NCR PC4 (1984): Der All-in-One-Business-PC zwischen IBM-Standard und Bankenwelt

Als der NCR Personal Computer Model 4 Mitte der 1980er Jahre erschien, stand dahinter kein Newcomer, sondern eines der traditionsreichsten Unternehmen der Datenverarbeitung. NCR – ursprünglich National Cash Register – war bereits seit dem späten 19. Jahrhundert im Bereich mechanischer und später elektronischer Rechen- und Kassensysteme aktiv und hatte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem globalen Anbieter von Banktechnik, Transaktionssystemen und Großrechner-Peripherie entwickelt. Lange bevor der Personal Computer den Büromarkt eroberte, prägten NCR-Systeme bereits den Alltag von Banken, Verwaltungen und Handelsketten. Der Einstieg in den PC-Markt war daher weniger ein Experiment als der Versuch, diese gewachsene Erfahrung in eine neue Geräteklasse zu übertragen.

Der NCR PC4 erschien 1984/85 in einer Phase, in der sich der IBM-PC-Standard zwar etabliert hatte, der Markt aber noch offen genug war, um eigene Akzente zu setzen. NCR verstand den Rechner von Beginn an als professionelles Arbeitsgerät und positionierte ihn bewusst als Business-PC, nicht als günstigen Heimcomputer. Technisch basierte der PC4 auf einem Intel 8088 mit 4,77 MHz und entsprach damit der Leistungsklasse eines IBM PC XT. Die Grundausstattung umfasste 128 KB Arbeitsspeicher, erweiterbar bis auf 640 KB. Als Massenspeicher dienten ein oder zwei 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerke mit 360 KB, alternativ war ein integriertes 10-MB-Festplattensystem erhältlich.

Ungewöhnlich für einen XT-Klon war das All-in-One-Design. Rechner und Monitor bildeten eine massive, geschlossene Einheit. Je nach Ausführung kam ein monochromer Grünmonitor oder ein Farbmonitor zum Einsatz, jeweils mit 80 × 25 Zeichen. In der späteren Revision PC4/i bot NCR zusätzlich einen hochauflösenden Monochrom-Grafikmodus mit 640 × 400 Pixeln, der es erlaubte, grafikbasierte Anwendungen auch ohne Farbmonitor sinnvoll zu nutzen – ein klarer technischer Mehrwert gegenüber klassischen MDA-Lösungen.

Trotz des integrierten Aufbaus war der PC4 intern erstaunlich flexibel. Laut Handbuch war das System „available in six different models“ und unterschied sich je nach Konfiguration durch Laufwerksausstattung, Monitorvariante und das Vorhandensein eines festen Datenträgers. Speichererweiterungen, zusätzliche Controller- und Funktionskarten sowie Monitoradapter ließen sich nachrüsten. Bemerkenswert ist, dass NCR ausdrücklich auf die Unterstützung von Erweiterungskarten von Drittanbietern verwies – ein klares Signal an professionelle Anwender, dass man nicht auf ein proprietäres Ökosystem setzte, sondern bewusst auf Offenheit.

Der PC4 war dabei nicht NCRs erster Schritt in Richtung Personal Computer. Bereits zuvor hatte das Unternehmen mit dem NCR Decision Mate V Erfahrungen im Bereich personenbezogener Computersysteme gesammelt – einem eher eigenständigen, noch nicht vollständig IBM-kompatiblen Rechner. Der Model 4 markierte somit den bewussten Übergang von proprietären Lösungen hin zum offenen IBM-Standard und kann als direkte Konsequenz dieser frühen Erfahrungen gelesen werden.

