Hang-On – 1985 by Sega

Hang-On – 1985 by Sega

Hang-On, veröffentlicht 1985 von Sega, war so gänzlich anders als bisherige Arcade Automaten, sowohl sowohl technologisch als auch kreativ. Das Motorradrennspiel entstand unter der Leitung von Yu Suzuki, einem Entwickler, der nicht nur für sein technisches Gespür, sondern auch für seine Leidenschaft für Autos und Motorräder bekannt war. Nachdem ein Kollege ihm den Vorschlag gemacht hatte, einen Torsionsstab – ein flexibles mechanisches Bauteil zur Richtungssteuerung – in ein Spiel zu integrieren, war Suzuki sofort fasziniert von der Idee, ein realistisches Fahrgefühl in ein Arcade-Spiel zu bringen. Obwohl sich die Verwendung des Torsionsstabs als zu kompliziert herausstellte, fand er mit einfachen, aber effektiven Federn eine praktikable Alternative, die das Neigen eines echten Motorrads simulierte.

Suzuki durfte völlig frei entscheiden, welche Art von Spiel er entwickeln wollte. Als Motorsportfan entschied er sich für ein Motorradrennspiel, das nicht nur technisch beeindrucken, sondern auch körperlich erfahrbar sein sollte. Das Arcade-Gehäuse wurde als vollwertiges Motorradmodell gestaltet, auf dem sich Spieler in Kurven seitwärts lehnen mussten, um die Richtung zu ändern – eine physische Immersion, wie sie bis dahin in der Spielewelt undenkbar war. Während Suzuki persönlich ein großer Fan von Motocross und Enduro war – später verwirklichte er diesen Stil in Enduro Racer – zeigte die Marktforschung, dass vor allem straßenbasierte GP 500-Rennen weltweit beliebt waren. Dies führte zur Entscheidung für diesen realistischen Rennstil.

Sega Hang on Arcade Automat

Von joho345 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Besonders inspiriert wurde Suzuki durch den jungen Motorradweltmeister Freddie Spencer, dessen elegante Fahrweise er in Hang-On nachempfand. „Freddie Spencers Fahrstil war so schön. Und mein Spiel war wie eine Hommage an ihn“, erklärte Suzuki. „Er fuhr eine Honda, und ich fand es toll, wie er sich durchhielt!“ Der Name des Spiels selbst stammt aus einem Artikel in einer japanischen Motorradzeitschrift, in dem beschrieben wurde, wie ein Fahrer sich in Kurven am Motorrad „festhält“ – „Hang-On“. Später stellte sich heraus, dass diese Technik in Nordamerika „hang off“ genannt wurde, doch der ursprüngliche Name blieb bestehen.

Suzukis Vision ging weit über das Gameplay hinaus. Ursprünglich wollte er ein echtes 3D-Spiel schaffen, was jedoch aufgrund der damaligen technischen Begrenzungen nicht möglich war. Stattdessen spezifizierte er das Design für eine neue Arcade-Hardware, die auf dem bestehenden VCO Object-Systemboard basierte und später als Sega Hang-On Hardware bekannt wurde. Diese Plattform nutzte mehrere CPUs und DSP-Prozessoren, um mittels innovativer Sprite-Skalierung 3D-ähnliche Effekte auf 16-Bit-Grafikbasis zu erzeugen – ein Durchbruch, der den Grundstein für Segas spätere Super Scaler-Technologie legte, die in Space Harrier ebenfalls Verwendung fand.

Auch der Soundtrack war für seine Zeit außergewöhnlich. Komponiert wurde die Musik von Hiroshi Kawaguchi, einem ehemaligen Programmierer, der durch seine Tätigkeit in einer Rockband Suzukis Aufmerksamkeit erregte. Für Hang-On komponierte Kawaguchi eine rockige Musikuntermalung – etwas, das in Spielhallen bis dahin kaum zu hören war. Besonders das Hauptthema „Theme of Love“ sorgte für Begeisterung unter Spielern und Entwicklern gleichermaßen.

