Police Quest 1: In pursuit of the Death Angel

Police Quest 1: In pursuit of the Death Angel

Zum Ende der 1980er und zum Beginn der 1990er war das Wort „Quest“ scheinbar ein eingetragenes Markenzeichen des Spieleherstellers Sierra Online. King's Quest, Space Quest, Quest for Glory, Hero’s Quest, The Colonels BeQUEST, ConQUESTS of Camelot oder EcoQuest seien da nur als Beispiele genannt. Hinzu kam ab 1987 Police Quest, dass dem gewöhnlichen Polizisten Sonny Bonds in seinem Arbeitsalltag auf den Straßen Lyttons im Bundesstaat Kalifornien folgt. Im Zuge des Abenteuers lernt der Spieler nicht nur typischen Alltag eines Polizisten kennen, sondern auch das Handbuch anzubeten. Dieses sollte man sich unbedingt vor Spielbeginn zu Gemüte gezogen und die Hinweise zu Eigen gemacht haben, sonst ist ein vorzeitiges Game Over unvermeidlich.

Sierra Präsident Ken Williams hatte die Idee einer „Polizei Saga“ und suchte hierfür einen Polizisten als technischen Berater, um die Authentizität und den Realismus zu gewährleisten. Donna Walls, Jims Ehefrau, arbeitete zu dieser Zeit als Frisörin und stellte ihm eines Tages Sierras Präsidenten Ken Williams vor, der für einen Haarschnitt bei Donna vorbeischaute. Schon nach kurzer Zeit wechselten die Gesprächsthemen und führte zu einer Partie Racquetball und später zu seinem neuen Job als Gamedesigner. Da Jim selbst keine Erfahrungen in diesem Bereich vorweisen konnte, halfen ihm namhafte Kollegen, beispielsweise Roberta Williams, Al Lowe, Mark Crowe oder Scott Murphy. Jim selbst sagte: „Als ich mich das erste Mal vor einen Computer setzte, um mit der Design-Geschichte des ursprünglichen Police Quest zu beginnen, musste man mir zeigen, wo der An-/Ausschalter war. Ich tippte die gesamte Geschichte mit zwei Fingern (schließlich bestand meine einzige Fähigkeit damals darin, Leute zu jagen und ins Gefängnis zu werfen).“ In der Regel enthalten Jim Walls Spiele auch Szenarien, die er selbst erlebt hatte.

In den ersten zwei Jahren nach der Veröffentlichung konnte Sierra 200.000 Einheiten verkaufen. Die gesamte Reihe, inklusive der späteren Police Quest SWAT Reihe, verkaufte sich bis 1996 1,2 Millionen Mal. Konvertierungen des ersten Teiles entstanden für Amiga, Atari ST, Apple II, Apple IIgs und Mac. Laut der deutschen Games Zeitschrift ASM (7/88) existierte auch eine Fassung für den C64, die allerdings nicht veröffentlicht wurde. Jim Walls, sowie Al Lowe, war diese Information bis vor wenigen Jahren neu. Möglicherweise war dies nur eine inoffizielle Konvertierung oder aber einfach nur Vaporware.

Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards – 1987 by Sierra On-Line

Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards

Wer in den 80er-Jahren bereits begann, seine Augen vor dem Computerbildschirm zu strapazieren, kannte ihn und seine seichten Abenteuer im Land der schlüpfrigen Zoten. Und auch als Loser war er für viele ein Held, hatte er doch schließlich mehr Erfahrungen gemacht, als wir uns zu dieser Zeit vorstellen konnten. Die Rede ist natürlich von Larry Laffer in Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards, das 1987 von Sierra On-Line veröffentlicht wurde. Entwickelt von Al Lowe war das Spiel nicht nur ein kommerzieller Erfolg, sondern auch ein kulturelles Phänomen, das die Grenzen dessen auslotete, was Videospiele darstellen konnten. Die Entstehung des Spiels war geprägt von einer Mischung aus kreativen Risiken und technischen Herausforderungen, die letztlich zu einem der bekanntesten Franchises der Computerspielgeschichte führten.

