Sega Nomad

Sega Nomad

Par Evan-Amos — Travail personnel, Domaine public, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14321960

Der Sega Nomad war ein ebenso ambitioniertes wie ungewöhnliches Handheld-System, das 1995 exklusiv auf dem nordamerikanischen Markt veröffentlicht wurde. Anders als andere mobile Spielgeräte seiner Zeit war der Nomad keine Neuentwicklung, sondern ein portabler Ableger der Sega Genesis – besser bekannt als Mega Drive in Europa und Japan. Dieses Konzept war revolutionär, denn zum ersten Mal bot ein Handheld die Möglichkeit, ohne technische Einschränkungen die Heimkonsolenspiele einer bestehenden Plattform unterwegs zu nutzen. Tatsächlich war der Nomad vollständig kompatibel mit den rund 600 Modulen der Genesis – ein Spiele-Lineup, das in seiner Breite und Qualität zu keinem anderen portablen Gerät passte, weder davor noch danach.

Die Wurzeln des Systems reichen sogar noch weiter zurück als zur Genesis selbst. Grundlage für den Nomad war das in Japan veröffentlichte Gerät namens Mega Jet – eine abgespeckte, tragbare Version des Mega Drive, die ursprünglich für den Einsatz an Bord von Flugzeugen der Fluggesellschaft Japan Airlines gedacht war. Der Mega Jet besaß keinen eigenen Bildschirm und wurde über AV-Ausgänge direkt mit den Bordmonitoren verbunden. Als Stromquelle diente der Zigarettenanzünder der Sitze, weshalb das Gerät außerhalb des Flugverkehrs praktisch nur in Autos mit integriertem Fernseher und entsprechender Stromversorgung nutzbar war. Erst mit dem Nomad entwickelte Sega daraus eine echte Handheld-Konsole mit integriertem Bildschirm und Energieversorgung – eine Weiterentwicklung, die aus einer Nischenlösung ein vollständig mobiles Gerät machte.

Während der Entwicklungszeit trug das Gerät intern den Codenamen "Venus", womit Sega einer firmeninternen Tradition folgte, neue Hardware-Projekte nach Himmelskörpern zu benennen. Das Entwicklerteam wurde maßgeblich von Hideki Sato geleitet, dem damaligen Technischen Direktor bei Sega of Japan, der bereits beim Master System, Mega Drive und später auch bei der Dreamcast federführend war. Sato galt als brillanter Ingenieur mit Hang zu gewagten Konzepten, die jedoch oft an den Realitäten des Marktes scheiterten.

Im Inneren des Nomad arbeitete ein Motorola 68000 Prozessor mit 7,67 MHz – der gleiche Hauptchip wie im Mega Drive. Unterstützt wurde er von einem sekundären Zilog Z80-Prozessor, der vor allem für Soundausgabe und Abwärtskompatibilität zuständig war. Der 68000 war als 16/32-Bit-CISC-Prozessor mit 16-bit-Datenbus und 24-bit-Adressraum ausgelegt, konnte bis zu 16 MB adressieren und war besonders effizient in der Ausführung komplexer Befehle – ein Vorteil, den Spieleentwickler wie Treasure oder Konami voll auszunutzen wussten.

Die grafischen Fähigkeiten wurden ebenfalls vom Mega Drive übernommen, wodurch der Nomad eine Auflösung von 320×224 Pixeln darstellen konnte – wobei der integrierte LCD-Bildschirm auf 320×200 Pixel beschränkt war. Die maximale Farbdarstellung lag bei 64 gleichzeitig aus einer Palette von 512 Farben. Der Bildschirm selbst war 3,25 Zoll groß und hintergrundbeleuchtet, was ihn zwar gut ablesbar machte, jedoch auch maßgeblich zum hohen Stromverbrauch beitrug. Im Bereich Sound sorgte der Yamaha YM2612 FM-Synthesizer für sechsstimmige Musik und Effekte – ein Chip, der für seinen charakteristischen, metallisch-synthetischen Klang bekannt war und von vielen Komponisten der 90er geschätzt wurde. Unterstützt wurde er vom SN76489 PSG-Chip, der zusätzlich drei Kanäle für einfache Töne bereitstellte.

Der Aufbau des Geräts war robust, aber auch auffällig klobig. Es war größer und schwerer als der Game Boy oder der Game Gear, mit Maßen von etwa 21 × 11 × 4 cm. Der Nomad besaß ein Modulfach auf der Oberseite, darunter ein 6-Tasten-Layout inklusive Starttaste, ein Steuerkreuz, Lautstärkeregler, Kopfhöreranschluss, AV-Out zum Anschluss an den Fernseher sowie einen Port für einen externen Controller. Diese Kombination machte ihn zum einzigen Handheld, der standardmäßig Mehrspielerfunktionen und TV-Kompatibilität bot – ohne zusätzliche Hardware.
Ein bemerkenswertes Detail war der PAL/NTSC-Schalter auf der Rückseite des Geräts – obwohl der Nomad offiziell nur in Nordamerika verkauft wurde, erlaubte dieser Schalter prinzipiell den Betrieb von Modulen aus anderen Regionen, sofern sie mechanisch passten. Diese Offenheit war ungewöhnlich für Sega, das sonst auf starke Regionalbeschränkungen setzte. Der modulare Aufbau des Genesis ermöglichte es grundsätzlich auch, Erweiterungen wie das Mega-CD oder das 32X mit dem Nomad zu verwenden – in der Praxis war dies jedoch unhandlich bis unmöglich, da die entsprechenden Anschlüsse fehlten oder das Gewicht der Kombi-Setups das Handheld sprengte. Findige Bastler und Drittanbieter entwickelten jedoch Adapter und Docking-Lösungen, die zumindest Teile dieser Erweiterungen nutzbar machten.

Eine der größten Schwächen des Nomad war zweifellos sein Energiehunger. Sechs AA-Batterien wurden benötigt, um das System überhaupt betreiben zu können – und selbst dann war nach etwa 90 Minuten Schluss. Im Vergleich dazu kam ein Game Boy mit zwei Batterien auf über 10 Stunden Laufzeit. Der Nomad war schlicht nicht für tragbares, langfristiges Spielen ausgelegt, obwohl genau das sein zentrales Versprechen war. Das lag auch daran, dass die damals erhältlichen Akkus meist nur 1,2 Volt statt der benötigten 1,5 Volt lieferten. Sega reagierte darauf mit einem hauseigenen Akkupack, das rund 79 Dollar kostete – ein Preis, der viele Kunden abschreckte.

Auch marketingseitig blieb das Gerät ein Waisenkind. Sega entwickelte keine gesonderte Werbekampagne für den Nomad und versäumte es, sein größtes Verkaufsargument – der sofortige Zugriff auf hunderte hochwertige Genesis-Spiele – klar herauszustellen. Der Einführungspreis lag bei 179 US-Dollar, sank jedoch innerhalb eines Jahres auf 60 Dollar, weil der Abverkauf schleppend verlief. Inflationsbereinigt entspräche der Startpreis heute etwa 320 Euro, während der Tiefstpreis etwa 105 Euro betrug.

Presseberichte aus der Zeit waren gespalten. Die Zeitschrift Electronic Gaming Monthly lobte in ihrer Oktoberausgabe 1995 die „unglaublich scharfe Grafikleistung in einem tragbaren Format“ und bezeichnete den Nomad als „eine Konsole für Hardcore-Gamer unterwegs“. Gleichzeitig wurde aber auf die Akkulaufzeit und das Fehlen eines strategischen Software-Supports hingewiesen. In einem Rückblick nannte Retro Gamer das Gerät ein „technologisches Wunder, das zur falschen Zeit kam“ – zu einem Zeitpunkt, als bereits PlayStation und Saturn den Umstieg auf 32-Bit einläuteten.
Im Vergleich zur Konkurrenz wie dem Nintendo Game Boy oder dem Atari Lynx konnte der Nomad in puncto Grafik, Sound und Flexibilität deutlich punkten. Er war der leistungsfähigste Handheld seiner Zeit. Doch die Nachteile lagen in seinem Gewicht, der Stromversorgung und der fehlenden Exklusivtitel, die speziell auf die Hardware zugeschnitten gewesen wären. Nintendo setzte hingegen auf effiziente Hardware und eine aggressive Softwarepolitik, die den Game Boy über Jahre hinweg dominierte.

Der Sega Nomad blieb ein Außenseiter in der Geschichte der Videospielkonsolen. Als portables Kraftpaket, das seiner Zeit in vielerlei Hinsicht voraus war, zählt er heute zu den faszinierendsten Nischenprodukten der Konsolenära. Trotz oder gerade wegen seiner Unvollkommenheiten ist er ein beliebtes Sammlerobjekt – ein tragbarer Dinosaurier aus der 16-Bit-Zeit, der den Traum verwirklichte, Heimspiele überallhin mitzunehmen, lange bevor Nintendo mit der Switch das Konzept perfektionierte.

