Amstrad / Schneider PC 1512

Amstrad PC 1512

Amstrad / Schneider PC 1512

Amstrad / Schneider PC 1512

Als Amstrad im September 1986 den PC1512 vorstellte, waren IBM-kompatible Rechner längst etabliert. Billig waren sie deshalb noch lange nicht. Amstrad packte Rechner, Monitor, Maus, Schnittstellen und ein ungewöhnlich umfangreiches Softwarepaket zusammen und setzte einen Preis an, der deutlich unter vielen etablierten PC-Angeboten lag.

Für das Einstiegsmodell mit Monochrommonitor kündigte Amstrad £399 zuzüglich Mehrwertsteuer an. Popular Computing Weekly führte wenige Wochen später die Version mit 512 KB RAM, einem 360-KB-Laufwerk und Monochrommonitor für £469 inklusive Mehrwertsteuer. Die beiden Angaben widersprechen sich also nicht: Amstrads öffentlichkeitswirksame £399 waren ein Nettopreis, während die Zeitschrift einen Endkundenpreis inklusive Steuer nannte.

Im deutschsprachigen Raum wurde der Rechner über die Schneider Computer Division als Schneider PC1512 vertrieben. Damit stand neben den CPCs und den Joyce-Schreibsystemen plötzlich auch ein IBM-kompatibler PC im Schneider-Programm.

8 MHz und 512 KB

Im PC1512 arbeitete ein Intel 8086-2, also die für 8 MHz spezifizierte Variante des 8086.. Die Grundausstattung umfasste 512 KB RAM, weitere 128 KB ließen sich direkt auf dem Mainboard ergänzen. Damit erreichte der Rechner die unter DOS damals üblichen maximalen 640 KB konventionellen Arbeitsspeichers. Ein Sockel für den mathematischen Coprozessor Intel 8087-2 war ebenfalls vorhanden.

Der 8086 konnte den Arbeitsspeicher über einen internen 16-Bit-Bus ansprechen. Bei den Erweiterungssteckplätzen blieb der PC1512 dagegen bei einer 8-Bit-Anbindung. Der Peripheriebus arbeitete mit 4 MHz und zusätzliche Wartezyklen konnten entsprechende Zugriffe weiter bremsen. Die 8 MHz des Prozessors erzählen deshalb nur einen Teil der Leistungsgeschichte: Speicherzugriffe konnten schnell sein, Zugriffe auf Erweiterungshardware und Ein-/Ausgabe deutlich langsamer.

Viele Funktionen, für die andere PCs Zusatzkarten benötigten, brachte der Amstrad bereits auf dem Mainboard mit. Dazu gehörten Grafik, Diskettencontroller, eine serielle RS-232C- und eine parallele Schnittstelle sowie eine batteriegepufferte Echtzeituhr. Drei Erweiterungsplätze blieben frei. Amstrads Konstruktion sah genügend Stromreserven vor, um beispielsweise eine Festplatte samt Controller zu versorgen.

Auch zeitgenössischen Testern fiel der kompakte Aufbau auf. Der britische Computerjournalist John Lettice testete den PC1512 wenige Wochen nach dessen Vorstellung für Popular Computing Weekly. Er beschrieb, wie Amstrad die bei älteren PCs noch über zahlreiche Bausteine und Karten verteilten Funktionen auf einer vergleichsweise kleinen Hauptplatine zusammengefasst hatte. Für einen Hersteller, der große Stückzahlen zu niedrigen Preisen verkaufen wollte, war das ein ziemlich vernünftiger Weg.

512 KB waren mit GEM schnell aufgebraucht

Beim Betriebssystem beließ es Amstrad nicht bei MS-DOS 3.2. Zum Lieferumfang gehörte außerdem Digital Researchs DOS Plus sowie GEM mit grafischem Desktop. Locomotive BASIC 2 kam ebenfalls mit. Der Käufer bekam damit mehrere Möglichkeiten, mit seinem neuen PC zu arbeiten, musste sich allerdings erst einmal mit deren Zusammenspiel auseinandersetzen.

Lettice fand gerade dieses Zusammenspiel 1986 wenig elegant. DOS Plus und GEM waren einzeln brauchbar, griffen seiner Erfahrung nach aber schlecht ineinander. Wer GEM verließ, konnte beispielsweise nicht einfach wieder zum Desktop zurückkehren, ohne Teile der Umgebung erneut zu laden.