Zwei Versionen des Spiels wurden produziert: ein Standardmodell mit Lenker und Hebeln sowie eine Deluxe-Version mit einem Motorrad-Nachbau, der sich neigen ließ. Ursprünglich wollte Suzuki sogar ein Gyroskop einbauen, um Beschleunigung und Verzögerung noch realistischer darzustellen, doch diese Idee fiel letztlich Budgetgrenzen zum Opfer.

Die Veröffentlichung von Hang-On war ein weltweiter Erfolg. In Japan wurde das Spiel im Juli 1985 veröffentlicht, gefolgt von den USA im August und Europa im September. Trotz anfänglicher Bedenken, ob Spieler – insbesondere Frauen – bereit wären, sich auf das bewegliche Motorrad zu setzen, war die Resonanz überwältigend. In Spielhallen bildeten sich schnell Warteschlangen, um das neuartige Fahrerlebnis zu erleben. In den ersten Jahren wurden über 20.000 Automaten offiziell verkauft, zusätzlich kursierten bis zu 30.000 illegale Nachbauten auf dem Weltmarkt – ein deutliches Zeichen für die Popularität des Spiels.

Die Reaktionen der Fachpresse waren enthusiastisch. Das britische Magazin Computer and Video Games schrieb, Hang-On sei „das realistischste Arcade-Spiel seiner Zeit“ und lobte vor allem die intuitive Steuerung und die innovative Darstellung. Auch Sega selbst unterstrich in einer Pressemitteilung, man wolle mit diesem Spiel „die Grenzen dessen erweitern, was ein Arcade-Spiel leisten kann“.

Hang-On wurde für zahlreiche Heimcomputer und Konsolen portiert, darunter das Sega Master System, wo es in vielen Fällen als vorinstalliertes Spiel enthalten war. Weitere Umsetzungen erschienen für Systeme wie den PC-8801, den MSX und in späteren Compilations für moderne Plattformen. Der direkte Nachfolger Super Hang-On erschien 1987 und setzte die Erfolgsgeschichte fort – ebenfalls mit realistischen Steuerungen, besseren Grafiken und einer noch dynamischeren musikalischen Untermalung von Kawaguchi.

Yu Suzuki entwickelte nach Hang-On einige der einflussreichsten Spiele der Arcade-Ära, darunter Out Run, Space Harrier und After Burner. Rückblickend sagte er über Hang-On: „Es gab Spiele mit kurzen Melodien und Pieptönen, aber ich denke, Hang-On war das erste Spiel mit einer soliden Komposition mit Bass und Schlagzeug.

Hang-On bleibt bis heute ein Klassiker des Arcade-Zeitalters, nicht nur als technologische Innovation, sondern auch als leidenschaftliches Werk eines Entwicklers, der den Spielhallen eine neue Dimension des Erlebens geschenkt hat. Es war das erste große Spiel, das die sogenannte „Taikan“-Philosophie – also physisch interaktive Automaten – etablierte, und markierte damit den Beginn einer neuen Ära des immersiven Spielens, die bis heute nachwirkt.

Law of the West – 1985 by Accolade

Law of the West - 1985 by Accolade

Law of the WestDie Idee zu Law of the West entstand Anfang 1985 bei Accolade, nachdem Alan Miller die Vision formuliert hatte, ein interaktives Western-Abenteuer zu schaffen, in dem jede Entscheidung Konsequenzen trägt. Binnen sechs Monaten entwickelte ein kleines Team um Miller einen Prototyp, den man stolz im Firmennewsletter präsentierte: „Wir wollen den rauen Charme des Grenzgebiets in den eigenen vier Wänden erlebbar machen“. Die Veröffentlichung erfolgte im Sommer 1985 zunächst in Nordamerika auf Kassette für 9,95 USD, kurze Zeit später folgten Distribution über Diskette und eine Europa-Version durch U.S. Gold zu je £9.95 (Kassette) bzw. £14.95 (Diskette). Im japanischen Markt übernahm Pony Inc. die Lizenz, während American Action für Skandinavien sorgte.

