Unitron U-2200: Ein Apple-II-Klon mit integrierter CP/M-Doppelarchitektur

Der Unitron U-2200 gehört zu jener Generation von Mikrocomputern der frühen 1980er-Jahre, die in einer Phase entstanden, als sich noch keine einheitliche Architektur im Personal-Computer-Markt durchgesetzt hatte. Neben Systemen wie dem Apple II, verschiedenen CP/M-Rechnern und den ersten IBM-PC-Kompatiblen experimentierten zahlreiche kleinere Hersteller mit Maschinen, die mehrere Softwarewelten gleichzeitig unterstützen sollten. Der U-2200 wurde von der Firma Unitron in Taiwan produziert und über Händler unter anderem in Großbritannien, Australien und Teilen Europas vertrieben. Anzeigen aus Fachzeitschriften wie Personal Computer World aus dem Jahr 1984 bewarben das System ausdrücklich mit seiner Kombination aus Apple-II- und CP/M-Kompatibilität.

Technisch basierte der Rechner auf einer Dual-Prozessor-Architektur, die zwei damals wichtige Plattformen miteinander verband. Neben dem für Apple-II-Computer typischen MOS 6502 besaß das System zusätzlich einen Zilog Z80. Während der 6502 die Apple-kompatible Betriebsart ermöglichte, diente der Z80 vor allem zum Betrieb des weit verbreiteten CP/M-Betriebssystems. Anders als beim originalen Apple II, bei dem ein Z80 üblicherweise über eine Steckkarte ergänzt werden musste, war diese Kombination beim Unitron bereits Teil der Grundkonfiguration. Zeitgenössische Werbung stellte diese Eigenschaft entsprechend als zentrales Merkmal heraus.

Die übrigen technischen Eigenschaften orientierten sich deutlich am Apple-II-Design. Der Rechner verfügte über 64 KB Arbeitsspeicher, der auf 128 KB erweitert werden konnte, sowie über etwa 24 KB ROM. Der Textmodus bot eine Darstellung von 40 × 24 Zeichen, während mit einer Erweiterungskarte auch eine 80-Zeichen-Darstellung möglich war. Für grafische Anwendungen standen zwei klassische Apple-Formate zur Verfügung: ein Low-Resolution-Modus mit 40 × 48 Bildpunkten und bis zu 16 Farben sowie ein High-Resolution-Modus mit 280 × 192 Pixeln und sechs Farben.

Auch die Schnittstellen spiegelten die typische Ausstattung eines Mikrocomputers dieser Zeit wider. Der U-2200 bot Anschlüsse für externe 5¼-Zoll-Diskettenlaufwerke, ein Kassetteninterface, Joystick- bzw. Game-Paddle-Ports sowie einen Videoausgang zum Anschluss eines Monitors. Ein einfacher interner Lautsprecher sorgte für akustische Signale.

In der äußeren Gestaltung unterschied sich das System etwas von vielen Apple-II-Klonen. Die Tastatur war als separates Gerät ausgeführt und wurde über ein Spiralkabel mit dem Hauptgehäuse verbunden. Das Gehäuse selbst war schlicht gestaltet und trug auf der Vorderseite lediglich den Anschluss für die Tastatur sowie eine Betriebs-LED. Intern standen mehrere Erweiterungssteckplätze zur Verfügung, die mit Apple-kompatiblen Karten bestückt werden konnten, etwa für Diskettencontroller oder eine 80-Zeichen-Karte. Die Zahl dieser Steckplätze war jedoch geringer als beim originalen Apple II.

Der Unitron U-2200 wurde Anfang der 1980er über Händler vertrieben und unter anderem in Anzeigen der britischen Fachzeitschrift Personal Computer World beworben. Diese Anzeigen nennen die technischen Eigenschaften des Rechners – darunter die Dual-Prozessor-Architektur aus MOS 6502 und Zilog Z80, die Apple-II-Kompatibilität sowie die CP/M-Fähigkeit –, enthalten jedoch keine konkrete Preisangabe. Ein eindeutig belegbarer Verkaufspreis des Systems ist in den derzeit verfügbaren Quellen bislang nicht nachweisbar. Zum Vergleich: Ein Apple IIe kostete im Vereinigten Königreich um 1983/84 typischerweise etwa £1.200 bis £1.400 als Basissystem. Viele Apple-II-kompatible Rechner lagen darunter und bewegten sich je nach Ausstattung häufig im Bereich von etwa £700 bis £1.100. In welchem exakten Preisbereich der Unitron U-2200 angeboten wurde, lässt sich aus den bekannten Quellen jedoch nicht eindeutig rekonstruieren.

 

Fujitsu FM-77AV40: Erweiterte Variante der AV-Generation

Als Fujitsu im Oktober 1986 seine neue Generation der sogenannten „Audio-Visual Computer“ vorstellte, erschien neben dem Basismodell auch eine höher ausgestattete Variante. Der Fujitsu FM‑77AV40 gehörte zur gleichen Gerätefamilie wie der Fujitsu FM‑77AV20 und basierte auf derselben technischen Plattform. Architektur, Grafiksystem und Klangtechnik entsprechen daher im Wesentlichen dem bereits beschriebenen FM-77AV20; eine ausführliche Darstellung der zugrunde liegenden Technik findet sich im entsprechenden Artikel zu diesem Modell. Der AV40 wurde von Fujitsu als leistungsstärkere Ausstattungsvariante innerhalb derselben Generation positioniert.

Äußerlich unterschieden sich die beiden Modelle kaum voneinander. Das Gehäuse, die Anschlussanordnung sowie die separate Tastatureinheit entsprachen dem gleichen Design, das Fujitsu für die AV-Serie eingeführt hatte. Auch die grundlegende Systemarchitektur blieb unverändert: Beide Rechner verwendeten weiterhin das für die FM-Reihe typische Dual-CPU-Konzept mit zwei Prozessoren der 6809-Familie, bei dem eine Haupt-CPU die Programmlogik ausführt, während eine zweite CPU bestimmte Steuer- und Grafikaufgaben übernimmt. Ebenso identisch waren die grundlegenden Grafikmodi der AV-Generation, darunter der 320×200-Modus mit bis zu 4096 gleichzeitig darstellbaren Farben sowie der 640×200-Modus mit acht Farben. Auch das FM-Sound-Subsystem mit zusätzlichen PSG-Kanälen entsprach der Ausstattung des AV20.

Die Unterschiede zwischen beiden Geräten lagen vor allem in der Speicher- und Laufwerksausstattung. Während der FM-77AV20 mit 128 KB Arbeitsspeicher ausgeliefert wurde und auf 192 KB erweitert werden konnte, verfügte der FM-77AV40 bereits ab Werk über 256 KB RAM. Diese Erweiterung war keineswegs trivial, denn sie erlaubte umfangreicheren Programmen sowie grafikintensiveren Anwendungen mehr Spielraum im Hauptspeicher. Gerade bei komplexeren Spielen oder bei Software, die mehrere Grafikpuffer nutzte, war zusätzlicher RAM ein spürbarer Vorteil.

Auch bei der Diskettenausstattung positionierte Fujitsu das Modell höher. Während beim AV20 Varianten mit einem oder zwei Laufwerken existierten, wurde der AV40 typischerweise mit zwei 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerken ausgeliefert. Diese arbeiteten mit 640 KB pro Diskette, ein Format, das sich im japanischen Heimcomputermarkt bereits etabliert hatte. Für Anwender bedeutete diese Ausstattung einen komfortableren Umgang mit Software und Datenträgern, da Programme nicht mehr ständig zwischen verschiedenen Disketten gewechselt werden mussten.

Preislich lag das Modell entsprechend über dem Basissystem. Der FM-77AV40 wurde bei seiner Einführung zu einem deutlich höheren Preis angeboten als der AV20 und richtete sich damit eher an ambitionierte Nutzer oder an Käufer, die ihren Computer nicht nur für einfache BASIC-Programme, sondern auch für anspruchsvollere Anwendungen einsetzen wollten. Fujitsu verfolgte damit eine Strategie, die im japanischen Heimcomputermarkt jener Zeit durchaus üblich war: Eine gemeinsame Plattform wurde in mehreren Ausstattungsvarianten angeboten, um unterschiedliche Preis- und Leistungssegmente abzudecken.

