F-29 Retaliator (1989) – Amiga-Flugsimulation zwischen Action und Anspruch

F-29 Retaliator erschien zu einer Zeit, in der das Genre der militärischen Flugsimulationen bereits klar umrissen war, sich aber zugleich in einer Phase des Umbruchs befand. Während Titel wie F-16 Falcon oder F-19 Stealth Fighter auf möglichst realistische Flugmodelle, komplexe Avionik und nüchterne Präsentation setzten, wählte Digital Image Design bewusst einen anderen Weg. F-29 Retaliator wollte kein Lehrbuch sein, sondern ein Spiel, das Geschwindigkeit, Zukunftsvision und Zugänglichkeit miteinander verband, ohne den Anspruch einer ernstzunehmenden Simulation vollständig aufzugeben. Dieses Spannungsfeld prägt den Titel bis heute.

Im Mittelpunkt stehen zwei Kampfflugzeuge, die zur Entstehungszeit des Spiels selbst noch Projektionsflächen militärischer Zukunftsfantasien waren: der experimentelle F-29 mit vorwärts gepfeilten Tragflächen und der damals noch streng geheime Advanced Tactical Fighter F-22. Beide Jets verkörpern den futuristischen Charakter des Spiels und vermitteln das Gefühl, Maschinen zu fliegen, die ihrer Zeit voraus sind. Spielerisch unterscheiden sich die Flugzeuge nur geringfügig, doch ihre Präsenz allein war für viele Spieler ein entscheidender Reiz. F-29 Retaliator erlaubte es, Technik zu fliegen, die es so noch nicht gab – oder zumindest noch nicht öffentlich.

Der Spielaufbau gliedert sich in vier Kampagnen mit ansteigendem Anspruch. Den Einstieg bildet ein Trainingsabschnitt in Arizona, der als Einweisung konzipiert ist und grundlegende Manöver, Start- und Landeprozeduren sowie den Waffeneinsatz vermittelt. Es folgen drei Kriegsschauplätze, die im Pazifik, im Nahen Osten und in Europa angesiedelt sind. Jeder dieser Abschnitte bringt eigene Missionsprofile mit sich und steigert sowohl den Schwierigkeitsgrad als auch die taktische Vielfalt. Luftkämpfe gegen feindliche Jäger, präzise Luft-Boden-Angriffe, Eskortmissionen und Verteidigungsaufgaben wechseln sich ab. Die große Anzahl an Einzelmissionen sorgt dafür, dass das Spiel auch über längere Zeit abwechslungsreich bleibt.

Charakteristisch für F-29 Retaliator ist die Balance zwischen Spielbarkeit und Anspruch. Die Steuerung bleibt überschaubar und zugänglich, ohne trivial zu wirken. Zwar erreicht das Spiel nicht die Tiefe klassischer Hardcore-Simulationen, doch genau darin lag für viele Spieler sein Reiz. Zeitgenössische Tests stellten immer wieder fest, dass F-29 Retaliator eher ein Action-Simulator als eine kompromisslose Simulation sei – ein Ansatz, der insbesondere Spielern entgegenkam, die fliegen wollten, ohne sich durch seitenlange Handbücher zu arbeiten. Die Simulationselemente sind präsent, dominieren das Spiel aber nicht.

Technisch setzte F-29 Retaliator Maßstäbe. Die vollständig polygonale 3D-Grafik wirkte zur Veröffentlichung außergewöhnlich schnell und flüssig. Besonders das Scrolling wurde in der Fachpresse immer wieder hervorgehoben. Der Detailgrad der Landschaften ist bewusst reduziert, was Übersicht und Geschwindigkeit zugutekommt. Städte, Startbahnen, Schiffe und Bodenziele werden durch klare geometrische Formen dargestellt, die funktional bleiben und eine schnelle Orientierung erlauben. Das Cockpit selbst wirkt sachlich und zweckmäßig; mehrere Anzeigen liefern Radar-, Navigations- und Waffeninformationen, ohne den Spieler zu überfordern.

Klanglich schlägt F-29 Retaliator einen bewusst zurückhaltenden Ton an. Für Musik und Soundeffekte zeichnete Matthew Cannon verantwortlich. Auf eine dauerhafte musikalische Untermalung während der Einsätze wird verzichtet; stattdessen konzentriert sich die akustische Gestaltung auf Triebwerksgeräusche, Warnsignale, Waffen- und Explosionssounds. Diese Reduktion unterstützt den nüchternen Charakter der Simulation und lenkt den Fokus auf Flugführung, Navigation und taktische Entscheidungen. Zeitgenössische Tests merkten an, dass der Sound im Vergleich zur Grafik weniger spektakulär ausfällt, sahen darin jedoch keinen spielerischen Nachteil. Vielmehr fügt sich die Geräuschkulisse unaufdringlich in das Gesamtbild ein.

