mit 16 Farben

Die integrierte Grafik des PC1512 war zu CGA kompatibel. Entsprechende Programme konnten die bekannten Modi mit 320 × 200 Pixeln in vier Farben oder 640 × 200 Pixeln in zwei Farben verwenden. Amstrad ergänzte diese Fähigkeiten um einen eigenen hochauflösenden Grafikmodus mit 640 × 200 Pixeln und 16 gleichzeitig darstellbaren Farben.

Trotz der 16 gleichzeitig darstellbaren Farben entsprach dieser Modus nicht dem EGA-Standard. Amstrad hatte die CGA-kompatible Grafik vielmehr um einen eigenen hochauflösenden 640×200-Modus erweitert, der von Programmen ausdrücklich unterstützt werden musste.

Die zusätzliche Farbtiefe ließ sich unter anderem für GEM nutzen. Beim Monochrommonitor wurden die Farbsignale in unterschiedliche Helligkeitsstufen umgesetzt, sodass entsprechende Darstellungen als Graustufen erschienen. Farbe und Monochrom verwendeten dabei denselben Videoausgang des Rechners.

Der PC1512 erhielt damit keine EGA-Karte durch die Hintertür. Amstrads eigener Modus bot gegenüber CGA mehr Möglichkeiten, blieb aber eine Besonderheit dieses Systems. Beim späteren PC1640 sollte Amstrad die Grafik deutlich umfassender überarbeiten.

Maus links, Joystick an der Tastatur

Zu einem Rechner, der mit GEM ausgeliefert wurde, gehörte auch eine Maus. Amstrad lieferte eine Zweitastenmaus und setzte dafür einen eigenen Anschluss auf die linke Seite des Gehäuses. Der 9-polige Stecker sah zwar vertraut aus, seine Belegung war Amstrad-spezifisch. Amstrad warnte ausdrücklich davor, dort trotz passender Steckerform Hardware anderer Hersteller anzuschließen. Die mitgelieferten Betriebssysteme verwendeten eigene Amstrad-Treiber für die Maus.

Ungewöhnlicher war der Joystickanschluss auf der Rückseite der Tastatur. Dort konnte ein digitaler Joystick mit zwei Feuerknöpfen angeschlossen werden. Die Richtungen und Feuerknöpfe wurden als Tastaturcodes verarbeitet; die Firmware übersetzte die Richtungen auf die Cursortasten. Ein klassischer analoger IBM-PC-Joystick funktionierte dort nicht. Dafür benötigte der PC1512 eine entsprechende Erweiterungskarte.

Für Spiele war das eine eigenwillige, aber durchaus praktische Lösung. Software, die sich über die Cursortasten steuern ließ, konnte den Joystick verwenden, ohne einen analogen IBM-Gameport vorauszusetzen. Gleichzeitig war damit keineswegs garantiert, dass jedes PC-Spiel mit Joystick-Unterstützung auch den Anschluss des Amstrad akzeptierte.

Das Netzteil saß im Monitor

Beim PC1512 gehörte der Monitor stärker zum System als bei vielen anderen PCs. Das Netzteil saß im Monitor und versorgte die Rechnereinheit über einen 14-poligen Anschluss mit den benötigten Spannungen.

Diese Konstruktion hatte einen deutlichen Nachteil. Ein beliebiger PC-Monitor ließ sich nicht einfach als Ersatz verwenden, denn damit fehlte gleichzeitig die Stromversorgung des Rechners. Lettice kritisierte genau das bereits im September 1986. Wer zunächst den Monochrommonitor kaufte und später auf Amstrads Farbmonitor wechselte, hatte anschließend einen Monochrommonitor übrig, dessen Netzteil weiterhin Teil des alten Pakets war.

Das Konzept funktionierte problemlos, solange man innerhalb des Amstrad-Systems blieb. Beim späteren Umbau zeigte es seine Zähne.

