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Die Sinclair-Story – ein Stück britische (Homecomputer)-Geschichte
Sinclair Research Ltd
von Markus Kunkler
Die Anfänge
Clive Sinclair wird 1940 in England geboren. Er interessiert sich schon als Jugendlicher für elektronische Geräte verschiedenster Art. Insbesondere die Reparatur defekter Geräte, die dem Bereich Unterhaltungselektronik zuzuordnen sind, haben es ihm angetan – beispielsweise TV-Geräte, Radios oder Hi-Fi-Verstärker. Zu diesem Zeitpunkt stellt dies noch ein reines Hobby für ihn dar, die eigene Firmengründung ist zudem noch weit entfernt.
Sinclair selbst durchläuft nie ein Studium. 1958 und kurz vor dem Abitur, entwickelt er sein erstes eigenes Miniaturradio. Doch sein Unterfangen, die selbstgebaute Hardware über den reinen Versandhandel zu verkaufen, wird zunächst zerschlagen.

Da er seinen eigenen Lebensunterhalt bestreiten muss, arbeitet er daher als Buchautor und veröffentlicht über einen entsprechenden Fachverlag mehrere Publikationen für Hobbyelektroniker – also genau die Zielgruppe, zu der er sich selbst einmal ursprünglich zählte.
Er arbeitet hart und familiäre Unterstützung wird ihm zudem zuteil. Diese Konstellation ermöglicht es ihm schlussendlich, seine erste eigene Firma zu gründen: Sinclair Radionics. Von Sinclair Research Ltd. sind wir zu diesem Zeitpunkt dennoch noch ein gutes Stück entfernt.
Seinen Fokus legt er zunächst auf die Entwicklung und den Verkauf von Taschenrechnern. Seine damalige Arbeitsweise spiegelt sich in den Folgejahren wider. Er legt Wert auf kleine und günstige Geräte, die für alle erschwinglich sein sollen. Die von ihm entwickelte Digitaluhr „Black Watch“ wird jedoch zum Flop – gravierende technische Mängel lassen sie zu einem Ladenhüter verkommen.
Dieser erste große Niederschlag führt fast zum Ruin von Sinclair Radionics. Das staatliche NEB (National Enterprise Board) greift ihm finanziell unter die Arme und erwirbt fast die Hälfte der gesamten Geschäftsanteile.

Hierdurch, wieder finanziell gestärkt, kann er sich erfolgreich anderen Projekte annehmen und diese abschließen. 1977 kommt mit dem Microvision TV1A ein sogenannter Taschenfernseher auf den Markt. Seinen ersten Mikrocomputer, den MK 14, veröffentlicht er im gleichen Jahr – als reinen Bausatz. Dieses Prinzip (Bausatz) verfeinert er im Laufe der Zeit noch. Später folgende Computer, wie der Sinclair ZX80 und ZX81, werden dem Konsumenten in zwei Varianten zur Verfügung gestellt: als Bausätze, sowie als fertige Einheiten, die vom Nutzer nur noch mit dem Monitor verbunden werden müssen.
In erster Linie vertreibt Sinclair Radionics seine Produkte zunächst ausschließlich über den eigenen Versandhandel. Dies erspart der Firma hohe Vertriebskosten. Wer sich für die Bausatz-Variante entscheidet, spart zudem bares Geld, denn diese werden preislich noch günstiger angeboten, wie die Komplettrechner. Erst später erfolgt im Nachgang ab dem ZX81 bspw. der Exklusivverkauf durch die Buchhandelskette W. H. Smith, zu der Clive Sinclair einen guten Kontakt pflegt.
Der Durchstarter
1980 gründet Sinclair die Sinclair Research Ltd. Er hat Morgenluft gewittert, sieht er doch in den sogenannten Mikrocomputern mehr als einen reinen Trend und zudem die Zukunft seiner eigenen Firma.
Vor allem der Sinclair ZX81 (1981) wird zu einem großen Erfolg für die Sinclair Research Ltd. Sinclair kann von diesem Rechner rund 1,5 Millionen Exemplare insgesamt absetzen.
Der Rechner selbst gibt sich mehr als spartanisch: Billiges Plastikgehäuse, 1 Kilobyte RAM-Arbeitsspeicher, eine umständlich zu bedienende und mit teils unübersichtlicher Mehrfachbelegung der einzelnen Tasten versehene Folientastatur, keine Farbdarstellung (es bleibt beim sogenannten „Schwarz auf Weiß“), eine Auflösung von gerade einmal maximal 24x32 Pixel und keinerlei Soundausgabe – im direkten Vergleich zu dem im gleichen Jahr erschienen Commodore VC 20 fast schon ein technisches Armutszeugnis.
Doch der Erfinder verfolgt einen anderen Denkansatz. Der ZX81 kostet zum Release schmale 398 DM in Deutschland, der VC 20 liegt im Vergleich bei knapp unter 1.000 DM. Das ist mehr als eine reine Hausnummer.
Zudem sagt er selbstbewusst: „Wer sich einen ZX81 kauft, verfolgt den Ansatz, einen möglichst preiswerten Zugang zu Computern zu finden. Wer dann als Käufer, im Gegensatz zu den teureren Produkten unserer Mitbewerber, relativ wenig Geld in ein Gerät investiert hat, wird sich auch am Ende weniger darüber ärgern, wenn er keinen Gefallen daran findet - oder ihm die Technik eventuell doch einfach zu kompliziert erscheint.“
Der Plan geht voll auf und beschert Sinclair ein solides finanzielles und stabiles Fundament.
1982 erfolgt über die BBC UK eine Ausschreibung im Rahmen des sogenannten Schulfernsehens. Sinclair entwickelt daraufhin einen neuen Computer, da er sich an selbiger ebenfalls beteiligen will. An dieser Ausschreibung nehmen auch andere bekannte Firmen, unter anderem Dragon Data und Acorn Computers Ltd., teil. Heimlich sollen sich einige Verantwortliche, gestärkt durch den Erfolg des ZX81, bei Sinclair Research Ltd. schon siegessicher die Hände gerieben haben. Doch am Ende kommt alles ganz anders, als erhofft und gedacht. Acorn Computers Ltd., die bisher nur den mäßig erfolgreichen Acorn Atom veröffentlicht hatten, erhalten final den Zuschlag. Doch obwohl dies zunächst, wie eine Niederlage wirkt, bleibt Sinclair in der Nachbetrachtung der große Gewinner. Der Acorn BBC B (BBC Micro), der sich gegenüber der gesamten Konkurrenz behauptete, wird zu einem beliebten Schulcomputer, der Mainstream bleibt ihm dennoch verwehrt – auch oder gerade wegen seines hohen Preises.
Sinclair bleibt dennoch zuversichtlich und bringt 1982 genau den Computer auf den Markt, der im Zuge der genannten Ausschreibung eine Niederlage erlitten hatte. Er tauft ihn final auf den Namen ZX Spectrum. Auch beim ZX Spectrum geht Sinclair sehr kostenbewusst vor, was die Herstellung betrifft. Der Spectrum verfügt nur über eine Gummitastatur (das sogenannte „Rubber Keyboard“), verpackt in einem sehr kleinen und billigen Plastikgehäuse, und wird anfangs mit zwei verschiedenen Arbeitsspeichern ausgeliefert. Die kleinere Variante (die 1983 endgültig eingestellt wird) mit 16 Kilobyte RAM-Arbeitsspeicher, der größere Bruder mit immerhin 48 Kilobyte. Technisch ist der Spectrum wesentlich besser als der ZX81, aber im direkten Vergleich zum Commodore 64 oder Atari 800 sieht er diesbezüglich (Technik) kein Land. Der Firmenphilosophie wird ein weiteres Mal Rechnung getragen, es gilt immer noch das kostenschonende Produktionsprinzip. Der ZX Spectrum verfügt über einen Zilog Z80A Hauptprozessor, getaktet mit 3,58 MHz. Bei den Anschlüssen sieht es beim Spectrum mau aus: Neben dem typischen Strom- und TV-Anschluss verfügt er lediglich über einen Kassetten-Port (über den jeder handelsübliche Kassettenrekorder anschließbar ist) und einen (wichtigen) Expansion-Port. Um die Grafik- und Soundausgabe kümmert sich die sogenannte Ferranti ULA (Uncommitted Logic Array). Die Auflösung des Spectrum liegt immerhin bei 256x192 Pixel, dabei sind zunächst einmal 8 Farbtöne grundsätzlich möglich. Die BRIGHT-Darstellung ermöglicht hierbei zusätzlich verschiedene Helligkeitsstufen pro Farbe.