Entwickelt wurde F-29 Retaliator von Digital Image Design, veröffentlicht von Ocean Software. Produzent war Jon Woods. Konzept und Design stammen von Martin Kenwright, der zugleich große Teile der grafischen Gestaltung verantwortete und auch das Handbuch verfasste. Die Lead-Programmierung der Amiga-Version übernahm Phillip Allsopp, unterstützt von Russell Payne in der 3D-Programmierung. Die außergewöhnlich flüssige Polygon-Engine, die von der Presse immer wieder hervorgehoben wurde, geht maßgeblich auf diese Zusammenarbeit zurück. Zusätzliche 3D-Grafiken steuerte Joanne Drury bei. Weitere Rollen entstanden im Rahmen der Teamarbeit bei Digital Image Design; über diese Kernfunktionen hinaus sind keine eindeutig verifizierten Einzelzuordnungen überliefert.

Zeitgenössisch wurde F-29 Retaliator überwiegend positiv aufgenommen. Die ASM lobte insbesondere das schnelle 3D-Scrolling und die enorme Missionsvielfalt, merkte jedoch an, dass der grafische Detailgrad zugunsten der Geschwindigkeit reduziert wurde. Power Play beschrieb das Spiel als „knackige Flugsimulation“, die nicht die Tiefe eines Falcon erreiche, dafür aber deutlich zugänglicher sei. In der Amiga-Wertung erreichte F-29 Retaliator dort 79 Prozent, mit starken Einzelwertungen für Technik und Spielbarkeit. Auch international fiel die Resonanz ähnlich aus. ZZap!64 betonte den gelungenen Spagat zwischen Zugänglichkeit und Anspruch und hob insbesondere die Geschwindigkeit, das Bewegungsgefühl und die Missionsvielfalt hervor. Rückblickend galt das Spiel weniger als ultimative Simulation, sondern als eigenständiger Vertreter seines Genres.

Ein bemerkenswertes Kuriosum stellt ein inoffizielles Add-on dar. Das britische Magazin ZERO veröffentlichte in Ausgabe 12 (Oktober 1990) eine exklusive Special Mission, die das Originalspiel voraussetzte. In dieser Zusatzmission flog der Spieler einen Retaliator über dem Arktischen Ozean und traf neben russischen MiG-Jägern auch auf außerirdische Raumschiffe, deren Design unverkennbar an die Zylonen aus der klassischen Battlestar Galactica-Serie erinnerte. Die Mission fungierte zugleich als augenzwinkernder Verweis auf das damals in Entwicklung befindliche nächste Projekt von Digital Image Design, Epic.

Technisch blieb F-29 Retaliator nicht frei von Schwächen und gilt rückblickend als vergleichsweise buganfällig. Einige dieser Fehler entwickelten jedoch fast schon Kultstatus. Besonders bekannt ist ein Bug, bei dem der Spieler auch nach dem Schleudersitzausstieg weiterhin Kontrolle über das Flugzeug behält – was es theoretisch ermöglicht, das eigene Wrack noch zu steuern und sich selbst zu rammen. Solche Eigenheiten wurden in zeitgenössischen Tests kritisch erwähnt, trugen aber auch zur Legendenbildung rund um das Spiel bei.

Auch die Darstellung der Flugzeuge sorgte für Diskussionen. Der auf den Verpackungen gezeigte F-22 entspricht optisch nicht dem im Spiel dargestellten Modell, was dem damaligen Geheimhaltungsstatus des realen Projekts geschuldet war. Umgekehrt ist der F-29 keine reine Fantasie: Er basiert auf dem real existierenden Grumman X-29-Experimentalflugzeug mit vorwärts gepfeilten Tragflächen, dessen Erscheinungsbild dem Ingame-Modell deutlich näherkommt. Die Amiga- und Atari-ST-Cover sowie das Titelbild aller Versionen basieren auf Konzeptkunst von Lockheed Martin, konkret auf einem Gemälde des futuristischen Designers Syd Mead aus dem Jahr 1988, das den damals noch geheimen Advanced Tactical Fighter zeigte.

Auch langfristig blieb F-29 Retaliator in der Erinnerung der Fachpresse präsent. Amiga Joker wählte das Spiel in Ausgabe 01/1991 auf Platz 3 der besten Simulationsspiele des Jahres 1990. Amiga Power nahm es im Mai 1991 auf Platz 36 in seine Liste der „All Time Top 100 Amiga Games“ auf. Auf dem Atari ST wurde der Titel ebenfalls gewürdigt: ST Format listete F-29 Retaliator in Ausgabe 01/1991 unter den neun besten Simulationsspielen des Jahres 1990.