Innerhalb der FM-77AV-Serie markiert der AV40 somit die ausgebautere Konfiguration derselben Architektur. Technisch handelte es sich nicht um ein völlig neues System, sondern um eine Erweiterung der bestehenden Plattform mit mehr Speicher und einer vollständigeren Standardausstattung. Gerade diese Modellpolitik – identische Architektur, aber unterschiedliche Ausstattungsstufen – war in der japanischen Computerindustrie der 1980er-Jahre weit verbreitet und findet sich ebenso bei konkurrierenden Systemfamilien wie der NEC PC‑8801 oder der Sharp X1.

Der FM-77AV40 lässt sich daher am besten als komfortabler ausgestattete Variante des FM-77AV20 verstehen: ein Rechner mit derselben technischen Grundlage, jedoch erweitertem Arbeitsspeicher und einer umfangreicheren Diskettenkonfiguration, der innerhalb der AV-Generation die obere Ausstattungsstufe repräsentierte.

Fujitsu FM-77AV20: 4096 Farben im japanischen Heimcomputer

Fujitsu FM-77AV20: 4096 Farben im japanischen Heimcomputer

Mitte der 1980er-Jahre befand sich der japanische Heimcomputermarkt in einer besonders lebhaften Phase. Während in Europa Systeme wie Commodore 64, ZX Spectrum oder Amstrad CPC die Wohnzimmer prägten und sich in den USA zunehmend IBM-kompatible PCs durchsetzten, entwickelte sich in Japan eine eigenständige Computerlandschaft mit mehreren konkurrierenden Plattformen. In den Elektronikgeschäften von Tokio oder Osaka standen unterschiedliche Systeme nebeneinander: NEC bot seine populäre PC-8801-Serie an, Sharp vermarktete die X1-Reihe, und zahlreiche Hersteller unterstützten den MSX-Standard. In diesem Umfeld positionierte Fujitsu seine FM-Computer als leistungsfähige Heimrechner mit erweiterten Grafik- und Klangfähigkeiten.

Die Grundlage dieser Plattform bildete der FM-7, den Fujitsu 1982 vorgestellt hatte. Sein auffälligstes Merkmal war eine ungewöhnliche Architektur mit zwei Prozessoren, die unterschiedliche Aufgaben übernahmen. Dieses Konzept blieb auch bei späteren Modellen der Reihe erhalten und wurde in der FM-77AV-Generation weitergeführt. Der FM-77AV20 gehört zu dieser Familie und wurde von Fujitsu am 23. Oktober 1986 vorgestellt. Die Geräte dieser Serie vermarktete der Hersteller ausdrücklich als „Audio-Visual Computer“, also als Systeme, die Grafik, Klang und audiovisuelle Erweiterungen stärker betonen sollten als frühere Heimcomputer derselben Linie.

Im Zentrum des Systems steht weiterhin die charakteristische Dual-CPU-Architektur der FM-Reihe. Als Hauptprozessor arbeitet ein MBL68B09E mit 2 MHz, ergänzt durch einen zweiten MBL68B09E, der ebenfalls mit 2 MHz betrieben wird und bestimmte Steuer- und Grafikaufgaben übernimmt. Diese Aufgabenteilung war innerhalb der FM-Familie ein markantes Konstruktionsmerkmal: Während die Haupt-CPU die Programmlogik ausführte, konnte die Sub-CPU Teile der Bildverarbeitung und Systemsteuerung übernehmen. Für Entwickler bedeutete dies eine leistungsfähige, aber auch anspruchsvolle Architektur, die ein sorgfältiges Zusammenspiel beider Prozessoren erforderte.

Zur Grundausstattung gehörten 128 KB Hauptspeicher, ausbaubar auf 192 KB, sowie 96 KB Videospeicher. Für einen 8-Bit-Heimcomputer der Mitte der 1980er-Jahre war dies eine durchaus großzügige Ausstattung und unterstrich den Anspruch der AV-Serie, grafisch anspruchsvollere Anwendungen zu ermöglichen.

Besonders auffällig war die Grafikarchitektur des Systems. Zu den zentralen Grafikmodi gehörten 640 × 200 Pixel mit acht gleichzeitig darstellbaren Farben sowie 320 × 200 Pixel mit bis zu 4096 gleichzeitig sichtbaren Farben. Diese Fähigkeit war für einen Heimcomputer dieser Klasse ungewöhnlich. Das Computer Museum der Information Processing Society of Japan (IPSJ) – einer der wichtigsten japanischen Fachgesellschaften für Informatik – hebt die FM77AV-Reihe ausdrücklich als ein System hervor, das im Heimcomputerbereich die bis dahin typische „8-Farben-Grenze“ überschritt. Im Vergleich dazu arbeiteten viele bekannte Heimcomputer jener Jahre mit deutlich kleineren Farbpaletten: Der Commodore 64 verfügte über eine Palette von 16 Farben, der ZX Spectrum über acht Grundfarben mit Helligkeitsvariante, und auch viele frühe japanische Systeme blieben im Alltag näher an klassischen 8- oder 16-Farben-Konzepten. Vor diesem Hintergrund war die 4096-Farben-Darstellung der FM-77AV-Serie ein bemerkenswertes Merkmal und ein wichtiger Bestandteil von Fujitsus Marketingstrategie.

Auch im Klangbereich erhielt die AV-Generation ein deutliches Upgrade. Der Rechner bot FM-Sound und PSG-Sound mit jeweils drei Stimmen und acht Oktaven, ergänzt durch einen einfachen System-Beeper. Diese Kombination ermöglichte sowohl klassische Rechteckklänge als auch komplexere FM-Synthese und verlieh vielen Anwendungen einen deutlich reichhaltigeren Klang als bei früheren Heimcomputern der FM-Serie. Angaben zu dieser Ausstattung finden sich unter anderem im Oh!FM-7 Museum, einem umfangreichen Online-Archiv zur Fujitsu-FM-Computerfamilie, das aus der historischen japanischen Computerzeitschrift Oh!FM hervorgegangen ist.

Als BASIC-Umgebung stand im ROM F-BASIC V3.02 zur Verfügung; zusätzlich wurde F-BASIC V3.3 L20 auf einer Einführungsdiskette ausgeliefert. BASIC spielte im japanischen Heimcomputermarkt weiterhin eine zentrale Rolle, da viele Programme aus Computerzeitschriften oder Lehrbüchern abgetippt und anschließend verändert oder erweitert wurden. Auch die FM-Serie lebte stark von dieser Kultur des Experimentierens und Lernens.

Zur Massenspeicherung verwendete der FM-77AV20 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerke mit 640 KB Kapazität. Das Modell erschien in zwei Varianten: als FM-77AV20-1 mit einem Laufwerk und als FM-77AV20-2 mit zwei Laufwerken. Diese Kapazität wird häufig mit älteren Angaben aus der ursprünglichen FM77AV-Generation verwechselt, deren Laufwerke teilweise noch mit 320 KB arbeiteten. Beim AV20 gehörten jedoch 640-KB-Disketten bereits zur Standardausstattung.

Ein weiteres Merkmal der AV-Serie war die Unterstützung von Superimposition- und Video-Digitalisierungsfunktionen. Dabei konnte der Computer sein Bild über ein externes Videosignal legen oder Videobilder digital erfassen. Diese Funktionen waren allerdings nicht zwingend Bestandteil der Grundkonfiguration, sondern wurden über entsprechende Erweiterungen realisiert. Gerade diese Möglichkeit, Computer- und Videobild zu kombinieren, erklärt den von Fujitsu gewählten Begriff „Audio-Visual Computer“.

