Full Throttle – 1995 by Lucas Arts

Full Throttle - 1995 by Lucas Arts

Lucasfilm Games bzw. LucasArts‘s Adventures wurden vor Veröffentlichung von der Videospiel-Presse und den Spielern heiß ersehnt und hoch gelobt, ein Umsatzplus waren die Spieler kurioserweise häufig nicht. Erst kürzlich sagte Ron Gilbert, einer der Schöpfer des Adventures „The Secret of Monkey Island“, es verkaufte sich gut, war aber nie ein großer Erfolg. Er selbst sagte dazu, dass zu dieser Zeit ein paar Hunderttausend verkaufte Spiele bereits ein Volltreffer gewesen wären.

Auch der Tentakeltag aka Day of the Tentacle 1993 war finanziell ein Dämpfer, bis 2009 (!) verkaufte sich das Spiel lediglich 80.000-mal, obwohl es mit Auszeichnungen überhäuft wurde. Der Adventure Markt schien allmählich seinem Ende entgegenzutreten, der Markttrend lief Richtung 3D Shooter und Strategie. Doch LucasArts gab nicht auf und setzte mit Rebel Assault großartige, filmreife Action für das CD-Rom Laufwerk in Szene und wollte das Genre Adventures nicht fallen lassen, sondern wiederbeleben. Für das nächste Projekt wurden Tim Schafer und Dave Grossman beauftragt ein Spieldesign auszuarbeiten. Tim hatte, gemeinsam mit Dave, bereits Erfahrungen als Co-Autor mit Monkey Island 1 & 2, sowie als Co-Produzent bei „Day of the Tentacle“ sammeln können und war entschlossen ein Projekt solo stemmen zu können. Später sagte er dazu, dass er das kommende Spiel allein mit etwa 30 anderen Leuten gemacht habe, was im Übrigen eine erstaunliche Anzahl an Leuten war, wenn man bedenkt, dass frühere Adventures aus dem Hause LucasFilm Games, nur mit etwas mehr als einer Handvoll Mitarbeitern gestemmt wurden.

Bereits im Sommer 1993 reichte er fünf verschiedene Designkonzepte ein, darunter ein im Spionagebereich angesiedeltes Adventure, sowie ein Konzept, dass später mit Grim Fandango verwirklicht wurde. Ein dritter Entwurf war ein „Biker-Spiel“, das spätere „Full Throttle“, zu Deutsch „Vollgas“. Der Name war Programm! Die Idee kam Schafer, als er Geschichten eines Mannes hörte, der von seiner Zeit in einer Biker-Bar in Alaska berichtete. Für ihn waren Biker vergleichbar mit Piraten, eine andere Kultur, zu der nur wenige eine Verbindung hätten. Seiner Meinung nach war es auch eine Alternative zu den bisherigen Settings. LucasArts Führung war von dem Projekt jedoch wenig angetan, besonders eine Sequenz aus dem Spiel, die in einem halluzinogenen Trip angesiedelt war, stieß dem Unternehmen hart auf und Schafer musste das Konzept ein wenig nachmodellieren.
Das Konzept kombinierte er mit einem Setting aus der nahenden, trostlosen Zukunft. Der letzte inländische Motorradhersteller des Landes ist Corley Motors, zufällig der Hersteller des Motorrades unseres Hauptprotagonisten Ben, Anführer der Polecats. Diesem wird schon nach kurzer Zeit der Mord am Gründer des besagten Unternehmens vorgeworfen. Sein Ziel ist klar, die Kutte muss reingewaschen und der Mord aufgeklärt werden.

LucasArts schöpfte aus dem Vollen und stellte ein Budget von 1,5 Millionen Dollar zur Verfügung. Als Unterbau diente erneut die bewährte, jedoch modernisierte SCUMM (Script Creation Utility for Maniac Mansion) Engine, die diesmal Schützenhilfe durch INSANE (INteractive Streaming ANimation Engine) hatte, die zuvor eigens für Star Wars: Rebel Assault entwickelt worden war. Auch akustisch hatte der Titel einiges zu bieten: für das Spiel wurden Songs der, in San Francisco beheimateten, Rockformation The Gone Jackals aus dem Album „Bone to Pick“ lizensiert. Diese, und die hervorragende Synchronisierung durch Roy Conrad (Ben), Mark Hamill (Ripburger), Hamilton Camp (Corley) und vielen andere, intensivierten das „Mittendrin-statt-nur-dabei“ Gefühl.