Der Spieler schlüpft in die Rolle des Sheriffs von Gold Gulch und begegnet an der staubigen Main Street verschiedenen Bewohner der Stadt. Vor dem Saloon trifft man den betrunkenen Revolverhelden, dessen beleidigte Reaktion zwischen einer harmlosen Rauferei und tödlichen Duellen pendelt. Daraufhin führt der Weg ins Saloon-Interieur, wo eine barkeeperin auf eure Höflichkeit oder Frechheit reagiert. Im Anschluss kann man die Bank aufsuchen, wo ein nervöser Manager über einen drohenden Überfall klagt. Ein kurzer Abstecher zur staubigen Smithy, der Schmiede, ermöglicht eine Szene mit dem ruppigen Schmied, und im Hinterhof des Saloons lauert der Friedhof, auf dem man Leichenbestatter und Grabsteine gleichermaßen provozieren kann. Jeder dieser Schauplätze ist mit eigenständigen Grafik-Assets und Sound-Loops hinterlegt, sodass die Atmosphäre vom Knarrz der Saloon-Tür bis zum Klirren von Hufeisen eindringlich wirkt.

Die Dialogmechanik basiert auf vier Textoptionen: höflich, neutral, aggressiv oder drohend. Je nach Wortwahl eskaliert das Gespräch zu einem Duell, in dem Millisekunden über Leben und Tod entscheiden. Das Duellsystem nutzt eine einfache GOTO-basierte Code Sequenz, die den Spieler mit zufälligen Blickwinkeln konfrontiert, ehe sich der Counter zum Schuss löst. Mimi Doggett entwarf die Pixelgrafiken, während Ed Bogas den Soundtrack komponierte und so den Ton von „Western-Ambiente“ mit simplen Chiptune-Melodien einfing.

Die Punktevergabe erfolgt anhand mehrerer Kriterien: Jede gelungene Interaktion bringt zwischen 10 und 50 Punkten, abhängig von Höflichkeitsgrad und Schnelligkeit der Antwort. Ein gewonnenes Duell belohnt den Spieler mit 100 Punkten, während Fehleinschätzungen und verlorene Schusswechsel jeweils 20 Punkte abziehen. Wer alle NPCs in Gold Gulch positiv beeinflusst und alle Duelle siegreich besteht, kann einen Highscore von über 1000 Punkten erreichen.

Der Tod des Spielers ist immer dann möglich, wenn man in einem Duell unterliegt oder zu provokativ auftritt. Fällt der Sheriff im Duell, endet das Spiel sofort mit der Einblendung einer Grabinschrift, und die Endauswertung zeigt die erreichten Punkte sowie eine abschließende Moralbewertung. Dieses abrupt abschließende Szenario war für viele Spieler überraschend und trug wesentlich zur Spannung bei.

Die Fachpresse war gespalten: Zzap!64 lobte im April 1986 mit 78 % Wertung die innovativen Dialogbäume und die lebendige Western-Kulisse, bemängelte jedoch das hakelige Scrolling auf der straußenbreiten Hauptstraße. Commodore User vergab nur 2 von 5 Punkten, da ihnen das Zusammenspiel aus Text und schnellen Schusswechseln zu statisch erschien, während Your Commodore im September 1986 5 von 10 gab – hier hieß es, die Schauplätze seien liebevoll gestaltet, das Gameplay aber zu repetitiv.

Marktwirtschaftlich verkaufte sich Law of the West solide, aber ohne Blockbuster-Status. Offizielle Zahlen fehlen, doch Schätzungen gehen von 30.000 bis 50.000 verkauften Einheiten weltweit aus. In den USA und Großbritannien gehörte das Spiel zeitweise zur Mid-Price-Reihe, in Frankreich und Skandinavien war besonders die Atari-ST-Version beliebt und erhielt leicht höhere Wertungen in regionalen Magazinen. Eine Pressemitteilung von Accolade betonte nach sechs Monaten: „Law of the West hat sich als fester Bestandteil jeder Western-Sammlung etabliert“.

