Atari 800XE

Atari 800XE

atari 800xeDer Atari 800XE erschien 1987 als Teil der XL/XE-Serie und markierte das letzte Kapitel in der langen Geschichte der 8-Bit-Heimcomputer von Atari. Mit seinem schlichten, eckigen Gehäuse in hellgrauer Farbe und einer Tastatur, die optisch stark an die Atari-ST-Reihe erinnerte, sollte der 800XE nicht nur technisch, sondern auch optisch den Anschluss an die Moderne schaffen. Hinter dem nüchternen Äußeren versteckte sich jedoch altbewährte Technik: Im Kern arbeitete derselbe MOS 6502-basierte 8-Bit-Prozessor, der Atari-Heimcomputer bereits seit 1979 antrieb – allerdings in einer Variante namens Sally, die speziell für die Atari-Architektur optimiert wurde. Der Prozessor lief mit etwa 1,77 MHz Taktfrequenz im PAL-Modus, was für damalige Verhältnisse zwar nicht überragend schnell, aber durch den Coprozessor-Ansatz von Atari immer noch konkurrenzfähig war. Der 800XE war technisch nahezu identisch mit dem 65XE – einem direkten Nachfolger des 800XL – und verfügte über 64 KB RAM. Die Grafik wurde vom ANTIC- und GTIA-Chipsatz gesteuert, der zusammen eine erstaunlich flexible Anzeige ermöglichte: bis zu 320×192 Pixel Auflösung, bis zu 16 Farben gleichzeitig, aus einer Palette von 256 Farben mit verschiedenen Helligkeitsabstufungen. Dank der Player/Missile Graphics, Ataris Begriff für hardwaregestützte Sprites, waren flüssige Animationen und Kollisionserkennung möglich, ohne dass die Haupt-CPU allzu stark belastet wurde. Für den Sound sorgte der POKEY-Chip, der vierstimmige digitale Klangerzeugung, Tastaturabfrage, serielle Kommunikation und sogar Zufallsgenerierung in sich vereinte – ein echter Tausendsassa unter den Soundchips, wenn auch klanglich nicht ganz auf dem Niveau des SID-Chips im C64.

Was den 800XE gegenüber seinem Vorgänger 800XL unterschied, war vor allem die neuere Speicherverwaltung durch den Freddie-Chip, der effizienteres Zugriffstiming ermöglichte und theoretisch auch den Einsatz von 128 KB RAM vereinfachte – allerdings kam das in der Praxis nur beim Schwestermodell 130XE zum Tragen. Der 800XE selbst blieb bei 64 KB. Das Betriebssystem im ROM entsprach weitgehend dem des 800XL, ebenso wie das integrierte Atari BASIC in Version C, das beim Einschalten aufgerufen wurde, sofern kein Modul eingesteckt war.

Am Gehäuse fanden sich die üblichen Anschlüsse: zwei DE-9-Ports für Joysticks, der modulare SIO-Port für Kassettenrekorder, Diskettenlaufwerke, Drucker und andere Peripheriegeräte, der Monitorausgang mit Composite-Video und Mono-Ton, ein Stromanschluss für das externe Netzteil, sowie der Cartridge-Schacht auf der Oberseite. Eine parallele Erweiterungsschnittstelle wie beim 800XL fehlte jedoch – was Bastler oft beklagten. Manche 800XE-Geräte, vor allem in Polen und Osteuropa, enthielten zusätzlich einen ECI-Port, eine Art abgespeckte Parallelschnittstelle, die in Kombination mit dem Cartridge-Port auch umfangreichere Erweiterungen zuließ – sofern man die passende Hardware auftreiben konnte.

Markteinführung und Preisgestaltung des Atari 800XE waren ein kurioses Kapitel für sich. In Westeuropa kostete das Gerät bei Markteinführung knapp 200 D-Mark – inflationsbereinigt entspricht das rund 210 Euro. Damit war er einer der günstigsten voll ausgestatteten Heimcomputer seiner Zeit. Doch während Commodore den europäischen Markt mit dem C64 dominierte, wurde Atari auf dem westlichen Markt eher stiefmütterlich behandelt. Ganz anders sah es in Osteuropa aus: In Ländern wie Polen, der DDR und der ČSSR war der 800XE ein echter Exportschlager. Möglich machten dies spezielle Handelsverträge und Devisenläden wie Pewex, Tuzex oder die Intershops der DDR, in denen Bürger gegen Westgeld westliche Waren erwerben konnten. Der 800XE war dort so begehrt, dass er teilweise einem kleinen Vermögen entsprach – in Polen beispielsweise war er anfangs nur für den Gegenwert eines akademischen Jahresgehalts erhältlich. Trotzdem wurde er vielfach gekauft, verschenkt oder über verwandtschaftliche Kontakte in den Osten geschmuggelt. Viele Jugendliche lernten dort auf dem Atari ihre ersten Programmierschritte oder spielten westliche Software, die auf dem Schwarzmarkt kursierte.

Der Erfolg des Atari 800XE in Osteuropa war so groß, dass er in vielen Schulen als offizieller Lehrcomputer verwendet wurde. Sogar die DDR bestellte mehrere tausend Geräte direkt über staatliche Kanäle. Zeitgenössische Zeitungsberichte sprachen von einem "Boom der 8-Bit-Technik hinter dem Vorhang", während Atari intern stolz verkündete, dass man auf dem sowjetischen Vorfeld erfolgreicher war als mit jeder Marketingkampagne in Kalifornien. In Polen entwickelte sich eine regelrechte Atari-Kultur, mit Raubkopierkreisen, Demogruppen und sogar eigenen Magazinpublikationen. Nicht wenige spätere Spieleentwickler in Mitteleuropa nannten den 800XE als ihren ersten Computer.

Anekdotisch belegt ist auch, dass einige 800XE-Geräte, die über Intershops oder Tuzex-Läden verkauft wurden, technisch leicht abweichende ROM-Versionen hatten – angeblich, um beim Import gewisse Kompatibilitätsprobleme mit westlicher Software zu vermeiden. Ob das stimmt oder eher urbaner Mythos ist, bleibt offen. Ein anderer verbreiteter Trick war das Umprogrammieren des ROMs mittels selbstgebauter EPROM-Brenner, um "optimiertes" BASIC oder alternative Bildschirmgrafiken zu laden. In Bastelzeitschriften der damaligen Zeit wurde beschrieben, wie man durch Entfernen eines Widerstands den Videoausgang von PAL auf NTSC umschalten konnte – wozu das im Osten sinnvoll war, ist unklar, aber Hauptsache, man konnte basteln.

Verglichen mit dem C64 hatte der 800XE sowohl Vor- als auch Nachteile. Die Grafik war technisch flexibler, das Scrolling eleganter, die Farbauswahl größer – doch der C64 hatte den besseren Sound und die deutlich größere Softwarebibliothek. Auch beim Speicher war der C64 mit seinen ausgeklügelten Speicher-Bank-Techniken überlegen. Im Alltag bedeutete das: auf dem C64 gab es mehr Spiele, die schneller nachgeladen wurden und oft hübscher klangen. Auf dem Atari hingegen waren kreative Programmierlösungen nötig, um das Optimum aus der Hardware herauszuholen. Das führte zu einer wahren Kunstform in der Demo-Szene, bei der aus vier Farben und einem piepsenden POKEY-Signal ein Feuerwerk der Technik gezündet wurde.

Der Atari 800XE wurde in dieser Form nur wenige Jahre produziert, doch sein Einfluss hielt deutlich länger an. Selbst nach dem offiziellen Ende der Produktion 1992 wurden Restbestände in Osteuropa weiterverkauft, modifiziert, repariert, mit PC-Netzteilen betrieben oder auf moderne Speichermedien wie SD-Karten umgebaut. In den letzten Jahren erlebt der 800XE durch Retro-Wellen und Homebrew-Szene ein kleines Comeback – es gibt neue Spiele, neue Demos und sogar neue Hardware-Erweiterungen wie HDMI-Ausgänge oder Turbo-Speicherkarten.

Zu den maßgeblichen Entwicklern des Systems gehörten Jay Miner, der später durch den Amiga berühmt wurde, Joe Decuir, der später am USB-Standard mitarbeitete, und George McLeod, der für die Grafikchips verantwortlich war. Alle drei verließen Atari noch vor Einführung des XE-Modells, doch ihre technische Handschrift prägte auch den 800XE. Jay Miner, Ingenieur mit Hundeliebe und einem Faible für effiziente Chips, wurde später als „Vater des Amiga“ verehrt. Joe Decuir hingegen liebte serielle Busse fast so sehr wie sein Motorrad, das er gerne in die Atari-Garage parkte. George McLeod, ein ruhiger Tüftler, galt intern als der Mann, der wusste, wie man ein Fernsehsignal in Farbe träumen lässt.

Der Atari 800XE war vielleicht nicht der lauteste oder bunteste Computer seiner Zeit, aber er war einer der treuesten. Ein Arbeitstier, das Generationen überdauerte, Heimkinder und Studenten prägte und bis heute in Kellern, Dachböden und Retrotreffen für leuchtende Augen sorgt. Und ganz ehrlich: Wer je den Geräuschmix aus POKEY-Piepsen, Floppy-Surren und dem Klicken eines CX40-Joysticks gehört hat, weiß, was wahre Heimcomputer-Nostalgie bedeutet.

Ontel Amigo

Ontel Amigo – Der CP/M-All-in-One mit zwei Prozessoren

ontel amigoDer Ontel Amigo war ein 8-Bit-Personal Computer, den die US-Firma Ontel Corporation Anfang 1983 auf den Markt brachte. Das kompakte System integrierte Rechner und Bildschirm in einem Gehäuse und wurde sowohl für den Heimgebrauch als auch für kleine Büros konzipiert. Ontel hatte zuvor vor allem intelligente Terminalsysteme (OP‑1-Serie) hergestellt; mit dem Amigo wollte man nun ein „freundliches“ Einzelplatz-System anbieten – der Produktname bedeutet auf Spanisch „Freund“. Tatsächlich war Ontel damit Vorreiter: Die britische Firma C/WP übernahm das Design (dort als Cortex vermarktet), und Commodore soll wegen der Namensähnlichkeit seines 1985 erschienenen Amiga sogar etwas nervös gewesen sein. Noch bevor der Amigo größere Verbreitung finden konnte, wurde Ontel 1982 jedoch von Visual Technology übernommen, sodass das Gerät in den USA nur kurz unter dem Namen Ontel Amigo lief. Die Entwicklungsleitung hatte zu dieser Zeit Ike Nassi (später bei Visual Technology), der 1982–1983 als Vice President Engineering bei Ontel tätig war. Ontel-Gründer und CEO war David Ophir – seine Initialen „OP“ hatten bereits die frühere OP‑1-Produktreihe geprägt.