Spezialchips wie beim Atari oder Commodore gibt es nicht. Der Spectrum verfügt weder über Hardware-Scrolling, noch über Hardware-Sprites, die bekanntlich die CPU deutlich entlasten können. Vollwertiger Sound? Auch das wäre etwas übertrieben – genau ein Soundkanal steht zur Verfügung. Der SID des C 64 und dessen Sound wirken dagegen schon wie eine völlig andere Hardware-Welt. Der „Beeper“, wie er liebevoll genannt wird, ist ein im Gehäuse verbauter Lautsprecher, über den die Soundausgabe erfolgt. Bei möglichen Joystick-Ports herrscht komplette Fehlanzeige.
Doch beim Preis zaubert Sinclair. Der Spectrum kostet bei Veröffentlichung gerade einmal 125 englische Pfund, die 48K-Variante liegt bei 175 Pfund. Der C 64 ist wesentlich teurer und liegt zum Start in den USA bei rund 595 $ bzw. 1.400 DM in Deutschland. Viele britische Käufer würden sich lieber einen technisch stärkeren Commodore 64 kaufen, doch aufgrund des günstigen Preises entscheiden sich viele am Ende doch für einen ZX Spectrum. Insbesondere auf deutschen Schulhöfen verspottet man den Sinclair und Commodore-Jünger geben ihm, auch aufgrund der Gummitastatur, den zärtlichen Kosenamen „Türstopper“. Der Spectrum bleibt daher ein fast gänzlich englisches bzw. britisches Phänomen, außerhalb der Insel halten sich die Verkaufszahlen in einem durchaus niedrigen Bereich.
Erst mit Erweiterungen, angeschlossen über den bereits erwähnten Expansion-Port, werden Alternativen offenbart. Insbesondere über das vom Drittanbieter Kempston veröffentlichte Joystick-Interface ist der Anschluss 9-poliger Joysticks möglich – bei Commodore, Atari und anderen Herstellern ab Werk bereits Standard. Zusätzlich bietet Sinclair später (1983) alternativ zum Kassettenformat das sogenannte Micro-Drive an, dass Diskettenlaufwerken Konkurrenz machen soll. Gespeichert wird über magnetische Minibänder. In der Praxis erweist sich die Idee und das Format als Flop – es ist weder besonders zuverlässig und zudem deutlich langsamer als übliche Diskettenlaufwerke. Bis zum letzten Lebenszyklus des Spectrum bleibt somit das Medium Audiokassette Dreh- und Angelpunkt, wenn es um das Speichern und Laden von Programmen und Spielen geht - In einer technisch (auch schon damals) sehr schnelllebigen Welt fast schon ein Unikum.
Spiele, Spiele und nochmal Spiele
In 1982 funktioniert die Spieleentwicklung völlig anders und einfacher, wie heute. Jeder, der Interesse an der Thematik hat, fühlt sich quasi dazu berufen, selbst Spiele zu entwickeln und zu verkaufen. Damals werden viele Games von einem einzigen Programmierer gestemmt – Spiel-Design, Sound und Grafik, alles aus einer Hand.
Der britische Software-Markt kommt mit dem Erscheinen des Sinclair Spectrum stark in Fahrt. Während am Anfang simple BASIC-Programme im privaten Wohnzimmer gecodet und externen Firmen zum Verkauf angeboten werden, sprießen professionelle Softwarehäuser quasi von selbst aus dem Boden. So entstehen Branchenriesen, wie etwa Ocean Software. Diese heuern Programmierer fest an – der Beruf Spieleentwickler bekommt eine völlig andere Bedeutung. Und das, was in Übersee zusätzlich an hochwertiger amerikanischer Software entsteht und programmiert wird, wird über den englischen Vertrieb und Distributor U.S. Gold Limited, aussagekräftig und geschickt mitverpackt im Firmen-Logo, mit dem großspurigen Zusatz „All American Software“, in Europa den darbenden Spielern feil geboten. Der Spiele-Markt ist in den 80zigern fest in britischer Hand, der zuvor untergegangene Konsolenmarkt fast gänzlich vergessen. Für den ZX Spectrum entwickelt so gut wieder Hersteller in Großbritannien Spiele – ob gut oder schlecht, interessiert hierbei anfangs weniger. Und das, was an amerikanischer Software über den Teich schwappt, wird für den Minicomputer durch U.S. Gold, mit Hilfe von Drittfirmen, einfach konvertiert. In den Vereinigten Staaten spielt der ZX Spectrum nämlich nie eine Rolle, auch die kurze Zusammenarbeit mit der Timex Corporation scheitert fruchtlos. Der 1983 in den Vereinigten Staaten erschienene und gegenüber der Ur-Version verbesserte Timex Sinclair 2068, der T/S 2068 (höhere Auflösung, besserer Soundchip und wertigere Tastaur), floppt. Amerika ist fest in der Hand von Commodore, Atari und Apple. Um die 2.000 Games erscheinen final für den Spectrum – eine Zahl, die selbst Clive Sinclair wohl nie für möglich gehalten hätte.
Und auch in der Käufergunst steht der Kleine in Großbritannien über dem mächtigen Commodore 64. Rund 5 Millionen Geräte kann man, revisionsübergreifend, an Hardwareverkäufen insgesamt verzeichnen, rund 85% alleine davon auf der Insel. Der C64 dürfte sich dort im direkten Vergleich in etwa bei rund 2,7 Millionen einpendeln. Marktübergreifend (global) ist der Commodore weit beliebter, doch im Heimatland setzt der Spectrum dem technisch besseren Rechner mächtig zu. Aufgrund der Verdienste um sein Heimatland erhält Clive Sinclair 1983 von der Queen den offiziellen Ritterschlag – und darf sich fortan Sir Clive Sinclair nennen.
Updates
Ähnlich, wie bei anderen damaligen Homecomputern, erscheinen vom ZX Spectrum im Laufe der Jahre leicht aufgebohrte Versionen. Der ZX Spectrum Plus (1985) verfügt über eine bessere Tastatur und ein größeres Gehäuse, im Gehäuse selbst wird jedoch nichts Neues geboten. In der englischen Presse und auch bei Sinclair-Fans wird der „Neue“ nicht gut aufgenommen – die Ur-Version bleibt beliebter.
Der ZX Spectrum 128 bietet mehr Innovation. Dieser verfügt, wie der Name schon verrät, über stattliche 128 KByte Hauptspeicher und endlich über einen besseren Soundchip, den Yamaha AY-3-8912 (der bspw. auch im Amstrad CPC und Atari ST Anwendung findet). Ein echter RGB-Ausgang findet Einzug und der Sound wird jetzt, wie bei anderen Herstellern üblich, über den Fernseher ausgegeben. Zudem bietet er, im Hinblick auf den Ur-Spectrum, einen vollen Kompatibilitätsmodus. Dies soll sicherstellen, dass auch alte Software problemlos auf dem größeren Bruder funktioniert.
Während der Commodore 128 oder der Atari 130XE sträflich mit besseren Umsetzungen von Spieleentwicklern verschmäht werden, stellt der ZX Spectrum 128 ein kleines Novum dar. Für dieses Modell erscheinen oft hochwertigere und an die bessere Hardware angepasste Games (volle Soundausnutzung, größerer Umfang). Aufgrund einer anderen thermischen Kühllösung erhält er den Spitznamen „Toast-Rack“. Verkaufsmäßig ein guter Erfolg für die Firma Sinclair, doch der ZX Spectrum 128 ist zugleich der letzte Spectrum, der von Sinclair selbst herstellt wird. Warum dem so ist, wird gleich aufgeklärt.
Von Visionen und dem Untergang der Sinclair Research Ltd.
Clive Sinclair will noch mehr und geht sozusagen All-In. Ihm schwebt mehr vor als der reine Homecomputer. Er möchte neue Märkte erschließen, sich in Universitäten, Schulen und vor allem in Büros als feste und konstante Größe etablieren. Von der alten Zilog CPU-Architektur nimmt er Abstand und setzt voll auf Motorola - als Prozessor setzt er daher bei seinem eigenen Traumcomputer (Zitat Clive Sinclair selbst) auf deren CPU 68008. Sein Rechner soll einen Quantensprung zu bisheriger Hardware darstellen, so entsteht der Name Sinclair QL (Quantum Leap).
Präsentiert wird der „Supercomputer“ bereits Anfang 1984. Der Startpreis liegt bei 399 Pfund, was zu der damaligen Zeit einem deutschen Preis von ungefähr 2.000 DM entspricht (inflationsbereinigt in 2024 etwa 1800 Euro). Der Arbeitsspeicher liegt bei 128 Kilobyte, die Grafikauflösung bei maximal 512x256 Pixel mit einer 4 Farben-Darstellung. Um den Sound kümmert sich ein Intel-Chip (8049) mit nur einem Soundkanal.
Sinclair greift bewusst den Business-Markt an. Mit Psion Software, die schon den ZX Spectrum von Anfang an unterstützten, verbindet ihn mehr als eine Freundschaft. Psion steuert daher entsprechende und klassische Büro-Software bei. Der BASIC-Interpreter des QL hört auf den Namen „SuperBASIC“. Als Speichermedium setzt Sinclair gleich auf zwei ab Werk verbaute Micro-Drives. Intern soll man ihn angeblich bei Sinclair dringend davon abgeraten haben, aber der oft sture und uneinsichtige Firmeninhaber hält an dieser Entscheidung fest. Das Gehäuse hinterlässt einen soliden Eindruck und ist sauber verbaut.
