Ohio Challenger 1P – Der schnelle Außenseiter der frühen Heimcomputerzeit

Ohio Challenger 1P – Quelle: computinghistory.org.uk

Der Ohio Challenger 1P kam 1978 auf den Markt, zu einem Zeitpunkt, als Heimcomputer bereits ihren Weg in Büros und Privathaushalte gefunden hatten. Systeme wie der Apple II, der Commodore PET 2001 und der TRS-80 Model I hatten ein Jahr zuvor gezeigt, wie ein solcher Rechner aussehen konnte: einschalten, BASIC sehen, arbeiten. Der Challenger 1P wirkt daneben zunächst unscheinbar, ordnet sich aber nicht einfach unter – er verfolgt einen Ansatz, der deutlich stärker aus der Welt der Einplatinencomputer heraus gedacht ist.

Im Kern steckt das bekannte Superboard II, das hier in ein Gehäuse integriert wurde. Das war kein rein kosmetischer Schritt. Während viele Systeme dieser Zeit noch offen betrieben wurden oder mehrere Komponenten benötigten, wirkte der Challenger 1P wie ein geschlossenes Gerät. Gleichzeitig blieb die Architektur nachvollziehbar und direkt zugänglich. Genau diese Mischung zieht sich durch das gesamte System.

Als Prozessor kommt ein MOS Technology 6502 mit rund 1 MHz zum Einsatz. Damit bewegt sich der Rechner auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, unterscheidet sich aber in der praktischen Nutzung. Das im ROM integrierte BASIC von Microsoft gehört zu den schnelleren Vertretern seiner Zeit. Zeitgenössische Tests im Compute!-Magazin zeigen, dass Programme auf dem Challenger 1P zügiger ausgeführt werden als auf vielen vergleichbaren Systemen. Dieser Unterschied ist nicht spektakulär, aber spürbar – gerade bei wiederholten Berechnungen oder einfachen grafischen Ausgaben.

Die Grundausstattung umfasst 4 KB RAM und lässt sich auf 8 KB sowie mit zusätzlicher Hardware auf bis zu 32 KB erweitern . Das System ist damit von Anfang an nicht als statische Lösung gedacht. Erweiterungen erfolgen über zusätzliche Platinen und den OSI-Bus, wodurch sich der Rechner an wachsende Anforderungen anpassen lässt. Allerdings setzt das auch voraus, dass man sich mit der Technik beschäftigt – eine Eigenschaft, die man heute fast schon vermisst.

Bei der Darstellung zeigt sich ein typisches Bild der Zeit. Der Challenger 1P liefert ein Composite-Videosignal, das technisch sauber ist, aber nicht direkt für den Anschluss an einen Fernseher gedacht war. In der Praxis wurde daher meist ein HF-Modulator eingesetzt, wodurch das Signal über den Antenneneingang eingespeist wurde. Das führte zu einer weicheren Darstellung und verstärkte die bekannten Randprobleme. Intern sind 32 × 32 Zeichen möglich, sichtbar sind auf einem üblichen Fernseher jedoch meist nur etwa 24 × 24 . Dieser Unterschied fällt besonders dann auf, wenn Programme für größere Darstellungsflächen ausgelegt sind.

Die Tastatur fällt im positiven Sinne auf. Mit 53 Tasten und einer vollständigen ASCII-Belegung eignet sie sich deutlich besser für ernsthafte Eingaben als viele vereinfachte Lösungen der Zeit. Gerade bei längeren BASIC-Programmen oder strukturierten Eingaben zeigt sich der Vorteil schnell.

Grafisch arbeitet das System nicht mit einem klassischen Pixelmodus, sondern mit einem erweiterten Zeichensatz. Dieser enthält neben Buchstaben und Zahlen auch grafische Elemente, die sich direkt nutzen lassen. Dadurch entstehen einfache Spiele und Visualisierungen, die über reine Textdarstellung hinausgehen, ohne dass zusätzliche Hardware notwendig ist.