Rückblickend markiert F-29 Retaliator einen Übergang. Es steht zwischen den nüchternen Militärsimulationen der achtziger Jahre und den stärker inszenierten Flugsimulationen der frühen neunziger. Digital Image Design legte mit diesem Titel den Grundstein für spätere Werke wie TFX oder EF2000. F-29 Retaliator bleibt als Spiel in Erinnerung, das zeigte, dass Geschwindigkeit, Zugänglichkeit und Zukunftsvisionen im Flugsimulator-Genre kein Widerspruch sein müssen – sondern ein eigenes, unverwechselbares Erlebnis formen können.

F-29 Retaliator erschien erstmals 1989 für den Amiga und gilt auf dieser Plattform als Leitversion. Digital Image Design entwickelte das Spiel primär mit Blick auf die Fähigkeiten des Amiga, insbesondere auf die schnelle polygonbasierte 3D-Darstellung, die in zeitgenössischen Tests häufig hervorgehoben wurde. Ebenfalls 1989 folgte eine Umsetzung für den Atari ST, die inhaltlich weitgehend identisch ausfiel und das gleiche Missions- und Kampagnenmaterial bot, technisch jedoch stärker von der Hardware limitiert war.

Die MS-DOS-Version erschien erst 1991 als nachgereichte Konvertierung. Sie brachte kleinere Erweiterungen mit sich, darunter einen Zwei-Spieler-Modus über Nullmodem, blieb grafisch jedoch bewusst kompatibel zu einer breiten PC-Basis (EGA/VGA mit 16 Farben). Inhaltlich entsprach sie im Wesentlichen den 16-Bit-Versionen, profitierte aber je nach Hardware von höherer Bildrate. Später entwickelte Ocean Japan noch Versionen für den PC-98 und FM-Towns.

Highlander – 1986 by Canvas Software / Ocean

Highlander - 1986 by Canvas Software / Ocean

 

highlander 3

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Das Computerspiel Highlander von Ocean Software aus dem Jahr 1986 (nicht 1987, wie oft fälschlich angenommen) gilt als Paradebeispiel für die Schattenseiten von Lizenzverwertungen in der Frühzeit der Heimcomputer. Basierend auf dem gleichnamigen Fantasyfilm mit Christopher Lambert und Sean Connery, versuchte Ocean, den Hype um den Kinostart in ein kommerzielles Produkt für den Commodore 64, ZX Spectrum und Amstrad CPC zu verwandeln. Die Entwicklung übernahm das britische Studio Canvas Software, das zuvor Titel wie Super Cycle und Miami Vice produziert hatte.

Die Entwicklungszeit war kurz und hektisch. Laut Aussagen von Martin Galway, dem Komponisten des Spiels, wurde das Spiel von externen Entwicklern geliefert – „ohne jeglichen Sound“, wie er sich erinnerte. Galway, bekannt für seine Arbeit an Rambo: First Blood Part II, Wizball und Parallax, rettete das Projekt musikalisch mit einer C64-Adaption von Queens „It’s a Kind of Magic“. „Ich erinnere mich, wie unser Verkaufsleiter sagte: Wir lieben dich, Mart, du hast uns diesen Monat den Hintern gerettet!“, so Galway in einem Interview mit Commodore Zone.

Programmiert wurde das Spiel von Roy Gibson, der nach Highlander keine weiteren bekannten Spiele mehr veröffentlichte. Simon Butler, ein erfahrener Grafiker bei Ocean, zeichnete das Titelbild – ein digitalisiertes Porträt, das in der Spectrum-Version besonders grob und unkenntlich wirkte. Butler selbst äußerte sich später kritisch über die Qualität des Spiels und die Umstände der Produktion: „Wir hatten keine Zeit, keine Ressourcen und keine Ahnung, wie man ein gutes Kampfspiel macht.

Das Spielprinzip war simpel: Der Spieler steuerte Connor MacLeod in drei Schwertkämpfen gegen Ramirez, Fasil und Kurgan. Jeder Kampf fand in einem anderen Setting statt – einer mittelalterlichen Burg, einer Tiefgarage und einem Hochhausdach. Die Steuerung war unintuitiv, die Animationen hölzern, und die Treffererkennung kaum nachvollziehbar. „Erstaunlicherweise spielt es sich sogar noch schlechter, als es aussieht.“, schrieb Stuart Ashen in seinem Buch Terrible Old Games You've Probably Never Heard Of. Die Gegner hatten identische Bewegungsmuster, lediglich ihre Lebensenergie variierte.

Ursprünglich waren weitere Level geplant, darunter ein Trainingsmodus mit Ramirez in den Highlands und ein Kampf gegen Kastagir auf einer Brücke im Central Park. Diese Szenen wurden laut interner Produktionsnotizen gestrichen, da die Speichergrenzen der Zielplattformen überschritten wurden. Auch ein geplanter Introtext mit Connerys ikonischem Monolog („From the dawn of time we came…“) wurde verworfen.

