Gradius – 1986 by Konami

Gradius - 1986 by Konami

Hoch, hoch, runter, runter, links, rechts, links, rechts, B, A. Zu kryptisch? Dieser Anweisungen sind nicht dem Kamasutra entliehen, spenden allerdings auch Spaß und Freud‘, doch dazu später mehr.

In Japan erschien am 25. April 1986 die NES Version des Konami Klassikers Nemesis, das als Automatenversion weltweit jedoch eher unter dem Namen Gradius für Furore sorgte. Das Original übernahm dabei Gameplay Elemente der Horizontal Ballerei Scramble und verfeinerte diese an einigen Stellen.
Die Story ist kaum erwähnenswert und dabei so austauschbar wie Volksmusikinterpreten und deren textlichen Aussagen. Wer es genauer wissen möchte: der Planet wird von Aliens angegriffen und lediglich der Warp Rattler kann diese Invasion aufhalten.

Durch sieben Level musst Du gehen, Gefahren von links, rechts und überall bestehen. Sieben Mal wirst Du beim Endboss sein, das kann doch nicht so übel sein.

Als Alleinstellungsmerkmal gilt die Powerleiste: abgeschossene Gegner hinterlassen rote Kapseln, die eine Leiste auffüllten und unterschiedliche Waffen und Upgrades feilboten. Wurde eine Waffe oder Upgrade ausgewählt, leerte sich die Anzeige wieder. Zur Verfügung stehen neben Zusatzgeschützen, auch Speed Ups oder Beiboote, die aktiv bei der Zerstörung unterstützen oder aber einen Schutzschild bilden. Die NES Umsetzung bot dabei ein grafisch und spielerisch fast identisches Gameplay. Aufgrund der Hardwarelimitierung des NES wurde einige Level deutlich vereinfacht und die maximale Anzahl an Aufrüstoptionen wurde von vier auf zwei halbiert.

Um das Spiel auch älteren Menschen (wie mich) zugänglich zu machen, wurde hier zum ersten Mal der Konami Code verwendet, der u.a. auch in den Contra Spielen oder der Castlevania Reihe häufig eingesetzt wurde. Für den jüngeren Zocker oder den dementen Mitvierziger ist der Code als Bild mit angefügt. Wer diesen Klassiker bisher noch nicht anspielen konnte: unbedingt ausprobieren. Auch die C64 Variante ist gut spielbar.

Archon – 1983 by Free Fall Associates

Archon: The Light and the Dark - 1983 by Electronic Arts

Archon: The Light and the Dark war ein Spiel, das 1983 für den Atari 8-Bit entwickelt wurde und eine einzigartige Mischung aus Strategie und Action bot. Das Konzept, klassische Schach-Mechaniken mit dynamischen Echtzeitkämpfen zu kombinieren, machte das Spiel zu einem Vorreiter in der Videospielbranche. Hinter dem Projekt stand das talentierte Team von Free Fall Associates, gegründet von Anne Westfall, Jon Freeman und Paul Reiche III. Gemeinsam schufen sie ein Spiel, das sich in vielerlei Hinsicht von anderen Titeln seiner Zeit unterschied.

Die Inspiration für Archon kam aus der Idee, ein Spiel mit strategischer Tiefe zu schaffen, das zugleich aufregend und interaktiv war. Jon Freeman erklärte: „Schach war immer faszinierend, aber wir fragten uns: Was wäre, wenn die Kämpfe zwischen den Figuren nicht nur symbolisch wären, sondern tatsächlich ausgetragen würden?“ Dieses zentrale Konzept führte zur Entwicklung eines Spiels, bei dem jede Einheit einzigartige Fähigkeiten hatte und der Sieg nicht nur von taktischen Entscheidungen, sondern auch von den Reflexen des Spielers abhing.