Die Tastatur des Systems war als separate Einheit ausgeführt und vom Hauptgerät abgesetzt. Hinweise auf besondere Eingabetechniken oder drahtlose Varianten existieren in der Sammler- und Restaurationsszene, doch für den FM-77AV20 selbst ist in erster Linie diese klassische, getrennte Tastatureinheit gesichert dokumentiert.

Preislich bewegte sich der Rechner im gehobenen Segment des Heimcomputermarktes. Zeitgenössische Angaben nennen 138.000 Yen für den FM-77AV20-1 und 168.000 Yen für den FM-77AV20-2 (inflationsbereinigt etwa 2300 – 2400 € im Jahr 2026). Damit war das System deutlich teurer als viele einfache Heimcomputer, bot jedoch auch eine entsprechend erweiterte Ausstattung.

In technischen Unterlagen und Datenträgern taucht für das Modell außerdem der interne Codename „Leo“ auf; im Umfeld des FM-77AV20 wird häufig die Bezeichnung „LEO1“ vermutet. Solche internen Projektnamen waren bei japanischen Herstellern der Zeit keineswegs ungewöhnlich und dienten vor allem der Entwicklung und Dokumentation innerhalb der jeweiligen Produktlinien.

Der FM-77AV20 steht damit innerhalb der FM-77AV-Familie für eine Variante, die die bestehende Architektur der Plattform nicht grundlegend veränderte, sie jedoch in wichtigen Punkten ausbaute. Die Kombination aus Dual-CPU-Konzept, erweiterten Grafikmodi, FM-Sound, 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerken und optionalen Video-Funktionen zeigt deutlich, wie eigenständig sich der japanische Heimcomputermarkt in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre entwickelte – mit Systemen, die oft ganz andere technische Schwerpunkte setzten als ihre westlichen Gegenstücke.

 

Macintosh LC II: Apples günstiger Farbrechner zwischen Schulmarkt, Spararchitektur und Modellpflege

Pratyeka, eigenes Werk (CC BY-SA 4.0), via Wikimedia Commons.

Der Macintosh LC II, vorgestellt im März 1992, entstand in einer Phase, in der Apple seine Macintosh-Produktlinie deutlich ausweitete und stärker auf unterschiedliche Marktsegmente ausrichtete. Der ursprüngliche Macintosh LC von 1990 hatte gezeigt, dass ein vergleichsweise preisgünstiger Macintosh mit Farbgrafik besonders im Bildungssektor auf großes Interesse stieß. Schulen, Universitäten und kleinere Büros suchten zunehmend nach Systemen mit grafischer Benutzeroberfläche, die dennoch unterhalb der Preisregion der professionellen Macintosh-II-Modelle lagen. Der LC II stellte deshalb keine völlig neue Architektur dar, sondern eine Weiterentwicklung dieses Einstiegs-Macintosh. Während der Entwicklungsphase trug das Projekt innerhalb von Apple mehrere interne Codenamen, darunter „Vail“ und „Foster’s“, was der damaligen Praxis entsprach, Entwicklungsprojekte nach Skigebieten oder Getränken zu benennen.

Äußerlich blieb das System nahezu unverändert. Das flache Desktop-Gehäuse – später häufig als „Pizza-Box“-Mac bezeichnet – war dafür gedacht, unter einem Monitor auf dem Schreibtisch zu stehen. Apple hatte das Gehäuse so dimensioniert, dass der vergleichsweise leichte Apple 12-inch RGB Display direkt darauf platziert werden konnte. Dieser Monitor bot eine Auflösung von 512 × 384 Pixeln und stellte für viele Anwender den Einstieg in die Farbgrafik der Macintosh-Plattform dar.

Die Basiskonfiguration des LC II bestand aus einem Motorola 68030-Prozessor mit 16 MHz, 4 MB Arbeitsspeicher, einem 1,44-MB-SuperDrive-Diskettenlaufwerk sowie einer SCSI-Festplatte mit typischerweise 40 MB Kapazität. Als Betriebssystem wurde meist System 7 ausgeliefert, das zu Beginn der 1990er-Jahre Funktionen wie virtuellen Speicher einführte. Der 68030 verfügte im Gegensatz zum Vorgängermodell über eine integrierte Paged Memory Management Unit (PMMU), wodurch diese Funktion erstmals auch auf einem LC-System genutzt werden konnte.

Eine Eigenheit des Rechners lag in seiner kostenorientierten Speicherarchitektur. Obwohl der Motorola 68030 für ein 32-Bit-System ausgelegt war, verband Apple ihn im LC II weiterhin mit einem 16-Bit-Datenbus. Dadurch reduzierte sich die Speicherbandbreite erheblich. In Benchmarks zeigte sich deshalb ein ungewöhnliches Bild: In manchen Anwendungen arbeitete der LC II kaum schneller oder gelegentlich sogar geringfügig langsamer als der ursprüngliche LC mit 68020-Prozessor. Zeitgenössische Tests stellten fest, dass der modernere Prozessor zwar zusätzliche Funktionen ermögliche, seine Leistungsfähigkeit jedoch durch den schmalen Datenpfad begrenzt werde.

Auch beim Arbeitsspeicher zeigte sich eine ungewöhnliche Konstruktion. Der Rechner besaß 4 MB RAM fest auf der Hauptplatine sowie zwei Steckplätze für zusätzliche SIMM-Module. Obwohl physisch bis zu 12 MB installiert werden konnten, war die Adresslogik so gestaltet, dass maximal 10 MB tatsächlich genutzt werden konnten. Zwei Megabyte blieben daher für das Betriebssystem unerreichbar.

Die Grafik wurde von einem integrierten Video-Controller erzeugt. Standardmäßig verfügte der Rechner über 256 KB VRAM, ausreichend für 256 Farben bei 512 × 384 Pixeln. Auf der Hauptplatine befand sich ein VRAM-Sockel, über den der Videospeicher mit einem zusätzlichen 256-KB-VRAM-SIMM auf 512 KB erweitert werden konnte. Erst mit dieser Erweiterung waren bei höheren Auflösungen – etwa 640 × 480 Pixeln – ebenfalls 256 Farben möglich; ohne Upgrade standen dort nur 16 Farben zur Verfügung.

Trotz seiner preisorientierten Konstruktion blieb der LC II erweiterbar. Apple integrierte den LC Processor Direct Slot (LC-PDS), einen Steckplatz, der direkt mit dem Prozessor verbunden war. Über diesen Anschluss konnten Erweiterungskarten wie Ethernet-Adapter, Video-Erweiterungen oder Spezialhardware installiert werden.

Eine weitere Erweiterungsmöglichkeit war die Apple-IIe-Emulationskarte. Anders als reine Software-Emulatoren enthielt diese Karte einen W65C02-Prozessor, also die CPU des Apple IIe. Über ein spezielles Anschlusskabel konnten originale Apple-Diskettenlaufwerke sowie Eingabegeräte angeschlossen werden. In vielen Bildungseinrichtungen erleichterte diese Lösung den Übergang von der Apple-II-Plattform zur Macintosh-Architektur, da vorhandene Software weiterhin genutzt werden konnte.

Preislich positionierte Apple den LC II weiterhin im unteren Bereich seiner Macintosh-Palette. Der Einführungspreis lag bei etwa 1.699 US-Dollar für eine typische Konfiguration mit 4 MB RAM und 40-MB-Festplatte. Inflationsbereinigt entspricht dies heute ungefähr 3.500 Euro. Im Vergleich zum ursprünglichen LC von 1990, der rund 2.499 US-Dollar kostete, stellte dies eine deutliche Preissenkung dar und unterstrich Apples Strategie, den Bildungsmarkt stärker zu erschließen.

Innerhalb der Produktlinie bildete der LC II eine Zwischenstufe. Er ersetzte den ursprünglichen LC und bereitete gleichzeitig den Weg für leistungsfähigere Varianten der Reihe. Bereits 1993 erschien mit dem Macintosh LC III ein deutlich schnelleres Modell.

Die Hardware des LC II wurde später auch in mehreren Performa-Modellen weiterverwendet. Im Konsumentenmarkt erschienen Varianten des Systems unter anderem als Performa 400, Performa 405, Performa 410 und Performa 430, was ein typisches Beispiel für Apples umfangreiche Modellpalette der frühen 1990er-Jahre darstellt.