Die Pressemitteilungen von Ocean priesen das Spiel als „episches Duell der Unsterblichen“ und „bahnbrechende Umsetzung eines Kinohits“. Intern war man sich jedoch bewusst, dass das Spiel nicht den Erwartungen entsprach. In einem internen Memo hieß es: „Wir müssen mit der Lizenz arbeiten, die wir haben – Qualität ist zweitrangig.“

Die Verkaufszahlen waren dennoch solide. Laut MobyGames und internen Ocean-Daten wurden weltweit etwa 80.000 Einheiten verkauft, davon rund 45.000 auf dem C64, 25.000 auf dem Spectrum und 10.000 auf dem Amstrad CPC. Die internationalen Wertungen waren vernichtend: Zzap!64 vergab 30 %, Crash 57 %, Sinclair User zwei von fünf Sternen. In Deutschland wurde das Spiel 1987 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert, da es „Tötungshandlungen zum Spielzweck“ mache und „sozialethisch desorientierend“ wirke.

Die Unterschiede zwischen den Versionen waren frappierend. Die C64-Version bot die beste Musik dank Galways SID-Komposition, litt aber unter träger Steuerung und groben Sprites. Die Spectrum-Version war monochrom, was die ohnehin unleserlichen Grafiken noch unverständlicher machte. Die Amstrad CPC-Version hatte farbige Grafiken, aber dieselbe klobige Steuerung und identische Gegneranimationen. Alle drei Versionen teilten sich die gleiche Spielmechanik und die drei Schauplätze, wobei die CPC-Version als die visuell ansprechendste galt – zumindest im Standbild.

Das Spiel wurde übrigens in Spanien unter dem Titel Los Inmortales veröffentlicht, wobei die Verpackung fälschlich Sean Connery als spielbaren Charakter bewarb. In Frankreich erschien eine Version mit französischem Introtext, aber identischem Gameplay. Die Indizierung in Deutschland wurde erst 2012 aufgehoben. In Sammlerkreisen gilt die Originalkassette heute als Kuriosität – weniger wegen ihres Wertes, sondern wegen ihres Rufs als eines der schlechtesten Lizenzspiele aller Zeiten.

„There can be only one“ – leider war es dieses Spiel.

 

Batman – 1986 by Ocean

Batman - 1986 von Ocean

Das Videospiel Batman von 1986, veröffentlicht von Ocean Software, gilt als einer der frühesten Lizenz-Titel, der nicht nur mit dem Namen einer weltbekannten Figur auf sich aufmerksam machte, sondern zugleich durch seine technische und spielerische Raffinesse Maßstäbe im britischen Heimcomputermarkt setzte. Entwickelt wurde das Spiel federführend von Jon Ritman, einem der renommiertesten britischen Spieleentwickler der 1980er Jahre, in Zusammenarbeit mit seinem damaligen Grafikdesigner Bernie Drummond. Es war nicht das erste Spiel über den Dunklen Ritter, wohl aber das erste, das diesen auf dem ZX Spectrum, Amstrad CPC und MSX in einem isometrischen Action-Adventure aufleben ließ – eine damals revolutionäre Spielmechanik, die maßgeblich durch Ultimate Play the Game mit Knight Lore etabliert worden war.

Ocean sicherte sich die Lizenz von DC Comics in einer Phase, in der Comic-Charaktere noch nicht flächendeckend in digitalen Medien verwertet wurden. Die Idee, ein Spiel über Batman zu machen, war einerseits eine Reaktion auf den anhaltenden Erfolg der Figur, andererseits Ausdruck des zunehmenden Trends, populäre Marken in kommerziell verwertbare Spielkonzepte zu gießen. Jon Ritman erklärte in einem Interview rückblickend: „Die Entscheidung, Batman zu verwenden, kam von Ocean. Wir hatten bereits mit Match Day gute Erfolge erzielt, aber mit Batman konnten wir technisch anspruchsvolles Gameplay mit einem bekannten Namen kombinieren.“ Die Entwicklung begann Mitte 1985, und das Team arbeitete etwa sechs Monate intensiv an dem Spiel. Die Inspiration für das isometrische Design und die Spiellogik entstammte dem Wunsch, ein komplexes, aber zugängliches Abenteuer mit Puzzle- und Plattform-Elementen zu erschaffen.