Unfertige (!) Modelle werden ab April 1984 an Endkunden ausgeliefert, im Lieferumfang befindet sich ein zusätzlicher externer Speicher-Dongle (16 Kilobyte). Dieser war deshalb nötig, da der QL, in dieser Ur-Form, nicht in der Lage war, das komplette Betriebssystem samt SuperBASIC im internen Speicher zu verwalten. Erst ab dem Sommer 1984 ist Sinclair in der Lage, diesen Umstand zu beheben, der externe Dongle ist nun verschwunden.
Das Genick brechen dem QL die beiden verbauten Micro-Drives – genau jene Speicherlösung, die sich schon beim ZX Spectrum als untauglich erwies. Die unzuverlässige und sehr anfällige Mechanik der Magnetbänder ist der Todesstoß für den QL. Erst rund ein Jahr später wird die Technik verfeinert und die Ausfallquote merklich minimiert. Zu spät, denn die beiden Riesen Commodore (Amiga) und Atari (ST) haben bereits ihre eigene Roadmap ausgerollt und tragen mit dazu bei, dass der QL zum größten Flop des Clive Sinclair mutiert. Im direkten Vergleich sieht der QL kein Land gegen Amiga und ST.

Anfangs geht Sinclair sehr selbstbewusst von einer Million verkauften Einheiten bis Ende 1984 aus, bis zum Ende des QL werden jedoch nur knapp 150.000 Stück produziert – trotz einer zwischenzeitlichen Preissenkung. Lieferverschleppungen, eine inkonsequente Qualitätskontrolle und die technisch besseren Mitbewerber beenden die Zukunftsvision des Clive Sinclair.
Aber nicht genug der Tagträumerei. Mit dem Sinclair C5 produziert er ein Elektrofahrzeug. Er ist im Glauben, damit den Fahrzeugmarkt generell revolutionieren zu können. Sein C5 wird für 399 englische Pfund angeboten und von der eigens gegründeten Firma Sinclair Vehicles vertrieben. Sinclair kann vom C5 gerade einmal rund 17.000 Einheiten absetzen, die Sinclair Vehicles muss zudem Konkurs anmelden. Am Ende spricht man insgesamt von einem reinen Verlust von 7 Millionen englischen Pfund. Mangelnde Sicherheitsaspekte des C5 und eine, wieder einmal, schlampige Qualitätskontrolle setzen dem C5 das Ende. Im heutigen Zeitalter, in dem Elektromobilität immer mehr an Bedeutung gewinnt, kann man Sinclair durchaus einen Innovationsvorsprung zugestehen – die Marktakzeptanz war damals hierzu jedoch noch nicht gegeben.
Das Ende und Übernahme durch den Erzrivalen
Die Sinclair Research Ltd. konnte bis ins Jahr 1985 stetig Ihren Jahresumsatz steigern. Doch während der reine Gewinn in 1984 noch bei rund 14 Millionen englischen Pfund lag, folgt im anschließenden Jahr die große Ernüchterung. Sinclair schließt das Geschäftsjahr 1985 trotz einem Umsatz von rund 102 Millionen Pfund dennoch mit einem Verlust von rund 18 Millionen Pfund im Vergleich zum Vorjahr ab. Schuld daran tragen vor allem die alarmierenden Pleiten des Sinclair QL und des Sinclair C5. Bis ins Jahr 1986 hinein kann sich die Sinclair Research Ltd. noch vorläufig retten, doch dann ist Schluss.
Clive Sinclair, immer mehr Vordenker als tatsächlicher Geschäftsmann gewesen, sieht sich angesichts der Lage seiner Computersparte gezwungen, den Verkauf der Sinclair-Computer, der Sinclair-Patente und den Namen Sinclair an sich zu veräußern. Zunächst soll eine Übernahme durch Hollis Brothers erfolgen (eine Tochtergesellschaft der Pergamon Press, angekündigt vom damaligen Business-Giganten und deren Geschäftsführer und Inhaber Robert Maxwell). Doch es kommt zu Unstimmigkeiten und Clive Sinclair muss sich anderweitig umsehen. Dies ruft Alan Sugar auf den Plan, der selbst 1984 erfolgreich ins Computergeschäft einstieg – mit der bekannten Amstrad CPC-Serie (bis 1988 in Deutschland durch die Schneider Computer Division und unter dem Namen Schneider vertrieben). Nach wenigen Verhandlungstagen erwirbt Sugar für gerade einmal 5 Millionen Pfund die komplette Range an Sinclair-Rechnern, den Markennamen Sinclair und die Patentrechte. Der Deal beinhaltet jedoch nicht die Firma Sinclair an sich, nur den Namen und eben deren Produkte. Vielen Sinclair-Fans ist dies ein Dorn im Auge, denn die meisten mögen Alan Sugar und dessen generell Unternehmensphilosophie überhaupt nicht. Im Gegensatz zu Clive Sinclair, der sich auch mit den technischen Aspekten seiner Produkte auskannte, verfügt Sugar, selbstbekennend, nicht über diese Expertise.
Sein Credo ist einfach: „Ich habe keine Ahnung von dem, was meine Leute da zusammenbauen. Ich weiß aber, wie man unsere Produkte an den Mann bringt – und das genügt mir völlig.“
Sugar ist jedoch clever. Viele Sinclair-Fans rechnen damit, dass Sugar nur einen Mitkonkurrenten aus dem Weg (30% Marktanteile in UK zum Zeitpunkt der Übernahme durch Sugar, 10% Marktanteile jedoch nur für Amstrad selbst) räumen wollte und nicht an der Produktion neuer Sinclair-Rechner interessiert ist. Doch sie irren sich. 1986 erscheint der ZX Spectrum +2 auf dem Markt und folgt dem Prinzip der CPC-Reihe. Wie der Amstrad CPC 464 erscheint das Gerät mit dem sogenannten „Datacorder“ (das eingebaute Kassettenlaufwerk) komplett verbaut in einem Gehäuse. Technisch ist er ansonsten identisch mit dem ZX Spectrum 128. Ein Jahr später (1987) veröffentlicht Amstrad den ZX Spectrum +3. Der „Datacorder“ weicht einem Diskettenlaufwerk, das mit dem 3“-Format arbeitet – wie das Gegenstück von Amstrad, der CPC 6128. Die Größe des Arbeitsspeichers folgt exakt dem des +2.
Weiter Modelle unter der Führung von Amstrad sind der ZX Spectrum +2A, +2B und +3B. Diese neuen Modelle bieten neue Board-Revisionen im Hinblick auf den +2 und +3, ansonsten tut sich nicht technisch nicht viel Neues. Während Amstrad seine eigene Plus-Serie deutlich aufwertet (Hardware-Sprites und Hardware-Scrolling), bleibt dies der Spectrum-Reihe verwehrt. 1992 wird die Sinclair-Herstellung durch Amstrad endgültig eingestellt.
Wiedergeburt
Nein, wir sprechen nicht vom modernen Homebrew – auch hier sind die Sinclair-Fans stets fleißig dabei.
Zur gamescon 2024 tauchen parallel auf der Website des britischen Herstellers Retro Games Ltd. (THE400 Mini, THEA500 Mini, THEC64, THEC64 Mini, THEVIC20), welcher auch auf der Messe selbst vertreten ist, kryptische Botschaften und seltsame Andeutungen in Videoform auf.
Nach einigen Tagen lässt man dann die Katze aus dem Sack. „The Spectrum“ entspricht äußerlich dem Sinclair ZX Spectrum wie ein Ei dem anderen – gleiche Farbgebung, identische Abmessungen und das berühmte „Rubber Keyboard“ ist ebenfalls, voll funktionsfähig, mit an Bord. Nur den Namenszug Sinclair darf man, rein aus Rechtsgründen, nicht verschönernd auf dem Gehäuse verwenden. Zudem packt man 48 Klassiker (die diese Bezeichnung durchaus verdient haben) gleich mit in den Speicher. Angeschlossen wird das Gerät über den HDMI-Standard, zudem kann, wie beim Original, im guten alten Sinclair-BASIC fleißig programmiert werden. Über USB-Schnittstellen kann die bereits inkludierte Software-Bibliothek extern aufgestockt werden.
In UK sind innerhalb von wenigen Stunden die (vorerst) kompletten Lagerbestände bereits bei den meisten Händlern ausverkauft. Für unter 100 Euro durchaus eine lohnende und kostenmäßig überschaubare Anschaffung für Retro-Fans.