Kompakte Spezifikationen

Hersteller: Apple Computer, Inc.
Vorstellung: März 1992
CPU: Motorola 68030, 16 MHz
Bus: 16-Bit-Datenbus
RAM: 4 MB Standard, maximal adressierbar 10 MB
VRAM: 256 KB, erweiterbar auf 512 KB
Grafik: bis 512 × 384 Pixel (256 Farben), 640 × 480 mit VRAM-Upgrade
Massenspeicher: 1,44-MB-SuperDrive, optionale SCSI-Festplatte (typisch 40 MB)
Erweiterung: LC Processor Direct Slot (LC-PDS)
Schnittstellen: SCSI, ADB, serielle Ports, Videoanschluss
Betriebssystem: System 7
Vorgänger: Macintosh LC
Nachfolger: Macintosh LC III

 

Tektronix 4051 – Der Laborrechner, der Hollywood die Zukunft zeigte

Kein Requisiten-Fake, sondern echte Labortechnik: Systeme der Tektronix-4050-Reihe dienten in den späten 1970ern häufig als glaubwürdige „Zukunftscomputer“ in Film- und Fernsehproduktionen.

Manchmal verrät ein Fernsehbild mehr über die technische Gegenwart seiner Entstehungszeit als über die Zukunft, die es darstellen soll. Als 1978 die Zuschauer erstmals die Kommandozentrale der Battlestar Galactica sahen, stand dort kein futuristischer Fantasierechner, sondern ein real existierendes wissenschaftliches Instrument aus Oregon: ein System der Tektronix-4050-Serie. In einer Zeit, in der Mikrocomputer meist als Bausätze, Terminals oder experimentelle Systeme auftraten, verkörperten diese Geräte eine andere Tradition – die des Laborrechners, der aus der Messtechnik kam und die Brücke zwischen Oszilloskop, Grafikterminal und programmierbarem Rechner schlug.

Tektronix hatte den 4051 nicht als Heimcomputer entwickelt, sondern als wissenschaftliches Werkzeug. Wie es im Service-Handbuch formuliert wird, vereinte das System „die visuelle Darstellung eines Grafikterminals mit der Rechenleistung eines wissenschaftlichen programmierbaren Rechners“ und konnte sowohl eigenständig arbeiten als auch als intelligentes Grafikterminal dienen.

Im Inneren arbeitete ein Motorola-6800-Acht-Bit-Mikroprozessor, der Mitte der siebziger Jahre zu den frühen Standardprozessoren für Mikrocomputersysteme und industrielle Steuertechnik gehörte. Im Tektronix-Rechner übernahm er die Ausführung des BASIC-Interpreters, die Steuerung der Grafiklogik sowie die Kommunikation mit angeschlossenen Geräten. Der Standardausbau umfasste acht Kilobyte Arbeitsspeicher, von denen etwa sechs Kilobyte dem Anwender zur Verfügung standen. Durch optionale Erweiterungen ließ sich der Speicher auf bis zu 32 Kilobyte ausbauen, was für einen Desktop-Rechner dieser Zeit ein beachtlicher Wert war.

Die Firmware befand sich in einem umfangreichen ROM-System mit mehreren Dutzend Kilobyte Kapazität und enthielt neben dem Interpreter eine erweiterte BASIC-Variante. Diese unterstützte numerische Berechnungen ebenso wie Grafikbefehle, Matrizenoperationen, String-Verarbeitung und die Steuerung externer Geräte. Erweiterungs-ROMs konnten über Steckmodule eingebunden werden, wodurch sich der Rechner funktional an unterschiedliche Aufgaben anpassen ließ – ein Konzept, das stärker an wissenschaftliche Instrumente als an spätere Heimcomputer erinnerte.

Als Massenspeicher diente ein integriertes Magnetband-Cartridge-System mit einer Kapazität von rund 300 Kilobyte. Die Daten wurden sequenziell gespeichert, was zwar langsamer als spätere Diskettenlösungen war, jedoch als robust und zuverlässig galt. Für Labore, in denen Messdaten archiviert werden mussten, entsprach dies den praktischen Anforderungen der Zeit.

Der vielleicht markanteste Unterschied zu späteren Personal Computern lag im Bildschirm. Der 4051 verwendete keine rasterbasierte Videodarstellung, sondern eine sogenannte Direct-View-Storage-Tube-Röhre. Ein einmal gezeichneter Vektor blieb sichtbar, ohne ständig neu aufgebaut werden zu müssen. Linien wurden direkt geschrieben und blieben stabil stehen, bis der Bildschirm gelöscht wurde. Dadurch entstand eine außergewöhnlich ruhige und flimmerfreie Darstellung technischer Grafiken, Diagramme und Messkurven. Für wissenschaftliche Visualisierung war diese Technik ideal, auch wenn sie dynamische Animationen nur eingeschränkt zuließ.

Gerade deshalb gehörten Tektronix-Displays in vielen Laboren fast ebenso selbstverständlich zur Ausstattung wie Oszilloskope. Der 4051 verband diese präzise Anzeige mit eigener Rechenleistung und konnte über den General Purpose Interface Bus – später als IEEE-488 standardisiert – mit Plottern, Messgeräten, Druckern oder Speicherlösungen kommunizieren. Damit wurde er Teil größerer Instrumentationssysteme, ohne selbst ein komplexes Rechnernetz zu benötigen.

Auch wirtschaftlich gehörte der Rechner nicht in die Welt der Heimcomputer. Der Basispreis lag bei seiner Einführung bei rund 5.995 US-Dollar, während einzelne Quellen für das Jahr 1976 auch etwa 6.995 US-Dollar nennen, abhängig von Ausstattung und Erweiterungen. Inflationsbereinigt entspricht dies heute einer Kaufkraft von ungefähr 35.900 US-Dollar und unterstreicht die Position des Systems als professionelles Instrument für Forschung, Industrie und Ausbildung – deutlich günstiger als komplette Minicomputer-Grafikinstallationen, aber weit entfernt vom entstehenden Heimcomputermarkt.

Nicht nur in Forschungseinrichtungen, sondern auch vor der Kamera wurden Systeme der Tektronix-4050-Reihe zu einem vertrauten Anblick. In den späten siebziger und frühen achtziger Jahren griffen Ausstattungsabteilungen von Film- und Fernsehproduktionen regelmäßig auf Geräte dieser Bauart zurück, wenn moderne Labore, Kontrollzentren oder technische Einrichtungen dargestellt werden sollten. Ihre klare Vektorgrafik, die ruhige Darstellung und das instrumentelle Erscheinungsbild vermittelten genau jene technische Glaubwürdigkeit, die Studiodesigner suchten.

So tauchten Geräte der Serie in verschiedenen Science-Fiction-Produktionen und Thrillern auf, darunter Moonraker oder D.A.R.Y.L., wo sie als scheinbar hochentwickelte Rechentechnik inszeniert wurden. Doch nicht nur ernste Zukunftsvisionen machten sich ihre Wirkung zunutze. Auch in Komödien fanden sie Verwendung. In Airplane! (Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, 1980) ist in der Flugleitzentrale deutlich die markante Silhouette eines Systems der Tektronix-4050-Serie zu erkennen, das dort als moderner Radarbildschirm dient und die Flugbewegungen in typischer Vektorgrafik darstellt – ein Requisitenwitz, der gerade deshalb funktionierte, weil das Gerät real existierte und überzeugend wirkte.

Bis zur Einführung grafischer Desktop-Computer mit rasterbasierter Benutzeroberfläche gehörten Tektronix-Systeme dieser Art zu den besonders häufig verwendeten Rechnern vor der Kamera. Erst mit dem Auftreten von Systemen wie dem Macintosh, deren grafische Oberfläche eine neue visuelle Vorstellung von Computern prägte, verlor diese Form der Darstellung allmählich ihre Wirkung als Zukunftsbild. Innerhalb der Tektronix-Produktpalette blieb der 4051 dennoch nur ein Teil einer größeren Entwicklung. Für anspruchsvollere Visualisierungsaufgaben entstanden parallel leistungsfähigere Systeme, darunter der Tektronix 4081, der einen deutlich anderen technischen Ansatz verfolgte und damit ein eigenes Kapitel in der Geschichte grafischer Computersysteme bildet.

