Quasar QDP-100: Der CP/M-Rechner mit integriertem EPROM-Brenner

Ende der 1970er begann sich der Markt für S-100-Systeme spürbar zu verändern. Während frühe Rechner wie der Altair 8800 noch stark von Bastlern und Elektronikenthusiasten geprägt waren, versuchten Hersteller zunehmend, daraus professionelle Komplettsysteme für Unternehmen und Entwickler zu formen. Auch Quasar Data Products schlug mit dem QDP-100 genau diesen Weg ein — ein robustes CP/M-System mit integrierter Entwicklungs-Hardware, das deutlich stärker auf Zuverlässigkeit und technische Arbeitsumgebungen ausgelegt war als viele klassische Heimcomputer jener Zeit.

Gegründet wurde Quasar Data Products 1979 in North Olmsted im US-Bundesstaat Ohio von ehemaligen Studenten beziehungsweise Absolventen der Kent State University. Anders als zahlreiche kleinere S-100-Hersteller positionierte sich das Unternehmen nicht primär über niedrige Preise oder maximale Erweiterbarkeit, sondern über Stabilität, professionelle Ausstattung und vollständige Komplettsysteme. Schon zeitgenössische Anzeigen im BYTE Magazine machten deutlich, wohin die Reise gehen sollte. Statt mit typischen Bastlerbegriffen wie „Experimenting“ oder „Expansion“ warb Quasar mit Aussagen wie „Fully Tested“, „Reliable“ oder „Complete — Up & Running“. Der QDP-100 sollte nicht wie ein Elektronikprojekt wirken, sondern wie ein fertiges Arbeitswerkzeug.

Technisch basierte das System auf dem damals weit verbreiteten IEEE-696-kompatiblen S-100-Bus. Im Inneren arbeitete ein Zilog Z80A mit 4 MHz Taktfrequenz, kombiniert mit standardmäßig 64 KB RAM. Zur Ausstattung gehörten zwei doppelseitige 8-Zoll-Diskettenlaufwerke, zwei serielle sowie zwei parallele Schnittstellen und ein monochromes Terminal, das häufig direkt mitgeliefert wurde. Als Betriebssystem kam primär CP/M 2.2 zum Einsatz, zusätzlich unterstützte der Rechner jedoch auch MP/M, wodurch mehrere Benutzer beziehungsweise Terminals parallel arbeiten konnten — Anfang der 1980er noch keineswegs selbstverständlich.

Die eigentliche Besonderheit des Systems lag allerdings an anderer Stelle. Während viele CP/M-Rechner vor allem auf Bürosoftware, Textverarbeitung oder allgemeine Datenverarbeitung zielten, besaß der QDP-100 standardmäßig einen integrierten 2716-EPROM-Programmierer. Genau dieses Detail verlieh dem Rechner eine ungewöhnliche Identität. EPROM-Brenner wurden damals benötigt, um Firmware und Steuerprogramme auf programmierbare Speicherbausteine zu schreiben — etwa für industrielle Steuerungen, Embedded-Systeme, Messhardware oder Terminaltechnik. Normalerweise waren dafür externe Spezialgeräte erforderlich. Quasar integrierte diese Funktion dagegen direkt in das Gesamtsystem.

Dadurch wird auch die eigentliche Zielgruppe des Rechners klarer. Der QDP-100 richtete sich offenbar weniger an klassische Büroanwender als vielmehr an Entwickler, Techniker, Laborumgebungen und industrielle Einrichtungen. Dazu passte auch die übrige Konstruktion. Zeitgenössische Anzeigen erwähnten wiederholt Begriffe wie „burned in“ oder „fully tested“, womit längere Belastungstests vor der Auslieferung gemeint waren. Ziel war es, frühe Hardwareausfälle bereits vor dem Kundeneinsatz zu erkennen. Spätere Beschreibungen berichten zudem von besonders robust aufgebauten Netzteilen mit hochwertigen Filterkomponenten, die unter anderem wegen Einsätzen bei der US Navy verwendet wurden. Gerade militärische und industrielle Kunden legten damals großen Wert auf stabile Stromversorgung und Dauerbetriebssicherheit.

