Ein kompaktes Metallgehäuse, darin dicht hintereinander gesteckte Leiterkarten, ein Bildschirm, der Zeichen für Zeichen aufbaut – und ein Benutzer, der nicht nur Programme ausführt, sondern versteht, was im Inneren geschieht. So lässt sich die Welt beschreiben, in der der Poly-88 Mitte der 1970er Jahre seinen Platz findet.
Zu diesem Zeitpunkt beginnt sich der Mikrocomputer gerade erst zu definieren. Ein entscheidender Ausgangspunkt ist der Altair 8800, der 1975 vorgestellt wurde. Dieses System gilt als einer der ersten kommerziell erfolgreichen Mikrocomputer und wurde vor allem als Bausatz vertrieben. Seine Bedeutung lag weniger in der unmittelbaren Bedienbarkeit als in seiner Architektur: Erweiterungskarten wurden über ein gemeinsames Stecksystem verbunden, wodurch sich der Rechner flexibel ausbauen ließ.
Genau dieses Prinzip greift der Poly-88 auf – und führt es einen Schritt weiter.
Das sogenannte S-100 Bus-System, das aus dem Altair hervorging, entwickelte sich rasch zu einem inoffiziellen Industriestandard. Hersteller konnten eigene Karten entwerfen – Speicher, Schnittstellen, Erweiterungen – und wussten, dass sie in bestehende Systeme passten. Diese Offenheit machte den Bus zur Grundlage eines frühen Hardware-Ökosystems, auf dem sich unterschiedliche Ansätze entwickeln konnten.
PolyMorphic Systems entstand genau in diesem Umfeld. Bevor überhaupt an einen eigenen Computer gedacht wurde, produzierte das Unternehmen Erweiterungskarten für Altair-Systeme. Der Schritt zum Poly-88 war also kein Sprung ins Unbekannte, sondern eine logische Konsequenz: Wer die Bausteine liefert, kann irgendwann das ganze System bauen.
Doch genau hier zeigt sich eine Verschiebung im Denken.
Während typische S-100-Rechner wie der Altair oder Systeme wie der IMSAI weiterhin als offene Baukästen mit Frontpanel und Schalterlogik konzipiert waren, geht der Poly-88 einen anderen Weg. Die Karten werden nicht mehr klassisch nebeneinander in einer großen Backplane angeordnet, sondern hintereinander in ein kompaktes Gehäuse integriert. Mit nur fünf Steckplätzen wirkt das System auf den ersten Blick eingeschränkt – tatsächlich markiert diese Entscheidung jedoch einen Übergang: weg vom beliebig erweiterbaren Experimentiergerät, hin zu einem stärker definierten, zusammenhängenden System.
Diese Veränderung ist nicht nur mechanisch, sondern auch philosophisch.
Das Handbuch formuliert den Anspruch ungewöhnlich offen:
„The POLY 88 system is designed to be, not only a powerful problem-solver, but also a source of satisfaction and enjoyment.“
(„Das POLY-88-System ist nicht nur als leistungsfähiger Problemlöser gedacht, sondern auch als Quelle von Zufriedenheit und Freude.“)
Der Rechner soll nicht nur funktionieren – er soll verstanden und erlebt werden. Entsprechend beginnt das Manual nicht mit Einschaltanweisungen, sondern mit einer Einführung in Zahlensysteme, Speicherstrukturen und Maschinenlogik. Der Benutzer wird nicht als Konsument betrachtet, sondern als jemand, der die Abläufe im Inneren nachvollziehen soll:
„Computer users should be able to picture in their minds what the computer is going through…“
(„Computeranwender sollten sich im Geiste vorstellen können, was im Inneren des Computers vor sich geht…“)
Diese Haltung blieb auch zeitgenössischen Beobachtern nicht verborgen. Der Informatiker Jef Raskin beschrieb den Umgang mit dem System in Dr. Dobb’s Journal mit den Worten:
„Sheer joy, my friends, sheer joy.“
(„Reine Freude, meine Freunde, nichts als Freude.“)
Diese Begeisterung entsteht nicht durch rohe Leistung, sondern durch Bedienbarkeit. Der Poly-88 verzichtet weitgehend auf das klassische Frontpanel mit Kippschaltern und LEDs und verlagert die Interaktion in Software: Tastatur, Bildschirm und ein Monitor-Programm übernehmen die Steuerung. Der Benutzer arbeitet nicht mehr gegen die Maschine, sondern mit ihr.
Technisch basiert der Rechner auf dem Intel-8080A-Prozessor, einem Baustein, der weniger durch seine Verbreitung im Massenmarkt als durch seine strukturelle Bedeutung auffällt. Während spätere Prozessoren wie der MOS Technology 6502 oder der Zilog Z80 den Heimcomputermarkt dominieren sollten, legte der 8080 die Grundlage für viele dieser Systeme. Im Poly-88 arbeitet er mit etwa 2 MHz und adressiert einen 16-Bit-Adressraum von bis zu 64 KB.
