Kaypro 1 (1985/86) – Die Nummer eins kam zum Schluss

Bei Kaypro musste man die Modellnummern nicht nur lesen, sondern gelegentlich entschlüsseln. Der erste transportable Computer des Unternehmens erschien 1982 als Kaycomp II und kurz darauf als Kaypro II. Danach folgten unter anderem Kaypro 4, Kaypro 10, Kaypro 2X und mehrere überarbeitete Varianten. Erst als die klassische CP/M-Baureihe bereits ihrem Ende entgegenging, stellte Kaypro ausgerechnet den Kaypro 1 vor. Die Nummer bezeichnete weder die erste Generation noch das einfachste technische Grundmodell der ursprünglichen Reihe. Sie stand an einem Punkt, an dem Kaypro bereits IBM-kompatible Rechner entwickelte und die bisherige 8-Bit-Architektur nur noch einen begrenzten Platz im Produktprogramm besaß.

Kaypro war aus dem 1952 von Andrew F. Kay gegründeten Messgerätehersteller Non-Linear Systems hervorgegangen. Kay, ein Ingenieur und Entwickler elektronischer Messinstrumente, reagierte Anfang der 1980er-Jahre auf den Erfolg des Osborne 1. Sein Unternehmen konstruierte einen transportablen CP/M-Rechner mit größerem Bildschirm, robustem Metallgehäuse und einer Softwareausstattung, die einen unmittelbar nutzbaren Arbeitsplatz ergeben sollte. Der Kaypro II traf damit auf einen Markt, in dem Käufer häufig nicht nur den Computer, sondern auch Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Programmiersprachen einzeln erwerben mussten. Das Unternehmen wuchs innerhalb kurzer Zeit vom Messgerätehersteller zu einem bekannten Anbieter professionell eingesetzter Mikrocomputer.

Der Kaypro 1 gehörte jedoch nicht mehr zu dieser frühen Wachstumsphase. Das technische Kaypro-Handbuch vom Juni 1985 führte ihn bereits als eigenes Modell auf. Im Januar 1986 beschrieb die Kaypro-Zeitschrift Profiles den Rechner als günstigstes System der Baureihe, und am 11. Februar 1986 berichtete die New York Times bereits über seine Einstellung. Ob die ersten Geräte noch 1985 oder erst zum Jahreswechsel in größerer Zahl ausgeliefert wurden, lässt sich anhand der derzeit vorliegenden Unterlagen nicht abschließend bestimmen. Gesichert ist eine auffallend kurze Marktphase.

Technisch enthielt der Rechner wenig, was Kaypro-Käufer nicht bereits von anderen Modellen kannten. Als Prozessor arbeitete ein Zilog Z80A mit 4 MHz. Ihm standen 64 KB RAM zur Verfügung, die unter CP/M 2.2 den üblichen maximalen Arbeitsspeicher dieser Systemklasse darstellten. Die Hauptplatine trug bei der im technischen Handbuch dokumentierten Ausführung die Bezeichnung 81-809-n. Für Programme und Daten besaß der Kaypro 1 zwei senkrecht eingebaute 5¼-Zoll-Laufwerke. Sie verwendeten doppelseitige Disketten mit doppelter Aufzeichnungsdichte und speicherten nach Kaypros eigener Angabe jeweils 390 KB.

Die beiden Halbhochlaufwerke unterschieden den Kaypro 1 äußerlich von mehreren Modellen mit waagerecht übereinander angeordneten Laufwerken. Kaypro kehrte damit zu einer Anordnung zurück, die bereits bei frühen Geräten verwendet worden war. Das war keine Rückkehr zur ursprünglichen Technik: Der erste Kaypro II hatte lediglich einseitige Disketten mit rund 191 KB pro Laufwerk verwendet. Der Kaypro 1 kombinierte das vertikale Erscheinungsbild mit der höheren Kapazität der späteren doppelseitigen Formate.

