MOS 6581 & 8580, Robert Yannes und die Klangarchitektur

By Taras Young - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123635057

Als der Commodore 64 Anfang der achtziger Jahre auf den Markt kam, war Klang in Heimcomputern noch keine Selbstverständlichkeit. Zwar verfügten einige Systeme bereits über programmierbare Soundchips, die mehrstimmige Tonausgabe erlaubten – etwa der POKEY in den Rechnern der Atari-800-Reihe oder die später weit verbreiteten PSG-Chips von General Instrument –, doch blieb ihre Klanggestaltung meist auf klar definierte, digitale Strukturen beschränkt. Musik entstand hier vor allem durch geschickte Programmierung, weniger durch klangliche Formbarkeit. Piepsen, Klacken, einfache Melodien – funktional, aber ohne ausgeprägte klangliche Tiefe. Vor diesem Hintergrund war der Soundchip des Commodore 64 kein evolutionärer Zwischenschritt, sondern ein bewusster Bruch mit dem Gewohnten.

Im Inneren des Rechners arbeitete kein gewöhnlicher Tongenerator, sondern ein Baustein mit musikalischem Anspruch: der MOS Technology 6581 SID (Sound Interface Device). Er war nicht dafür gedacht, lediglich Töne auszugeben, sondern Klänge zu formen. Drei unabhängige Stimmen, Hüllkurvensteuerung, unterschiedliche Wellenformen und ein analoger Filter machten aus dem Heimcomputer ein Instrument. Nicht perfekt, nicht berechenbar – aber lebendig. Und genau darin lag seine Besonderheit.

Der SID war kein Zufallsprodukt und kein nachträglich veredelter Beeper. Er entstand aus der Idee, dass ein Computer nicht nur rechnen, sondern auch klingen sollte. Und dieser Klang war nicht neutral. Er hatte Ecken, Widerstand und Persönlichkeit. Während andere Systeme sauberer, aber austauschbar wirkten, entwickelte der Commodore 64 eine akustische Identität, die man wiedererkannte, oft schon nach wenigen Takten – und die bis heute nachhallt.

Entwickelt wurde der SID bei MOS Technology, der Halbleitersparte von Commodore. Verantwortlich war Robert Yannes, ein Ingenieur mit ungewöhnlichem Profil: Er war Musiker. Diese Perspektive prägte den Chip hörbar. Sein Ziel war kein technischer Minimalbaustein, sondern etwas, das sich spielen ließ – ein kleiner Synthesizer, eingebaut in einen Heimcomputer, bezahlbar für Millionen. Der Zeitrahmen war knapp. Der Commodore 64 entstand in etwas mehr als einem Jahr, der SID selbst in wenigen Monaten. Perfektion im industriellen Sinne war dabei nicht erreichbar. Ausdruckskraft hingegen schon.

Robert Yannes blieb auch nach seiner Zeit bei Commodore dem Thema Klang treu, ohne noch einmal öffentlich in Erscheinung zu treten. Anders als viele später gefeierte Chip-Designer suchte er nie die Rolle des Visionärs oder Branchenstars. Er arbeitete in den folgenden Jahren weiterhin im Bereich digitaler Audiotechnik, unter anderem bei Ensoniq, wo Konzepte der Synthese und Klangformung in professionellere, samplerbasierte Systeme überführt wurden. In den neunziger Jahren zog sich Yannes zunehmend aus der sichtbaren Produktentwicklung zurück. Der SID blieb sein prägendstes Werk – und zugleich sein dauerhaftes Vermächtnis.

Der erste serienmäßig eingesetzte SID, der MOS 6581, verfügt über drei unabhängige Stimmen. Man kann sie sich wie drei kleine Instrumente vorstellen, die gleichzeitig erklingen können. Jede Stimme beginnt mit einer einfachen Wellenform, die das klangliche Rohmaterial liefert: mal weich, mal scharf, mal hohl oder körnig. Musik entsteht daraus erst durch Bewegung – durch das Einsetzen eines Tons, sein Anschwellen, sein Verweilen und sein Verklingen. Genau dafür sorgt der SID mit seiner internen Hüllkurvensteuerung. Klänge konnten atmen, stehen bleiben oder langsam ausklingen. Für einen Heimcomputer zu Beginn der achtziger Jahre war das außergewöhnlich.