Das Spiel wurde am 30. April 1995 veröffentlich und die Rezensionen waren sich meist einig, den Adventureprofis aus Kalifornien war es erneut gelungen einen Klassiker zu schaffen. Einzig die Rätseldichte und die Kürze des Titels wurde angekreidet. Die Power Play vergab eine Wertung von 88% und damit die Auszeichnung „Besonders empfehlenswert“. Der PC Joker prämierte das Werk mit 83%. Bemerkenswert ist dabei das Abschneiden in der PC Games, die dem Spiel eine Spielspaßwertung von lediglich 73% attestierten, aufgrund der zuvor genannten Kritikpunkte.
Auch für LucasArts hatte sich die Produktion gelohnt: das Unternehmen hatte sich als Ziel 100.000 verkaufte Einheiten gesetzt. Insgesamt konnte das Spiel jedoch mehr als eine Million Käufer begeistern.

Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards – 1987 by Sierra On-Line

Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards

Wer in den 80er-Jahren bereits begann, seine Augen vor dem Computerbildschirm zu strapazieren, kannte ihn und seine seichten Abenteuer im Land der schlüpfrigen Zoten. Und auch als Loser war er für viele ein Held, hatte er doch schließlich mehr Erfahrungen gemacht, als wir uns zu dieser Zeit vorstellen konnten. Die Rede ist natürlich von Larry Laffer in Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards, das 1987 von Sierra On-Line veröffentlicht wurde. Entwickelt von Al Lowe war das Spiel nicht nur ein kommerzieller Erfolg, sondern auch ein kulturelles Phänomen, das die Grenzen dessen auslotete, was Videospiele darstellen konnten. Die Entstehung des Spiels war geprägt von einer Mischung aus kreativen Risiken und technischen Herausforderungen, die letztlich zu einem der bekanntesten Franchises der Computerspielgeschichte führten.

Al Lowe, ein ehemaliger Musiklehrer, der bei Sierra als Entwickler humorvoller Spiele tätig war, wurde von Sierra-CEO Ken Williams mit der Aufgabe betraut, das Konzept eines wenig erfolgreichen Textadventures namens Softporn Adventure aus dem Jahr 1981 neu zu interpretieren. Williams erkannte das Potenzial, ein humoristisches Spiel zu schaffen, das erwachsenere Themen anspricht, dabei jedoch charmant und satirisch bleibt. „Ich wollte etwas machen, das Leute zum Lachen bringt, aber ohne geschmacklos zu sein“, erinnerte sich Lowe in einem Interview. Die Herausforderung bestand darin, die Themen auf eine Weise zu präsentieren, die sowohl ansprechend als auch gesellschaftlich akzeptabel war.

Das Spiel erzählt die Geschichte von Larry Laffer, einem liebenswerten, aber tollpatschigen Mann mittleren Alters, der in der fiktiven Stadt Lost Wages auf der Suche nach Liebe ist. Spieler führen Larry durch eine Reihe von humorvollen und oft absurden Situationen, die von missglückten Dating-Versuchen bis hin zu peinlichen Momenten in Bars reichen. Ein wesentlicher Bestandteil des Spiels war der damals innovative Einsatz von Grafik, Sound und einem Point-and-Click-Interface, das es von textbasierten Adventures abhob. Lowe kommentierte: „Wir wollten, dass das Spiel zugänglicher ist, besonders für Leute, die noch nie ein Adventure gespielt hatten.

Die Entwicklung von Leisure Suit Larry verlief jedoch nicht ohne Kontroversen. Sierra musste sich mit der Zensurproblematik auseinandersetzen, da das Spiel für seine Zeit gewagte Inhalte präsentierte. Um dies zu entschärfen, wurde ein Quiz eingebaut, das Spieler beantworten mussten, bevor sie das Spiel starten konnten. Dieses Quiz sollte sicherstellen, dass nur Erwachsene Zugang erhielten, obwohl es eher humorvoll als wirklich restriktiv war. Die humorvolle Darstellung von Larrys Abenteuern und die oft absurde Natur seiner Missgeschicke halfen dem Spiel, eine breite Zielgruppe anzusprechen, von der viele es als Satire auf die Dating-Kultur der 1980er-Jahre ansahen.