Auch bei der Software zeigte sich NCRs professioneller Anspruch. Ausgeliefert wurde der PC4 mit NCR-DOS (kompatibel zu MS-DOS 2.11), GW-BASIC, Diagnose- und Dienstprogrammen sowie einer Reihe speziell entwickelter Lernwerkzeuge. Anders als viele Konkurrenten begnügte sich NCR nicht damit, ein Betriebssystem beizulegen, sondern investierte erheblich in die Einführung und Schulung der Anwender. Bereits im Handbuch wird der Einstieg bewusst niedrigschwellig beschrieben: „You already found out how easy it is to start using your NCR Personal Computer. You spent time using the NCR PAL diskette to develop familiarity with the NCR Personal Computer. You learned software concepts. You explored various types of applications.“ („Du hast bereits erfahren, wie einfach es ist, mit deinem NCR Personal Computer zu beginnen. Du hast Zeit mit der NCR-PAL-Diskette verbracht, um dich mit dem NCR Personal Computer vertraut zu machen. Du hast Software-Konzepte gelernt. Du hast verschiedene Arten von Anwendungen erkundet.“).

Zentral für diesen Ansatz war die NCR PAL-Diskette, die als interaktive Einführung grundlegende Konzepte vermittelte. Darauf aufbauend folgte NCR TUTOR, ein grafisch unterstütztes Lernprogramm zur Vertiefung des Betriebssystem-Umgangs: „NCR TUTOR graphically reviews what you have studied so far and helps you feel more comfortable with the use of NCR-DOS.“ „NCR TUTOR graphically reviews what you have studied so far and helps you feel more comfortable with the use of NCR-DOS.“
(NCR TUTOR wiederholt grafisch, was du bisher gelernt hast, und hilft dir, dich im Umgang mit NCR-DOS sicherer zu fühlen.). Ergänzt wurde dieses Konzept durch eine integrierte HELP-Funktion, die zu DOS-Befehlen kontextbezogene Erläuterungen lieferte – für die Mitte der 1980er Jahre ein bemerkenswert fortschrittlicher Ansatz.

Das Handbuch selbst unterstreicht diese Philosophie durch eine klare Differenzierung der Zielgruppen. Einsteiger werden ausdrücklich angeleitet: „If you are relatively new to computing, you should now read through the Information for Beginners chapter of this manual.“ (Wenn du im Umgang mit Computern relativ neu bist, solltest du jetzt das Kapitel ‚Information for Beginners‘ in diesem Handbuch lesen.“). Erfahrene Nutzer dürfen Grundlagen überspringen und direkt in die technischen Kapitel einsteigen. Der PC4 sollte nicht bevormunden, sondern begleiten – ein Ansatz, der sich deutlich von der oft spröden Dokumentation vieler PC-Klone abhob.

In der zeitgenössischen Fachpresse wurde dieser Ansatz positiv aufgenommen. Tests bescheinigten dem PC4 eine sehr hohe IBM-Kompatibilität, gängige Software lief ohne Anpassungen. Gelobt wurden die Bildqualität des Monitors, die saubere Verarbeitung und die außergewöhnliche Robustheit des Gehäuses. Der Rechner galt als schwer, massiv und nahezu unverwüstlich – Eigenschaften, die im Büroalltag eher Vertrauen schufen als störten. Gerade in Banken, Verwaltungen und Filialbetrieben fand der PC4 daher Einsatz, häufig über Jahre hinweg im Dauerbetrieb.

Im Vergleich zur Konkurrenz positionierte sich der PC4 klar zwischen den Welten. Gegenüber dem IBM PC XT bot er ein kompakteres Design und ein moderneres Erscheinungsbild, gegenüber leistungsstärkeren Systemen wie dem Olivetti M24 oder frühen Compaq-Modellen wirkte er konservativer. NCR setzte nicht auf maximale Rechenleistung, sondern auf Zuverlässigkeit, Bedienbarkeit und Service. Diese Prioritäten spiegelten die Herkunft des Unternehmens wider und passten zu dessen angestammter Kundschaft.

Auch die Service-Philosophie war entsprechend ausgeprägt. Für technisch versierte Anwender stellte NCR ein eigenes Hardware Maintenance and Service Manual bereit; das Owner’s Manual verweist ausdrücklich auf detaillierte Diagnose- und Wartungsinformationen. Gleichzeitig ermutigte NCR die Nutzer, Rückmeldungen zu geben – inklusive frankierter Feedback-Karten im Handbuch. Qualitätssicherung und Anwenderzufriedenheit waren erklärter Bestandteil des Produktkonzepts.