Während der 4051 den grafischen Laborarbeitsplatz verkörperte, entwickelte Tektronix mit dem 4081 parallel ein deutlich leistungsfähigeres Visualisierungssystem, das nicht mehr primär als eigenständiger Desktop-Rechner gedacht war, sondern als Bestandteil größerer Rechenumgebungen. Der 4081 zielte auf anspruchsvollere grafische Anwendungen in Wissenschaft, Technik und Simulation und knüpfte damit stärker an die Tradition von Hochleistungs-Grafikterminals und spezialisierten Visualisierungsstationen an als an die kompakten Instrumentenrechner der 4050-Serie.

Olympia System BOSS (um 1980): Bürocomputer zwischen Büromaschinen-Tradition und Mikrocomputer-Ära

Olympia System BOSS: professioneller Bürocomputer um 1980, ausgelegt für Textverarbeitung, Verwaltung und Unternehmensanwendungen.

Als sich die deutsche Bürotechnikindustrie um 1980 neu orientieren musste, befand sich auch Olympia in einer Phase tiefgreifender Umbrüche. Der Markt verlangte längst nicht mehr nur zuverlässige Schreibmaschinen oder Rechengeräte, sondern integrierte Informationsverarbeitung direkt am Arbeitsplatz. Computer hielten Einzug in Verwaltungen, Ingenieurbüros und mittelständische Unternehmen – allerdings nicht als experimentelle Technik, sondern als betriebliche Werkzeuge, die Stabilität, Service und langfristige Verfügbarkeit bieten mussten. Olympia, über Jahrzehnte eng mit mechanischer Bürotechnik verbunden, versuchte in dieser Situation, den Übergang zur elektronischen Datenverarbeitung mit Systemlösungen zu gestalten, die sich in bestehende Arbeitsabläufe einfügen konnten, statt sie radikal zu verändern.

Wer sich mit Olympia-Rechnern jener Zeit beschäftigt, stößt dabei rasch auf eine begriffliche Besonderheit. Die Bezeichnung „Boss“ war bei Olympia kein einzelner Modellname, sondern über mehrere Jahre hinweg ein Sammelbegriff für professionelle Datentechniksysteme. Bereits gegen Ende der siebziger Jahre erschienen unter diesem Namen unterschiedliche Rechnerlösungen, die teils auf variierenden Prozessorplattformen beruhten und häufig projektbezogen ausgeliefert wurden. Das hier behandelte Olympia System BOSS gehört zu jener Phase um 1980, in der Olympia versuchte, aus dieser heterogenen Produktlandschaft eine stärker standardisierte Mikrocomputerplattform zu formen. Damit markierte die Serie den Übergang von individuell konfigurierten Datentechniklösungen zu serienmäßigen Arbeitsplatzrechnern innerhalb der Olympia-Palette.

Vor diesem Hintergrund erschien das System BOSS nicht als experimentelles Mikrocomputermodell, sondern als bewusst positioniertes Arbeitsinstrument für Unternehmen, die fertige Lösungen suchten. Olympia verstand den Rechner als integrierten Arbeitsplatz mit Bildschirm, Tastatur, Massenspeicher und branchenspezifischer Software – ein Konzept, das stärker an klassische Bürosysteme erinnerte als an die aufkommenden Heimcomputer jener Jahre. Ziel war nicht, Technik zu demonstrieren, sondern Prozesse zu stabilisieren: Buchhaltung, Textverarbeitung, Datenverwaltung und technische Anwendungen sollten unmittelbar am Arbeitsplatz ausgeführt werden können, ohne dass dafür größere Rechenzentren oder Minicomputer notwendig waren.

Technisch war die BOSS-Serie weniger einheitlich, als es der Serienname zunächst vermuten lässt. In der Praxis sind sowohl Z80-basierte als auch Intel-kompatible Konfigurationen (Intel 8085) dokumentiert, was auf eine heterogene Architektur innerhalb der Serie hinweist. Die Systeme lagen leistungsmäßig im Bereich professioneller Mikrocomputer jener Zeit, führten jedoch dazu, dass Software teilweise für unterschiedliche Plattformen gepflegt werden musste. Der Arbeitsspeicher bewegte sich typischerweise im Bereich der für CP/M-Systeme üblichen Größenordnung von bis zu 64 KB RAM. Die Bildschirmtechnik war klar auf Textarbeit ausgelegt und unterstützte die klassische Darstellung von 80 Zeichen pro Zeile, womit sich der Rechner eindeutig an strukturierten Büroanwendungen orientierte. Grafische Funktionen waren vorhanden, spielten jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Auch die interne Systemstruktur folgte einem modularen Ansatz, bei dem Ein- und Ausgabesteuerung, Massenspeicher und Anzeigeeinheiten klar voneinander getrennt waren – eine Bauweise, die eher an Minicomputerarchitekturen erinnerte als an die hochintegrierten Heimcomputerplatinen der Zeit. Mit seinen rund 31 Kilogramm Lebendgewicht war der BOSS jedenfalls kein Rechner, den man wie einen Apple II oder TRS-80 kurzerhand zu einem Kollegen hinübertrug; wer dies dennoch versuchte, hätte vermutlich weniger die EDV-Infrastruktur erweitert als vielmehr die physikalischen Grenzen seines Fahrrads ausgelotet.

Softwareseitig war das System zweigleisig ausgelegt. Während CP/M als verbreitete Zusatzplattform verfügbar war und Zugriff auf ein breites Angebot vorhandener Programme erlaubte, stellte das in Frankreich entwickelte Betriebssystem Prologue die eigentliche professionelle Systembasis dar. Prologue war stärker auf Mehrplatzumgebungen und Systemhauslösungen ausgerichtet und brachte mit BAL sogar eine eigene BASIC-ähnliche Programmiersprache mit. Diese Struktur zeigt deutlich, dass Olympia den Rechner nicht primär als offenen Mikrocomputer verstand, sondern als Bestandteil größerer EDV-Lösungen, in denen Software, Hardware und Service als Gesamtsystem gedacht waren.

Besonders deutlich zeigte sich Olympias Marktstrategie in der Staffelung der Modellvarianten. Die Geräte unterschieden sich weniger in der Rechenleistung als in ihrer Massenspeicherausstattung und damit in ihrer praktischen Einsatzrolle. Das Modell A stellte die einfachste Konfiguration dar und arbeitete mit Diskettenlaufwerken, geeignet für kleinere Büros mit überschaubarem Datenvolumen. Modell B und C boten größere Diskettenkapazitäten und richteten sich an anspruchsvollere Verwaltungs- und Programmieraufgaben. Erst das Modell D ergänzte die Diskettenlaufwerke um eine Winchester-Festplatte von mehreren Megabyte und war damit eindeutig auf Arbeitsplätze mit kontinuierlichem Datenzugriff ausgelegt, etwa im Rechnungswesen oder in größeren Organisationseinheiten.

Im praktischen Einsatz war das System vor allem für kaufmännische Anwendungen, Textverarbeitung, technische Berechnungen und branchenspezifische Softwarelösungen vorgesehen. Olympia vertrieb den Rechner nicht als isoliertes Gerät, sondern als vollständige Lösung inklusive Softwarepaketen, Installation und Wartung. Diese Vermarktungsstrategie entsprach der Tradition klassischer Büromaschinenhersteller: Der Computer sollte nicht nur funktionieren, sondern als langfristig betreute Infrastrukturkomponente verstanden werden.