Interessant war außerdem das integrierte Startup-Menü des Systems. Viele CP/M-Rechner jener Zeit starteten direkt in eine Kommandozeile und erwarteten vom Benutzer Kenntnisse über Bootdisketten, Laufwerksparameter oder Terminalinitialisierung. Der QDP-100 ging einen anderen Weg. Beim Einschalten erschien ein eigenes Menüsystem, über das offenbar Systemparameter verändert und Dienstprogramme direkt gestartet werden konnten, ohne sofort komplexe CP/M-Befehle eingeben zu müssen. Heute wirkt das unspektakulär, 1980 war eine derart menügesteuerte Benutzerführung jedoch noch vergleichsweise ungewöhnlich.

Auch äußerlich unterschied sich das System von zahlreichen Konkurrenten. Das schwere Gehäuse mit seinen beiden großen 8-Zoll-Laufwerken wirkte beinahe wie ein kompakter Minicomputer. Einige Varianten besaßen Holzseiten beziehungsweise Holzfurnier — eine Designentscheidung, die Ende der 1970er noch häufiger anzutreffen war, später jedoch nahezu vollständig verschwand. Gleichzeitig brachte das System mehr als 22 Kilogramm auf die Waage und erinnerte damit eher an professionelle Labor- oder Bürohardware als an einen typischen Personal Computer späterer Jahre.

Preislich bewegte sich der QDP-100 ebenfalls klar im professionellen Segment. In den USA lag der Verkaufspreis um 1980 bei rund 4.995 US-Dollar. Laut Computing Today kostete das System 1982 in Großbritannien noch etwa 3.380 Pfund über den Distributor Datatrak in Northampton. Inflationsbereinigt entspricht das heute grob einer Kaufkraft von rund 18.000 bis 20.000 Euro. Zusätzlich bot Quasar optional sogar eine 5-MB-Winchester-Festplatte an — Anfang der 1980er eine ausgesprochen luxuriöse Erweiterung, die den professionellen Anspruch des Systems weiter unterstrich.

Interessant ist auch die spätere Entwicklung des Unternehmens. Bereits 1980 begann Quasar mit dem Übergang zu leistungsfähigeren 16-Bit-Systemen auf Basis des Zilog Z8000. In Anzeigen warb das Unternehmen mit dem Satz „You can have it all … Z-80 OR Z-8000“ und bot teilweise sogar Z80-Emulation an, damit bestehende CP/M-Software weiterhin genutzt werden konnte. Parallel kündigte Quasar bereits UNIX-Unterstützung für die neuen Systeme an — ein deutlicher Hinweis darauf, dass man sich langfristig im professionellen Entwicklungs- und Multiuser-Markt etablieren wollte.

Rückblickend wirkt der QDP-100 dadurch weniger wie ein klassischer Heimcomputer seiner Zeit, sondern eher wie eine kompakte technische Entwicklungsstation. Gerade der integrierte EPROM-Brenner machte das System zu einem Werkzeug für Entwickler und technische Arbeitsumgebungen — ein ungewöhnlicher Ansatz in einer Zeit, in der viele Mikrocomputerhersteller noch versuchten, den Computer überhaupt erst in Büros oder Privathaushalten zu etablieren.

TRS-80 Model II – Tandys konsequenter Schritt ins professionelle Büro

Der TRS-80 Model II erschien zu einem Zeitpunkt, als sich der Computermarkt bereits in zwei klar unterscheidbare Richtungen entwickelte. Systeme wie der TRS-80 Model I, der Apple II oder die frühen Rechner von Commodore International etablierten sich zunehmend im Heim- und Hobbybereich. Parallel dazu entstand jedoch ein wachsender Bedarf in Büros, Werkstätten und kleinen Unternehmen – nach Systemen, die nicht zum Experimentieren gedacht waren, sondern für den täglichen Einsatz in der Datenverarbeitung.

Genau hier positionierte die Tandy Corporation das Model II. Der Rechner war keine Weiterentwicklung des Model I, sondern eine eigenständige Plattform mit klar definierter Aufgabe. Statt Kassettenbetrieb setzte er vollständig auf Diskettenlaufwerke, statt sofort verfügbarem BASIC auf ein geladenes Betriebssystem, und statt Softwarekompatibilität auf funktionale Trennung. Das Ergebnis war ein System, das weniger auf Vielseitigkeit als auf Struktur, Planbarkeit und Zuverlässigkeit ausgelegt war.

