Crystal Raider erschien 1986 beim britischen Budget-Publisher Mastertronic und gehört zu jenen Spielen, die ihre wahre Natur erst nach einigen Minuten offenbaren. Was zunächst wie ein klassisches Jump-’n’-Run wirkt, entpuppt sich rasch als streng durchdachtes Logik- und Präzisionsspiel, das Geduld und Planung über schnelle Reflexe stellt. Der Spieler steuert einen namenlosen Abenteurer durch ein weit verzweigtes Labyrinth aus fünfzig einzelnen Bildschirmen, deren Ziel stets darin besteht, sämtliche Kristalle einzusammeln und den richtigen Ausgang zu finden.
Bereits der offizielle Begleittext der Kassette formuliert diesen Anspruch ungewöhnlich offen: „Crystal Raider is not an arcade adventure. It is in fact a set of logic problems and should be approached in that way.“ („Crystal Raider ist kein Arcade-Abenteuer. Es handelt sich vielmehr um eine Reihe von Logikproblemen, die auch so angegangen werden sollten.“)
Diese Selbsteinordnung ist bemerkenswert ehrlich und trifft den Kern des Spiels präzise. Unüberlegtes Springen führt fast immer zum Verlust eines Lebens. Gegner bewegen sich nach festen Mustern, Plattformen erscheinen und verschwinden scheinbar willkürlich, und jeder Raum verlangt eine exakt geplante Abfolge von Bewegungen. Zusätzlich setzt das Spiel den Spieler mit einer begrenzten Sauerstoffanzeige unter permanenten Zeitdruck, der strategisches Vorgehen erzwingt, ohne Hektik zu erlauben.
Die Levelstruktur ist bewusst nicht linear angelegt. Viele Bildschirme besitzen mehrere Ausgänge, die zu unterschiedlichen Bereichen führen, wodurch sich ein labyrinthisches Geflecht ergibt. Orientierung ist hier keine Nebensache, sondern elementarer Bestandteil des Spiels. Wer erfolgreich sein will, muss sich Wege merken oder – ganz im Sinne der 1980er-Jahre – eigene Karten anfertigen. Jeder vollständig geräumte Bildschirm belohnt den Spieler mit einem zusätzlichen Leben sowie einer Auffrischung des Sauerstoffvorrats. Theoretisch lassen sich so bis zu 55 Leben ansammeln, doch spätere Abschnitte fordern diese Reserve gnadenlos ein.
Die britische Fachpresse brachte diese Ambivalenz treffend auf den Punkt. Computer Gamer schrieb im März 1987 zur Atari-8-Bit-Version:
„To add to your troubles there are platforms that appear and disappear almost at will and you have to plunder the crystals before your limited oxygen runs out. You get an extra life for clearing a screen and an oxygen top up, so you should be able to finish the game with the available 55 lives! Unfortunately, it isn't that easy.“ („Zu all deinen Problemen kommen Plattformen hinzu, die scheinbar nach Belieben erscheinen und verschwinden, während du die Kristalle plündern musst, bevor dein begrenzter Sauerstoffvorrat aufgebraucht ist. Für das Räumen eines Bildschirms erhältst du ein zusätzliches Leben und eine Sauerstoffauffrischung, sodass man meinen könnte, man könne das Spiel mit den verfügbaren 55 Leben beenden. Leider ist es nicht so einfach.“) Die daraus resultierende Wertung von 54 Prozent spiegelt diesen Eindruck exakt wider: fair, logisch, aber kompromisslos anspruchsvoll.
Auch die deutsche Power Play erkannte den besonderen Charakter des Spiels. In Ausgabe 3/1988 wurde Crystal Raider als anspruchsvoller Titel beschrieben, der sich deutlich von vielen zeitgenössischen Plattformspielen abhob. Hervorgehoben wurde insbesondere die Größe des Labyrinths sowie die Notwendigkeit, systematisch vorzugehen. Mit einer Wertung von 7,5 von 10 Punkten wurde das Spiel als empfehlenswert für geduldige Spieler eingeordnet.
Technisch präsentiert sich Crystal Raider funktional und zurückhaltend. Musik fehlt vollständig, Soundeffekte sind minimalistisch, erfüllen jedoch ihren Zweck. Die Grafik ist klar strukturiert und stets gut lesbar. Eine Besonderheit stellt der optionale Nachtmodus dar, bei dem nur der unmittelbare Bereich um die Spielfigur sichtbar bleibt. Zusätzlich existieren im regulären Spielverlauf einzelne dunkle Räume, die Orientierung und Planung weiter erschweren und dem Spiel eine beinahe klaustrophobische Atmosphäre verleihen.
Rückblickend würdigte Retro Gamer das Spiel 2009 als zeitlos fordernden Vertreter seiner Gattung: „A simple but engaging game about an explorer hunting for crystals.“ („Ein simples, aber fesselndes Spiel über einen Entdecker auf der Jagd nach Kristallen.“). Weiter heißt es: „There are approximately 50 screens of platform trickery to navigate, with multiple paths to take on many levels allowing you to choose your own route.“ („Es gilt, rund 50 Bildschirme voller Plattform-Tücken zu durchqueren, wobei viele Ebenen mehrere Wege bieten und dem Spieler erlauben, seine eigene Route zu wählen.“)
Preislich entsprach Crystal Raider vollständig der Mastertronic-Philosophie. In Deutschland lag der Kassettenpreis bei rund 10 DM, inflationsbereinigt heute etwa 12–15 Euro. Dafür erhielt man kein kurzlebiges Actionspiel, sondern ein konsequent durchdachtes Werk, das Planung, Geduld und Konzentration einforderte.
Heute gilt Crystal Raider nicht als Mainstream-Klassiker, wohl aber als typischer Vertreter einer kompromisslosen Designhaltung der 1980er-Jahre. Es ist ein Spiel, das nicht gefallen will, sondern fordert – und genau darin liegt bis heute seine besondere Faszination.
Erhältlich für: Atari 8-bit (400/800, XL, XE) – Kassette; Atari 8-bit (XL/XE) – Diskette























