Wizard of Wor (1981) – Das Labyrinth, das Freundschaften auf die Probe stellte

"Garwor and Thorwor become invisible! Hahahaha!"

In vielen Spielhallen der frühen achtziger Jahre war schon aus einiger Entfernung zu hören, wenn jemand Wizard of Wor spielte. Zwischen den typischen Pieptönen und Explosionen anderer Automaten meldete sich plötzlich eine krächzende Computerstimme zu Wort. Sie verspottete die Spieler, kündigte Gegner an und machte keinen Hehl daraus, wer Herr des Dungeons war. Wer sich dem Automaten näherte, fand kein Rennspiel und keinen Weltraum-Shooter vor, sondern ein düsteres Labyrinth voller unsichtbarer Gegner, in dem Zusammenarbeit oft die beste Strategie war – bis der eigene Mitspieler beschloss, für ein paar Extrapunkte auf einen zu schießen.

Als Wizard of Wor 1981 von Midway veröffentlicht wurde, befand sich die Arcade-Branche in einer Phase rasanten Wachstums. Pac-Man dominierte die Hallen, Galaga lockte Weltraumfans an die Automaten und beinahe monatlich erschienen neue Konzepte. Wizard of Wor schlug jedoch einen etwas anderen Weg ein. Das Spiel entstand bei Dave Nutting Associates, einem Entwicklungsstudio, das bereits mehrere technisch anspruchsvolle Projekte für Bally Midway realisiert hatte. Die ursprünglichen Credits nennen Thomas McHugh, Scot L. Norris und Julie Malan als Schöpfer des Spielkonzepts, während Dave Nutting und sein Team die technische Umsetzung verantworteten.

Auf den ersten Blick wirkt die Aufgabe simpel. Der Spieler steuert einen bewaffneten Krieger durch eine Reihe unterirdischer Labyrinthe und soll sämtliche Gegner beseitigen. Bereits nach wenigen Minuten zeigt sich jedoch, dass Wizard of Wor wesentlich mehr ist als ein einfacher Labyrinth-Shooter. Die ersten Gegner sind die blauen Burwors, vergleichsweise langsame Kreaturen, die durch die Gänge streifen. Nach ihrem Abschuss erscheinen die gelben Garwors, gefolgt von den roten Thorwors. Beide Gegnertypen besitzen eine Eigenschaft, die damals für reichlich Nervenkitzel sorgte: Sie werden unsichtbar, sobald sie sich außerhalb der direkten Sichtlinie des Spielers befinden.

Damit rückte ein Element in den Mittelpunkt, das viele andere Spiele der Zeit nur als dekoratives Extra verwendet hätten: das Radar. Am unteren Bildschirmrand zeigt es die Position aller Gegner an, selbst wenn diese unsichtbar sind. Wer das Radar ignorierte, überlebte meist nicht lange. Viele erfahrene Spieler berichten noch heute, dass sie häufig mehr auf das Radar als auf ihre eigentliche Spielfigur blickten. Jeder Gang konnte leer sein – oder einen unsichtbaren Thorwor verbergen, der bereits auf den nächsten Schuss wartete.

Eine weitere Besonderheit war die Schussmechanik. Der Spieler konnte immer nur ein Projektil gleichzeitig auf dem Bildschirm haben. Wer überhastet einen langen Korridor hinunterfeuerte, blieb für einige Sekunden praktisch wehrlos. Gerade in den späteren Dungeons wurde deshalb jeder Schuss zur taktischen Entscheidung. Viele der besten Spieler lernten, zunächst die Bewegungsmuster der Gegner zu beobachten, statt wahllos zu feuern.

Besondere Aufmerksamkeit galt dem Worluk, einem geflügelten Gegner, der nach dem Abschluss vieler Ebenen erscheint. Anders als die übrigen Monster versucht er nicht primär anzugreifen, sondern sucht den nächstgelegenen Ausgang. Gelingt es dem Spieler, ihn vor seiner Flucht zu vernichten, verwandelt sich die nächste Ebene in einen Double-Score-Dungeon, in dem sämtliche Punkte verdoppelt werden. Dieser Mechanismus sorgte dafür, dass viele Spieler enorme Risiken eingingen, um den Worluk noch im letzten Moment zu erwischen.