Der eingebaute, entspiegelte 9-Zoll-Bildschirm arbeitete mit grünem Phosphor und stellte 80 Zeichen in 25 Zeilen dar. Damit passte eine vollständige, für Geschäftsprogramme übliche Textzeile auf den Bildschirm. Die abnehmbare Tastatur besaß 72 Tasten in einer schreibmaschinenähnlichen Anordnung sowie 18 programmierbare Tasten. Für den Transport wurde sie vor dem Bildschirm befestigt und bildete gemeinsam mit dem Metallgehäuse den charakteristischen geschlossenen Kaypro-Koffer. Ein Handgriff machte daraus nach damaligem Sprachgebrauch einen tragbaren Computer – wobei „tragbar“ eher bedeutete, dass man ihn bewegen konnte, nicht dass man dies unbedingt gern über längere Strecken tat.

Für Drucker und Datenübertragung standen eine Centronics-kompatible Parallelschnittstelle und zwei RS-232C-Anschlüsse bereit. Ein internes Modem, eine Echtzeituhr und eine Festplatte fehlten. Die Hauptplatine gehörte jedoch zur Familie der späteren Kaypro-Universalplatinen. Untersuchungen erhaltener Geräte zeigen eine enge Verwandtschaft zur Platine des Kaypro 10 von 1984. Beim Kaypro 1 blieben verschiedene Baugruppen unbestückt oder wurden nicht genutzt; auf einzelnen bekannten Platinen ist ein Teil der Festplattenlogik dennoch vorhanden, obwohl das Gerät ohne Festplatte ausgeliefert wurde.

Diese Bauweise legt nahe, dass Kaypro vorhandene Konstruktionen und Bauteile möglichst wirtschaftlich weiterverwendete. Häufig wird der Kaypro 1 deshalb als Verwertung überschüssiger 8-Bit-Bestände beschrieben. Ein internes Dokument, in dem Kaypro ausdrücklich einen Lagerabverkauf als Entwicklungsziel nennt, ist bislang jedoch nicht bekannt. Belegbar ist nur, dass das Unternehmen aus einer bereits vorhandenen Platinenfamilie ein reduziertes Einstiegsmodell zusammenstellte, während die eigenen MS-DOS- und PC-kompatiblen Rechner zunehmend in den Vordergrund rückten.

Auch bei der Software unterschied sich der Kaypro 1 von den frühen Modellen. Kaypro hatte seinen Ruf nicht allein mit der Hardware aufgebaut. Der Kaypro II und seine Nachfolger wurden zeitweise mit Programmpaketen verkauft, deren Einzelpreise einen erheblichen Teil des Rechnerpreises ausgemacht hätten. Je nach Modell und Verkaufszeitraum gehörten Textverarbeitungen, Tabellenkalkulationen, Datenbanken, Programmiersprachen und kleinere Spiele zum Lieferumfang. Beim Kaypro 1 war dieses Paket bewusst zusammengestrichen.

Mitgeliefert wurden Perfect Writer, CP/M 2.2 und die üblichen Kaypro-Dienstprogramme. Perfect Calc, Perfect Filer, WordStar oder die bei anderen Modellen bekannten Spielprogramme gehörten nicht zur regulären Ausstattung. Profiles bezeichnete den Rechner deshalb ausdrücklich als „bare bones“-System – eine auf das Wesentliche reduzierte CP/M-Maschine. Kaypro vermarktete ihn vor allem als Textverarbeitung, als Terminal und als vorgeschaltetes System für die Kommunikation mit größeren Rechneranlagen.

Für kurze Zeit bot das Unternehmen außerdem ein Kaypro-1-Textverarbeitungspaket an. Dabei wurde der Rechner zusammen mit einem Gemini-Nadeldrucker zum gleichen Preis wie das normale Grundgerät angeboten. Dieses Paket zeigt deutlicher als jede spätere Einordnung, welche Aufgabe Kaypro dem Modell zugedacht hatte: Der Käufer sollte ein anschlussfertiges Schreibsystem erhalten, nicht einen besonders vielseitigen Heimcomputer oder eine neue technische Plattform.