Als Massenspeicher dient zunächst ein Kassettensystem mit 300 Baud nach dem Kansas-City-Standard . Das Laden von Programmen erfordert Geduld, entspricht aber dem damaligen Standard. Mit den optionalen Mini-Floppy-Laufwerken ändert sich das deutlich. Programme stehen schneller zur Verfügung, und der Umgang mit Daten wird wesentlich komfortabler.

Über die 610-Erweiterungsplatine lassen sich neben zusätzlichem Speicher auch Diskettencontroller sowie Schnittstellen für Drucker und Modem integrieren . Damit entwickelt sich der Challenger 1P von einem einfachen Einstiegssystem zu einer flexiblen Arbeitsumgebung, die sich an unterschiedliche Anforderungen anpassen lässt.

Preislich lag der Rechner bei rund 349 US-Dollar. Inflationsbereinigt entspricht das heute etwa 1.600 bis 2.000 Euro. Ein vollständiges System mit Monitor oder geeigneter Peripherie lag entsprechend darüber, sodass auch dieser Rechner eine bewusste Anschaffung darstellte.

Im direkten Vergleich positioniert sich der Challenger 1P zwischen den etablierten Systemen seiner Zeit. Der Apple II bietet mehr Flexibilität durch sein Steckkartensystem, der Commodore PET 2001 überzeugt durch seine geschlossene Bauweise, und der TRS-80 Model I richtet sich klar an Einsteiger. Der Challenger 1P ist in vielen Bereichen schneller, bleibt dabei aber technischer und weniger komfortorientiert.

Genau so wurde er auch beschrieben. Das Compute!-Magazin sieht in ihm eine ernstzunehmende Option für Anwender, die programmieren möchten und dabei auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis achten. Dieser Eindruck passt auch heute noch.

Der Challenger 1P ist kein System, das versucht, den Nutzer zu entlasten. Er bleibt nah an seiner technischen Basis, lässt sich nachvollziehen und erweitern, verlangt dafür aber auch ein gewisses Maß an Verständnis. Gerade darin liegt seine Besonderheit.

 

Morrow Designs Micro Decision – Professionelle CP/M-Power im Übergang zum PC-Standard

Als George Morrow 1982 den Micro Decision auf den Markt brachte, war er längst keine unbekannte Größe mehr. Bereits in den 1970er-Jahren hatte er sich im entstehenden Mikrocomputermarkt etabliert und galt als überzeugter Befürworter des S-100-Busses, einem der ersten weit verbreiteten standardisierten Computerbusse, der in zahlreichen Systemen jener Zeit Verwendung fand. Morrow beteiligte sich nicht nur an dessen Verbreitung, sondern entwickelte auch eigene Erweiterungen und Zubehör. Mit einer Speichererweiterung für den Altair 8800 gab er sein Debüt als Hardwarehersteller.

Doch George Morrow plante mehr. Wie andere Unternehmer jener Zeit wollte er Computer nicht nur für Spezialisten bauen, sondern für eine breitere Anwenderschaft zugänglich machen. Anders als etwa Jack Tramiel zielte Morrow jedoch nicht primär auf den günstigsten Preis, sondern auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Leistung, Ausstattung und Kosten. Der Micro Decision war daher als kompakter Business-Computer konzipiert, der professionelle Anwendungen ermöglichen sollte, ohne in die Preisregion großer Bürorechner vorzudringen.

Vor diesem Hintergrund erschien 1982 Morrows eigener Rechner, der Micro Decision, als konsequenter Schritt vom Komponentenhersteller zum Anbieter kompletter Arbeitsplatzsysteme.