Noch begehrter war jedoch das Erscheinen des Wizards selbst. Der Wizard of Wor teleportiert sich durch das Labyrinth, bewegt sich deutlich schneller als die meisten anderen Gegner und taucht oft genau dort auf, wo man ihn am wenigsten erwartet. Sein Abschuss belohnt den Spieler nicht nur mit einer hohen Punktzahl, sondern löst auf dem Bildschirm ein wahres Feuerwerk aus Blinkeffekten, Soundeffekten und Sprachsamples aus. Für viele Besucher der Spielhallen gehörten diese Momente zu den eindrucksvollsten Erlebnissen, die ein Automat Anfang der achtziger Jahre bieten konnte.

Die Sprachsynthese war überhaupt eines der großen Alleinstellungsmerkmale des Spiels. Während viele Automaten jener Zeit mit einfachen Tönen arbeiteten, kommentierte der Wizard das Geschehen fortlaufend. Er verspottete die Spieler, kündigte Gegner an und lachte über Fehler. Besonders bekannt wurde die Warnung „Garwor and Thorwor become invisible! Hahahaha!“, die zahllosen Spielern bis heute im Gedächtnis geblieben ist. Die verwendete Votrax-Sprachsynthese verlieh dem Automaten eine unverwechselbare Persönlichkeit. Wer die Stimme einmal gehört hatte, erkannte Wizard of Wor meist schon, bevor er den Bildschirm sehen konnte.

Mindestens ebenso wichtig wie die Monster war jedoch der Mehrspielermodus. Zwei Spieler konnten gemeinsam antreten und sich gegenseitig decken. Das Spiel erlaubte allerdings auch, den Mitspieler zu erschießen. Dafür gab es sogar Extrapunkte. Diese Entscheidung der Entwickler führte zu einem ungewöhnlichen Spannungsfeld zwischen Zusammenarbeit und Verrat. Viele Spieler erinnern sich heute weniger an ihre Highscores als an die Diskussionen mit Freunden oder Geschwistern, nachdem sie kurz vor Ende eines Levels von der Kugel des eigenen Partners getroffen worden waren. Gerade auf Heimcomputern entwickelte sich dieser Aspekt zu einem festen Bestandteil des Spielerlebnisses.

Viele Spieler lernten Wizard of Wor überhaupt erst auf dem Commodore 64 kennen. Dort kostete ein weiterer Versuch keine zusätzliche Münze. Man konnte stundenlang neue Strategien ausprobieren, das Radar studieren oder mit Freunden und Geschwistern zusammenspielen. Gerade diese Heimcomputer-Erfahrung trug wesentlich dazu bei, dass sich das Spiel weit über seine eigentliche Arcade-Lebensdauer hinaus im Gedächtnis vieler Spieler festsetzte.

Die damalige Fachpresse reagierte überwiegend positiv auf Wizard of Wor. Besonders das amerikanische Branchenmagazin Play Meter hob den hohen Schwierigkeitsgrad hervor. Im November 1981 beschrieb der Tester das Spiel als anspruchsvoll und bemerkte, dass die Gegner mit zunehmender Spieldauer immer aggressiver würden. Gleichzeitig lobte er die ungewöhnliche Mischung aus Strategie, Reflexen und Kooperation. Tatsächlich liegt genau hier einer der Gründe, weshalb Wizard of Wor noch Jahrzehnte später diskutiert wird. Das Spiel verlangte nicht nur schnelle Reaktionen, sondern auch Planung und ständige Aufmerksamkeit. Wer lediglich wild durch die Labyrinthe lief, überlebte selten lange.

Technisch basierte der Automat auf Bally-Midway-Hardware mit einem Z80-Prozessor. Besonders auffällig war die Kombination aus Radar, Sprachsynthese und mehreren Audiokanälen. Während viele Konkurrenten jener Zeit ihre Spannung hauptsächlich durch Geschwindigkeit erzeugten, setzte Wizard of Wor auf Unsicherheit. Die eigentliche Gefahr war oft nicht sichtbar. Das Radar verriet zwar die Position der Gegner, doch zwischen Wahrnehmen, Reagieren und Schießen lagen oft nur Sekundenbruchteile.