Wirtschaftlich war der PC4 kein Billigsystem. Der Einstiegspreis lag bei rund 2.400 US-Dollar, voll ausgestattet deutlich darüber – inflationsbereinigt ein Betrag, der heute klar im Premium-Segment läge. Der PC4 war damit weniger für den freien Massenmarkt gedacht als für Geschäftskunden, die ein Komplettpaket aus Hardware, Software, Schulung und Service suchten. Mit späteren Modellen wie dem PC6 und dem PC8 entwickelte NCR diese Linie weiter, verabschiedete sich dabei jedoch vom integrierten All-in-One-Design.

Rückblickend ist der NCR PC4 Teil einer längeren, kontinuierlichen Entwicklung. Zwar zog sich NCR in den folgenden Jahren schrittweise aus dem klassischen PC-Massenmarkt zurück, doch das Unternehmen verschwand keineswegs aus der digitalen Welt. Aus NCR gingen später eigenständige Unternehmensbereiche hervor, die sich auf Geldautomaten, Self-Service-Terminals, Point-of-Sale-Technik und digitale Transaktionssysteme spezialisierten – Bereiche, in denen NCR bis heute international präsent ist. Der PC4 markiert damit eine Übergangsphase: ein klassischer Arbeitsplatz-PC, der zugleich bereits die Denkweise eines Unternehmens widerspiegelt, das Computer als verlässliche Infrastruktur für kritische Geschäftsprozesse verstand. In dieser Rolle war der NCR PC4 weniger ein Star der PC-Geschichte als ein stiller Arbeiter – und genau darin liegt heute sein historischer Wert.

Ontel Amigo

Ontel Amigo – Der CP/M-All-in-One mit zwei Prozessoren

ontel amigoDer Ontel Amigo war ein 8-Bit-Personal Computer, den die US-Firma Ontel Corporation Anfang 1983 auf den Markt brachte. Das kompakte System integrierte Rechner und Bildschirm in einem Gehäuse und wurde sowohl für den Heimgebrauch als auch für kleine Büros konzipiert. Ontel hatte zuvor vor allem intelligente Terminalsysteme (OP‑1-Serie) hergestellt; mit dem Amigo wollte man nun ein „freundliches“ Einzelplatz-System anbieten – der Produktname bedeutet auf Spanisch „Freund“. Tatsächlich war Ontel damit Vorreiter: Die britische Firma C/WP übernahm das Design (dort als Cortex vermarktet), und Commodore soll wegen der Namensähnlichkeit seines 1985 erschienenen Amiga sogar etwas nervös gewesen sein. Noch bevor der Amigo größere Verbreitung finden konnte, wurde Ontel 1982 jedoch von Visual Technology übernommen, sodass das Gerät in den USA nur kurz unter dem Namen Ontel Amigo lief. Die Entwicklungsleitung hatte zu dieser Zeit Ike Nassi (später bei Visual Technology), der 1982–1983 als Vice President Engineering bei Ontel tätig war. Ontel-Gründer und CEO war David Ophir – seine Initialen „OP“ hatten bereits die frühere OP‑1-Produktreihe geprägt.