Al Lowe, ein ehemaliger Musiklehrer, der bei Sierra als Entwickler humorvoller Spiele tätig war, wurde von Sierra-CEO Ken Williams mit der Aufgabe betraut, das Konzept eines wenig erfolgreichen Textadventures namens Softporn Adventure aus dem Jahr 1981 neu zu interpretieren. Williams erkannte das Potenzial, ein humoristisches Spiel zu schaffen, das erwachsenere Themen anspricht, dabei jedoch charmant und satirisch bleibt. „Ich wollte etwas machen, das Leute zum Lachen bringt, aber ohne geschmacklos zu sein“, erinnerte sich Lowe in einem Interview. Die Herausforderung bestand darin, die Themen auf eine Weise zu präsentieren, die sowohl ansprechend als auch gesellschaftlich akzeptabel war.

Das Spiel erzählt die Geschichte von Larry Laffer, einem liebenswerten, aber tollpatschigen Mann mittleren Alters, der in der fiktiven Stadt Lost Wages auf der Suche nach Liebe ist. Spieler führen Larry durch eine Reihe von humorvollen und oft absurden Situationen, die von missglückten Dating-Versuchen bis hin zu peinlichen Momenten in Bars reichen. Ein wesentlicher Bestandteil des Spiels war der damals innovative Einsatz von Grafik, Sound und einem Point-and-Click-Interface, das es von textbasierten Adventures abhob. Lowe kommentierte: „Wir wollten, dass das Spiel zugänglicher ist, besonders für Leute, die noch nie ein Adventure gespielt hatten.

Die Entwicklung von Leisure Suit Larry verlief jedoch nicht ohne Kontroversen. Sierra musste sich mit der Zensurproblematik auseinandersetzen, da das Spiel für seine Zeit gewagte Inhalte präsentierte. Um dies zu entschärfen, wurde ein Quiz eingebaut, das Spieler beantworten mussten, bevor sie das Spiel starten konnten. Dieses Quiz sollte sicherstellen, dass nur Erwachsene Zugang erhielten, obwohl es eher humorvoll als wirklich restriktiv war. Die humorvolle Darstellung von Larrys Abenteuern und die oft absurde Natur seiner Missgeschicke halfen dem Spiel, eine breite Zielgruppe anzusprechen, von der viele es als Satire auf die Dating-Kultur der 1980er-Jahre ansahen.

Trotz eines schleppenden Starts entwickelte sich das Spiel zu einem Überraschungserfolg. Innerhalb eines Jahres wurden mehr als 250.000 Exemplare verkauft, eine beeindruckende Zahl für ein Nischengenre. Der Erfolg führte dazu, dass das Spiel auf zahlreiche andere Plattformen wie Amiga, Apple II, Commodore 64 und MS-DOS portiert wurde. Jede Version brachte technische Verbesserungen oder Anpassungen mit sich, um die spezifischen Hardwarekapazitäten zu nutzen. Die Amiga-Version beispielsweise bot verbesserte Grafiken und Soundeffekte, die das Spielerlebnis weiter bereicherten.

Die kulturelle Relevanz von Leisure Suit Larry liegt nicht nur in seiner humorvollen Darstellung erwachsener Themen, sondern auch in seinem Einfluss auf die Entwicklung von Abenteuerspielen. Es zeigte, dass Spiele nicht nur ernsthaft oder actiongeladen sein müssen, sondern auch Humor und Storytelling erfolgreich integrieren können. Lowe selbst kommentierte: „Es war unglaublich zu sehen, wie viele Leute sich mit Larry identifizieren konnten. Er war das perfekte Beispiel für einen Antihelden – jemand, der immer versuchte, sein Bestes zu geben, aber dabei ständig scheiterte.

Die Popularität des Spiels führte zu einer Reihe von Fortsetzungen, die das Franchise über Jahrzehnte hinweg relevant hielten. Jedes neue Spiel baute auf dem Fundament des Originals auf, mit verbesserter Grafik, ausgefeilterem Gameplay und einer Weiterentwicklung von Larrys Charakter. Die Qualität und der Humor versandeten jedoch fortlaufend ab dem dritten Teil. Doch Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards bleibt ein Klassiker, der nicht nur die Grundlage für eines der langlebigsten Franchises der Videospielgeschichte schuf, sondern auch die Grenzen dessen, was ein Computerspiel sein kann, neu definierte.