Der Erfolg des Automaten führte schnell zu Umsetzungen für Heimsysteme. Eine der frühesten erschien 1982 für die Bally Astrocade unter dem Namen The Incredible Wizard. Die Credits nennen Joe Hellesen und Joe Wagner als Programmierer. Da die Astrocade-Hardware zahlreiche Gemeinsamkeiten mit den technischen Wurzeln des Arcade-Systems besaß, gelang eine bemerkenswert gelungene Umsetzung. Viele Astrocade-Besitzer betrachteten das Spiel als einen der technisch beeindruckendsten Titel ihrer Konsole. Besonders die Animationen und die flüssige Bewegung der Gegner wurden häufig hervorgehoben.

Ebenfalls 1982 veröffentlichten CBS Electronics und Atari Umsetzungen für Atari 2600 und Atari 5200. Die Atari-2600-Version zählt bis heute zu den ambitionierteren Arcade-Transfers für das VCS. Die Hardware war ursprünglich nicht dafür ausgelegt, eine größere Zahl beweglicher Figuren gleichzeitig darzustellen. Die Entwickler griffen daher zu verschiedenen Tricks, darunter schnelles Multiplexing der Sprites. Das Ergebnis waren zwar sichtbar flackernde Gegner, doch das eigentliche Spielprinzip blieb erstaunlich gut erhalten. Burwors, Garwors, Thorwors, Worluk und der Wizard selbst fanden ihren Weg auf die Konsole, ebenso das Radar und der kooperative Spielmodus.

Für Atari 5200 und die Atari-8-Bit-Computer entstand wenig später eine weitere Umsetzung unter Leitung von Joe Hellesen. Da die Atari-Heimcomputer und die 5200 technisch eng verwandt waren, ähnelten sich beide Fassungen stark. Besonders die Computer-Version wurde später häufig für ihre Spielbarkeit, die Musik und das hohe Tempo gelobt. Rückblicke aus der Atari-Szene beschreiben sie oft als eine der gelungensten Heimcomputerfassungen des Spiels.

Die in Europa bekannteste Version erschien 1983 für den Commodore 64. Programmiert wurde sie von Jeff Bruette. Für viele Spieler war dies die erste Begegnung mit Wizard of Wor überhaupt. Die Umsetzung übernahm große Teile des Arcade-Spielgefühls und bewahrte insbesondere die Spannung zwischen Radar, unsichtbaren Gegnern und dem ständigen Kampf um die Kontrolle der Labyrinthe. Besitzer des seltenen Magic-Voice-Sprachmoduls konnten sogar Sprachsamples erleben, was nur wenige C64-Spiele unterstützten. Das Commodore-Manual nennt Jeff Bruette ausdrücklich als Verantwortlichen für die Umsetzung.

Interessanterweise veränderte der Heimcomputer die Wahrnehmung des Spiels. In der Spielhalle bedeutete jeder Fehler den Verlust einer Münze. Auf dem Commodore 64, Atari oder Astrocade konnte man dagegen beliebig oft neu starten. Dadurch entwickelten viele Spieler Strategien, die in der Spielhalle kaum jemand ausprobiert hätte. Die Jagd auf den Worluk, das optimale Nutzen des Radars oder die perfekte Zusammenarbeit im Zweispielermodus wurden zu Herausforderungen, die man über Wochen und Monate verfeinerte.

Genaue Verkaufszahlen veröffentlichte Midway nie. Schätzungen aus der Sammlerszene gehen heute von mehreren tausend produzierten Arcade-Automaten aus. Ein neuer Wizard-of-Wor-Automat kostete Anfang der achtziger Jahre etwa 2.500 bis 3.000 US-Dollar. Inflationsbereinigt entspricht dies heute einer Investition von deutlich über 8.000 US-Dollar. Für kleinere Spielhallenbetreiber war die Anschaffung damit alles andere als selbstverständlich. Die Heimversionen bewegten sich dagegen im üblichen Preisrahmen der damaligen Modul- und Diskettenveröffentlichungen und erreichten durch die enorme Verbreitung von Commodore-, Atari- und Astrocade-Systemen ein deutlich größeres Publikum.