Technisch präsentiert sich das Model II als geschlossenes, integriertes System. Die Displayeinheit beherbergt nicht nur den Monitor, sondern auch das Diskettenlaufwerk sowie wesentliche Teile der zentralen Elektronik. Die Tastatur ist als separates Gehäuse ausgeführt und wird über ein Kabel angeschlossen – eine Lösung, die sowohl ergonomischen als auch praktischen Anforderungen im professionellen Umfeld entgegenkommt. Im Inneren arbeitet ein Zilog Z80A mit 4 MHz, kombiniert mit zunächst 32 KB RAM, erweiterbar auf 64 KB. Die interne Organisation folgt dabei einer klar strukturierten Bauweise: CPU-Logik, Videoeinheit und Controllerfunktionen sind auf mehrere Steckkarten verteilt, die über ein internes Bussystem miteinander verbunden sind. Diese Konstruktion erleichterte Wartung und Austausch einzelner Komponenten und orientierte sich in ihrer Denkweise eher an professionellen Systemen als an typischen Heimcomputern, ohne jedoch deren vollständige Modularität zu erreichen.

Ein besonders aufschlussreiches Detail liefert die Videoarchitektur. Die Bildschirmausgabe wird von dedizierter Logik übernommen, wodurch der Hauptprozessor entlastet wird. Die Darstellung erfolgt standardmäßig in 80×24 Zeichen – ein Format, das sich direkt an professionellen Terminals orientiert und für Textverarbeitung sowie Datenbankanwendungen optimiert ist. Alternativ steht ein 40-Zeichen-Modus zur Verfügung. Der integrierte 12-Zoll-Monochrommonitor mit grünem Phosphor stellt den vollständigen ASCII-Zeichensatz sowie zusätzliche Grafikzeichen dar und erlaubt auch invertierte Darstellungen einzelner Zeichen.

Noch deutlicher wird die Zielrichtung beim Speichermedium. Das Model II ist konsequent auf den Diskettenbetrieb ausgelegt. Ein Kassettenanschluss fehlt vollständig, stattdessen kommt standardmäßig ein integriertes 8-Zoll-Diskettenlaufwerk zum Einsatz, dessen Kapazität je nach Formatierung typischerweise im Bereich von etwa 500 KB pro Diskette liegt. Über externe Einheiten konnten zusätzliche Laufwerke ergänzt werden. Der Arbeitsablauf ist entsprechend klar strukturiert: Nach dem Einschalten wartet das System auf das Einlegen einer Systemdiskette, von der ein Bootstrap-Programm geladen wird. Anschließend führt der Rechner interne Routinen aus, bevor schließlich das Betriebssystem startet und sich mit „TRSDOS-II Ready“ meldet. Ohne eingelegte Diskette bleibt das System im praktischen Betrieb nicht nutzbar – ein Verhalten, das im professionellen Alltag schnell zur Selbstverständlichkeit wurde.

Diese Arbeitsweise verweist auf eine grundlegende Designentscheidung: Es gibt kein fest integriertes BASIC im ROM, keine sofort verfügbare Programmierumgebung. Stattdessen beginnt jede Sitzung mit dem Laden eines Betriebssystems von Diskette. Diese klare Trennung von Hardware und Software erhöhte die Flexibilität und ermöglichte unterschiedliche Einsatzszenarien, die über das hinausgingen, was viele Heimcomputer leisten konnten.

Das primäre Betriebssystem war TRSDOS-II, ein speziell auf die Architektur des Systems zugeschnittenes Disk Operating System. Es bot eine strukturierte Dateiverwaltung, ein klar definiertes Kommandointerface und umfangreiche Routinen für die Programmentwicklung. Dateien konnten entweder dynamisch wachsen oder mit fest reservierten Bereichen angelegt werden, wodurch sich je nach Anwendung Geschwindigkeit oder Speichereffizienz optimieren ließ. Gleichzeitig trennte das System konsequent zwischen physikalischer Datenträgerstruktur und logischer Datenorganisation. Entwickler arbeiteten mit Datensätzen („Records“), während die physikalische Speicherung im Hintergrund abstrahiert wurde.

Auch die Zugriffsmöglichkeiten zeigen deutlich die professionelle Ausrichtung. TRSDOS-II unterstützte sowohl sequenziellen als auch direkten Zugriff auf Dateien. Daten konnten gezielt angesprochen oder in festgelegter Reihenfolge verarbeitet werden – eine grundlegende Voraussetzung für Anwendungen wie Buchhaltung, Lagerverwaltung oder Datenbanken. Die praktische Arbeit folgte dabei einer klaren Routine: Disketten wurden formatiert, Daten gesichert, Programme geladen und ausgeführt. Der Kopiervorgang kompletter Disketten konnte mehrere Minuten dauern, gehörte im Arbeitsalltag jedoch zum Standard.