Auch der Speicherverbrauch zeigte schnell, weshalb die Erweiterung auf 640 KB sinnvoll war. Popular Computing Weekly stellte fest, dass GEM zusammen mit Locomotive BASIC 2 mehr als 470 KB der vorhandenen 512 KB beanspruchen konnte. 512 KB waren für einen preiswerten PC 1986 eine ordentliche Ausstattung. Sobald die mitgelieferte grafische Umgebung ins Spiel kam, war von dieser Großzügigkeit allerdings nicht mehr viel übrig.

CGA mit 16 Farben

Die integrierte Grafik des PC1512 war zu CGA kompatibel. Entsprechende Programme konnten die bekannten Modi mit 320 × 200 Pixeln in vier Farben oder 640 × 200 Pixeln in zwei Farben verwenden. Amstrad ergänzte diese Fähigkeiten um einen eigenen hochauflösenden Grafikmodus mit 640 × 200 Pixeln und 16 gleichzeitig darstellbaren Farben.

Trotz der 16 gleichzeitig darstellbaren Farben entsprach dieser Modus nicht dem EGA-Standard. Amstrad hatte die CGA-kompatible Grafik vielmehr um einen eigenen hochauflösenden 640×200-Modus erweitert, der von Programmen ausdrücklich unterstützt werden musste.

Die zusätzliche Farbtiefe ließ sich unter anderem für GEM nutzen. Beim Monochrommonitor wurden die Farbsignale in unterschiedliche Helligkeitsstufen umgesetzt, sodass entsprechende Darstellungen als Graustufen erschienen. Farbe und Monochrom verwendeten dabei denselben Videoausgang des Rechners.

Der PC1512 erhielt damit keine EGA-Karte durch die Hintertür. Amstrads eigener Modus bot gegenüber CGA mehr Möglichkeiten, blieb aber eine Besonderheit dieses Systems. Beim späteren PC1640 sollte Amstrad die Grafik deutlich umfassender überarbeiten.

Maus links, Joystick an der Tastatur

Zu einem Rechner, der mit GEM ausgeliefert wurde, gehörte auch eine Maus. Amstrad lieferte eine Zweitastenmaus und setzte dafür einen eigenen Anschluss auf die linke Seite des Gehäuses. Der 9-polige Stecker sah zwar vertraut aus, seine Belegung war Amstrad-spezifisch. Amstrad warnte ausdrücklich davor, dort trotz passender Steckerform Hardware anderer Hersteller anzuschließen. Die mitgelieferten Betriebssysteme verwendeten eigene Amstrad-Treiber für die Maus.

Ungewöhnlicher war der Joystickanschluss auf der Rückseite der Tastatur. Dort konnte ein digitaler Joystick mit zwei Feuerknöpfen angeschlossen werden. Die Richtungen und Feuerknöpfe wurden als Tastaturcodes verarbeitet; die Firmware übersetzte die Richtungen auf die Cursortasten. Ein klassischer analoger IBM-PC-Joystick funktionierte dort nicht. Dafür benötigte der PC1512 eine entsprechende Erweiterungskarte.

Für Spiele war das eine eigenwillige, aber durchaus praktische Lösung. Software, die sich über die Cursortasten steuern ließ, konnte den Joystick verwenden, ohne einen analogen IBM-Gameport vorauszusetzen. Gleichzeitig war damit keineswegs garantiert, dass jedes PC-Spiel mit Joystick-Unterstützung auch den Anschluss des Amstrad akzeptierte.

Das Netzteil saß im Monitor

Beim PC1512 gehörte der Monitor stärker zum System als bei vielen anderen PCs. Das Netzteil saß im Monitor und versorgte die Rechnereinheit über einen 14-poligen Anschluss mit den benötigten Spannungen.

Diese Konstruktion hatte einen deutlichen Nachteil. Ein beliebiger PC-Monitor ließ sich nicht einfach als Ersatz verwenden, denn damit fehlte gleichzeitig die Stromversorgung des Rechners. Lettice kritisierte genau das bereits im September 1986. Wer zunächst den Monochrommonitor kaufte und später auf Amstrads Farbmonitor wechselte, hatte anschließend einen Monochrommonitor übrig, dessen Netzteil weiterhin Teil des alten Pakets war.