2.000 Games und 3 für die einsame Insel
Vollmundig und zugleich etwas frech vom Autor geschrieben, denn unter rund 2.000 Games hat jeder immer seine ganz eigenen Favoriten. Aber die drei folgenden Titel haben den Sinclair ZX Spectrum stark geprägt:
The Lords of Midnight (Beyond Software, 1984)
Das Spiel zu beschreiben ist schwer, man muss es fühlen. Entwickler Mike Singleton erschuf quasi seine eigene Fantasiewelt, welche vom üblen Hexenkönig Doomdark bedroht wird. Der Spieler schlüpft dabei in vier verschiedene Rollen und hat die Aufgabe, Doomdark zu stoppen. Dabei schaffte es Singelton irgendwie, rund 4.000 Screens in den Speicher des Spectrum zu quetschen. Die Mischung aus Strategie und Adventure erinnert frappierend an die Geschichten von Tolkien, ohne jedoch ihre eigene Identität zu verlieren. Der Packung selbst lag eine einführende Novelle (die Singleton selbst schrieb) und eine Tastaturschablone bei. Das Spiel heute komplett zu erstehen, bedarf schon wirklichem Glück. Wer es dennoch schafft (und in einer sehr gut erhalten Pappverpackung erstehen kann), muss zwischen 120 und 160 Euro dafür berappen. Es gab Nachfolger und spätere Umsetzungen auch für modernere Systeme, aber das Original bleibt unerreicht. Ein Meilenstein, welcher mehr durch Atmosphäre, als durch bahnbrechende Technik besticht.
Manic Miner (Bug-Byte Software Ltd., 1983)
Matthew Smith mochte Plattformer wie etwa Miner 2049er – warum also nicht ein eigenes Spiel für den Spectrum entwickeln? Übergreifend auf 20 einzelne Screens verteilt, muss unsere Spielfigur Miner Willy bestimmte (blinkende) Objekte einsammeln, um sich damit Zugang zum nächsten Raum verschaffen zu können. Dabei sitzt dem Spieler immer ein unbarmherziger Timer im Nacken, der für zusätzliche Schweißperlen auf der Stirn sorgt.
Manic Miner verfügt über eine solide Technik und eine prima Steuerung (Joystick dringend empfohlen!). Programmierer Matthew Smith schrieb den Code in nur 8 Wochen, zugleich war es das erste Game für den ZX Spectrum mit In-Game Musik – bis dahin ein Novum. Für Smith selbst kam der Erfolg wohl viel zu früh. Er fühlte sich unter Druck gesetzt und entzog sich für viele Jahre komplett der Spiele-Industrie, kehrte aber ab und an immer wieder zurück – seine Engagements dauerten jedoch nie allzu lange. Welchen Dingen er heute genau nachgeht, ist weitgehend unbekannt. Ab und an sieht man ihn auf britischen Retro-Events, wenn überhaupt.
Knight Lore (Ultimate Play the Game, 1984)
Die Brüder Chris und Tim Stamper gründeten frühzeitig und lange Zeit in rein familiärer Hand liegend, das Studio „Ultimate Play the Game“. Entgegen vielen anderen Programmierern war der ZX Spectrum für beide die klare Lead-Plattform, wenn es um die Entwicklung neuer Spiele ging. Trotzig meinten sie einmal: „Der C64 ist wohlmöglich der technisch bessere Computer, aber die offene Struktur des ZX Spectrum liegt unsere Philosophie, Spiele zu entwickeln, viel mehr. Zudem hat der Zilog (CPU) des Spectrum mehr Power für das, was wir tatsächlich auf dem Bildschirm darstellen wollen.“ Mit ihrer eigens entwickelten Animationstechnik, auf den Namen „Filmation“ hörend, schufen sie auf dem Spectrum einen Meilenstein und wiederbelebten quasi ein bereits existierendes Spiel-Genre aufs Neue - das der Isometrie-Spiele.
Die Spielfigur „Sabreman“ wurde von einem Wolf gebissen und verwandelt sich nun bei Mitternacht in einen Werwolf. Der Spieler hat 40 Tage Zeit, alle Gegenstände in der Spielumgebung (dem sogenannten Wizard‘s Castle) einzusammeln und einen Heiltrank zu brauen, welcher den Fluch aufheben soll. Sobald die Sonne aufgeht, verwandelt sich der Werwolf wieder zurück zum knuffigen Sabreman. Bei diesem Spiel gibt es nur zwei mögliche Enden: Entweder die 40 Tage verstreichen fruchtlos oder dem Sabreman gelingt es, alle benötigten Zutaten für den Heiltrank einzusammeln. Die damalige Technik galt als bahnbrechend und es dauerte lange, bis andere Entwickler und Studios dahinterkamen, wie die Stamper-Brüder ihre Engine programmiert hatten. Knight Lore war so erfolgreich, dass etliche Mitbewerber eigene Isometrie-Spiele zuhauf auf den Markt brachten. Und wem die Firmenbezeichnung „Ultimate Play the Game“ überhaupt nichts sagt: Aus dieser wurde später nichts anderes als die Kultschmiede „Rare“ – genau die Firma, die später für eine sehr lange Zeit fest verbunden mit Nintendo war und schlussendlich von Microsoft zu 100% übernommen bzw. aufgekauft wurde. Die eigenen Gründer Chris und Tim Stamper verließen 2007 endgültig das Unternehmen.
Was bleibt am Ende übrig?
Der ZX Spectrum war mitunter dafür verantwortlich, dass der britische Markt eine starke Reputation und europaweite Ausbreitung erfuhr. Durch die geringen Anschaffungskosten des ZX Spectrum war er gerade als Entwicklungssystem bei vielen Programmieren und Softwarehäusern äußerst beliebt und zugleich anerkannt. Viele britische Entwickler starteten auf ihm ihre berufliche Karriere und blieben dem Spectrum als Plattform lange treu. Kuriosum ist dabei, dass Clive Sinclair auch nie annähernd daran dachte, wie beliebt sein Spectrum als Spielcomputer werden würde.

Die strengen technischen Limitationen des Systems waren für viele Entwickler eher Herausforderung, als Hindernis. Mit der Zeit entwickelten sie Tricks und Kniffe um der Hardware das Letzte abzuverlangen. Parallax-Scrolling auf dem Spectrum? Kein Problem, wenn man das notwendige Know-how besaß. Selbst dem simplen „Beeper“ konnte man mit dem richtigen Kniff mehr als einen Kanal entlocken. Zudem prägte er ein Genre ganz besonders: Das der Isometrie-Games. Während der C64 mit Sprite-Massen und Power-Sound glänzte, erschufen pfiffige Köpfe einfach nebenbei ein spielerisches Subgenre. Etwas, dass auf dem Spectrum hervorragend umsetzbar war und mehr durch Atmosphäre sowie zugleich viel Spielwitz anstatt reinem Technikwahn begeisterte. Durch den hervorragenden Einstiegspreis war der Spectrum ein Rechner für alle Schichten. Eben genau das, was seinem Entwickler von Anfang an vorschwebte. Kann man mehr erreichen? Ich denke nicht.
Sir Clive Sinclair selbst verstarb am 16. September 2021 im Alter von 81 Jahren. Er war ein Querdenker, ein Sturkopf, oft schweigsam und unnahbar. Interviews waren nie seine Stärke, er war ständig vertieft in neue Möglichkeiten und Ideen. Er war ein Eigenbrötler, aber meist sehr fokussiert auf das, was ihn tatsächlich interessierte. Er vergas nie seine Wurzeln und vor allem nicht die Menschen, die er an einem ganz besonderen Hobby teilhaben lassen wollte – mit einem begrenzten Budget.
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Acorn Archimedes A305 und A310
Acorn Archimedes A305 und A310
Die Modelle Acorn Archimedes A305 und A310, die 1987 auf den Markt kamen, markierten einen bedeutenden Wendepunkt in der Geschichte der Mikroprozessoren. Sie waren die ersten Modelle einer neuen Generation von Computern, die auf der damals revolutionären ARM-Architektur basierten, einer Technologie, die später die Grundlage für unzählige Geräte weltweit bilden sollte. Entwickelt von der britischen Firma Acorn Computers, zielten diese Modelle darauf ab, leistungsstarke Rechner mit einer benutzerfreundlichen Umgebung zu verbinden, die sowohl für Bildungseinrichtungen als auch für Privatanwender attraktiv war.
Die Entstehung des Archimedes A305 und A310 geht auf das Jahr 1983 Jahre zurück, als Acorn nach dem Erfolg der BBC Micro-Serie neue Wege suchte, um innovative Technologien zu entwickeln. Die Firma erkannte früh, dass der Markt für Heimcomputer in Richtung höherer Leistung und effizienterer Designs drängte. Nach intensiver Forschung und Experimenten entstand der erste ARM-Prozessor (Acorn RISC Machine), der die Grundlage für den Archimedes bilden sollte. Der ARM2-Chip, der in den A305 und A310 zum Einsatz kam, war ein 32-Bit-RISC (Reduced Instruction Set Computer, eine Prozessorarchitektur, die darauf ausgelegt ist, statt eines komplexen Befehlssatzes, einen vereinfachten zu verwenden, der die Befehle deutlich schneller ausführen kann)-Prozessor, der mit einer Taktrate von 8 MHz lief. Trotz seiner vergleichsweise niedrigen Taktfrequenz übertraf der ARM2 dank seines optimierten Designs viele Konkurrenten und war in der Lage, pro Taktzyklus beeindruckend viel Arbeit zu leisten.