Programme selbst wurden über Interpreter oder Compiler von Diskette geladen. Ein häufiger Einstieg erfolgte über einen BASIC-Interpreter, während für professionelle Anwendungen zusätzliche Programmiersprachen wie COBOL, FORTRAN oder Pascal zur Verfügung standen, die in der Regel separat bezogen wurden. Das Softwareangebot spiegelte diese Ausrichtung wider. Anwendungen wie Scripsit etablierten sich als frühe Textverarbeitungssysteme, während spezialisierte Programme für Buchhaltung und Verwaltung das Model II zu einem vielseitigen Werkzeug im Büro machten.

Gelegentlich wird auch die Unterstützung von CP/M erwähnt. Entsprechende Lösungen existierten, spielten jedoch im praktischen Einsatz eine untergeordnete Rolle. Die enge Abstimmung zwischen Hardware und TRSDOS-II machte das native System in vielen Fällen zur effizienteren Wahl.

Ein zeitgenössisches Einführungsvideo von Radio Shack beschreibt das System als „business, scientific and engineering oriented microcomputer“ und hebt hervor, dass es Aufgaben übernehmen könne, für die wenige Jahre zuvor deutlich größere Rechner erforderlich gewesen wären. Diese Einschätzung spiegelt den Optimismus der frühen Mikrocomputerära wider, verweist jedoch zugleich auf eine reale Entwicklung: Das Model II brachte Strukturen und Arbeitsweisen aus der Welt der Minicomputer in ein kompakteres, erschwinglicheres Format.

Unterhaltung spielte dabei kaum eine Rolle. Spiele waren auf dem Model II selten und beschränkten sich meist auf textbasierte Anwendungen oder einfache Logikprogramme. Die Hardware war nicht auf grafikintensive Anwendungen ausgelegt, sondern auf effiziente Datenverarbeitung. Auch verfügbare Programme unter CP/M blieben funktional und zweckorientiert.

Mit dem optionalen Graphics Package konnte das System jedoch erweitert werden. Damit waren grafische Darstellungen mit einer Auflösung von bis zu 640×240 Pixeln möglich, etwa für Diagramme, Tabellen oder einfache Visualisierungen. Grafik wurde dabei nicht als Selbstzweck verstanden, sondern als Werkzeug zur Darstellung von Informationen im wissenschaftlichen und kaufmännischen Kontext.

Preislich positionierte sich das Model II klar oberhalb des Heimmarktes. Mit rund 3.450 US-Dollar für die Basiskonfiguration und etwa 3.899 US-Dollar für erweiterte Varianten richtete sich das System gezielt an Unternehmen. Inflationsbereinigt entspricht dies heute etwa 14.000 bis 18.000 Euro. Im Vergleich zu deutlich teureren Systemen von IBM bot das Model II damit einen vergleichsweise erschwinglichen Einstieg in die elektronische Datenverarbeitung für kleinere Betriebe.

Exakte Verkaufszahlen sind schwer zu isolieren, da das Model II häufig zusammen mit anderen Systemen der TRS-80-Reihe betrachtet wird. Bekannt ist jedoch, dass bereits im ersten Jahr nach der Einführung eine vierstellige Stückzahl ausgeliefert wurde und sich das System rasch im professionellen Umfeld etablierte. Seine eigentliche Bedeutung liegt weniger in absoluten Zahlen als in seiner Rolle als Ausgangspunkt einer eigenständigen Business-Produktlinie. Diese wurde später mit Modellen wie dem Model 12 und dem TRS-80 Model 16 fortgeführt, letzteres mit zusätzlichem Prozessor und Unterstützung für das UNIX-Derivat Xenix.

Der Vergleich mit dem Model I verdeutlicht die Unterschiede besonders klar. Während das frühere System im Heim- und Hobbybereich verwurzelt war, richtete sich das Model II explizit an professionelle Anwender. Schnellere Verarbeitung, größere Speicherkapazität, konsequenter Disketteneinsatz und eine strukturierte Systemarchitektur machten es zu einem Werkzeug für organisierte Datenverarbeitung. Gleichzeitig bestand keine Softwarekompatibilität zum Model I – ein bewusster Schnitt, der die neue Zielrichtung unterstreicht.

