Commodore CBM 700 (1983) – Viel Rechner, wenig Erklärung

CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons, Curid 16547

Dr. Reinhard Grabowski wollte den Commodore CBM 700 1984 für die mc testen. Statt lediglich Leistung und Bedienung zu prüfen, musste er zunächst herausfinden, wie das System überhaupt arbeitete. Er suchte Systemadressen, untersuchte Befehle durch eigene Versuche und veröffentlichte seine Ergebnisse anschließend in seinem fünfseitigen Bericht „Computer mit Dokumentations-Defizit – Commodore-700“.

Die mc – Die Mikrocomputer-Zeitschrift war kein Magazin für Gelegenheitskäufer. Das seit 1981 im Franzis-Verlag erscheinende Fachblatt behandelte Prozessoren, Schaltungen und maschinennahe Programmierung. Seine Leser sollten Computer nicht nur bedienen, sondern ihren Aufbau verstehen. Wenn selbst der Autor eines solchen Magazins den CBM 700 teilweise selbst dokumentieren musste, saß das Problem nicht vor der Tastatur.

Auf den ersten Blick machte der Rechner einen freundlichen Eindruck. Der Bildschirm zeigte saubere grüne Zeichen, die abgesetzte Tastatur arbeitete leise, und das abgerundete Gehäuse wirkte neben den kantigen PET-Modellen wie der Beginn einer neuen Commodore-Generation. Im Inneren steckten reichlich Speicher, IEEE-488, RS-232 und sogar der SID des Commodore 64. Es fehlten jedoch Programme und Unterlagen, die daraus einen verlässlichen Arbeitsplatz machten.

Ein neuer Commodore für das Büro

Commodores PET- und CBM-Rechner hatten sich in Schulen, Laboren und kleineren Betrieben etabliert. Anfang der 1980er-Jahre stieß ihre Architektur jedoch an Grenzen. Größere Speichererweiterungen ließen sich nur mit angepasster Software sinnvoll nutzen, während neue Geschäftsanwendungen mehr Platz verlangten.

Die 1982 angekündigte CBM-II-Familie sollte diese Beschränkungen beseitigen. Die flachen 600er-Modelle arbeiteten mit einem externen Monitor, während die 700er einen eingebauten 12-Zoll-Bildschirm und eine frei aufstellbare Tastatur erhielten. In Europa kamen vor allem der CBM 710 mit 128 KByte RAM und der CBM 720 mit 256 KByte auf den Markt.

Daneben kursierten Bezeichnungen wie B700, CBM 128-80, CBM 256-80 oder PET 700. Commodore plante außerdem Modelle mit Doppellaufwerken und zusätzlichen Prozessoren. Ein übersichtliches Sortiment entstand daraus nicht.

Das Gehäuse entwarf Ira Velinsky, ein amerikanischer Industriedesigner bei Commodore. Seine Softline ersetzte die Blechkanten älterer PETs durch Rundungen und ein nach hinten abfallendes Monitorgehäuse. Die Bürocomputer-Serie erhielt 1983 eine iF-Auszeichnung. Später verwendete Commodore die Form unter anderem für den CBM 8032-SK, den 8096-SK und den 8296 weiter.

Grabowski lobte die praktische Ausführung des 700ers. Die entspiegelte Bildfläche zeigte kräftig grüne Zeichen, deren vergleichsweise lange Nachleuchtdauer für ein ruhiges Bild sorgte. Schnelle Veränderungen blieben allerdings kurz sichtbar. Auch der eingebaute Lüfter meldete sich hörbar – im stillen Büro lästiger als auf einem Messestand.

Viel Speicher hinter mehreren Türen

Im CBM 700 arbeitete ein MOS 6509A mit rund 2 MHz. Der mit dem 6502 verwandte Prozessor konnte mittels Bank-Switching zwischen mehreren Speicherbereichen wechseln. Das war nötig, weil ein gewöhnlicher 6502 nur 64 KByte unmittelbar ansprechen konnte.

Der 6509 teilte den Speicher in bis zu 16 Bänke mit jeweils 64 KByte auf. Damit entstand theoretisch ein Adressraum von einem Megabyte. Der CBM 710 besaß 128 KByte, der CBM 720 256 KByte; Erweiterungen sollten insgesamt bis zu 960 KByte ermöglichen.

Der Prozessor sah jedoch nie den gesamten Speicher gleichzeitig. Er arbeitete innerhalb einer ausgewählten Bank und wechselte bei Bedarf in eine andere. BASIC verteilte Programmtext, Variablen und Zeichenketten weitgehend automatisch auf die verschiedenen Bereiche. Wer ausschließlich in BASIC arbeitete, bekam vom Bank-Switching daher wenig mit.

In Maschinensprache wurde es schwieriger. Programmierer mussten wissen, in welcher Bank ihr Code lag, welche Systemroutinen erreichbar waren und auf welchen Speicherbereich ein Befehl tatsächlich zugriff. Genau hier ließ das deutsche Handbuch Grabowski im Stich. Es erklärte zwar die grundsätzliche Speicheraufteilung, enthielt aber keine vollständige Übersicht der vom Betriebssystem verwendeten Adressen. Grabowski suchte deshalb selbst nach Cursorposition, Bildschirmzeile, Textfenster und Tastaturpuffer und veröffentlichte seine Ergebnisse im Test.

BASIC war nicht das Problem

Nach dem Einschalten meldete sich der Rechner mit BASIC 4.0+. Das wirkte 1983 bei einem Bürocomputer bereits etwas konservativ, doch die Sprache war deutlich besser ausgestattet als das schlichte BASIC V2 des C64.