Das Amigo-System zeichnete sich durch eine außergewöhnliche Dual-Prozessor-Architektur aus. Als Hauptprozessor diente ein 4 MHz schneller Zilog Z80A mit 64 KB RAM, der unter CP/M (inklusive Grafik-Erweiterung GSX-80) das Betriebssystem und die Anwendungsprogramme steuerte. Zusätzlich enthielt der Amigo einen MOS 6502-Prozessor, der ausschließlich für die Videoausgabe zuständig war. Diese Aufgabenteilung – ein zweiter 8-Bit-Chip als Grafikkontroller – war Anfang der 1980er neuartig und verlieh dem Rechner in Grafikoperationen eine im CP/M-Marktsegment überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit. „Das Display wurde von einem 6502 mit eigenem RAM gesteuert“, erinnerte sich ein Ontel-Anwender, „so war es für seine Zeit ziemlich schnell und leistungsfähig“. Insgesamt standen dem 6502 rund 40–44 KB dedizierter Bildschirmspeicher zur Verfügung. Mit diesem Hardware-Trick gehörte der Amigo zu den ersten Computern, die Digital Researchs neuen Grafikstandard GSX-80 unterstützten, um CP/M ein plattformübergreifendes Grafik-API zu geben. Ontel nutzte diese Fähigkeit insbesondere für Präsentationsgrafiken und für eine angepasste Version des damals führenden Textverarbeitungsprogramms WordStar. Die mitgelieferte WordStar-Ausgabe war speziell auf den Amigo zugeschnitten: Die abgesetzte IBM-ähnliche Tastatur besaß z. B. direkt belegte Tasten für häufige WordStar-Befehle, was die Textbearbeitung effizienter machte. Auch sonst betonte Ontel die Benutzerfreundlichkeit – eine Anzeige pries den Cortex (Amigo-Klon) als „really very friendly computer“ an.

Technisch war der Ontel Amigo für einen CP/M-Heimcomputer sehr gut ausgestattet. Das Gerät besaß ein integriertes 12‑Zoll-Monochromdisplay mit einer hohen Grafikauflösung von 640 × 300 Bildpunkten (im Textmodus 80 Spalten × 25 Zeilen). Diese Auflösung lag über dem, was viele Konkurrenten boten – zum Vergleich: der IBM PC mit CGA-Grafik erreichte 640 × 200 Pixel (2 Farben) oder 320 × 200 (4 Farben). Allerdings war der Amigo ein reines Schwarzweiß-System ohne Farbfähigkeit. Für typische Heimanwendungen der Zeit (Spiele, Grafik) war das ein Nachteil, doch für Geschäftsgraphiken und Text war die Darstellung sehr scharf. Ein dedizierter Soundchip fehlte; das System konnte lediglich einfache Töne bzw. den System-Beep ausgeben, was aber im Büroeinsatz kaum ins Gewicht fiel. Als Hauptspeicher standen 64 KB RAM zur Verfügung – voll ausgeschöpft durch CP/M 2.2, das im Amigo zum Einsatz kam. CP/M mit GSX ermöglichte es, neben rein textorientierten Programmen auch grafische Anwendungen auszuführen. So gehörten Zeichenprogramme wie Digital Researchs DR Graph oder das CAD-ähnliche GraphPlan perspektivisch zum Softwareangebot für GSX-Plattformen. In der Praxis blieb die Auswahl jedoch begrenzt; viele GSX-Ankündigungen waren „Zukunftsmusik“ und 8-Bit-CP/M war 1983 bereits ein auslaufendes System. Ontel setzte daher vor allem auf bewährte CP/M-Software: Neben WordStar liefen Standardprogramme wie dBASE II, Multiplan oder MBASIC, sodass dem Nutzer eine breite Softwarepalette zur Verfügung stand. Die Entscheidung, beim Amigo trotz aufkommender 16-Bit-CPUs noch auf 8 Bit zu setzen, begründete Ontel ausdrücklich mit dem riesigen Fundus an etablierter CP/M-Software, der sofort nutzbar war. Dieses Argument leuchtete vielen Anwendern ein, denn 1983 gab es für das neue MS-DOS des IBM PC noch weit weniger Anwendungen als für CP/M.

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Von außen ähnelte der Amigo einem kompakten Büroterminal oder einem frühen All-in-One-Heimcomputer (ähnlich dem Commodore PET oder TRS-80 Model III). Die gesamte Elektronik und der Monitor waren in einem gemeinsamen Gehäuse untergebracht, während die Tastatur als separates Gerät angeschlossen wurde. Das Gehäuse war etwa 30 × 33 × 43 cm groß und wog rund 16 kg – im Vergleich zu heutigen Heimcomputern also sehr schwer, aber für ein frühes 80er-Jahre-System durchaus normal. In Großbritannien bot C/WP das identische System in sechs verschiedenen Gehäusefarben an (u.a. Rot, Grün, Gelb oder Beige), womit der Cortex diesem Konzept bunter Heimcomputer 15 Jahre vor Apples iMac vorausgriff. In den USA wurde der Ontel Amigo hingegen meist im seriösen Beige oder Grau ausgeliefert. An Anschlüssen stellte das Modell alles bereit, was in seiner Klasse erwartet wurde: Eine serielle RS-232-Schnittstelle ermöglichte den Anschluss von Modems oder Terminals, und über die Centronics-Parallelschnittstelle konnten Drucker angeschlossen werden. Intern besaß das System keinen Steckkarten-Bus wie der IBM PC, doch Ontel integrierte bereits alle wichtigen Komponenten onboard, wodurch externe Erweiterungen kaum nötig waren. Massenspeicher wurden über externe Laufwerke angebunden: Üblich waren zwei 5,25″-Diskettenlaufwerke (360 KB DS/DD) in separaten Gehäusen, die via Kabel mit dem Amigo verbunden wurden. Für größere Datenmengen war ein 5 MB fassendes externes Winchester-Festplattenlaufwerk als Option erhältlich – damals eine beträchtliche Kapazität, allerdings verteuerte das Festplatten-Upgrade das System deutlich. Ontel bot zudem einen passenden Nadeldrucker (Matrix Printer) als Zubehör an. Die geplante Palette an Peripheriegeräten umfasste damit im Grunde alles, was man zur textorientierten Büroarbeit benötigte.

Preislich bewegte sich der Ontel Amigo im oberen Segment der Heimcomputer und kleinen Bürosysteme. Der Listenpreis zur Markteinführung lag bei 2.395 US-Dollar – trotz einfacherer 8-Bit-Technik also in einer ähnlichen Liga wie ein IBM PC oder Apple Lisa des Jahres 1983. Händler erhielten dabei Rabatte von 33–40 %, was darauf hindeutet, dass Ontel vor allem über Wiederverkäufer und OEM-Partner vertreiben wollte. In Deutschland hätte der Amigo inklusive Importaufschlag und Steuern etwa 15.000 DM gekostet. Zum Vergleich: Ein Commodore 64 war 1983 für unter 1.000 DM zu haben, ein IBM 5150 mit Monitor kostete hingegen gut 10.000 DM. Der hohe Preis des Amigo spiegelt seine ambitionierte Ausstattung wider, erschwerte aber die Positionierung im Heimmarkt erheblich. Inflationsbereinigt entspricht der US-Preis grob 6.500–7.000 € in heutigem Geldwert. In Großbritannien wurde das Schwestermodell Cortex Ende 1983 für £1.795 + MwSt angeboten, was etwa £8.700 im Jahr 2025 entspricht (über 10.000 €). Damit war das System deutlich teurer als populäre Homecomputer der Zeit und konkurrierte eher mit professionellen CP/M-Maschinen. Ontel argumentierte, der Mehrwert rechtfertige den Preis: Immerhin erhielt man einen robusten All-in-One-Rechner mit hoher Auflösung und großer Softwarebibliothek, der sofort einsatzbereit war und keine aufwendige Installation benötigte. Für den Heimgebrauch im engeren Sinne – also als Familiencomputer, Lerncomputer für Kinder oder Spielmaschine – war der Amigo jedoch weniger geeignet, vor allem wegen fehlender Farbe und Sound und des hohen Preises. Seine Stärken lagen im Bereich Textverarbeitung, Programmierung (viele Programmiersprachen waren für CP/M verfügbar) und bei technisch versierten Hobbyanwendern, die das ungewöhnliche Design schätzten. Gegenüber Konkurrenzmodellen wie dem Osborne 1 oder Kaypro II (tragbare CP/M-Systeme) bot der Amigo eine höhere Bildschirmauflösung und komfortableres Arbeiten am großen Monitor, war dafür aber nicht mobil. Im Vergleich zum IBM PC fehlten ihm die 16-Bit-Leistung und die Erweiterbarkeit – viele Unternehmen setzten lieber auf IBMs wachsenden PC-Standard, während 8-Bit-Systeme wie der Amigo allmählich an Attraktivität verloren.

Die Resonanz auf den Ontel Amigo fiel daher gemischt aus. Lob gab es für die innovative Dual-CPU-Architektur und die schnelle Grafik: Zeitgenössische Berichte hoben hervor, dass Ontel mit dem Amigo ein „8-Bit-Z80A-basiertes System mit 64K RAM“ präsentiere, das „auf den Einzelanwender im Büro abzielt“ – also ein neues Konzept zwischen Heim- und Bürorechner. Gelobt wurde auch die solide Verarbeitung und die im Lieferumfang enthaltene Software (neben WordStar u.a. ein Datenbankprogramm und mehrere Entwicklungswerkzeuge). Die Kritikpunkte hingegen konzentrierten sich auf die begrenzten audiovisuellen Fähigkeiten im Vergleich zu richtigen Heimcomputern sowie auf den ungünstigen Zeitpunkt: 1983 zeichnete sich bereits ab, dass der IBM PC zum De-facto-Standard werden würde. Ein 8-Bit-CP/M-Rechner für fast 2500 Dollar galt da als riskante Wette. Tatsächlich blieben die Verkaufszahlen des Amigo bescheiden – genaue Stückzahlen sind nicht überliefert, aber das Modell ist heute eine Rarität. Ontel bemühte sich zwar um OEM-Abnehmer: So wurde das Amigo-Design wie erwähnt an C/WP in Großbritannien lizenziert und von der argentinischen Firma Latindata in Südamerika vertrieben. Doch einen durchschlagenden Markterfolg erzielte der Amigo nicht. In einem spanischen Computermagazin von 1985 beschrieb ein Nutzer das Ontel Amigo zwar als „excelente equipo“ (ausgezeichnetes Gerät), beklagte aber die geringe Verbreitung und fehlende Unterstützung – er rief deshalb andere Besitzer dazu auf, einen User-Club zu gründen. Diese Anekdote unterstreicht, dass der Amigo trotz seiner technischen Vorzüge keine große Nutzerbasis aufbauen konnte.

