Matsushita JR-100: Günstiger Einstieg in BASIC und Heimcomputing in Japan

Matsushita JR-100 Ad

Pac-Man hatte die Spielhallen längst erobert, Donkey Kong begann gerade seinen Siegeszug, und ein Game & Watch von Nintendo musste niemandem erklärt werden. Elektronische Unterhaltung hatte ihren festen Platz gefunden. Doch parallel dazu entdeckten die Hersteller auch den Heimcomputer als neues Marktsegment. Anfang der 1980er-Jahre setzte ein regelrechter technologischer Goldrausch ein: Nahezu jeder Elektronikkonzern wollte ein eigenes System anbieten, um an diesem neuen Markt teilzuhaben.

Auch Matsushita, international vor allem unter der Marke Panasonic bekannt, beteiligte sich an diesem Wettbewerb. Statt jedoch mit einem Prestige-System anzutreten, entschied man sich bewusst für einen anderen Ansatz: einen kleinen, erschwinglichen Rechner, der den Einstieg erleichtern sollte. Aus dieser Überlegung heraus entstand der Matsushita JR-100.

Der JR-100 erschien im November 1981 zu einem Einführungspreis von 54.800 Yen. Inflationsbereinigt entspricht das heute ungefähr 69.000 bis 70.000 Yen, also grob 370 bis 400 Euro. Damit lag der Rechner klar im Einstiegssegment und war für Haushalte gedacht, die erstmals mit einem Computer arbeiten wollten, ohne in ein leistungsstärkeres System investieren zu müssen.

Als Programmiersprache diente JR-BASIC 1.0, ein von Matsushita entwickelter BASIC-Dialekt. Obwohl es sich nicht um eine lizenzierte Microsoft-Version handelte, orientierte sich die Syntax bewusst an Microsoft BASIC, um Programme und Lernmaterial möglichst übertragbar zu halten. Der Interpreter blieb kompakt und funktionssparsam, was der begrenzten Hardware des JR-100 entgegenkam.

Technisch blieb der Rechner entsprechend überschaubar. Als Prozessor kam ein MN1800, kompatibel zur Motorola-6800-Familie, zum Einsatz, getaktet mit rund 890 kHz. Diese Geschwindigkeit war für BASIC-Programme und einfache Experimente ausreichend, zwang Programmierer jedoch zu einem sparsamen Umgang mit Ressourcen. Der Arbeitsspeicher betrug 16 KB RAM, ergänzt durch 8 KB ROM für BASIC-Interpreter, Editor und Systemroutinen sowie 1 KB Video-RAM.

Die Bilddarstellung des JR-100 war zeichenorientiert aufgebaut. Der Bildschirm zeigte 32 Spalten und 24 Zeilen, monochrom. Eine frei adressierbare Bitmap-Grafik bot das System nicht. Stattdessen standen semigrafische Zeichen und die Möglichkeit zur Verfügung, 32 Zeichen selbst zu definieren, wodurch sich einfache Symbole, Muster oder Figuren erzeugen ließen. Diese Lösung sparte Speicher und machte zugleich sichtbar, wie Bildschirmdarstellung technisch organisiert ist – ein Ansatz, der gut zur Lernorientierung des Rechners passte.

Auch beim Sound blieb das System minimalistisch. Ein dedizierter Soundchip war nicht vorhanden; stattdessen erzeugte ein interner Lautsprecher einfache, monophone Töne. Frequenz und Dauer konnten programmiert werden, doch blieb der Klang funktional. Musik oder mehrstimmige Effekte waren nicht vorgesehen.

Zur Datenspeicherung diente ein Kassettenanschluss mit rund 600 Baud, eine damals verbreitete Lösung für günstige Heimcomputer. Fernseher oder Monitore konnten direkt angeschlossen werden, und über einen Erweiterungsbus ließen sich zusätzliche Module anbinden. Die Konstruktion zielte weniger auf Ausbau als auf unmittelbare Nutzbarkeit.

Die Tastatur nutzte leitfähige Gummikontakte statt mechanischer Hubtasten, was Kosten reduzierte und das Gehäuse kompakt hielt. Diese Bauweise unterstrich den Anspruch, einen transportablen und preiswerten Lerncomputer anzubieten.

Konkrete Verkaufszahlen für den JR-100 wurden nie veröffentlicht. Hinweise aus zeitgenössischen Quellen deuten darauf hin, dass er hinter populäreren japanischen Heimcomputern zurückblieb. Der Verkaufsschwerpunkt lag vermutlich zwischen 1981 und 1983, bevor leistungsfähigere Modelle der JR-Serie erschienen.