Auch lange nach dem Ende der klassischen Arcade-Ära blieb Wizard of Wor präsent. Die deutsche Elektropop-Band Welle: Erdball veröffentlichte 2006 auf dem Album Chaos Total den Titel „Wizard of Wor“. Das Stück greift Klangfragmente und Stilmittel klassischer Heimcomputer auf und zeigt, welchen Eindruck das Spiel bei vielen Spielern hinterlassen hatte. Nur wenige Arcade-Titel der frühen achtziger Jahre fanden Jahrzehnte später noch einen Platz in der Popkultur.

Wer heute einen originalen Automaten einschaltet, erlebt noch immer dieselbe Abfolge wie vor mehr als vierzig Jahren. Zunächst schleichen einige Burwors durch die Gänge. Kurz darauf werden Garwors und Thorwors unsichtbar. Der Worluk versucht durch einen Seitenausgang zu entkommen. Irgendwann erscheint der Wizard selbst, verspottet den Spieler und teleportiert sich durch das Labyrinth. Die Technik stammt aus einer anderen Epoche, doch die Anspannung dieser Momente funktioniert erstaunlich unverändert. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis von Wizard of Wor. Hinter den einfachen Grafiken verbirgt sich ein Spiel, das seine Spieler ständig zwingt, Entscheidungen zu treffen, Risiken einzugehen und dem eigenen Instinkt zu vertrauen – selbst dann, wenn der gefährlichste Gegner gerade unsichtbar ist.

 

Intellivision – Die Geschichte von Mattels Heimkonsole

Foto: Evan Amos (CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons)

Als Mattel Ende der 1970er Jahre mit dem Intellivision in den Videospielmarkt einstieg, gehörte das Unternehmen bereits zu den erfolgreichsten Spielzeugherstellern der Welt. Mit Barbie und den wenige Jahre zuvor eingeführten Hot-Wheels-Modellautos hatte Mattel Milliardenumsätze erzielt und sich zu einem der einflussreichsten Spielzeughersteller der Vereinigten Staaten entwickelt. Aus Sicht der Öffentlichkeit war Mattel ein klassischer Spielzeugkonzern. Kaum jemand hätte damals erwartet, dass derselbe Hersteller wenige Jahre später Atari herausfordern und einen der ersten großen Konkurrenzkämpfe der Videospielgeschichte auslösen würde.

Die Geschichte des Intellivision begann lange bevor die erste Konsole die Produktionshallen verließ. Bereits 1969 bündelte Mattel mehrere experimentelle Entwicklungsbereiche in einer Forschungsabteilung namens Preliminary Design. Anders als die regulären Produktteams arbeitete diese Gruppe nicht an den Spielzeugen der nächsten Saison, sondern beschäftigte sich mit Ideen, die möglicherweise erst Jahre später marktreif werden würden. Die Abteilung wurde von Jack Ryan geleitet, einer der ungewöhnlichsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Unternehmens (nicht zu verwechseln mit Tom Clancys späterer Romanfigur gleichen Namens. Dieser Jack Ryan entwickelte Spielzeug und Elektronik – eine Beteiligung an der Flucht des Roten Oktober ist nicht bekannt).

Ryan war kein klassischer Spielzeugentwickler. Bevor er zu Mattel wechselte, hatte er als Ingenieur in der Luft- und Raumfahrtindustrie gearbeitet und unter anderem an militärischen Projekten mitgewirkt. Seine technische Ausbildung unterschied ihn von vielen Kollegen der Spielwarenbranche. Gleichzeitig besaß er ein bemerkenswertes Gespür für Konsumprodukte. Diese Kombination machte ihn innerhalb von Mattel zu einer Schlüsselfigur. Ryan war später auch an der Entwicklung der Barbie-Puppe beteiligt und galt als jemand, der technische Innovationen nicht als Selbstzweck betrachtete, sondern nach Möglichkeiten suchte, sie in marktfähige Produkte zu verwandeln.