Auch die physische Gestaltung folgt dieser Philosophie. Die kompakte Einheit aus Monitor, Laufwerk und Elektronik wirkt auf den ersten Blick massiv, offenbart jedoch eine funktionale Konstruktion. Die Tastatur lässt sich unter das Hauptgehäuse schieben, wodurch das System platzsparender wirkt. Intern dominiert eine klar strukturierte, busorientierte Architektur mit mehreren Steckplätzen für Erweiterungskarten, die Wartung und Anpassung erleichtert.

Selbst Details wie die Tastatur verdeutlichen den professionellen Anspruch. Sie ist als vollwertige, abgesetzte Einheit ausgeführt, mit numerischem Block und funktionaler Tastenanordnung, ausgelegt für effiziente Dateneingabe im Arbeitsalltag. Ihre Gestaltung orientiert sich deutlich an Schreibmaschinen und professionellen Terminals jener Zeit.

In der Gesamtschau ergibt sich ein klares Bild: Das Model II war kein erweitertes Heimgerät, sondern ein eigenständig konzipiertes System mit klar definierter Aufgabe. Wer experimentieren oder spielen wollte, griff zu anderen Rechnern. Wer jedoch Abläufe strukturieren, Daten verwalten und Prozesse zuverlässig abbilden musste, fand hier ein Werkzeug, das genau für diesen Zweck geschaffen wurde.

Sinclair ZX Spectrum+ (1984): Der Spectrum mit der Tastatur, die endlich jeder wollte

Als der Sinclair ZX Spectrum+ im Oktober 1984 erschien, war die eigentliche Sensation längst geschehen. Der ursprüngliche ZX Spectrum hatte sich seit 1982 in Großbritannien zu einem der erfolgreichsten Heimcomputer seiner Zeit entwickelt und eine Generation von Nutzern erstmals mit Programmierung, Spielen und digitaler Kreativität in Berührung gebracht. Doch mit diesem Erfolg wuchsen auch die Erwartungen. Zeitgenössische Magazine beschrieben diesen Wandel treffend: Der Spectrum war nicht mehr nur ein Einstiegssystem, sondern wurde zunehmend als Plattform verstanden, mit der sich Anwender ernsthaft auseinandersetzten.

Der Spectrum+ entstand genau aus diesem Spannungsfeld heraus. Entwickelt von Sinclair Research unter Leitung von Clive Sinclair, stellte er keine technische Neuentwicklung dar, sondern eine bewusste Überarbeitung eines etablierten Systems. Im Inneren blieb die Architektur praktisch unverändert: Ein Zilog Z80A mit 3,5 MHz, 48 KB RAM, 16 KB ROM mit Sinclair BASIC, die bekannte Bildschirmauflösung von 256 × 192 Pixeln sowie die charakteristische Farbattributlogik, die zwar lebendige Farben ermöglichte, jedoch auch das berüchtigte „Color Clash“-Phänomen mit sich brachte. Der Sound wurde weiterhin über einen einfachen Ein-Bit-Lautsprecher erzeugt – funktional, aber im Vergleich zu spezialisierten Soundchips anderer Systeme deutlich eingeschränkt.

Gerade im Vergleich mit zeitgenössischen Konkurrenten wie dem Commodore 64 oder dem Amstrad CPC 464 wird deutlich, welchen Weg Sinclair einschlug. Während diese Systeme auf dedizierte Grafik- und Soundhardware setzten – etwa Hardware-Sprites und den SID-Soundchip beim Commodore oder ein echtes Bitmap-Display ohne Attributbeschränkung beim CPC – blieb der Spectrum+ technisch konservativ. Sein entscheidender Vorteil lag weiterhin im Preis und in der enormen Softwarebasis, die vollständig kompatibel blieb.

