Snake – 1997 by Nokia

Snake – Nicht von Nokia erfunden, aber von Nokia unsterblich gemacht

In einer Zeit, als das mobile Internet noch sündhaft teuer mit Dublonen oder der eigenen Seele bezahlt werden musste, war der Mobilfunknutzer auf wenige Möglichkeiten der Unterhaltung während der Busfahrt beschränkt, sofern er nicht immer wieder alte SMS sichten oder aber telefonieren wollte. Nokia hatte mit den Nutzern Mitleid und präsentierte ab 1997 Kurzweil – und diese Kurzweil hieß Snake. Preislich war Snake untrennbar mit dem Kauf eines Nokia-Handys verbunden – es war also faktisch kostenlos. Dass ein monochromes Display mit vier Richtungen und einer stetigen Bewegung der Schlange eine ganze Generation prägen würde, erwartete damals niemand. Doch das Spiel wurde auf über 350 Millionen Geräten ausgeliefert und damit zu einem der populärsten Titel der Welt, gespielt in Pausenhöfen, in U-Bahnen, in überlangen Schulstunden und in stillen Momenten, in denen das Telefon sonst nur Uhrzeit, Akku und die obligatorische SMS-Zahl anzeigte. Doch Nokia hatte das Spiel nicht erfunden.

Als digitale Spiele noch als mathematische Fingerübungen galten und Terminals nur ein paar blockige Zeichen darstellen konnten, entstanden die ersten Linien- und Labyrinthspiele, die später unter dem Namen Snake weltberühmt werden sollten. Unter frühen Bezeichnungen wie Worm, Blockade (Gremlin, 1976) oder Rattler lebte die Idee stets fort: Eine Linie bewegt sich kontinuierlich, wächst beim Einsammeln von Objekten, und der Spieler scheitert, wenn er die eigenen Segmente berührt. Die Mechanik war so elementar, dass sie auf Großrechnern, Homecomputern und später Taschenrechnern gleichermaßen funktionierte – ein Sinnbild für universelles Spieldesign.

Eine besondere Rolle spielte Nibbles.bas, jener kleine QBasic-Klassiker, den Microsoft tatsächlich als Bestandteil von MS-DOS 5.0 und 6.x mitlieferte. Er befindet sich korrekt im QBasic-Verzeichnis und war als Lernbeispiel für angehende Programmierer gedacht, entwickelte sich jedoch rasch zu einem der heimlichen Favoriten im Informatikunterricht. Zusammen mit Gorillas.bas war Nibbles die erste Berührung vieler junger Nutzer mit Code, den man öffnen, verändern und neu starten konnte – eine direkte, greifbare Form des Lernens, bei der man die Mechanik eines Spiels nicht nur sah, sondern begriff. Nibbles selbst setzte auf klar definierte Levelbegrenzungen und strukturierte Spiellogik und wurde dadurch zum Musterbeispiel für elegantes Minimaldesign.

Seine Faszination liegt in einer einfachen, aber brillanten Dynamik: Jeder Erfolg begrenzt den eigenen Raum. Je länger die Schlange, desto enger das Spielfeld, desto knapper die Entscheidungen. Der Spieler schafft sich seine eigene Falle Stück für Stück – und genau dieses stetige Schrumpfen der freien Fläche erzeugt einen Sog, der bis heute wirkt. Snake gehört zu den wenigen Spielen, die vollkommen ohne Ornament funktionieren; alles, was sichtbar ist, hat Bedeutung.

Varianten gibt es unzählige. Einige erhöhen automatisch das Tempo, andere setzen Hindernisse, wieder andere erlauben diagonale Bewegungen oder Mehrspielerduelle. Doch die ikonische Darstellung auf Nokia-Geräten – blockig, piepsend, unmissverständlich – gilt bis heute als die stilprägendste. Sie ist zu einem visuellen Archetyp aller mobilen Spiele geworden, ein Symbol einer Ära, in der man unterwegs spielte, ohne Apps, ohne App Stores, ohne Touchscreens, ja sogar ohne Farbbildschirm.

Online ist Snake nach wie vor fast überall spielbar. Zahlreiche Browser-Umsetzungen greifen die Optik der Nokia-Version auf, Emulatorseiten bieten Nibbles.bas als modifizierbare Originalfassung, und diverse Retroportale halten den minimalistischen Stil lebendig. Manche ältere YouTube-Player-Versionen kannten kleine Easter Eggs, doch diese Funktion ist inzwischen weitgehend verschwunden. Dennoch findet man spielbare Ableger praktisch überall, wo Pixel erlaubt sind.

In der Rückschau erscheint Snake als eines der reinsten Beispiele für zeitloses Spieldesign. Es ist universell verständlich, mechanisch transparent, sofort lernbar und mit jedem zusätzlichen Punkt spannender als zuvor. Gerade diese einfache Logik, die sich auf jedem System – ob Rechner, Handy oder Browser – nahezu unverändert umsetzen lässt, macht Snake zu einem jener Spiele, die nicht altern, sondern schlicht existieren.