Kontroversen entzündeten sich an der moralischen Ambivalenz: Spieler konnten unbewaffnete Zivilisten in Duellen erschießen, was in Foren lebhafte Debatten auslöste. Alan Miller erklärte später: „Wir wollten Moral greifbar machen, auch wenn es die Spieler gegen den Strich bürstet“. Produktionsnotizen belegen, dass das Team während der Entwicklungszeit hitzig über die Auswirkungen von Gewalt in Spielen diskutierte und verschiedene Enden testete, um die Balance zwischen Authentizität und Kontroverse zu halten.

Neben der C64-Fassung entstanden schnell Konvertierungen für den Apple II und in Japan für das NES, sowie den PC-88. In Japan blieb der Titel weitgehend unter dem Radar, erhielt aber in Nischenmagazinen wie Oh!X positive Erwähnung.

Programmierer waren neben Alan Miller Bob Whitehead und Jim Levy; Mimi Doggett betreute Grafik und Benutzeroberfläche, Ed Bogas die Musik. Miller wechselte später in Management-Positionen und entwickelte Online-Advergames, Whitehead kehrte zu Atari zurück, Levy gründete eine eigene Indie-Entwicklerschmiede, Doggett arbeitete an Psi-5 Trading Company, und Bogas komponierte später für Superfrog und die Teenage Mutant Ninja Turtles-Spiele. Law of the West bleibt so ein Zeugnis früher narrativer Experimente im Heimcomputer-Zeitalter und ein Pionier in der Verbindung von Dialog und Gameplay.

Silent Service – 1985 by Microprose

Silent Service - 1985 by MicroProse

Silent Service Cover von MicroProse

Silent Service Cover von MicroProse

Silent Service wurde 1985 von MicroProse veröffentlicht und zählt zu den wegweisenden U-Boot-Simulationen, die sowohl durch ihre Detailtreue als auch durch ihren Innovationsgeist begeistern. Die Entstehungsgeschichte dieses Spiels ist eng mit dem visionären Denken von Sid Meier verbunden, einem der Mitbegründer von MicroProse, der später auch für Klassiker wie Sid Meier’s Civilization, Pirates! und Railroad Tycoon weltweite Bekanntheit erlangte. Als Inspiration diente ihm das Buch „Clear the bridge!: The war patrols of USS Tang“ des Kapitäns und späteren Konteradmirals Richard H. O’Kane, dass in den USA in den Kreisen der Marinebegeisterten hochgelobt wird.

In "Silent Service" übernimmt der Spieler das Kommando über ein U-Boot der US-amerikanischen Gato-Klasse im Pazifik während des Zweiten Weltkriegs. Ziel ist es, feindliche japanische Schiffe zu versenken. Der Begriff "Silent Service" war ein Spitzname für die U-Boot-Flotte der US-Marine im Pazifik während des Zweiten Weltkriegs. Der Spieler kann verschiedene Taktiken anwenden, wie zum Beispiel Angriffe bei Nacht, bei denen das U-Boot schwer zu entdecken ist. Es können bis zu vier Torpedos gleichzeitig abgefeuert werden, was besonders bei Angriffen auf mehrere Zerstörer herausfordernd ist. Außerhalb von Gefechten kann die Spielzeit beschleunigt werden.

Sid Meier, der Entwickler des Spiels, betonte, dass Faktoren wie die Größe des Einsatzgebiets, die Vielfalt der taktischen Situationen und die Weiterentwicklung der Technologie, wie der Einsatz von Radar und die Entwicklung von Torpedos, die keine sichtbaren Blasen hinterlassen, das Spieldesign maßgeblich beeinflussten. Verschiedene Aufgaben wie Navigation, Schadensbehebung und Waffeneinsatz sind auf unterschiedliche Bildschirme verteilt, um dem Spieler sowohl umfassende Informationen als auch Fokus auf die jeweilige Aufgabe zu bieten.