Mit PRINT USING ließen sich Zahlenkolonnen, Dezimalstellen und Währungsbeträge sauber ausrichten – nützlich für Rechnungen, Lagerlisten und Tabellen. Verzweigungen konnten übersichtlicher geschrieben und Programmfehler behandelt werden, ohne dass die Ausführung sofort abbrach. Hinzu kamen Befehle für Laufwerke, Dateien, Zeichenketten und die Speicherbänke. Grabowski beurteilte vor allem die Fehlerbehandlung positiv und sah in BASIC 4.0+ ein brauchbares Fundament für kaufmännische und technische Programme.

Auch die Tastatur passte zum Büroeinsatz. Sie besaß einen eigenen Ziffernblock und programmierbare Funktionstasten, auf denen Befehle oder kurze Eingabefolgen abgelegt werden konnten. Der Editor arbeitete komfortabler als beim CBM 8032.

Eine kleine Eigenheit fiel erst bei längerer Benutzung auf: Hielt man eine Cursortaste gedrückt, verschwand der Cursor während der Bewegung und tauchte erst am Ziel wieder auf. Der Benutzer konnte zwischendurch nur schätzen, wie weit er gewandert war.

Der SID im Rechnungsbüro

Zwischen Speichersteuerung und Schnittstellen saß ein MOS 6581 SID. Der Chip bot drei programmierbare Stimmen, Hüllkurven, mehrere Wellenformen und ein gemeinsames Filter.

Beim C64 wurde der SID zum Ausgangspunkt zahlloser Spiele und Musikprogramme. Im CBM 700 war er eher für Signaltöne und akustische Rückmeldungen gedacht. Ein Rechner für Buchhaltung und Textverarbeitung konnte damit drei Stimmen durch ein analoges Filter schicken, während der Anwender am Grünmonitor seine Zahlenkolonnen bearbeitete.

Für den Büroalltag wichtiger war der IEEE-488-Bus. Vorhandene Commodore-Laufwerke und Drucker ließen sich grundsätzlich weiterverwenden. Der CBM 700 benötigte dafür allerdings ein besonderes Adapterkabel, weil sein Anschluss nicht in der von älteren Geräten gewohnten Form herausgeführt wurde.

Hinzu kam eine RS-232-Schnittstelle für Drucker, Modems und Terminals. Auch hier verlief der praktische Einsatz nicht immer geradlinig. Commodores eigener Zeichencode stimmte nicht vollständig mit dem ASCII-Code vieler Geräte überein. Grabowski warnte daher vor möglichen Zusatzkosten für eine Codewandlung.

Z80- und 8088-Koprozessoren sollten später CP/M beziehungsweise MS-DOS zugänglich machen. Die 8088-Platine erreichte mehrere Entwicklungsstufen, wurde jedoch nie zu einer breit verfügbaren und verlässlich unterstützten Erweiterung.

Das Handbuch kam nicht beim Käufer an

Der Titel „Computer mit Dokumentations-Defizit“ bedeutete nicht, dass Commodore überhaupt keine Unterlagen verfasst hatte. Ein deutsches Handbuch existierte, und auch ein umfangreicher englischer Reference Guide ist erhalten geblieben. Entscheidend war jedoch, was der Käufer 1984 tatsächlich bekam.

Das deutsche Handbuch behandelte maschinennahe Fragen nur oberflächlich. Das ausführlichere englische Material war nach Grabowskis Angaben in Deutschland nicht erhältlich. Nach späteren Berichten aus der CBM-II-Szene stellte ein Mitarbeiter von Commodore UK das englische Programmiererhandbuch weitgehend aus eigener Initiative und teilweise in seiner Freizeit zusammen, weil die britische Niederlassung den Rechner an Geschäftskunden verkaufen wollte.

Der Autor verfügte demnach nicht über vollständigen Zugang zu den Entwicklern und ihren Unterlagen. Das könnte erklären, weshalb das Handbuch viele nützliche Angaben enthielt, an anderen Stellen aber unklar blieb oder Beispiele aufführte, die nicht zuverlässig funktionierten.

Auch der erhaltene Reference Guide wirkt nicht wie eine vollständig durchredigierte Systembeschreibung. Bereits auf den ersten Seiten werden Hoch- und Niedrigprofilmodelle sowie verschiedene Bezeichnungen miteinander vermischt. Wer tiefer einsteigen wollte, benötigte zusätzliche Bücher und musste selbst herausfinden, welche Angaben für das eigene Modell galten.

Diese Lücke traf den CBM 700 besonders hart. Die neue Speicherarchitektur machte Programme des CBM 8032 häufig inkompatibel. Reines BASIC ließ sich noch anpassen, doch kommerzielle Anwendungen verwendeten oft feste Speicheradressen, eigene Bildschirmroutinen oder Maschinensprache. Neue Software hätte geschrieben werden können – dafür benötigten Programmierer jedoch genau jene Systeminformationen, die Commodore nicht zuverlässig bereitstellte.

Zu spät für den Markt

Ein Geschäftskunde kaufte keinen Computer, um auf eine künftige Umsetzung seiner Buchhaltung zu warten. Das Gerät sollte am Tag der Lieferung eine konkrete Aufgabe übernehmen. Grabowski berichtete, einige Händler würden den CBM 700 bereits nur noch mit ausdrücklichen Vorbehalten verkaufen.