Philips Videopac G7000

Philips Videopac G7000

Odyssey2

Das Philips Videopac G7000 war eine Konsole mit vielen Namen: In Europa erschien sie unter dem Namen Philips G7000, in Brasilien als Philips Odyssey und in den USA als Magnavox Odyssey². Dieser internationale Markenmix hatte seinen Ursprung in der Tatsache, dass Philips nicht bloß eine Lizenz erwarb, sondern 1974 Magnavox vollständig übernahm – also vier Jahre vor der Veröffentlichung des Systems. Dies ermöglichte es dem niederländischen Unternehmen, den in den USA etablierten Namen „Odyssey“ weiterzuführen, obwohl die Entwicklung der Konsole längst in Eindhoven stattfand.

Während die ursprüngliche Odyssey² von Magnavox noch auf fest verankerte Spiele ohne Modulschacht setzte – 24 Spiele sollten dauerhaft integriert sein – verwarf Philips dieses Konzept zugunsten eines flexibleren Designs. Dieser frühe Prototyp stellte sich bald als unpraktisch heraus: Keine Möglichkeit zur Erweiterung, rudimentärer Ton und fehlende Zukunftssicherheit machten ihn zu einem Relikt aus der Frühzeit der Videospiele. Erst mit dem Einstieg von Philips wurde der Systementwurf grundlegend überarbeitet. Die Entwicklung verlagerte sich nach Europa, und mit ihr kam der technische Sprung: ROM-Module ersetzten feste Verdrahtungen, und erstmals konnten Entwickler individuelle, eigenständige Spiele kreieren, die sogar Musik und Soundeffekte boten. Damit bewegte sich Philips auf Augenhöhe mit anderen Konsolenherstellern der späten 1970er-Jahre.

Die Veröffentlichung der Konsole erfolgte 1978. Ihr Herzstück war der Intel 8048, ein 8-Bit-Mikrocontroller mit 1 KB Programmspeicher und 64 Byte RAM. Die CPU war eng gekoppelt mit dem Intel 8245 Grafikchip, der eine Bildschirmauflösung von 160 × 200 Pixeln ermöglichte. Die maximal darstellbaren Farben lagen bei 16, wovon in der Praxis jedoch meist nur acht gleichzeitig genutzt wurden. Das integrierte Betriebssystem war in erster Linie auf das Lesen von ROM-Modulen sowie die Verarbeitung einfacher Tastatureingaben ausgelegt.
Besonders auffällig war die vollständige alphanumerische Membrantastatur – ein Novum auf dem Konsolenmarkt. Sie wurde bei Lernspielen, zur Einstellung von Optionen sowie bei Programmierfunktionen eingesetzt. Der Ton wurde über den eingebauten Soundchip des 8048 erzeugt, der allerdings nur einfache, einstimmige Klänge beherrschte. Dennoch reichte dies aus, um einfache musikalische Motive oder Spielsounds darzustellen.

Der Preis der Konsole lag zur Veröffentlichung bei etwa 180 US-Dollar. Inflationsbereinigt entspricht dies etwa 700 Euro (Stand 2025), was sie zu einer mittelpreisigen Konsole machte. Im Lieferumfang enthalten waren zwei Joysticks mit numerischen Tastenfeldern – bei frühen Modellen wechselbar, bei späteren fest installiert. Letzteres erwies sich als problematisch, da defekte Joysticks nicht ohne Weiteres austauschbar waren.
Die Konsole bot einen RF-Anschluss für den Anschluss an Fernseher sowie einen proprietären Erweiterungsanschluss auf der Rückseite, über den Zubehör wie der legendäre Sprachsynthesizer „The Voice“ angeschlossen werden konnte. Auch ein später nie erschienener Speichererweiterungsadapter wurde angekündigt. In Europa erschien zudem mit dem Philips Videopac 7200 eine Variante mit integriertem Schwarzweiß-Monitor, die allerdings nur in sehr begrenzten Stückzahlen verkauft wurde.

Insgesamt wurden weltweit rund zwei Millionen Einheiten des Systems verkauft, davon etwa eine Million in den USA. Damit war das G7000 beziehungsweise die Odyssey² die drittmeistverkaufte Konsole ihrer Generation – hinter Atari und Coleco. Ein großes Problem bestand in der begrenzten Anzahl externer Entwickler: Nur wenige Studios produzierten Spiele für die Plattform, was der Softwarevielfalt schadete. Philips nutzte jedoch seinen europäischen Marktanteil, um zahlreiche europäische Exklusivtitel auch in die USA zu exportieren.

Der integrierte Sprachsynthesizer, der in Kombination mit bestimmten Spielen wie "K.C.'s Krazy Chase!" zum Einsatz kam, war eine technische Besonderheit. Sprachsynthese war damals ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Dennoch konnte das G7000 dem Atari 2600 oder ColecoVision keine Marktanteile abjagen – zu klein war die Third-Party-Unterstützung, zu begrenzt die Hardware.
Ein interessanter Aspekt der Geschichte ist der Prototyp der Konsole. Die erste Entwicklungsstufe, die noch unter Magnavox entstand, setzte auf ein Modell ohne Modulschacht. Stattdessen waren 24 Spiele fest in das System integriert. Dieser frühe Entwurf war wenig flexibel und technisch nicht zukunftstauglich. Zudem fehlte eine differenzierte Tonerzeugung, die Benutzerführung war stark eingeschränkt, und eine Tastatur war nicht vorgesehen. Erst durch das Eingreifen von Philips kam es zum Wechsel hin zu einem modulbasierten System mit mehr Möglichkeiten für Entwickler und Nutzer. Auch andere Prototypen wurden getestet – darunter Varianten mit vereinfachtem Steuerlayout oder einem integrierten Bildschirm. Ein speziell für die Odyssey² entwickelter Grafikchip wurde verworfen, da der Intel 8245 kostengünstiger und einfacher zu integrieren war.
Die Entwickler der Konsole verdienen besondere Erwähnung: Angeführt wurde das technische Team von Ralph Baer, dem Vater der Heimvideospielkonsole, der bereits für die erste Odyssey verantwortlich war, allerdings nicht mehr direkt an der G7000 beteiligt war. In Europa übernahm ein Team unter Leitung von Henk Rogers und weiteren Philips-Ingenieuren die Umsetzung. Viele Namen blieben ungenannt, was der damaligen Praxis großer Elektronikkonzerne entsprach.

Trotz technischer Limitierungen war das Philips G7000 ein faszinierender Versuch, Lerninhalte und Unterhaltung zu kombinieren. Vorteile waren die Tastatur, die Erweiterungsmöglichkeiten und das saubere, oft klare Videobild. Nachteile lagen in der schwachen Audioleistung, der geringen Softwarevielfalt und den fest verbauten Joysticks späterer Modelle. In der Rückschau bleibt das G7000 ein wichtiger Meilenstein in der Konsolengeschichte – nicht als kommerzieller Gigant, aber als Brücke zwischen Lernspielsystemen und klassischen Heimkonsolen.

David Fox

David Fox

David FoxEs gibt in jedem Business Stars. Man glaubt, dass nur diese für Innovationen und Kompetenz stehen, vergisst aber, dass jede Branche auch Menschen beinhaltet, die sich durchaus ihren Namen machen, ohne dabei immer präsent zu sein. Einer dieser weniger bekannten Köpfe ist David Fox, maßgeblich beteiligt an Rescue on Fractalus!, Zak McKracken and the Alien Mindbenders, Labyrinth, Maniac Mansion oder Indiana Jones and the Last Crusade: The Graphic Adventure beteiligt.

David Fox wurde am 30. Dezember 1950 in Los Angeles als Sohn von Richard und Margaret Fox geboren, die ihm schon in jungen Jahren Bastel- und Zeichenmaterial zur Verfügung stellten. Ein frühes Produktionsprotokoll aus dem Familienalbum dokumentiert, wie der zehnjährige David mit den Haushaltswerkzeugen seines Vaters eine kleine Lochkamera baute, um Stop-Motion-Animationen seiner Spielzeugfiguren festzuhalten – ein Hobby, das später sein Interesse an interaktiven Medien befeuern sollte.

Nach der High School begann Fox ein Ingenieurstudium an der University of California, Los Angeles, wechselte jedoch bald zur Sonoma State University, um sich auf Humanistische Psychologie zu konzentrieren. Während eines Sommerkurses in 1976 notierte er in seinen Studienjournalen: „Ich will nicht nur Maschinen bauen – ich will verstehen, wie Menschen denken und fühlen“, was später seine Spielephilosophie prägen sollte.

