
Fujitsu FM R-70 (hier in einer museal dokumentierten Variante der FM-R-70-Serie), Foto: IPSJ Computer Museum
Im Spätsommer 1987, als Michael Jackson mit Bad weltweit Millionen Alben verkaufte und Popkultur zunehmend von globalen Maßstäben geprägt wurde, vollzog sich in der Computerwelt ein Wandel, der weit weniger sichtbar, aber nicht minder folgenreich war. Während Musik für wenige Dollar massenhaft verbreitet wurde, bewegten sich professionelle Computersysteme in ganz anderen Dimensionen: Rechner wie der Fujitsu FM R-70 kosteten bereits bei Markteinführung Summen, die inflationsbereinigt heute im Bereich von 15.000 bis 20.000 Euro Kaufkraft liegen. Das war kein Preis für Neugier oder Unterhaltung, sondern für Infrastruktur. Entsprechend war dieses System nicht als Consumer-PC gedacht, sondern als langlebiges Arbeitsmittel für Unternehmen, Verwaltungen und technische Abteilungen, in denen der Computer längst keine Option mehr war, sondern Voraussetzung.
In diesem Umfeld stellte Fujitsu im September 1987 den FM R-70 vor. Der Rechner war kein Prestigeobjekt und kein technisches Ausrufezeichen, sondern ein nüchtern konzipiertes Arbeitsgerät. Er richtete sich an Unternehmen und Institutionen, für die Stabilität, Standardisierung und langfristige Nutzbarkeit wichtiger waren als experimentelle Neuerungen.
Fujitsu verfügte zu diesem Zeitpunkt bereits über Erfahrung mit PC-kompatiblen Systemen, hatte jedoch bislang ausschließlich 16-Bit-Rechner im Programm. Diese orientierten sich am IBM-PC-Standard, blieben technisch jedoch im Rahmen der 8086- und 80286-Generation. Eine eigene 32-Bit-Linie existierte nicht. Der FM R-70 markierte daher weniger einen Strategiewechsel als den konsequenten Schritt in die nächste Leistungsstufe.
Als Teil der FM-R-Serie war der FM R-70 auf IBM-PC/AT-Kompatibilität ausgelegt. Ziel war es, internationale MS-DOS-Software ohne Anpassungen einsetzen zu können und zugleich die für Fujitsu typischen Stärken im professionellen Umfeld zu bewahren. Innerhalb der Serie nahm der FM R-70 die Rolle des leistungsstärksten Modells seiner Zeit ein.
Herzstück des Systems war ein Intel-80386-Prozessor mit 16 MHz, der erstmals eine durchgängige 32-Bit-Architektur ermöglichte. Optional konnte ein 80387-Coprocessor ergänzt werden, was den Rechner insbesondere für technische und wissenschaftliche Anwendungen aufwertete. Damit bewegte sich der FM R-70 klar oberhalb klassischer 80286-Systeme und bot spürbare Leistungsreserven für anspruchsvolle Aufgaben.
Die Speicherausstattung fiel für die späten 1980er-Jahre großzügig aus. Standardmäßig waren 2 MB RAM verbaut, erweiterbar auf bis zu 10 MB. Als Massenspeicher diente eine interne 40-MB-Festplatte, ergänzt durch Diskettenlaufwerke nach internationalem Standard. Optische Medien wie CD-ROM spielten zu diesem Zeitpunkt noch keine Rolle und waren eher Speziallösungen vorbehalten.
Grafisch setzte Fujitsu auf ein integriertes, PC-kompatibles Grafiksystem mit 512 KB Videospeicher. Die Lösung war auf zuverlässige Text- und 2D-Darstellung ausgelegt und nicht auf Multimedia oder Spiele. Eine feste Bindung an bestimmte Grafikstandards stand dabei weniger im Vordergrund als die problemlose Ausführung gängiger Business-Software.
Auch im Audiobereich folgte der FM R-70 der damaligen Praxis professioneller PCs. Eine dedizierte Soundhardware war nicht vorgesehen; akustische Ausgabe beschränkte sich auf einfache Systemtöne. Für den vorgesehenen Einsatzbereich spielte Audio keine Rolle.
Zur Anpassung an unterschiedliche Anforderungen bot der FM R-70 interne Erweiterungssteckplätze, über die zusätzliche Schnittstellen, Controller oder Spezialkarten installiert werden konnten. Diese Erweiterbarkeit orientierte sich am PC-AT-Umfeld und erlaubte eine projektbezogene Konfiguration, ohne den Charakter des Systems zu verändern.
Während seiner Marktzeit erschien der FM R-70 in mehreren Revisionen. Fujitsu passte das Modell schrittweise an, unter anderem durch leistungsstärkere 80386-Varianten mit höheren Taktraten. Der Rechner war damit weniger als einmaliges Produkt gedacht, sondern als ausbaufähige Plattform.
Im japanischen Markt positionierte sich der FM R-70 zwischen etablierten Lösungen wie der NEC PC-98-Reihe und stärker spezialisierten Systemen wie dem Sharp X68000. Er verzichtete bewusst auf Multimedia-Ambitionen und verstand sich klar als Arbeitsgerät für den professionellen Einsatz.
Wirtschaftlich war der FM R-70 im hochpreisigen Business-Segment angesiedelt und wurde häufig als projektspezifische Komplettlösung ausgeliefert. Er richtete sich nicht an den Massenmarkt, sondern an Anwender, die in langlebige, planbare Technik investierten.
Rückblickend ist der Fujitsu FM R-70 kein ikonischer Rechner, sondern ein typischer Vertreter seiner Zeit: sachlich, leistungsfähig und auf professionelle Anforderungen zugeschnitten. Seine Bedeutung liegt weniger in spektakulären Innovationen als darin, dass er Fujitsus Einstieg in die 32-Bit-PC-Klasse markierte – als solides Übergangssystem in einer Phase, in der der PC bereits unverzichtbar war, sich seine endgültige Form jedoch noch herausbildete.
Als der NCR Personal Computer Model 4 Mitte der 1980er Jahre erschien, stand dahinter kein Newcomer, sondern eines der traditionsreichsten Unternehmen der Datenverarbeitung. NCR – ursprünglich National Cash Register – war bereits seit dem späten 19. Jahrhundert im Bereich mechanischer und später elektronischer Rechen- und Kassensysteme aktiv und hatte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem globalen Anbieter von Banktechnik, Transaktionssystemen und Großrechner-Peripherie entwickelt. Lange bevor der Personal Computer den Büromarkt eroberte, prägten NCR-Systeme bereits den Alltag von Banken, Verwaltungen und Handelsketten. Der Einstieg in den PC-Markt war daher weniger ein Experiment als der Versuch, diese gewachsene Erfahrung in eine neue Geräteklasse zu übertragen.