Die älteren Commodore-Systeme boten weniger Speicher, konnten dafür aber auf vorhandene Programme und erfahrene Anwender zurückgreifen. Gleichzeitig wuchs rund um den IBM PC ein Markt aus Software, Erweiterungskarten und kompatiblen Nachbauten.

Innerhalb Commodores beanspruchte der erfolgreiche C64 einen großen Teil der Entwicklungskapazitäten, Fertigung und Werbung. Änderungen an Hardware und Firmware verzögerten unterdessen die CBM-II-Reihe. Die europäischen Geräte gingen erst gegen Ende 1983 in Braunschweig in Produktion. Bereits 1984 endete die Fertigung wieder.

In Großbritannien senkte Commodore den Preis der 700er-Serie 1983 um 18 Prozent auf 650 Pfund. Inflationsbereinigt entspricht das rund 2.960 Pfund im Jahr 2026. Laufwerk, Drucker und Anwendungssoftware waren damit noch nicht bezahlt.

Der Nachlass änderte nichts am Kernproblem. 128 oder 256 KByte RAM waren für einen Betrieb nur dann nützlich, wenn am Montagmorgen ein Programm bereitstand, das damit arbeitete.

Die Benutzer übernehmen

In den USA gelangten viele Geräte über den Restpostenhändler Protecto an neue Besitzer. Rund um Chicago entstand eine Benutzergruppe, die Programme, technische Hinweise und interne Unterlagen sammelte. Sie hielt das aufgegebene System noch einige Jahre am Leben.

Vier Jahrzehnte später stieß ein heutiger CBM-II-Programmierer auf dieselben Lücken. Er wollte das alte, mit der Schreibmaschine erstellte Referenzmaterial zunächst nur neu setzen und besser lesbar machen. Beim Durcharbeiten fand er jedoch unklare Erklärungen und Beispiele, die nicht funktionierten. Aus der Neusetzung entstand deshalb ein neues Handbuch mit Speicherkarte, KERNAL-Routinen und eigenen Programmbeispielen.

Commodore verwendete das Softline-Gehäuse später für Rechner, deren ältere Technik besser dokumentiert war und auf eine vorhandene Softwarebasis zurückgreifen konnte. Der modernere CBM 700 verschwand dagegen aus dem Programm.

Der Rechner war längst ein Sammlerstück. Seine Gebrauchsanweisung war noch immer nicht fertig.

Rockwell AIM-65 (1978) – Der professionelle Nachfolger des KIM-1

Foto: Rama / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0 FR.

Als MOS Technology 1976 den KIM-1 vorstellte, erhielt die junge Mikrocomputer-Szene erstmals ein vergleichsweise kostengünstiges System, mit dem Entwickler, Studenten und Elektroniker die Möglichkeiten des neuen 6502-Prozessors erkunden konnten. Mit der zunehmenden Verbreitung des 6502 stiegen jedoch auch die Anforderungen an Entwicklungs- und Ausbildungssysteme. Programme wurden umfangreicher, Anwendungen vielfältiger und in vielen Bereichen bestand Bedarf an komfortableren Eingabe- und Ausgabemöglichkeiten. In diesem Umfeld erschien 1978 der Rockwell AIM-65.

Der Name AIM stand für „Advanced Interactive Monitor“ und beschrieb das System treffend. Während zahlreiche Einplatinencomputer jener Zeit noch auf Hexadezimaltastaturen, wenige LED-Anzeigen oder externe Terminals angewiesen waren, verfügte der AIM-65 bereits in der Grundausstattung über eine vollwertige Tastatur mit 54 Tasten, ein zwanzigstelliges alphanumerisches LED-Display, einen integrierten Thermodrucker, einen Maschinenmonitor im ROM, einen Assembler sowie die Möglichkeit, BASIC und weitere Programmiersprachen direkt aus ROM-Modulen zu betreiben. Damit vereinte der Rechner Funktionen, die bei vielen zeitgenössischen Entwicklungssystemen noch auf mehrere Geräte verteilt waren.

Rockwell gehörte neben MOS Technology zu den wichtigsten Herstellern der 6502-Familie und produzierte eigene Varianten der Prozessoren und Begleitchips unter der Bezeichnung R6500. Der AIM-65 diente dabei als Demonstrations- und Entwicklungssystem für diese Bausteinfamilie. Zum Einsatz kamen unter anderem der R6502-Prozessor, der R6522 Versatile Interface Adapter (VIA) sowie der R6532 RAM-I/O-Timer (RIOT), die später in zahlreichen industriellen und technischen Anwendungen Verwendung fanden.

Anders als viele bekannte Heimcomputer der späten 1970er Jahre entstand der AIM-65 nicht primär für den privaten Markt. Rockwell positionierte ihn als Entwicklungs-, Ausbildungs- und Evaluierungssystem. Universitäten nutzten ihn zur Vermittlung von Mikroprozessortechnik, Ingenieurbüros entwickelten damit Steuerungen und Testsysteme, während Unternehmen den Rechner als Plattform für eigene industrielle Anwendungen einsetzten. Lehrbücher von Autoren wie Lance Leventhal oder Leo Scanlon verwendeten den AIM-65 als Grundlage für praktische Übungen und Experimente rund um den 6502-Prozessor. Seine Verbreitung konzentrierte sich dadurch vor allem auf Ausbildung, Entwicklung und industrielle Anwendungen.