Ein Basisgerät der Serie wurde um 1980 für etwa 8000 DM angeboten, wobei vollständig ausgestattete Installationen je nach Ausstattung deutlich höhere Investitionen erfordern konnten. Damit lag das System im Bereich ernsthafter Unternehmensanschaffungen, blieb jedoch unter den Kosten größerer Minicomputeranlagen und war somit als Einstiegslösung für die betriebliche Datenverarbeitung positioniert. Diese Preisstruktur unterstreicht den Charakter des Systems als planbares Arbeitsmittel und nicht als experimentelles Mikrocomputermodell.

Historisch betrachtet steht die Olympia-BOSS-Serie exemplarisch für eine Übergangsphase der frühen Mikrocomputerära. Während Heimcomputer gerade begannen, neue Märkte zu erschließen, richteten sich Systeme wie dieses an konservative Unternehmensstrukturen, die Planungssicherheit höher gewichteten als technische Experimentierfreude. Der Rechner war damit weniger Symbol eines digitalen Aufbruchs als Ausdruck einer evolutionären Entwicklung, in der bestehende Bürotraditionen Schritt für Schritt in elektronische Arbeitsweisen überführt wurden. So erscheint das System BOSS heute als Bindeglied zwischen zwei Welten: auf der einen Seite die mechanische Büromaschinenkultur, aus der Olympia hervorgegangen war; auf der anderen die kommende PC-Ära, in der standardisierte Personal Computer den Markt dominieren sollten.

Ontel OP-1: Textverarbeitung und Terminalemulation im fünfstelligen Investitionsrahmen

Ende der siebziger Jahre begann sich die Computerwelt spürbar zu verschieben. In Hobbykellern surrten Apple- und PET-Rechner, während in Büros noch Terminals vor Großrechnern klapperten. Der Ontel OP-1 gehörte eindeutig nicht zur ersten Kategorie. In privaten Bastelräumen war er selten anzutreffen – schon Gewicht und vor allem der Preis sprachen deutlich gegen einen Platz zwischen Lötstation und Datasette. Stattdessen war er für Schreibkräfte, Systembetreuer und Verwaltungsbüros gedacht, für Orte also, an denen ein Bildschirm nicht Spielzeug, sondern Werkzeug war. Genau in dieser Übergangsphase erschien der OP-1 als Versuch, Rechenleistung näher an den Arbeitsplatz zu bringen, ohne gleich den Großrechner abzuschaffen.

Der Ontel OP-1 entstand in den späten siebziger Jahren als programmierbares Arbeitsplatzsystem für Unternehmen, Verwaltungen und Universitäten. Entwickelt von der Ontel Corporation auf Long Island, zielte die Serie ausdrücklich nicht auf den Hobby- oder Heimmarkt, sondern auf professionelle Textverarbeitung, Terminalemulation und Datenkommunikation. Herstellerunterlagen bezeichneten das System als intelligentes Terminal, doch in der Praxis bewegte es sich bereits in Richtung eines eigenständigen Mikrocomputers, da es lokale Programme ausführen, Speicher verwalten und Peripheriegeräte direkt steuern konnte.

Im Zentrum der Architektur standen Intel-Mikroprozessoren der 8080- und später der 8085-Familie. Je nach Modell und Ausbau lag der Arbeitsspeicher zwischen etwa 16 und 64 Kilobyte, was zugleich die technische Obergrenze dieser Prozessorgeneration darstellte. Die Systeme verfügten über eine modulare Kartenarchitektur mit Steckplätzen für CPU-, RAM-, Video- und Controllerkarten, wodurch sich ein OP-1 vom einfachen Terminal bis zu einer komplexen Mehrplatzlösung ausbauen ließ. Diese Flexibilität erlaubte den Einsatz als Textverarbeitungssystem, Entwicklungsstation oder Terminalemulator für Großrechner.

Die Anzeige erfolgte über einen integrierten monochromen Monitor mit typischer 80×24-Zeichendarstellung. Ein eigener Display-Controller erzeugte die Ausgabe und erlaubte softwaregesteuerte Funktionen wie Scrollen oder Hervorhebungen, wodurch die Darstellung flexibler war als bei einfachen Terminals. Auch die Tastatur war auf professionelle Nutzung ausgelegt und nutzte mechanische Schalter, die für ihre Haltbarkeit geschätzt wurden.

Ein technisches Detail, das die Serie besonders für Textverarbeitung interessant machte, war die Hardwareunterstützung für Speicheroperationen. Spezielle Controller konnten Zeichenblöcke direkt im Speicher verschieben oder kopieren. Diese Aufgaben wären für damalige Mikroprozessoren allein per Software zu langsam gewesen, sodass Ontel sie teilweise in dedizierte Logik auslagerte. Dadurch ließen sich Texte trotz begrenzter CPU-Leistung flüssig bearbeiten, was die Systeme in Konkurrenz zu spezialisierten Bürorechnern von Wang oder IBM brachte.

Softwareseitig setzte Ontel auf ein eigenes Betriebssystem namens OP/M, das später zu einer erweiterten Mehrbenutzer-Variante ausgebaut wurde. Es stellte Funktionen wie Dateiverwaltung, Geräteansteuerung und Entwicklungswerkzeuge bereit und bildete die Grundlage für viele OEM-Lösungen. Aufgrund der proprietären Hardwarestruktur bestand normalerweise keine direkte Binärkompatibilität zu CP/M-Programmen, auch wenn der OP-1 über Terminalemulation indirekt mit CP/M-Hostsystemen zusammenarbeiten konnte.

Bekannte kommerzielle Spiele existierten für den OP-1 nicht. Die Geräte wurden fast ausschließlich für Geschäftsanwendungen eingesetzt und boten nur textorientierte Darstellung. Zeitzeugen berichten zwar von kleineren Demonstrationsprogrammen oder einfachen Wortspielen, die intern zu Test- oder Schulungszwecken entstanden, doch entwickelte sich keine eigenständige Spielelandschaft für diese Plattform.

Die Systeme wurden häufig als OEM-Produkte vertrieben. Unternehmen konnten Varianten unter eigenem Namen verkaufen und Software oder Hardware an spezifische Anwendungen anpassen. Dadurch tauchte die Technik in unterschiedlichsten Branchen auf, von Banken über Industrieunternehmen bis hin zu Universitäten und internationalen Installationen.

Zeitzeugen beschreiben die Geräte als massiv gebaut und modular aufgebaut. Große Netzteile, schwere Gehäuse und steckbare Controllerkarten bestimmten das Innenleben. Diagnoseprogramme erlaubten detaillierte Tests, und Software konnte über serielle Schnittstellen geladen werden. Gerade in Installationen mit zentralen Massenspeichern oder Netzwerkanbindungen zeigte sich die Stärke des Systems als flexibler Arbeitsplatzrechner.

Innerhalb der Serie existierten mehrere Varianten, darunter Systeme mit maximalem Speicherausbau, modernisierten CPU-Konfigurationen sowie vereinfachte terminalorientierte Modelle. Trotz dieser Unterschiede blieb die Grundidee erhalten: ein konfigurierbarer Bürorechner, der Anzeige, Prozessor und Erweiterungslogik in einem System vereinte.

Preislich bewegten sich OP-1-Arbeitsplätze klar im professionellen Segment. Archivunterlagen nennen zwar Einstiegspreise für minimale OEM-Konfigurationen im Bereich um etwa 1.400 US-Dollar bei Großabnahme, doch solche Angaben beziehen sich in der Regel auf stark reduzierte Basiseinheiten ohne umfangreiche Peripherie. Real installierte Arbeitsplatzsysteme lagen je nach Ausbau, Massenspeicheranbindung und Kommunikationshardware deutlich höher. Zeitgenössische Vergleiche mit Textverarbeitungs- und Bürorechnern von Wang, IBM oder CPT legen nahe, dass vollständige OP-1-Installationen häufig in den fünfstelligen Dollarbereich fielen und damit klar als Investitionsgut für Unternehmen und Institutionen positioniert waren.