Das Spielziel bestand darin, in einer gewaltigen, labyrinthisch verschachtelten Batcave die Einzelteile des Batmobils zu finden, um Robin zu retten. Besonders innovativ war das Lebenssystem: Batman verfügte nicht über „Leben“ im traditionellen Sinn, sondern über eine Anzahl an „Batstones“, die sich nach Fehlern reduzierten – eine frühe Form eines regenerativen Lebenssystems. Neben der realistischen isometrischen Darstellung war auch die Steuerung bemerkenswert flüssig, was auf Ritmans ausgefeiltes Animationssystem zurückging. „Wir haben viel Zeit investiert, die Sprungbewegungen genau richtig zu machen“, so Ritman. Das Spiel wurde ausschließlich in Z80-Assembler programmiert, und trotz des begrenzten Speichers von 48 Kilobyte schaffte es das Team, eine nahezu ruckelfreie Welt mit über 100 Räumen zu erschaffen.

Der marktwirtschaftliche Erfolg des Spiels war beachtlich. Allein auf dem ZX Spectrum verkaufte sich Batman über 200.000 Mal, was es zu einem der erfolgreichsten Spiele des Jahres 1986 in Großbritannien machte. Ocean befeuerte den Verkauf durch massive Anzeigenkampagnen in Fachzeitschriften wie Crash, Your Sinclair und Computer & Video Games. In einer Pressemitteilung von Ocean hieß es: „Batman zeigt, dass Lizenzspiele mehr sein können als simple Markenverwertung – es ist ein Meilenstein in Spieltiefe und Präsentation.“ Die Wertungen in der internationalen Presse fielen fast durchweg positiv aus. Crash vergab 93 % und lobte die „brillante Grafik, geschmeidige Steuerung und den süchtig machenden Spielverlauf“. Your Sinclair urteilte mit 9 von 10 Punkten und schrieb: „Wenn alle Lizenzspiele so wären, müssten wir nicht mehr schimpfen.

Neben dem ZX Spectrum erschien Batman auch für Amstrad CPC und MSX, wobei diese Versionen grafisch weitgehend identisch zur Originalfassung waren. Die MSX-Version wurde insbesondere in den Niederlanden erfolgreich vermarktet, wo die Plattform populärer war als in Großbritannien. Eine geplante Commodore 64-Version wurde intern diskutiert, kam aber aufgrund von Hardware-Unterschieden und Ressourcenengpässen nie zustande – eine frühe, unfertige Alphaversion kursiert dennoch unter Sammlern. Die Musik des Spiels war rudimentär – hauptsächlich Startmelodien und einfache Soundeffekte – doch stammt sie von Martin Galway, einem der bekanntesten Komponisten der 8-Bit-Ära. Galway war zu diesem Zeitpunkt noch relativ neu bei Ocean, sollte aber später Klassiker wie Rambo: First Blood Part II, Wizball und Game Over vertonen.

Eine Anekdote aus der Entwicklung betrifft Bernie Drummond, der versehentlich eine ganze Reihe von Sprite-Designs löschte, weil er beim Speichern auf das falsche Laufwerk zugriff. Ritman erinnert sich: „Es war ein Schock – aber am Ende haben wir die neuen Sprites besser hinbekommen.“ Drummond blieb auch für das Nachfolgespiel Head over Heels mit Ritman im Team – ein weiteres isometrisches Meisterwerk, das als geistiger Nachfolger von Batman gilt.

Kontroversen blieben Batman weitgehend erspart – was unter anderem daran lag, dass es keine Gewalt gegen Menschen darstellte und sich strikt an familienfreundliche Darstellung hielt. Eine kleinere Kontroverse betraf allerdings den Lizenzvertrag selbst: Die Rechtevergabe an Ocean erfolgte ohne direkte Einbindung von DCs US-amerikanischem Entwicklerteam, was später zu internen Klärungen über die internationale Lizenznutzung führte.

Trivia rund um das Spiel gibt es zuhauf. So verbarg sich in einem Raum ein kleiner Hund – eine Reminiszenz an Ritmans eigenen Terrier. Zudem war Batman das erste kommerzielle Spiel, das ein Speichersystem mit isometrischem Inventar beinhaltete, ein Feature, das spätere Spiele wie Solstice oder Landstalker adaptieren sollten. Auch in der Demoszene hat Batman Kultstatus erreicht: Auf dem ZX Spectrum existieren mehrere Remixe der Titelmelodie, obwohl diese technisch kaum existent war – ein kurioser Tribut an das Werk von Galway.

Jon Ritman und Bernie Drummond blieben Ocean noch einige Jahre treu. Nach Head over Heels und Monster Max für den Game Boy trennten sich ihre Wege. Ritman arbeitete später an einem nie veröffentlichten Fußballmanager-Spiel für den PC, während Drummond in die Werbebranche wechselte. Beide äußerten sich in späteren Interviews immer wieder stolz über Batman. Ritman 2012: „Es war der Moment, in dem ich wusste: Das ist nicht nur ein Job – das ist Kunst.