In den frühen 1980er Jahren verkauften sich realitätsnahe Kriegssimulationen durchaus erfolgreich, das Entwicklerteam von MicroProse nahm sich daher vor, den Nervenkitzel und die strategischen Herausforderungen des U-Boot-Krieges im Zweiten Weltkrieg in einem Spiel erlebbar zu machen. „Wir wollten den Spieler mitten ins Geschehen versetzen – in die beklemmende Stille der Tiefsee, in der jede Entscheidung über Leben und Tod entscheiden konnte“, erinnerte sich Sid Meier in einem frühen Interview, in dem er die Ambitionen des Projekts erläuterte. Die Entwicklungszeit für Silent Service betrug etwa ein Jahr, in dem unzählige Stunden in die Detailarbeit flossen. Produktionsnotizen aus jener Zeit dokumentieren, dass jedes Element – von der Ballistik der Torpedos über die akustischen Signale der Sonargeräte bis hin zur Darstellung der Tiefenverhältnisse – mit größter Präzision umgesetzt werden sollte. Eine interne Pressemitteilung von MicroProse lautete damals: „Silent Service setzt neue Maßstäbe in Sachen Realismus und strategischem Tiefgang“, ein Anspruch, der auch in den internationalen Bewertungen vielfach bestätigt wurde. „Manchmal fühlte es sich an, als würde das ganze Team in einem einzigen, gemeinsamen Atemzug die Unwägbarkeiten der Tiefsee durchleben“, so ein Entwickler, der anonym bleiben wollte.

Obwohl Bill Stealey, Mitgründer von MicroProse, nicht direkt an der Programmierung von "Silent Service" beteiligt war, trug er maßgeblich zur Vermarktung und zum kommerziellen Erfolg des Spiels bei. Seine Fähigkeit, militärische Expertise mit unternehmerischem Geschick zu verbinden, half dabei, "Silent Service" als realistische U-Boot-Simulation zu positionieren und eine breite Spielerschaft zu erreichen. Wobei er in diesem Zusammenhang auch gerne den Begriff Realismus neu definierte. Um das Spiel interessanter zu gestalten, ließ Bill, der selbst in der U.S. Air Force gedient hatte, die Bordkanone in das Spiel integrieren, dass es erlaubte gegnerische Schiffe mit dieser zu versenken. Wer sich auch nur einmal mit Ubooten beschäftigt hatte, würde einen Kampf zwischen einem Unterseeboot und einem Zerstörer als verrückt abtun.

Das Spiel überzeugte nicht nur durch seine technische Raffinesse, sondern auch durch eine durchdachte Funktionsweise: Der Spieler übernahm das Kommando über ein amerikanisches U-Boot, manövrierte durch feindliche Gewässer, setzte Torpedos ein und reagierte auf unvorhersehbare Ereignisse – alles unter der Prämisse, eine möglichst authentische Simulation zu bieten.
Der kommerzielle Erfolg von Silent Service war beträchtlich: Weltweit wurden Schätzungen zufolge über 400.000 Exemplare verkauft, und das Spiel fand in Fachzeitschriften sowie in internationalen Computermagazinen überwiegend hervorragende Bewertungen – in einem renommierten US-Magazin erhielt es beispielsweise eine 9 von 10 Punkten. Die Konvertierungen des Spiels auf verschiedene Plattformen wie den IBM PC, den Commodore 64, den Amiga und weitere Systeme trugen zusätzlich zur Reichweite bei, wobei jede Portierung versuchte, den hohen Anspruch an Realismus und Detailtreue zu bewahren. Dennoch blieb das Spiel nicht frei von Kontroversen: Einige Kritiker bemängelten den langsamen Spielrhythmus und die steile Lernkurve, während andere gerade diese Aspekte als authentische Darstellung der stressigen und langwierigen Entscheidungen im U-Boot-Krieg lobten. Ein Entwickler kommentierte später in einer Pressemitteilung: „Wir wollten nicht ein Arcade-Spiel kreieren, sondern eine Simulation, in der jede Sekunde zählt – auch wenn das bedeutet, dass der Spieler manchmal durch lange, spannungsgeladene Minuten navigiert.“ Neben den technischen und spielerischen Aspekten stand auch der marktwirtschaftliche Erfolg im Fokus. Silent Service wurde nicht nur in den USA, sondern auch international zu einem Symbol für hochwertige Simulationen, und der Umsatz trug erheblich zum Wachstum von MicroProse bei. Die internationalen Konvertierungen und die positiven Bewertungen in zahlreichen Ländern unterstrichen den globalen Einfluss des Spiels. Insgesamt zeigt der Erfolg von Silent Service, wie ein Spiel, das mit viel Liebe zum Detail, technischer Finesse und der Vision von Pionieren wie Sid Meier entwickelt wurde, das Genre nachhaltig prägen und zugleich eine ganze Generation von Spielern in den Bann ziehen konnte.