Dank des RISC-Designs des ARM2-Prozessors benötigte der Computer weniger Energie und lieferte dabei eine Leistung, die vielen Konkurrenten mit CISC-Architektur überlegen war. Dies zeigte sich besonders in Anwendungen, die intensive Berechnungen oder grafische Operationen erforderten. Und der Archimedes war schnell, verdammt schnell. Ein potenzieller Kunde auf einer Computermesse, der an der Vorführung eines CAD-Programms interessiert war, bemerkte, dass der Archimedes selbst komplexe Aufgaben ohne merkliche Verzögerung ausführte. Er war überzeugt, dass es sich um eine Täuschung handeln musste, da kein Computer so schnell sein konnte. Erst als ein Techniker die Abdeckung des Geräts entfernte, um den ARM2-Chip zu zeigen, war der Kunde überzeugt. Diese Geschichte unterstreicht, wie revolutionär die Architektur des Archimedes für ihre Zeit war.

Der A305 wurde mit 512 KByte, während der A310 bereits mit 1 MByte Arbeitsspeicher ausgestattet war. Findige Verkäufer in Deutschland statteten den A305 mit 1 MByte aus und klebten über die Versionsnummer einen Sticker mit der Bezeichnung A310. Auch der A310 erfuhr eine „Verbesserung“, dies jedoch bereits in Großbritannien. Dort erhielten sie nach einer kurzen Behandlung Upgrades auf 2 oder 4 MByte. Der Videochip ermöglichte Auflösungen von bis zu 640 x 256 Pixeln bei 256 Farben oder 1152 x 896 Pixeln in monochromer Darstellung, was für Anwendungen wie Textverarbeitung oder Grafikdesign ideal war. Das Audio wurde durch einen 8-Kanal-Soundchip bereitgestellt, der Stereoton erzeugte und qualitativ hochwertig genug war, um auch in Musikprojekten Verwendung zu finden. Der Computer bot mehrere Anschlussmöglichkeiten, darunter serielle und parallele Schnittstellen, sowie einen Erweiterungssteckplatz für zusätzliche Hardware, der die Flexibilität des Systems weiter erhöhte.
Das ursprüngliche Betriebssystem der Archimedes-Serie nannte sich Arthur und wurde in der ersten Verkaufsversion als Version 0.20 bereitgestellt, das kurze Zeit später von Version 0.30 und darauf von 1.20 beerbt wurde. Arthur enthielt darüber hinaus die Programmiersprache BBC Basic und einen Emulator für den BBC Micro. Bis dahin war das OS kein Multitasking-Betriebssystem, sondern bot nicht präemptives Multitasking, das bedeutet, die Prozesse mussten freiwillig die Kontrolle in regelmäßigen Abständen oder im Leerlauf abgeben, damit mehrere Anwendungen gleichzeitig laufen konnten. Im April 1989 erschien Arthur 2, dass bei der Veröffentlichung in RISC OS 2 umgetauft und käuflich erworben werden musste, sofern man Besitzer eines älteren Modelles war. Frisch produzierte Modelle konnten sofort mit dem neuen OS loslegen.
RISC OS war seiner Zeit weit voraus und kombinierte eine grafische Benutzeroberfläche mit einer leistungsstarken Shell. Es war für seine Geschwindigkeit und Effizienz bekannt und bot unter anderem Multitasking-Funktionen, die damals nur selten in Heimcomputern zu finden waren. Eine zeitgenössische Rezension in der Zeitschrift Byte nannte RISC OS „ein Paradebeispiel dafür, wie ein Betriebssystem die Hardware optimal ergänzen kann, ohne den Benutzer zu überfordern“.
Die Modelle A305 und A310 erhielten viel Lob von der Fachpresse, wurden aber kommerziell von der wachsenden Konkurrenz durch IBM-kompatible PCs und den Apple Macintosh überschattet. Dennoch gelang es Acorn, mit der Archimedes-Serie eine treue Fangemeinde aufzubauen und die Grundlage für zukünftige Entwicklungen zu legen. Die ARM-Technologie, die in diesen Computern debütierte, entwickelte sich später zu einem der wichtigsten Standards in der Halbleiterindustrie und ist heute in Milliarden von Geräten weltweit zu finden. Für all jene, die sich das nicht vorstellen können: Ob Ihr Euch nun ein Apple iPhone oder ein Samsung an die Hörmuschel drückt, der Prozessor basiert auf der ARM Architektur von Acorn, die 1983 entwickelt wurde.
Der Acorn Archimedes A305 und A310 sind heute Kultobjekte unter Retro-Computer-Enthusiasten und gelten als Meilensteine in der Geschichte des Personal Computing. Ihre innovative Hardware, das fortschrittliche Betriebssystem und ihre wegweisende Architektur machen sie zu einem faszinierenden Beispiel für technologischen Fortschritt und visionäre Ingenieurskunst.
Sony Hit Bit 75
Sony Hit Bit 75
Der Sony Hit Bit 75 war ein Heimcomputer, der auf dem MSX1-Standard basierte und 1984 auf den Markt kam. Sony brachte dieses Modell als Teil seiner „Hit Bit“-Serie heraus, die sowohl Einsteigern als auch technikbegeisterten Nutzern den Zugang zur aufkommenden MSX-Plattform ermöglichen sollte. Der MSX-Standard, 1983 von ASCII und Microsoft eingeführt, hatte das Ziel, eine einheitliche Plattform für Heimcomputer zu schaffen, um die Fragmentierung des Marktes zu überwinden. Der Hit Bit 75 war eines der Top-Modelle in Sonys MSX1-Portfolio und zeichnete sich durch hochwertige Verarbeitung, umfangreiche Funktionen und ein elegantes Design aus.
Die Hardware des Hit Bit 75 basierte auf einem Zilog Z80A-Prozessor, der mit einer Taktrate von 3,58 MHz arbeitete. Das Gerät war mit 64 KB RAM ausgestattet, wobei 16 KB davon für den Videospeicher reserviert waren. Diese Konfiguration entsprach den Anforderungen des MSX1-Standards und ermöglichte eine Grafikauflösung von bis zu 256 x 192 Pixeln mit maximal 16 Farben aus einer Palette von 32. Der Ton wurde über einen General Instrument AY-3-8910 Soundchip erzeugt, der drei unabhängige Klangkanäle bot und für die musikalische Untermalung vieler MSX-Spiele verantwortlich war und zuvor bereits in einigen Arcade Automaten und später auch in einigen erfolgreichen Computermodellen zu finden war, beispielsweise in der Amstrad CPC oder der Atari ST Reihe.
Das Design des Hit Bit 75 spiegelte Sonys typisches Streben nach Qualität und Ästhetik wider. Das Gehäuse war robust und funktional gestaltet, mit einer hochwertigen Tastatur, die sich durch ihre angenehme Haptik und klare Beschriftung auszeichnete. Sony integrierte auch spezielle Funktionstasten, darunter die berühmte HELP-Taste, die Anwendern Kontextinformationen oder Fehlererklärungen bot – ein innovatives Feature für diese Zeit. Der Computer verfügte über zwei Cartridge-Slots, die die Nutzung von ROM-Modulen für Spiele und Anwendungen ermöglichten, sowie über einen Erweiterungsport zur Verbindung mit Peripheriegeräten.
Die Software des Hit Bit 75 basierte auf MSX-BASIC, einer von Microsoft entwickelten Programmiersprache, die für die MSX-Plattform optimiert war. MSX-BASIC war besonders einsteigerfreundlich, da viele Befehle direkt auf der Tastatur verfügbar waren und so das Programmieren erleichterten. Sony lieferte das Gerät mit einer umfangreichen Bedienungsanleitung aus, die nicht nur die technische Nutzung erklärte, sondern auch Programmierbeispiele enthielt, die die Vielseitigkeit des Systems demonstrierten.