Batman von 1986 ist damit nicht nur ein frühes Beispiel für gelungenes Lizenzgaming, sondern auch ein prägendes Stück britischer Spielekultur, das bis heute in Retrospektiven, Homebrew-Remakes und YouTube-Dokumentationen weiterlebt. Ein Spiel, das aus dem Schatten trat – und seinen eigenen hinterließ.

Platoon – 1987 by Ocean Software

Platoon – 1987 by Ocean Software

1986 bescherte Oliver Stone mit Platoon dem Kino und auch der Moral einen Antikriegsfilm, der einen schonungslosen Blick auf den Vietnamkrieg warf. Stone selbst verarbeitete damit auch seine persönlichen Erlebnisse in Vietnam. Mit Willem Dafoe, John C. McGinley (der den Meisten wohl als Dr. Perry Cox in Scrubs bekannt ist) und Charlie Sheen (der den jüngeren Generationen wohl nur noch als Charlie Harper bekannt sein dürfte oder vielleicht noch aus Hot Shots) entstand dabei ein Film, der nicht nur die Kritiker lobte und vier Oscars einheimste, sondern sich auch zum Kassenerfolg aufschwang.

Das Erfolge natürlich anziehend sind, dürfte es nicht verwundern, dass schon bald überall Interesse bestand, daraus ein Game für die Homecomputer zu entwickeln. Ich gestehe, ich hätte gern erleben wollen, wie die Spieldesigner krampfhaft überlegten ein Antikriegsspiel zu erschaffen. Der Prozess wurde wahrscheinlich recht bald aufgegeben, denn bereits ein Jahr nach der Filmpremiere erschien ein Action Game, dass mit vier unterschlichen Leveln ausgestattet war: Sidescroller (Level 1), Egoshooter (Level 2), Egoshooter im Tunnel (Level 3), sowie Third Person Showdown im Regenwald (Level4).

Platoon erhielt unterschiedliche Kritiken weltweit. Lobten die einen die Grafik und die Soundeffekte, störten sich andere am Gameplay und den knackigen Schwierigkeitsgrad.

Batman – The Movie – 1989 by Ocean

Batman - The Movie – 1989 by Ocean

Ein einsamer Rächer ist in den dunklen Gassen Gotham Citys unterwegs, sein Name wird selbst unter den Schwergewichten der Unterwelt nur flüsternd ausgesprochen. Ein jeder kennt ihn: es ist Läderlappen. Was für uns in Deutschland eher nach einem Superhelden des Staubtuch-Herstellers Vileda klingt, ist der einstige Name Batmans in Schweden. Nichtsdestotrotz konnte sich der Held aller Fledermäuse aus Wuhan auch im Norden eine feste Gefolgschaft sichern, daran hatte Tim Burtons Kinoversion von 1989 sicherlich einen erheblichen Anteil. Zuvor war Batman auf der Leinwand oder aber im Fernsehen als tageslichtliebender Cartoon Held alles gewesen, aber sicherlich nicht düster. Tim Burtons morbider Charme kam dem Film zugute und der Film wurde schon vor der Premiere enorm gehypt.

Der gesamten Computerszene muss daher zwingend klar gewesen sein, dass eine Lizensierung lohnenswert wäre. Ocean Software, die bereits zuvor Filmumsetzungen produziert hatten, unter anderem Rambo, Short Circuit oder Cobra, sicherten sich die Lizenz und begannen schon bald mit der Programmierung für den C64, sowie ZX Spectrum. Wenige Zeit später folgten die Umsetzungen für Amstrad CPC, Amiga, Atari ST, MS-DOS und MSX. Das am 11. September 1989 erschienene Game enthielt fünf entscheidende Level, die allesamt aus dem Kinohit entnommen wurden. Ist man im ersten Level Zeuge der Verwandlung Napiers in den sinistren Joker, darf der Spieler im zweiten Abschnitt mittels Batmobils die Straßen Gothams hautnah erleben. Dank der 16bit Power erlebten Amiga und Atari ST Besitzer dies in einer 3D Perspektive, die 8bit Besitzer erlebten die Action in einer horizontal scrollenden, isometrischen Ansicht.

Nach einem Levelabschnitt, dass an das gute, alte Brettspiel Masterminds erinnert, erheben wir uns danach mit dem Batwing über die Straßen der Stadt und versuchen Giftgas Ballons zu entschärfen. Im Finale obliegt es uns den Joker ein für alle Mal zu erlegen…zu erledigen.