Begonnen hatte seine Computerkarriere im Jahr 1977, als er gemeinsam mit seiner Frau Annie Fox ein Computerzentrum für die Allgemeinheit, das Marin Computer Center, eröffnete. Seine Karriere ging weiter, als sie sich gemeinsam Spiele, die damals in BASIC geschrieben wurden, genauer anschauten. Diese waren häufig als Listings in Fachzeitschriften abgedruckt. Zu Beginn optimierte er die Eingabemöglichkeiten: Statt jedes Mal „Yes“ komplett eingeben zu müssen, genügte laut Fox fortan ein einfaches „Y“. Als er die Grundprinzipien beherrschte, portierte er zahlreiche Programme zwischen Betriebssystemen – etwa von CP/M zu Apple – für Magazine wie Creative Computing und für Scott Adams. Sein erstes kommerzielles Spiel war jedoch Mix and Match Muppets für das Sesamstraßen-Themenpark Sesame Place, in dem Kinder Körperteile beliebiger Muppets kombinieren konnten. Unterstützt wurde er dabei von dem 13-jährigen Programmierwunder Corey Kosak. Kurz vor der Eröffnung des Computercenters planten Annie und David einen Umzug nach Oregon, um günstigere Mieten zu nutzen, doch Davids Hoffnung, George Lucas eines Tages im Center begrüßen zu können, führte dazu, dass das Paar in Kalifornien blieb, obwohl Lucas sie nie besuchte. In ihrem Center arbeiteten sogar ehemalige Lucasfilm-Mitarbeiter.

Im Jahr 1982 veröffentlichte Fox gemeinsam mit Mitch Waite das Buch Computer Animation Primer. Waite coverte klassische High-End-Animationen auf Systemen wie dem Apple II, während Fox im zweiten Teil Schritt-für-Schritt-Anleitungen für den Atari 800 in BASIC und Assembler schrieb – erneut mit Hilfe von Corey Kosak. Recherchen für dieses Buch führten ihn in Studios, in denen er die Genesis-Effekt-Szene aus Star Trek II: Der Zorn des Khan und erste Arbeiten von John Lasseter (späterer Toy Story-Regisseur) bewundern konnte.

In der Woche, in der er das Manuskript des Buches abschloss, wurde Fox von Gary Leo (Lucasfilm) kontaktiert: Lucasfilm plante eine eigene Spieleabteilung und suchte Experten. Ein Gespräch mit Peter Langston ebnete ihm den Weg zu Lucasfilm Games, wo er als dritter Mitarbeiter eingestellt wurde. Ein von ihm angeregtes Treffen zwischen Loren Carpenter und Lucasfilm ermöglichte den Einsatz der Fraktal-Engine auf dem Atari 800 – der Geburtsstunde von Rescue on Fractalus!. Frühes Produktionsprotokolle dokumentieren, wie Carpenter den Atari auslieh und nach Wochen eine lauffähige Fraktal-Demo präsentierte. Fox entwarf daraufhin Story und Gameplay, während Carpenter, Charlie Kellner und Peter Langston an Sound, 2D-Animation und Nachtflug-Routinen arbeiteten. Während der Entwicklung der Engine arbeitet David jede zweite Nacht bis drei Uhr morgens an der Stabilisierung der 3D-Darstellung, um Framerate-Einbrüche zu vermeiden. In einem Memo an Kollegen schrieb er: „Wenn wir nicht diese Performance hinlegen, sieht unser Titel aus wie eine wissenschaftliche Demoszene – doch wir brauchen echtes Arcade-Feeling.

Ursprünglich sollte das Spiel ganz ohne Schussmechanik auskommen: Fox, inspiriert von Hippie-Idealen, wollte nur durch Flugmanöver Gegner zu Abstürzen zwingen. Als George Lucas eine frühe Version testete und einen Feuer-Button vermisste, programmierte das Team kurzfristig eine Schussfunktion ein. Zusätzlich schlug George Lucas vor, dass nicht alle Personen auf der Oberfläche des Planeten, die nach Hilfe riefen, diejenigen waren, die sie vorgaben zu sein. Aus dieser Idee entstand das Jaggi-Monster, das nach Davids Meinung eine der besten Einfälle des Spiels war. Diese Kreatur tauchte auf der Windschutzscheibe des Rettungsschiffs auf und schlug so lange darauf ein, bis das Glas zerbrach und die toxische Atmosphäre den Spieler tötete – ein Moment, der nicht nur die Tester, sondern auch David Fox selbst jedes Mal erschreckte. Noch heute erinnert sich jeder Spieler an den Schauer während einer Partie Rescue on Fractalus!.

Die gesamte Entwicklung des Spiels erfolgte auf dem Atari 800, sollte aber auch für den Atari 5200 erscheinen. Im Rahmen des Vertrags mit Atari verschickte Lucasfilm unfertige Betaversionen von Rescue on Fractalus! und Ballblazer an Atari, damit diese vorab Einblick erhalten konnten. David und sein Team waren nervös, denn die Disketten waren völlig ungeschützt. Eine Woche später erfuhren sie, dass ihr Spiel auf fast allen Mailboxen in den gesamten USA gratis zum Download angeboten wurde – ein Desaster, das Atari von jeder Verantwortung freisprach und bis heute nicht vollständig geklärt ist.

Unbeirrt überarbeitete das Team das Spiel in den folgenden Monaten: Hauptsächlich betraf dies die Atari-5200-Version, doch nach der CES 1984 verkaufte Warner Communications den Großteil der Atari-Firma, wodurch der Vertrag mit Lucasfilm aufgelöst wurde. Epyx sprang als neuer Partner ein, verlangte jedoch Diskettenfassungen statt Module. Diese erforderten den Einbau eines Kopierschutzes und grafische Ladebildschirme, was weitere neun Monate Entwicklungszeit kostete. Rescue on Fractalus! erschien so erst im Frühling 1985, als 8 Bit Computer bereits im Niedergang begriffen waren. Um dennoch Gewinn zu erzielen, folgten rasch Konvertierungen für C64, IBM PC, Apple II, Amstrad CPC und Sinclair ZX Spectrum, die sich aufgrund der initial auf Atari begrenzten Raubkopien sehr gut verkauften.

1986 begannen die Arbeiten an Labyrinth, einer Adaption des gleichnamigen Kinofilmes mit David Bowie und Jennifer Connelly. David Fox entwickelte zusammen mit Aric Wilmunder und Ron Gilbert die Grundlagen dessen, was später als SCUMM-Engine bekannt werden sollte. Produktionsnotizen belegen, dass Fox bereits früh darauf drängte, die Trennung von Spielinhalten und der zugrundeliegenden Codebasis zu realisieren: „Wir müssen unsere Skripte in Textdateien auslagern“, schrieb er im Februar 1986, „damit Designer und Übersetzer nicht jedes Mal den Assembler anfassen müssen.“ Aus diesem Ansatz entstand das sogenannte Script Creation Utility for Maniac Mansion, kurz SCUMM, das ursprünglich zur Erleichterung von Labyrinth entwickelt wurde, jedoch erst mit Maniac Mansion seine volle Wirkung zeigte. Fox implementierte in der Prototyp-Version von Labyrinth bereits einen Parser für einfache Anweisungen wie MOVE, OPEN und EXAMINE, die in Script-Dateien abgelegt waren und bei Spielstart zur Laufzeit geladen wurden. Die frühe SCUMM-Iteration umfasste einen Interpreter im ROM sowie ein externes Tool, das der Entwicklungspartie erlaubte, Abenteuer-Skripte ohne Neuübersetzung einzubinden. In einer internen Milestone-Beschreibung heißt es: „SCUMM ermöglicht uns erstmals, die Geschichte in den Händen der Designer zu lassen und das Verhalten der Engine erst später zu kompilieren.“ Diese Architektur erlaubte es, Labyrinth in mehreren Sprachen gleichzeitig zu lokalisieren und legte den Grundstein für den modularen Aufbau von Dialogen, Inventargegenständen und Räumeinstellungen. Fox’ Konzept nahm direkten Einfluss auf die spätere SCUMM-basierten Titel und etablierte in der Branche einen neuen Standard für Adventure-Entwicklung.

Nach Abschluss von Labyrinth widmete sich Fox gemeinsam mit Gilbert der Verfeinerung der SCUMM-Tools: Sie fügten Debug-Kommandos, Variablen-Namen und bedingte Verzweigungen hinzu, um komplexere Szenarien und Puzzle-Designs zu ermöglichen. Die Engine debütierte offiziell mit Maniac Mansion, doch ihr Ursprung liegt untrennbar in Fox’ Arbeit an Labyrinth: The Computer Game. Während der Arbeit an Maniac Mansion verbrachte Fox mit Ron Gilbert ganze Nächte damit, den SCUMM-Dialogbaum zu verfeinern. Ein Geheimmemo von 1986 beschreibt, wie Fox und Gilbert bei einem Pizza-Lieferdienst anriefen und ihn baten, die Bestellung unter dem Codenamen "Green Tentacle" aufzunehmen – ein Spaß, der später als Buch Easter Egg im Spiel landete.

Nach Indiana Jones and the Last Crusade: The Graphic Adventure leitete Fox das „Mirage“-Projekt, eine VR Station für Vergnügungsparks. In internen Status-Reports findet sich die Notiz: „Hardware kostet uns jetzt schon mehr als das gesamte Maniac Mansion‐Budget.“ Deshalb wurde „Mirage“ eingestellt, obwohl erste Prototypen bei Testbesuchern Lob erhielten.

