Acorn Archimedes A540 – Das professionelle Spitzenmodell

Als Acorn den Archimedes A540 im Sommer 1990 bewarb, rückte die Firma den Arbeitsplatz nach vorn. Nicht der Klassenraum war das Bild, sondern CAD/CAM, Desktop-Publishing, medizinische Bildanalyse, X-Ray-Astronomie, Multimedia-Training, TCP/IP und UNIX-Anbindung. Der Prospekt trug entsprechend selbstbewusst die Überschrift „High Performance Computer Systems“. Der A540 war der Archimedes, mit dem Acorn zeigen wollte, dass ARM und RISC OS nicht nur elegant, sondern auch professionell nutzbar waren.

Acorn Computers aus Cambridge war 1978 von Hermann Hauser und Chris Curry gegründet worden und hatte sich mit dem BBC Micro tief in britische Schulen, Universitäten und Entwicklerzimmer eingeschrieben. Der Archimedes war ab 1987 der radikale nächste Schritt: eigener RISC-Prozessor, eigenes Betriebssystem, eigene Bedienlogik. 1990 setzte Acorn mit dem A540 das Spitzenmodell auf diese Linie. Die in der Chris-Whytehead-Collection beim Centre for Computing History gespiegelte Seite Chris’s Acorns beschreibt den A540 als Flaggschiff der Archimedes-Reihe; genannt werden dort 4 MB RAM, Ausbau bis 16 MB, SCSI als Standard, eine 100-MB-Festplatte, RISC OS 2.01 und ein ARM3-Prozessor.

Der Abstand zu den kleineren Modellen war nicht nur eine Frage des Typenschilds. A410/1, A420/1 und A440/1 arbeiteten noch mit ARM2; der A540 bekam den ARM3. Dazu kamen 4 MB RAM ab Werk, Erweiterungen auf 8, 12 oder 16 MB, eine interne 100-MB-SCSI-Festplatte und SCSI als Serienausstattung statt als Nachrüstung. In Acorns eigener Tabelle fällt der A540 genau an diesen Stellen heraus: Bei den kleineren Archimedes-Modellen endet der RAM-Ausbau deutlich früher, beim A540 beginnt die Grundausstattung bereits dort, wo viele andere Anwender erst aufrüsteten.

Der ARM3 brachte einen internen 4-KB-Cache mit. Das klingt aus heutiger Sicht klein, war aber im Archimedes-System ein echter Vorteil. Acorn erklärte den Leistungssprung selbst damit, dass der Prozessor seltener Befehle und Daten aus dem Hauptspeicher holen musste. Der Cache entlastete also genau die Stelle, an der frühe Archimedes-Systeme empfindlich waren: den gemeinsamen Speicherzugriff von CPU, Grafik und Sound. Acorn formulierte im Prospekt entsprechend selbstbewusst, der A540 hole aus RISC OS und dem ARM3 deutlich mehr heraus als die kleineren Modelle der Reihe.

Solche Vergleiche wurden damals gern mit MIPS-Zahlen unterfüttert, also mit der groben Angabe, wie viele Millionen Instruktionen ein Prozessor pro Sekunde ausführen kann. Auf dem Papier sah der ARM3 dabei beeindruckend aus: vergleichsweise niedriger Takt, hoher Durchsatz. Trotzdem sollte man MIPS-Werte nicht wie eine Bundesligatabelle lesen. Ein ARM-Befehl, ein 68030-Befehl und ein x86-Befehl leisten nicht automatisch dasselbe, und Benchmarks hängen stark davon ab, welche Aufgabe gerade gemessen wird. Als grobe Orientierung erklären die Zahlen aber, warum ein Archimedes schon bei niedriger Taktfrequenz so direkt wirken konnte. Der A540 legte mit ARM3 und Cache noch einmal spürbar nach – besonders auf dem RISC-OS-Desktop, beim Fensteraufbau, beim Wechsel zwischen Anwendungen und bei speicherhungrigen Programmen.

Dazu kam Acorns eigenes Chipsatz-Konzept. MEMC, VIDC und IOC waren keine beliebigen Begleitbausteine, sondern Teil eines abgestimmten Systems: Der MEMC verband ARM-Prozessor, Speicher, VIDC und I/O-Bausteine, während der VIDC Video- und Soundausgabe bereitstellte und seine Daten aus dem RAM in interne Puffer las. Der A540 war also kein PC mit separater VGA-Karte, sondern ein eng verzahntes System aus ARM-CPU, Speichercontroller und Video-/Soundchip. Das hatte Grenzen, weil der Hauptspeicher eine geteilte Ressource blieb. Aber der ARM3-Cache entschärfte diesen Engpass: Je öfter die CPU aus dem Cache arbeiten konnte, desto weniger musste sie auf den Speicherbus zugreifen.

Auch bei der Grafik zielte Acorn klar auf Arbeit statt auf Spieleffekt. Der Prospekt nennt RGB- und Multiscan-Modi, VGA mit 640 × 480 Bildpunkten in 16 oder 256 Farben, SVGA mit 800 × 600 Bildpunkten in 16 Farben sowie hochauflösenden Monochrombetrieb mit 1152 × 900 Bildpunkten. Für DTP, CAD und technische Anwendungen war das eine brauchbare Ansage: Ein stabiler, scharfer Desktop zählte hier mehr als möglichst bunte Spielemodi.