Das eigentliche Herz des SID liegt jedoch im Filter. Vereinfacht gesagt entscheidet er, welche Anteile eines Klangs durchgelassen werden und welche verschwinden. Er kann Töne weichzeichnen oder schärfen, sie abdunkeln oder zum Kreischen bringen. Dieser Filter arbeitet analog – und genau das macht den Unterschied. Analog bedeutet hier: Nichts ist völlig festgelegt. Werte schwanken, Übergänge sind fließend. Kein SID klingt exakt wie ein anderer. Zwei Chips aus derselben Produktionscharge können hörbar unterschiedlich reagieren. Beim einen greift der Filter früh und sanft, beim anderen später und aggressiver. Das war nie als Klangkunst gedacht. Commodore wollte funktionierende Chips. Dass gerade diese Ungenauigkeit den SID so lebendig machte, gehört zu den stillen Ironien der Technikgeschichte.

Hinzu kommen elektrische Eigenheiten, die außerhalb der ursprünglichen Spezifikation lagen. Manche Töne starten nicht ganz sauber, Lautstärken reagieren gelegentlich unvorhersehbar, und ein bestimmter Nebeneffekt erlaubt das Abspielen digitaler Samples – obwohl der SID dafür nie vorgesehen war. Sprachfetzen, Schlagzeugklänge, Geräusche entstanden aus Tricks, die diese Eigenschaften gezielt ausnutzten. Commodore hätte das vermutlich gern vermieden. Musiker und Programmierer hingegen liebten es. Der SID war kein steriler Studioklang, sondern ein Instrument mit Macken – und genau das machte ihn greifbar.

Der MOS 6581 ist der Klang, den viele untrennbar mit dem Commodore 64 verbinden. Er klingt warm, rau, manchmal fast schmutzig. Seine Filter reagieren nicht immer gleich, sie greifen mal früher, mal später, gelegentlich stärker als erwartet. Bässe können knurren, Leads leicht verzerren, Flächen wirken beinahe organisch. Der MOS 6581 ist kein berechenbarer Chip. Er lässt sich nicht vollständig kontrollieren, sondern will erlebt werden. Für Musiker bedeutete das: Jeder SID war ein kleines Unikat. Viele klassische C64-Soundtracks wurden genau für diesen Charakter geschrieben – und klingen auf anderen SID-Varianten oft spürbar anders.

Der spätere MOS 8580 SID ist technischer, kontrollierter und sauberer. Er wurde entwickelt, um stabiler zu arbeiten und sich verlässlicher gleich zu verhalten. Sein Klang ist klarer, sein Verhalten vorhersehbarer. Wo der MOS 6581 schwankt, bleibt der MOS 8580 konstant. Das schafft Sicherheit, nimmt dem Klang jedoch etwas von seiner Wildheit. Der MOS 8580 ist der erwachsene SID – korrekt, kraftvoll, präzise, aber ohne jene kleinen Unsauberkeiten, die den alten Chip für viele so reizvoll machen.

Welche dieser beiden Varianten man bevorzugt, ist weniger eine Frage der Technik als der Erinnerung. Der Klang, den man zuerst gehört hat, prägt das Empfinden bis heute. Der SID war nie ein neutraler Maßstab, sondern immer ein persönliches Instrument. Deshalb gibt es nicht den einen „richtigen“ Klang, sondern viele gültige.

So eigenwillig der SID auch war – erst durch die Menschen, die ihn verstanden und spielten, entfaltete er sein volles Potenzial. Auf dem Commodore 64 entstand eine eigenständige Form der Computermusik, die sich deutlich von anderen Plattformen abhob. Rob Hubbard erkannte früh, dass sich mit drei Stimmen weit mehr erreichen ließ, als es die Spezifikationen vermuten ließen. Seine Musik zu Monty on the Run, International Karate oder Commando ließ den C64 größer klingen, als er war. Hubbard behandelte den SID nicht als Tonquelle, sondern als Instrument, das in Echtzeit geformt werden wollte.

Martin Galway schlug einen anderen Weg ein. Seine Arbeiten für Ocean Software, etwa Arkanoid, Wizball oder Times of Lore, wirkten atmosphärisch, beinahe filmisch. Galway nutzte den SID nicht nur rhythmisch, sondern emotional. Frühe digitale Samples erweiterten den Klangraum, ohne ihn zu dominieren. Für ihn war der SID weniger Technik als Material – etwas, aus dem sich Stimmungen formen ließen.

Im deutschsprachigen Raum prägte Chris Hülsbeck das Bild des SID nachhaltig. Mit Werkzeugen wie dem Soundmonitor trug er dazu bei, die Möglichkeiten des SID systematisch zugänglich zu machen. Hülsbeck beschrieb den Commodore 64 später mehrfach als seinen ersten bezahlbaren Synthesizer – ein Instrument, das ihm eine musikalische Welt eröffnete, die außerhalb des Computers unerreichbar gewesen wäre.

