Quasar QDP-100: Der CP/M-Rechner mit integriertem EPROM-Brenner

Ende der 1970er begann sich der Markt für S-100-Systeme spürbar zu verändern. Während frühe Rechner wie der Altair 8800 noch stark von Bastlern und Elektronikenthusiasten geprägt waren, versuchten Hersteller zunehmend, daraus professionelle Komplettsysteme für Unternehmen und Entwickler zu formen. Auch Quasar Data Products schlug mit dem QDP-100 genau diesen Weg ein — ein robustes CP/M-System mit integrierter Entwicklungs-Hardware, das deutlich stärker auf Zuverlässigkeit und technische Arbeitsumgebungen ausgelegt war als viele klassische Heimcomputer jener Zeit.

Gegründet wurde Quasar Data Products 1979 in North Olmsted im US-Bundesstaat Ohio von ehemaligen Studenten beziehungsweise Absolventen der Kent State University. Anders als zahlreiche kleinere S-100-Hersteller positionierte sich das Unternehmen nicht primär über niedrige Preise oder maximale Erweiterbarkeit, sondern über Stabilität, professionelle Ausstattung und vollständige Komplettsysteme. Schon zeitgenössische Anzeigen im BYTE Magazine machten deutlich, wohin die Reise gehen sollte. Statt mit typischen Bastlerbegriffen wie „Experimenting“ oder „Expansion“ warb Quasar mit Aussagen wie „Fully Tested“, „Reliable“ oder „Complete — Up & Running“. Der QDP-100 sollte nicht wie ein Elektronikprojekt wirken, sondern wie ein fertiges Arbeitswerkzeug.

Technisch basierte das System auf dem damals weit verbreiteten IEEE-696-kompatiblen S-100-Bus. Im Inneren arbeitete ein Zilog Z80A mit 4 MHz Taktfrequenz, kombiniert mit standardmäßig 64 KB RAM. Zur Ausstattung gehörten zwei doppelseitige 8-Zoll-Diskettenlaufwerke, zwei serielle sowie zwei parallele Schnittstellen und ein monochromes Terminal, das häufig direkt mitgeliefert wurde. Als Betriebssystem kam primär CP/M 2.2 zum Einsatz, zusätzlich unterstützte der Rechner jedoch auch MP/M, wodurch mehrere Benutzer beziehungsweise Terminals parallel arbeiten konnten — Anfang der 1980er noch keineswegs selbstverständlich.

Die eigentliche Besonderheit des Systems lag allerdings an anderer Stelle. Während viele CP/M-Rechner vor allem auf Bürosoftware, Textverarbeitung oder allgemeine Datenverarbeitung zielten, besaß der QDP-100 standardmäßig einen integrierten 2716-EPROM-Programmierer. Genau dieses Detail verlieh dem Rechner eine ungewöhnliche Identität. EPROM-Brenner wurden damals benötigt, um Firmware und Steuerprogramme auf programmierbare Speicherbausteine zu schreiben — etwa für industrielle Steuerungen, Embedded-Systeme, Messhardware oder Terminaltechnik. Normalerweise waren dafür externe Spezialgeräte erforderlich. Quasar integrierte diese Funktion dagegen direkt in das Gesamtsystem.

Dadurch wird auch die eigentliche Zielgruppe des Rechners klarer. Der QDP-100 richtete sich offenbar weniger an klassische Büroanwender als vielmehr an Entwickler, Techniker, Laborumgebungen und industrielle Einrichtungen. Dazu passte auch die übrige Konstruktion. Zeitgenössische Anzeigen erwähnten wiederholt Begriffe wie „burned in“ oder „fully tested“, womit längere Belastungstests vor der Auslieferung gemeint waren. Ziel war es, frühe Hardwareausfälle bereits vor dem Kundeneinsatz zu erkennen. Spätere Beschreibungen berichten zudem von besonders robust aufgebauten Netzteilen mit hochwertigen Filterkomponenten, die unter anderem wegen Einsätzen bei der US Navy verwendet wurden. Gerade militärische und industrielle Kunden legten damals großen Wert auf stabile Stromversorgung und Dauerbetriebssicherheit.