Morrow Designs Micro Decision – Professionelle CP/M-Power im Übergang zum PC-Standard

Als George Morrow 1982 den Micro Decision auf den Markt brachte, war er längst keine unbekannte Größe mehr. Bereits in den 1970er-Jahren hatte er sich im entstehenden Mikrocomputermarkt etabliert und galt als überzeugter Befürworter des S-100-Busses, einem der ersten weit verbreiteten standardisierten Computerbusse, der in zahlreichen Systemen jener Zeit Verwendung fand. Morrow beteiligte sich nicht nur an dessen Verbreitung, sondern entwickelte auch eigene Erweiterungen und Zubehör. Mit einer Speichererweiterung für den Altair 8800 gab er sein Debüt als Hardwarehersteller.

Doch George Morrow plante mehr. Wie andere Unternehmer jener Zeit wollte er Computer nicht nur für Spezialisten bauen, sondern für eine breitere Anwenderschaft zugänglich machen. Anders als etwa Jack Tramiel zielte Morrow jedoch nicht primär auf den günstigsten Preis, sondern auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Leistung, Ausstattung und Kosten. Der Micro Decision war daher als kompakter Business-Computer konzipiert, der professionelle Anwendungen ermöglichen sollte, ohne in die Preisregion großer Bürorechner vorzudringen.

Vor diesem Hintergrund erschien 1982 Morrows eigener Rechner, der Micro Decision, als konsequenter Schritt vom Komponentenhersteller zum Anbieter kompletter Arbeitsplatzsysteme.

Technisch basierten die Micro-Decision-Rechner auf einem Zilog Z80A mit 4 MHz und nutzten 64 KB RAM, womit die maximale Speichergröße erreicht wurde, die unter CP/M direkt adressierbar war. Als Betriebssystem kam CP/M 2.2 zum Einsatz, ergänzt durch Morrows menügesteuerte Software-Oberfläche, die den Einstieg in die Softwarewelt erleichtern sollte. Damit war das System klar als Arbeitsmaschine gedacht und weniger als Experimentierplattform.

Die frühen Modelle wurden in Varianten mit ein oder zwei internen 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerken angeboten. Hier lag auch der wichtigste Unterschied zwischen den verbreiteten Konfigurationen: Während das MD2 zwei einseitige Laufwerke mit zusammen etwa 400 KB nutzbarem Speicher bot, verfügte das MD3 über doppelseitige Laufwerke mit nahezu doppelter Kapazität. Für Anwender bedeutete dies vor allem weniger Diskettenwechsel und damit spürbar effizienteres Arbeiten.

Der Einführungspreis lag bei rund 1599 US-Dollar für ein vollständiges MD2-System und etwa 1899 US-Dollar für das leistungsfähigere MD3-Modell. Inflationsbereinigt entspricht dies heute grob fünf- bis sechstausend Dollar, womit sich die Rechner im unteren bis mittleren Business-Segment bewegten. Sie waren damit deutlich teurer als Heimcomputer, aber günstiger als viele größere Büroanlagen.

Zeitgenössische Tests bescheinigten dem System eine solide Ausstattung. In einer Rezension wurde der Micro Decision als leistungsfähiges CP/M-System mit einer für den Preis bemerkenswert umfangreichen Hard- und Software-Ausstattung beschrieben. Diese Einschätzung verdeutlicht den historischen Standpunkt: leistungsfähig innerhalb seiner Klasse, aber bereits technisch konservativ.

Im Wettbewerb standen die Morrow-Rechner vor allem mit anderen CP/M-Systemen wie dem Osborne 1, dem Kaypro II oder dem Xerox 820. Gegenüber diesen boten sie eine umfangreiche Softwareausstattung und ein vergleichsweise komfortables Bedienkonzept. Mit dem Aufkommen des IBM-PC-Standards verloren solche Systeme jedoch rasch an Bedeutung, da sich der Markt zunehmend auf 16-Bit-Architekturen verlagerte.

Im Laufe der Zeit entstand eine ganze Modellfamilie innerhalb der Micro-Decision-Serie. Neben frühen Diskettenvarianten erschienen später Systeme mit erweiterten Konfigurationen und optionalen Festplattenlösungen, darunter Modelle wie MD5, MD11 oder MD16. Konkrete Verkaufszahlen wurden nie veröffentlicht, doch gilt die Serie als solide verbreitet in professionellen Nischenmärkten, ohne jemals den Massenmarkt zu erreichen.

Rückblickend stehen die Micro-Decision-Rechner exemplarisch für die letzte Phase der CP/M-Business-Computer. Ihre Stärke lag in der praxisnahen Softwareausstattung und der klaren Ausrichtung auf produktives Arbeiten, während ihre Schwäche in der rasch einsetzenden technischen Überholung durch 16-Bit-Systeme lag. Damit markieren die Morrow-Systeme einen Übergangspunkt zwischen den frühen Mikrocomputern der CP/M-Ära und der Dominanz des IBM-PC-Standards.

Für Anwender boten die Rechner mehrere klare Vorteile. Die umfangreiche Softwareausstattung, die solide Hardwarebasis und das benutzerfreundliche Menüsystem erleichterten den Einstieg in professionelle Anwendungen. Gleichzeitig zeigte sich jedoch auch die Kehrseite: Die 8-Bit-Architektur galt bereits kurz nach Erscheinen als begrenzt, und mit der wachsenden Bedeutung von IBM-kompatiblen Systemen verlor CP/M schnell an Zukunftssicherheit. Genau diese Mischung aus solider Gegenwart und unsicherer Zukunft prägte die Wahrnehmung der Micro-Decision-Reihe.

 

Matsushita JR-100: Günstiger Einstieg in BASIC und Heimcomputing in Japan

Matsushita JR-100 Ad

Pac-Man hatte die Spielhallen längst erobert, Donkey Kong begann gerade seinen Siegeszug, und ein Game & Watch von Nintendo musste niemandem erklärt werden. Elektronische Unterhaltung hatte ihren festen Platz gefunden. Doch parallel dazu entdeckten die Hersteller auch den Heimcomputer als neues Marktsegment. Anfang der 1980er-Jahre setzte ein regelrechter technologischer Goldrausch ein: Nahezu jeder Elektronikkonzern wollte ein eigenes System anbieten, um an diesem neuen Markt teilzuhaben.

Auch Matsushita, international vor allem unter der Marke Panasonic bekannt, beteiligte sich an diesem Wettbewerb. Statt jedoch mit einem Prestige-System anzutreten, entschied man sich bewusst für einen anderen Ansatz: einen kleinen, erschwinglichen Rechner, der den Einstieg erleichtern sollte. Aus dieser Überlegung heraus entstand der Matsushita JR-100.

Der JR-100 erschien im November 1981 zu einem Einführungspreis von 54.800 Yen. Inflationsbereinigt entspricht das heute ungefähr 69.000 bis 70.000 Yen, also grob 370 bis 400 Euro. Damit lag der Rechner klar im Einstiegssegment und war für Haushalte gedacht, die erstmals mit einem Computer arbeiten wollten, ohne in ein leistungsstärkeres System investieren zu müssen.

Als Programmiersprache diente JR-BASIC 1.0, ein von Matsushita entwickelter BASIC-Dialekt. Obwohl es sich nicht um eine lizenzierte Microsoft-Version handelte, orientierte sich die Syntax bewusst an Microsoft BASIC, um Programme und Lernmaterial möglichst übertragbar zu halten. Der Interpreter blieb kompakt und funktionssparsam, was der begrenzten Hardware des JR-100 entgegenkam.

Technisch blieb der Rechner entsprechend überschaubar. Als Prozessor kam ein MN1800, kompatibel zur Motorola-6800-Familie, zum Einsatz, getaktet mit rund 890 kHz. Diese Geschwindigkeit war für BASIC-Programme und einfache Experimente ausreichend, zwang Programmierer jedoch zu einem sparsamen Umgang mit Ressourcen. Der Arbeitsspeicher betrug 16 KB RAM, ergänzt durch 8 KB ROM für BASIC-Interpreter, Editor und Systemroutinen sowie 1 KB Video-RAM.