Die Erweiterbarkeit passte zu dieser Rolle. Acorn listete I/O-Karten für Steuer- und Messaufgaben, ROM-Erweiterungen, MIDI, Genlock, Frame Stores, Echtzeit-Farbdigitalisierung, IEEE-488, STE-Bus, Ethernet und Econet. Sogar Direct Laser Printer Cards stehen im Prospekt, ausdrücklich mit hoher Druckqualität und Geschwindigkeit für DTP. Das klingt heute etwas exotisch, war aber kein Versehen: Acorn wollte den A540 in Arbeitsumgebungen sehen, in denen Druck, Bild, Netzwerk und Spezialhardware nicht nachträglich improvisiert wurden, sondern Teil des Systems waren.

Gleichzeitig blieb der A540 ein teures Gerät. Chris Whytehead nennt für 1990 einen Preis von 2.495 Pfund plus Mehrwertsteuer, ohne Monitor. Die britische Standard-VAT lag 1990/91 bei 15 Prozent; damit kam der Rechner inklusive Steuer auf rund 2.869 Pfund, weiterhin ohne Bildschirm. Nach der Bank-of-England-Inflationsrechnung entspricht ein Preis von 1990 bis Mai 2026 ungefähr dem Faktor 2,54. Daraus werden grob 6.350 Pfund ohne VAT beziehungsweise etwa 7.300 Pfund inklusive damaliger VAT. Zum aktuellen EZB-Referenzkurs von rund 1 Pfund = 1,17 Euro sind das ungefähr 7.400 Euro beziehungsweise 8.500 Euro. Das war kein „mal sehen, ob ich mir den gönne“-Computer, sondern eine Anschaffung für Labore, technische Büros, Bildungseinrichtungen oder sehr entschlossene Acorn-Anwender.

Im direkten Umfeld musste sich der A540 gegen sehr unterschiedliche Gegner behaupten. Ein Amiga 3000 bot 1990 einen Motorola 68030, SCSI, AmigaOS 2.0 und die bekannte Stärke der Commodore-Custom-Chips. Ein 386- oder früher 486-PC punktete weniger mit Eleganz, dafür mit wachsender Softwaremasse, Klonmarkt und dem sicheren Gefühl, auf den kommenden Standard zu setzen. Der Macintosh IIci blieb im professionellen Umfeld ebenfalls präsent, mit 25-MHz-68030, NuBus-Erweiterung und dem vertrauten Macintosh-Ökosystem. Der A540 saß zwischen diesen Welten: schneller und eleganter als viele DOS/Windows-Kombinationen, professioneller positioniert als die kleineren Archimedes-Modelle, aber ohne das weltweite Ökosystem der PC-Welt.

Ein kurzer Blick auf den Acorn R260 zeigt, wie professionell Acorn diese Hardware einordnete. Der R260 war eine eng verwandte Workstation-Variante auf A540-Basis, jedoch mit vorinstalliertem RISCiX, Acorns UNIX-System. Für den A540 blieb RISC OS der Normalfall – aber die Verwandtschaft zeigt, dass Acorn diese Maschine nicht als gehobenen Heimcomputer, sondern als ernsthaften Arbeitsplatzrechner verstand. Dieser Punkt bietet sich später gut für einen eigenen R260-Artikel an.

Belastbare Einzelstückzahlen für den A540 sind schwer zu finden. Whytehead deutet anhand eines Gehäuseaufklebers nur vorsichtig an, dass möglicherweise relativ wenige Geräte gebaut wurden; das ist ein Sammlerhinweis, kein Produktionsnachweis. Für die Archimedes-Familie insgesamt sind die Größenordnungen besser greifbar: Bis Ende 1989 wurden demnach etwa 50.000 Archimedes- und A3000-Systeme verkauft, Anfang 1991 rund 100.000, Mitte 1992 etwa 180.000 und bis zum Risc-PC-Start 1994 über 300.000. Diese Zahlen wurden aber vor allem vom A3000 und den günstigeren Modellen getragen, nicht vom teuren A540.

Nachfolger ist der Acorn A5000. Das Centre for Computing History beschreibt ihn als neues Archimedes-Modell, das den A540 ersetzte; Whytehead hebt beim A5000 vor allem RISC OS 3 hervor, das gegenüber RISC OS 2 ein großer Schritt war. Damit brachte Acorn ARM3-Leistung und ein moderneres RISC OS in ein alltagstauglicheres System. Der A540 blieb der schwerere, teurere und seltenere Vorläufer – und gerade deshalb einer der interessantesten Archimedes-Rechner.

Kurzdaten

Punkt Acorn Archimedes A540
Einführung Juni 1990
Stellung Spitzenmodell der Archimedes-Reihe
CPU ARM3, 32 Bit
Cache 4 KB im ARM3
RAM 4 MB serienmäßig, bis 16 MB ausbaubar
Massenspeicher 100 MB SCSI-Festplatte, 3,5″-Diskettenlaufwerk
Betriebssystem RISC OS 2.01 zum Start
Grafik u. a. 640 × 480 mit 256 Farben, 800 × 600 mit 16 Farben, 1152 × 900 monochrom
Sound 8-Kanal-Sound über VIDC
Erweiterung SCSI serienmäßig, Ethernet/Econet, MIDI, I/O, ROM, Video-/DTP-/Spezialkarten
FPU-Option ARM-FPA/FPA10-Umfeld
Preis 1990 2.495 Pfund plus VAT, ohne Monitor
Heutige Kaufkraft grob 6.350 Pfund / ca. 7.400 Euro ohne VAT; ca. 7.300 Pfund / ca. 8.500 Euro inkl. damaliger VAT
Nähe zum R260 verwandte Workstation-Variante mit RISCiX
Anschlussmodell Acorn A5000

Extensys EX-3000 – Der fast vergessene Multiuser-Computer von 1978

Als die meisten Mikrocomputer der späten 1970er Jahre noch damit beschäftigt waren, einzelne Anwender mit BASIC, Kassettenlaufwerken und einigen Kilobyte Speicher zu versorgen, verfolgte die kalifornische Extensys Corporation einen deutlich ehrgeizigeren Plan. Ihr EX-3000 sollte nicht einfach ein weiterer S-100-Rechner werden. Stattdessen wollte das Unternehmen Technologien zusammenführen, die bis dahin vor allem in deutlich teureren Minicomputern und Großrechnern zu finden waren: Multiprozessorbetrieb, Mehrbenutzerfähigkeit, Multitasking und eine modulare Architektur mit verteilter Verarbeitung.