Der Ontel Amigo ist ein interessantes Beispiel für einen Übergangs-Heimcomputer der frühen 1980er. Einerseits brachte er professionelle Merkmale – hochauflösende Grafik, duale Prozessorarchitektur, breite Softwareunterstützung – ins heimische Arbeitszimmer und war seiner Zeit in mancher Hinsicht voraus. Andererseits war er zur falschen Zeit am falschen Markt: Die Zukunft gehörte den günstigeren Heimcomputern für den Massenmarkt sowie den 16-Bit-PCs für den Geschäftsmarkt. Der Amigo konnte sich zwischen diesen Stühlen nicht dauerhaft behaupten und verschwand bald vom Markt. Seine Entwickler wechselten teils zu anderen Projekten: Ontels Technikchef Ike Nassi ging 1983 zu Visual Technology und arbeitete dort am Visual 1050, der im Grunde ein direkter Nachfahre des Amigo war. Dieses Nachfolgemodell nutzte die Amigo-Architektur, setzte aber bereits CP/M 3.0 (CP/M Plus) ein und erschien Ende 1983 unter Visuals Marke. Auch andere Hersteller wie Televideo brachten auf Amigo-Ideen basierende CP/M-Rechner mit Grafik heraus (z. B. Televideo TS-803). Insgesamt blieb der Ontel Amigo jedoch ein Exot. In der Retro-Computing-Community wird seine technische Besonderheit – zwei CPUs, davon eine als Grafikprozessor – bis heute gewürdigt. Historisch steht der Amigo sinnbildlich für den Spagat zwischen Heim- und Bürowelt Anfang der 1980er: ein ambitionierter Heimcomputer für den produktiven Einsatz, der schließlich vom Siegeszug der IBM-PC-Plattform überrollt wurde.

 

Texas Instruments TI-99/4A

Texas Instruments TI-99/4A

TI99/4A

Von Rama & Musée Bolo - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.0 fr

Der Texas Instruments TI-99/4A erschien 1981 als verbesserte Version seines wenig erfolgreichen Vorgängers TI-99/4 aus dem Jahr 1979. Schon der TI-99/4 war technisch bemerkenswert – er gilt als erster 16-Bit-Heimcomputer überhaupt – blieb jedoch aufgrund seines hohen Preises und unpraktischen Designs ein Flop. Das ursprüngliche Modell besaß eine Taschenrechner-Tastatur ohne Kleinschreibung und kostete inklusive Monitor 1.150 US-Dollar (damals etwa 2.000 DM). Trotz moderner 16-Bit-CPU wurde der TI-99/4 wegen mäßiger Performance und geringer Software-Auswahl von Kritikern verrissen; die New York Times nannte ihn rückblickend sogar ein „blamables Scheitern“. Texas Instruments lernte jedoch aus diesen Fehlern und präsentierte im Juni 1981 auf der CES den TI-99/4A, der im Spätsommer 1981 auf den Markt kam.

Der TI-99/4A war zum Start mit 525 US-Dollar (in Deutschland 1.490 DM) weniger als halb so teuer wie sein Vorgänger. Das entspricht inflationsbereinigt etwa 1.500–1.600 Euro heutiger Kaufkraft. Dafür bot der Rechner ein deutlich verbessertes Konzept: Er besaß anstelle der billigen Taschenrechner-Tasten nun eine vollwertige Schreibmaschinentastatur und unterstützte einfache Kleinschriftausgabe (als verkleinerte Großbuchstaben). Auch die Grafikfähigkeiten wurden erweitert. Ein dedizierter Videochip vom Typ TMS9918A generierte eine Auflösung von 256 × 192 Pixel und konnte maximal 15 gleichzeitig darstellbare Farben erzeugen – Werte, die 1981 nur von wenigen Konkurrenten erreicht wurden. Der Grafikprozessor unterstützte zudem Hardware-Sprites, ein Konzept, das vom TI-Team um Ingenieur Karl Guttag mit diesem Chip maßgeblich geprägt wurde. Für Sound sorgte der TMS9919-Soundchip, der drei Tonkanäle über fünf Oktaven plus einen Rauschkanal gleichzeitig abspielen konnte. Diese Tonerzeugung war vergleichbar mit der Konkurrenz – lange bevor leistungsfähigere Soundchips wie der SID im Commodore 64 erschienen. Als besonderes Extra bot TI optional ein Sprachsynthesizer-Modul an, das an der Seite angeschlossen werden konnte. Dieses enthielt einen LPC-Prozessor (TI TMS5220C) und ermöglichte Sprachausgabe, die in mehreren Spielen (z. B. Alpiner oder Parsec) und Lernprogrammen eindrucksvoll demonstriert wurde. Texas Instruments war Anfang der 1980er Pionier auf dem Gebiet der Sprachausgabe, und das Sprachmodul für den TI-99/4A war eines der ersten seiner Art im Heimcomputerbereich.

Wie sein Vorgänger basierte auch der TI-99/4A auf dem TI TMS9900-Prozessor, einem 16-Bit-Chip, den TI ursprünglich 1976 für Minicomputer entwickelt hatte. Die CPU läuft mit 3 MHz Taktfrequenz und implementiert die Architektur der TI-990-Minicomputer in einem einzigen Chip. Dieses Design war zwar fortschrittlich, brachte aber einige Eigenheiten mit sich: So verwendet der TMS9900 ein „Memory-to-Memory“-Konzept, bei dem selbst CPU-Register im externen Speicher liegen. Dies vereinfachte die Hardware und ermöglichte flexible Kontextwechsel wie in Großrechnern, bremste aber die Geschwindigkeit, da jeder Registerzugriff ein Speicherzugriff war. Hinzu kam, dass im TI-99/4A fast der gesamte Hauptspeicher nur über einen 8-Bit-Datenweg erreichbar war – lediglich 8 KB ROM und 256 Byte interner RAM (der sogenannte „Scratchpad“) hängen direkt am 16-Bit-Bus der CPU. Alle weiteren 16 KB RAM des Systems befanden sich im Videospeicher der Grafikeinheit und mussten byteweise über den Videoprozessor transferiert werden. Zudem lagen große Teile der Systemsoftware in speziellen seriellen ROMs, den sogenannten GROMs (Graphic ROMs), die einen von TI definierten Pseudocode namens GPL (Graphics Programming Language) enthielten. Beim Start des Rechners wurde direkt das fest eingebaute TI BASIC in einem solchen GROM ausgeführt – ein im ROM verankerter BASIC-Interpreter, der dem Benutzer als Betriebsumgebung diente. Diese Architektur wirkte sich negativ auf die Performance aus. Ein zeitgenössischer Rezensent monierte, der 99/4 fühle sich trotz 16-Bit-CPU „unnötig langsam“ an. Auch die TI-GRAFIK-ROMs (GROMs) wurden später als Hemmschuh gesehen: Sie sollten Software vor unlizenzierter Kopie schützen, machten das System aber langsamer und erschwerten unabhängigen Entwicklern die Arbeit. Trotz dieser Schwächen war das Speicherkonzept ausbaufähig – TI erlaubte mittels Steckmodulen und Erweiterungsbox die Aufrüstung des Systems: Cartridges konnten bis zu 16 KB Zusatz-ROM oder 40 KB GROM mitbringen, und eine externe Peripheral Expansion Box (PEB) nahm Steckkarten mit bis zu 32 KB RAM zusätzlich auf. Damit ließ sich der ursprüngliche Arbeitsspeicher von 16 KB erheblich erweitern. Im Vergleich zum Commodore 64, der bereits ab Werk 64 KB RAM bot, blieb der TI jedoch im Grundzustand deutlich eingeschränkter.

Massenspeicher waren beim TI-99/4A zunächst einfach gehalten: Das Basismodell besaß ein Kassetteninterface zum Anschluss eines normalen Audiorekorders, über den Programme von Kompaktkassette mit 300 Baud geladen werden konnten. Für schnelleres Speichern gab es ab 1982 das erwähnte Diskettenlaufwerk in der Erweiterungsbox – ein 5,25-Zoll-Floppy-Disk-System mit eigener Controllerkarte. Dieses bot eine für die Zeit typische Kapazität (ca. 90 KB auf einzelspurigen Disketten, mit späteren Upgrades auch mehr). Darüber hinaus stellte TI diverses Zubehör bereit: Eine RS-232-Karte mit Seriell-/Parallelanschlüssen ermöglichte den Anschluss von Druckern oder Modems; ein akustisches 300-Baud-Modem (Koppler) brachte den TI online; zudem gab es Thermodrucker und sogar eine Pascal-Steckkarte, welche ein auf UCSD-Pascal basierendes Betriebssystem (P-Code) bereitstellte. Viele dieser Erweiterungen wurden in der klobigen Erweiterungsbox untergebracht, die separat mit eigenem Netzteil betrieben und über ein Kabel mit der Konsole verbunden wurde. Kleinere Seitencartridges konnten hingegen direkt an der rechten Gehäuseseite des Computers daisy-chain-artig hintereinandergesteckt werden. Dieses modulare Konzept führte allerdings dazu, dass ein voll ausgebauter TI-99/4A sehr breit werden konnte und optisch an einen „seitlich angekoppelten Eisenbahnzug“ erinnerte. Geplante Neuheiten wie steckbare Spracherweiterungs-Cartridges (zur Vergrößerung des Wortschatzes des Sprachsynthesizers) kamen nicht mehr auf den Markt, da sich inzwischen Software-Lösungen als praktikabel erwiesen.