Disketten, Festplatte und 640 KB

Der PC1512 war in mehreren Laufwerkskonfigurationen erhältlich. Angeboten wurden Systeme mit einem oder zwei 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerken für jeweils 360 KB. Amstrad führte außerdem Varianten mit einem Diskettenlaufwerk und einer Festplatte von 10 oder 20 MB.

Die naheliegende erste Speicheraufrüstung waren die zusätzlichen 128 KB RAM. Gerade mit GEM und umfangreicherer DOS-Software konnten 640 KB einen spürbaren Unterschied machen. Ein 8087 lohnte sich dagegen nur für Programme, die den mathematischen Coprozessor tatsächlich nutzten; gewöhnliche Bürosoftware und Spiele wurden durch seinen Einbau nicht plötzlich schneller.

Eine Festplatte veränderte den täglichen Umgang mit dem Rechner erheblich stärker. Programme und Daten mussten dann nicht mehr ständig zwischen 360-KB-Disketten verteilt werden. Dafür war sie auch die deutlich kostspieligere Erweiterung.

Wie kompatibel war der PC1512?

Bei einem günstigen PC-Klon zählte 1986 vor allem die Softwarekompatibilität. Lotus 1-2-3, dBase oder Microsoft Flight Simulator mussten im Alltag tatsächlich laufen.

Lettice probierte für Popular Computing Weekly unter anderem Lotus 1-2-3, dBase, Microsoft Flight Simulator und Open Access aus. Diese Programme funktionierten. Innerhalb seiner Stichprobe stieß er nur auf wenige Probleme, womit sich der PC1512 bei der praktischen IBM-Kompatibilität ordentlich schlug.

Bei der Geschwindigkeit fiel das Ergebnis gemischter aus. Amstrad warb mit hoher Leistung, und Locomotive BASIC 2 lief im Test tatsächlich ausgesprochen schnell. Im normalen Betrieb schrumpfte der Vorsprung jedoch. Diskettenzugriffe und Bildschirmausgabe konnten den Rechner ausbremsen; Lettice sah den ebenfalls mit einem 8-MHz-8086 ausgestatteten Olivetti M24 je nach Aufgabe vor dem Amstrad.

Amstrad hatte also keinen heimlichen AT zum XT-Preis gebaut. Der PC1512 war ein schneller Vertreter der PC-/XT-Klasse mit einem 8086 und einer ungewöhnlich vollständigen Grundausstattung.

Ein PC als Komplettpaket

Im September 1987 wurde berichtet, dass zwischen der Markteinführung und Ende Juni 1987 rund 450.000 PC1512 verkauft worden waren. Selbst wenn man solche Hersteller- und Branchenzahlen mit der üblichen Vorsicht behandelt, zeigt die Größenordnung, dass der Rechner weit über eine Randerscheinung hinausgekommen war.

Ein Teil dieses Erfolgs lag im Paket, das der Käufer auf den Schreibtisch bekam. 512 KB RAM, Monitor, Maus, serielle und parallele Schnittstelle sowie mehrere Betriebssystem- und Softwareumgebungen gehörten bereits dazu. Drei Erweiterungsplätze ließen Platz für Festplatte, zusätzliche Schnittstellen oder andere PC-Hardware.

Dafür musste man mit einigen Amstrad-Eigenheiten leben. Der zusätzliche 16-Farben-Grafikmodus benötigte spezielle Unterstützung, die Maus verwendete einen proprietären Anschluss und der Monitor war gleichzeitig Netzteil. Der 8-Bit-Erweiterungsbus setzte außerdem Grenzen, die ein 8-MHz-Aufkleber auf der CPU nicht beseitigte.

Der PC1512 brachte 1986 trotzdem viel von dem mit, was ein Käufer von einem IBM-kompatiblen Rechner benötigte, ohne dass zunächst mehrere Zusatzkarten und Peripheriegeräte zusammengesucht werden mussten.

1987 folgte der PC1640. Der 8-MHz-8086 und große Teile des Grundkonzepts blieben erhalten. Ab Werk standen nun 640 KB RAM zur Verfügung, und bei der Grafik ging Amstrad erheblich weiter. Genau dort beginnt die Geschichte des Nachfolgers.

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