Das Spielfeld von Archon ähnelte auf den ersten Blick einem Schachbrett, wurde jedoch durch eine dynamische Mechanik bereichert: Die Farbe der Felder änderte sich im Verlauf des Spiels, was die Machtbalance zwischen den beiden Fraktionen – Licht und Dunkelheit – beeinflusste. Diese Mechanik sorgte dafür, dass Spieler ihre Strategien ständig anpassen mussten. Paul Reiche III, der maßgeblich für das Spieldesign verantwortlich war, erklärte: „Die wechselnden Felder sollten das Gefühl eines lebendigen Schlachtfelds vermitteln, das sich verändert und auf die Aktionen der Spieler reagiert.

Jede Figur im Spiel hatte ihre eigene Persönlichkeit und besondere Fähigkeiten, von magischen Zaubern bis hin zu kraftvollen Nahkampfangriffen. Anne Westfall, die für die technische Umsetzung verantwortlich war, bemerkte: „Es war uns wichtig, dass sich jede Einheit einzigartig anfühlt. Wir wollten, dass die Spieler das Gefühl haben, eine Armee aus Helden zu befehligen, nicht nur Schachfiguren zu verschieben.

Die Echtzeitkämpfe zwischen den Figuren waren das Herzstück des Spiels und brachten ein Element von Geschicklichkeit und Spannung ein, das in Strategiespielen dieser Ära selten war. Dieser innovative Ansatz wurde von Spielern und Kritikern gleichermaßen gelobt. Archon gewann mehrere Preise und wurde für seine kreative Kombination aus Strategie und Action gefeiert. Kritiker beschrieben es als „das beste Schachspiel, das kein Schachspiel ist“ und hoben die strategische Tiefe sowie die dynamischen Kämpfe hervor.

In kommerzieller Hinsicht war Archon ein Erfolg, insbesondere auf dem Atari 8-Bit und später auf anderen Plattformen wie dem Commodore 64 und dem Apple II. Die Verkaufszahlen wurden auf über 250.000 Einheiten geschätzt – eine beeindruckende Zahl für ein Spiel dieser Ära. Der Erfolg von Archon inspirierte eine Fortsetzung, Archon II: Adept, die 1984 veröffentlicht wurde, sowie zahlreiche Hommagen und Nachahmungen in den folgenden Jahrzehnten.

Rückblickend bleibt Archon ein Meilenstein in der Geschichte der Videospiele. Jon Freeman fasste den Einfluss des Spiels einmal zusammen: „Archon war unser Versuch, das Potenzial von Videospielen zu erweitern. Es war ein Experiment, das bewies, dass Kreativität und Mut, neue Wege zu gehen, belohnt werden können.“ Dieses Vermächtnis macht Archon auch heute noch zu einem Klassiker, der Spieler und Entwickler gleichermaßen inspiriert.

NARC – 1988 by Williams Eletronic

NARC - 1988 by Williams Eletronic

NARC war ein Arcade-Spiel, das 1988 von Williams Electronics entwickelt und veröffentlicht wurde. Entwickelt von Eugene Jarvis und George Petro, markierte NARC den Beginn einer neuen Ära in der Arcade-Spielgeschichte, sowohl aufgrund seiner technischen Innovationen als auch wegen seiner kontroversen Inhalte. Das Spiel, ein Run-and-Gun-Actionspiel, in dem der Spieler als Mitglied einer Elite-Drogenbekämpfungseinheit gegen kriminelle Organisationen kämpft, setzte Maßstäbe in Grafik, Gameplay und gesellschaftlicher Diskussion.

Die Entstehungsgeschichte von NARC ist untrennbar mit Eugene Jarvis verbunden, einem Pionier in der Videospielindustrie, der zuvor an Klassikern wie Defender und Robotron: 2084 gearbeitet hatte. Nach einer Pause in der Branche kehrte Jarvis mit einer Vision zurück: Er wollte ein Arcade-Spiel schaffen, das den technologischen Fortschritt der Zeit voll ausnutzt und gleichzeitig mit seinem gewagten Thema Aufmerksamkeit erregt. George Petro, der als Designer und Produzent fungierte, erinnerte sich: „Wir wollten ein Spiel machen, das nicht nur Spaß macht, sondern auch schockiert. Es sollte auffallen – sowohl visuell als auch thematisch.“ Ein zentraler Aspekt von NARCwar der Einsatz von digitisierten Sprites, einer Technik, die echte Schauspieler aufzeichnete und in das Spiel integrierte. Diese Technologie, die später in Spielen wie Mortal Kombat populär wurde, verlieh NARCein außergewöhnlich realistisches Erscheinungsbild für seine Zeit.