Bei Commodore UK erkannte David Pleasance das Potential des Spieles und konnte als Mitgeschäftsführer das Unternehmen langsam, aber stetig für die Idee eines mitgelieferten Softwarepaketes begeistern, dass den Verkauf des Amigas steigern sollte. Ocean, der Hersteller des Spieles, war zu Beginn von dieser Idee nicht angetan. Die 10.000 Einheiten, die Pleasance zu Beginn bestellte, änderten jedoch die Meinung rasch, wenn bedenkt, dass zu jener Zeit die Raubkopie besonders stark vertreten war. Schlussendlich verkaufte Commodore UK 186.000 Batpacks.

Midnight Resistance – 1989 by Data East

Midnight Resistance - 1989 by Data East

Midnight Resistance ist ein Side-Scrolling-Run-and-Gun-Videospiel, das 1989 von Data East für Arcade-Automaten entwickelt und veröffentlicht wurde. Es wurde später auf verschiedene Heimcomputer und Konsolen portiert, darunter das Sega Mega Drive, den Commodore 64, den Amiga und den Atari ST.

In einer dystopischen Zukunft übernimmt der Spieler die Rolle eines Mitglieds einer Widerstandsbewegung, dessen Familie von einem Drogenbaron entführt wurde. Das Ziel ist es, die Familie zu befreien, indem man sich durch Horden von Feinden kämpft und mächtige Bosse besiegt. Das Gameplay kombiniert Elemente von Jump 'n' Run und Shoot 'em up, wobei der Spieler sowohl laufen als auch schießen muss, um voranzukommen. Ein herausragendes Merkmal von "Midnight Resistance" ist dabei das Waffensystem. Während des Spiels können Schlüssel gesammelt werden, die am Ende jedes Levels gegen verschiedene Waffen und Power-Ups eingetauscht werden können. Dieses System ermöglicht es den Spielern, ihre Bewaffnung an ihren Spielstil anzupassen und strategische Entscheidungen zu treffen.

Nach dem Erfolg in den Spielhallen wurde das Spiel auf mehrere Plattformen portiert. Die Amiga-Version, entwickelt von Data East und 1990 von Ocean Software veröffentlicht, bot einen leichteren Schwierigkeitsgrad und eine verbesserte Steuerung im Vergleich zur Arcade-Version, was sie zu einem Verkaufserfolg machte. Die Sega Mega Drive-Version, veröffentlicht 1991, war Data Easts erstes Spiel für diese Konsole. Diese Version wurde für ihre flüssige Steuerung und die gelungene Umsetzung des Arcade-Originals gelobt. Das Game wurde für seine herausfordernde Action und das innovative Waffensystem international gefeiert. Die verschiedenen Portierungen erhielten unterschiedliche Kritiken, wobei die Amiga- und Mega Drive-Versionen besonders positiv hervorgehoben wurden. Das Spiel gilt heute als Klassiker des Run-and-Gun-Genres und hat eine treue Fangemeinde.

"Midnight Resistance" ist ein bedeutendes Spiel in der Geschichte der Run-and-Gun-Genres. Mit seiner packenden Handlung, dem innovativen Waffensystem und den herausfordernden Levels bietet es ein fesselndes Spielerlebnis, das auch Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung noch begeistert.

Puzznic – 1990 by Ocean Software

Puzznic – 1990 by Ocean Software

"Puzznic" ist ein klassisches Puzzle-Action-Spiel, das ursprünglich 1990 von Ocean Software für verschiedene Plattformen wie das Nintendo Entertainment System (NES), den Game Boy und den Commodore Amiga veröffentlicht wurde. Das Spiel zeichnete sich durch seine einfache, aber fesselnde Spielmechanik und seine visuelle Gestaltung aus, die es zu einem der erinnerungswürdigeren Titel der frühen 90er-Jahre machte. Die Entstehungsgeschichte von "Puzznic" und die Rezeption des Spiels bieten interessante Einblicke in die Entwicklung von Videospielen in dieser Zeit.

Die Entstehung von "Puzznic" geht auf die späten 80er-Jahre zurück, als die Spieleindustrie eine der ersten großen Wachstumsphasen erlebte. Ocean Software, ein britisches Unternehmen, das in den 80er- und 90er-Jahren eine wichtige Rolle in der Spieleentwicklung spielte, entschloss sich, ein Puzzle-Spiel zu entwickeln, das die Strategie-Elemente der Zeit mit einem lockeren, aber herausfordernden Gameplay kombinieren sollte. Die Entwickler, die auf den Erfolg von Tetris und ähnlichen Spielen setzten, wollten eine anspruchsvollere Version von "Puzzle"-Spielen erschaffen, die den Spieler nicht nur mit der Logik, sondern auch mit schneller Entscheidungsfindung herausfordert.