Unter seiner Leitung entwickelte Preliminary Design eine Unternehmenskultur, die ungewöhnliche Ideen ausdrücklich förderte. Mitarbeiter erinnerten sich später daran, dass dort Konzepte diskutiert wurden, die weit über das aktuelle Tagesgeschäft hinausgingen. Die Gruppe erhielt intern den Spitznamen „Blue Sky Group“, weil ihre Projekte häufig eher wie Zukunftsvisionen wirkten als wie konkrete Produktplanungen. Diese Bezeichnung darf nicht mit den späteren Blue Sky Rangers verwechselt werden, die erst Anfang der 1980er Jahre als Entwicklerteam von Mattel Electronics bekannt wurden. Während viele Spielzeughersteller vor allem über neue Kunststoffformen, Verpackungen oder Lizenzprodukte nachdachten, beschäftigten sich Ryans Mitarbeiter bereits mit Mikroelektronik, Computertechnik und neuen Formen interaktiver Unterhaltung.

Die Entwickler bewegten sich dabei auf einem Gebiet, für das es kaum Vorbilder gab. Jahrzehnte später erinnerte sich der Mattel-Programmierer David Stifel an diese Zeit mit den Worten: „We were inventing the games industry.“ („Wir erfanden die Spieleindustrie.“) Die Aussage wirkt zunächst übertrieben, beschreibt die Situation jedoch erstaunlich treffend. Viele Entwicklungswerkzeuge, Programmiermethoden und Arbeitsabläufe, die später selbstverständlich wurden, existierten damals noch nicht. Die Ingenieure und Programmierer mussten sie während ihrer täglichen Arbeit erst entwickeln.

Mitte der 1970er Jahre richtete sich das Interesse der Forschungsgruppe zunehmend auf Mikroprozessoren. Besonders die Vorstellung des neuen MOS Technology 6502 hinterließ Eindruck. Zum ersten Mal schien es möglich, elektronische Spiele zu entwickeln, die nicht mehr ausschließlich auf fest verdrahteten Schaltungen basierten, sondern durch Software gesteuert wurden. Besonders bemerkenswert war ein internes Memorandum aus dem Jahr 1976. Jahre bevor das Intellivision überhaupt angekündigt wurde, beschrieben die Autoren bereits ein mikroprozessorgesteuertes Unterhaltungssystem mit austauschbaren Programmmodulen und Anwendungen, die von Sportsimulationen bis zu Lernprogrammen reichen sollten. Viele der darin formulierten Ideen sollten wenige Jahre später in die Entwicklung des Intellivision einfließen.

Innerhalb der Unternehmensführung stieß diese Vision zunächst auf Zurückhaltung. Der Videospielmarkt befand sich noch in seiner Frühphase, und niemand konnte mit Sicherheit sagen, ob elektronische Unterhaltung mehr als eine vorübergehende Modeerscheinung sein würde. Anstatt sofort eine Heimkonsole zu entwickeln, entschied sich Mattel zunächst für einen vorsichtigeren Weg und brachte elektronische Handheld-Spiele auf den Markt.

Diese Entscheidung erwies sich als Glücksfall. Titel wie Auto Race und Football entwickelten sich zu Verkaufserfolgen und zeigten, dass Verbraucher bereit waren, für elektronische Unterhaltung Geld auszugeben. Die Geräte waren technisch vergleichsweise einfach, verschafften Mattel jedoch wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Mikroelektronik. Gleichzeitig bestätigten sie, dass sich ein neuer Markt entwickelte. Der Erfolg war so groß, dass Mattel schließlich eine eigene Tochtergesellschaft gründete: Mattel Electronics.