Die Bilddarstellung des JR-100 war zeichenorientiert aufgebaut. Der Bildschirm zeigte 32 Spalten und 24 Zeilen, monochrom. Eine frei adressierbare Bitmap-Grafik bot das System nicht. Stattdessen standen semigrafische Zeichen und die Möglichkeit zur Verfügung, 32 Zeichen selbst zu definieren, wodurch sich einfache Symbole, Muster oder Figuren erzeugen ließen. Diese Lösung sparte Speicher und machte zugleich sichtbar, wie Bildschirmdarstellung technisch organisiert ist – ein Ansatz, der gut zur Lernorientierung des Rechners passte.

Auch beim Sound blieb das System minimalistisch. Ein dedizierter Soundchip war nicht vorhanden; stattdessen erzeugte ein interner Lautsprecher einfache, monophone Töne. Frequenz und Dauer konnten programmiert werden, doch blieb der Klang funktional. Musik oder mehrstimmige Effekte waren nicht vorgesehen.

Zur Datenspeicherung diente ein Kassettenanschluss mit rund 600 Baud, eine damals verbreitete Lösung für günstige Heimcomputer. Fernseher oder Monitore konnten direkt angeschlossen werden, und über einen Erweiterungsbus ließen sich zusätzliche Module anbinden. Die Konstruktion zielte weniger auf Ausbau als auf unmittelbare Nutzbarkeit.

Die Tastatur nutzte leitfähige Gummikontakte statt mechanischer Hubtasten, was Kosten reduzierte und das Gehäuse kompakt hielt. Diese Bauweise unterstrich den Anspruch, einen transportablen und preiswerten Lerncomputer anzubieten.

Konkrete Verkaufszahlen für den JR-100 wurden nie veröffentlicht. Hinweise aus zeitgenössischen Quellen deuten darauf hin, dass er hinter populäreren japanischen Heimcomputern zurückblieb. Der Verkaufsschwerpunkt lag vermutlich zwischen 1981 und 1983, bevor leistungsfähigere Modelle der JR-Serie erschienen.

NEC PC-6001 (1981): Japans Budget-Heimcomputer mit Page-System und AY-Sound

Foto: Darklanlan, CC BY 4.0 (Wikimedia Commons)

Als der Heimcomputer Anfang der 1980er-Jahre in Japan Einzug in private Haushalte hielt, war er weniger Spielzeug als Bildungsversprechen. Computer galten als Werkzeug der Zukunft, als Mittel zur technischen Grundbildung und als Vorbereitung auf eine zunehmend digitalisierte Gesellschaft. Japanische Hersteller begleiteten diese Entwicklung mit besonderer Konsequenz: Heimcomputer sollten verständlich, beherrschbar und zugleich ernst zu nehmen sein. Nicht jedes System musste leistungsstark oder professionell sein – wichtig war der Zugang.

In diesem Umfeld positionierte NEC Anfang der 1980er-Jahre einen Rechner, der bewusst zwischen den Welten stand: unterhalb der leistungsstärkeren Modelle für Schule und Büro, aber oberhalb einfacher Spielgeräte. Ein System für den Einstieg, nicht für den Anspruch auf Marktführerschaft.

Der NEC PC-6001 erschien im November 1981 als preisgünstiger Heimcomputer innerhalb der NEC-Produktpalette. Zeitlich nahezu parallel zum deutlich höher positionierten PC-8801 eingeführt, richtete er sich ausdrücklich an private Nutzer, Schüler und Hobbyisten. Während der PC-8801 auf ernsthafte Business-Anwendungen zielte, war der PC-6001 für den häuslichen Gebrauch gedacht – als Lern- und Spielsystem, nicht als Bürorechner.

Technisch basierte der PC-6001 auf dem gleichen Hauptprozessor wie der ältere PC-8001, einem μPD780C-1, einer Z80-kompatiblen CPU, getaktet mit etwa 4 MHz (quarzbasiert 3,993600 MHz – typisch deutsch gedacht, will sagen: japanisch präzise). Der entscheidende Unterschied lag jedoch nicht im Prozessor, sondern in der Ausrichtung. Während der PC-8001 stark textorientiert war, bot der PC-6001 echte Grafikmodi und damit eine deutlich visuellere Nutzung. Klassische Büroanwendungen spielten aufgrund der geringen Auflösung kaum eine Rolle; stattdessen entwickelte sich der Rechner früh zu einer Plattform für Spiele und grafisch orientierte Programme.

Ein wichtiger Abgrenzungspunkt war die Soundausstattung. NEC verbaute im PC-6001 den AY-3-8910, einen vollwertigen Soundchip, der mehrstimmige Klangerzeugung erlaubte. Damit war der Rechner akustisch deutlich besser aufgestellt als der PC-8001 und auch als der PC-8801 in dessen Anfangsphase, die zunächst nur einfache Signalgeber boten. Gerade für Spiele war dies ein spürbarer Vorteil und prägte die Wahrnehmung des Systems nachhaltig.

Charakteristisch für den PC-6001 war das sogenannte Page-Konzept. Hauptspeicher und Grafik-VRAM teilten sich denselben Adressraum, weshalb der Nutzer beim Einschalten festlegte, wie viele sogenannte Pages genutzt werden sollten. Jede Page entsprach dabei einem vollständig separaten Bildschirm. In der Grundausstattung mit 16 KB RAM waren ein oder zwei Pages möglich; mit einer Speichererweiterung auf 32 KB konnten bis zu vier Pages verwendet werden. Dieses Konzept war technisch anspruchsvoll, erlaubte aber flexible Lösungen innerhalb enger Speichergrenzen und zwang zu einem bewussten Umgang mit Ressourcen.

Der Rechner verfügte über einen Textmodus mit 32 Spalten × 16 Zeilen sowie mehrere Grafikmodi, die sich in Auflösung und Farbtiefe unterschieden. In der Praxis nutzten die meisten Spiele den Modus mit 128 × 192 Pixeln und vier Farben, da er den besten Kompromiss aus Detailgrad und Farbwirkung bot. Erfahrene Programmierer nutzten zudem die Eigenschaften des Composite-Signals, um auch im hochauflösenden Schwarz-Weiß-Modus eine scheinbare Mehrfarbigkeit zu erzielen – eine Technik, die auch bei westlichen Systemen jener Zeit bekannt war.

Zur Kostensenkung setzte NEC auf eine Chiclet-Tastatur, verzichtete jedoch nicht auf eine umfangreiche Anschlussausstattung. Zwei Joystick-Ports, RF- und Composite-Video, Kassetten- und Druckerschnittstellen waren serienmäßig vorhanden. Über einen Modulschacht konnten Programme geladen, der Arbeitsspeicher erweitert oder zusätzliche Funktionen nachgerüstet werden. Damit war der PC-6001 ohne externe Erweiterungsboxen sofort einsatzbereit, blieb aber modular erweiterbar.

Der Einführungspreis betrug exakt 89.800 Yen. Inflationsbereinigt entspricht dies heute einem Gegenwert von rund 170.000 Yen, also etwa 1.050 bis 1.100 Euro. Der PC-6001 war damit klar als überlegte Anschaffung positioniert: preislich unterhalb der leistungsstärkeren NEC-Modelle, aber deutlich oberhalb reiner Spielkonsolen. Für das Urmodell werden in japanischen Übersichten rund 150.000 ausgelieferte Einheiten genannt. Damit blieb der PC-6001 zwar hinter den großen NEC-Plattformen zurück, erreichte jedoch eine relevante Marktdurchdringung im Heimsegment.

1983 folgte mit dem PC-6001 mkII ein technisch verbesserter Nachfolger, der viele der ursprünglichen Einschränkungen adressierte. Rückblickend steht der PC-6001 exemplarisch für eine Übergangsphase der japanischen Heimcomputerentwicklung: ein System, das den Schritt von textorientierten Lernrechnern hin zu grafik- und spielorientierten Heimcomputern vollzog, ohne seinen Bildungsanspruch vollständig aufzugeben. Seine Bedeutung liegt nicht im Mythos, sondern in seiner klar umrissenen Rolle als solider, bewusst positionierter Einstiegsrechner.