Komponisten wie Jeroen Tel, Ben Daglish, David Whittaker, Tim Follin oder die Maniacs of Noise formten gemeinsam eine Klanglandschaft, die den Commodore 64 unverwechselbar machte. Ihre Musik überlebte die Spiele, für die sie geschrieben wurde, und wird bis heute gehört, aufgeführt und neu interpretiert. Der SID war kein neutraler Standard, sondern ein Instrument mit Widerstand. Er verlangte Geduld, Aufmerksamkeit und Experimentierfreude – und belohnte genau das mit individueller Handschrift.

Dass der SID bereits zu Lebzeiten mehr war als ein bloßes Bauteil, zeigt ein bemerkenswertes Experiment außerhalb der Commodore-Welt. 1989 erschien mit der Innovation SSI-2001 eine Soundkarte für IBM-PC-Kompatible, die einen originalen SID-Chip verwendete. Zu einem Zeitpunkt, als AdLib etabliert, Roland professionell positioniert und Sound Blaster auf dem Weg zum Quasi-Standard war, wirkte sie wie ein bewusstes Gegenmodell. Ihr kommerzieller Erfolg blieb gering, die Zahl der unterstützten Spiele klein, beispielsweise Ultima V: Warriors of Destiny. Doch ihre Existenz zeigt, dass der SID bereits damals als eigenständige Klangästhetik verstanden wurde – als etwas, das man bewusst in ein fremdes Umfeld tragen wollte.

Mit der SSI-2001 wurde zugleich sichtbar, dass der SID bereits einer auslaufenden Idee angehörte. Der MOS Technology 6581/8580 SID war einer der letzten frei programmierbaren Soundgeneratoren, bei denen Klang noch synthetisch erzeugt und analog geformt wurde. In den späten achtziger Jahren verlagerte sich der Markt. AdLib setzte auf FM-Synthese, Sound Blaster auf digitale Samples, der Amiga spielte Klänge ab, statt sie zu entwerfen. Musik wurde reproduzierbar – und damit auch austauschbarer.

Der SID markiert vor diesem Hintergrund keinen Rückstand, sondern einen Endpunkt. Er steht am Abschluss einer Epoche, in der Computermusik aus Parametern, Spannungen und Grenzwerten entstand. Was mit ihm verschwand, war nicht nur eine Technik, sondern eine Haltung: der Zwang zur Reduktion, zur Erfindung, zum genauen Hinhören. Spätere Systeme klangen realistischer, lauter und sauberer, doch sie verloren etwas, das sich nicht messen lässt.

Rückblickend erklärt sich die Faszination des SID weniger aus Zahlen oder Spezifikationen als aus seiner Haltung. Musik auf dem Commodore 64 war kein Abspielvorgang, sondern ein Dialog zwischen Mensch und Maschine. Der SID blieb als Erinnerung an eine Zeit, in der Beschränkung kein Mangel war, sondern Voraussetzung für Stil. Nicht weil er alles konnte – sondern weil er Widerstand leistete.

 

Chimera – 1985 by Firebird

Chimera - 1985 by Firebird

chimera coverChimera (1985) von Firebird Software ist ein isometrisches Action-Adventure mit Science-Fiction-Flair – man steuert einen einsamen Astronauten in den Korridoren eines riesigen außerirdischen Raumschiffs, das gerade dabei ist, die Erde zu grillen. Das Ziel ist klassisch, aber effektvoll: Waffen außer Gefecht setzen, vier Selbstzerstörungsmodi aktivieren und abhaun, bevor alles in die Luft fliegt. Entwickelt hat das Ganze Shahid Ahmad, der zwar nicht am Ursprungswerk Jet Set Willy beteiligt war, aber die knifflige Aufgabe übernahm, das Spiel für den Commodore 64 zu konvertieren. Inspiriert durch Knight Lore, war Chimera sein erstes eigenes Projekt, das von Firebird zunächst abgelehnt, aber nach nur zwei Wochen Nachbesserung veröffentlicht wurde.

Die Levels sind in eine isometrische 8×8 Bildschirmstruktur gegossen, in der man Items wie Schraubenschlüssel, Batterien oder Ersatzkondensatoren sammelt, um Hindernisse wie elektrische Zäune oder Heizkörper zu überwinden. Nahrung und Wasser müssen stets im Auge behalten werden – besonders Lust auf Radiatoren bekommt man bei Hitze, die Wasserreserven schneller schrumpfen lässt. Die Bedienung beschränkt sich auf Bewegen und „Interagieren“, unterstützt von einer Laufschrift für Statusmeldungen – simpel, aber effektiv.