Mit der Gründung von Mattel Electronics änderten sich die Rahmenbedingungen grundlegend. Nun standen eigene Budgets, eigene Entwicklungsabteilungen und langfristige Planungen zur Verfügung. Während Atari mit seinem Video Computer System zunehmend Marktanteile gewann und öffentliche Aufmerksamkeit erhielt, begann Mattel ernsthaft mit der Entwicklung eines konkurrierenden Systems. Dabei verfolgte das Unternehmen von Anfang an andere Ziele als viele Wettbewerber. Die neue Plattform sollte nicht lediglich eine weitere Spielkonsole sein, sondern langfristig zu einem vielseitigen Heimunterhaltungssystem ausgebaut werden.

Für die technische Umsetzung arbeitete Mattel mit APH Technological Consulting in Pasadena zusammen. Die dortigen Ingenieure legten wichtige Grundlagen für die spätere Architektur des Systems. Viele der beteiligten Entwickler sollten in den kommenden Jahren erheblichen Einfluss auf die Plattform ausüben. Zu diesem Zeitpunkt stand jedoch weniger die konkrete technische Ausgestaltung im Vordergrund als vielmehr die Frage, welche Rolle ein solches System künftig im Haushalt spielen könnte.

Diese Ambitionen spiegelten sich bereits in den ersten öffentlichen Präsentationen wider. Auf der Consumer Electronics Show 1978 zeigte Mattel frühe Versionen des neuen Systems. Bemerkenswert war dabei weniger die Hardware selbst als die Art, wie das Unternehmen sie präsentierte. Mattel sprach nicht von einer Spielkonsole, sondern von einem „computer-based home video system“. Schon damals wurden Erweiterungen angekündigt, die das Gerät später zu einem Heimcomputer ausbauen sollten. Die Verantwortlichen stellten sich eine Zukunft vor, in der dieselbe Hardware für Spiele, Bildung, Organisation und einfache Computeranwendungen genutzt werden konnte.

Die Entwicklung verlief allerdings weniger geradlinig als geplant. Lieferprobleme bei General Instrument, dem Hersteller wichtiger Chips, sowie Schwierigkeiten bei der Produktion führten zu Verzögerungen. Gleichzeitig stiegen die Kosten. Während Mattel ursprünglich von einem Verkaufspreis von 250 US-Dollar ausgegangen war, wurde im Oktober 1979 schließlich ein Listenpreis von 275 US-Dollar bekanntgegeben. Für viele amerikanische Familien entsprach dies einer beträchtlichen Investition. Mattel war jedoch überzeugt, dass die technischen Möglichkeiten des Systems und die geplanten Erweiterungen diesen Preis rechtfertigten.

Als die ersten Geräte Ende 1979 ausgeliefert wurden, war das Intellivision für die Öffentlichkeit zunächst vor allem eine neue Spielkonsole eines bekannten Spielzeugherstellers. Innerhalb von Mattel betrachtete man das Projekt jedoch als weit mehr. Die Verantwortlichen sahen darin den ersten Schritt zu einer Plattform, die Unterhaltung, Lernen und Computertechnik miteinander verbinden sollte. Noch ahnte niemand, dass dieses System schon bald den ersten großen Konsolenkrieg der Videospielgeschichte mitprägen und sich zu einer der bedeutendsten Plattformen der frühen Heimvideospiel-Ära entwickeln würde.

Hardware, STIC, CP1610, EXEC, David Rolfe

Als das Intellivision Ende 1979 auf den Markt kam, unterschied es sich nicht nur äußerlich von seinen Konkurrenten. Auch unter dem Gehäuse verfolgten die Entwickler einen anderen Ansatz als viele Hersteller der damaligen Videospielbranche. Während zahlreiche Systeme der späten 1970er Jahre möglichst kostengünstig konstruiert wurden, investierte Mattel bewusst in eine leistungsfähigere Architektur. Ziel war nicht allein eine bessere Grafikdarstellung, sondern die Möglichkeit, komplexere Spiele zu entwickeln als auf den meisten konkurrierenden Plattformen.