Die auffälligste Veränderung des Spectrum+ betraf das Gehäuse – und damit insbesondere die Tastatur. Die Gummitasten des Originals, so ikonisch sie heute erscheinen mögen, waren bereits in den frühen 1980er Jahren Gegenstand anhaltender Kritik. Sie galten als unpräzise, wenig ergonomisch und für längeres Tippen ungeeignet. Der Spectrum+ ersetzte diese durch flache Kunststofftasten mit Druckpunkt, die sich stärker an klassischen Schreibmaschinen orientierten. Zeitgenössisch wurde diese Änderung als deutliche Verbesserung wahrgenommen, wenn auch mit Einschränkungen: Die Tasten lagen dicht beieinander, der Hub blieb kurz, und ein echtes Schreibmaschinengefühl wurde nicht erreicht. Dennoch stellte die neue Tastatur im Alltag einen klaren Fortschritt dar.

Die Werbekampagnen machten dabei keinen Hehl aus der eigentlichen Zielsetzung. Anzeigen stellten den Rechner mit Formulierungen wie „The new Sinclair ZX Spectrum+. With the type of keyboard you've been asking for.“ in den Mittelpunkt und griffen damit direkt die Kritik der Nutzer auf. Gleichzeitig versuchte Sinclair, den Rechner stärker als ernstzunehmendes Arbeitsgerät zu positionieren und sich vom Image des reinen Spielecomputers zu lösen. Auch gestalterisch näherte sich das neue Gehäuse dem deutlich teureren Sinclair QL an, dessen sachlich-flache Formensprache nun in abgeschwächter Form übernommen wurde.

Das grundlegende Bedienkonzept blieb jedoch erhalten und prägte weiterhin den Charakter des Systems. Sinclair BASIC nutzte nach wie vor die bekannte Ein-Tasten-Befehlseingabe, bei der komplette Befehle über einzelne Tastendrücke erzeugt wurden. Das Handbuch beschrieb diesen Ansatz als bewusstes Hilfsmittel für den Anwender und betonte, dass der Computer den Benutzer aktiv bei der Eingabe unterstütze. Dieses Konzept erleichterte insbesondere Einsteigern den Zugang zur Programmierung, erforderte jedoch eine gewisse Umgewöhnung für erfahrene Nutzer.

Neben der Tastatur reagierte der Spectrum+ auch auf einen weiteren praktischen Kritikpunkt: das Fehlen einer Reset-Funktion beim ursprünglichen Modell. Während ein Absturz zuvor häufig nur durch Ziehen des Netzsteckers behoben werden konnte, erhielt der Spectrum+ erstmals einen dedizierten Reset-Knopf, der einen unmittelbaren Neustart des Systems ermöglichte und damit den Alltag deutlich erleichterte.

An den Anschlüssen änderte sich hingegen wenig. Der Rechner wurde weiterhin über einen RF-Modulator mit dem Fernseher verbunden, Programme wurden über Kassettenrekorder mittels EAR- und MIC-Buchsen geladen und gespeichert, und der Expansion-Port blieb die zentrale Schnittstelle für Erweiterungen wie Joystick-Interfaces, Drucker oder das Microdrive-System. Auch das externe Netzteil blieb erhalten, ebenso wie das Fehlen eines Netzschalters – eine Entscheidung, die Sinclairs konsequent kostenorientierte Entwicklungsphilosophie widerspiegelt.

Preislich lag der Spectrum+ bei seiner Einführung mit rund £179,95 über dem ursprünglichen 48K-Modell und bewegte sich inflationsbereinigt im Bereich von etwa 500 bis 600 Euro. Damit blieb das Gerät zwar erschwinglich, positionierte sich jedoch bewusst etwas höher als sein Vorgänger. Parallel bot Sinclair bestehenden Besitzern eines ZX Spectrum 48K eine Upgrade-Möglichkeit an: Für rund £19,95 konnte die vorhandene Hardware in das neue Gehäuse des Spectrum+ übertragen werden. Anstatt Geräte einzuschicken, erhielten die Käufer ein Komplettpaket zur Selbstmontage – ein Ansatz, der nicht nur die Bastlerkultur jener Zeit widerspiegelt, sondern auch Sinclairs ausgeprägtes Kostenbewusstsein zeigt.

Die Verkaufszahlen des Spectrum+ spiegeln seine Rolle innerhalb der Baureihe deutlich wider. Während die Spectrum-Familie insgesamt auf mehrere Millionen verkaufte Einheiten kam, profitierte das Plus-Modell zunächst von einem sehr starken Marktstart. Die Nachfrage konzentrierte sich dabei vor allem auf die verbesserte Tastatur, die viele Käufer als längst überfällige Weiterentwicklung wahrnahmen. Gleichzeitig traten bei frühen Geräten Qualitätsprobleme auf, über die insbesondere Händler berichteten. Diese betrafen vor allem die neue Tastaturmechanik sowie die darunterliegende Membran, was in Einzelfällen zu erhöhten Ausfallraten führte.