Technisch besaß der TI-99/4A also durchaus beeindruckende Komponenten für seine Zeit. Seine Stärken lagen in der damals überlegenen 16-Bit-Architektur, der farbfähigen Grafik mit Sprites sowie der Erweiterbarkeit (z. B. durch Sprachausgabe oder Speichererweiterungen). Auch die Verarbeitung galt als solide; die Tastatur des 4A-Modells wurde als deutlich angenehmer als die des Vorgängers beschrieben. Stiftung Warentest bewertete 1984 den TI-99/4A zusammen mit dem Commodore 64 als bestes Heimcomputermodell (“Gut”), wobei zu diesem Zeitpunkt der TI bereits nicht mehr neu erhältlich war. Auf der Habenseite verbuchte der TI außerdem, dass Texas Instruments einige Bildungs- und Spielmodule selbst entwickelte – darunter der frühe Dungeon-Crawler Tunnels of Doom (1982) oder das Lernspiel Hunt the Wumpus, die heute als Klassiker gelten. Allerdings verhinderten TIs strikte Lizenzpolitik anfangs, dass genügend Drittanbieter-Software erschien. Anders als Konkurrenten wie Commodore oder Apple setzte TI lange darauf, Software nur selbst zu veröffentlichen, und gab externen Entwicklern kaum technische Informationen preis. Dieses proprietäre Vorgehen – Jerry Pournelle kommentierte 1982 sarkastisch, TIs Botschaft an die Hobbyprogrammierer laute „Drop dead, hobbyists!“ – erwies sich als großer Nachteil. Während für andere Systeme bald populäre Programme wie VisiCalc oder WordStar verfügbar waren, fehlten solche Anwendungen auf dem TI-99/4A zunächst völlig. Immerhin brachte TI mit Multiplan 1981 eine Tabellenkalkulation heraus, und es gab auch Textverarbeitungs- und Datenbankprogramme von Drittanbietern, doch diese fanden wenig Verbreitung. Unterm Strich galt das TI-eigene BASIC zwar als ordentlich (es unterstützte Grafik und Sound), doch die Softwareauswahl blieb – insbesondere im Vergleich zum späteren Commodore 64 mit seinem riesigen Spiele- und Anwendungsangebot – begrenzt.

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https://www.computinghistory.org.uk/det/73440/Texas-Instruments-TI-99-4A-%28beige%29/

Größere Verbreitung fand der TI-99/4A zunächst dennoch: Dank des gesenkten Preises stiegen die Verkaufszahlen ab 1981 deutlich. Ende 1982 waren in den USA bereits über 500.000 Geräte verkauft. Der TI konkurrierte in dieser Zeit vor allem mit dem Commodore VIC-20 (VC20) und dem Atari 400/800. Gegenüber Commodores VIC-20, der zwar nur ein 8-Bit-Prozessor und primitive Grafik hatte, aber bereits für unter 300 Dollar verkauft wurde, punktete TI technisch – jedoch nicht beim Preis. Commodore initiierte unter CEO Jack Tramiel einen aggressiven Preiskrieg: 1982 unterbot man sich gegenseitig mit Preissenkungen, bis Texas Instruments den TI-99/4A im September 1982 auf 199 US$ reduzierte – zu diesem Zeitpunkt 50 $ günstiger als der schwächere VIC-20. TI warb sogar mit einem 100-Dollar-Rabatt für Käufer (beworben vom prominenten TI-Werbegesicht Bill Cosby). Doch Commodore zog nach, und Anfang 1983 lagen beide Rechner bei 99 US$ – ein für Heimcomputer sensationell niedriger Preis. Zwar explodierten dadurch kurzfristig TIs Absatzzahlen, doch das Unternehmen machte bei jedem Verkauf Verlust. Denn der TI-99/4A war in der Herstellung deutlich teurer als Commodores einfach konzipierter VIC-20. Texas Instruments versuchte noch gegenzusteuern: Man entwickelte eine kostengünstigere Hauptplatine (QI-Version) und fertigte billigere Plastikgehäuse in Beige, senkte die Preise für Peripherie um 50 % und packte Software gratis bei. Zeitweise erhielt man die große Erweiterungsbox gratis, wenn man drei Module kaufte. Doch all das konnte den Trend nicht umkehren. Im dritten Quartal 1983 meldete TI durch den Homecomputer-Sektor einen Verlust von rund 330–400 Millionen Dollar. Am 28. Oktober 1983 gab Texas Instruments schließlich den Ausstieg aus dem Heimcomputermarkt bekannt. Die Produktion des TI-99/4A wurde eingestellt (offiziell im März 1984), und bis 1984 wurden nur noch Restbestände abverkauft. Insgesamt hatte TI etwa 2,8–3 Millionen Exemplare des TI-99/4A abgesetzt – an sich eine beachtliche Zahl, die jedoch durch die extrem niedrigen Stückpreise zustande kam und für TI kein profitables Geschäft mehr darstellte.

Rückblickend wird der TI-99/4A oft als „erfolgreicher Misserfolg“ beschrieben – ein Gerät mit fortschrittlicher Technik, das jedoch an Marktstrategien und Konkurrenz scheiterte. Seine Vorteile (16-Bit-Leistung, überlegene Grafik/Sound, einzigartige Sprachoption) konnten die Nachteile (anfangs hoher Preis, geringe Softwarebreite, architekturbedingte Tempoprobleme) nicht dauerhaft wettmachen. Gegen Konkurrenten wie den Commodore 64, der ab 1982 mit 64 KB RAM, herausragendem Sound (SID-Chip) und großem Softwareangebot dominierte, wirkte TIs 4A spätestens ab 1983 veraltet. Auch im Vergleich zum Vorgängermodell TI-99/4 zeigt sich ein zwiespältiges Bild: Der 4A beseitigte zwar die größten Mankos (Tastatur, Preis) und bot mehr Grafikmodi, doch letztlich konnte er den Ruf des TI-Heimcomputerprojekts nicht retten. Texas Instruments hatte gehofft, mit seinem Heimcomputer an frühere Erfolge (etwa in der Taschenrechner-Branche) anzuknüpfen und Intel, Apple & Commodore Paroli zu bieten. Stattdessen endete das Abenteuer TI-99/4A mit einem deutlichen finanziellen Fehlschlag und dem Rückzug TIs aus dem PC-Markt. Dennoch hinterließ der TI-99/4A Spuren: Der von TI-Ingenieur Richard Wiggins und Kollegen entwickelte Sprachchip fand Verwendung in späteren Produkten; der Grafikspeicher- und Spritedesign des TMS9918 beeinflusste ganze Computerstandards (MSX); und nicht zuletzt hat der TI-99/4A bis heute eine kleine, engagierte Fangemeinde. Diese Retro-Enthusiasten entwickeln sogar neue Hardware (von Flash-Speicherkarten bis Ethernet-Anbindungen) und halten das Andenken an den „TI“ lebendig. So steht der TI-99/4A heute sinnbildlich für die rasante Aufbruchszeit der Heimcomputer: ein ambitioniertes System, das seiner Zeit voraus war, dessen kommerzielles Schicksal jedoch durch Fehlkalkulationen und den unerbittlichen Konkurrenzkampf besiegelt wurde.

 

Olivetti ETS 1010

Olivetti ETS 1010

olivetti ets 1010Wenn man sich in den 1980er Jahren in einem europäischen Anwaltsbüro, einer Behörde oder einem Verlag umsah, dann begegnete man nicht selten einem Gerät mit Olivetti-Schriftzug, dezent grauem Gehäuse und dem markanten Surren eines daisy-wheel-Druckkopfs. Der Olivetti ETS 1010 war eines dieser Geräte – weder vollwertiger PC noch bloße elektrische Schreibmaschine, sondern etwas dazwischen: ein eigenständiges elektronisches Textsystem mit Bildschirm, Speichermedien und intelligentem Software-Unterbau.

Ursprünglich auf Basis der amerikanischen Firma Syntrex Inc. entwickelt, brachte Olivetti das System ab etwa 1983 in Europa auf den Markt. Die Idee war, eine Brücke zu schlagen zwischen der bewährten Typenradtechnik und den neuen Möglichkeiten der digitalen Textverarbeitung. Heraus kam ein eigenständiges System, das nicht auf einem IBM-PC basierte, sondern auf eigener Elektronik und Logik aufbaute. Herzstück war ein Intel 80186, ein selten genutzter Prozessor, der viele Funktionen der PC-Peripherie bereits im Silizium integrierte. Der Arbeitsspeicher betrug 256 KB, genug für mehrere Textdokumente im RAM-Puffer.

Das System bestand aus mehreren Modulen: einer Basiseinheit mit zwei 5¼-Zoll-Diskettenlaufwerken zu je 160 KB, einem monochromen Bildschirm (grün oder bernsteinfarben, 80 Zeichen × 25 Zeilen), der separaten Schreibmaschineneinheit (meist ET 221) mit Typenraddruck und einer Funktionsklaviatur. Die Disketten nutzten ein proprietäres Format, das einfache Dateiverwaltung und Textspeicherung erlaubte – allerdings nicht kompatibel zu MS-DOS oder CP/M-Systemen. Das zugrundeliegende Betriebssystem war entweder eine modifizierte Variante von CP/M-86 oder, in komplexeren Konfigurationen, ein internes Syntrex-OS mit UNIX-artiger Struktur – genaue Angaben sind rar, da viele Systeme OEM-konfiguriert waren.

In der Praxis bedeutete dies: Der Benutzer tippte auf einer echten Schreibmaschinentastatur, sah die Eingabe auf dem Bildschirm, konnte formatieren, korrigieren und mit Steuerfunktionen wie [Block markieren], [Zentrieren] oder [Drucken] arbeiten. Das Schreiben selbst erfolgte anschließend über den mechanischen Druckkopf – typischerweise mit Daisy-Wheel-Technik, die ein gestochen scharfes Schriftbild erzeugte. Wer heute den Ausdruck in Händen hält, würde nie glauben, dass dies nicht mit einem Laserdrucker erstellt wurde.

Der ETS 1010 war – das sei deutlich gesagt – kein PC und konnte auch keine PC-Programme ausführen. Es gab weder Grafikfähigkeiten noch Soundchip oder Maussteuerung. Dafür bot das System eine durchdachte, ausgereifte Benutzeroberfläche, speziell auf das Schreiben, Ablegen und Drucken von Dokumenten zugeschnitten. Die Dateiverwaltung war einfach und visuell geführt; das Wechseln zwischen Dokumenten ging schnell. Besonders bemerkenswert war die Fähigkeit, mehrere Geräte zu clustern – das heißt, mehrere ETS-Systeme konnten über ein zentrales Diskettenlaufwerk oder Drucker verbunden werden, um Arbeitsgruppenlösungen zu ermöglichen. In der Praxis wurde dies z. B. in Sekretariaten oder Schreibpools genutzt.