Interessant war außerdem das integrierte Startup-Menü des Systems. Viele CP/M-Rechner jener Zeit starteten direkt in eine Kommandozeile und erwarteten vom Benutzer Kenntnisse über Bootdisketten, Laufwerksparameter oder Terminalinitialisierung. Der QDP-100 ging einen anderen Weg. Beim Einschalten erschien ein eigenes Menüsystem, über das offenbar Systemparameter verändert und Dienstprogramme direkt gestartet werden konnten, ohne sofort komplexe CP/M-Befehle eingeben zu müssen. Heute wirkt das unspektakulär, 1980 war eine derart menügesteuerte Benutzerführung jedoch noch vergleichsweise ungewöhnlich.

Auch äußerlich unterschied sich das System von zahlreichen Konkurrenten. Das schwere Gehäuse mit seinen beiden großen 8-Zoll-Laufwerken wirkte beinahe wie ein kompakter Minicomputer. Einige Varianten besaßen Holzseiten beziehungsweise Holzfurnier — eine Designentscheidung, die Ende der 1970er noch häufiger anzutreffen war, später jedoch nahezu vollständig verschwand. Gleichzeitig brachte das System mehr als 22 Kilogramm auf die Waage und erinnerte damit eher an professionelle Labor- oder Bürohardware als an einen typischen Personal Computer späterer Jahre.

Preislich bewegte sich der QDP-100 ebenfalls klar im professionellen Segment. In den USA lag der Verkaufspreis um 1980 bei rund 4.995 US-Dollar. Laut Computing Today kostete das System 1982 in Großbritannien noch etwa 3.380 Pfund über den Distributor Datatrak in Northampton. Inflationsbereinigt entspricht das heute grob einer Kaufkraft von rund 18.000 bis 20.000 Euro. Zusätzlich bot Quasar optional sogar eine 5-MB-Winchester-Festplatte an — Anfang der 1980er eine ausgesprochen luxuriöse Erweiterung, die den professionellen Anspruch des Systems weiter unterstrich.

Interessant ist auch die spätere Entwicklung des Unternehmens. Bereits 1980 begann Quasar mit dem Übergang zu leistungsfähigeren 16-Bit-Systemen auf Basis des Zilog Z8000. In Anzeigen warb das Unternehmen mit dem Satz „You can have it all … Z-80 OR Z-8000“ und bot teilweise sogar Z80-Emulation an, damit bestehende CP/M-Software weiterhin genutzt werden konnte. Parallel kündigte Quasar bereits UNIX-Unterstützung für die neuen Systeme an — ein deutlicher Hinweis darauf, dass man sich langfristig im professionellen Entwicklungs- und Multiuser-Markt etablieren wollte.

Rückblickend wirkt der QDP-100 dadurch weniger wie ein klassischer Heimcomputer seiner Zeit, sondern eher wie eine kompakte technische Entwicklungsstation. Gerade der integrierte EPROM-Brenner machte das System zu einem Werkzeug für Entwickler und technische Arbeitsumgebungen — ein ungewöhnlicher Ansatz in einer Zeit, in der viele Mikrocomputerhersteller noch versuchten, den Computer überhaupt erst in Büros oder Privathaushalten zu etablieren.

Olympia System BOSS (um 1980): Bürocomputer zwischen Büromaschinen-Tradition und Mikrocomputer-Ära

Olympia System BOSS: professioneller Bürocomputer um 1980, ausgelegt für Textverarbeitung, Verwaltung und Unternehmensanwendungen.