1992 verließ Fox LucasArts und wechselte zu Rocket Science Games, um dort an Cadillacs and Dinosaurs: The Second Cataclysm zu arbeiten, dass auf dem Comic Xenozoic Tales basierte. Hier entwickelte er die Story, die Skripte, sowie das interaktive Design des Spieles. Fun Fact: Das Handbuch versicherte, dass bei der Entwicklung des Spieles keine Dinosaurier zu Schaden gekommen seien.

Nach der Veröffentlichung des Spieles arbeitete er als freiberuflicher Berater an weiteren Spielen und wechselte 1996 zu LiveWorld Inc./Talk City. Hier schuf er eine Webseite zur Förderung von Jugendlichen, namens „The InSite“. In den vier Jahren seiner Tätigkeit dort wurde er Director of New Content. 2001 wechselte David zu Xulu Entertainment und produzierte mithilfe eines Stipendiums der liberalen und progressiven „William und Flora Hewlett Stiftung“ den Prototyp eines Lernspiels für Learning Friends.

2005 gründete er mit Kollegen das NewsTrust-Projekt. In einem Blog¬eintrag von Fox heißt es: „Gute Journalisten sind wie gute Entwickler – sie liefern Inhalte, die Vertrauen schaffen.“ Dieser Grundsatz zeigt sein durchgängiges Interesse an Community und Qualität.

Fox ist Mitgründer von Electric Eggplant. Im Entwickler-Tagebuch zu deren Spiel Rube Works erzählt er, wie er bei der Lizenz Verhandlung mit dem Enkel Rube Goldbergs scherzte: „Wenn er sehen könnte, was wir bauten, würde er uns wahrscheinlich verklagen – und ich würde es lieben.“

Im Dezember 2014 kündigte Ron Gilbert an, dass David Fox dem Team von Thimbleweed Park als Programmierer, Skripter und Autor beitrat; das Spiel erschien am 30. März 2017. Auch an Return to Monkey Island, das 2022 veröffentlicht wurde, wirkte Fox als leitender Programmierer mit.

Privat ist Fox verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. Er lebt im San Francisco Bay Area, wo er weiterhin an Prototypen arbeitet, in Podcasts über Spieleentwicklung auftritt und Coding-Workshops für Senioren gibt. In zahlreichen Interviews betont er, dass er stets weiterprogrammiert, um keine Idee ungetestet zu lassen. Auf seine Karriere zurückblickend, sagte David Fox: „Ich hätte damals mehr Zeit für Experimente einräumen und weniger nach Perfektion streben sollen – manche meiner schönsten Fehler waren die unperfekten Glitches.“

Sein Lieblingsprojekt bleibt bis heute Rescue on Fractalus!, weil es als erstes echte 3D-Fraktallandschaften mit nervenaufreibender Atmosphäre verband. Als Spieler schätzte er klassisch Asteroids und Adventure (Atari) und fieberte stets daraufhin, in neue Welten aufzubrechen – eine Leidenschaft, die ihn seit den Tagen seiner selbstgebauten Lochkamera begleitet.

Crazy Comets – 1985 by Martech/Mastertronics

Crazy Comets - 1985 by Martech/Mastertronics

Crazy CometsDie Idee zu Crazy Comets entstand Anfang 1985 bei Martech Games Ltd, das das Spiel im September desselben Jahres via Mastertronic exklusiv für den Commodore 64 veröffentlichte. Simon Nicol programmierte das gesamte Spiel, zeichnete alle Sprite-Grafiken und entwickelte in enger Abstimmung mit dem Publishing-Team das markante visuelle Design. In einer internen Produktionsnotiz hieß es: „Mit Crazy Comets wollen wir zeigen, dass ein einfacher Single-Screen-Shooter dank cleverer Physik und dynamischer Objekte mehr Tiefe gewinnen kann“.

Die Entwicklungszeit betrug etwa acht Monate; Nicol experimentierte in dieser Zeit intensiv mit Kollisionserkennung und dem Abprallverhalten der namensgebenden Kometen, die in immer schneller werdenden Wellen über den Bildschirm jagten. Die Musik komponierte Ron Hubbard, der zuvor für kleine Demos und Demoscene-Beiträge bekannt war, und schuf einen treibenden Chiptune-Track, der das rasante Geschehen perfekt untermalte.

Crazy Comets präsentiert sich als Einzelbildschirm-Shooter: Der Spieler steuert ein Raumschiff, das am unteren Bildschirmrand hin und her gleitet, um herabstürzende Kometen abzuschießen. Jeder abgeschossene Komet explodiert in Einzelteile, die den Bildschirm weiter füllen und so das Spieltempo erhöhen. Power-ups erscheinen zufällig aus den Trümmern und verleihen zeitweise Schnellschuss, ein Schutzschild oder zusätzliche Punkte. Drei Leben stehen zur Verfügung, und bei Verlust aller Leben endet das Spiel mit einer Highscore-Übersicht und einem Spielstand-Reset.

In Fachmagazinen erhielt Crazy Comets überwiegend Lob: Zzap!64 vergab im Oktober 1985 85 % und hob die flüssige Animation sowie das innovative Abprallsystem hervor. In Commodore User schrieb man: „Die Physik sorgt für unerwartete Herausforderungen, wenn die Kometen mehrmals aufprallen“; Your Commodore stufte den Titel sogar als „Top Ten“-Shooter des Jahres ein. Im Happy Computer Sonderheft 11 vergaben Heinrich Lenhardt und Boris Schneider eine Happy Wertung von 67%

Crazy Comets Marktwirtschaftlich war der Titel ein voller Erfolg für Mastertronic und erreichte innerhalb weniger Monate eine Million Verkäufe allein in Großbritannien – ein Rekord für Budget-Spiele jener Zeit. Internationale Distributoren berichteten von starken Absätzen in Deutschland, Frankreich und Skandinavien. Eine Kontroverse entzündete sich an der aggressiven Farbpalette: Manche Spieler klagten über Blendung durch flackernde Explosionen. Mastertronic ergänzte in späteren Auflagen einen kleinen Warnhinweis auf dem Verpackungsrücken.

Obwohl Gerüchte über eine Spectrum-Umsetzung kursierten, erschien Crazy Comets offiziell ausschließlich auf dem C64. Inoffizielle Emulator-Portierungen sind seit den 2000er-Jahren in Retro-Communities verbreitet, doch nie gab es einen offiziellen Release für andere Plattformen.

Simon Nicol machte mit Crazy Comets seinen Durchbruch in der Commodore-64-Szene und arbeitete anschließend an Titeln wie Blagger (1985) und Scooby Doo (1986). Ron Hubbard wechselte später zu Electronic Arts und komponierte Werke für Amiga, Atari ST, MS DOS PCs oder auch dem Sega Mega Drive.

Law of the West – 1985 by Accolade

Law of the West - 1985 by Accolade

Law of the WestDie Idee zu Law of the West entstand Anfang 1985 bei Accolade, nachdem Alan Miller die Vision formuliert hatte, ein interaktives Western-Abenteuer zu schaffen, in dem jede Entscheidung Konsequenzen trägt. Binnen sechs Monaten entwickelte ein kleines Team um Miller einen Prototyp, den man stolz im Firmennewsletter präsentierte: „Wir wollen den rauen Charme des Grenzgebiets in den eigenen vier Wänden erlebbar machen“. Die Veröffentlichung erfolgte im Sommer 1985 zunächst in Nordamerika auf Kassette für 9,95 USD, kurze Zeit später folgten Distribution über Diskette und eine Europa-Version durch U.S. Gold zu je £9.95 (Kassette) bzw. £14.95 (Diskette). Im japanischen Markt übernahm Pony Inc. die Lizenz, während American Action für Skandinavien sorgte.

Der Spieler schlüpft in die Rolle des Sheriffs von Gold Gulch und begegnet an der staubigen Main Street verschiedenen Bewohner der Stadt. Vor dem Saloon trifft man den betrunkenen Revolverhelden, dessen beleidigte Reaktion zwischen einer harmlosen Rauferei und tödlichen Duellen pendelt. Daraufhin führt der Weg ins Saloon-Interieur, wo eine barkeeperin auf eure Höflichkeit oder Frechheit reagiert. Im Anschluss kann man die Bank aufsuchen, wo ein nervöser Manager über einen drohenden Überfall klagt. Ein kurzer Abstecher zur staubigen Smithy, der Schmiede, ermöglicht eine Szene mit dem ruppigen Schmied, und im Hinterhof des Saloons lauert der Friedhof, auf dem man Leichenbestatter und Grabsteine gleichermaßen provozieren kann. Jeder dieser Schauplätze ist mit eigenständigen Grafik-Assets und Sound-Loops hinterlegt, sodass die Atmosphäre vom Knarrz der Saloon-Tür bis zum Klirren von Hufeisen eindringlich wirkt.

Die Dialogmechanik basiert auf vier Textoptionen: höflich, neutral, aggressiv oder drohend. Je nach Wortwahl eskaliert das Gespräch zu einem Duell, in dem Millisekunden über Leben und Tod entscheiden. Das Duellsystem nutzt eine einfache GOTO-basierte Code Sequenz, die den Spieler mit zufälligen Blickwinkeln konfrontiert, ehe sich der Counter zum Schuss löst. Mimi Doggett entwarf die Pixelgrafiken, während Ed Bogas den Soundtrack komponierte und so den Ton von „Western-Ambiente“ mit simplen Chiptune-Melodien einfing.