Als Preis nannten Kaypros eigene Veröffentlichungen 995 US-Dollar. Nach dem amerikanischen Verbraucherpreisindex entspricht das im Mai 2026 einer Kaufkraft von rund 3.040 US-Dollar beziehungsweise, zum Referenzkurs vom Juni 2026 umgerechnet, ungefähr 2.640 Euro. Ein Bericht in Computerworld führte dagegen 1.295 Dollar an. Weshalb die beiden zeitnahen Preisangaben voneinander abweichen, lässt sich derzeit nicht sicher klären. Inflationsbereinigt entspräche der höhere Betrag rund 3.960 Dollar oder etwa 3.430 Euro. Für die reguläre Darstellung ist der mehrfach in Kaypros eigenen Publikationen genannte Preis von 995 Dollar die besser belegte Angabe.

Gegenüber einem IBM-kompatiblen Rechner bot der Kaypro 1 1985 und 1986 keinen Entwicklungspfad mehr. Seine Stärke lag in der vorhandenen CP/M-Software, der vollständigen Textdarstellung und dem geschlossenen Arbeitsplatz aus Rechner, Monitor, Laufwerken und Tastatur. Für Anwender, die bereits CP/M-Programme und passende Disketten besaßen, konnte dies weiterhin zweckmäßig sein. Neue Käufer mussten dagegen berücksichtigen, dass sich der geschäftlich genutzte Softwaremarkt zunehmend auf MS-DOS und IBM-Kompatibilität konzentrierte. Kaypro selbst bestätigte diese Richtung mit eigenen Rechnern auf Basis des Intel 8088 und später des 80286.

Das lackierte Metallgehäuse gehörte zu den bekanntesten Merkmalen der Kaypro-Reihe. Während der Osborne 1 ein Kunststoffgehäuse verwendete, setzte Kaypro auf einen kantigen Stahlkoffer, dessen Gestaltung häufiger mit militärischer Ausrüstung als mit einem eleganten Bürogerät verglichen wurde. Für die transportablen Kaypros kursierte deshalb der Spitzname „Darth Vader’s Lunchbox“. Als die New York Times im Februar 1986 über die Einstellung des Kaypro 1 berichtete, griff sie die leicht abgewandelte Formulierung „Darth Vader’s lunch bucket“ auf. Der Name war damit nicht nur eine spätere Sammleranekdote, sondern wurde bereits während der aktiven Kaypro-Zeit verwendet.

Wie verwirrend die Modellfamilie bis heute sein kann, zeigt ein erhaltenes Gerät aus einer amerikanischen Sammlung. Sein Gehäuse und Typenschild bezeichneten es als Kaypro 1, doch heruntergeladene Kaypro-1-Disketten ließen sich nicht verwenden. Beim Öffnen stellte sich heraus, dass im Inneren eine ältere Hauptplatine der Baureihe 81-294 und einseitige Laufwerke eingebaut waren. Auch die vorhandene Systemdiskette passte zu einem anderen Kaypro-Modell. Offenbar hatte ein früherer Besitzer aus dem Gehäuse eines Kaypro 1 und den Komponenten eines Kaypro 2/84 einen funktionierenden Rechner zusammengesetzt. Äußerlich stand dort eine „1“, technisch arbeitete darin eine „2“ – bei Kaypro war selbst eine solche Kombination kaum verwirrender als die offizielle Namensgebung.

Der Kaypro 1 war kein technischer Neubeginn und auch kein heimlicher Nachfolger der frühen Erfolgsmodelle. Er verband eine bekannte 4-MHz-Z80-Plattform mit zwei 390-KB-Laufwerken, einem 80×25-Zeichen-Bildschirm und einer auf Perfect Writer reduzierten Softwareausstattung. Das technische Handbuch dokumentierte ihn im Juni 1985, Profiles bewarb ihn im Januar 1986, und bereits am 11. Februar meldete die Presse sein Ende. Zwischen der Aufnahme in die technische Dokumentation und dem öffentlich bekannt gewordenen Aus lagen damit kaum acht Monate.

CP/M

CP/M: Die Vision eines Mannes, die zur Blaupause des PCs wurde

 

 

Gary Kildall war einer jener frühen Computerpioniere, die sich selbst kaum als solche betrachteten und dennoch eine ganze Ära prägten. Geboren 1942 in Seattle und später Professor an der Naval Postgraduate School in Monterey, galt er als technisch brillanter Kopf, der lieber experimentierte als sich mit geschäftlichen Formalitäten aufzuhalten. Zeitzeugen beschrieben ihn häufig als außergewöhnlich kreativ, aber nicht als jemanden, der sich besonders für harte Verhandlungen begeisterte – ein Charakterzug, der seine spätere Rolle in der Geschichte der Mikrocomputerindustrie mitprägte.