Technisch basierten die Micro-Decision-Rechner auf einem Zilog Z80A mit 4 MHz und nutzten 64 KB RAM, womit die maximale Speichergröße erreicht wurde, die unter CP/M direkt adressierbar war. Als Betriebssystem kam CP/M 2.2 zum Einsatz, ergänzt durch Morrows menügesteuerte Software-Oberfläche, die den Einstieg in die Softwarewelt erleichtern sollte. Damit war das System klar als Arbeitsmaschine gedacht und weniger als Experimentierplattform.

Die frühen Modelle wurden in Varianten mit ein oder zwei internen 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerken angeboten. Hier lag auch der wichtigste Unterschied zwischen den verbreiteten Konfigurationen: Während das MD2 zwei einseitige Laufwerke mit zusammen etwa 400 KB nutzbarem Speicher bot, verfügte das MD3 über doppelseitige Laufwerke mit nahezu doppelter Kapazität. Für Anwender bedeutete dies vor allem weniger Diskettenwechsel und damit spürbar effizienteres Arbeiten.

Der Einführungspreis lag bei rund 1599 US-Dollar für ein vollständiges MD2-System und etwa 1899 US-Dollar für das leistungsfähigere MD3-Modell. Inflationsbereinigt entspricht dies heute grob fünf- bis sechstausend Dollar, womit sich die Rechner im unteren bis mittleren Business-Segment bewegten. Sie waren damit deutlich teurer als Heimcomputer, aber günstiger als viele größere Büroanlagen.

Zeitgenössische Tests bescheinigten dem System eine solide Ausstattung. In einer Rezension wurde der Micro Decision als leistungsfähiges CP/M-System mit einer für den Preis bemerkenswert umfangreichen Hard- und Software-Ausstattung beschrieben. Diese Einschätzung verdeutlicht den historischen Standpunkt: leistungsfähig innerhalb seiner Klasse, aber bereits technisch konservativ.

Im Wettbewerb standen die Morrow-Rechner vor allem mit anderen CP/M-Systemen wie dem Osborne 1, dem Kaypro II oder dem Xerox 820. Gegenüber diesen boten sie eine umfangreiche Softwareausstattung und ein vergleichsweise komfortables Bedienkonzept. Mit dem Aufkommen des IBM-PC-Standards verloren solche Systeme jedoch rasch an Bedeutung, da sich der Markt zunehmend auf 16-Bit-Architekturen verlagerte.

Im Laufe der Zeit entstand eine ganze Modellfamilie innerhalb der Micro-Decision-Serie. Neben frühen Diskettenvarianten erschienen später Systeme mit erweiterten Konfigurationen und optionalen Festplattenlösungen, darunter Modelle wie MD5, MD11 oder MD16. Konkrete Verkaufszahlen wurden nie veröffentlicht, doch gilt die Serie als solide verbreitet in professionellen Nischenmärkten, ohne jemals den Massenmarkt zu erreichen.

Rückblickend stehen die Micro-Decision-Rechner exemplarisch für die letzte Phase der CP/M-Business-Computer. Ihre Stärke lag in der praxisnahen Softwareausstattung und der klaren Ausrichtung auf produktives Arbeiten, während ihre Schwäche in der rasch einsetzenden technischen Überholung durch 16-Bit-Systeme lag. Damit markieren die Morrow-Systeme einen Übergangspunkt zwischen den frühen Mikrocomputern der CP/M-Ära und der Dominanz des IBM-PC-Standards.

Für Anwender boten die Rechner mehrere klare Vorteile. Die umfangreiche Softwareausstattung, die solide Hardwarebasis und das benutzerfreundliche Menüsystem erleichterten den Einstieg in professionelle Anwendungen. Gleichzeitig zeigte sich jedoch auch die Kehrseite: Die 8-Bit-Architektur galt bereits kurz nach Erscheinen als begrenzt, und mit der wachsenden Bedeutung von IBM-kompatiblen Systemen verlor CP/M schnell an Zukunftssicherheit. Genau diese Mischung aus solider Gegenwart und unsicherer Zukunft prägte die Wahrnehmung der Micro-Decision-Reihe.