Extensys EX-3000 – Der fast vergessene Multiuser-Computer von 1978

Als die meisten Mikrocomputer der späten 1970er Jahre noch damit beschäftigt waren, einzelne Anwender mit BASIC, Kassettenlaufwerken und einigen Kilobyte Speicher zu versorgen, verfolgte die kalifornische Extensys Corporation einen deutlich ehrgeizigeren Plan. Ihr EX-3000 sollte nicht einfach ein weiterer S-100-Rechner werden. Stattdessen wollte das Unternehmen Technologien zusammenführen, die bis dahin vor allem in deutlich teureren Minicomputern und Großrechnern zu finden waren: Multiprozessorbetrieb, Mehrbenutzerfähigkeit, Multitasking und eine modulare Architektur mit verteilter Verarbeitung.

Bereits in der April-Ausgabe 1978 des Magazins BYTE bewarb Extensys den EX-3000 als eine neue Familie leistungsfähiger und flexibler Computersysteme. Das Unternehmen hob besonders die verteilte Verarbeitung hervor, bei der einzelne Systemkomponenten eigene Aufgaben übernehmen sollten, anstatt sämtliche Arbeit einer zentralen CPU zu überlassen. Während viele Mikrocomputer jener Zeit noch als Einzelplatzsysteme ausgelegt waren, zielte Extensys auf eine deutlich größere Lösung ab.

Technisch basierte der EX-3000 auf dem damals weit verbreiteten S-100-Bus, der bereits durch Systeme wie den Altair 8800, IMSAI 8080 oder zahlreiche Cromemco-Rechner bekannt geworden war. Das Herzstück bildete das Prozessormodul MPU805, das einen Intel 8085 mit Onboard-PROM, priorisierten Interrupts sowie integrierten Timern und Ereigniszählern verwendete. Zusätzlich bot Extensys mit dem MPU800 ein optionales Z80-Prozessormodul an. Bereits diese Kombination war ungewöhnlich, da sie den parallelen Einsatz mehrerer Prozessoren innerhalb eines Systems vorbereitete.

Auch beim Speicher ging Extensys über das hinaus, was viele Wettbewerber anboten. Die Speicherkarte RM64A konnte zwischen 16 und 64 Kilobyte RAM bereitstellen, während die MM16 Memory Management Board durch Bankswitching bis zu einem Megabyte Arbeitsspeicher verwalten konnte. Darüber hinaus verfügte die Karte über einen DMA-Mechanismus für schnelle Datenübertragungen. Für einen Mikrocomputer des Jahres 1978 war dies bemerkenswert, denn die meisten konkurrierenden Systeme bewegten sich noch deutlich näher an der 64-KB-Grenze der damaligen 8-Bit-Prozessoren.

Extensys betrachtete den Rechner nicht als Einzelplatzsystem. Das MTS100 Multiple Terminal Subsystem konnte acht oder mehr unabhängige RS-232C-Schnittstellen bereitstellen und erlaubte den Anschluss mehrerer Arbeitsplätze. Das TPS100 Terminal Processor Subsystem integrierte Tastatur, Bildschirm, serielle Schnittstelle und erweiterte Videoeigenschaften. Für die Massenspeicherung war das FOS100 Floppy Disk Subsystem vorgesehen, das zwischen einem und vier Megabyte Online-Speicher bereitstellen konnte.

Mindestens ebenso ungewöhnlich wie die Hardware war das Betriebssystem EMOS (Extensys Multiprocessor Operating System). Es wurde als Multiprozessor-, Mehrbenutzer- und Multitasking-Betriebssystem beworben und stellte Dateiverwaltung, Programmentwicklungswerkzeuge sowie Speicherschutz für einzelne Benutzer bereit. Darüber hinaus sollte EMOS mehrere EX-3000-Systeme miteinander verbinden können, sodass sie auf gemeinsame Datenbestände zugreifen konnten, während gleichzeitig individuelle Datenbereiche geschützt blieben. Unterstützt wurden Programmiersprachen wie Extended BASIC, COBOL und ANSI FORTRAN.

Aus heutiger Sicht liest sich diese Ausstattung beinahe wie die Beschreibung eines kleinen Minicomputers. Während viele Heimcomputer jener Jahre jeweils nur ein Programm für einen Benutzer ausführten, zielte der EX-3000 auf professionelle Anwendungen, Entwicklungsumgebungen und Mehrplatzlösungen ab. Das einzige bislang bekannte Werbebild zeigt dementsprechend keine wohnzimmertaugliche Tastaturkiste wie einen Apple II oder Commodore PET, sondern ein professionelles System mit separater Bildschirm- und Tastatureinheit.