Musikalisch untermalt wurde das Spiel (auf dem C64) von Rob Hubbard, einem der Titanen der SID-Musik, bekannt aus Monty on the Run oder Commando. Die Stimmung ist düster, spannungsgeladen und passt zur bedrückenden Atmosphäre der toten Raumstation. Die Programmierung, Grafik und Sound waren – je nach Plattform – unterschiedlich umgesetzt. Die ZX-Spectrum-, Amstrad-CPC- und C64-Versionen zeigen kleine Unterschiede in Farbwahl und Performance, aber immer derselbe Wurm (oder besser: Weltraumvirus). Auf dem Atari 8-Bit werkelte Shahid Ahmad neben C64 noch selbst.

Ein Bonus: Nach dem Abschluss des Spiels erhält man eine geheime Spielkombination, die ein Bonusminispiel freischaltet – eine kleine Space-Invaders-Sequenz. Angeblich stürzt diese auf dem Atari 800 manchmal ab – Shahid sagte aber, das Minigame sei bei Firebird in Ordnung angekommen. Pikanter Anekdote für die Nerdkiste.

Firebird selbst war Teil von Telecomsoft, dem Spielearm von British Telecom, und Chimera erschien unter der preisgünstigen "Super Silver"-Reihe. Das Spiel kostete etwa £3.99 im Budget-Segment und wurde in mehreren Ländern veröffentlicht – inklusive einer 1992er Portierung für die Watara Supervision.

Pressestimmen fielen überwiegend positiv aus. Sinclair User vergab inflationäre 100 %, Amstrad Action vergab 88 % und Amtix 86 %, während Zzap!64 eher moderate 70 % – im Budget-Sektor aber völlig in Ordnung. International erreichte das Spiel solide 79 % – ein Erfolg in Relation zu den damals gängigen Titanen auf ZX, C64 und CPC. Trotzdem war Chimera kein Millionenhit – es erreichte wohl nur einige zehntausend verkaufte Einheiten, genug, um Firebird’s Budget-Range zu stützen und Shahid Ahmad zum Aufstieg zu verhelfen.

Ein real unerfülltes Versprechen findet sich in der Spielwelt selbst: Laut World of Spectrum kündigt Chimera zum Abspann eine Fortsetzung namens Mission Pandora an – die aber nie erschien. Frühere Tests sollten Teleporter, Zeitschalter oder Storysequenzen enthalten, wurden aber aus Zeit- oder Speichergründen gestrichen – Shahid Ahmad gestand im späteren Interview, mehr narrative Tiefe oder einen Karteneditor gewünscht zu haben.

Chimera ist damit ein spannender Beleg für ambitionierte Budgetspiele der 80er: aus einem Ein-Mann-Projekt mit Sci-Fi-Setting, cleverem Leveldesign und musikalischem Hochglanz entstand ein Spiel, das heute in Retrospektiven als spaßige Nische glänzt – etwa wie ein versteckter Track auf einer Vinylplatte, den man erst nach dem dritten Hören richtig liebt. Die ungewöhnliche Kombination aus Survival-Elementen (Hunger, Ressourcen), Puzzle- und Timing-Spiel macht es zu einem frühen Herausforderer von Knight Lore und Alien 8 – bleibt dabei aber eigenständig genug, um seinen eigenen Charme zu versprühen.

Wenn du Fan von isometrischen Klassikern, Rob-Hubbard-Sound oder Survival-Mechaniken in flottem Pixelkleid bist, ist Chimera der Meilenstein, der dir immer zuflüstert: „Hier hätte noch Mission Pandora kommen sollen…“

 

Skate or Die! – 1987 by Electronic Arts

Skate or Die! – 1987 by Electronic Arts

Skate or dieTrip Hawkins, ehemals Director of Strategy and Marketing bei Apple, erkannte früh das wachsende Potenzial von Software – und insbesondere von Computerspielen. 1982 verließ er das aufstrebende Technologieunternehmen und gründete Electronic Arts, zunächst mit dem Ziel, Softwaretitel unabhängiger Entwickler – den sogenannten „Software-Künstlern“ – zu vertreiben. Doch 1987 änderte sich der Kurs: Angesichts des Erfolgs der populären Sportspiel-Reihen von Epyx, darunter Summer Games, Winter Games und California Games, entschloss man sich bei EA, ein eigenes Entwicklerteam aufzubauen. Die Epyx-Titel verkauften sich millionenfach und generierten enorme Gewinne – ein Umstand, der Hawkins nicht entging.