Seine Karriere begann bei Intel, wo er sich früh mit dem brandneuen 8080-Prozessor beschäftigte, dort die höhere Programmiersprache PL/M entwickelte und Werkzeuge schuf, die er später als „die ersten richtigen Werkzeuge des Mikrocomputerzeitalters“ bezeichnete. Diese Arbeit bildete die Grundlage für seine späteren Betriebssystemexperimente. Doch Intel interessierte sich wenig für eine eigene Betriebssystemlinie. Die Lücke nutzte Kildall – oder genauer gesagt: sie ließ sich durch seine Neugier schließen. Nach Feierabend experimentierte er zuhause mit Diskettencontrollern und schrieb ab 1973 an den ersten Fassungen dessen, was später CP/M werden sollte.

Für Laien lässt sich die Entstehung von CP/M leicht erklären: In den frühen 1970er-Jahren existierten Mikrocomputer meist nur als Prozessoren mit rudimentärer Software. Jeder Hersteller entwickelte eigene Lösungen, Programme ließen sich kaum übertragen, und ein gemeinsamer Standard war nicht in Sicht. CP/M war das erste wirklich weit verbreitete Mikrocomputer-Betriebssystem, das Ordnung in einen Markt brachte, der zuvor aus hunderten nicht miteinander kommunizierenden Inseln bestanden hatte. Es machte die frühen Rechner vergleichbar und erlaubte es, identische Programme auf völlig unterschiedlichen Maschinen zu nutzen. Was heute selbstverständlich ist – ein Betriebssystem, das Dateien verwaltet, den Startvorgang steuert und Programme lädt – war damals ein fundamentaler Fortschritt. Viele Historiker bezeichnen CP/M daher als das erste professionelle Betriebssystem der Personalcomputer-Ära.

CP/M entstand aus Kildalls Arbeit bei Intel, wo er PL/M entwickelte und Werkzeuge für den 8080 schrieb. Nach Feierabend experimentierte er zu Hause mit frühen Diskettensteuerungen und begann ab 1973 an der ersten Version zu arbeiten. Der entscheidende Schritt gelang ihm, als er eine effiziente Methode fand, Diskettenlaufwerke mit Mikroprozessoren anzusteuern – ein technisches Problem, das bis dahin als schwierig galt. Intel zeigte an einem eigenen Betriebssystem wenig Interesse, doch für Kildall war dies der Ausgangspunkt einer neuen Ära.

Gemeinsam mit seiner Frau Dorothy McEwen gründete er Digital Research, jene Firma, die CP/M kommerzialisierte und zur dominierenden Plattform der späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre machte. Die Struktur von CP/M war ebenso einfach wie genial. Es bestand aus drei Komponenten: dem BIOS, das alle hardwarespezifischen Routinen enthielt; dem BDOS, der den Zugriff auf Dateien, Laufwerke und Systemdienste regelte; und dem CCP, dem Console Command Processor, der die Kommandozeile bereitstellte. Für Nichtfachleute lässt sich diese Architektur so beschreiben: Das BIOS sprach die Hardware, der BDOS bildete den Kern des Betriebssystems, und der CCP war die sichtbare Benutzerschnittstelle. Gerade diese klare Aufteilung machte CP/M extrem portierbar: Hersteller mussten lediglich ein eigenes BIOS schreiben, während der Rest unverändert blieb.

Die Arbeitsweise war einfach, aber effizient. Nach dem Einschalten erschien das bekannte „A>“-Prompt. Befehle wie DIR oder ERA wurden direkt ausgeführt, externe Programme lagen als .COM-Dateien vor und kehrten nach ihrem Ablauf wieder an das Betriebssystem zurück. Das Dateiformat mit acht Zeichen Dateiname und drei Zeichen Erweiterung, später als „8.3-Format“ bekannt, wanderte später direkt in MS-DOS. Ebenso die Laufwerksbuchstaben A:, B: und C:, die viele heute fälschlich ausschließlich mit Microsoft verbinden.