Im praktischen Einsatz erwies sich der Spectrum+ als das, was er sein sollte: eine stabilisierte und ergonomisch verbesserte Version eines erfolgreichen Systems. Besonders Nutzer, die regelmäßig programmierten oder längere Texte eingaben, profitierten von der neuen Tastatur und der verbesserten Bedienbarkeit. Gleichzeitig blieb die vollständige Kompatibilität zur bestehenden Softwarebibliothek erhalten – ein entscheidender Faktor für die anhaltende Popularität der Plattform.

Rückblickend lässt sich der Spectrum+ weniger als eigenständiger Meilenstein verstehen, sondern vielmehr als gezielte Übergangslösung. Er verlängerte die Lebensdauer der Spectrum-Reihe in einer Phase wachsender Konkurrenz und bereitete den Boden für spätere Modelle wie den Sinclair ZX Spectrum 128 sowie die unter Amstrad entstandenen Nachfolger. In einer Zeit, in der viele Hersteller auf technische Innovation setzten, entschied sich Sinclair bewusst für Kontinuität – und traf damit eine Entscheidung, die weniger spektakulär, aber wirtschaftlich effektiv war.

So bleibt der Spectrum+ ein Beispiel für eine Form von Weiterentwicklung, die nicht auf radikale Neuerungen setzt, sondern auf gezielte Verbesserung bestehender Konzepte. Oder, in der nüchternen Sprache der damaligen Fachpresse gedacht: kein neuer Computer, sondern derselbe – nur endlich so gestaltet, wie ihn viele Nutzer von Anfang an erwartet hatten.

 

Philips NMS 801

Philips NMS 801 – Der MSX, der keiner war

Philips NMS 801Als der Philips NMS 801 im Jahr 1989 auf dem italienischen Markt erschien, war die große MSX-Ära bereits Geschichte. Die Heimcomputerlandschaft befand sich im Wandel, und Philips versuchte, mit einem ungewöhnlichen Hybridgerät zwischen Konsole und Computer noch einmal Fuß zu fassen. Der NMS 801 war auf den ersten Blick ein vertrautes Mitglied der NMS-Familie – graues Kunststoffgehäuse, MSX-typische Formensprache – doch hinter der Fassade verbarg sich ein System, das nur vorgab, ein MSX zu sein.

Auf der Verpackung prangte stolz der Hinweis „MSX compatibile“, nicht das offizielle Logo. Ein feiner, aber bedeutender Unterschied: Der Rechner erfüllte die technischen Grundvoraussetzungen eines MSX1, ohne wirklich vollständig kompatibel zu sein. Sein Inneres zeigte einen Zilog Z80A-Prozessor (SGS Z8400AB1) mit 3,58 MHz, 64 Kilobyte RAM und 16 Kilobyte VRAM, verwaltet vom Texas Instruments TMS9129NL. Dazu kam ein klassischer dreistimmiger PSG-Soundchip, der das typische Zwitschern und Brummen jener Epoche lieferte. Auf dem Bildschirm erschienen 256 × 192 Pixel bei 16 Farben – solide, aber Standard. Doch entscheidende Merkmale eines echten MSX fehlten: kein Cartridge-Slot, kein Druckerport, keine Disketten-Schnittstelle. Der seitliche „Slot“ war nur ein Formelement im Gehäuse, die Platine darunter schlicht leer.

Der Rechner startete in MSX BASIC Version 3.0 – eine Überraschung, denn diese Firmware war eigentlich MSX2- und MSX2+-Systemen vorbehalten. Das führte zu einer merkwürdigen Situation: Der NMS 801 verstand Befehle, die er gar nicht ausführen konnte. Grafik- und Farbkommandos, die höhere Modi voraussetzten, wurden ignoriert, während das System sich weiterhin als „MSX BASIC 3.0“ meldete. Das war ebenso charmant wie widersprüchlich und machte den Computer zu einem kleinen Kuriosum: ein Gerät mit dem Selbstbewusstsein eines MSX2, aber den Fähigkeiten eines MSX1.