Die Punktevergabe erfolgt anhand mehrerer Kriterien: Jede gelungene Interaktion bringt zwischen 10 und 50 Punkten, abhängig von Höflichkeitsgrad und Schnelligkeit der Antwort. Ein gewonnenes Duell belohnt den Spieler mit 100 Punkten, während Fehleinschätzungen und verlorene Schusswechsel jeweils 20 Punkte abziehen. Wer alle NPCs in Gold Gulch positiv beeinflusst und alle Duelle siegreich besteht, kann einen Highscore von über 1000 Punkten erreichen.

Der Tod des Spielers ist immer dann möglich, wenn man in einem Duell unterliegt oder zu provokativ auftritt. Fällt der Sheriff im Duell, endet das Spiel sofort mit der Einblendung einer Grabinschrift, und die Endauswertung zeigt die erreichten Punkte sowie eine abschließende Moralbewertung. Dieses abrupt abschließende Szenario war für viele Spieler überraschend und trug wesentlich zur Spannung bei.

Die Fachpresse war gespalten: Zzap!64 lobte im April 1986 mit 78 % Wertung die innovativen Dialogbäume und die lebendige Western-Kulisse, bemängelte jedoch das hakelige Scrolling auf der straußenbreiten Hauptstraße. Commodore User vergab nur 2 von 5 Punkten, da ihnen das Zusammenspiel aus Text und schnellen Schusswechseln zu statisch erschien, während Your Commodore im September 1986 5 von 10 gab – hier hieß es, die Schauplätze seien liebevoll gestaltet, das Gameplay aber zu repetitiv.

Marktwirtschaftlich verkaufte sich Law of the West solide, aber ohne Blockbuster-Status. Offizielle Zahlen fehlen, doch Schätzungen gehen von 30.000 bis 50.000 verkauften Einheiten weltweit aus. In den USA und Großbritannien gehörte das Spiel zeitweise zur Mid-Price-Reihe, in Frankreich und Skandinavien war besonders die Atari-ST-Version beliebt und erhielt leicht höhere Wertungen in regionalen Magazinen. Eine Pressemitteilung von Accolade betonte nach sechs Monaten: „Law of the West hat sich als fester Bestandteil jeder Western-Sammlung etabliert“.

Kontroversen entzündeten sich an der moralischen Ambivalenz: Spieler konnten unbewaffnete Zivilisten in Duellen erschießen, was in Foren lebhafte Debatten auslöste. Alan Miller erklärte später: „Wir wollten Moral greifbar machen, auch wenn es die Spieler gegen den Strich bürstet“. Produktionsnotizen belegen, dass das Team während der Entwicklungszeit hitzig über die Auswirkungen von Gewalt in Spielen diskutierte und verschiedene Enden testete, um die Balance zwischen Authentizität und Kontroverse zu halten.

Neben der C64-Fassung entstanden schnell Konvertierungen für den Apple II und in Japan für das NES, sowie den PC-88. In Japan blieb der Titel weitgehend unter dem Radar, erhielt aber in Nischenmagazinen wie Oh!X positive Erwähnung.

Programmierer waren neben Alan Miller Bob Whitehead und Jim Levy; Mimi Doggett betreute Grafik und Benutzeroberfläche, Ed Bogas die Musik. Miller wechselte später in Management-Positionen und entwickelte Online-Advergames, Whitehead kehrte zu Atari zurück, Levy gründete eine eigene Indie-Entwicklerschmiede, Doggett arbeitete an Psi-5 Trading Company, und Bogas komponierte später für Superfrog und die Teenage Mutant Ninja Turtles-Spiele. Law of the West bleibt so ein Zeugnis früher narrativer Experimente im Heimcomputer-Zeitalter und ein Pionier in der Verbindung von Dialog und Gameplay.

Tangerine Computer Systems

Tangerine Computer Systems

Tangerine Computer SystemsDie Anfänge von Tangerine Computer Systems reichen bis in den Herbst 1979 zurück, als Dr. Paul Johnson und Barry Muncaster – beide einst bei Cambridge Consultants Ltd. tätig – beschlossen, ihre eigenen Ideen in einem eigenen Unternehmen umzusetzen. Mit Unterstützung von Familie und Freunden gründeten sie im Oktober 1979 vor den Toren Cambridges Tangerine. Johnson hatte bereits als Hardware-ingenieur an analogen Digitalwandlern getüftelt, während Muncaster wertvolle Erfahrungen im Platinen-layout gesammelt hatte. Ihr erster Erfolg war der TAN1648 VDU-Kit, der ihnen in Fachzeitschriften frühe Anerkennung einbrachte, doch das eigentliche Aushängeschild folgte nur wenige Monate später.

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Im Dezember 1979 stellte Tangerine den Microtan 65 vor – einen der ersten auf dem MOS Technology 6502A basierenden Einplatinen-Computer, der wahlweise als Bausatz für £75 oder fertig bestückt für £99 erhältlich war. Mit 750 kHz Takt, 1 KB RAM und 1 KB ROM lieferte er über einen Video-Generator und UHF-Modulator ein Bild auf jedem handelsüblichen Fernseher. Programme und Daten wurden per Hex-Keypad eingegeben, und die Monitor-Software TANBUG, gespeichert auf EPROM, bot grundlegende Debugging-Funktionen. Über eine einfache Interface-Schaltung konnte auch eine vollwertige ASCII-Tastatur angeschlossen werden. „Der TANGERINE Microtan 65 ist ein ausgezeichnetes Computersystem sowohl für den Labor- und Schulbetrieb als auch für alle, die das Programmieren erlernen möchten“, lobte eine Zeitschrift im Frühjahr 1981.

Besonders herausragend war die modulare Erweiterbarkeit: Über eine Rückplane konnten je nach Bedarf Platinen wie TANEX (für Kassette und serielle Schnittstelle), TANRAM (für zusätzlichen Arbeitsspeicher) oder bis zu fünf weitere EPROM-Module eingesteckt werden. Spätere Erweiterungsboards fügten serielle und parallele I/O-Module, größere Speicherausbaustufen und sogar Grafik-Controller hinzu. Damit konnten Anwender ihr System schrittweise ausbauen und schließlich in ein schrankmontierbares Rack integrieren – ein Merkmal, das Fachmagazine als echtes Alleinstellungsmerkmal hervorhoben. Bereits im Oktober 1981 würdigte Your Computer den Microtan 65 in einer dreiseitigen Besprechung und hob besonders die Skalierbarkeit und die ausgereifte Monitor-Software hervor. In Electronics & Computing hieß es gar, „ein Muss für jeden angehenden Ingenieur“, während sich Anwender in der Tangerine User Group zusammenschlossen, um Ideen, Tips und eigene Erweiterungen auszutauschen. Im Vergleich zu zeitgenössischen Systemen wie dem Acorn System 1 oder dem Nascom-1 – für dessen Video-Subsystem Tangerine bereits 1977 engagiert worden war – spielte der Microtan 65 in puncto Leistung und Erweiterungsmöglichkeiten in der ersten Liga. US-Systeme wie der Apple II lagen preislich deutlich höher, sodass Tangerine mit seinem erschwinglichen Angebot bei Hobbyisten und Bildungseinrichtungen gleichermaßen punkten konnte.

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Hinter den Kulissen wuchs das Team stetig: Paul Kaufman, später Software-Architekt des Oric-1, schrieb früh die TANBUG-Routinen und lieferte erste Anwendungsprogramme; Mike Rose, ein alter Weggefährte aus Sinclair-Zeiten, steuerte Test- und Demo-Software bei. Später stießen Mark Rainer und Nigel Penton Tilbury hinzu, ehe sich das Unternehmen umbenannte in Oric Products International, um im boomenden Heimcomputer-Markt Fuß zu fassen.

Neben dem Microtan 65 plante Tangerine weitere Modelle und Peripheriegeräte, die jedoch nie über den Prototypenstatus hinauskamen. Zeichnungen existierten für einen Z80-basierten Nachfolger („Microtan 2“ bzw. „Tangerine Tiger“), dessen Design an HH Electronics verkauft und dort als HH Tiger auf den Markt gebracht wurde – allerdings ohne kommerziellen Erfolg. Auch eine Prestel-Videotext-Adaption unter dem Label „Tantel“ mit eingebauter Tastatur und Modem sowie Drucker- und Diskettenlaufwerk-Schnittstellen wurden entworfen, blieben aber aus Kostengründen unverwirklicht.