Wirtschaftlich war CP/M ein Meilenstein. Es gilt heute als das erste kommerziell erfolgreiche 8-Bit-Betriebssystem und lief auf mehreren hundert unterschiedlichen Computern – von North Star und Osborne über Kaypro bis zu Amstrad und zahlreichen industriellen Modellen. Konservative Schätzungen sprechen von über 300 Modellen, einige Archive nennen sogar zwischen 400 und 500, je nach Zählweise. Die enorme Verbreitung war möglich, weil CP/M erstmals portable Software ermöglichte: WordStar, dBASE II oder SuperCalc wurden zu industriellen Standards und prägten ganze Berufsgruppen. Wer CP/M unterstützte, konnte sofort auf einen großen Softwarepool zugreifen, was den Erfolg vieler Hersteller überhaupt erst ermöglichte.

Technisch lief CP/M üblicherweise auf Intel-8080- oder Zilog-Z80-Prozessoren mit 16 bis 64 KB RAM und einem oder zwei 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerken. Spätere Versionen wie CP/M Plus (CP/M 3.0) unterstützten durch Bankswitching mehr Speicher und erweiterten den Funktionsumfang deutlich. Ein entscheidender Vorteil gegenüber proprietären Systemen wie Apple DOS oder dem TRS-80-Betriebssystem war die Offenheit: Hersteller konnten ihre Maschinen schnell CP/M-fähig machen, ohne selbst ein komplettes Betriebssystem entwickeln zu müssen.

Einer der am häufigsten diskutierten Momente der Computergeschichte ist die gescheiterte Verhandlung zwischen IBM und Digital Research über eine Lizenz für den IBM PC. Zeitgenössische Dokumente und mehrere Interviews – darunter Tom Rolander im Gespräch für die 1995 ausgestrahlte Folge „The Computer Chronicles: A Tribute to Gary Kildall“ – belegen, dass es zu Missverständnissen kam, teils durch juristische Unklarheiten, teils durch die ungewöhnlich hastig angesetzten Termine. IBM verließ das Treffen ohne Vertrag, Microsoft sprang ein, und MS-DOS wurde zum Standard der PC-Ära. Viele Historiker sehen darin den Punkt, an dem CP/M vom dominierenden System zum „verlorenen Standard“ wurde.

Preislich bewegte sich CP/M in einem Bereich, der je nach Lizenzmodell und Jahr variierte. Typische OEM-Lizenzen lagen zwischen 70 und 100 US-Dollar, was inflationsbereinigt etwa 230–330 US-Dollar im Jahr 2025 entspricht. Umfangreichere Produkte wie CP/M-86 kosteten als Einzelversion zwischen 250 und 400 US-Dollar, inflationsbereinigt ungefähr 780–1250 US-Dollar. Für kleine Firmen und Privatanwender waren dies spürbare Summen, doch angesichts der Stabilität und Portabilität erhielten sie erstmals eine professionelle Softwareumgebung.

Die Nachfolger von CP/M waren ehrgeizig: MP/M brachte Multitasking auf Mikrocomputer, CP/M-86 leitete den Übergang in die 16-Bit-Welt ein, und DR-DOS wurde später zum direkten Konkurrenten von MS-DOS. Doch der Markt hatte sich längst zugunsten der IBM-PC-Kompatibilität entschieden. Was blieb, war ein technisches Fundament, dessen Konzepte – das BIOS-Modell, das 8.3-Dateiformat und die Kommandozeilenarchitektur – in vielen Systemen bis heute weiterleben.

Damit steht CP/M als Monument einer Zeit, in der Mikrocomputer noch wagemutige Experimente waren und jeder Fortschritt eine ganze Branche verändern konnte. Ohne CP/M hätte die junge Personalcomputerwelt keinen einheitlichen Standard besessen – und ohne Gary Kildall wäre diese entscheidende Weiche nie gestellt worden. Er schrieb die Regeln einer Industrie, ohne je das Bedürfnis zu verspüren, sie anderen aufzuzwingen. Genau darin liegt sein Vermächtnis.