Bereits in der April-Ausgabe 1978 des Magazins BYTE bewarb Extensys den EX-3000 als eine neue Familie leistungsfähiger und flexibler Computersysteme. Das Unternehmen hob besonders die verteilte Verarbeitung hervor, bei der einzelne Systemkomponenten eigene Aufgaben übernehmen sollten, anstatt sämtliche Arbeit einer zentralen CPU zu überlassen. Während viele Mikrocomputer jener Zeit noch als Einzelplatzsysteme ausgelegt waren, zielte Extensys auf eine deutlich größere Lösung ab.

Technisch basierte der EX-3000 auf dem damals weit verbreiteten S-100-Bus, der bereits durch Systeme wie den Altair 8800, IMSAI 8080 oder zahlreiche Cromemco-Rechner bekannt geworden war. Das Herzstück bildete das Prozessormodul MPU805, das einen Intel 8085 mit Onboard-PROM, priorisierten Interrupts sowie integrierten Timern und Ereigniszählern verwendete. Zusätzlich bot Extensys mit dem MPU800 ein optionales Z80-Prozessormodul an. Bereits diese Kombination war ungewöhnlich, da sie den parallelen Einsatz mehrerer Prozessoren innerhalb eines Systems vorbereitete.

Auch beim Speicher ging Extensys über das hinaus, was viele Wettbewerber anboten. Die Speicherkarte RM64A konnte zwischen 16 und 64 Kilobyte RAM bereitstellen, während die MM16 Memory Management Board durch Bankswitching bis zu einem Megabyte Arbeitsspeicher verwalten konnte. Darüber hinaus verfügte die Karte über einen DMA-Mechanismus für schnelle Datenübertragungen. Für einen Mikrocomputer des Jahres 1978 war dies bemerkenswert, denn die meisten konkurrierenden Systeme bewegten sich noch deutlich näher an der 64-KB-Grenze der damaligen 8-Bit-Prozessoren.

Extensys betrachtete den Rechner nicht als Einzelplatzsystem. Das MTS100 Multiple Terminal Subsystem konnte acht oder mehr unabhängige RS-232C-Schnittstellen bereitstellen und erlaubte den Anschluss mehrerer Arbeitsplätze. Das TPS100 Terminal Processor Subsystem integrierte Tastatur, Bildschirm, serielle Schnittstelle und erweiterte Videoeigenschaften. Für die Massenspeicherung war das FOS100 Floppy Disk Subsystem vorgesehen, das zwischen einem und vier Megabyte Online-Speicher bereitstellen konnte.

Mindestens ebenso ungewöhnlich wie die Hardware war das Betriebssystem EMOS (Extensys Multiprocessor Operating System). Es wurde als Multiprozessor-, Mehrbenutzer- und Multitasking-Betriebssystem beworben und stellte Dateiverwaltung, Programmentwicklungswerkzeuge sowie Speicherschutz für einzelne Benutzer bereit. Darüber hinaus sollte EMOS mehrere EX-3000-Systeme miteinander verbinden können, sodass sie auf gemeinsame Datenbestände zugreifen konnten, während gleichzeitig individuelle Datenbereiche geschützt blieben. Unterstützt wurden Programmiersprachen wie Extended BASIC, COBOL und ANSI FORTRAN.

Aus heutiger Sicht liest sich diese Ausstattung beinahe wie die Beschreibung eines kleinen Minicomputers. Während viele Heimcomputer jener Jahre jeweils nur ein Programm für einen Benutzer ausführten, zielte der EX-3000 auf professionelle Anwendungen, Entwicklungsumgebungen und Mehrplatzlösungen ab. Das einzige bislang bekannte Werbebild zeigt dementsprechend keine wohnzimmertaugliche Tastaturkiste wie einen Apple II oder Commodore PET, sondern ein professionelles System mit separater Bildschirm- und Tastatureinheit.

Trotz der ambitionierten Technik wurde der EX-3000 kein kommerzieller Erfolg. Nach Aussagen eines ehemaligen Mitarbeiters, die Jahrzehnte später veröffentlicht wurden, soll Extensys lediglich ein einziges vollständiges EX-3000-System ausgeliefert haben, bevor die Firma in finanzielle Schwierigkeiten geriet und ihren Betrieb einstellen musste. Eine unabhängige Bestätigung dieser Zahl konnte bislang nicht gefunden werden. Sie würde jedoch erklären, warum weder Verkaufspreise noch belastbare Verkaufszahlen oder ausführliche Produkttests bekannt sind.

Die außergewöhnlich dünne Quellenlage gehört heute selbst zur Geschichte des Rechners. Während von konkurrierenden S-100-Systemen zahllose Anzeigen, Preislisten, Handbücher und Magazineinträge erhalten geblieben sind, beschränken sich die bekannten Informationen zum EX-3000 auf wenige Anzeigen, technische Beschreibungen und Erinnerungen ehemaliger Beteiligter. Selbst Fotos des Systems sind ausgesprochen selten.