Zeitgleich arbeitete Epyx an einer farbigen, tragbaren Spielkonsole mit dem Codenamen „Handy“. Die Entwicklung war ambitioniert, doch die Fertigstellung scheiterte an finanziellen Hürden. Schließlich kam es zu einer Vereinbarung mit Atari: Epyx entwickelte die Software, während Atari das Gerät, später bekannt als Atari Lynx, produzieren und vermarkten sollte. Diese Allianz stieß jedoch intern auf Kritik. Viele der talentiertesten Designer und Programmierer verließen Epyx – und genau das wurde zur Chance für Electronic Arts. Hawkins nutzte die Gelegenheit und unterbreitete den abgewanderten Entwicklern ein Angebot, das sie kaum ausschlagen konnten.

Die Idee zu Skate or Die! stammte von EA-Produzent Don Traeger, der sich vom Arcade-Hit 720° inspirieren ließ – einem Skateboard-Spiel, das nicht nur durch seine Steuerung, sondern auch durch das ikonische Sprachsample „Skate or die!“ bekannt war. Für die Entwicklung wurden unter anderem die früheren Epyx-Mitarbeiter Stephen Landrum (Pitstop II) und Michael Kosaka (World Games) verpflichtet. Die Ähnlichkeit zu den sportlichen Mehrkampfspielen von Epyx war daher kaum zu übersehen – und alles andere als ein Zufall.

Für die musikalische Untermalung konnte Electronic Arts keinen Geringeren als Rob Hubbard gewinnen, der eigens aus Großbritannien eingeflogen wurde. Hubbard, der sich mit Soundtracks zu Spielen wie Commando und International Karate einen Namen gemacht hatte, komponierte ein eindrucksvolles Titelstück, das mit gesampelten Gitarrenklängen auf dem Commodore 64 neue Maßstäbe setzte und von Kritikern wie Fans gleichermaßen gelobt wurde.

Das Spiel selbst bot fünf Disziplinen: Zwei davon spielten in der Halfpipe – Freestyle und Hochsprung –, zwei führten durch unterschiedlich gestaltete Abfahrten: ein klassisches Rennen durch einen Park und den temporeichen Downhill Jam auf offener Straße. Komplettiert wurde das Angebot durch das Pool-Turnier, in dem sich die Spieler in einem leeren Swimmingpool duellierten. Während die Rampendisziplinen allein bestritten wurden, konnten das Pool-Turnier, der Downhill Jam und – im Zwei-Spieler-Modus – auch das Abfahrtsrennen im direkten Wettkampf ausgetragen werden. Bis auf das K.-o.-Turnier wurden alle Wettbewerbe anhand eines Punktesystems gewertet, wie man es auch aus den Epyx-Titeln kannte. Spieler hatten die Wahl, einzelne Disziplinen zu spielen oder sich im Rahmen eines Gesamtwettbewerbs zu beweisen.

Skate or Die! wurde für zahlreiche Plattformen umgesetzt, darunter Apple II, MS-DOS, Amstrad CPC, ZX Spectrum und NES. Letztere Version wurde von Konami entwickelt und unter dem Label Ultra Games veröffentlicht. Insgesamt verkaufte sich das Spiel über 100.000 Mal allein auf dem NES – für die damalige Zeit ein beachtlicher Erfolg.

Die Kritiken fielen unterschiedlich aus: Das britische Magazin Zzap!64 lobte die intuitive Steuerung, die flüssigen Animationen und natürlich die Musik. Die deutsche Power Play zeigte sich beeindruckt von der grafischen Gestaltung und dem Soundtrack, kritisierte jedoch die langen Ladezeiten. Weniger begeistert war die Aktueller Software Markt (ASM), die vor allem die Umsetzung auf dem Schneider CPC mit klobiger Animation und träge Steuerung abtat.

Trotz gemischter Reaktionen war der kommerzielle Erfolg ausreichend, um 1990 zwei Nachfolger hervorzubringen: Ski or Die blieb thematisch ähnlich, konnte jedoch nicht an die Popularität des Originals anknüpfen. Skate or Die 2: The Search for Double Trouble, exklusiv für das NES, verfolgte einen anderen Ansatz mit Handlung und erweiterten Spielmechaniken. 2007 wurde das Originalspiel für die Nintendo Wii neu aufgelegt – ein Zeichen dafür, wie sehr sich Skate or Die! in die Erinnerung einer ganzen Gamer-Generation eingebrannt hatte.