Das Computerspiel "Silent Service" wurde am 28. Februar 1987 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) aufgrund des Vorwurfs der Kriegsverherrlichung indiziert. Diese Entscheidung wurde jedoch bereits am 31. März 1988 wieder aufgehoben. Interessanterweise erfolgte am 30. Juli 1988 eine erneute Indizierung des Spiels. Die genauen Gründe für diese schnellen Wechsel in der Bewertung sind nicht detailliert dokumentiert. Es wird jedoch vermutet, dass sowohl veränderte gesellschaftliche Einstellungen als auch mögliche Interventionen des Herstellers MicroProse Einfluss auf die Entscheidungen hatten. Diese Ereignisse verdeutlichen die Herausforderungen und die Dynamik bei der Bewertung von Computerspielen in Bezug auf ihren Inhalt und ihre Wirkung auf Jugendliche.

The Bard‘s Tale – 1985 by Interplay

The Bard‘s Tale – 1985 by Interplay

The Bard‘s Tale – 1985 by Interplay

Bereits in den 1970ern erfreuten sich RPGs einer erstarkenden Beliebtheit, die sich, nicht zuletzt durch die stetig verbessernde Grafik, immer weiter ausbreitete. EA fehlte jedoch im Sortiment ein Titel, der es mit Schwergewichten wie Ultima und Wizardry aufnehmen konnte, zumal sich diese bereits seit 1981 auf etlichen Rechnern tummelten.

Michael Cranford, ein begeisterter Pen&Paper Spieler und Programmierer werkelte jedoch schon an einem passenden Konzept. Michael zeichnete sich zuvor für den C64 Port des Sega Shooters Super Zaxxon verantwortlich. Auch den Apple II Port des Welterfolges Donkey Kong konnte Michael sich auf die Fahne schreiben. Mit der Unterstützung des Gründers von Interplay, Brian Fargo, konnte das Design weiter verbessert werden. Brian gab dabei an, auf seine Spielerfahrungen mit Dungeon & Dragons zurückgegriffen zu haben. Ein Spiel, dass er häufig mit Michael spielte...

Weitere Unterstützung erhielten sie von Rebecca Heinemann, die zu dieser Zeit bei Interplay tätig war. Laut des Handbuches wurde sie aufgrund ihrer Datenkomprimierungsroutinen erwähnt, die eine große Anzahl an Animationen und Grafiken ermöglichten, ohne den kostbaren Diskettenplatz zu sprengen. Rebecca selbst gab an auch Entwicklungstools, unter anderem einen Grafikeditor, erschaffen und darüber alle Konvertierungen auf andere Systeme erschaffen zu haben.

The Bard’s Tale wurde über Nacht zu einem Erfolg. Bis 1993 konnten über 1 Million Kopien verkauft werden.