Das Spiel selbst war ein kompromissloser Actiontitel, in dem der Spieler als Mitglied der Elite-Drogenbekämpfungseinheit gegen kriminelle Elemente kämpft. Bewaffnet mit Maschinengewehren und Raketenwerfern durchqueren die Spieler eine dystopische Stadtlandschaft, eliminieren Drogenhändler, Junkies und andere Kriminelle, während sie Drogen und Geld als Beweismaterial einsammeln. Die Gewalt im Spiel war explizit und für die damalige Zeit beispiellos: Gegner explodierten in blutigen Fragmenten, und der Einsatz von übertriebener Feuerkraft wurde nahezu glorifiziert. „Es ging darum, die Fantasie eines Hollywood-Actionfilms zu erleben“, erklärte Jarvis. Doch dieser Ansatz führte unweigerlich zu Kontroversen.

Die Gewalt und das Thema des Spiels zogen schnell Kritik von Elternorganisationen und Medien auf sich. Die Darstellung von Drogenkonsum und die explizite Gewalt wurden als unangemessen und schädlich für Kinder angesehen, die häufig die Hauptzielgruppe von Arcade-Spielen waren. Die Debatte um NARC wurde zu einem frühen Beispiel für die Kontroversen, die später Spiele wie Mortal Kombat und Grand Theft Auto begleiten sollten. Dennoch verteidigten die Entwickler das Spiel. George Petro betonte in einem Interview: „Das Spiel hatte eine klare Botschaft: Drogen sind schlecht. Aber um diese Botschaft zu vermitteln, mussten wir die Realität der Drogenkriminalität auf eine rohe und direkte Weise darstellen.“ Kritiker argumentierten jedoch, dass die explizite Gewalt die eigentliche Botschaft überlagerte.

Trotz der Kontroversen war NARC ein kommerzieller Erfolg in den Spielhallen. Die auffällige Grafik und das adrenalingeladene Gameplay machten es zu einem Magneten für Spieler. Der hohe Schwierigkeitsgrad und die Multiplayer-Option sorgten dafür, dass es ein beliebtes Spiel in Arcades wurde, obwohl es nicht den langfristigen Kultstatus einiger anderer Titel erreichte. Das Spiel wurde auch auf mehrere Heimplattformen portiert, darunter Nintendo Entertainment System (NES), Commodore 64 und Amiga. Diese Versionen mussten jedoch aufgrund von Hardwareeinschränkungen und Plattformrichtlinien stark modifiziert werden. Besonders die NES-Version entfernte viele der grafischen Details und zensierte den Gewaltgrad erheblich, was zu einer gemischten Aufnahme bei den Fans führte.

In Bezug auf die Marktbedeutung war NARC ein Wendepunkt für die Arcade-Branche. Es zeigte, dass Videospiele sich nicht mehr nur an Kinder richteten, sondern auch ein erwachsenes Publikum ansprechen konnten. Der Erfolg des Spiels inspirierte andere Entwickler, gewagtere Themen und realistischere Darstellungen in ihre Spiele zu integrieren. Gleichzeitig trug es zur Entstehung der Debatte über Gewalt in Videospielen bei, die später zur Einführung von Altersfreigabesystemen führen sollte.

Zusammenfassend bleibt NARC ein wegweisender Titel in der Geschichte der Videospiele. Es war sowohl ein herber Actionkracher als auch ein kulturelles Blitzlicht, das die Grenzen dessen, was Spiele darstellen konnten, auslotete. Trotz oder gerade wegen seiner Kontroversen hinterließ das Spiel einen bleibenden Eindruck und ebnete den Weg für die Entwicklung moderner Actionspiele.