Das Amigo-System zeichnete sich durch eine außergewöhnliche Dual-Prozessor-Architektur aus. Als Hauptprozessor diente ein 4 MHz schneller Zilog Z80A mit 64 KB RAM, der unter CP/M (inklusive Grafik-Erweiterung GSX-80) das Betriebssystem und die Anwendungsprogramme steuerte. Zusätzlich enthielt der Amigo einen MOS 6502-Prozessor, der ausschließlich für die Videoausgabe zuständig war. Diese Aufgabenteilung – ein zweiter 8-Bit-Chip als Grafikkontroller – war Anfang der 1980er neuartig und verlieh dem Rechner in Grafikoperationen eine im CP/M-Marktsegment überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit. „Das Display wurde von einem 6502 mit eigenem RAM gesteuert“, erinnerte sich ein Ontel-Anwender, „so war es für seine Zeit ziemlich schnell und leistungsfähig“. Insgesamt standen dem 6502 rund 40–44 KB dedizierter Bildschirmspeicher zur Verfügung. Mit diesem Hardware-Trick gehörte der Amigo zu den ersten Computern, die Digital Researchs neuen Grafikstandard GSX-80 unterstützten, um CP/M ein plattformübergreifendes Grafik-API zu geben. Ontel nutzte diese Fähigkeit insbesondere für Präsentationsgrafiken und für eine angepasste Version des damals führenden Textverarbeitungsprogramms WordStar. Die mitgelieferte WordStar-Ausgabe war speziell auf den Amigo zugeschnitten: Die abgesetzte IBM-ähnliche Tastatur besaß z. B. direkt belegte Tasten für häufige WordStar-Befehle, was die Textbearbeitung effizienter machte. Auch sonst betonte Ontel die Benutzerfreundlichkeit – eine Anzeige pries den Cortex (Amigo-Klon) als „really very friendly computer“ an.

Technisch war der Ontel Amigo für einen CP/M-Heimcomputer sehr gut ausgestattet. Das Gerät besaß ein integriertes 12‑Zoll-Monochromdisplay mit einer hohen Grafikauflösung von 640 × 300 Bildpunkten (im Textmodus 80 Spalten × 25 Zeilen). Diese Auflösung lag über dem, was viele Konkurrenten boten – zum Vergleich: der IBM PC mit CGA-Grafik erreichte 640 × 200 Pixel (2 Farben) oder 320 × 200 (4 Farben). Allerdings war der Amigo ein reines Schwarzweiß-System ohne Farbfähigkeit. Für typische Heimanwendungen der Zeit (Spiele, Grafik) war das ein Nachteil, doch für Geschäftsgraphiken und Text war die Darstellung sehr scharf. Ein dedizierter Soundchip fehlte; das System konnte lediglich einfache Töne bzw. den System-Beep ausgeben, was aber im Büroeinsatz kaum ins Gewicht fiel. Als Hauptspeicher standen 64 KB RAM zur Verfügung – voll ausgeschöpft durch CP/M 2.2, das im Amigo zum Einsatz kam. CP/M mit GSX ermöglichte es, neben rein textorientierten Programmen auch grafische Anwendungen auszuführen. So gehörten Zeichenprogramme wie Digital Researchs DR Graph oder das CAD-ähnliche GraphPlan perspektivisch zum Softwareangebot für GSX-Plattformen. In der Praxis blieb die Auswahl jedoch begrenzt; viele GSX-Ankündigungen waren „Zukunftsmusik“ und 8-Bit-CP/M war 1983 bereits ein auslaufendes System. Ontel setzte daher vor allem auf bewährte CP/M-Software: Neben WordStar liefen Standardprogramme wie dBASE II, Multiplan oder MBASIC, sodass dem Nutzer eine breite Softwarepalette zur Verfügung stand. Die Entscheidung, beim Amigo trotz aufkommender 16-Bit-CPUs noch auf 8 Bit zu setzen, begründete Ontel ausdrücklich mit dem riesigen Fundus an etablierter CP/M-Software, der sofort nutzbar war. Dieses Argument leuchtete vielen Anwendern ein, denn 1983 gab es für das neue MS-DOS des IBM PC noch weit weniger Anwendungen als für CP/M.