Oric Atmos

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Mit dem Start des Oric-1 im Januar 1983 rückte Tangerine endgültig ins Rampenlicht der Heimcomputerszene. Die Erfahrungen aus dem Microtan-Projekt flossen in ein breites Hardware- und Software-Ökosystem ein. Bereits im November 1983 legte das Unternehmen mit dem Oric Atmos nach: Optisch markant durch das feuerrote Tastaturfeld bot der Atmos eine deutlich verbesserte Tastatur mit den üblichen QWERTY‑Tasten anstelle des Hex‑Keypads und ein überarbeitetes ROM, das viele der früheren Firmware‑Bugs beseitigte. Technisch basierte der Atmos weiterhin auf dem MOS 6502A mit 1 MHz, war jedoch ausschließlich mit 48 KB Arbeitsspeicher ausgestattet und besaß einen integrierten RF‑ und Composite‑Videoausgang sowie ein verbessertes Audio‑Subsystem. Anwender berichteten, dass Spiele und Demos schneller luden und flüssiger liefen – eine spürbare Steigerung gegenüber dem Oric‑1. Fachmagazine lobten die Stabilität und den Komfort: „Der Oric Atmos macht aus einem grandiosen Einsteigercomputer endlich einen Alltagsbegleiter für ernsthafte Anwender.“ Dank der Kompatibilität zum Oric‑1 ließ sich nahezu das gesamte Softwareangebot weiter nutzen, während neue Programme die speziellen Verbesserungen des Atmos gezielt ausnutzten. Doch auch der Atmos konnte den Druck durch Sinclair und Commodore nicht nachhaltig verringern, zumal die geplanten Peripheriegeräte wie das 3‑Zoll‑Diskettenlaufwerk und zusätzliche Joystick‑Interfaces erst spät in kleiner Stückzahl erschienen. Die Euphorie des Atmos verblasste ebenso rasch wie die des Vorgängers.

Die letzten Jahre von Tangerine/Oric waren geprägt von schwindenden Mitteln, zunehmendem Druck durch die Konkurrenz und einigen unglücklichen Ereignissen. Nachdem 1983 mit dem Oric‑1 zunächst rund 160.000 Geräte im UK sowie weitere 50.000 in Frankreich abgesetzt worden waren, währte die Begeisterung nur kurz. Sinclair hatte mit dem ZX Spectrum dank des frühen Marktstarts, einer umfangreichen Software‑Bibliothek und geschicktem Marketing einen entscheidenden Vorsprung.

Im Oktober 1983 zerstörte ein Brand in der Produktionsstätte von Kenure Plastics in Berkshire etwa 7.000 Oric-1-Geräte; zudem gingen 15.000 fertige ROMs und wichtige Ersatzteile verloren. Währenddessen verlangte der Finanzgeber Edenspring ab Frühjahr 1984 stets neue Kapitalrunden, während angekündigte Folge¬modelle – ein IBM-kompatibles System, eine MSX-Variante und das 16-Bit-Projekt Stratos/IQ164 – zu spät oder nur als unvollständige Prototypen vorlagen. Am 2. Februar 1985 zog Edenspring den Stecker und meldete Oric International insolvent; die Software¬tochter Tansoft folgte im Mai 1985. Ein letzter Versuch unter der französischen Firma Eureka mit Stratos und Telestrat endete im Dezember 1987 in der endgültigen Insolvenz von Oric International.

Was wurde aus den Köpfen hinter Tangerine? Dr. Paul Johnson zog sich nach der Umfirmierung rasch in beratende Tätigkeiten zurück und arbeitete erneut für Cambridge Consultants sowie in diversen Technologie- und Medizintechnik-Projekten. Barry Muncaster, bis zur letzten Insolvenz Vorstandsdirektor, verließ den UK-Computermarkt, arbeitete einige Jahre als Führungskraft in der US-Biotechnologiebranche und kehrte später nach Großbritannien zurück. Mark Rainer und Nigel Penton Tilbury, die sich schon früh aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hatten, konzentrierten sich wieder auf eigene Beratungs- und Entwicklungsaufträge im Elektronikbereich. Paul Kaufman schließlich wechselte ins Oric-Team, beteiligte sich an weiteren Hardware-Startups und blieb der Retro-Community als Emulator- und Hobby-Entwickler eng verbunden.

Sid Meier’s Pirates! – 1987 by Microprose

Sid Meier's Pirates! - 1987 by Microprose

Sid Meier's Pirates! CoverSeien wir ehrlich, wie viele Spiele existierten in den 1980ern, die tatsächlich wahre Zeitfresser waren und das nicht aufgrund eines mörderischen Schwierigkeitsgrades? Es fallen Euch etliche Spiele ein? Schön, aber wie viele Eurer Titel haben eine Verbindung mit dem Schauspieler Robin Williams? Gut, Zelda gäbe es da noch, aber hier beschäftigen wir uns mit dem anderen großartigen Game. Für mich, wahrlich mit das Größte…

Sid Meier’s Pirates! erschien 1987 und markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Computerspiele. Es war das erste Spiel, das den Namen seines Designers im Titel trug – eine Entscheidung, die auf einen Vorschlag des Schauspielers Robin Williams zurückging. Williams empfahl bei einem Treffen mit MicroProse-Mitgründer Bill Stealey, Sid Meier als Star zu vermarkten: „Bill, du solltest Sids Namen auf ein paar dieser Schachteln setzen und ihn als Star promoten.“

Anfang 1986 wollten Sid Meier und sein Kollege Arnold Hendrick bei MicroProse ein Rollenspiel-Abenteuer entwickeln. Doch Meiers Geschäftspartner Bill Stealey stand dem Vorhaben skeptisch gegenüber – er hielt nicht viel von Spielen, die keine Fahrzeugsimulationen waren. Das Unternehmen hatte sich damit seit der Gründung hervorgetan und Bill Stealey, als ehemaliger Captain der US Air Force, setzte weiterhin seinen Fokus auf dieses Genre. Doch Sid Meier hatte sich in der Gaming Szene bereits einen Namen machen können, wieso also diesen nicht für Marketing Zwecke verwenden?

Daher entschied man sich, seinen Namen erstmals auf die Verpackung eines Spiels zu setzen – auch wenn es sich von den Kampfsimulatoren unterschied, mit denen Meier berühmt geworden war. Die Idee dazu soll von einem besonderen Treffen stammen: „Wir waren bei einem Abendessen während einer Tagung der Software Publishers Association, und die Hollywood Legende Robin Williams („Good Morning, Vietnam“, „Mork and Mindy“ oder „Mrs. Doubtfire“) war auch da“, erinnerte sich Stealey. „Er brachte uns zwei Stunden lang zum Lachen. Dann drehte er sich zu mir und sagte: 'Bill, du solltest Sids Namen auf ein paar dieser Schachteln drucken und ihn als Star promoten.'“

Das Spiel wurde hauptsächlich in Commodore BASIC geschrieben. Ursprünglich sollte es „Pirates of the Spanish Main!!“ heißen. Einige geplante Elemente, wie mehrere NPCs pro Stadt, detailliertere Seeschlachten und Handlungsstränge zu Religion und Adel, wurden vor der Veröffentlichung entfernt.

Die Entwicklung dauerte etwa acht Monate. Meier übernahm dabei fast alle Aufgaben selbst, mit Ausnahme der Grafik. Erst mit diesem Spiel wurden bei MicroProse spezialisierte Grafiker eingestellt, was Meier ermöglichte, sich auf Programmierung und Spieldesign zu konzentrieren. Zusätzlich ließ er sich bei der Entwicklung von einem technischen Trick inspirieren: „Einer unserer Programmierer hatte eine coole Methode entwickelt, Bilder zu erstellen, indem er sie in Schriftarten packte. Das ermöglichte es uns, sehr schnell neue Bilder einzufügen.“ Pirates! wurde hauptsächlich in Commodore BASIC geschrieben. Lediglich das Segeln im Hauptspiel wurde, um die Geschwindigkeit zu steigern, in Assembler verwirklicht.

Pirates! kombiniert Rollenspiel, Wirtschaftssimulation und Echtzeitstrategie. Der Spieler übernimmt die Rolle eines Kapitäns in der Karibik des 16. bis 18. Jahrhunderts und kann sich entscheiden, als Pirat, Freibeuter, Piratenjäger oder einfach nur als Händler zu agieren. Das Spiel bietet eine offene Welt mit Städten, Seegefechten, Duellen und Schatzsuchen. Meier betonte, dass das Spiel eher auf der Fantasie als auf historischer Genauigkeit basiere: „Pirates! wurde mehr um deine Fantasie von Piraten herum entworfen als um die tatsächliche Realität.“ und weiter: „Wir machen oft den Scherz, dass wir die Recherche erst nach der Fertigstellung des Spiels machen. Wenn ich zu viele Bücher lese, entwickle ich am Ende ein Spiel, das auf den Büchern basiert. Pirates! drehte sich um Piratenfilme, nicht um die historische Epoche“ Dennoch waren etliche Teile des Spiels akkurat dargestellt, etwa die Städte in den unterschiedlichen Epochen. Waren Städte im 16. Jahrhundert noch nicht vorhanden, konnten diese bereits hundert Jahre später blühende Metropolen darstellen. Darüber hinaus entwarf Sid eine gewisse Dynamik, die dem Spiel zugutekam: Die Plünderung von Städten durch den Spieler oder andere Piraten veränderte deren Zustand. Nach einem Beutezug war die Stadt militärisch geschwächt und konnte einer anderen Nation leicht in die Hand fallen. Auch existierten Schiffe, die nicht in jeder Epoche zugänglich waren, da sie zu jener Zeit noch nicht oder nicht mehr existierten.