Gerade dieser Umstand macht den EX-3000 heute zu einem faszinierenden Kapitel der Computergeschichte. Während viele gescheiterte Systeme wenigstens eine kleine Nutzerbasis oder eine Handvoll erhaltener Geräte hinterließen, scheint der Extensys-Rechner nahezu spurlos verschwunden zu sein. Dennoch zeigen die erhaltenen Unterlagen, dass hier ein Unternehmen versuchte, Konzepte wie Multiprozessorbetrieb, verteilte Verarbeitung und geschützte Mehrbenutzersysteme in den Mikrocomputerbereich zu bringen – zu einer Zeit, als die meisten Hersteller noch damit beschäftigt waren, den Heimcomputer überhaupt erst zu etablieren.

Philips P330 – Der Bürocomputer im Schreibtisch

Der Philips P330 gehörte zu einer Geräteklasse, die heute fast vollständig verschwunden ist: integrierte Büroarbeitsplätze für kaufmännische Anwendungen. Der 1978 vorgestellte Rechner vereinte Bildschirm, Drucker, Laufwerke und Recheneinheit in einem einzigen Möbelstück und war für Aufgaben wie Finanzbuchhaltung, Lohnabrechnung, Fakturierung und Lagerverwaltung vorgesehen. Während spätere Personal Computer meist aus separaten Komponenten bestanden, präsentierte sich der P330 als komplette Arbeitsplatzanlage für den professionellen Einsatz.

Entwickelt wurde das System von Philips Data Systems, jener Unternehmenssparte des niederländischen Elektronikkonzerns, die für Lösungen zur elektronischen Datenverarbeitung verantwortlich war. Der P330 entstand als Nachfolger älterer Philips-Bürosysteme, bei denen Magnetkontenkarten und spezialisierte Abrechnungsverfahren eine wichtige Rolle spielten. Ziel war es, kaufmännische Arbeitsabläufe stärker softwaregestützt abzuwickeln und größere Datenbestände elektronisch zu verwalten.

Bereits die äußere Erscheinung unterschied sich deutlich von dem, was heute üblicherweise mit einem Computer verbunden wird. Die Technik war vollständig in einen massiven Schreibtisch integriert. Vor dem Anwender befand sich ein Schwarz-Weiß-Monitor, daneben arbeiteten die eingebauten Diskettenlaufwerke, während der Drucker direkt in die Tischkonstruktion eingelassen war. Der Bildschirm konnte 24 Zeilen mit jeweils 80 Zeichen darstellen und war auf die Darstellung von Formularen, Listen und Buchungsdaten ausgelegt.

Im Inneren arbeitete ein Intel-8080-Prozessor beziehungsweise ein kompatibler NEC-Lizenznachbau. Zur Standardausstattung gehörten 32 Kilobyte Arbeitsspeicher. Die Datenspeicherung erfolgte über zwei integrierte 8-Zoll-Diskettenlaufwerke. Je nach eingesetzter Laufwerksgeneration konnten unterschiedliche Speicherkapazitäten verwendet werden. Zusätzlich waren ein Magnetband-Kassettenlaufwerk zur Datensicherung sowie externe Festplatten als Sonderausstattung erhältlich.

Der fest eingebaute Nadelmatrixdrucker war für den täglichen Büroeinsatz vorgesehen. Er konnte Journale, Buchungslisten, Kontenauszüge und Durchschlagsformulare direkt ausgeben. Dadurch ließen sich viele Arbeitsabläufe ohne zusätzliche Peripheriegeräte erledigen.

Frühere Philips-Buchhaltungssysteme arbeiteten teilweise mit sogenannten Magnetic Ledger Cards. Dabei handelte es sich um Kontenkarten mit Magnetstreifen, auf denen Buchungsdaten gespeichert wurden. Beim P330 verlagerte sich die Datenspeicherung überwiegend auf 8-Zoll-Disketten. Dadurch konnten größere Datenbestände verwaltet und Arbeitsabläufe flexibler organisiert werden, ohne dass für jedes Konto eine eigene Magnetkarte erforderlich war.

Nach dem Einschalten stand nicht sofort ein betriebsbereites System zur Verfügung. Zunächst musste eine Systemdiskette eingelegt werden, von der Betriebssystem und Anwendungsprogramme in den Arbeitsspeicher geladen wurden. Anschließend standen die jeweils benötigten Buchhaltungs- oder Verwaltungsprogramme zur Verfügung. Der Rechner war für typische kaufmännische Aufgaben in kleinen und mittleren Unternehmen vorgesehen und wurde unter anderem in Finanzabteilungen, Lohnbüros und Verwaltungsbereichen eingesetzt.

Der Markt für solche Systeme war Ende der 1970er Jahre stark umkämpft. Philips konkurrierte unter anderem mit Bürorechnern von IBM, Nixdorf und Wang. Anders als spätere Standard-PCs wurden diese Anlagen meist als vollständige Geschäftslösung verkauft, häufig einschließlich Installation, Wartung, Schulung und branchenspezifischer Software. Die Anschaffungskosten lagen entsprechend hoch. Zeitgenössische Angaben nennen Preise von rund 80.000 niederländischen Gulden, was heute einer Kaufkraft von deutlich über 100.000 Euro entspricht.

Eine unerwartete Bekanntheit erlangte der P330 durch seinen Auftritt im James-Bond-Film „In tödlicher Mission“ aus dem Jahr 1981. In einer frühen Filmszene ist ein originaler Philips P330 auf dem britischen Aufklärungsschiff St. Georges zu sehen. Noch bekannter wurde das verwandte Modell P430, das im Labor von Q als futuristisch wirkender „Identigraph“ zur Rekonstruktion eines Gesichts eingesetzt wurde. Die im Film gezeigten grafischen Fähigkeiten entsprachen allerdings nicht den Möglichkeiten der realen Systeme; die Darstellung entstand durch Filmtricks.