Noch widersprüchlicher war der Hinweis auf der Verpackung, der vollmundig „Compatible MSX-DOS“ versprach. Tatsächlich besaß der Rechner keinerlei Möglichkeit, ein Diskettenlaufwerk anzuschließen. Kein Bus, kein Port, keine Erweiterungsbuchse. Die einzige Datenschnittstelle war der Tape-Port auf der Rückseite, gedacht für den beigelegten Philips-Datenrekorder. Neben ihm fanden sich zwei Joystick-Ports, ein fest installiertes SCART-Kabel für Videoausgabe und ein HF-Ausgang für ältere Fernseher. Mehr brauchte es laut Philips auch nicht – schließlich sollte der NMS 801 kein Arbeitsgerät sein, sondern ein Unterhaltungsapparat für Wohnzimmer und Kinderzimmer.

Im Inneren verriet der Aufbau alles über diese Philosophie. Die Hauptplatine trug den Aufdruck CELINT Ltd. 1989 – Made in Italy. CPU, Videochip und Sound-PSG lagen dicht beieinander, gespeist von einer kleinen Tochterplatine für die Spannungsversorgung. Viele Boards trugen noch die ursprüngliche Kennzeichnung NMS 800, der Name 801 war nur ein nachträglicher Aufkleber. Auch im Handbuch wurde die Typnummer einfach überklebt – ein Sinnbild für die Pragmatik, mit der Philips das Modell aus bestehenden Teilen zusammenstellte.

Verkauft wurde der NMS 801 als Komplettpaket: Im Karton lagen ein Joystick, der Datenrekorder-Anschluss, das Handbuch und sechs Kassetten mit insgesamt 50 Spielen, die unter der Bezeichnung “Philips Game Pack” erschienen. Sie stammten von der britischen Firma Mr. Micro und vereinten Public-Domain- und BASIC-Programme, die bekannte Klassiker leicht verfremdet nachahmten. Auf einer Kassette fand sich Galactic Invaders, ein simpler Space Invaders-Klon mit Einzelschuss-Mechanik, auf einer anderen Frog River, unverkennbar eine Variation von Frogger. Brick Buster versuchte sich an Breakout, Labyrinth Run an Pac-Man, Tennis Match erinnerte an Pong, und Submarine Attack kopierte das Prinzip von Sea Wolf. Dazu gesellten sich Denkspiele, Reaktionsübungen und simple Abenteuer – meist in BASIC programmiert, langsam, aber charmant.

Diese Pseudoadaptionen besaßen zwar nicht den Glanz echter Konami- oder Compile-Titel, erfüllten aber ihren Zweck: Sie vermittelten Anfängern das Gefühl, sofort losspielen zu können. Ein italienisches Werbeblatt pries sie an mit den Worten:

„50 videogiochi pronti per divertirsi – come nei grandi computer!“
(„50 Videospiele, sofort spielbereit – wie auf den großen Computern!“)

Charmant übertrieben, gewiss, doch der Gedanke war ehrlich: ein Computer, der aus der Schachtel heraus Spaß machte, ohne Zusatzkäufe oder technische Kenntnisse. Damit zielte Philips auf eine Käuferschicht, die sich weder mit Erweiterungsslots noch mit Diskettenformaten befassen wollte.

Der Einführungspreis lag bei etwa 340 000 Lire, inflationsbereinigt rund 370 Euro oder 320 Pfund. Für ein Gerät ohne Erweiterbarkeit war das zu viel, um den Massenmarkt zu gewinnen, aber zu wenig, um ernsthafte Computerfans anzusprechen. Entsprechend leise verschwand der NMS 801 wieder vom Markt. In der Fachpresse fand er kaum Beachtung – nur in kleinen Händleranzeigen wurde er erwähnt, meist als „MSX-ähnlicher Lern- und Spielecomputer“.

Heute hat der NMS 801 seinen Platz als Sammlerstück und Kuriosität gefunden. Er ist das Sinnbild einer Übergangszeit: die späten Atemzüge der 8-Bit-Ära, in der große Hersteller ihre letzten Restbestände zu konsolenartigen Hybriden zusammenfügten. Sein BASIC 3.0 läuft noch immer, seine Kassetten quietschen nostalgisch – und wer Frog River spielt, lächelt wissend, denn er erkennt die Frösche aus dem Original. Der NMS 801 ist damit kein großer Computer, aber ein liebenswerter kleiner Schwindler: ein „MSX, der keiner war“.