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Von außen ähnelte der Amigo einem kompakten Büroterminal oder einem frühen All-in-One-Heimcomputer (ähnlich dem Commodore PET oder TRS-80 Model III). Die gesamte Elektronik und der Monitor waren in einem gemeinsamen Gehäuse untergebracht, während die Tastatur als separates Gerät angeschlossen wurde. Das Gehäuse war etwa 30 × 33 × 43 cm groß und wog rund 16 kg – im Vergleich zu heutigen Heimcomputern also sehr schwer, aber für ein frühes 80er-Jahre-System durchaus normal. In Großbritannien bot C/WP das identische System in sechs verschiedenen Gehäusefarben an (u.a. Rot, Grün, Gelb oder Beige), womit der Cortex diesem Konzept bunter Heimcomputer 15 Jahre vor Apples iMac vorausgriff. In den USA wurde der Ontel Amigo hingegen meist im seriösen Beige oder Grau ausgeliefert. An Anschlüssen stellte das Modell alles bereit, was in seiner Klasse erwartet wurde: Eine serielle RS-232-Schnittstelle ermöglichte den Anschluss von Modems oder Terminals, und über die Centronics-Parallelschnittstelle konnten Drucker angeschlossen werden. Intern besaß das System keinen Steckkarten-Bus wie der IBM PC, doch Ontel integrierte bereits alle wichtigen Komponenten onboard, wodurch externe Erweiterungen kaum nötig waren. Massenspeicher wurden über externe Laufwerke angebunden: Üblich waren zwei 5,25″-Diskettenlaufwerke (360 KB DS/DD) in separaten Gehäusen, die via Kabel mit dem Amigo verbunden wurden. Für größere Datenmengen war ein 5 MB fassendes externes Winchester-Festplattenlaufwerk als Option erhältlich – damals eine beträchtliche Kapazität, allerdings verteuerte das Festplatten-Upgrade das System deutlich. Ontel bot zudem einen passenden Nadeldrucker (Matrix Printer) als Zubehör an. Die geplante Palette an Peripheriegeräten umfasste damit im Grunde alles, was man zur textorientierten Büroarbeit benötigte.

Preislich bewegte sich der Ontel Amigo im oberen Segment der Heimcomputer und kleinen Bürosysteme. Der Listenpreis zur Markteinführung lag bei 2.395 US-Dollar – trotz einfacherer 8-Bit-Technik also in einer ähnlichen Liga wie ein IBM PC oder Apple Lisa des Jahres 1983. Händler erhielten dabei Rabatte von 33–40 %, was darauf hindeutet, dass Ontel vor allem über Wiederverkäufer und OEM-Partner vertreiben wollte. In Deutschland hätte der Amigo inklusive Importaufschlag und Steuern etwa 15.000 DM gekostet. Zum Vergleich: Ein Commodore 64 war 1983 für unter 1.000 DM zu haben, ein IBM 5150 mit Monitor kostete hingegen gut 10.000 DM. Der hohe Preis des Amigo spiegelt seine ambitionierte Ausstattung wider, erschwerte aber die Positionierung im Heimmarkt erheblich. Inflationsbereinigt entspricht der US-Preis grob 6.500–7.000 € in heutigem Geldwert. In Großbritannien wurde das Schwestermodell Cortex Ende 1983 für £1.795 + MwSt angeboten, was etwa £8.700 im Jahr 2025 entspricht (über 10.000 €). Damit war das System deutlich teurer als populäre Homecomputer der Zeit und konkurrierte eher mit professionellen CP/M-Maschinen. Ontel argumentierte, der Mehrwert rechtfertige den Preis: Immerhin erhielt man einen robusten All-in-One-Rechner mit hoher Auflösung und großer Softwarebibliothek, der sofort einsatzbereit war und keine aufwendige Installation benötigte. Für den Heimgebrauch im engeren Sinne – also als Familiencomputer, Lerncomputer für Kinder oder Spielmaschine – war der Amigo jedoch weniger geeignet, vor allem wegen fehlender Farbe und Sound und des hohen Preises. Seine Stärken lagen im Bereich Textverarbeitung, Programmierung (viele Programmiersprachen waren für CP/M verfügbar) und bei technisch versierten Hobbyanwendern, die das ungewöhnliche Design schätzten. Gegenüber Konkurrenzmodellen wie dem Osborne 1 oder Kaypro II (tragbare CP/M-Systeme) bot der Amigo eine höhere Bildschirmauflösung und komfortableres Arbeiten am großen Monitor, war dafür aber nicht mobil. Im Vergleich zum IBM PC fehlten ihm die 16-Bit-Leistung und die Erweiterbarkeit – viele Unternehmen setzten lieber auf IBMs wachsenden PC-Standard, während 8-Bit-Systeme wie der Amigo allmählich an Attraktivität verloren.