Mit der Verbreitung standardisierter Personal-Computer-Systeme verlor die Klasse proprietärer Bürosysteme zunehmend an Bedeutung. Viele Anlagen wurden nach ihrer Ausmusterung verschrottet. Aufgrund ihrer Größe, ihres Gewichts und der geringen Nachfrage nach veralteten Geschäftssystemen blieben nur wenige Exemplare erhalten. Die überlebenden Geräte befinden sich heute überwiegend in Museen oder in den Sammlungen spezialisierter Retrocomputer-Enthusiasten.

Der Philips P330 dokumentiert einen Abschnitt der Büroautomatisierung, in dem Hersteller komplette Arbeitsplätze statt einzelner Computer lieferten. Für die Anwender stand nicht die Technik im Vordergrund, sondern die tägliche Bearbeitung von Buchungen, Rechnungen und Geschäftsdaten. Genau dafür wurde der P330 entwickelt.

Kompakte Spezifikationen

Hersteller: Philips
Modell: P330
Erscheinungsjahr: 1978
Entwickler: Philips Data Systems
Prozessor: Intel 8080 beziehungsweise kompatibler NEC-Lizenznachbau
Arbeitsspeicher: 32 KB RAM
Bildschirm: Monochrom, 80 × 24 Zeichen
Massenspeicher: 2 × 8-Zoll-Diskettenlaufwerke
Optionen: Magnetband-Kassettenlaufwerk, externe Festplatte
Drucker: integrierter Nadelmatrixdrucker
Einsatzgebiete: Buchhaltung, Lohnabrechnung, Lagerverwaltung, Fakturierung

Poly-88: Die Brücke zwischen S-100-Experiment und Personal Computer

Ein kompaktes Metallgehäuse, darin dicht hintereinander gesteckte Leiterkarten, ein Bildschirm, der Zeichen für Zeichen aufbaut – und ein Benutzer, der nicht nur Programme ausführt, sondern versteht, was im Inneren geschieht. So lässt sich die Welt beschreiben, in der der Poly-88 Mitte der 1970er Jahre seinen Platz findet.

Zu diesem Zeitpunkt beginnt sich der Mikrocomputer gerade erst zu definieren. Ein entscheidender Ausgangspunkt ist der Altair 8800, der 1975 vorgestellt wurde. Dieses System gilt als einer der ersten kommerziell erfolgreichen Mikrocomputer und wurde vor allem als Bausatz vertrieben. Seine Bedeutung lag weniger in der unmittelbaren Bedienbarkeit als in seiner Architektur: Erweiterungskarten wurden über ein gemeinsames Stecksystem verbunden, wodurch sich der Rechner flexibel ausbauen ließ.

Genau dieses Prinzip greift der Poly-88 auf – und führt es einen Schritt weiter.

Das sogenannte S-100 Bus-System, das aus dem Altair hervorging, entwickelte sich rasch zu einem inoffiziellen Industriestandard. Hersteller konnten eigene Karten entwerfen – Speicher, Schnittstellen, Erweiterungen – und wussten, dass sie in bestehende Systeme passten. Diese Offenheit machte den Bus zur Grundlage eines frühen Hardware-Ökosystems, auf dem sich unterschiedliche Ansätze entwickeln konnten.

PolyMorphic Systems entstand genau in diesem Umfeld. Bevor überhaupt an einen eigenen Computer gedacht wurde, produzierte das Unternehmen Erweiterungskarten für Altair-Systeme. Der Schritt zum Poly-88 war also kein Sprung ins Unbekannte, sondern eine logische Konsequenz: Wer die Bausteine liefert, kann irgendwann das ganze System bauen.

Doch genau hier zeigt sich eine Verschiebung im Denken.

Während typische S-100-Rechner wie der Altair oder Systeme wie der IMSAI weiterhin als offene Baukästen mit Frontpanel und Schalterlogik konzipiert waren, geht der Poly-88 einen anderen Weg. Die Karten werden nicht mehr klassisch nebeneinander in einer großen Backplane angeordnet, sondern hintereinander in ein kompaktes Gehäuse integriert. Mit nur fünf Steckplätzen wirkt das System auf den ersten Blick eingeschränkt – tatsächlich markiert diese Entscheidung jedoch einen Übergang: weg vom beliebig erweiterbaren Experimentiergerät, hin zu einem stärker definierten, zusammenhängenden System.

Diese Veränderung ist nicht nur mechanisch, sondern auch philosophisch.

Das Handbuch formuliert den Anspruch ungewöhnlich offen:

„The POLY 88 system is designed to be, not only a powerful problem-solver, but also a source of satisfaction and enjoyment.“
(„Das POLY-88-System ist nicht nur als leistungsfähiger Problemlöser gedacht, sondern auch als Quelle von Zufriedenheit und Freude.“)

Der Rechner soll nicht nur funktionieren – er soll verstanden und erlebt werden. Entsprechend beginnt das Manual nicht mit Einschaltanweisungen, sondern mit einer Einführung in Zahlensysteme, Speicherstrukturen und Maschinenlogik. Der Benutzer wird nicht als Konsument betrachtet, sondern als jemand, der die Abläufe im Inneren nachvollziehen soll:

„Computer users should be able to picture in their minds what the computer is going through…“
(„Computeranwender sollten sich im Geiste vorstellen können, was im Inneren des Computers vor sich geht…“)

Diese Haltung blieb auch zeitgenössischen Beobachtern nicht verborgen. Der Informatiker Jef Raskin beschrieb den Umgang mit dem System in Dr. Dobb’s Journal mit den Worten:

„Sheer joy, my friends, sheer joy.“
(„Reine Freude, meine Freunde, nichts als Freude.“)

Diese Begeisterung entsteht nicht durch rohe Leistung, sondern durch Bedienbarkeit. Der Poly-88 verzichtet weitgehend auf das klassische Frontpanel mit Kippschaltern und LEDs und verlagert die Interaktion in Software: Tastatur, Bildschirm und ein Monitor-Programm übernehmen die Steuerung. Der Benutzer arbeitet nicht mehr gegen die Maschine, sondern mit ihr.