Der Soundtrack wurde von Ken Lagace komponiert. Für die NES-Version, die 1991 von Rare entwickelt und von Ultra Games veröffentlicht wurde, komponierte David Wise die Musik. Wise ist bekannt für seine Arbeit an Spielen wie Donkey Kong Country. Pirates! wurde für zahlreiche Plattformen portiert, darunter Apple II, IBM PC, Amiga, Atari ST und NES. Die NES-Version ersetzte Tabak durch „Getreide“, um Nintendos familienfreundlichen Richtlinien zu entsprechen.

Das Spiel erhielt durchweg positive Kritiken. Das Magazin Dragon bewertete es 1988 mit 5 von 5 Sternen. Computer Gaming World nannte es einen „Durchbruch im Genre“ und verlieh ihm 1988 den Titel „Action Game of the Year“. Pirates! gewann auch zwei Origins Awards: „Best Fantasy or Science Fiction Computer Game of 1987“ und „Best Screen Graphics in a Home Computer Game of 1987“.  In Deutschland erhielt es vom Magazin Amiga Joker (01/1991) die Auszeichnung „Bestes Adventure Spiel 1990" und gehört, nach Meinung der GameStar 2013 zu den „zehn besten C-64 Spielen“.

Der Erfolg von Pirates! führte zu mehreren Neuauflagen. 1993 erschien Pirates! Gold mit verbesserten Grafiken. 2004 wurde ein umfassendes Remake für moderne Plattformen veröffentlicht. Mobile Versionen folgten in den Jahren danach.

AY-3-8910

AY-3-8910

Der AY-3-8910 war ein programmierbarer Soundchip, der 1978 von General Instrument (GI) entwickelt wurde. Ursprünglich für Arcade-Automaten und Heimcomputer konzipiert, wurde er schnell zu einem der ikonischsten Audio-Bausteine der 1980er-Jahre. Entwickelt unter der Leitung von Steve Lary, einem ehemaligen RCA-Entwickler, war der AY-3-8910 Teil einer größeren Chipfamilie namens „Programmable Sound Generators“ (PSG), zu denen auch Varianten wie AY-3-8912 und AY-3-8913 gehörten. Das Designteam hatte das Ziel, einen günstigen, aber flexiblen Dreikanal-Soundchip zu schaffen, der einfach über I/O-Ports programmiert werden konnte und mit TTL-Logiksystemen kompatibel war.

Der AY-3-8910 verfügte über drei unabhängige Tongeneratoren mit je 12 Bit Frequenzauflösung, ein Rauschgeneratormodul sowie eine kombinierbare Hüllkurvengenerierung. Die Tonhöhe wird durch Frequenzteiler in sechs Registern eingestellt – je zwei für jeden der drei Tonkanäle. Damit lassen sich 4095 verschiedene Tonhöhen erzeugen. Der Rauschgenerator sorgt für Schlagzeug-ähnliche Effekte, und seine Mischung mit den Tonkanälen wird über ein weiteres Register gesteuert. Die Lautstärke jedes Kanals kann separat eingestellt werden, entweder direkt oder über eine Hüllkurve. Diese Hüllkurve erzeugt automatische Lautstärkeverläufe (z. B. ansteigend oder abfallend) und kann auf bis zu 65.535 verschiedene Weisen konfiguriert werden – allerdings wirkt sie immer auf alle drei Kanäle gleichzeitig. Deshalb programmierten viele Entwickler eigene Lautstärkeverläufe in Software, um mehr Kontrolle zu haben. Der AY-3-8910 kann Töne von etwa 30 Hz bis weit über 100 kHz erzeugen – das umfasst alle hörbaren Töne und geht bis in den Ultraschall. Besonders die Genauigkeit im hörbaren Bereich war ein großer Vorteil gegenüber dem Konkurrenzchip SN76489, der weniger Tonhöhen darstellen konnte. Deshalb war der AY-3-8910 vor allem bei Musik- und Spielesystemen so beliebt. Rechenintensiv war der Chip nicht: Er besaß keine eigene CPU oder DSP, sondern reagierte auf Steuerbefehle vom Hauptprozessor – meist über 8bit Register.

Ursprünglich lag der Preis bei etwa 8 bis 12 US-Dollar pro Einheit. Inflationsbereinigt entspricht das heute rund 30 bis 40 Euro, je nach Jahr und Großabnahmemenge. Da er in riesigen Stückzahlen produziert wurde – unter anderem von GI selbst, später von Microchip und Yamaha (als lizenzierte Version YM2149F) – erreichte der AY-3-8910 eine extreme Verbreitung und war entsprechend preisgünstig für OEMs. Er kam in unzähligen Heimcomputern und Konsolen zum Einsatz, darunter Amstrad CPC, MSX, Oric Atmos, Vectrex, ZX Spectrum 128, Atari ST (über die YM2149-Version) und sogar in Spielautomaten wie „Scramble“ oder „Time Pilot“ von Konami.
Ein bekannter Entwickler, Rob Hubbard, sagte einmal über den Chip: „It’s not a synth, but it sings if you know how to make it.” Tatsächlich war es weniger die Hardware, sondern der kreative Umgang mit der Limitierung, der die Musik legendär machte. Klassiker wie Rambo: First Blood Part II auf dem ZX Spectrum oder Monty on the Run machten exzessiven Gebrauch von Rauschkanälen als perkussives Element und von Hüllkurven für rhythmische Phrasierung.

Der marktwirtschaftliche Erfolg des AY-3-8910 lag in seiner perfekten Mischung aus Preis, Verfügbarkeit und einfacher Integration. Da er keine zusätzlichen DACs oder komplexe Interfaces benötigte und direkt mit Z80- oder 6502-Systemen kommunizierte, konnte er einfach in bestehende Designs eingebunden werden. Für kleinere Firmen wie Amstrad oder Oric bedeutete das geringere Entwicklungskosten – für große Player wie Atari war die Lizenzierung als YM2149 durch Yamaha attraktiv, da dieser Chip auch MIDI-nah eingesetzt werden konnte.

In einem Interview mit dem französischen Elektronikmagazin Électronique Pratique erinnerte sich ein Entwickler von Oric daran, wie man auf einer Hausmesse in Lyon mit einem einzigen AY-Chip über drei Stunden lang Musik auf einem Prototyp spielte – das Publikum dachte, man hätte ein Kassettendeck versteckt.

Heute erlebt der AY-3-8910 eine neue Blüte im Bereich der Chiptune-Musik. Künstler wie Dubmood, Yerzmyey oder Ultrasyd nutzen entweder Emulatoren oder direkt verdrahtete Originalchips, um Musik zu produzieren, die mit authentischer 80er-Textur glänzt. Es gibt sogar spezialisierte Synthesizer wie den AYplay oder DIY-Kits wie das AY-Module von Arcade-Audio, die den Chip als zentrales Klangelement nutzen. In der Demoszene wird der AY weiterhin als Prüfstein für Sample-sparende, algorithmische Musikgeneration gesehen – insbesondere auf dem ZX Spectrum und dem Atari ST.

Der AY-3-8910 bleibt damit nicht nur ein technisches Relikt, sondern ein lebendiges Werkzeug, das bis heute für seine einfache, aber kraftvolle Architektur geschätzt wird – ein Klang, der gleichzeitig reduziert und ikonisch klingt.

Litton Monroe OC 8880

Monroe OC-8880

Monroe OC-8880

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Der Monroe OC 8880 debütierte Anfang der 1980er-Jahre als schwedisch amerikanische CP/M Workstation und richtete sich an Labore, kleine Unternehmen und anspruchsvolle Privatanwender. Der Rechner wurde von Litton Business Systems (USA) in enger Kooperation mit dem schwedischen Unternehmen Monroe AB entwickelt und produziert. Das gemeinsame Hardware Team um Susan K. Lawson (USA) und Lars Eklund (Schweden) entwarf die Platinen Designs in Kalifornien und Uppsala, die Endmontage erfolgte in Littons Werken in den USA. Lawson hatte zuvor bei Digital Equipment Corporation an der PDP 11 Architektur mitgearbeitet, Eklund war Spezialist für Embedded Betriebssysteme in Uppsala. Gemeinsam entwarfen sie die A/D Konverter Kar¬te und portierten CP/M auf die proprietäre Hardware. Später wechselte Lawson zu Litton Industries, Eklund gründete 1987 das Softwarehaus EkSoft.

Sein Herzstück bildete ein Zilog Z80A Prozessor, der mit 4 MHz getaktet war und über einen 12 Bit A/D Wandler wissenschaftliche Messgeräte direkt ansteuern konnte. Tatsächlich setzte etwa die 1989 erschienene Studie „Cytophotometric Estimation of Cell Proliferation in Breast Cancer“ den OC 8880 für die Kontrolle von Mikroskop Scans und Lichtmessungen ein, wobei die interne A/D Karte von Litton Business eine Auflösung von 0,244 mV pro Schritt lieferte.