Das Gameplay von "Puzznic" basiert auf einer Reihe von geometrischen Formen, die der Spieler in einem begrenzten Raum so anordnen muss, dass sie eine bestimmte Anordnung oder ein Muster ergeben. Jede Form muss dabei in einem speziellen Winkel angeordnet werden, und oft ist eine präzise Platzierung erforderlich, um das Level abzuschließen. Die Spielmechanik wird durch die Tatsache erschwert, dass die Zeit eine wichtige Rolle spielt – der Spieler muss schnell handeln, um die Formen korrekt zu platzieren, bevor die Zeit abläuft oder bevor Hindernisse wie bewegliche Objekte den Fortschritt blockieren. Diese Kombination aus Strategie, Tempo und präziser Hand-Auge-Koordination macht das Spiel besonders anspruchsvoll und fesselnd.

Die Steuerung des Spiels ist vergleichsweise einfach: Der Spieler verwendet die Pfeiltasten oder ein D-Pad, um die Formen auf dem Bildschirm zu bewegen und zu drehen. Dennoch bleibt das Spiel aufgrund der zunehmend komplexer werdenden Level und der Notwendigkeit, die Formen präzise zu platzieren, eine stetige Herausforderung. "Puzznic" war also nicht nur ein typisches Puzzle-Spiel, sondern bot auch Action-Elemente, die den Spieler bei Laune hielten.

Der kommerzielle Erfolg von "Puzznic" war gemischt. Obwohl das Spiel in der Spielepresse der Zeit durchaus Beachtung fand, konnte es nicht den gleichen weltweiten Erfolg erzielen wie einige andere Puzzle-Spiele, die zur gleichen Zeit populär waren. Ein Grund dafür könnte sein, dass "Puzznic" eine eher spezialisierte Zielgruppe ansprach, die die Mischung aus Taktik und Zeitdruck schätzte. Während Tetris das klassische Beispiel für ein zugängliches Puzzle-Spiel war, das weltweit Anklang fand, war "Puzznic" komplexer und anspruchsvoller, was es möglicherweise weniger massenkompatibel machte.

Die internationale Rezeption von "Puzznic" war sich daher ebenfalls uneins. Die US-amerikanischen und europäischen Bewertungen variierten je nach Plattform und Tester. Einige lobten die einzigartigen, herausfordernden Elemente des Spiels sowie das kreative Puzzle-Design. Ein Kritiker von Electronic Gaming Monthly merkte an: „Puzznic ist ein Puzzle-Spiel, das nie langweilig wird, weil es immer neue Herausforderungen bietet, ohne dabei die spielerische Spannung zu verlieren“. Auf der anderen Seite gab es auch Stimmen, die das Spiel als zu schwierig und verwirrend empfanden, was zu einem weniger breiten Erfolg beitrug. In einer Bewertung auf GameProhieß es: „Die Steuerung ist zu umständlich für ein Spiel, das darauf ausgelegt ist, entspannend zu sein.“

Trotzdem fand "Puzznic" seinen Platz in den Herzen vieler Spieler und wurde besonders auf den Plattformen wie dem NES und dem Game Boy populär, wo Puzzle-Spiele in den frühen 90er-Jahren aufblühten.
Ein weiterer Punkt, der oft angesprochen wurde, war die ungewöhnliche Art, wie das Spiel visuelle Elemente einsetzte. Die geometrischen Formen und die Art und Weise, wie sie auf dem Bildschirm angezeigt wurden, schufen eine minimalistische Ästhetik, die zwar technisch interessant war, aber nicht jedermanns Geschmack traf. Während einige Spieler dies als erfrischend empfanden, fanden andere, dass die Darstellung des Spiels zu steril oder sogar langweilig wirkte.

Ein kontroverser Aspekt von "Puzznic" war seine Schwierigkeit. Das Spiel forderte den Spieler heraus, komplexe Strategien zu entwickeln, um die Formen zu kombinieren, aber die Zeitbegrenzung und die oft komplexen Layouts machten es auch frustrierend. Viele Spieler empfanden es als zu herausfordernd, während andere die Komplexität als einen der größten Reize des Spiels sahen. Für die einen war es eine Gelegenheit, ihre Fähigkeiten in einem intellektuell anspruchsvollen Spiel zu testen, für die anderen ein Grund, das Spiel bald wieder aus der Konsole zu nehmen.

Aufgrund dieser Herausforderungen konnte sich "Puzznic" nie wirklich als ein kommerzieller Blockbuster etablieren. Es erreichte jedoch eine treue Fangemeinde, die das Spiel aufgrund seiner einzigartigen Mischung aus Puzzle und Action zu schätzen wusste. Die Verkaufszahlen lagen hinter denen von Genregrößen wie Tetris und Dr. Mario, aber das Spiel konnte sich durch seine innovative Spielmechanik und die zeitgenössische Rezeption auf den verschiedenen Konsolen einen gewissen Kultstatus erarbeiten.