Technisch basiert der Rechner auf dem Intel-8080A-Prozessor, einem Baustein, der weniger durch seine Verbreitung im Massenmarkt als durch seine strukturelle Bedeutung auffällt. Während spätere Prozessoren wie der MOS Technology 6502 oder der Zilog Z80 den Heimcomputermarkt dominieren sollten, legte der 8080 die Grundlage für viele dieser Systeme. Im Poly-88 arbeitet er mit etwa 2 MHz und adressiert einen 16-Bit-Adressraum von bis zu 64 KB.

Einstiegskonfigurationen konnten bereits mit 4 KB RAM betrieben werden, während 8 KB als praxisnah galten, insbesondere im Zusammenspiel mit BASIC. Über das S-100-System ließ sich der Speicher schrittweise bis zur architektonischen Grenze erweitern.

Der Speicher selbst wurde dabei nicht als abstrakter Raum verstanden, sondern als physischer Zustand elektronischer Schaltungen:

„When you store a data quantity in the POLY 88, you are actually manipulating the states of many such devices.“
(„Wenn Sie Daten im POLY-88 speichern, verändern Sie tatsächlich die Zustände zahlreicher solcher Bauelemente.“)

Auch softwareseitig zeigte sich ein deutlicher Schritt in Richtung eines nutzbaren Systems. Der im ROM integrierte Monitor – häufig als „Famous 4.0“ bezeichnet – übernahm die grundlegende Steuerung von Tastatur, Bildschirm und Kassettensystem.

Darauf aufbauend spielte BASIC eine zentrale Rolle, allerdings in einer Form, die sich bewusst von der damals aufkommenden Dominanz Microsofts unterschied. Während Microsoft BASIC auf dem Altair zum De-facto-Standard wurde, setzte PolyMorphic Systems auf eine eigene Implementierung, die eng mit der integrierten Video-Hardware verzahnt war.

Für fortgeschrittene Anwender standen zudem Assembler-Werkzeuge zur Verfügung. In erweiterten Konfigurationen ließ sich das System durch zusätzliche S-100-Karten sogar in die Welt von CP/M überführen.

Ein besonders interessanter Aspekt ist die Darstellungsgrafik. Der Poly-88 verfügte über keinen klassischen Bitmap-Modus, nutzte jedoch eine zeichenbasierte Mosaiktechnik. Der Bildschirm arbeitete mit 64 Zeichen pro Zeile bei 16 Zeilen, wobei jedes Zeichen intern in sechs Subpixel unterteilt war. Daraus ergab sich eine effektive Darstellung von etwa 128 × 48 Bildelementen.

Eines der auffälligeren Programme ist Beast, ein frühes Action-Puzzle, das die Möglichkeiten dieser Darstellung eindrucksvoll nutzte.

Der Alltag war dennoch von Einschränkungen geprägt. Programme wurden meist von Kassette geladen – entweder im Kansas City Standard oder in schnelleren proprietären Formaten. Diskettenlaufwerke waren möglich, jedoch nicht Bestandteil der Grundausstattung.

Zeitgenössische Anzeigen – unter anderem im Umfeld des Byte Magazine – zeigen deutlich, dass der Poly-88 als modulare Plattform vermarktet wurde. Konfigurationen wie „System 0“ (ca. 525 US-Dollar), „System 7“ (ca. 1.750 US-Dollar) oder „System 16“ (bis etwa 2.250 US-Dollar) verdeutlichen die Spannweite.

Inflationsbereinigt entspricht dies heute ungefähr einem Bereich von rund 3.000 Euro bis hin zu etwa 11.000–12.000 Euro. Damit bewegte sich der Poly-88 klar im Segment ernsthafter Investitionsgüter.

Im Vergleich dazu wirkten Systeme wie der Altair weiterhin wie experimentelle Baukästen, während später erscheinende Rechner wie der Apple II den entgegengesetzten Weg einschlugen: stärker integriert, benutzerfreundlicher, aber weniger offen in ihrer Architektur. Der Poly-88 steht genau zwischen diesen beiden Ansätzen – technisch noch Teil der S-100-Welt, konzeptionell jedoch bereits auf dem Weg zum Personal Computer.

Zu den Verkaufszahlen existieren keine gesicherten Gesamtwerte. Seine Bedeutung liegt daher weniger im kommerziellen Erfolg als in seiner konzeptionellen Rolle.

Der Poly-88 markiert einen Übergang. Zwischen offenen Systemen und integrierten Computern, zwischen Ingenieurwerkzeug und persönlichem Gerät.

Und genau darin liegt seine eigentliche historische Einordnung.