Als sich die deutsche Bürotechnikindustrie um 1980 neu orientieren musste, befand sich auch Olympia in einer Phase tiefgreifender Umbrüche. Der Markt verlangte längst nicht mehr nur zuverlässige Schreibmaschinen oder Rechengeräte, sondern integrierte Informationsverarbeitung direkt am Arbeitsplatz. Computer hielten Einzug in Verwaltungen, Ingenieurbüros und mittelständische Unternehmen – allerdings nicht als experimentelle Technik, sondern als betriebliche Werkzeuge, die Stabilität, Service und langfristige Verfügbarkeit bieten mussten. Olympia, über Jahrzehnte eng mit mechanischer Bürotechnik verbunden, versuchte in dieser Situation, den Übergang zur elektronischen Datenverarbeitung mit Systemlösungen zu gestalten, die sich in bestehende Arbeitsabläufe einfügen konnten, statt sie radikal zu verändern.

Wer sich mit Olympia-Rechnern jener Zeit beschäftigt, stößt dabei rasch auf eine begriffliche Besonderheit. Die Bezeichnung „Boss“ war bei Olympia kein einzelner Modellname, sondern über mehrere Jahre hinweg ein Sammelbegriff für professionelle Datentechniksysteme. Bereits gegen Ende der siebziger Jahre erschienen unter diesem Namen unterschiedliche Rechnerlösungen, die teils auf variierenden Prozessorplattformen beruhten und häufig projektbezogen ausgeliefert wurden. Das hier behandelte Olympia System BOSS gehört zu jener Phase um 1980, in der Olympia versuchte, aus dieser heterogenen Produktlandschaft eine stärker standardisierte Mikrocomputerplattform zu formen. Damit markierte die Serie den Übergang von individuell konfigurierten Datentechniklösungen zu serienmäßigen Arbeitsplatzrechnern innerhalb der Olympia-Palette.

Vor diesem Hintergrund erschien das System BOSS nicht als experimentelles Mikrocomputermodell, sondern als bewusst positioniertes Arbeitsinstrument für Unternehmen, die fertige Lösungen suchten. Olympia verstand den Rechner als integrierten Arbeitsplatz mit Bildschirm, Tastatur, Massenspeicher und branchenspezifischer Software – ein Konzept, das stärker an klassische Bürosysteme erinnerte als an die aufkommenden Heimcomputer jener Jahre. Ziel war nicht, Technik zu demonstrieren, sondern Prozesse zu stabilisieren: Buchhaltung, Textverarbeitung, Datenverwaltung und technische Anwendungen sollten unmittelbar am Arbeitsplatz ausgeführt werden können, ohne dass dafür größere Rechenzentren oder Minicomputer notwendig waren.

Technisch war die BOSS-Serie weniger einheitlich, als es der Serienname zunächst vermuten lässt. In der Praxis sind sowohl Z80-basierte als auch Intel-kompatible Konfigurationen (Intel 8085) dokumentiert, was auf eine heterogene Architektur innerhalb der Serie hinweist. Die Systeme lagen leistungsmäßig im Bereich professioneller Mikrocomputer jener Zeit, führten jedoch dazu, dass Software teilweise für unterschiedliche Plattformen gepflegt werden musste. Der Arbeitsspeicher bewegte sich typischerweise im Bereich der für CP/M-Systeme üblichen Größenordnung von bis zu 64 KB RAM. Die Bildschirmtechnik war klar auf Textarbeit ausgelegt und unterstützte die klassische Darstellung von 80 Zeichen pro Zeile, womit sich der Rechner eindeutig an strukturierten Büroanwendungen orientierte. Grafische Funktionen waren vorhanden, spielten jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Auch die interne Systemstruktur folgte einem modularen Ansatz, bei dem Ein- und Ausgabesteuerung, Massenspeicher und Anzeigeeinheiten klar voneinander getrennt waren – eine Bauweise, die eher an Minicomputerarchitekturen erinnerte als an die hochintegrierten Heimcomputerplatinen der Zeit. Mit seinen rund 31 Kilogramm Lebendgewicht war der BOSS jedenfalls kein Rechner, den man wie einen Apple II oder TRS-80 kurzerhand zu einem Kollegen hinübertrug; wer dies dennoch versuchte, hätte vermutlich weniger die EDV-Infrastruktur erweitert als vielmehr die physikalischen Grenzen seines Fahrrads ausgelotet.