Das Konzept funktionierte problemlos, solange man innerhalb des Amstrad-Systems blieb. Beim späteren Umbau zeigte es seine Zähne.

Disketten, Festplatte und 640 KB

Der PC1512 war in mehreren Laufwerkskonfigurationen erhältlich. Angeboten wurden Systeme mit einem oder zwei 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerken für jeweils 360 KB. Amstrad führte außerdem Varianten mit einem Diskettenlaufwerk und einer Festplatte von 10 oder 20 MB.

Die naheliegende erste Speicheraufrüstung waren die zusätzlichen 128 KB RAM. Gerade mit GEM und umfangreicherer DOS-Software konnten 640 KB einen spürbaren Unterschied machen. Ein 8087 lohnte sich dagegen nur für Programme, die den mathematischen Coprozessor tatsächlich nutzten; gewöhnliche Bürosoftware und Spiele wurden durch seinen Einbau nicht plötzlich schneller.

Eine Festplatte veränderte den täglichen Umgang mit dem Rechner erheblich stärker. Programme und Daten mussten dann nicht mehr ständig zwischen 360-KB-Disketten verteilt werden. Dafür war sie auch die deutlich kostspieligere Erweiterung.

Wie kompatibel war der PC1512?

Bei einem günstigen PC-Klon zählte 1986 vor allem die Softwarekompatibilität. Lotus 1-2-3, dBase oder Microsoft Flight Simulator mussten im Alltag tatsächlich laufen.

Lettice probierte für Popular Computing Weekly unter anderem Lotus 1-2-3, dBase, Microsoft Flight Simulator und Open Access aus. Diese Programme funktionierten. Innerhalb seiner Stichprobe stieß er nur auf wenige Probleme, womit sich der PC1512 bei der praktischen IBM-Kompatibilität ordentlich schlug.

Bei der Geschwindigkeit fiel das Ergebnis gemischter aus. Amstrad warb mit hoher Leistung, und Locomotive BASIC 2 lief im Test tatsächlich ausgesprochen schnell. Im normalen Betrieb schrumpfte der Vorsprung jedoch. Diskettenzugriffe und Bildschirmausgabe konnten den Rechner ausbremsen; Lettice sah den ebenfalls mit einem 8-MHz-8086 ausgestatteten Olivetti M24 je nach Aufgabe vor dem Amstrad.

Amstrad hatte also keinen heimlichen AT zum XT-Preis gebaut. Der PC1512 war ein schneller Vertreter der PC-/XT-Klasse mit einem 8086 und einer ungewöhnlich vollständigen Grundausstattung.

Ein PC als Komplettpaket

Im September 1987 wurde berichtet, dass zwischen der Markteinführung und Ende Juni 1987 rund 450.000 PC1512 verkauft worden waren. Selbst wenn man solche Hersteller- und Branchenzahlen mit der üblichen Vorsicht behandelt, zeigt die Größenordnung, dass der Rechner weit über eine Randerscheinung hinausgekommen war.

Ein Teil dieses Erfolgs lag im Paket, das der Käufer auf den Schreibtisch bekam. 512 KB RAM, Monitor, Maus, serielle und parallele Schnittstelle sowie mehrere Betriebssystem- und Softwareumgebungen gehörten bereits dazu. Drei Erweiterungsplätze ließen Platz für Festplatte, zusätzliche Schnittstellen oder andere PC-Hardware.

Dafür musste man mit einigen Amstrad-Eigenheiten leben. Der zusätzliche 16-Farben-Grafikmodus benötigte spezielle Unterstützung, die Maus verwendete einen proprietären Anschluss und der Monitor war gleichzeitig Netzteil. Der 8-Bit-Erweiterungsbus setzte außerdem Grenzen, die ein 8-MHz-Aufkleber auf der CPU nicht beseitigte.

Der PC1512 brachte 1986 trotzdem viel von dem mit, was ein Käufer von einem IBM-kompatiblen Rechner benötigte, ohne dass zunächst mehrere Zusatzkarten und Peripheriegeräte zusammengesucht werden mussten.

1987 folgte der PC1640. Der 8-MHz-8086 und große Teile des Grundkonzepts blieben erhalten. Ab Werk standen nun 640 KB RAM zur Verfügung, und bei der Grafik ging Amstrad erheblich weiter. Genau dort beginnt die Geschichte des Nachfolgers.

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