Der Hit Bit 75 war das Flaggschiff der ersten MSX Modelle des Elektronikkonzerns. Mit 64 KByte Arbeitsspeicher ausgestattet war der Computer dem Hit Bit 55 (16 KByte) deutlich überlegen. Wie auch dieser besaß der Hit Bit 75 die Personal Data Bank. Hinter dem hochtrabenden Namen verbarg sich eine kleine Datenbank, die Telefonnummern, Notizen und Termine speichern konnte. Das ROM wuchs daher von 32 KByte auf 48 KByte an. Zur Speicherung von Daten konnte ein gewöhnlicher Kassettenrekorder angeschlossen und verwendet werden. Der Hit Bit 75 bot zudem zwei Modulsteckplätze (eines prominent auf der Gehäusestirn, das andere war auf der Gehäuserückseite platziert), das auch einen Floppy Controller aufnehmen konnte. Durch die Nutzung eines Diskettenlaufwerkes, dass den Zugriff auf 3,5-Zoll-Disketten mit 360 KB Kapazität bot, steigerte sich das Arbeitstempo deutlich. Darüber hinaus wurden Drucker, Joysticks und sogar MIDI-Interfaces angeboten, die das Gerät für Musiker attraktiv machten. Der HBI-55 Data Recorder, ein von Sony speziell entwickeltes Zubehör, ermöglichte es, Daten aus Sensoren zu erfassen und sie auf dem Computer zu analysieren – ein frühes Beispiel für das Potenzial von Heimcomputern in wissenschaftlichen und technischen Anwendungen.
Die Funktionalität des Hit Bit 75 zeigte sich auch in seiner robusten Bauweise und der Kompatibilität mit einer Vielzahl von MSX1-Softwaretiteln. Spiele wie „Knightmare“, „Thexder“ und „Penguin Adventure“ waren populär und nutzten die Hardware des Systems voll aus. Gleichzeitig ermöglichte die offene Architektur der MSX-Plattform Entwicklern, eigene Software und Hardware für den Hit Bit 75 zu entwickeln, was die Lebensdauer und Vielseitigkeit des Computers erheblich steigerte.
Heute ist der Sony Hit Bit 75 ein begehrtes Sammlerstück unter Retro-Computer-Enthusiasten. Seine Rolle als Vertreter der MSX1-Plattform und Sonys hochwertiger Ansatz in Design und Verarbeitung machen ihn zu einem Symbol für die Blütezeit der Heimcomputer in den 1980er-Jahren. Der Hit Bit 75 war nicht nur ein technisches Gerät, sondern auch ein Fenster in eine Ära, in der Heimcomputer erstmals für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich wurden und einen wichtigen Platz im Alltag fanden.
Sinclair ZX80
Sinclair ZX80
Der Sinclair ZX80, der 1980 auf den Markt kam, revolutionierte den Computer-Markt und machte den Heimcomputer für die breite Bevölkerung zugänglich. Entwickelt von Sinclair Radionics, dem späteren Sinclair Research, war er der erste erschwingliche Heimcomputer, der zu einem Preis von 99 Pfund angeboten wurde – ein Betrag, der bis dato unerreicht war. Dieses Angebot wirkte nahezu magisch auf die Zielgruppe. Der ZX80 konnte entweder als Bausatz oder als fertiges Gerät erworben werden, wobei der genannte Preis sich auf den Bausatz bezog. Die Nachfrage war so enorm, dass es zu langen Wartelisten und Warteschlangen vor den Verkaufsstellen kam.
Das Innenleben des ZX80 war denkbar einfach gestaltet und basierte auf einem Zilog Z80A-Prozessor, der mit 3,5 MHz getaktet war. Unterstützt wurde der Prozessor von handelsüblichen TTL-Chips. Der Arbeitsspeicher war mit nur 1 KB äußerst begrenzt, konnte jedoch mit Speichererweiterungen ausgebaut werden. Zudem war ein 4 KB ROM enthalten, das die Sinclair-eigene BASIC-Programmiersprache, einen Editor und das Betriebssystem beinhaltete. Diese kompakte Ausstattung reichte für die damaligen Anforderungen völlig aus und trug entscheidend zur Kostensenkung bei.
Der Export des ZX80 war ein weiteres Kapitel, das Sinclair prägte. Für den internationalen Markt wurden lediglich kleine Anpassungen vorgenommen, etwa an der Videoausgabe-Frequenz, um den jeweiligen TV-Standards zu entsprechen. Die Netzteile wurden entsprechend der örtlichen Spannungsanforderungen angepasst, gehörten jedoch nicht standardmäßig zum Lieferumfang. Der Hitzeproblem des Systems, das durch fehlende Lüftungsschlitze im weißen Gehäuse mit der markanten blauen Folientastatur verursacht wurde, blieb auch bei Exportmodellen bestehen.
Die Benutzeroberfläche des ZX80 sorgte gelegentlich für Verwirrung. Einige Tastenbezeichnungen wichen von internationalen Standards ab. So hieß die Enter-Taste beispielsweise Newline, während die Löschtaste als Rubout bezeichnet wurde. Diese ungewohnten Bezeichnungen führten zu Irritationen, insbesondere bei Nutzern, die bereits Erfahrungen mit anderen Computersystemen hatten.
Der ZX80 wurde an einen Fernseher angeschlossen, der als Monitor diente. Programme konnten auf einem handelsüblichen Kassettenrekorder gespeichert und geladen werden. Die Videowiedergabe war jedoch an eine zentrale Einschränkung gekoppelt: Da der Prozessor sowohl die Bildausgabe als auch die Rechenaufgaben übernehmen musste, schaltete das System das Bild ab, sobald es rechnete. Der Bildschirm wurde dann schwarz, was bewegte Bilder und flüssige Animationen nahezu unmöglich machte. Dennoch war dies für die frühen Tage des Heimcomputings kein großes Problem, da die monochrome Darstellung und der Fokus auf einfache Anwendungen ausreichten.
Die Tastatur des ZX80 bestand aus einer robusten Folie, wobei jede Taste mehrere Funktionen hatte. Dies war besonders beim Programmieren in BASIC von Bedeutung, da die Befehle nicht buchstabiert, sondern über spezielle Tastenkombinationen eingegeben wurden. Der integrierte Zeichensatz erlaubte rudimentäre grafische Darstellungen, wobei die Zeichen oft mit kreativer Interpretation zu Bildern kombiniert wurden.
Der Erweiterungssteckplatz auf der Rückseite des Geräts ermöglichte zahlreiche Erweiterungen. Sinclair selbst bot Speichererweiterungen mit bis zu 16 KB RAM an. Zudem konnten Peripheriegeräte wie Drucker oder Diskettenlaufwerke angeschlossen werden. Eine bemerkenswerte Entwicklung war das Upgrade-Kit, das mit dem Erscheinen des ZX81 veröffentlicht wurde. Dieses Set ermöglichte es, das ROM des ZX80 durch ein 8 KB ROM zu ersetzen, wodurch die Nutzer Zugang zu einem verbesserten BASIC und zusätzlichen Funktionen erhielten. Allerdings blieb der sogenannte SLOW-Modus, der beim ZX81 für stabilere Bildausgabe sorgte, weiterhin nicht verfügbar.
Die DIY-Community um den ZX80 war bemerkenswert aktiv. Viele Nutzer bauten alternative Gehäuse mit besseren Tastaturen, um die Nutzung zu erleichtern und die Überhitzung zu vermeiden. Diese Modifikationen verbesserten nicht nur die Ergonomie, sondern verlängerten auch die Lebensdauer des Systems.
Der Sinclair ZX80 war ein Meilenstein in der Computergeschichte und verkaufte sich weltweit etwa 50.000 Mal – eine bis dahin unvorstellbare Zahl. Der Erfolg des ZX80 zeigte nicht nur das enorme Potenzial des Heimcomputermarkts, sondern führte auch zu einem Boom in der britischen Computerindustrie. Großbritannien wurde dadurch in den frühen 1980er Jahren zum Vorreiter im Bereich Heimcomputer. Heute ist der ZX80 ein begehrtes Sammlerstück, das in gutem und unverbasteltem Zustand hohe Preise erzielt.
Czerweny CZ 1000 Plus
Czerweny CZ 1000 Plus
Der
Czerweny CZ 1000 Plus war ein weiterer bemerkenswerter Schritt des argentinischen Unternehmens Tadeo Czerweny, das in der Provinz Entre Ríos ansässig war. Das Modell CZ-1000 Plus hatte mit seinem Vorgänger CZ-1000 mehr gemein, als man ahnen konnte: nämlich alles, abgesehen von seinem Äußeren, das nun mehr dem Sinclair Spectrum glich und die gleiche Radiergummi-Tastatur besaß (was jedoch gegenüber dem Keyboard des ZX81 noch immer eine Verbesserung darstellte).
Nach dem Erfolg des CZ 1000, der als Klon des Timex Sinclair 1000 und damit auch des Sinclair ZX-81 auf den Markt gekommen war, entschied sich das Unternehmen, einen Nachfolger zu entwickeln, der mit moderater Hardware-Verbesserung und einer leicht angepassten Funktionalität aufwartete. Der CZ 1000 Plus stellte eine logische Weiterentwicklung dar und richtete sich an die argentinische Bevölkerung, die nach erschwinglichen Heimcomputern suchte. Mit diesem Modell konnte Czerweny seine Position als einer der führenden Anbieter im lokalen Computermarkt weiter festigen.