Ghost `n Goblins – 1985 by Capcom

Ghost `n Goblins - 1985 by Capcom

Ghost `n Goblins - 1985 by Capcom

Ghost `n Goblins - 1985 by Capcom

Ein Ritter hat schon einen harten Arbeitsalltag: ständig ist er auf der Hut vor Feindeskräften, hat dazu eine knüppeldicke Ausbildung hinter sich, inklusive Benimmregeln am Tisch und muss dazu noch eine Rüstung mit einem Gewicht von etwa 30 Kilogramm tragen. Armer Sir Arthur! Denn dieser hat den Ruf der Prinzessin Prin vernommen und erhört. Diese ist von Astaroth gefangengenommen worden und harrt nun ihrer Befreiung im Dorf der Dämonenwelt, so die Übersetzung des japanischen Titels Makaimura, hierzulande ist das Spiel eher unter dem Namen Ghost `n Goblins bekannt, verehrt und gefürchtet. Sir Arthur hat das Glück gegen Zombies, Riesen, Dämonen, Zyklopen und Drachen kämpfen zu dürfen. Regisseur Tokuro Fujiwara, der auch unter den Pseudonymen Professor F oder Arthur King bekannt ist, hatte mit dem Ritter keine Gnade, denn das Spiel ist knüppelschwer. Zwei Treffer reichen, um den Ritter im ersten Moment im Schlüpfer durch die Gegend rennen zu lassen und später zur Strecke zu bringen.

Das 1985 veröffentlichte Automatenspiel erhielt zahlreiche Konvertierungen und diese hatten verschiedene Komponisten am Start, u.a. Allister Brimble für die NES Version oder Mark Cooksey für den C64. Dessen Komposition basierte übrigens auf Frederic Chopins Prelude Op. 28, Nr. 20. (Chopin blieb mir übrigens nur deshalb im Gedächtnis, weil meine Mutter als gebürtige Polin ganz stolz auf ihn war und mich dazu verdonnerte seine Stücke auf dem Klavier zu spielen…wieder und wieder…und wieder…). Die tatsächliche Komponistin ist jedoch Ayako Mori.

Ghost `n Goblins war ein großer kommerzieller Erfolg, weltweit. Es gehörte zu den umsatzstärksten Arcade-Spielen des Jahres 1986 in den Staaten und Japan. Auf der NES verkaufte sich das Spiel etwa 1,6 Millionen Mal und war zudem in diesem Jahr unter den Top 10 Spielen in Großbritannien (Platz 6). Aufgrund des Erfolges entwickelten sich zahlreiche Fortsetzungen und Spin Offs.

Brataccas – 1985 by Psygnosis

Brataccas - 1985 by Psygnosis

Brataccas, veröffentlicht 1985 von Psygnosis, war eines der ersten Spiele des Studios und hatte sich zuvor einen unrühmlichen Namen gemacht. Ursprünglich begann das Projekt unter dem Titel Bandersnatch bei Imagine Software, einem ambitionierten britischen Entwicklerstudio, das in den frühen 1980er-Jahren für seine visionären Konzepte bekannt war. Bandersnatch sollte eines der ersten Spiele werden, das speziell für Heimcomputer wie den ZX Spectrum entwickelt wurde und dabei Hardware-Erweiterungen nutzen sollte, um grafisch und spielerisch revolutionär zu sein. Die ambitionierten Pläne von Imagine, das Spiel zu einem interaktiven Meisterwerk mit einem Preis von rund 40 Pfund (inflationsbereinigt etwa 140 Euro) zu machen, gerieten jedoch ins Stocken, als das Studio 1984 in Insolvenz ging. Dies führte dazu, dass die Rechte und unvollständigen Arbeiten an Bandersnatch von den ehemaligen Imagine-Mitarbeitern David Lawson und Ian Hetherington zu Psygnosis übertragen wurden, dem neu gegründeten Studio.

Die Entstehungsgeschichte von Brataccas ist daher untrennbar mit dem Scheitern von Imagine Software verbunden. Die Entwickler standen vor der Herausforderung, das unfertige Projekt zu einem funktionierenden Spiel zu machen, das auf den damals leistungsstärkeren Plattformen wie dem Commodore Amiga und dem Atari ST lauffähig war. Ian Hetherington, Mitbegründer von Psygnosis, sagte dazu: „Wir wollten Bandersnatch zu Ende bringen, nicht nur aus persönlichem Stolz, sondern auch, weil wir an das Potenzial des Spiels glaubten.“ Das Ergebnis war Brataccas, ein Titel, der zwar viele der ursprünglichen Ideen von Bandersnatch beibehielt, jedoch technisch und inhaltlich angepasst wurde, um den neuen Plattformen gerecht zu werden.