Trotz eines schleppenden Starts entwickelte sich das Spiel zu einem Überraschungserfolg. Innerhalb eines Jahres wurden mehr als 250.000 Exemplare verkauft, eine beeindruckende Zahl für ein Nischengenre. Der Erfolg führte dazu, dass das Spiel auf zahlreiche andere Plattformen wie Amiga, Apple II, Commodore 64 und MS-DOS portiert wurde. Jede Version brachte technische Verbesserungen oder Anpassungen mit sich, um die spezifischen Hardwarekapazitäten zu nutzen. Die Amiga-Version beispielsweise bot verbesserte Grafiken und Soundeffekte, die das Spielerlebnis weiter bereicherten.

Die kulturelle Relevanz von Leisure Suit Larry liegt nicht nur in seiner humorvollen Darstellung erwachsener Themen, sondern auch in seinem Einfluss auf die Entwicklung von Abenteuerspielen. Es zeigte, dass Spiele nicht nur ernsthaft oder actiongeladen sein müssen, sondern auch Humor und Storytelling erfolgreich integrieren können. Lowe selbst kommentierte: „Es war unglaublich zu sehen, wie viele Leute sich mit Larry identifizieren konnten. Er war das perfekte Beispiel für einen Antihelden – jemand, der immer versuchte, sein Bestes zu geben, aber dabei ständig scheiterte.

Die Popularität des Spiels führte zu einer Reihe von Fortsetzungen, die das Franchise über Jahrzehnte hinweg relevant hielten. Jedes neue Spiel baute auf dem Fundament des Originals auf, mit verbesserter Grafik, ausgefeilterem Gameplay und einer Weiterentwicklung von Larrys Charakter. Die Qualität und der Humor versandeten jedoch fortlaufend ab dem dritten Teil. Doch Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards bleibt ein Klassiker, der nicht nur die Grundlage für eines der langlebigsten Franchises der Videospielgeschichte schuf, sondern auch die Grenzen dessen, was ein Computerspiel sein kann, neu definierte.

Legend of Kyrandia – 1992 by Westwood Studios

Legend of Kyrandia - 1992 by Westwood Studios

Legend of Kyrandia ist ein ikonisches Adventure-Spiel, das 1992 von Westwood Studios veröffentlicht wurde und bis heute als Meilenstein des Point-and-Click-Genres gilt. Bekannt für seine beeindruckenden Grafiken, seinen humorvollen Ton und eine zugängliche Benutzeroberfläche, war Legend of Kyrandia der Beginn einer erfolgreichen Trilogie. Doch die Entstehungsgeschichte und die Arbeit der Entwickler hinter den Kulissen sind ebenso faszinierend wie das Spiel selbst.

Die Idee zu Legend of Kyrandia entstand aus dem Wunsch von Westwood Studios, ein Adventure-Spiel zu entwickeln, das sich durch eine reichhaltige Fantasy-Welt und eine intuitive Benutzeroberfläche auszeichnet. Vorherige Adventure-Spiele setzten oft auf komplexe Textbefehle oder unhandliche Menüs. Westwood wollte diese Barrieren überwinden und ein Spielerlebnis schaffen, das für jeden zugänglich war. „Wir wollten ein Spiel, das sich anfühlte, als würde man ein interaktives Märchenbuch lesen“, erklärte Louis Castle, Mitbegründer von Westwood Studios, in einem Interview.

Das Entwicklungsteam investierte viel Zeit in die Erschaffung der Welt von Kyrandia. Die handgezeichneten Hintergründe, die dynamischen Animationen und die sorgfältig komponierte Musik wurden von Kritikern und Spielern gleichermaßen gelobt. Castle erinnerte sich: „Wir wollten, dass die Spieler in diese Welt eintauchen und sich fühlen, als wären sie wirklich dort. Jedes Detail, von den leuchtenden Farben bis hin zu den subtilen Klangeffekten, sollte dazu beitragen.“ Ein Teil der Entwicklung ist besonders bemerkenswert: Die ursprüngliche Handlung des Spiels war weitaus düsterer und sollte sich stärker auf politische Intrigen in der magischen Welt konzentrieren. Doch als das Team mit dem Testen begann, stellten sie fest, dass die Spieler mehr Humor und leichtere Momente schätzten. Der Charakter Zanthia, die charmante Alchemistin, wurde ursprünglich nur als Nebenfigur eingeführt, doch ihre Popularität bei den Testern führte dazu, dass sie in den späteren Teilen der Serie eine Hauptrolle übernahm.