Trotz der ambitionierten Technik wurde der EX-3000 kein kommerzieller Erfolg. Nach Aussagen eines ehemaligen Mitarbeiters, die Jahrzehnte später veröffentlicht wurden, soll Extensys lediglich ein einziges vollständiges EX-3000-System ausgeliefert haben, bevor die Firma in finanzielle Schwierigkeiten geriet und ihren Betrieb einstellen musste. Eine unabhängige Bestätigung dieser Zahl konnte bislang nicht gefunden werden. Sie würde jedoch erklären, warum weder Verkaufspreise noch belastbare Verkaufszahlen oder ausführliche Produkttests bekannt sind.

Die außergewöhnlich dünne Quellenlage gehört heute selbst zur Geschichte des Rechners. Während von konkurrierenden S-100-Systemen zahllose Anzeigen, Preislisten, Handbücher und Magazineinträge erhalten geblieben sind, beschränken sich die bekannten Informationen zum EX-3000 auf wenige Anzeigen, technische Beschreibungen und Erinnerungen ehemaliger Beteiligter. Selbst Fotos des Systems sind ausgesprochen selten.

Gerade dieser Umstand macht den EX-3000 heute zu einem faszinierenden Kapitel der Computergeschichte. Während viele gescheiterte Systeme wenigstens eine kleine Nutzerbasis oder eine Handvoll erhaltener Geräte hinterließen, scheint der Extensys-Rechner nahezu spurlos verschwunden zu sein. Dennoch zeigen die erhaltenen Unterlagen, dass hier ein Unternehmen versuchte, Konzepte wie Multiprozessorbetrieb, verteilte Verarbeitung und geschützte Mehrbenutzersysteme in den Mikrocomputerbereich zu bringen – zu einer Zeit, als die meisten Hersteller noch damit beschäftigt waren, den Heimcomputer überhaupt erst zu etablieren.

Quasar QDP-100: Der CP/M-Rechner mit integriertem EPROM-Brenner

Ende der 1970er begann sich der Markt für S-100-Systeme spürbar zu verändern. Während frühe Rechner wie der Altair 8800 noch stark von Bastlern und Elektronikenthusiasten geprägt waren, versuchten Hersteller zunehmend, daraus professionelle Komplettsysteme für Unternehmen und Entwickler zu formen. Auch Quasar Data Products schlug mit dem QDP-100 genau diesen Weg ein — ein robustes CP/M-System mit integrierter Entwicklungs-Hardware, das deutlich stärker auf Zuverlässigkeit und technische Arbeitsumgebungen ausgelegt war als viele klassische Heimcomputer jener Zeit.

Gegründet wurde Quasar Data Products 1979 in North Olmsted im US-Bundesstaat Ohio von ehemaligen Studenten beziehungsweise Absolventen der Kent State University. Anders als zahlreiche kleinere S-100-Hersteller positionierte sich das Unternehmen nicht primär über niedrige Preise oder maximale Erweiterbarkeit, sondern über Stabilität, professionelle Ausstattung und vollständige Komplettsysteme. Schon zeitgenössische Anzeigen im BYTE Magazine machten deutlich, wohin die Reise gehen sollte. Statt mit typischen Bastlerbegriffen wie „Experimenting“ oder „Expansion“ warb Quasar mit Aussagen wie „Fully Tested“, „Reliable“ oder „Complete — Up & Running“. Der QDP-100 sollte nicht wie ein Elektronikprojekt wirken, sondern wie ein fertiges Arbeitswerkzeug.

Technisch basierte das System auf dem damals weit verbreiteten IEEE-696-kompatiblen S-100-Bus. Im Inneren arbeitete ein Zilog Z80A mit 4 MHz Taktfrequenz, kombiniert mit standardmäßig 64 KB RAM. Zur Ausstattung gehörten zwei doppelseitige 8-Zoll-Diskettenlaufwerke, zwei serielle sowie zwei parallele Schnittstellen und ein monochromes Terminal, das häufig direkt mitgeliefert wurde. Als Betriebssystem kam primär CP/M 2.2 zum Einsatz, zusätzlich unterstützte der Rechner jedoch auch MP/M, wodurch mehrere Benutzer beziehungsweise Terminals parallel arbeiten konnten — Anfang der 1980er noch keineswegs selbstverständlich.