Zu den auffälligsten Merkmalen des Systems gehörte der integrierte Thermodrucker. Während andere Entwicklungsrechner häufig ein zusätzliches Terminal oder einen externen Drucker benötigten, konnte der AIM-65 Speicherinhalte, Programmlistings, Fehlermeldungen und Messergebnisse unmittelbar auf Papier ausgeben. Nach dem Einschalten meldete sich das System sowohl über das Display als auch über den Drucker. Dadurch konnten Programmlistings, Speicherinhalte und Ausgaben ohne zusätzliche Hardware dokumentiert werden. Der Drucker wurde zu einem der bekanntesten Erkennungsmerkmale des AIM-65 und unterschied ihn deutlich von vielen anderen Einplatinencomputern seiner Zeit.

Einen zeitgenössischen Eindruck vermittelt ein Testbericht aus der ersten Ausgabe des amerikanischen Magazins Compute! von 1979. Autor Donald Clem untersuchte den AIM-65 ausführlich und widmete dem integrierten Monitorprogramm einen großen Teil seines Artikels. Besprochen wurden unter anderem der eingebaute Assembler, die Disassembler-Funktionen, die Speicher- und Registerverwaltung sowie die Möglichkeiten zum Testen und Analysieren von Programmen. Clem kam zu dem Schluss, dass bereits die Fähigkeiten des Monitors einen erheblichen Teil des Kaufpreises rechtfertigten und bewertete das System insgesamt als ein gutes Angebot für den geforderten Preis.

Das Innenleben

Im Inneren des AIM-65 arbeitete ein R6502-Mikroprozessor mit einer Taktfrequenz von 1 MHz. Dabei handelte es sich um Rockwells eigene Variante des von MOS Technology entwickelten 6502, der bereits im KIM-1 und später unter anderem im Apple II, Commodore PET sowie in den Atari-400- und Atari-800-Systemen eingesetzt wurde. Für Rockwell war der AIM-65 jedoch nicht lediglich ein Rechner auf Basis dieses Prozessors. Das System entstand als Entwicklungs- und Demonstrationsplattform für die gesamte R6500-Bausteinfamilie und zeigte den Zusammenschluss von Prozessor, Speicher und Peripherie zu einem vollständigen Mikrocomputersystem.

Unterstützt wurde die CPU von mehreren Bausteinen derselben Familie. Eine wichtige Funktion übernahm der R6532 RIOT (RAM-I/O-Timer), der Arbeitsspeicher, Ein- und Ausgabefunktionen sowie Timerlogik in einem einzigen Chip vereinte. Hinzu kamen zwei R6522 VIA-Bausteine (Versatile Interface Adapter), die sowohl interne Komponenten als auch externe Schnittstellen ansteuerten. Einer der VIA-Chips war unter anderem an der Steuerung des Druckers beteiligt, während der zweite für weitere Ein- und Ausgabefunktionen sowie Erweiterungen zur Verfügung stand. Diese Konfiguration entsprach weitgehend den Referenzsystemen, die Rockwell in den Handbüchern der R6500-Familie beschrieb.

Die Speicherausstattung betrug je nach Ausführung 1 oder 4 Kilobyte RAM. Ende der 1970er Jahre reichte dies für zahlreiche Ausbildungs-, Steuerungs- und Entwicklungsaufgaben aus. BASIC-Programme, Testsoftware oder Maschinensprache-Routinen fielen häufig deutlich kompakter aus als viele Programme späterer Heimcomputergenerationen. Das BASIC-System selbst befand sich in separaten ROM-Modulen und konnte bei Bedarf nachgerüstet oder ausgetauscht werden.

Neben dem Arbeitsspeicher spielte der ROM-Bereich eine zentrale Rolle. Bereits unmittelbar nach dem Einschalten stand dem Anwender ein umfangreicher Maschinenmonitor zur Verfügung. Dieser erlaubte das Anzeigen und Verändern von Speicherinhalten, das Setzen von Startadressen, die Untersuchung von Prozessorregistern sowie das Laden und Speichern von Programmen. Darüber hinaus enthielt das System einen Assembler und einen Disassembler. Programme konnten direkt auf dem Rechner erstellt, analysiert und getestet werden, ohne dass hierfür zusätzliche Entwicklungswerkzeuge erforderlich waren.

Die Speicherorganisation des AIM-65 war auf den Einsatz von Monitor, Anwenderprogrammen und zusätzlichen Sprach-ROMs ausgelegt. Neben Microsoft BASIC bot Rockwell auch FORTH, PL/65 und Pascal an. PL/65 entstand speziell für die R6500-Familie und gehörte zu den Sprachen, die Rockwell für technische und industrielle Anwendungen vorsah. Der AIM-65 konnte dadurch mit unterschiedlichen Programmiersprachen betrieben werden, ohne dass Änderungen an der Grundhardware erforderlich waren.

Die Hauptplatine unterscheidet sich deutlich von vielen späteren Heimcomputern. Statt Grafik- und Soundschaltungen finden sich auf ihr vor allem Prozessor, Speicherbausteine, Schnittstellenlogik und die Ansteuerung des integrierten Druckers. Bereits das Basissystem verfügte über Tastatur, Anzeige, Druckausgabe, Kassettenschnittstelle und Erweiterungsanschlüsse. Die für Entwicklungsaufgaben benötigten Grundfunktionen waren damit bereits auf der Hauptplatine vorhanden.