Vergleichstabelle

Merkmal ET 221 ETS 1010 ETS 2010 Olivetti M24
Jahr ca. 1981 1983–1984 ab 1985 1983–1986
CPU keine Intel 80186 @ 8 MHz Intel 80186 @ 8 MHz Intel 8086 @ 8 MHz
RAM 256 KB 256–512 KB 256–640 KB
Bildschirm keiner 80×25 Zeichen, monochrom 80×25 Zeichen, monochrom CGA: 320×200, 4 Farben
Diskettenlaufwerke 2 × 5¼″, je 160 KB 2 × 5¼″, je 320 KB 1 × 5¼″, 360 KB oder HDD
Festplatte keine optional extern (sehr selten) ja, bis 10 MB ja, bis 20 MB
Drucktechnik Typenrad (extern) Typenrad integriert (ET 221) Typenrad (ET 115/ET 225 etc.) Matrix oder Typenrad extern
Netzwerkfähig nein ja (Clusterbetrieb, seriell) ja (Mehrplatzbetrieb möglich) ja (Ethernet, RS232)
Betriebssystem proprietär (CP/M-ähnlich) CP/M-86 oder Syntrex-OS MS-DOS / XENIX
Preis (geschätzt, 1983) ca. 3.000 DM ca. 6.000–8.000 DM ca. 9.000–12.000 DM ab 5.000 DM
Preis (inflationsbereinigt) ~2.300 € ~4.700–6.200 € ~7.000–9.000 € ~3.900–4.500 €

Der ETS 1010 war kein Spielcomputer, kein Allzweck-PC und kein Bastlersystem. Aber was er konnte, das konnte er hervorragend: Texte schreiben, speichern, drucken – und das mit einer Qualität und Verlässlichkeit, die in manch einem Schreibbüro noch bis in die frühen 2000er hinein Standard blieb. Gegenüber dem reinen Schreibmaschinenbetrieb war er ein gewaltiger Fortschritt, vor allem durch den Bildschirm und die flexible Bearbeitung von Dokumenten. Gegenüber einem IBM-kompatiblen PC wirkte er technikfern, aber dafür menschennah: keine kryptischen Befehle, sondern klar beschriftete Funktionstasten, durchdachte Menüs und sofortiger Druck auf Papier in bester Qualität.

In der Rückschau ist der ETS 1010 ein leiser, unterschätzter Meilenstein auf dem Weg zum digitalen Büro. Er markierte die kurze, aber spannende Übergangszeit, in der Schreibmaschinen Computer wurden – oder umgekehrt.

Ohio Scientific C2

c2 8p 1Der Ohio Scientific Challenger II, meist kurz C2 genannt, erschien zwischen 1977 und 1979 als konsequente Weiterentwicklung der populären Superboard-Serie des US-amerikanischen Herstellers Ohio Scientific Instruments (OSI). Das Unternehmen, gegründet 1975 im Bundesstaat Ohio durch den Ingenieur Michael Cheiky, seine Frau Charity Cheiky sowie den Techniker Dale A. Dreisbach, hatte sich zum Ziel gesetzt, erschwingliche, aber leistungsfähige Mikrocomputersysteme mit professionellem Anspruch zu entwickeln – eine Philosophie, die sich im C2 deutlich widerspiegelt.

Der C2 war kein typischer Heimcomputer, sondern vielmehr ein modulares, aufrüstbares System, das sich vor allem an Entwickler, Ingenieure, Bildungseinrichtungen und kleine Unternehmen richtete. Die Gerätefamilie umfasste unter anderem den C2-4P, ein kompaktes, tragbares System mit vier internen Steckplätzen, sowie den C2-8P, der über acht Erweiterungssteckplätze verfügte und in einem größeren Gehäuse untergebracht war. Beide Modelle basierten auf einer steckkartenbasierten Architektur, bei der CPU, Video-Einheit, RAM und I/O als separate Platinen in einen Busrahmen („Backplane“) eingebunden wurden. Dies erlaubte eine bemerkenswerte Flexibilität und Erweiterbarkeit – Merkmale, die zu dieser Zeit noch keineswegs selbstverständlich waren.

Als Prozessor kam der bewährte MOS Technology 6502 mit einem Takt von 1 MHz zum Einsatz. Die Taktfrequenz wurde allerdings nicht, wie bei den meisten Konkurrenten, durch einen Quarzoszillator erzeugt, sondern durch einen programmierbaren 74LS123-Monoflop-Schaltkreis, was eine gewisse Variabilität und Feinjustierung ermöglichte. Der 6502 war ein 8-Bit-Prozessor mit einem einfachen, aber effizienten Befehlssatz, der unter anderem durch seine indizierten Adressierungsmodi und seine niedrige Chip-Komplexität überzeugte. In Kombination mit dem leichtgewichtigen Systemdesign bot dies eine für die damalige Zeit bemerkenswert hohe Rechenleistung pro investiertem Dollar.

Das Betriebssystem bestand typischerweise aus einem im ROM untergebrachten Monitorprogramm und einem einfachen BASIC-Interpreter, der in einer auf 8 KB reduzierten Form implementiert war. Von Diskette konnte ein rudimentäres OSI-DOS oder ein erweitertes BASIC geladen werden. Der Zugriff erfolgte über einen simplen Konsolenmodus mit Cursorkontrolle und hexadezimalem Direktzugriff auf Speicheradressen. Auf dem Bildschirm konnten maximal 64 Zeichen pro Zeile bei 32 Zeilen dargestellt werden, wobei ausschließlich monochrome Textausgabe unterstützt wurde. Eine Bitmap-Grafikfähigkeit war serienmäßig nicht vorhanden, konnte aber theoretisch über Zusatzhardware realisiert werden. Farbdarstellung war nicht vorgesehen – der C2 blieb in dieser Hinsicht der kompromisslosen Funktionalität verpflichtet.

Auch in Sachen Klanggestaltung herrschte Sparsamkeit. Der C2 besaß keinen dedizierten Soundchip. Audioausgabe war nur indirekt über den Kansas City Standard möglich – einem Codierformat für Audiodaten, das auf Kassette gespeichert wurde. Manche Nutzer zweckentfremdeten das Kassetteninterface für primitive Tonausgabe, doch echte Musik- oder Effektfähigkeiten fehlten vollständig.
Der Massenspeicher bestand standardmäßig aus einem Kassettenrekorder-Anschluss, der mit 300 bis 1200 Baud arbeitete. Gegen Aufpreis konnte das System um ein Floppy-Interface (Model 470) ergänzt werden. Hier kamen wahlweise 5¼-Zoll- oder 8-Zoll-Laufwerke zum Einsatz. In seltenen Fällen wurde sogar ein Festplattenanschluss für Winchester-Laufwerke implementiert – eine für die späten 1970er geradezu futuristische Option. Der interne Arbeitsspeicher konnte von 4 KB (auf der CPU-Karte) auf bis zu 64 KB aufgerüstet werden, was für komplexe BASIC-Programme oder datenintensive Anwendungen absolut notwendig war.

In puncto Peripherie war der C2 ausgesprochen vielseitig. Neben parallelen und seriellen I/O-Karten bot OSI auch Druckerschnittstellen, einen Terminalanschluss, eine Mehrprozessor-Karte (Model 460Z) sowie diverse RAM-Erweiterungsplatinen an. Eine geplante Sprachsyntheseeinheit wurde angekündigt, aber nie über das Prototypstadium hinaus realisiert. Die Tastatur war separat im Gehäuse verbaut und erinnerte in Aufbau und Haptik eher an industrielle Terminals als an Heimcomputer-Tastaturen.

Die physische Größe variierte je nach Modell: Der C2-4P maß etwa 40 × 30 × 15 cm, der C2-8P war nochmals größer und erforderte einen separaten Monitor und häufig eine externe Stromversorgung. Das Design war funktional, industriell, kantig – und entsprach damit ganz dem technologischen Ethos der späten 1970er.

Die Preise für den Ohio Scientific C2 begannen 1978 bei 598 US-Dollar für das C2-4P-System. Das C2-8P schlug mit rund 799 US-Dollar zu Buche. Inflationsbereinigt entspricht dies im Jahr 2025 etwa 3.500 bis 4.700 Euro, je nach Modell und Ausstattung. Verglichen mit einem Apple II, der damals weit über 1.200 Dollar kostete, war der C2 also ein attraktives Angebot für technisch versierte Nutzer mit professionellen Ansprüchen. In der Fachpresse wurde der C2 teils wohlwollend, teils kritisch besprochen. Das Magazin Kilobaud lobte ihn als „beispiellose modulare Plattform für ernsthafte Computeranwender“, während Byte die Integration und Modularität herausstellte, jedoch die fehlende Farbgrafik bemängelte. Die Nachrichtenagentur UPI schrieb 1978: „Ein portabler Computer mit Fähigkeiten, die man sonst nur von Minis kennt.“

Die Verkaufszahlen lassen sich heute nur grob abschätzen. Bekannt ist, dass Ohio Scientific 1979 etwa 18 Millionen Dollar Umsatz erzielte und rund 300 Mitarbeiter beschäftigte. Der C2 war vor allem in Universitäten, Forschungseinrichtungen und kleinen Industriebetrieben zu finden – seltener im privaten Gebrauch. Sein modularer Aufbau, seine Erweiterbarkeit und seine offene Architektur machten ihn beliebt bei Bastlern, doch die lange Lieferzeiten und das Fehlen eines größeren Software-Ökosystems verhinderten eine breitere Marktdurchdringung. Im Vergleich zum Vorgänger, dem populären Superboard II, bot der C2 eine erheblich professionellere Bauweise, bessere Erweiterungsmöglichkeiten und eine robuste Backplane-Struktur. Gegenüber Konkurrenten wie dem Apple II, dem Commodore PET oder dem TRS-80 konnte er technisch mithalten, doch fehlten ihm ein attraktives Gehäuse, Farbfähigkeit und der Zugang zu einer großen Entwicklergemeinde – Punkte, die für Endanwender immer entscheidender wurden.

Trotzdem bleibt der Ohio Scientific C2 ein Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte des Mikrocomputers. Er verkörpert jene Zwischenphase, in der sich die Heimcomputertechnik von der Garagenbastelei zur ernsthaften Computertechnik emanzipierte. Die Entwickler Michael und Charity Cheiky sowie Dale Dreisbach waren Pioniere, deren Beitrag zum frühen Mikrocomputermarkt in Fachkreisen heute mit Respekt betrachtet wird. Obwohl Ohio Scientific in den frühen 1980er Jahren schließlich von der Firma M/A-COM übernommen wurde und der Markenname verschwand, lebt der C2 in Sammlerkreisen fort – nicht zuletzt als Symbol für eine Ära, in der technische Eleganz und logisches Design noch mehr zählten als bunte Grafiken und Geräuschkulissen.

Franklin ACE 100

Franklin ACE 100

mrbrowns franklin ace 100Wenn ich Dich, werter Leser, fragen würde, ob Du irgendwann einmal in Deinem Leben ein Programm ohne Zustimmung des Urhebers kopiert hast, würdest Du wahrscheinlich mit einem verlegenen Lächeln zustimmen, denn höchstwahrscheinlich hast Du die Zeit miterlebt und möglicherweise dank Programmen wie bspw. X-Copy auf dem Amiga ausgiebig davon Gebrauch gemacht (Nur zur Beruhigung: die Verjährungsfrist ist hier schon längst vorbei). Das nicht nur der private Heimanwender sich das Leben etwas vereinfachen wollte, ist daraus sicherlich erklärlich und beruhte auch auf der Tatsache, dass es noch bis Anfang der 1980er keine wirklichen Präzedenzfälle existierten. Dies sah auch der US-amerikanische Hersteller Franklin Computer Corporation so und präsentierte 1982 die ACE Modellreihe, die absolut Apple II kompatibel waren.