Blue Max – 1983 by Synapse Software

Blue Max – 1983 by Synapse Software

Blue Max Cover

Blue Max Cover

"Blue Max" ist ein Shoot-'em-up-Computerspiel, das 1983 von Synapse Software für den Atari 800 veröffentlicht wurde. Entwickelt wurde es von Bob Polin, während die Musik von Stephen C. Biggs komponiert wurde. Bob Polin, der leitende Entwickler von "Blue Max", war bekannt für seine Fähigkeit, komplexe Spielmechaniken zu entwerfen und umzusetzen. Stephen C. Biggs, der Komponist des Spiels, trug mit seiner musikalischen Untermalung maßgeblich zur Atmosphäre bei. Seine Adaption von "Rule, Britannia!" wurde von Spielern und Kritikern gleichermaßen geschätzt.

Später folgten Portierungen für den Commodore 64 und den ZX Spectrum. Für die C64-Version war Peter Adams verantwortlich, der auch die C64-Umsetzung von "Zaxxon" realisierte. Der Titel des Spiels bezieht sich auf den umgangssprachlichen Namen "Blauer Max" für den deutschen Orden Pour le Mérite, der im Ersten Weltkrieg verliehen wurde. Das Spiel überträgt das Grundprinzip des Arcadespiels "Zaxxon" (1982) in ein historisches Setting.

In "Blue Max" übernimmt der Spieler die Rolle des fiktiven britischen Piloten Max Chatsworth, der zuvor den Verlust seiner gesamten Einheit im Kampf gegen die deutsche Luftwaffe erleben musste. Ziel ist es, durch den Einsatz von Bordkanone und Bomben möglichst großen Schaden an feindlichen Einrichtungen und Fahrzeugen anzurichten. Zu den Zielen zählen Brücken, Gebäude, feindliche Flugzeuge, Flak-Geschütze, Autos und Schiffe. Der Spieler steuert das Flugzeug innerhalb eines diagonal scrollenden Bildschirms und muss dabei Höhe und Richtung kontrollieren. Erscheinen feindliche Flugzeuge auf dem Bildschirm, wechselt die Informationsleiste die Farbe, wenn sich die gegnerische Maschine auf der gleichen Flughöhe befindet – gelingt es, hinter die Maschine zu gelangen, kann sie leichter abgeschossen werden. Das Spielerflugzeug nimmt bei feindlichem Beschuss Schaden. Jeder Treffer führt zu einer der vier möglichen Beeinträchtigungen: Ausfall der Bewaffnung, eingeschränkte Bombenfunktion, Treibstoffverlust oder reduzierte Manövrierfähigkeit. Nach dem fünften Treffer wird das Flugzeug zerstört. Zusätzlich endet das Spiel, wenn das Flugzeug mit dem Boden oder einem feindlichen Flugzeug kollidiert oder der Treibstoff vollständig aufgebraucht ist.

Um in das nächste Level vorzurücken, muss der Spieler eine festgelegte Anzahl spezieller Ziele zerstören – darunter blinkende Fahrzeuge und Flugzeuge sowie Gebäude und Brücken mit einem blinkenden Kreuz. Werden nicht genügend dieser Ziele zerstört, wiederholt das Flugzeug den aktuellen Bereich nach dem Start. Das endgültige Ziel besteht darin, die letzte Zone zu erreichen, drei Bunker in einer stark verteidigten Stadt zu bombardieren und anschließend sicher den Flugplatz am Ende des Levels anzusteuern. Nach Abschluss des Levels, unabhängig davon, ob der Spieler erfolgreich war oder sein Flugzeug zerstört wurde, wird eine numerische Rangbewertung basierend auf der erbrachten Leistung vergeben.

Während die Bordkanone unbegrenzt Munition hat, ist die Anzahl der Bomben begrenzt. Der Spieler kann stattdessen auch die Bordkanone zum Zerstören von Bodenzielen nutzen – dazu muss das Flugzeug auf eine Flughöhe von 21–25 Fuß gesenkt werden, was durch eine braun gefärbte Infoleiste angezeigt wird. Hierbei ist jedoch Präzision gefragt: Ein versehentliches Verwechseln des Kanonenfeuers mit dem Bombenabwurf kann zum Absturz führen. Treibstoff und Bomben können auf eigenen Landeplätzen aufgefüllt werden. Der Bildschirm zeigt ein "R" an, das signalisiert, dass das Fahrwerk ausgefahren werden muss – erst dann wechselt das "R" zu einem "L". Eine Landung erfordert Geschick: Setzt man zu spät auf, reicht die Startstrecke nach der Betankung möglicherweise nicht aus, um die Maschine sicher wieder in die Luft zu bringen. Eine Mindestgeschwindigkeit von 100 Meilen pro Stunde ist dabei essenziell. Misslingt der Start, zerbricht das Flugzeug in seine digitalen Einzelteile.