Der Unterschied zum KIM-1 wird besonders bei der Bedienung sichtbar. Beim KIM-1 erfolgten zahlreiche Aufgaben über eine Hexadezimaltastatur und sechs LED-Anzeigen. Der AIM-65 brachte dagegen bereits eine Volltastatur, eine zwanzigstellige alphanumerische Anzeige und einen integrierten Drucker mit. Nach dem Einschalten standen Monitorprogramm, Tastatur, Anzeige und Drucker unmittelbar zur Verfügung. Diese Ausstattung prägte den Charakter des Systems und erklärt, weshalb der AIM-65 in Ausbildungsstätten, Entwicklungsabteilungen und industriellen Umgebungen anzutreffen war.

Thermodrucker

Wer einen AIM-65 zum ersten Mal sieht, bemerkt meist zunächst nicht den Prozessor oder die Speicherbausteine, sondern den schmalen Thermodrucker an der Vorderseite des Systems. Rockwell integrierte ihn bereits in das Grundgerät und machte ihn damit zu einem festen Bestandteil des Bedienkonzepts.

Der Drucker arbeitete mit wärmeempfindlichem Papier und konnte zwanzig Zeichen pro Zeile ausgeben. Nach dem Einschalten meldete sich das System nicht nur über die alphanumerische Anzeige, sondern gab seine Statusmeldungen auch auf dem Drucker aus. Speicherinhalte, Programmlistings, Fehlermeldungen oder die Ergebnisse eigener Programme konnten unmittelbar auf Papier festgehalten werden.

In den Schaltplänen des AIM-65 nimmt die Druckeransteuerung einen eigenen Bereich ein. Mehrere Logikbausteine, Treiberstufen und die Anbindung an die VIA-Schnittstellen zeigen, dass Rockwell den Drucker nicht als Zubehör betrachtete. Er gehörte von Beginn an zur Architektur des Systems. Für den Betrieb war eine zusätzliche 24-Volt-Versorgung erforderlich, die ausschließlich für die Druckereinheit vorgesehen war.

Das Druckwerk verwendete einen Thermokopf mit zehn Heizelementen. Während des Druckvorgangs wurde das Papier schrittweise transportiert und die Zeichen zeilenweise aufgebaut. Die Konstruktion war auf kurze Textausgaben, Programmlistings und Diagnosedaten ausgelegt. Grafische Ausgaben standen dabei nicht im Vordergrund.

Der Drucker spielte auch bei der Softwareentwicklung eine wichtige Rolle. Programme konnten auf Papier dokumentiert werden, ohne dass ein externes Terminal oder ein zusätzlicher Drucker angeschlossen werden musste. Dies entsprach der grundsätzlichen Ausrichtung des AIM-65 als eigenständiges Entwicklungs- und Ausbildungssystem.

Im Vergleich zum KIM-1 fällt dieser Unterschied besonders deutlich auf. Der KIM-1 verfügte lediglich über eine kleine Hexadezimalanzeige und eine Hex-Tastatur. Wer größere Programme dokumentieren oder Ausgaben dauerhaft festhalten wollte, benötigte zusätzliche Hardware. Beim AIM-65 gehörte diese Möglichkeit bereits zur Grundausstattung.

Auch Jahre nach dem Erscheinen des Systems blieb der Drucker eines der bekanntesten Merkmale des AIM-65. In zeitgenössischen Berichten, Bedienungsanleitungen und späteren Rückblicken wird er regelmäßig als eines der charakteristischen Bauteile des Rechners erwähnt. Auf Fotografien ist er häufig ebenso präsent wie die Tastatur oder die zwanzigstellige LED-Anzeige.

Monitor, Assembler und Programmiersprachen

Neben Tastatur, Anzeige und Drucker verfügte der AIM-65 bereits in der Grundausstattung über einen Maschinenmonitor, einen Assembler und weitere Entwicklungswerkzeuge im ROM. Nach dem Einschalten standen diese Funktionen unmittelbar zur Verfügung, ohne dass zusätzliche Software von Kassette oder anderen Datenträgern geladen werden musste.

Der Monitor stellte die grundlegenden Funktionen zur Bedienung des Systems bereit. Über ihn konnten Speicherbereiche angezeigt und verändert, Prozessorregister untersucht, Programme gestartet sowie Daten auf Kassette gespeichert oder von dort geladen werden. Darüber hinaus standen Funktionen zur Fehlersuche und Programmanalyse zur Verfügung. Viele dieser Routinen waren dokumentiert und konnten auch von eigenen Programmen aus genutzt werden.

Viele Funktionen des Systems wurden über die Monitorumgebung aufgerufen. Statt Programme ausschließlich in Hexadezimalform einzugeben, konnten Entwickler auf einen integrierten Assembler zurückgreifen. Dieser übersetzte Quelltexte unmittelbar auf dem System in Maschinencode. Ergänzt wurde er durch einen Disassembler, der bereits vorhandene Maschinenprogramme wieder in lesbare Assemblersprache zurückverwandelte. Beide Werkzeuge gehörten zur Standardausstattung des Systems.

Donald Clem beschäftigte sich in seinem Testbericht für die erste Ausgabe von Compute! ausführlich mit dem Monitorprogramm und den Entwicklungswerkzeugen des AIM-65. Besprochen wurden unter anderem die Speicherverwaltung, die Registeranzeige, die Monitorroutinen sowie die Funktionen des Assemblers und Disassemblers. Clem kam zu dem Schluss, dass bereits die Fähigkeiten des Monitors einen erheblichen Teil des Kaufpreises rechtfertigten.