Ohio Challenger 1P – Der schnelle Außenseiter der frühen Heimcomputerzeit

Ohio Challenger 1P – Quelle: computinghistory.org.uk

Der Ohio Challenger 1P kam 1978 auf den Markt, zu einem Zeitpunkt, als Heimcomputer bereits ihren Weg in Büros und Privathaushalte gefunden hatten. Systeme wie der Apple II, der Commodore PET 2001 und der TRS-80 Model I hatten ein Jahr zuvor gezeigt, wie ein solcher Rechner aussehen konnte: einschalten, BASIC sehen, arbeiten. Der Challenger 1P wirkt daneben zunächst unscheinbar, ordnet sich aber nicht einfach unter – er verfolgt einen Ansatz, der deutlich stärker aus der Welt der Einplatinencomputer heraus gedacht ist.

Im Kern steckt das bekannte Superboard II, das hier in ein Gehäuse integriert wurde. Das war kein rein kosmetischer Schritt. Während viele Systeme dieser Zeit noch offen betrieben wurden oder mehrere Komponenten benötigten, wirkte der Challenger 1P wie ein geschlossenes Gerät. Gleichzeitig blieb die Architektur nachvollziehbar und direkt zugänglich. Genau diese Mischung zieht sich durch das gesamte System.

Als Prozessor kommt ein MOS Technology 6502 mit rund 1 MHz zum Einsatz. Damit bewegt sich der Rechner auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, unterscheidet sich aber in der praktischen Nutzung. Das im ROM integrierte BASIC von Microsoft gehört zu den schnelleren Vertretern seiner Zeit. Zeitgenössische Tests im Compute!-Magazin zeigen, dass Programme auf dem Challenger 1P zügiger ausgeführt werden als auf vielen vergleichbaren Systemen. Dieser Unterschied ist nicht spektakulär, aber spürbar – gerade bei wiederholten Berechnungen oder einfachen grafischen Ausgaben.

Die Grundausstattung umfasst 4 KB RAM und lässt sich auf 8 KB sowie mit zusätzlicher Hardware auf bis zu 32 KB erweitern . Das System ist damit von Anfang an nicht als statische Lösung gedacht. Erweiterungen erfolgen über zusätzliche Platinen und den OSI-Bus, wodurch sich der Rechner an wachsende Anforderungen anpassen lässt. Allerdings setzt das auch voraus, dass man sich mit der Technik beschäftigt – eine Eigenschaft, die man heute fast schon vermisst.

Bei der Darstellung zeigt sich ein typisches Bild der Zeit. Der Challenger 1P liefert ein Composite-Videosignal, das technisch sauber ist, aber nicht direkt für den Anschluss an einen Fernseher gedacht war. In der Praxis wurde daher meist ein HF-Modulator eingesetzt, wodurch das Signal über den Antenneneingang eingespeist wurde. Das führte zu einer weicheren Darstellung und verstärkte die bekannten Randprobleme. Intern sind 32 × 32 Zeichen möglich, sichtbar sind auf einem üblichen Fernseher jedoch meist nur etwa 24 × 24 . Dieser Unterschied fällt besonders dann auf, wenn Programme für größere Darstellungsflächen ausgelegt sind.

Die Tastatur fällt im positiven Sinne auf. Mit 53 Tasten und einer vollständigen ASCII-Belegung eignet sie sich deutlich besser für ernsthafte Eingaben als viele vereinfachte Lösungen der Zeit. Gerade bei längeren BASIC-Programmen oder strukturierten Eingaben zeigt sich der Vorteil schnell.

Grafisch arbeitet das System nicht mit einem klassischen Pixelmodus, sondern mit einem erweiterten Zeichensatz. Dieser enthält neben Buchstaben und Zahlen auch grafische Elemente, die sich direkt nutzen lassen. Dadurch entstehen einfache Spiele und Visualisierungen, die über reine Textdarstellung hinausgehen, ohne dass zusätzliche Hardware notwendig ist.

Als Massenspeicher dient zunächst ein Kassettensystem mit 300 Baud nach dem Kansas-City-Standard . Das Laden von Programmen erfordert Geduld, entspricht aber dem damaligen Standard. Mit den optionalen Mini-Floppy-Laufwerken ändert sich das deutlich. Programme stehen schneller zur Verfügung, und der Umgang mit Daten wird wesentlich komfortabler.

Über die 610-Erweiterungsplatine lassen sich neben zusätzlichem Speicher auch Diskettencontroller sowie Schnittstellen für Drucker und Modem integrieren . Damit entwickelt sich der Challenger 1P von einem einfachen Einstiegssystem zu einer flexiblen Arbeitsumgebung, die sich an unterschiedliche Anforderungen anpassen lässt.

Preislich lag der Rechner bei rund 349 US-Dollar. Inflationsbereinigt entspricht das heute etwa 1.600 bis 2.000 Euro. Ein vollständiges System mit Monitor oder geeigneter Peripherie lag entsprechend darüber, sodass auch dieser Rechner eine bewusste Anschaffung darstellte.

Im direkten Vergleich positioniert sich der Challenger 1P zwischen den etablierten Systemen seiner Zeit. Der Apple II bietet mehr Flexibilität durch sein Steckkartensystem, der Commodore PET 2001 überzeugt durch seine geschlossene Bauweise, und der TRS-80 Model I richtet sich klar an Einsteiger. Der Challenger 1P ist in vielen Bereichen schneller, bleibt dabei aber technischer und weniger komfortorientiert.

Genau so wurde er auch beschrieben. Das Compute!-Magazin sieht in ihm eine ernstzunehmende Option für Anwender, die programmieren möchten und dabei auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis achten. Dieser Eindruck passt auch heute noch.

Der Challenger 1P ist kein System, das versucht, den Nutzer zu entlasten. Er bleibt nah an seiner technischen Basis, lässt sich nachvollziehen und erweitern, verlangt dafür aber auch ein gewisses Maß an Verständnis. Gerade darin liegt seine Besonderheit.