Nach der Veröffentlichung erhielt "Blue Max" positive Kritiken. Das Spiel wurde für seine gelungene Kombination aus Strategie und Arcade-Action gelobt. Das Magazin "Softside" bezeichnete die Atari-Version als „bemerkenswert gut umgesetzt“ und „sehr spielbar und unterhaltsam“ mit „einem realistischen Fluggefühl“ und urteilte, dass es „große Spieltiefe bietet, um das Interesse langfristig zu halten“. In einer Rezension der "Compute!'s Gazette" hieß es: "Blue Max hat viel mehr Tiefe als Zaxxon. Es ist eines der wenigen guten Spiele, die Strategie und Arcade-Spiel erfolgreich kombiniert haben." Die Verkaufszahlen des Spiels trugen zum Erfolg von Synapse Software bei und festigten deren Ruf als Entwickler hochwertiger Actionspiele für Atari-8-Bit-Computer.
Allerdings stieß "Blue Max" auch auf Kontroversen. In Deutschland wurde das Spiel im August 1985 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften als kriegsverherrlichend eingestuft und auf die Liste der jugendgefährdenden Medien gesetzt. Erst im Juli 2010, nach Ablauf der gesetzlichen Frist von 25 Jahren, wurde es von dieser Liste gestrichen.

Obwohl genaue Verkaufszahlen nicht vorliegen, trug der Erfolg des Spiels dazu bei, Synapse Software als renommierten Entwickler in der Videospielbranche zu etablieren. 1984 erschien mit "Blue Max 2001" eine Fortsetzung für den Commodore 64, die das Spielprinzip in ein futuristisches Setting verlegte. Allerdings konnte der Nachfolger nicht an den Erfolg des Originals anknüpfen und erhielt gemischte Kritiken. In einer Rezension von "Zzap!64" wurde die C64-Version als "eine der enttäuschendsten Fortsetzungen aller Zeiten" bezeichnet.

Interessantes Detail: Im Forum Atariage.com berichtete ein User, dass er in seiner Jugend mithilfe eines Sektor-Editors auf Track 12, zwischen den Sektoren 1 - 4 folgende Nachricht von Peter Adams fand:

WHAT ARE YOU DOING IN MY CODE? YOU REALLY MUST HAVE SOMETHING BETTER TO DO THAN RIP ME OFF. BY TRYING TO CRACK THIS CODE YOU'RE CHEATING ME OUT OF WHAT I SHOULD EARN FOR THE WORK I PUT INTO IT. I WORKED HARD TO MAKE THIS GAME AND REALLY RESENT THAT I HAVE TO GO TO THESE LENGTHS TO KEEP PIRATES OUT OF MY CODE. BUT AS LONG AS THERE ARE PEOPLE LIKE YOU TRYING TO CHEAT PEOPLE LIKE ME, I'LL BE SPENDING AS MUCH TIME WRITING THIS SENSELESS PROTECTION AS I DO WRITING GAMES. SO WHY DON'T YOU JUST GIVE UP RIGHT NOW AND TELL YOUR PIRATE FRIENDS THAT YOU COULDN'T CRACK BLUE MAX. SPEND YOUR TIME DOING SOMETHING USEFUL WITH YOUR TALENTS, INSTEAD OF MAKING ME WASTE MINE. AND DON'T BOTHER LOOKING FOR MORE MESSAGES, THIS IS THE LAST OF THEM.

PETER ADAMS

(" WAas machen Sie in meinem Code? Du musst wirklich etwas Besseres zu tun haben, als mich abzuzocken. Indem Sie versuchen, diesen Code zu knacken, betrügen Sie mich um das, was ich für die Arbeit, die ich hineingesteckt habe, verdienen sollte. Ich habe hart gearbeitet, um dieses Spiel zu erstellen, und ärgere mich wirklich darüber, dass ich so lange gehen muss, um Piraten aus meinem Code fernzuhalten. Aber solange es Leute wie Sie gibt, die versuchen, Leute wie mich zu betrügen, werde ich genauso viel Zeit mit dem Schreiben dieses sinnlosen Schutzes verbringen wie mit dem Schreiben von Spielen. Warum geben Sie also nicht sofort auf und sagen Ihren Piratenfreunden, dass Sie Blue Max nicht knacken konnten? Verbringen Sie Ihre Zeit damit, etwas Nützliches mit Ihren Talenten zu tun, anstatt mich dazu zu bringen, meine zu verschwenden. Und suchen Sie nicht nach weiteren Nachrichten, Dies ist die Letzte.

PETER ADAMS")