Zu den verfügbaren Sprachsystemen gehörte Microsoft BASIC, das über ein eigenes ROM-Modul bereitgestellt wurde. BASIC konnte für Berechnungen, Datenerfassung, Steuerungsaufgaben oder Ausbildungszwecke eingesetzt werden. Programme wurden über die Tastatur eingegeben und konnten anschließend auf Kassette gespeichert oder über den integrierten Drucker ausgegeben werden.

Rockwell bot darüber hinaus weitere Programmiersprachen für die R6500-Plattform an. Dazu gehörte FORTH, das unter anderem für Mess-, Steuer- und Automatisierungsaufgaben eingesetzt wurde. Ebenfalls verfügbar war PL/65, eine speziell für die R6500-Familie entwickelte Programmiersprache. Für bestimmte Anwendungen wurde außerdem Pascal angeboten.

Neben BASIC standen damit auch FORTH, PL/65 und Pascal zur Verfügung. Die jeweiligen Sprachsysteme wurden über ROM-Module bereitgestellt und konnten je nach Anwendung eingesetzt werden. Dadurch ließ sich derselbe Rechner sowohl für Assemblerentwicklung als auch für Programme in höheren Programmiersprachen verwenden.

Der AIM-65 vereinte damit Monitor, Assembler, Disassembler und mehrere Programmiersprachen bereits im Basissystem oder in den dafür vorgesehenen ROM-Erweiterungen. Zusammen mit Tastatur, Anzeige und Drucker bildeten diese Werkzeuge die Arbeitsumgebung, die Rockwell für Entwicklung, Ausbildung und technische Anwendungen vorgesehen hatte.

Erweiterungen und Ausbau des Systems

Bereits kurz nach der Einführung des AIM-65 bot Rockwell verschiedene Erweiterungen für das System an. Das Angebot reichte von zusätzlichem Speicher über Programmiersysteme bis hin zu Massenspeicher- und Videoschnittstellen.

Zum Erweiterungsangebot gehörte ein Expansion Motherboard, das zusätzliche Steckplätze bereitstellte. Dort konnten weitere RAM- und ROM-Karten installiert werden. Anwender hatten damit die Möglichkeit, den verfügbaren Speicher auszubauen oder zusätzliche Software in Form von ROM-Modulen einzusetzen.

Zu den bekanntesten Zubehörgeräten gehörte der PROM Programmer. Mit diesem System konnten PROMs und EPROMs programmiert und getestet werden. Rockwell kombinierte das Gerät mit dem CO-ED-Code-Editor, der Änderungen am Objektcode direkt auf dem AIM-65 ermöglichte. Programme konnten nach ihrer Entwicklung auf dem AIM-65 in programmierbare Speicherbausteine übertragen und anschließend in eigenen Hardwareprojekten verwendet werden.

Für größere Softwareprojekte standen außerdem Diskettensysteme zur Verfügung. Über entsprechende Controller konnten Floppy-Laufwerke angeschlossen werden. Disketten boten gegenüber Kassettenrecordern größere Speicherkapazitäten und kürzere Zugriffszeiten. Neben den Diskettensystemen waren auch verschiedene RAM- und ROM-Erweiterungen erhältlich.

Rockwell bot darüber hinaus Schnittstellenkarten für den IEEE-488-Bus an. Dadurch konnten Messgeräte, Laborhardware und andere kompatible Systeme angeschlossen werden. Diese Schnittstelle war insbesondere im technischen und wissenschaftlichen Umfeld weit verbreitet.

Neben den klassischen Erweiterungen erschienen auch Videolösungen. Bekannt wurde insbesondere die VIDEO-1-Karte von Rines Engineering, die den Anschluss eines Bildschirms ermöglichte. Darüber hinaus existierten Videokarten innerhalb der RM65-Familie, die auf dem 6545-CRT-Controller basierten. Damit konnten Programme und Daten auf einem Bildschirm dargestellt werden.

Zum AIM-65 waren Erweiterungen für Speicher, Programmiersprachen, Massenspeicher, Videoausgabe und Gerätesteuerung erhältlich. Rockwell ergänzte die Produktreihe später durch den AIM-65/40. Das System übernahm zahlreiche Merkmale des ursprünglichen AIM-65 und gehörte zur weiteren Entwicklung der R6500-Plattform.

Wie ging es weiter?

Anfang der 1980er Jahre ergänzte Rockwell die Produktreihe durch den AIM-65/40. Das System gehörte weiterhin zur R6500-Familie und wurde neben dem ursprünglichen AIM-65 angeboten.

Die Bezeichnung „40“ bezog sich auf die vierzig Zeichen breite Anzeige. Während der AIM-65 über eine zwanzigstellige alphanumerische Anzeige verfügte, besaß der AIM-65/40 eine Anzeige mit vierzig Zeichen. Dadurch unterschied sich das Erscheinungsbild beider Systeme bereits auf den ersten Blick.

Der AIM-65/40 konnte mit zusätzlichen Speicher- und Schnittstellenkarten betrieben werden und war innerhalb der R6500-Produktfamilie mit weiteren Systemkomponenten kombinierbar. Mehrere Erweiterungen und Peripheriegeräte wurden sowohl innerhalb der AIM-65- als auch der RM65-Produktfamilie angeboten.

Trotz der Einführung des AIM-65/40 blieb der ursprüngliche AIM-65 weiterhin verfügbar. Beide Systeme wurden für Ausbildungs-, Entwicklungs- und Steuerungsaufgaben eingesetzt. Der AIM-65/40 ergänzte das bestehende AIM-65-Angebot innerhalb der R6500-Produktfamilie.