In einer stillen Stunde des alten Japan fällt der Dämonenkönig über Meister und Schüler her; der Meister sinkt, der junge Krieger schwört Rache und jagt den Feind durch Raum und Zeit. First Samurai übersetzt diese klassische Racheballade in einen Seitenläufer, der Prügeleien, Plattform-Wege und kleine Rätselschleusen verbindet: Faust und Fuß, dann das funkelnde Katana, dazu Wurfäxte und Messer; verliert der Held zu viel Kraft, verliert er sein Schwert – eine elegante Dramaturgie, die in zeitgenössischen Tests als besonderer Spannungshebel hervorgehoben wurde. Die britische Presse war früh begeistert: “From the opening sequence to the final battle, this game drips quality.” („Von der Eröffnungssequenz bis zur letzten Schlacht trieft dieses Spiel vor Qualität.“) schrieb Amiga Power und vergab 91 %. Kurz darauf urteilte Amiga Format: “Gameplay, good coding and gloss. The total arcade package in one game.” („Gameplay, gutes Coding und Glanz. Das komplette Arcade-Paket in einem Spiel.“) – ebenfalls 91 %.




Als She-Fox 1988 erschien, war das Thema weiblicher Heldenfiguren in Computerspielen noch eine Rarität. Die britische Firma Martech Games Ltd. – bekannt durch Titel wie Zoids, Uchi Mata und Eddie Kidd Jump Challenge – wollte das ändern und präsentierte eine blonde, peitscheschwingende Heldin, die auf einem fernen Planeten gegen urzeitliche Kreaturen antrat. Auf dem Papier war das eine Mischung aus Barbarella und Rygar, eine futuristische Amazonin mit einem Hauch Glamour – typisch für die späten Achtziger.




Die 1980er-Jahre waren die Blütezeit der täglichen Zeichentrickserien – ein Boom, der dem gewaltigen Erfolg von He-Man and the Masters of the Universe folgte. Serien wie Galaxy Rangers oder Sabre Rider & the Star Sheriffs prägten eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen. Auch die 1985 gestarteten ThunderCats – im Deutschen mit dem eher unglücklichen Titel „Die starken Katzen aus dem All“ versehen – reihten sich in diese Riege ein. Die Serie erzählte von humanoiden Katzenwesen, die ihren Heimatplaneten "Thundera" verlassen mussten und sich auf der „Dritten Erde“ niederließen, wo sie sich fortan gegen die Mutanten von "Plun-Darr" und den untoten Hexer "Mumm-Ra" verteidigen mussten – allen voran, um das legendäre „Schwert von Omen“ zu schützen. Der Erfolg war groß genug, um nicht nur Spielzeug, Comics und Stickeralben hervorzubringen, sondern zwangsläufig auch ein Videospiel.
















James Pond: Underwater Agent ist ein ikonisches Jump-’n’-Run-Spiel, das 1990 von dem britischen Studio Vectordean entwickelt und von Millennium Interactive veröffentlicht wurde. Das Spiel kombiniert Humor, cleveres Spieldesign und eine außergewöhnliche Prämisse: Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Agenten, der zufällig auch ein Fisch ist – eine augenzwinkernde Parodie auf die legendären James-Bond-Filme. Die Idee zu James Pond entstand, als die Entwickler von Vectordean nach einem Konzept suchten, das klassische Action- und Jump-’n’-Run-Elemente mit einem frischen Setting verbinden konnte. Unter der Leitung von Chris Sorrell, dem kreativen Kopf hinter dem Spiel, wurde die Idee eines Unterwasseragenten geboren. „Wir wollten etwas schaffen, das die Spieler auf den ersten Blick anspricht – ein Charakter, der witzig ist, aber auch cool genug, um sich von anderen Plattformhelden abzuheben“ erklärte Sorrell in einem Interview mit Retro Gamer.Sorrell gab zudem zu, dass der Titel eine spontane Entscheidung war: „Es begann als Wortspiel. Wir waren uns einig, dass ein Fisch als Agent etwas völlig Neues und Unerwartetes war. Der Rest ergab sich fast von selbst.“




Die Idee zu Chuck Rock entstand in einer Phase, in der Core Design nach einer Möglichkeit suchte, sich im stark umkämpften Markt der Plattformspiele zu positionieren. Inspiration fand das Team in der Popkultur der Zeit, insbesondere in Filmen wie „Die Croods“ und „Die Feuersteins“, die das prähistorische Leben humoristisch darstellten. Chris Long, einer der Hauptdesigner des Spiels, erklärte: „Wir wollten ein Spiel machen, das lustig und charmant ist, aber gleichzeitig eine Herausforderung bietet. Chuck Rock sollte etwas sein, das Spieler zum Lachen bringt, während sie durch die Level kämpfen.“