Technisch gesehen war der ACE 100 keine Nachbildung, sondern eine exakte Kopie des Apple II Plus: Franklin hatte den ROM-Inhalt von Apples System, inklusive BASIC-Interpreter, Monitorprogramm und Betriebssystem, Byte für Byte übernommen. Dies führte später zum wegweisenden Rechtsstreit Apple Computer, Inc. v. Franklin Computer Corp., der die Rechtsauffassung über Software-Urheberrecht nachhaltig prägte. Im Inneren arbeitete wie beim Original ein MOS Technology 6502 mit 1,023 MHz. Der 8-Bit-Prozessor war der zentrale Baustein zahlreicher Heimcomputer der Zeit, von der Atari-8-Bit-Serie bis zum Commodore 64. Er konnte direkt auf bis zu 64 KB RAM zugreifen, was dem ACE 100 voll zur Verfügung stand.

Die Grafikfunktionen entsprachen exakt dem Apple II Plus: Textmodus mit 40×24 Zeichen, Low-Resolution-Grafik mit 40×48 Bildpunkten bei 15 Farben plus schwarz, High-Res mit 280×192 bei bis zu sechs gleichzeitigen Farben, abhängig von den NTSC-Farbphasen. Für Ton sorgte wie beim Original ein 1-Bit-Speaker, der über Software getaktet wurde – komplexe Musik war nur durch gezieltes Pulsweitenmodulieren möglich.

Das ROM des ACE 100 enthielt eine 1:1-Kopie von Apples Integer BASIC (entwickelt von Steve Wozniak) sowie Apples Betriebssystem DOS 3.3. Der Computer unterstützte alle Apple-II-Platinen und Softwaretitel, da er vollständig signal- und softwarekompatibel war. Die Anschlussmöglichkeiten umfassten Composite-Video, Gameport, einen Erweiterungsbus mit acht Slots sowie Diskettenanschluss. Als Massenspeicher kamen externe 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerke zum Einsatz – meist 140 KB pro Diskette –, häufig Apple-kompatible Nachbauten von Franklin selbst.

Ursprünglich wurde der ACE 100 als sogenannte „Bare Board“-Lösung vertrieben – ein vollständig bestücktes Mainboard ohne Gehäuse, Tastatur oder Netzteil. Zielgruppe waren technisch versierte Nutzer, Schulen und OEM-Kunden, die den Rechner in bestehende Apple-II-kompatible Gehäuse oder selbstgefertigte Lösungen einbauen wollten. Dennoch kam es im Handel bald zu Verwirrungen: Einige Dritthändler und Systemhäuser verkauften den ACE 100 auch als Komplettgerät, indem sie das Board mit Gehäuse, Tastatur und Netzteil kombinierten. Diese Varianten wurden teils noch unter dem Namen ACE 100 angeboten, obwohl der erste offiziell von Franklin vermarktete Komplettrechner auf Basis desselben Boards bereits ACE 1000 hieß.

Der Preis des ACE 100 als Mainboard lag bei rund 499 US-Dollar, was inflationsbereinigt ca. 1.475 Euro im Jahr 2025 entspricht – deutlich günstiger als der Apple II Plus mit etwa 1.195 Dollar (über 3.400 Euro heute). Diese Preisstrategie machte den ACE 100 besonders bei Bildungseinrichtungen beliebt. Presseberichte zur Veröffentlichung waren gespalten. Während Magazine wie Creative Computing das Gerät als „kostengünstigen Hoffnungsträger für Bildungseinrichtungen“ bezeichneten, schrieb BYTE Magazine im Oktober 1982: „Ein guter Computer, doch moralisch fragwürdiger Ursprung.“ Besonders Apple-Fans sahen in Franklin einen Trittbrettfahrer.

Etwa 20.000 Einheiten wurden laut interner Verkaufszahlen von Franklin bis Anfang 1983 ausgeliefert. Ein Lehrer aus Kalifornien baute mit Schülern Plexiglas-Gehäuse um ACE-Boards – ein Schulprojekt, das zum halblegalen Apple-Klonlabor wurde. „Ich hätte Apple lieber gekauft, aber mein Budget erlaubte das nicht. Der Franklin tat, was ich brauchte – Punkt“, sagte er rückblickend in einem Interview mit Popular Computing.

Apple war selbstredend kein allzu großer Freund der ACE Reihe und klagte bereits zur Veröffentlichung auf Urheberrechtsverletzung. Der Rechtsstreit Apple v. Franklin war ein historisches Verfahren in den USA, das maßgeblich die Rechtsgrundlage für den Schutz von Software festlegte. Franklin argumentierte, dass ROM-Code keine „literarischen Werke“ im Sinne des Urheberrechts seien und deshalb nicht geschützt werden könnten. Die Entscheidung des Berufungsgerichts (3rd Circuit) im Jahr 1983 war bahnbrechend: Das Gericht erklärte, dass auch Maschinencode in ROMs urheberrechtlich schützbar ist, selbst wenn dieser nicht direkt lesbar ist. Dies war das erste Mal, dass ein US-Gericht urheberrechtlichen Schutz für firmwarebasierte Software bestätigte.

Das Verfahren zog sich bis 1988 hin. Franklin verlor in allen wesentlichen Punkten. Die Firma musste den Vertrieb der betroffenen Produkte einstellen oder neu designen, was ihren Marktanteil stark schrumpfen ließ. Franklin bot später den ACE 500 mit neuem ROM und eigener Softwarearchitektur an – jedoch ohne die vollständige Kompatibilität, die den ACE 100 so erfolgreich gemacht hatte. Gegenüber direkten Konkurrenten wie dem Commodore PET oder dem Tandy TRS-80 war der Franklin ACE 100 grafisch unterlegen, aber durch seine Apple-Kompatibilität deutlich vielseitiger. Für Bastler war er eine kostengünstige Alternative – für Apple ein Dorn im Auge.

Der ACE 100 war also mehr als nur ein Plagiat. Er war ein politischer Computer, ein juristisches Exempel, ein Spiegel der frühen 80er-Jahre zwischen Innovation, Nachbau und der Suche nach Standards. Heute ist er ein Sammlerstück – gerade weil er als einziger Computer in US-Geschichte vor Gericht tatsächlich als urheberrechtswidrig verboten wurde, obwohl er technisch brillant umgesetzt war.

Archimedes A7000

Archimedes A7000

Der Archimedes A7000 war einer der letzten klassischen Computer von Acorn Computers Ltd., jener traditionsreichen britischen Firma, die sich bereits in den 1980er Jahren mit ihren innovativen BBC-Mikrocomputern und der Einführung des RISC-Konzepts als Pionier auf dem Heimcomputermarkt etablierte. Der A7000 wurde im Juli 1995 vorgestellt und markierte den Versuch, ein erschwingliches und zugleich leistungsfähiges Modell für den Bildungsbereich und ambitionierte Heimnutzer anzubieten, das die Tugenden seiner Vorgänger mit moderneren Bauteilen verband. Während der A7000 äußerlich kompakter wirkte, verbarg sich unter seinem schlichten grauen Kunststoffgehäuse ein System, das auf RISC OS 3.6 lief und in vielerlei Hinsicht den Brückenschlag zwischen der alten Archimedes-Reihe und den späteren RiscPCs darstellte.

Der A7000 nutzte einen ARM7500-Prozessor, eine Variante des ARM7 mit integrierter MMU, Video- und I/O-Einheiten, die Acorn in Zusammenarbeit mit ARM Ltd. entwarf. Dieser Chip war nicht nur das Herzstück des A7000, sondern auch ein frühes Beispiel für System-on-Chip-Integration, wie sie später im Embedded-Markt und in Smartphones allgegenwärtig wurde. Der ARM7500 lief mit 32 MHz, war sparsamer und effizienter als viele vergleichbare CISC-Prozessoren jener Zeit und setzte ganz auf die Philosophie der reduzierten Befehlssätze (RISC), bei denen einfache Operationen in konstant kurzer Zeit ausgeführt werden, was eine bemerkenswerte Systemreaktionszeit ermöglichte.

Zum Einführungspreis von £799 für das Basismodell mit Monitor entsprach der A7000 im Jahr 1995 einem heutigen Preis von rund 1.650 Euro inflationsbereinigt (Stand 2025), was ihn preislich im oberen Mittelfeld für Schul- und Heimcomputer platzierte. Die Hardware bot dafür eine solide Ausstattung: standardmäßig 4 MB RAM, erweiterbar über einen 72-Pin-FPM-SIMM-Steckplatz. Acorn selbst dokumentierte eine offizielle Obergrenze von 32 MB, da diese Module zur Markteinführung wirtschaftlich und verfügbar waren. Tatsächlich aber kann der A7000 deutlich mehr leisten: Inoffiziell lassen sich Module mit bis zu 128 MB installieren, sofern sie bestimmte elektrische Anforderungen erfüllen, insbesondere eine Single-Sided-Bauweise und eine passende Refresh-Rate. Das Betriebssystem RISC OS 3.6 erkennt den gesamten Speicher, wenn das Modul kompatibel ist, wie zahlreiche Berichte von Nutzern und Entwicklern in der damaligen Community zeigen. In einem Artikel der Zeitschrift Acorn User von 1996 heißt es dazu: „Though Acorn only certifies the A7000 for up to 32 megabytes of RAM, tests with 64 and even 128 meg modules have shown promising results for enthusiasts.“ Damit bot der A7000 eine für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Speichererweiterbarkeit, auch wenn diese in offiziellen Unterlagen nicht beworben wurde.

Bei der Massenspeicherung zeigte sich der A7000 flexibel. Je nach Modellvariante kam er entweder mit einer 425-MB- oder einer 540-MB-IDE-Festplatte. Einige OEM-Modelle und Schulausführungen enthielten zusätzlich ein CD-ROM-Laufwerk. Der Nachfolger A7000+ wurde meist mit 1,2-GB-Festplatten ausgeliefert. Die IDE-Schnittstelle erlaubte theoretisch Festplatten bis zu 2 GB, und bei entsprechender Partitionierung mittels Tools wie !HForm konnte auch diese Kapazität genutzt werden. Fortgeschrittene Benutzer berichteten sogar von größeren Laufwerken, die mit mehreren Partitionen über RISC OS 3.6 hinaus betrieben wurden. Diese Flexibilität machte den A7000 auch für anspruchsvollere Anwendungen attraktiv, insbesondere in Netzwerken oder in schulischen Umgebungen mit zentralisierter Datenspeicherung.