Der AIM-65 blieb nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt. Siemens vertrieb das System in Europa als PC100 und nutzte die Plattform vor allem im Ausbildungs- und Technikbereich. Die technische Grundlage blieb dabei weitgehend erhalten. Der PC100 entwickelte sich später zu einer eigenen Produktlinie und wird deshalb häufig getrennt vom ursprünglichen AIM-65 betrachtet.

Nachdem Rockwell die Produktion eingestellt hatte, übernahm Dynatem 1986 die Fertigung des Systems unter Lizenz. Dadurch blieb der AIM-65 auch nach dem Ende seiner ursprünglichen Produktionszeit verfügbar. Dynatem führte die Plattform noch mehrere Jahre weiter, bevor sich das Unternehmen auf andere Bereiche der Embedded-Computertechnik konzentrierte.

Im Vergleich zu Systemen wie dem KIM-1 oder dem SYM-1 vereinte der AIM-65 bereits in der Grundausstattung eine Volltastatur, eine alphanumerische Anzeige, einen Thermodrucker sowie Entwicklungswerkzeuge im ROM. Ergänzt wurde dies durch Speichererweiterungen, Programmiersprachen, Diskettensysteme, Videoausgaben und Schnittstellenkarten. Lehrbücher von Autoren wie Lance Leventhal und Leo Scanlon verwendeten den Rechner als Grundlage für Übungen und Experimente rund um die 6502-Architektur. Zeitgenössische Testberichte beschäftigten sich ausführlich mit dem integrierten Monitor, dem Assembler und den weiteren Entwicklungswerkzeugen des Systems.

Rockwell bot den AIM-65 1979 zu einem Preis von 375 US-Dollar an. Inflationsbereinigt entspricht dies heute einer Kaufkraft von rund 1.680 US-Dollar (Stand: Juni 2026). In Großbritannien wurde das System für 249,50 Pfund angeboten. Dies entspricht einer heutigen Kaufkraft von etwa 1.620 Pfund (Stand: Juni 2026). Offizielle Verkaufszahlen veröffentlichte Rockwell nicht. Die heute verfügbaren Quellen erlauben daher keine verlässliche Aussage über die tatsächlich produzierte Stückzahl.

Der AIM-65 entstand nicht als Heimcomputer für den Massenmarkt, sondern als Entwicklungs-, Ausbildungs- und Steuerungssystem innerhalb der R6500-Produktfamilie. Die Kombination aus Tastatur, Anzeige, Drucker, Monitor und Erweiterungsmöglichkeiten bestimmte seinen Einsatz in Laboren, Ausbildungsstätten und Entwicklungsabteilungen. Innerhalb der Geschichte der 6502-Plattform steht der AIM-65 damit zwischen den frühen Einplatinencomputern der zweiten Hälfte der 1970er Jahre und den späteren, stärker ausgebauten Entwicklungs- und Industrierechnern der 1980er Jahre.

 

Tektronix 4051 – Der Laborrechner, der Hollywood die Zukunft zeigte

Kein Requisiten-Fake, sondern echte Labortechnik: Systeme der Tektronix-4050-Reihe dienten in den späten 1970ern häufig als glaubwürdige „Zukunftscomputer“ in Film- und Fernsehproduktionen.

Manchmal verrät ein Fernsehbild mehr über die technische Gegenwart seiner Entstehungszeit als über die Zukunft, die es darstellen soll. Als 1978 die Zuschauer erstmals die Kommandozentrale der Battlestar Galactica sahen, stand dort kein futuristischer Fantasierechner, sondern ein real existierendes wissenschaftliches Instrument aus Oregon: ein System der Tektronix-4050-Serie. In einer Zeit, in der Mikrocomputer meist als Bausätze, Terminals oder experimentelle Systeme auftraten, verkörperten diese Geräte eine andere Tradition – die des Laborrechners, der aus der Messtechnik kam und die Brücke zwischen Oszilloskop, Grafikterminal und programmierbarem Rechner schlug.

Tektronix hatte den 4051 nicht als Heimcomputer entwickelt, sondern als wissenschaftliches Werkzeug. Wie es im Service-Handbuch formuliert wird, vereinte das System „die visuelle Darstellung eines Grafikterminals mit der Rechenleistung eines wissenschaftlichen programmierbaren Rechners“ und konnte sowohl eigenständig arbeiten als auch als intelligentes Grafikterminal dienen.

Im Inneren arbeitete ein Motorola-6800-Acht-Bit-Mikroprozessor, der Mitte der siebziger Jahre zu den frühen Standardprozessoren für Mikrocomputersysteme und industrielle Steuertechnik gehörte. Im Tektronix-Rechner übernahm er die Ausführung des BASIC-Interpreters, die Steuerung der Grafiklogik sowie die Kommunikation mit angeschlossenen Geräten. Der Standardausbau umfasste acht Kilobyte Arbeitsspeicher, von denen etwa sechs Kilobyte dem Anwender zur Verfügung standen. Durch optionale Erweiterungen ließ sich der Speicher auf bis zu 32 Kilobyte ausbauen, was für einen Desktop-Rechner dieser Zeit ein beachtlicher Wert war.

Die Firmware befand sich in einem umfangreichen ROM-System mit mehreren Dutzend Kilobyte Kapazität und enthielt neben dem Interpreter eine erweiterte BASIC-Variante. Diese unterstützte numerische Berechnungen ebenso wie Grafikbefehle, Matrizenoperationen, String-Verarbeitung und die Steuerung externer Geräte. Erweiterungs-ROMs konnten über Steckmodule eingebunden werden, wodurch sich der Rechner funktional an unterschiedliche Aufgaben anpassen ließ – ein Konzept, das stärker an wissenschaftliche Instrumente als an spätere Heimcomputer erinnerte.