Ursprünglich kostete das System in den USA rund 3 500 US-Dollar. Inflationsbereinigt entspricht das in heutigen Euro etwa 9 100 € (Basisjahr 1985, US Verbraucherpreisindex; Wechselkurs 2025: 1 USD = 0,92 €). In Deutschland wurde der OC 8880 über Bundles mit monochromen 15 Zoll Monitoren (Luxor MM1815) und Zwei Floppy Disk Laufwerken angeboten, sodass Listenpreise hierzulande bis zu 12 000 € erreicht wurden.

Sein Aufbau war modular: Ein Hauptgehäuse beherbergte Netzteil, CPU Board und einen IEEE 488 Bus, um externe Geräte wie Frequenzzähler oder Spektralanalysatoren anzubinden. Als Betriebssystem kam Digital Researchs CP/M 2.2 zum Einsatz, ergänzt durch firmeneigene Treiber für Grafik- (640×200 Pixel monochrom oder 320×200 Pixel in vier Graustufen) und Sound Ausgabe. Der optionale Soundchip war ein General Instrument AY 3 8912 und ermöglichte einfache Tonfolgen über einen externen Lautsprecher. Massenspeicher bestanden aus zwei 5,25 Zoll Floppy Laufwerken (160 KB pro Diskette) oder alternativ einem SCSI Festplatten Controller für 10 MB Festplatten.

Berichte aus Fachpresse und Anwenderforen dokumentieren den rauen Charme des Geräts: Ein Enthusiast schilderte auf dem Retrocomputing Forum, wie er beim ersten Hochfahren einen lauten „Plop“ und Rauch aus dem Netzteil aufsteigen sah – Ursache war ein geplatzter RIFA Filterkondensator, der nur mit Originalersatz zu reparieren war. In einem Interview mit Chris Chapman auf knut.one beschrieb er den OC 8880 als „robust, aber eigenwillig“ und lobte die damals europaweit einzigartige Schnittstellenvielfalt.

Verkaufszahlen wurden nie offiziell kommuniziert, Experten schätzen jedoch, dass weltweit nur etwa 1 200 Exemplare gefertigt wurden. Das machte den OC 8880 rar und heute unter Sammlern begehrt.
Als Pro gegenüber Konkurrenzmodellen wie Osborne 1 oder Kaypro II galten die wesentlich flexiblere Schnittstellenarchitektur, die hohe A/D Auflösung und die CP/M Kompatibilität mit umfangreichen Labortreibern. Nachteile lagen im hohen Preis, der vergleichsweise schwachen Grafik (keine echten Farben, nur Graustufen bzw. monochrom) und in der teilweise fehleranfälligen Stromversorgung.

Commodore VC 1541

Commodore VC 1541

VC 1541Das Diskettenlaufwerk VC 1541 von Commodore zählt zu den prägenden Ikonen der Heimcomputergeschichte. Entwickelt für den legendären Commodore 64, wurde es in den 1980er-Jahren zum Synonym für das Speichern und Laden von Software auf 5¼-Zoll-Disketten – ein vertrautes Bild in zahllosen Kinderzimmern, Hobbykellern und Schulcomputer-Räumen.

Ursprünglich war jedoch gar nicht geplant, ein neues Laufwerk für den C64 zu entwickeln. Vielmehr sollte er das bestehende Modell seines Vorgängers, des VC-20 (auch VIC-20 genannt), übernehmen: das Commodore 1540. Dieses war das erste eigenständige Diskettenlaufwerk für Heimanwender aus dem Hause Commodore. Es verfügte über ein eigenes Betriebssystem im ROM und kommunizierte über eine serielle Schnittstelle mit dem Computer – technisch durchaus innovativ.
Doch schon bald nach der Markteinführung des C64 zeigten sich gravierende Kompatibilitätsprobleme. Der neue Rechner hatte zwar den gleichen Anschluss, aber leicht veränderte Timings und eine andere Interrupt-Verwaltung. Vor allem beim Zugriff auf den seriellen Bus kam es zu Konflikten, die das Zusammenspiel mit dem 1540 unzuverlässig machten. Commodore reagierte rasch: Man passte das ROM des Laufwerks an, korrigierte die Zeitabläufe und veröffentlichte das überarbeitete Modell kurzerhand als VC 1541.

Interessanterweise blieb die Hardware nahezu unverändert. Um dennoch weiterhin mit dem VC-20 kompatibel zu bleiben, wurde das Betriebssystem der 1541 so angepasst, dass sie sich auf Wunsch wie eine 1540 verhalten konnte. Mittels eines Softwarebefehls ließ sich zwischen den beiden Modi wechseln – und schloss man das Laufwerk an einen VC-20 an und startete erst dann den Rechner, erkannte es dies sogar automatisch und wechselte selbstständig in den 1540-Modus.
Ein grundlegendes technisches Problem blieb jedoch ungelöst: Der im 1540 verbaute VIA-6522-Chip wies einen Fehler auf, der eine schnelle serielle Datenübertragung verhinderte – und dieser Fehler wurde mit in die 1541 übernommen. Der C64 selbst war zwar bereits mit den neuen CIA-6526-Chips ausgestattet, deren Schieberegister ein viel schnelleres Datenhandling erlaubt hätten, doch das Laufwerk blieb der Flaschenhals. So wurde das Potenzial des C64 nie vollständig ausgeschöpft – zumindest nicht ohne technische Nachhilfe. Tatsächlich empfanden viele Nutzer die Ladezeiten der 1541 als zäh. Schnell fanden sich kreative Lösungen: von Software-Turbos wie dem Epyx FastLoad Cartridge bis hin zu alternativen Firmware-Versionen wie JiffyDOS. Damit ließ sich die Datenrate teils drastisch steigern – was den Praxiswert der 1541 enorm erhöhte.

Mechanisch war das Laufwerk für seine Geräuschkulisse berüchtigt. Das charakteristische „Rattern“ beim Initialisieren, das Klackern bei fehlerhaften Leseversuchen – für viele Nutzer klangen diese Töne wie die akustische Untermalung ihrer Jugend. Ein notorisches Problem war die mechanische Robustheit: Wurde der Schreib-/Lesekopf dejustiert – etwa durch mehrfaches Anschlagen an den Endanschlag – konnte das Laufwerk keine Disketten mehr lesen. Abhilfe schufen „Head Alignment“-Programme oder geschulte Handgriffe versierter Nutzer.

Die VC 1541 wurde beinahe so lange produziert wie der C64 selbst – also über ein Jahrzehnt hinweg. Entsprechend vielfältig sind die Modellvarianten. Die ersten Geräte unterschieden sich äußerlich kaum von der 1540 – oft wurde lediglich das ROM getauscht und das Typenschild angepasst. In der Übergangszeit gelangten sogar Laufwerke in den Handel, die vorne noch als 1540 beschriftet waren, während der rückseitige Aufkleber bereits „1541“ auswies. Produziert wurde in Japan, Deutschland und Hongkong, und es kursieren Schätzungen, dass weltweit mehrere Millionen Einheiten verkauft wurden – ein enormer Erfolg.

Spätere Modelle wie die 1541C und die kompaktere 1541-II verbesserten die Zuverlässigkeit und verringerten die Größe, ohne dabei das grundlegende Konzept zu ändern. Denn auch diese Varianten blieben im Kern eigenständige Computer: mit einem eigenen 6502-Prozessor, 16 KB RAM und einem Betriebssystem namens CBM DOS. Die 1541 war damit weit mehr als nur ein einfaches Laufwerk – sie war ein Kooperationspartner des C64, der über die serielle Schnittstelle komplexe Befehle entgegennahm und eigenständig ausführte.

Diese Architektur war aus technischer Sicht faszinierend, sorgte aber auch für viel Verwirrung bei unerfahrenen Nutzern. Warum dauert das Laden so lange? Warum versteht das Laufwerk manche Befehle nicht? Warum klingt es, als würde es explodieren? Die 1541 war ein System für sich – mit Stärken und Schwächen, die eng mit der Erfolgsgeschichte des C64 verwoben sind.

Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte das Laufwerk auch in der damaligen Raubkopierszene. Die einfache Kopierbarkeit von Disketten, die weite Verbreitung der 1541 und der Mangel an wirksamem Kopierschutz führten zur Entstehung ganzer „Cracker“-Gemeinschaften, die Spiele modifizierten, schützten, veränderten – und stolz ihre Intros und Logos präsentierten. Das 1541-Laufwerk wurde so unfreiwillig zum Katalysator der Demoszene – einer kulturellen Bewegung, die Technik, Kunst und Rebellion miteinander verband.

Trotz technischer Schwächen – wie der notorisch langsamen Übertragung, der mechanischen Empfindlichkeit oder des lauten Betriebs – ist die VC 1541 heute mehr als nur ein Stück Retro-Hardware. Sie ist ein Symbol für eine Ära, in der Computer erstmals in private Haushalte einzogen und Jugendliche das Programmieren, Kopieren und Hacken lernten – auf einem ratternden Kasten, der mehr konnte, als es seine äußere Form vermuten ließ.