Die Hardware des CZ 1000 Plus basierte nach wie vor auf dem bewährten Zilog Z80A-Prozessor, der mit einer Taktfrequenz von 3,25 MHz arbeitete. Im Vergleich zum ursprünglichen CZ 1000 wurde der Arbeitsspeicher nicht erweitert: noch immer war der Rechner mit 2 KB RAM ausgestattet, konnte jedoch bis auf 56 KByte aufgerüstet werden.
Eine der auffälligsten Änderungen war die Überarbeitung des Designs. Der CZ 1000 Plus präsentierte sich mit einem moderneren Gehäuse, das ergonomischer gestaltet war und den Anforderungen eines wachsenden Marktes entsprach. Die Tastatur, die beim Vorgängermodell häufig kritisiert wurde, weil sie aus einer einfachen Folie bestand, wurde durch eine „verbesserte“ Gummi Version ersetzt, die ein „besseres“ Schreibgefühl bot. Diese Änderungen zielten darauf ab, das Gerät sowohl für Anfänger als auch für fortgeschrittene Benutzer attraktiver zu machen.
Das Gerät unterstützte eine monochrome Anzeige mit einer Auflösung von 64 x 48 Pixeln, die für einfache Programme und Spiele ausreichend war, aber im Vergleich zu internationalen Standards bereits veraltet wirkte. Für den argentinischen Markt jedoch reichte diese Leistung aus, da dort preisgünstige Geräte mit grundlegender Funktionalität bevorzugt wurden. Die Benutzer konnten weiterhin die charakteristischen, auf BASIC basierenden Programme schreiben, die auf den ursprünglichen ZX-81 und dessen Klonen liefen.
Ein interessanter Aspekt der Entstehungsgeschichte des CZ 1000 Plus war die enge Zusammenarbeit zwischen Czerweny und lokalen Bildungs- und Technologieförderprogrammen. Argentinien, das zu dieser Zeit von wirtschaftlichen Herausforderungen geprägt war, suchte nach Möglichkeiten, erschwingliche Technologie zu entwickeln, um den Zugang zur Informatik zu fördern. Der CZ 1000 Plus wurde häufig in Schulen und Universitäten eingesetzt, da er eine kostengünstige Plattform für den Informatikunterricht bot. Gleichzeitig trugen Initiativen zur Förderung des Programmierens dazu bei, die Akzeptanz des Geräts zu steigern. In einer Geschichte berichtet ein Händler aus Buenos Aires, dass die Nachfrage nach dem CZ 1000 Plus so groß war, dass er regelmäßig Kundenlisten führen musste, um die Bestellungen zu organisieren. Dies war ein deutlicher Beleg für den Erfolg des Modells auf dem heimischen Markt. Ein anderer Bericht beschreibt, wie ein Lehrer einen Wettbewerb veranstaltete, bei dem Schüler Programme für den CZ 1000 Plus schreiben mussten. Dieser Wettbewerb förderte nicht nur die Kreativität der Teilnehmer, sondern zeigte auch die Vielseitigkeit des Systems.
Trotz seiner begrenzten technischen Möglichkeiten und der Konkurrenz durch fortschrittlichere Modelle wie den Mikrodigital TK85 oder den Spectrum TK90X, blieb der CZ 1000 Plus ein wichtiges Stück Technik in der argentinischen Computergeschichte. Er bot vielen Menschen zum ersten Mal Zugang zu einem Heimcomputer und förderte die Entwicklung lokaler Softwareprojekte.
Czerweny CZ 1000
Czerweny CZ 1000
Der CZ-1000 sorgte in vielerlei Hinsicht für Verwirrung hinsichtlich seiner Herkunft. Das Namenskürzel „CZ“ ließ nicht auf ein tschechisches Silicon Valley schließen, und auch der Name Tadeo Czerweny führte leicht zu falschen Annahmen. Tatsächlich handelte es sich dabei um ein elektromechanisches Unternehmen aus den Tiefen Argentiniens. In der Provinz Entre Ríos, genauer gesagt in der Hauptstadt Concepción del Uruguay, entwickelte Tadeo Czerweny ursprünglich Transformatoren und Elektromotoren. Mit dem Aufkommen der Heimcomputer entschied sich das Unternehmen jedoch, auch in diesen aufstrebenden Markt einzusteigen. Statt jedoch eine eigene und kostspielige Entwicklung zu starten, wandte man sich an das Ausland. Timex zeigte Interesse, und nach wenigen Vertragsverhandlungen begann Czerweny mit der Produktion des Modells 1000. Dieses stellte im Kern einen Timex Sinclair 1000 dar, der wiederum ein nahezu baugleicher Klon des Sinclair ZX-81 war.
Wie bei seinem Vorbild war auch im CZ-1000 ein Zilog Z80A mit einer Taktfrequenz von 3,5 MHz verbaut. Czerweny erkannte jedoch, dass der ursprüngliche Arbeitsspeicher von 1 KB im Jahr 1985 niemanden mehr beeindrucken konnte. Daher entschied man sich, diesen auf 2 KB zu erhöhen – eine moderate Verbesserung, obwohl der Sinclair ZX-81 technisch bereits bis zu 64 KB Arbeitsspeicher unterstützte.
Auch die grafischen Fähigkeiten des CZ-1000 blieben unverändert, was ihn aus heutiger Sicht technologisch stark limitiert erscheinen lässt. Tatsächlich hätte man meinen können, dass der CZ-1000 angesichts der Veröffentlichung des technisch überlegenen Amiga in dieser Zeit eine Totgeburt gewesen wäre. Doch dem war keineswegs so. Auf dem argentinischen Heimatmarkt verkaufte sich der CZ-1000 überraschend gut und setzte sich erfolgreich gegen die Konkurrenz durch. Zu den Rivalen gehörten unter anderem die Mikrodigital TK 83 und TK 85 – ebenfalls Klon-Versionen des ZX-81 – sowie der TK 80x, ein Nachbau des Spectrum.
Die Entscheidung, auf eine bewährte Architektur zu setzen, sowie das geschickte Einfügen in den lokalen Markt, machten den CZ-1000 zu einem unerwarteten Erfolg.
Compaq Portable I
Compaq Portable I
Kompatibilität und Qualität sollten die Schlagwörter der Firma sein, die Rod Canion, Jim Harris und Bill Murto im Februar 1982 gründeten. Der daraus entstandene Unternehmensname Compaq brachte dies kurz und bündig auf den Punkt. Die drei ehemaligen Manager des Unternehmens Texas Instruments richteten ihren Fokus auf IBM und dessen PC 5150, der innerhalb kürzester Zeit die gesamte Geschäftswelt dominierte. Dieser Erfolg war einerseits auf die Seriosität des Branchenriesen zurückzuführen, andererseits aber auch auf das wachsende Interesse vieler Unternehmen an diesem neuen Personal Computer.
IBM hatte zur Kostenreduzierung zahlreiche Standardkomponenten verwendet, wodurch der Preis des Systems erheblich gesenkt wurde. Dies eröffnete anderen Firmen die Möglichkeit, ähnliche Geräte zu konstruieren. Weitaus problematischer war jedoch die Entwicklung eines passenden BIOS, da dieses von IBM geschützt war und nicht einfach kopiert werden konnte, ohne markenrechtliche Konsequenzen zu riskieren.
Compaq wählte einen innovativen Ansatz und entwickelte das BIOS von Grund auf neu, ohne es direkt zu kopieren. Das Stichwort lautete Reverse Engineering. IBM fühlte sich offenbar sicher, denn es gab bis dahin keine juristischen Präzedenzfälle für diesen Ansatz. Compaq bildete zwei unabhängige Programmiergruppen: Die erste analysierte den Originalcode und dokumentierte die Funktionsweise, während die zweite aus diesen Aufzeichnungen eine völlig neue, aber kompatible BIOS-Version entwickelte. Um jegliche rechtlichen Probleme zu vermeiden, war es den Entwicklern der Analysegruppe untersagt, an der Implementierung des neuen Codes mitzuwirken, um sicherzustellen, dass kein IBM-Code unabsichtlich übernommen wurde. Dieser Entwicklungsprozess dauerte ein Jahr und kostete etwa eine Million Dollar. Der Aufwand zahlte sich aus: IBM hatte keine rechtliche Handhabe gegen Compaq.
Parallel dazu verfolgte Compaq einen klaren Plan für das Gesamtsystem. Der entwickelte PC-kompatible Computer sollte außerdem tragbar sein. Zwar gab es bereits tragbare Computer auf dem Markt, jedoch war keiner von ihnen IBM-PC-kompatibel. Compaq konnte mit dieser Kombination punkten, wobei "tragbar" eher relativ zu verstehen war: Mit einem Gewicht von über 20 Kilogramm war der Compaq Portable, wie das System genannt wurde, eher ein „transportabler“ Computer als ein Laptop.