Als Massenspeicher diente ein integriertes Magnetband-Cartridge-System mit einer Kapazität von rund 300 Kilobyte. Die Daten wurden sequenziell gespeichert, was zwar langsamer als spätere Diskettenlösungen war, jedoch als robust und zuverlässig galt. Für Labore, in denen Messdaten archiviert werden mussten, entsprach dies den praktischen Anforderungen der Zeit.

Der vielleicht markanteste Unterschied zu späteren Personal Computern lag im Bildschirm. Der 4051 verwendete keine rasterbasierte Videodarstellung, sondern eine sogenannte Direct-View-Storage-Tube-Röhre. Ein einmal gezeichneter Vektor blieb sichtbar, ohne ständig neu aufgebaut werden zu müssen. Linien wurden direkt geschrieben und blieben stabil stehen, bis der Bildschirm gelöscht wurde. Dadurch entstand eine außergewöhnlich ruhige und flimmerfreie Darstellung technischer Grafiken, Diagramme und Messkurven. Für wissenschaftliche Visualisierung war diese Technik ideal, auch wenn sie dynamische Animationen nur eingeschränkt zuließ.

Gerade deshalb gehörten Tektronix-Displays in vielen Laboren fast ebenso selbstverständlich zur Ausstattung wie Oszilloskope. Der 4051 verband diese präzise Anzeige mit eigener Rechenleistung und konnte über den General Purpose Interface Bus – später als IEEE-488 standardisiert – mit Plottern, Messgeräten, Druckern oder Speicherlösungen kommunizieren. Damit wurde er Teil größerer Instrumentationssysteme, ohne selbst ein komplexes Rechnernetz zu benötigen.

Auch wirtschaftlich gehörte der Rechner nicht in die Welt der Heimcomputer. Der Basispreis lag bei seiner Einführung bei rund 5.995 US-Dollar, während einzelne Quellen für das Jahr 1976 auch etwa 6.995 US-Dollar nennen, abhängig von Ausstattung und Erweiterungen. Inflationsbereinigt entspricht dies heute einer Kaufkraft von ungefähr 35.900 US-Dollar und unterstreicht die Position des Systems als professionelles Instrument für Forschung, Industrie und Ausbildung – deutlich günstiger als komplette Minicomputer-Grafikinstallationen, aber weit entfernt vom entstehenden Heimcomputermarkt.

Nicht nur in Forschungseinrichtungen, sondern auch vor der Kamera wurden Systeme der Tektronix-4050-Reihe zu einem vertrauten Anblick. In den späten siebziger und frühen achtziger Jahren griffen Ausstattungsabteilungen von Film- und Fernsehproduktionen regelmäßig auf Geräte dieser Bauart zurück, wenn moderne Labore, Kontrollzentren oder technische Einrichtungen dargestellt werden sollten. Ihre klare Vektorgrafik, die ruhige Darstellung und das instrumentelle Erscheinungsbild vermittelten genau jene technische Glaubwürdigkeit, die Studiodesigner suchten.

So tauchten Geräte der Serie in verschiedenen Science-Fiction-Produktionen und Thrillern auf, darunter Moonraker oder D.A.R.Y.L., wo sie als scheinbar hochentwickelte Rechentechnik inszeniert wurden. Doch nicht nur ernste Zukunftsvisionen machten sich ihre Wirkung zunutze. Auch in Komödien fanden sie Verwendung. In Airplane! (Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, 1980) ist in der Flugleitzentrale deutlich die markante Silhouette eines Systems der Tektronix-4050-Serie zu erkennen, das dort als moderner Radarbildschirm dient und die Flugbewegungen in typischer Vektorgrafik darstellt – ein Requisitenwitz, der gerade deshalb funktionierte, weil das Gerät real existierte und überzeugend wirkte.

Bis zur Einführung grafischer Desktop-Computer mit rasterbasierter Benutzeroberfläche gehörten Tektronix-Systeme dieser Art zu den besonders häufig verwendeten Rechnern vor der Kamera. Erst mit dem Auftreten von Systemen wie dem Macintosh, deren grafische Oberfläche eine neue visuelle Vorstellung von Computern prägte, verlor diese Form der Darstellung allmählich ihre Wirkung als Zukunftsbild. Innerhalb der Tektronix-Produktpalette blieb der 4051 dennoch nur ein Teil einer größeren Entwicklung. Für anspruchsvollere Visualisierungsaufgaben entstanden parallel leistungsfähigere Systeme, darunter der Tektronix 4081, der einen deutlich anderen technischen Ansatz verfolgte und damit ein eigenes Kapitel in der Geschichte grafischer Computersysteme bildet.

Während der 4051 den grafischen Laborarbeitsplatz verkörperte, entwickelte Tektronix mit dem 4081 parallel ein deutlich leistungsfähigeres Visualisierungssystem, das nicht mehr primär als eigenständiger Desktop-Rechner gedacht war, sondern als Bestandteil größerer Rechenumgebungen. Der 4081 zielte auf anspruchsvollere grafische Anwendungen in Wissenschaft, Technik und Simulation und knüpfte damit stärker an die Tradition von Hochleistungs-Grafikterminals und spezialisierten Visualisierungsstationen an als an die kompakten Instrumentenrechner der 4050-Serie.