Die eigentliche Besonderheit des Systems lag allerdings an anderer Stelle. Während viele CP/M-Rechner vor allem auf Bürosoftware, Textverarbeitung oder allgemeine Datenverarbeitung zielten, besaß der QDP-100 standardmäßig einen integrierten 2716-EPROM-Programmierer. Genau dieses Detail verlieh dem Rechner eine ungewöhnliche Identität. EPROM-Brenner wurden damals benötigt, um Firmware und Steuerprogramme auf programmierbare Speicherbausteine zu schreiben — etwa für industrielle Steuerungen, Embedded-Systeme, Messhardware oder Terminaltechnik. Normalerweise waren dafür externe Spezialgeräte erforderlich. Quasar integrierte diese Funktion dagegen direkt in das Gesamtsystem.

Dadurch wird auch die eigentliche Zielgruppe des Rechners klarer. Der QDP-100 richtete sich offenbar weniger an klassische Büroanwender als vielmehr an Entwickler, Techniker, Laborumgebungen und industrielle Einrichtungen. Dazu passte auch die übrige Konstruktion. Zeitgenössische Anzeigen erwähnten wiederholt Begriffe wie „burned in“ oder „fully tested“, womit längere Belastungstests vor der Auslieferung gemeint waren. Ziel war es, frühe Hardwareausfälle bereits vor dem Kundeneinsatz zu erkennen. Spätere Beschreibungen berichten zudem von besonders robust aufgebauten Netzteilen mit hochwertigen Filterkomponenten, die unter anderem wegen Einsätzen bei der US Navy verwendet wurden. Gerade militärische und industrielle Kunden legten damals großen Wert auf stabile Stromversorgung und Dauerbetriebssicherheit.

Interessant war außerdem das integrierte Startup-Menü des Systems. Viele CP/M-Rechner jener Zeit starteten direkt in eine Kommandozeile und erwarteten vom Benutzer Kenntnisse über Bootdisketten, Laufwerksparameter oder Terminalinitialisierung. Der QDP-100 ging einen anderen Weg. Beim Einschalten erschien ein eigenes Menüsystem, über das offenbar Systemparameter verändert und Dienstprogramme direkt gestartet werden konnten, ohne sofort komplexe CP/M-Befehle eingeben zu müssen. Heute wirkt das unspektakulär, 1980 war eine derart menügesteuerte Benutzerführung jedoch noch vergleichsweise ungewöhnlich.

Auch äußerlich unterschied sich das System von zahlreichen Konkurrenten. Das schwere Gehäuse mit seinen beiden großen 8-Zoll-Laufwerken wirkte beinahe wie ein kompakter Minicomputer. Einige Varianten besaßen Holzseiten beziehungsweise Holzfurnier — eine Designentscheidung, die Ende der 1970er noch häufiger anzutreffen war, später jedoch nahezu vollständig verschwand. Gleichzeitig brachte das System mehr als 22 Kilogramm auf die Waage und erinnerte damit eher an professionelle Labor- oder Bürohardware als an einen typischen Personal Computer späterer Jahre.

Preislich bewegte sich der QDP-100 ebenfalls klar im professionellen Segment. In den USA lag der Verkaufspreis um 1980 bei rund 4.995 US-Dollar. Laut Computing Today kostete das System 1982 in Großbritannien noch etwa 3.380 Pfund über den Distributor Datatrak in Northampton. Inflationsbereinigt entspricht das heute grob einer Kaufkraft von rund 18.000 bis 20.000 Euro. Zusätzlich bot Quasar optional sogar eine 5-MB-Winchester-Festplatte an — Anfang der 1980er eine ausgesprochen luxuriöse Erweiterung, die den professionellen Anspruch des Systems weiter unterstrich.

Interessant ist auch die spätere Entwicklung des Unternehmens. Bereits 1980 begann Quasar mit dem Übergang zu leistungsfähigeren 16-Bit-Systemen auf Basis des Zilog Z8000. In Anzeigen warb das Unternehmen mit dem Satz „You can have it all … Z-80 OR Z-8000“ und bot teilweise sogar Z80-Emulation an, damit bestehende CP/M-Software weiterhin genutzt werden konnte. Parallel kündigte Quasar bereits UNIX-Unterstützung für die neuen Systeme an — ein deutlicher Hinweis darauf, dass man sich langfristig im professionellen Entwicklungs- und Multiuser-Markt etablieren wollte.

Rückblickend wirkt der QDP-100 dadurch weniger wie ein klassischer Heimcomputer seiner Zeit, sondern eher wie eine kompakte technische Entwicklungsstation. Gerade der integrierte EPROM-Brenner machte das System zu einem Werkzeug für Entwickler und technische Arbeitsumgebungen — ein ungewöhnlicher Ansatz in einer Zeit, in der viele Mikrocomputerhersteller noch versuchten, den Computer überhaupt erst in Büros oder Privathaushalten zu etablieren.