Die Geschichte von Legend of Kyrandia dreht sich um Brandon, den jungen Erben des magischen Reiches Kyrandia, der gegen den bösen Hofnarren Malcolm antreten muss. Malcolm, eine der denkwürdigsten Figuren des Spiels, wurde mit einem Mix aus Bedrohlichkeit und Humor gestaltet, was ihn zu einem einzigartigen Antagonisten machte. „Wir wollten, dass Malcolm mehrdimensional ist – nicht nur böse, sondern auch jemand, dessen Witz die Spieler genießen können“, erklärte Rick Gush, der Autor des Spiels.

Das Spiel zeichnete sich durch seine benutzerfreundliche Steuerung aus, die das klassische Verb-Menü von Adventures durch ein Kontextsystem ersetzte: Spieler konnten Objekte einfach anklicken und interagieren, ohne komplexe Befehle einzugeben. Diese Simplizität war ein großer Schritt nach vorn und beeinflusste viele nachfolgende Spiele des Genres.

Legend of Kyrandia war ein kommerzieller Erfolg und verkaufte sich in den ersten Monaten nach Veröffentlichung über 250.000 Mal – eine beachtliche Leistung für ein Adventure-Spiel in dieser Zeit. Es wurde auf mehrere Plattformen portiert, darunter MS-DOS, Amiga und später sogar CD-ROM-Versionen mit erweiterten Sprachausgaben. Der Erfolg des ersten Teils führte zu zwei Fortsetzungen: The Legend of Kyrandia: The Hand of Fate (1993) und The Legend of Kyrandia: Malcolm's Revenge (1994).

Das Spiel bleibt ein Klassiker, der für seine Ästhetik, seinen Humor und seine innovative Benutzerfreundlichkeit gefeiert wird. „Ich denke, das Wichtigste an Kyrandia war, dass wir versucht haben, etwas Schönes zu schaffen“, sagte Louis Castle abschließend. „Und ich glaube, das hat das Spiel für viele Spieler unvergesslich gemacht.

The Faery Tale Adventure – 1987 by Microillusions

The Faery Tale Adventure

„The Faery Tale Adventure“ wurde 1987 von MicroIllusions für den Commodore 64Amiga und MS-DOS veröffentlicht. Es ist ein Action-Adventure-Rollenspiel, das den Spieler in eine offene Fantasy-Welt eintauchen lässt. Das Spiel kombiniert Erkundung, Kämpfe und Rätsel mit Rollenspiel-Elementen und wurde als eines der ersten Spiele seiner Art gesehen.
Entwickelt wurde das Spiel von David Joiner und seinem Team bei MicroIllusions. Die Idee war, eine offene Welt zu erschaffen, die den Spielern viel Freiheit bei der Erkundung und bei Quests bietet. Joiner orientierte sich an Rollenspielen wie „Ultima“ und „Zelda“, wobei er die Hardwarebeschränkungen des Commodore 64 und Amiga kreativ nutzte, um eine dichte Welt mit über 100 verschiedenen Orten und 17.000 Screens zu schaffen.
Das Spiel bietet eine riesige, offene Welt, die der Spieler in beliebiger Reihenfolge erkunden kann. Der Charakter wird durch Kämpfe, Quests und das Sammeln von Erfahrungspunkten stärker. Das Echtzeitkampfsystem erfordert strategisches Denken und der Spieler kann verschiedene Waffen und Zauber einsetzen. Rätsel und Interaktionen mit NPCs erweitern das Gameplay. Wichtige Entscheidungen beeinflussen den Verlauf der Geschichte und das Ende des Spiels.
Kritiker lobten die audio-visuelle Aufmachung, vor allem das Intro konnte so manchen Nutzer schwer beeindrucken, der Tiefgang des Spieles lässt jedoch zu wünschen übrig. Der Spielbeginn konnte zudem nur mit einer Schlüsselkomponente gemeistert werden (oder ich war kognitiv zu limitiert): Glück.
Zu Sterben war hier üblich, ja, schon fast eine gepflegte Tradition, die nur dazu führte, dass ich nach mehreren Versuchen den Joystick achtlos in die Ecke warf. Spieler, die länger am Ball blieben, berichteten von einer Umkehr der Verhältnisse, sobald dem Held bessere Waffen in die Hände fielen.
David Joiner, der Entwicklungschef des Titels, blieb der Szene treu und. 2003 übernahm er die technische Entwicklung von SimCity 4: Rush Hour und war zudem für Die Sims 2: Ultimate Collection verantwortlich.