Die Hardware des Compaq Portable unterschied sich nicht wesentlich vom IBM PC 5150. Ein Intel 8088-Prozessor mit 4,77 MHz bildete das Herzstück des Systems, unterstützt von 128 KB Arbeitsspeicher, der auf bis zu 640 KB erweitert werden konnte. Optional war ein mathematischer Co-Prozessor Intel 8087 installierbar. Für die Anzeige sorgte ein integrierter grünleuchtender Phosphor-Monitor, der im Textmodus 25 Zeilen mit 80 Zeichen darstellen konnte. Die Grafikmodi MDA und CGA ermöglichten Auflösungen von bis zu 640 × 200 Pixel. Das Netzteil war mit 130 Watt zwar kompakt, zählte jedoch zu den leistungsstärksten seiner Zeit.
Als Massenspeicher bot Compaq verschiedene 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerke mit Kapazitäten zwischen 160 und 360 KB an. Das Plus-Modell verfügte über eine 10-MB-Festplatte, während die Basisversion zwei Diskettenlaufwerke bot. Für zusätzliche Robustheit waren die Festplatten so ausgelegt, dass sie Stöße von bis zu 40-facher Erdbeschleunigung aushalten konnten. Einige Modelle waren sogar mit seltenen Bandlaufwerken ausgestattet, die 20 bis 40 MB speicherten.
Der Compaq Portable wurde im November 1982 angekündigt und kam im Januar 1983 auf den Markt. Zum Verkaufsstart standen jedoch nur 300 Einheiten zur Verfügung, da Compaq den Erfolg des Systems offenbar unterschätzt hatte. Die Nachfrage war überwältigend, und das Unternehmen musste schnell nachproduzieren. Bereits im ersten Jahr erzielte Compaq einen Umsatz von 111 Millionen Dollar und verkaufte 53.100 Geräte.
Die Veröffentlichung des Compaq Portable legte den Grundstein für den Erfolg des Unternehmens. Es war einer der wenigen Fälle in der Geschichte, in denen ein Erstlingsprodukt eines neuen Unternehmens nicht nur einen neuen Markt erschloss, sondern auch zu einem Vorbild für andere wurde. Compaq hatte gezeigt, dass Innovation und Präzision in der Umsetzung den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft legen können.
ColecoVision Adam
ColecoVision Adam
Die ColecoVision Adam war ein ambitioniertes Projekt des Unternehmens Connecticut Leather Company (kurz Coleco), das ursprünglich für seine Lederwaren bekannt war, später jedoch in die Videospielbranche expandierte. Nach dem Erfolg der ColecoVision-Konsole von 1982 strebte Coleco an, den Markt für Heimcomputer zu betreten und die sich abzeichnende Nachfrage nach leistungsstarken Heimcomputern zu bedienen. 1983 präsentierte Coleco schließlich den Adam, einen Heimcomputer, der als Erweiterung des erfolgreichen ColecoVision-Systems gedacht war.
Der ColecoVision Adam war jedoch mehr als nur ein reiner Heimcomputer. Es handelte sich um ein hybrides System, das sowohl als Spielkonsole als auch als persönlicher Computer fungieren sollte. Technisch gesehen verfügte der Adam über eine zentrale CPU auf Basis des Zilog Z80-Prozessors, der auch in vielen frühen Heimcomputern der 1980er-Jahre zu finden war. Der Prozessor arbeitete mit einer Geschwindigkeit von 4 MHz, was für damalige Verhältnisse akzeptabel war. Der Arbeitsspeicher des Adam bestand aus 64 KB, was im Vergleich zu vielen anderen Systemen der Zeit relativ großzügig war, aber angesichts der schnell wachsenden Ansprüche der Softwareentwickler schließlich als begrenzt angesehen wurde.
Die Adam konnte nicht nur als eigenständiger Computer genutzt werden, sondern auch als Erweiterung und Plattform für ColecoVision-Spiele. Dies machte den Adam zu einer hybriden Lösung, die sowohl als Heimcomputer als auch als Spielkonsole genutzt werden konnte. Die Integration von ColecoVision-Spielen auf dem Adam war ein cleverer Schachzug, um den bestehenden Kundenstamm von Coleco zu erreichen und den Übergang von der Spielekonsole zum Computer nahtlos zu gestalten.
Die Konsole nutzte die gleiche TMS9928A-Grafikchip-Technologie wie die ColecoVision, die in der Lage war, bis zu 16 Farben auf dem Bildschirm darzustellen. Der Soundchip, der ebenfalls auf der Texas Instruments SN76489-Technologie basierte, konnte einfache, aber effektive Soundeffekte und Musik erzeugen. Für den Heimcomputer-Teil des Adam war eine zusätzliche Textverarbeitungssoftware und Tabellenkalkulation vorinstalliert, die ihn als ernsthaften Personal Computer positionieren sollten. Doch die Kombination aus Computer und Spielekonsole stieß auf einige technische Hürden und führte letztlich zu einem eher durchwachsenen Erfolg.
Die Funktionsweise des Adam war relativ einfach und benutzerfreundlich. Ein Monitor war als separates Zubehör erhältlich, obwohl auch die Möglichkeit bestand, den Adam an ein Fernsehgerät anzuschließen. Interessanterweise war der Adam auch mit einer Drucker-Einheit ausgestattet, die als eine der frühen Drucker-Peripherien für Heimcomputer angesehen wurde. Der Drucker war ein wichtiger Bestandteil des Systems, da er in einer Zeit, in der Bürogeräte und Heimcomputer begannen, miteinander zu verschmelzen, eine zukunftsweisende Funktion darstellte. Im ROM war eine kleine Textverarbeitung integriert, die insofern einzigartig war, als das sie das geschriebene sofort auf den Drucker ausdruckte. Hier konnte man nur denen gratulieren, die erst denken und dann schrieben. Für Legastheniker war das System damit grundsätzlich überflüssig.
Zu den weiteren geplanten Peripheriegeräten gehörten eine Tastatur, die das System zu einem vollwertigen Heimcomputer machte, sowie diskettenbasierte Erweiterungen für zusätzliche Software und Speicher. Das Floppy-Laufwerk war jedoch aufgrund technischer Probleme und der Marktnachfrage nicht sofort verfügbar, was die Funktionalität des Adam zu Beginn einschränkte. Die Tastatur selbst war ein weiterer Punkt der Kritik, da sie für die damaligen Standards als schwerfällig und wenig benutzerfreundlich galt. Der Neffe des Vizepräsidenten von Coleco, Greg Bowman, berichtet, dass er auch ein CD-ROM für das System besitzt, was für diesen alten Rechner wirklich innovativ und vor allem einzigartig wäre. Das System war zwar nicht direkt für den Adam gedacht, aber interessant ist es allemal.
Die Entstehungsgeschichte des Adam war von Anfang an von Ambitionen und großen Erwartungen geprägt. Als Coleco die Entwicklung des Adam startete, setzte das Unternehmen große Hoffnungen auf die Kombination aus Heimcomputer und Spielkonsole. Der Markt für Heimcomputer war zu dieser Zeit jedoch bereits hart umkämpft, mit etablierten Marken wie Commodore und Atari, die die Führung innehatten. Zudem kämpfte Coleco mit Produktionsproblemen und Lieferengpässen, was die Markteinführung des Adam erheblich verzögerte. Ursprünglich war der Adam als Antwort auf die wachsende Popularität des Heimcomputermarktes konzipiert worden, doch als er 1983 auf den Markt kam, war der Markt für Heimcomputer bereits deutlich reifer und die Konkurrenz deutlich stärker.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Geschichte des Adam war der Fehlstart des Systems. Trotz der ambitionierten Features und der technischen Leistungsfähigkeit hatte der Adam mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Die Produktionsqualität des Systems war oft mangelhaft, was zu fehlerhaften Geräten führte, die zurückgerufen wurden. Viele Käufer berichteten von Problemen mit der Tastatur, die nicht richtig funktionierte, und von Software-Inkompatibilitäten. Auch das für den Heimcomputer geplante Floppy-Laufwerk war lange nicht verfügbar, was das System im Vergleich zu anderen Computern der Zeit stark einschränkte. Der Adam war auch für die hohe Fehlerquote seiner Cartridges bekannt, die für das System entwickelt wurden.
Trotz der anfänglichen Euphorie und der aufgerüsteten Marketing-Kampagne, die große Verkaufszahlen versprochen hatte, geriet der Adam bald in Schwierigkeiten. Das System wurde aufgrund der schlechten Qualität, der fehlenden Software und der späten Markteinführung schnell von den Konsumenten abgelehnt. Die Verkaufszahlen fielen hinter den Erwartungen zurück, und Coleco musste 1984 die Produktion des Systems einstellen. Ein entscheidender Moment für das Unternehmen, das in der Folge auch mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte.
Heute ist der ColecoVision Adam ein kultiges Sammlerstück, das für die frühe Ära der Heimcomputer und Konsolen steht. Die Marktprobleme und die Schwierigkeiten, mit denen Coleco konfrontiert war, machten den Adam zu einem eher tragischen, aber dennoch faszinierenden Kapitel in der Geschichte der Heimcomputer und Spielkonsolen.