Als Betriebssystem diente RISC OS 3.6, ein grafisch orientiertes System mit WIMP-Oberfläche, das vollständig in ARM-Assembler und BBC BASIC geschrieben wurde. Die Desktop-Umgebung war durch ihr modulares Fenster-Management und Drag-and-Drop-Bedienung ihrer Zeit voraus. Besonders hervorzuheben war die konsequente Integration der Anwendung mit dem Dateisystem über sogenannte „Application Directories“. In der Presse wurde dies gelobt: „RISC OS remains a highly productive environment, despite the dominance of Windows 95. The Archimedes still feels faster and cleaner.“ schrieb das britische Magazin Acorn User im November 1995.
Die Bildschirmauflösungen reichten je nach angeschlossenem Monitor und VRAM-Konfiguration von 640×480 bis zu 1024×768 bei 256 Farben. Dank des integrierten Videokerns im ARM7500 war der A7000 in der Lage, bis zu 16 Millionen Farben darzustellen, allerdings nur in niedrigeren Auflösungen und bei ausreichendem VRAM. Standardmäßig wurden 256 Farben verwendet – ausreichend für die meisten Anwendungen im Bildungsbereich, aber nicht für grafikintensive Software. Der Soundchip war in den ARM7500 integriert und bot 8-Bit-Stereoausgabe mit bis zu vier Kanälen. Klanglich übertraf der A7000 viele integrierte PC-Lösungen seiner Zeit, insbesondere durch geringere Latenz und klare Signalverarbeitung, wenngleich keine dedizierte Hardware für Effekte oder MIDI integriert war.

Anschlusstechnisch bot das System zwei serielle Ports, einen parallelen Port, analoge und digitale Monitorausgänge, Audioanschlüsse für Lautsprecher, Mikrofon und Kopfhörer sowie Maus- und Tastaturports. Erweiterungskarten konnten über einen internen Pod mit Risercard angeschlossen werden, was spätere Nachrüstungen mit SCSI, Netzwerkkarten oder Genlock-Lösungen ermöglichte. Optional geplante Peripheriegeräte wie ein TV-Out-Modul oder spezielle Scannereinheiten kamen jedoch nicht offiziell auf den Markt, auch wenn Drittanbieter Lösungen anboten.

Hinter der Entwicklung des A7000 stand ein Team unter Leitung von Steve Furber, der zusammen mit Sophie Wilson bereits den ursprünglichen ARM-Prozessor für den BBC Micro entworfen hatte. Furber, ein promovierter Elektrotechniker der Universität Cambridge, war bekannt für seine Philosophie der einfachen, eleganten Hardwarelösungen, während Wilson durch ihre Arbeit an BBC BASIC und dem frühen ARM-Instruction Set Pionierarbeit im Bereich effizienter Mikroarchitekturen leistete. Beide arbeiteten seit den frühen 1980er-Jahren bei Acorn und prägten die DNA der Firma entscheidend. Weitere Beteiligte waren unter anderem Mike Muller, der später Mitbegründer von ARM Holdings wurde.

Verkaufszahlen des A7000 lassen sich nur schätzen, doch laut einem Bericht im Daily Telegraph von 1996 wurden über 25.000 Einheiten allein im britischen Bildungsbereich verkauft. Der Computer war insbesondere in Schulen beliebt, wo seine Robustheit, das leise Betriebsverhalten und die einfache Wartung geschätzt wurden. Im Vergleich zu PCs mit Windows 95 war der A7000 in der Bootzeit, Bedienbarkeit und Wartung oft überlegen – allerdings hinkte er in der Softwareauswahl deutlich hinterher. Während der A7000 im professionellen Bildungssektor punktete, war er für Privatanwender im Multimedia- und Spielebereich weniger attraktiv, was seine Verbreitung außerhalb von Schulen bremste.

Ein Zitat aus dem Acorn-Pressebüro von 1996 bringt die Philosophie des A7000 auf den Punkt: „The A7000 was never meant to compete in raw speed. It's about stability and purpose.“ Und genau dafür stand er – als stabiler, eleganter Computer mit klarem Fokus. Auch wenn er dem internationalen PC-Markt nicht standhalten konnte, bleibt der A7000 ein letzter Meilenstein der britischen RISC-Computer-Ära, geschätzt für seine Ingenieurskunst, Klarheit und die leise Souveränität einer Architektur, die nie auf den Massenmarkt schielte, sondern auf Langlebigkeit und Klarheit.

Yashica YC 64

Yashica YC 64

Der Yashica YC 64 wurde 1984 von Kyocera unter der Marke Yashica als MSX 1 Heimcomputer auf den europäischen Markt gebracht und erschien Ende 1985 offiziell auch in Frankreich . Sein Gehäuse in ungewöhnlichem Rotbraun stach sofort ins Auge – eine bewusst jugendfreundliche Designentscheidung, die ihn von anderen MSX Geräten abhob. Der Preis lag bei etwa 950 DM (rund 798 DM laut MSX Wiki für Deutschland). Umgerechnet und inflationsbereinigt entspräche das heute etwa 400–450 €, was ihn als gehobene Mittelklasse positionierte. Der MSX-Standard versprach einheitliche Kompatibilität, einen großen Softwarepool und internationale Anschlussfähigkeit – ein attraktives Feld für Firmen, die bislang mit Computern wenig zu tun hatten. In Deutschland stellte das Magazin Happy Computer fest : „Wer ›nur‹ ein MSX Gerät ohne Schnörkel und mit viel Speicher sucht, ist mit dem YC 64 ausreichend bedient“

Yashica, in Japan renommiert für Präzisionsoptik und mechanische Kameras, wählte den YC-64 als Einstieg in die neue Heimcomputerwelt. Technisch basierte der Rechner auf der MSX-1-Spezifikation, was ihm auf dem Papier dieselben Fähigkeiten wie Modelle von Sony, Yamaha, Sanyo oder Canon verlieh. Doch trotz des Standards hatte jeder Hersteller Gestaltungsspielraum – und Yashica nutzte diesen in Form eines robusten, fast nüchternen Gehäuses und eines sauberen Board-Designs, das auf langfristige Zuverlässigkeit hin optimiert war.

Im Inneren arbeitete ein Zilog Z80A-kompatibler Prozessor, meist ein NEC D780C-1, mit einer Taktfrequenz von 3,579 MHz. Diese CPU, ein echter Veteran der 8-Bit-Ära, war für die Ausführung des Betriebssystems – MSX BASIC v1.0, lizenziert von Microsoft – und aller Software verantwortlich. Für die grafische Ausgabe kam der Texas Instruments TMS9929ANL zum Einsatz, ein PAL-kompatibler Video Display Processor (VDP), der aus der TMS9918-Reihe stammte. Der Chip konnte 256×192 Pixel mit 16 vordefinierten sichtbaren Farben darstellen– eine für 1984 respektable Leistung, wenngleich sie im Vergleich zu den bitplangetriebenen Systemen wie dem Atari 800 oder dem Amstrad CPC bald altbacken wirkte. Der Sound wurde durch den AY-3-8910 von General Instruments erzeugt – einen Drei-Kanal-Soundchip, der auch in Arcade-Automaten und Heimcomputern wie dem Amstrad CPC oder dem ZX Spectrum 128 seinen Dienst tat. Damit konnte der YC-64 Musik mit drei unabhängigen Stimmen sowie ein Rauschsignal erzeugen, was für viele Spiele der Zeit völlig ausreichte.

Der Computer verfügte über 64 KB RAM – wie es der Name suggeriert – sowie 16 KB VRAM für die Grafikdarstellung. Er besaß zwei MSX-Cartridge-Slots, einen RGB-Video-Ausgang, einen HF-Modulator, einen Anschluss für ein Kassettenlaufwerk zur Datenspeicherung, ein Centronics-kompatibles Druckerinterface, sowie zwei standardisierte MSX-Joystick-Ports. Optional geplant, aber kaum dokumentiert, waren ein 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk, ein Datenrecorder und ein Yashica-eigenes ROM-Modul mit Bildbearbeitungsfunktionen, das jedoch nie den Prototypstatus verließ. Der Bildschirmmodus erlaubte neben Textdarstellung auch Sprites und Hintergrundlayer – allerdings waren alle Grafikebenen durch den VDP hardwareseitig begrenzt, was sich etwa bei der Zahl von maximal 4 Sprites pro Scanline bemerkbar machte.

Das Betriebssystem des YC-64 war, wie bei allen MSX-1-Rechnern, ein modifiziertes Microsoft BASIC mit grafischen Erweiterungen. Es war in ROM untergebracht und bot neben üblichen BASIC-Befehlen auch Sprachbefehle zur Spritedarstellung, zur Kollisionsabfrage und zur Musikprogrammierung. Eine typische Softwaredistribution erfolgte über Cartridges oder Kassetten, die problemlos auf anderen MSX-Geräten liefen – das war der große Vorteil des Standards. Der Preis für den YC-64 betrug in Japan umgerechnet etwa 45.000 Yen. Inflationsbereinigt entspricht das im Jahr 2025 einem Betrag von ca. 280 €, wobei die Preise regional schwankten und das Gerät in Europa kaum offiziell vertrieben wurde.

Entwickelt wurde das Gerät im Auftrag von Kyocera, das bereits OEM-Erfahrung mit Computern gesammelt hatte. Yashica fungierte vor allem als Marke und Vertrieb. In Frankreich wurde das Gerät unter dem Label Triumph-Adler vermarktet, was zur geringen Verbreitung beitrug, denn der französische MSX-Markt wurde schnell von Philips und Sony dominiert. Die Verkaufszahlen des YC-64 waren entsprechend gering: Schätzungen gehen von weniger als 25.000 verkauften Einheiten weltweit aus. Eine Veröffentlichung in Großbritannien, wo MSX ebenfalls Fuß fassen sollte, unterblieb. Zeitgenössische Presseberichte erwähnten das Gerät nur am Rande – so schrieb die französische Zeitschrift "Hebdogiciel" im Jahr 1985: „Der YC-64 ist gut gebaut, aber zu konventionell, um hervorzustechen. Seine Tastatur ist angenehm, aber ihm fehlt eine echte Persönlichkeit.“

Zu den Entwicklern des Geräts gehörte ein kleines Team von Kyocera-Ingenieuren unter Leitung von Shigeru Yoshida, einem ehemaligen Designleiter bei Sanyo, der sich mit der Miniaturisierung von Schaltkreisen befasste. Yoshida wurde später als Mitentwickler des ersten Kyotronic-Laptops (dem KC-85) bekannt, der als Vorlage für den Tandy 100 diente. Der VDP wurde von TI in Zusammenarbeit mit Yamaha abgestimmt, letztere war ebenfalls stark in der MSX-Spezifikation engagiert. Der Soundchip Entwickler, Paul Zoulidjian, war zuvor bei GI und später bei Microchip Technologies tätig. Er entwarf 1983 den AY-3 8910 und hatte maßgeblichen Einfluss auf das Klangbild ganzer Heimcomputer-Generationen.