Einstiegskonfigurationen konnten bereits mit 4 KB RAM betrieben werden, während 8 KB als praxisnah galten, insbesondere im Zusammenspiel mit BASIC. Über das S-100-System ließ sich der Speicher schrittweise bis zur architektonischen Grenze erweitern.
Der Speicher selbst wurde dabei nicht als abstrakter Raum verstanden, sondern als physischer Zustand elektronischer Schaltungen:
„When you store a data quantity in the POLY 88, you are actually manipulating the states of many such devices.“
(„Wenn Sie Daten im POLY-88 speichern, verändern Sie tatsächlich die Zustände zahlreicher solcher Bauelemente.“)
Auch softwareseitig zeigte sich ein deutlicher Schritt in Richtung eines nutzbaren Systems. Der im ROM integrierte Monitor – häufig als „Famous 4.0“ bezeichnet – übernahm die grundlegende Steuerung von Tastatur, Bildschirm und Kassettensystem.
Darauf aufbauend spielte BASIC eine zentrale Rolle, allerdings in einer Form, die sich bewusst von der damals aufkommenden Dominanz Microsofts unterschied. Während Microsoft BASIC auf dem Altair zum De-facto-Standard wurde, setzte PolyMorphic Systems auf eine eigene Implementierung, die eng mit der integrierten Video-Hardware verzahnt war.
Für fortgeschrittene Anwender standen zudem Assembler-Werkzeuge zur Verfügung. In erweiterten Konfigurationen ließ sich das System durch zusätzliche S-100-Karten sogar in die Welt von CP/M überführen.
Ein besonders interessanter Aspekt ist die Darstellungsgrafik. Der Poly-88 verfügte über keinen klassischen Bitmap-Modus, nutzte jedoch eine zeichenbasierte Mosaiktechnik. Der Bildschirm arbeitete mit 64 Zeichen pro Zeile bei 16 Zeilen, wobei jedes Zeichen intern in sechs Subpixel unterteilt war. Daraus ergab sich eine effektive Darstellung von etwa 128 × 48 Bildelementen.
Eines der auffälligeren Programme ist Beast, ein frühes Action-Puzzle, das die Möglichkeiten dieser Darstellung eindrucksvoll nutzte.
Der Alltag war dennoch von Einschränkungen geprägt. Programme wurden meist von Kassette geladen – entweder im Kansas City Standard oder in schnelleren proprietären Formaten. Diskettenlaufwerke waren möglich, jedoch nicht Bestandteil der Grundausstattung.
Zeitgenössische Anzeigen – unter anderem im Umfeld des Byte Magazine – zeigen deutlich, dass der Poly-88 als modulare Plattform vermarktet wurde. Konfigurationen wie „System 0“ (ca. 525 US-Dollar), „System 7“ (ca. 1.750 US-Dollar) oder „System 16“ (bis etwa 2.250 US-Dollar) verdeutlichen die Spannweite.
Inflationsbereinigt entspricht dies heute ungefähr einem Bereich von rund 3.000 Euro bis hin zu etwa 11.000–12.000 Euro. Damit bewegte sich der Poly-88 klar im Segment ernsthafter Investitionsgüter.
Im Vergleich dazu wirkten Systeme wie der Altair weiterhin wie experimentelle Baukästen, während später erscheinende Rechner wie der Apple II den entgegengesetzten Weg einschlugen: stärker integriert, benutzerfreundlicher, aber weniger offen in ihrer Architektur. Der Poly-88 steht genau zwischen diesen beiden Ansätzen – technisch noch Teil der S-100-Welt, konzeptionell jedoch bereits auf dem Weg zum Personal Computer.
Zu den Verkaufszahlen existieren keine gesicherten Gesamtwerte. Seine Bedeutung liegt daher weniger im kommerziellen Erfolg als in seiner konzeptionellen Rolle.
Der Poly-88 markiert einen Übergang. Zwischen offenen Systemen und integrierten Computern, zwischen Ingenieurwerkzeug und persönlichem Gerät.
Und genau darin liegt seine eigentliche historische Einordnung.

Als George Morrow 1982 den Micro Decision auf den Markt brachte, war er längst keine unbekannte Größe mehr. Bereits in den 1970er-Jahren hatte er sich im entstehenden Mikrocomputermarkt etabliert und galt als überzeugter Befürworter des S-100-Busses, einem der ersten weit verbreiteten standardisierten Computerbusse, der in zahlreichen Systemen jener Zeit Verwendung fand. Morrow beteiligte sich nicht nur an dessen Verbreitung, sondern entwickelte auch eigene Erweiterungen und Zubehör. Mit einer Speichererweiterung für den Altair 8800 gab er sein Debüt als Hardwarehersteller.