Die Resonanz auf den Ontel Amigo fiel daher gemischt aus. Lob gab es für die innovative Dual-CPU-Architektur und die schnelle Grafik: Zeitgenössische Berichte hoben hervor, dass Ontel mit dem Amigo ein „8-Bit-Z80A-basiertes System mit 64K RAM“ präsentiere, das „auf den Einzelanwender im Büro abzielt“ – also ein neues Konzept zwischen Heim- und Bürorechner. Gelobt wurde auch die solide Verarbeitung und die im Lieferumfang enthaltene Software (neben WordStar u.a. ein Datenbankprogramm und mehrere Entwicklungswerkzeuge). Die Kritikpunkte hingegen konzentrierten sich auf die begrenzten audiovisuellen Fähigkeiten im Vergleich zu richtigen Heimcomputern sowie auf den ungünstigen Zeitpunkt: 1983 zeichnete sich bereits ab, dass der IBM PC zum De-facto-Standard werden würde. Ein 8-Bit-CP/M-Rechner für fast 2500 Dollar galt da als riskante Wette. Tatsächlich blieben die Verkaufszahlen des Amigo bescheiden – genaue Stückzahlen sind nicht überliefert, aber das Modell ist heute eine Rarität. Ontel bemühte sich zwar um OEM-Abnehmer: So wurde das Amigo-Design wie erwähnt an C/WP in Großbritannien lizenziert und von der argentinischen Firma Latindata in Südamerika vertrieben. Doch einen durchschlagenden Markterfolg erzielte der Amigo nicht. In einem spanischen Computermagazin von 1985 beschrieb ein Nutzer das Ontel Amigo zwar als „excelente equipo“ (ausgezeichnetes Gerät), beklagte aber die geringe Verbreitung und fehlende Unterstützung – er rief deshalb andere Besitzer dazu auf, einen User-Club zu gründen. Diese Anekdote unterstreicht, dass der Amigo trotz seiner technischen Vorzüge keine große Nutzerbasis aufbauen konnte.

Der Ontel Amigo ist ein interessantes Beispiel für einen Übergangs-Heimcomputer der frühen 1980er. Einerseits brachte er professionelle Merkmale – hochauflösende Grafik, duale Prozessorarchitektur, breite Softwareunterstützung – ins heimische Arbeitszimmer und war seiner Zeit in mancher Hinsicht voraus. Andererseits war er zur falschen Zeit am falschen Markt: Die Zukunft gehörte den günstigeren Heimcomputern für den Massenmarkt sowie den 16-Bit-PCs für den Geschäftsmarkt. Der Amigo konnte sich zwischen diesen Stühlen nicht dauerhaft behaupten und verschwand bald vom Markt. Seine Entwickler wechselten teils zu anderen Projekten: Ontels Technikchef Ike Nassi ging 1983 zu Visual Technology und arbeitete dort am Visual 1050, der im Grunde ein direkter Nachfahre des Amigo war. Dieses Nachfolgemodell nutzte die Amigo-Architektur, setzte aber bereits CP/M 3.0 (CP/M Plus) ein und erschien Ende 1983 unter Visuals Marke. Auch andere Hersteller wie Televideo brachten auf Amigo-Ideen basierende CP/M-Rechner mit Grafik heraus (z. B. Televideo TS-803). Insgesamt blieb der Ontel Amigo jedoch ein Exot. In der Retro-Computing-Community wird seine technische Besonderheit – zwei CPUs, davon eine als Grafikprozessor – bis heute gewürdigt. Historisch steht der Amigo sinnbildlich für den Spagat zwischen Heim- und Bürowelt Anfang der 1980er: ein ambitionierter Heimcomputer für den produktiven Einsatz, der schließlich vom Siegeszug der IBM-PC-Plattform überrollt wurde.