Gegenüber der Konkurrenz bot der Yashica YC-64 kaum Alleinstellungsmerkmale. Verglichen mit dem Philips VG-8020 oder dem Sony Hit-Bit HB-75 war er solide, aber uninspiriert. Es fehlte ein eingebauter Datenrecorder, ein zweizeiliges Display oder ein grafisch gestaltetes OS-Menü. Gegenüber dem Spectravideo SV-328, einem Vorläufer des MSX-Standards, war der YC-64 preislich günstiger, aber technisch konservativer. Auch gegenüber dem Commodore 64 konnte das Gerät wenig ausrichten – der C64 hatte besseren Sound, hardwaregestützte Scrolling-Effekte und eine lebendige Spiele-Szene.

Der YC-64 verschwand rasch vom Markt. Die endgültige Aufgabe des Heimcomputerfeldes durch Yashica erfolgte 1986, als die Kameraentwicklung wieder in den Fokus rückte. Nach dem Aufkauf von Yashica durch Kyocera im selben Jahr wurde jegliche Computertätigkeit eingestellt. Der YC-64 blieb somit eine einmalige Episode, heute ein gesuchtes Sammlerstück. Es existieren Nachbauten in Form von OpenMSX-kompatibler Hardware oder als Eintrag in MSX-Emulatoren. Aufgrund der standardisierten MSX-Struktur ist der YC-64 vollständig emulierbar.

Eine kleine Fangemeinde in Frankreich betreibt heute Webseiten, die sich mit seltenen MSX-Modellen beschäftigen. Auf MSX.org finden sich Scanbilder des Motherboards, ROM-Dumps und sogar alternative Keyboard-Mappings für moderne Emulatoren. Die Community schätzt den YC-64 heute weniger für seine Funktionen, sondern mehr als technisches Zeitdokument: eine ambitionierte Kamera-Firma, die kurzzeitig in die Welt der Bits und Bytes eintauchte – und ein Gerät schuf, das funktionierte, aber im Schatten seiner berühmteren MSX-Brüder unterging. Ein ehemaliger Yashica-Mitarbeiter schrieb in einem Forenbeitrag 2011: „It worked. It did everything it was supposed to. But it never felt like ours. We were lens engineers trying to play computer.”

Lucas Nascom 1

Lucas Nascom 1

Lucas Nascom 1Der Lucas Nascom 1 war ein britischer Einplatinen-Computerbausatz, der im November 1977 eingeführt wurde. Die grundsätzliche Entwicklungs-Idee kam ursprünglich von einer US-amerikanischen Firma namens Nasco, die jedoch speziell an den englischen Markt dachte, als sie mit John Marshall und Kerr Borland von Nascom Microcomputers kooperierte. Entwickelt wurde er schließlich von Chris Shelton, dessen Ziel es war, einen erschwinglichen Computer für Elektronikbegeisterte zu schaffen. Mit einem Preis von £197,50 (inflationsbereinigt etwa 1.590 € im Jahr 2025) war der Nascom 1 deutlich günstiger als zeitgenössische Modelle wie der Commodore PET oder der Apple II. Das Herzstück des Nascom 1 war ein Zilog Z80-Prozessor mit einer Taktfrequenz von 1 oder 2 MHz. Der Computer verfügte über 2 KB RAM, von denen 1 KB für den Videospeicher reserviert war, und 1 KB ROM, das das Monitorprogramm NAS-BUG enthielt. Die Textanzeige ermöglichte 48 Zeichen pro Zeile in 16 Zeilen (48×16), wobei keine Grafik- oder Farbdarstellung unterstützt wurde.

Der Nascom 1 wurde als Bausatz geliefert, der etwa 1.310 Lötstellen umfasste. Trotz des Aufwands war er bei Hobbyisten beliebt, da er eine vollständige QWERTY-Tastatur und eine Videoausgabe bot—Features, die bei vergleichbaren Kits selten waren. Daten konnten über eine serielle Schnittstelle nach dem Kansas City Standard auf Kassetten gespeichert werden. Zudem verfügte der Nascom 1 über zwei 8-Bit-Parallelschnittstellen und konnte mit zusätzlichen Hardwarekomponenten wie Floppy-Disk-Laufwerken und Soundkarten erweitert werden. In den ersten 18 Monaten nach der Markteinführung wurden über 12.000 Einheiten verkauft. Bis Mai 1980 stieg die Zahl auf über 35.000 verkaufte Nascom 1 und Nascom 2 Systeme, was ihn zu einem der erfolgreichsten Selbstbaucomputer seiner Zeit machte.

Der Nascom 1 bot eine Vielzahl von Erweiterungsmöglichkeiten. Neben der Unterstützung für Programmiersprachen wie BASIC, Pascal, C und Forth konnten Benutzer auch zusätzliche Hardware wie Speichererweiterungen und Peripheriegeräte anschließen. Dies machte den Nascom 1 zu einer flexiblen Plattform für verschiedene Anwendungen, von der Textverarbeitung bis hin zu Spielen. Trotz seiner Vorteile hatte der Nascom 1 auch einige Nachteile. Der Zusammenbau des Bausatzes erforderte technisches Know-how, und es waren zusätzliche Komponenten wie ein Netzteil und ein Gehäuse erforderlich, die separat erworben werden mussten. Zudem war der Computer standardmäßig nicht mit einem Soundchip ausgestattet; Audiofunktionen konnten nur durch zusätzliche Hardware realisiert werden. Im Vergleich zu Konkurrenten wie dem Commodore PET oder dem Apple II war der Nascom 1 zwar günstiger, bot jedoch keine integrierte Lösung mit Gehäuse, Netzteil und Monitor. Dennoch war er aufgrund seiner Erweiterbarkeit und der aktiven Community eine beliebte Wahl für Technikenthusiasten. Sein Einfluss auf die Entwicklung von Personal Computern in Großbritannien ist unbestritten, und er bleibt ein faszinierendes Beispiel für die Innovationskraft der frühen Computerpioniere.

Fujitsu FM-7

Fujitsu FM-7

Fujitsu FM-7Der Fujitsu FM-7, auch bekannt als „Fujitsu Micro 7“, wurde im November 1982 als kostengünstiger Heimcomputer eingeführt und war eine vereinfachte Version des FM-8. Trotz seiner Positionierung als Einsteigermodell übertraf er seinen Vorgänger in mehreren technischen Aspekten. Während der Entwicklungsphase des FM-7 wurde das Gerät intern als „FM-8 Jr.“ bezeichnet. Es wurden mehrere Prototypen getestet, um die Hardware zu optimieren und die Produktionskosten zu senken. Diese Prototypen führten schließlich zur finalen Version des FM-7, die sich durch ihre Dual-CPU-Architektur und den AY-3-8910 Soundchip auszeichnete.

Ausgestattet mit zwei MBL 68B09 Prozessoren, die jeweils mit 2 MHz betrieben wurden, übernahm einer die Hauptverarbeitung, während der andere für Grafik- und I/O-Aufgaben zuständig war. Diese Dual-CPU-Architektur ermöglichte eine effiziente Aufgabenverteilung und verbesserte die Gesamtleistung des Systems. Der FM-7 verfügte über 64 KB RAM, 48 KB VRAM und 48 KB ROM. Die Grafikauflösung betrug 640×200 Pixel mit der Fähigkeit, 8 Farben gleichzeitig darzustellen. Für den Klang sorgte der AY-3-8910 Soundchip, der drei Kanäle für die Tonerzeugung bot. Spätere Modelle, wie der FM77AV, integrierten den fortschrittlicheren Yamaha YM2203 Soundchip, der zusätzliche FM-Synthese-Funktionen bereitstellte.

Der FM-7 wurde mit verschiedenen Betriebssystemen ausgeliefert, darunter Fujitsu Disk BASIC, OS-9 und FLEX. Diese Vielfalt ermöglichte es den Nutzern, das System an ihre spezifischen Anforderungen anzupassen. Als Speichermedien kamen Kassetten und 5,25-Zoll-Disketten zum Einsatz. Das Gerät bot Schnittstellen wie RS-232, Centronics, RGB-Videoausgang und drei Erweiterungsslots, die beispielsweise für eine optionale Z80-CPU-Karte genutzt werden konnten.

Mit einem Einführungspreis von 126.000 Yen war der FM-7 deutlich günstiger als der FM-8, der 218.000 Yen kostete. Inflationsbereinigt entspricht dies etwa 1.000 Euro im Jahr 2025. Diese Preisgestaltung trug maßgeblich zur Popularität des FM-7 bei, insbesondere unter Computerenthusiasten in Japan. Insgesamt wurden rund 220.000 Einheiten des FM-7 verkauft.
Der FM-7 konkurrierte hauptsächlich mit dem NEC PC-8801 und dem Sharp X1. Obwohl er in einigen technischen Aspekten unterlegen war, überzeugte er durch sein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und seine Erweiterbarkeit. Im Vergleich zum FM-8 bot der FM-7 eine verbesserte Klangqualität und eine effizientere Architektur, während er gleichzeitig kostengünstiger war.
Die Entwicklung des FM-7 wurde von einem Team unter der Leitung von Fujitsu-Ingenieuren durchgeführt, die zuvor am FM-8 gearbeitet hatten. Ihr Ziel war es, einen erschwinglichen Heimcomputer zu schaffen, der dennoch leistungsfähig genug für verschiedene Anwendungen war. Der FM-7 wurde auch in Spanien unter dem Namen Secoinsa FM-7 verkauft und fand dort insbesondere im Bildungsbereich Anwendung.

Der Fujitsu FM-7 war ein bedeutender Heimcomputer in Japan und diente als Plattform für viele aufstrebende Entwickler. Ein herausragendes Beispiel ist Hironobu Sakaguchi, der später als Schöpfer der „Final Fantasy“-Reihe Berühmtheit erlangte. Seine Karriere begann mit der Entwicklung von Textadventures wie „The Death Trap“ (1984) und dessen Nachfolger „Will: The Death Trap II“ (1985) für den FM-7. Diese frühen Werke legten den Grundstein für seine spätere Erfolgsgeschichte bei Square.