Softwareseitig war das System zweigleisig ausgelegt. Während CP/M als verbreitete Zusatzplattform verfügbar war und Zugriff auf ein breites Angebot vorhandener Programme erlaubte, stellte das in Frankreich entwickelte Betriebssystem Prologue die eigentliche professionelle Systembasis dar. Prologue war stärker auf Mehrplatzumgebungen und Systemhauslösungen ausgerichtet und brachte mit BAL sogar eine eigene BASIC-ähnliche Programmiersprache mit. Diese Struktur zeigt deutlich, dass Olympia den Rechner nicht primär als offenen Mikrocomputer verstand, sondern als Bestandteil größerer EDV-Lösungen, in denen Software, Hardware und Service als Gesamtsystem gedacht waren.

Besonders deutlich zeigte sich Olympias Marktstrategie in der Staffelung der Modellvarianten. Die Geräte unterschieden sich weniger in der Rechenleistung als in ihrer Massenspeicherausstattung und damit in ihrer praktischen Einsatzrolle. Das Modell A stellte die einfachste Konfiguration dar und arbeitete mit Diskettenlaufwerken, geeignet für kleinere Büros mit überschaubarem Datenvolumen. Modell B und C boten größere Diskettenkapazitäten und richteten sich an anspruchsvollere Verwaltungs- und Programmieraufgaben. Erst das Modell D ergänzte die Diskettenlaufwerke um eine Winchester-Festplatte von mehreren Megabyte und war damit eindeutig auf Arbeitsplätze mit kontinuierlichem Datenzugriff ausgelegt, etwa im Rechnungswesen oder in größeren Organisationseinheiten.

Im praktischen Einsatz war das System vor allem für kaufmännische Anwendungen, Textverarbeitung, technische Berechnungen und branchenspezifische Softwarelösungen vorgesehen. Olympia vertrieb den Rechner nicht als isoliertes Gerät, sondern als vollständige Lösung inklusive Softwarepaketen, Installation und Wartung. Diese Vermarktungsstrategie entsprach der Tradition klassischer Büromaschinenhersteller: Der Computer sollte nicht nur funktionieren, sondern als langfristig betreute Infrastrukturkomponente verstanden werden.

Ein Basisgerät der Serie wurde um 1980 für etwa 8000 DM angeboten, wobei vollständig ausgestattete Installationen je nach Ausstattung deutlich höhere Investitionen erfordern konnten. Damit lag das System im Bereich ernsthafter Unternehmensanschaffungen, blieb jedoch unter den Kosten größerer Minicomputeranlagen und war somit als Einstiegslösung für die betriebliche Datenverarbeitung positioniert. Diese Preisstruktur unterstreicht den Charakter des Systems als planbares Arbeitsmittel und nicht als experimentelles Mikrocomputermodell.

Historisch betrachtet steht die Olympia-BOSS-Serie exemplarisch für eine Übergangsphase der frühen Mikrocomputerära. Während Heimcomputer gerade begannen, neue Märkte zu erschließen, richteten sich Systeme wie dieses an konservative Unternehmensstrukturen, die Planungssicherheit höher gewichteten als technische Experimentierfreude. Der Rechner war damit weniger Symbol eines digitalen Aufbruchs als Ausdruck einer evolutionären Entwicklung, in der bestehende Bürotraditionen Schritt für Schritt in elektronische Arbeitsweisen überführt wurden. So erscheint das System BOSS heute als Bindeglied zwischen zwei Welten: auf der einen Seite die mechanische Büromaschinenkultur, aus der Olympia hervorgegangen war; auf der anderen die kommende PC-Ära, in der standardisierte Personal Computer den Markt dominieren sollten.