 

Morrow Designs Micro Decision – Professionelle CP/M-Power im Übergang zum PC-Standard

Als George Morrow 1982 den Micro Decision auf den Markt brachte, war er längst keine unbekannte Größe mehr. Bereits in den 1970er-Jahren hatte er sich im entstehenden Mikrocomputermarkt etabliert und galt als überzeugter Befürworter des S-100-Busses, einem der ersten weit verbreiteten standardisierten Computerbusse, der in zahlreichen Systemen jener Zeit Verwendung fand. Morrow beteiligte sich nicht nur an dessen Verbreitung, sondern entwickelte auch eigene Erweiterungen und Zubehör. Mit einer Speichererweiterung für den Altair 8800 gab er sein Debüt als Hardwarehersteller.

Doch George Morrow plante mehr. Wie andere Unternehmer jener Zeit wollte er Computer nicht nur für Spezialisten bauen, sondern für eine breitere Anwenderschaft zugänglich machen. Anders als etwa Jack Tramiel zielte Morrow jedoch nicht primär auf den günstigsten Preis, sondern auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Leistung, Ausstattung und Kosten. Der Micro Decision war daher als kompakter Business-Computer konzipiert, der professionelle Anwendungen ermöglichen sollte, ohne in die Preisregion großer Bürorechner vorzudringen.

Vor diesem Hintergrund erschien 1982 Morrows eigener Rechner, der Micro Decision, als konsequenter Schritt vom Komponentenhersteller zum Anbieter kompletter Arbeitsplatzsysteme.

Technisch basierten die Micro-Decision-Rechner auf einem Zilog Z80A mit 4 MHz und nutzten 64 KB RAM, womit die maximale Speichergröße erreicht wurde, die unter CP/M direkt adressierbar war. Als Betriebssystem kam CP/M 2.2 zum Einsatz, ergänzt durch Morrows menügesteuerte Software-Oberfläche, die den Einstieg in die Softwarewelt erleichtern sollte. Damit war das System klar als Arbeitsmaschine gedacht und weniger als Experimentierplattform.

Die frühen Modelle wurden in Varianten mit ein oder zwei internen 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerken angeboten. Hier lag auch der wichtigste Unterschied zwischen den verbreiteten Konfigurationen: Während das MD2 zwei einseitige Laufwerke mit zusammen etwa 400 KB nutzbarem Speicher bot, verfügte das MD3 über doppelseitige Laufwerke mit nahezu doppelter Kapazität. Für Anwender bedeutete dies vor allem weniger Diskettenwechsel und damit spürbar effizienteres Arbeiten.

Der Einführungspreis lag bei rund 1599 US-Dollar für ein vollständiges MD2-System und etwa 1899 US-Dollar für das leistungsfähigere MD3-Modell. Inflationsbereinigt entspricht dies heute grob fünf- bis sechstausend Dollar, womit sich die Rechner im unteren bis mittleren Business-Segment bewegten. Sie waren damit deutlich teurer als Heimcomputer, aber günstiger als viele größere Büroanlagen.

Zeitgenössische Tests bescheinigten dem System eine solide Ausstattung. In einer Rezension wurde der Micro Decision als leistungsfähiges CP/M-System mit einer für den Preis bemerkenswert umfangreichen Hard- und Software-Ausstattung beschrieben. Diese Einschätzung verdeutlicht den historischen Standpunkt: leistungsfähig innerhalb seiner Klasse, aber bereits technisch konservativ.

Im Wettbewerb standen die Morrow-Rechner vor allem mit anderen CP/M-Systemen wie dem Osborne 1, dem Kaypro II oder dem Xerox 820. Gegenüber diesen boten sie eine umfangreiche Softwareausstattung und ein vergleichsweise komfortables Bedienkonzept. Mit dem Aufkommen des IBM-PC-Standards verloren solche Systeme jedoch rasch an Bedeutung, da sich der Markt zunehmend auf 16-Bit-Architekturen verlagerte.

Im Laufe der Zeit entstand eine ganze Modellfamilie innerhalb der Micro-Decision-Serie. Neben frühen Diskettenvarianten erschienen später Systeme mit erweiterten Konfigurationen und optionalen Festplattenlösungen, darunter Modelle wie MD5, MD11 oder MD16. Konkrete Verkaufszahlen wurden nie veröffentlicht, doch gilt die Serie als solide verbreitet in professionellen Nischenmärkten, ohne jemals den Massenmarkt zu erreichen.

Rückblickend stehen die Micro-Decision-Rechner exemplarisch für die letzte Phase der CP/M-Business-Computer. Ihre Stärke lag in der praxisnahen Softwareausstattung und der klaren Ausrichtung auf produktives Arbeiten, während ihre Schwäche in der rasch einsetzenden technischen Überholung durch 16-Bit-Systeme lag. Damit markieren die Morrow-Systeme einen Übergangspunkt zwischen den frühen Mikrocomputern der CP/M-Ära und der Dominanz des IBM-PC-Standards.

Für Anwender boten die Rechner mehrere klare Vorteile. Die umfangreiche Softwareausstattung, die solide Hardwarebasis und das benutzerfreundliche Menüsystem erleichterten den Einstieg in professionelle Anwendungen. Gleichzeitig zeigte sich jedoch auch die Kehrseite: Die 8-Bit-Architektur galt bereits kurz nach Erscheinen als begrenzt, und mit der wachsenden Bedeutung von IBM-kompatiblen Systemen verlor CP/M schnell an Zukunftssicherheit. Genau diese Mischung aus solider Gegenwart und unsicherer Zukunft prägte die Wahrnehmung der Micro-Decision-Reihe.