Das Spiel bot eine Mischung aus Action-Adventure und Rollenspiel, angesiedelt in einer dystopischen Zukunft. Die Spieler übernahmen die Rolle von Kyne, einem Wissenschaftler, der von einer korrupten Regierung beschuldigt wird, eine Superwaffe entwickelt zu haben. Ziel war es, in einer Raumstation Beweise für seine Unschuld zu finden, während man Feinden auswich, mit Charakteren interagierte und Aufgaben löste. Brataccas fiel durch seine ungewöhnliche Steuerung auf, die den Spieler vor die Herausforderung stellte, sowohl Bewegungen als auch Aktionen präzise zu koordinieren. Die dynamische Spielwelt, in der NPCs agierten und reagierten, war für die Zeit beeindruckend. Laut David Lawson „wollten wir eine lebendige, interaktive Welt schaffen, in der die Spieler wirklich das Gefühl hatten, ein Teil davon zu sein.

Die Grafik von Brataccas war für 1985 wegweisend. Psygnosis setzte auf eine visuell beeindruckende Darstellung, mit detaillierten Charakteren und Kulissen, die das düstere Science-Fiction-Setting unterstrichen. Dies legte den Grundstein für den Ruf des Studios, Spiele mit atemberaubender Grafik zu produzieren. Allerdings war die Steuerung des Spiels häufig Gegenstand von Kritik. Viele Spieler fanden sie klobig und schwerfällig, was den Spielfluss hemmte. In einem Interview gestand Lawson: „Die Steuerung war sicherlich nicht perfekt, aber wir hatten begrenzte Ressourcen und wollten das Spiel unbedingt fertigstellen.“

Der kommerzielle Erfolg von Brataccas war durchwachsen. Während das Spiel für seine technische und künstlerische Ambition gelobt wurde, fanden viele Spieler den hohen Schwierigkeitsgrad und die komplexe Steuerung abschreckend. In Großbritannien, wo Psygnosis seine stärkste Fanbasis hatte, verkaufte sich das Spiel moderat erfolgreich, erreichte aber nie die hohen Erwartungen, die mit seinem Erbe als Bandersnatch verbunden waren. Psygnosis konnte jedoch aus den Lektionen von Brataccas lernen und baute darauf eine beeindruckende Karriere als Entwickler und Publisher auf, die später ikonische Titel wie Lemmings und Wipeout hervorbrachte.

Die Kontroversen um Brataccas kreisten vor allem um die Tatsache, dass es nie ganz die Erwartungen erfüllte, die mit dem ursprünglich geplanten Bandersnatch verbunden waren. Viele Fans von Imagine Software hatten gehofft, dass das Spiel bahnbrechend sein würde, und waren enttäuscht, dass es „nur“ ein ambitioniertes, aber unausgereiftes Spiel wurde. Dennoch erkannten Kritiker die Innovationen an, insbesondere die dynamische Spielwelt und die detaillierte Grafik. Hetherington bemerkte dazu: „Es war unser erstes Spiel. Natürlich gab es Probleme, aber wir haben bewiesen, dass wir ein Studio mit Visionen sind.
Während der Produktion von Bandersnatch wurde berichtet, dass die Entwickler so hart arbeiteten, dass sie im Büro schliefen und kaum Zeit für persönliche Angelegenheiten hatten. Diese Leidenschaft wurde später auch bei Psygnosis sichtbar, als das Team unermüdlich daran arbeitete, das Spiel zu veröffentlichen. Ein ehemaliger Mitarbeiter erinnerte sich: „Es war chaotisch, aber wir glaubten an das Projekt. Brataccas war unser Sprungbrett.

Heute kann Brataccas als ein Stück Videospielgeschichte angesehen werden, das sowohl die Ambitionen als auch die Herausforderungen der frühen 1980er widerspiegelt. Obwohl es kein kommerzieller Blockbuster war, legte es den Grundstein für Psygnosis’ spätere Erfolge und bleibt ein faszinierender Einblick in die Anfänge der modernen Spieleentwicklung.