Herzstück des Systems war der General Instrument CP1610, ein 16-Bit-Prozessor mit einer Taktfrequenz von rund 894 Kilohertz. Ende der 1970er Jahre gehörte eine 16-Bit-CPU in einer Heimkonsole zu den ungewöhnlicheren Konstruktionsentscheidungen. Das Intellivision gilt deshalb als erste Heimkonsole mit einem 16-Bit-Prozessor. Diese Einordnung bezieht sich auf die Architektur des CP1610 und seine 16-Bit-Register und darf nicht mit der späteren Vermarktung der sogenannten „16-Bit-Generation“ von Konsolen wie Mega Drive oder Super Nintendo verwechselt werden. Die Architektur bewegte sich noch innerhalb der technischen Grenzen der späten 1970er Jahre.

Mindestens ebenso wichtig wie der Prozessor war der STIC (Standard Television Interface Chip), der Grafikprozessor des Systems. Der STIC übernahm Aufgaben, die auf vielen Konkurrenzsystemen von der Haupt-CPU erledigt werden mussten. Er verwaltete bewegliche Spielfiguren, erkannte Kollisionen und unterstützte eine kachelbasierte Bildschirmdarstellung. Dadurch konnten Entwickler bestimmte Grafikfunktionen direkt über die Hardware nutzen.

Bob Newstadt fasste den Vorteil des STIC mit einem Satz zusammen:

"We could focus more on the gameplay because we had the STIC." („Wir konnten uns stärker auf das Spielprinzip konzentrieren, weil wir den STIC hatten.“)

Während Atari-Programmierer einen großen Teil ihrer Zeit damit verbrachten, den Bildschirm überhaupt erst zu erzeugen, konnten die Intellivision-Entwickler mehr Energie in Spielmechaniken investieren. Dies zeigte sich unter anderem bei Titeln wie Major League Baseball und NFL Football, deren Darstellung von Spielfeld, Spielern und Spielablauf einen wichtigen Teil des verfügbaren Speicher- und Entwicklungsaufwands beanspruchte.

Für den Klang sorgte ein General Instrument AY-3-8914 Programmable Sound Generator (PSG). Der Chip verfügte über drei unabhängige Tongeneratoren, einen Rauschgenerator sowie eine Hardware-Lautstärkesteuerung und ermöglichte die gleichzeitige Wiedergabe von Musik und Geräuscheffekten. Besonders bei Sportspielen, Weltraumspielen und späteren Intellivoice-Titeln machte sich dies bemerkbar.

Der AY-3-8914 gehörte zur weit verbreiteten AY-3-89xx-Familie von General Instrument. Verwandte Chips fanden später unter anderem im Amstrad CPC, zahlreichen MSX-Computern, dem ZX Spectrum 128, dem Oric Atmos sowie in zahlreichen Arcade-Systemen Verwendung. Obwohl sich die einzelnen Varianten technisch unterschieden, besaßen sie einen Klangcharakter, der bis heute mit vielen Heimcomputern und Videospielen der 1980er Jahre verbunden wird.

Eine Besonderheit des Systems war seine Speicherorganisation. Anders als viele Heimcomputer, die ihre Daten in 8-Bit-Bytes speicherten, verwendete das Intellivision in seinen Modulen eine ungewöhnliche 10-Bit-Struktur. Für diese 10-Bit-Einheiten etablierte sich innerhalb der Intellivision-Entwicklung der Begriff „Decle“, der analog zum aus der Computerwelt bekannten Byte verwendet wurde. Ein Decle entsprach somit einer 10-Bit-Dateneinheit. Viele frühe Intellivision-Module boten lediglich rund 5 Kilobyte Speicherplatz, der intern in diesen Decles organisiert wurde. Selbst nach den Maßstäben der frühen 1980er Jahre zwang dies die Entwickler zu einer äußerst sparsamen Nutzung des verfügbaren Speichers. Jeder Programmteil, jede Grafik und jeder Sound musste sorgfältig geplant werden.

An diesem Punkt trat APH Technological Consulting in Erscheinung. Das Unternehmen aus Pasadena unterstützte Mattel nicht nur bei der Hardwareentwicklung, sondern spielte auch bei der Softwarearchitektur eine zentrale Rolle. Einer der wichtigsten Beteiligten war David Rolfe, der an mehreren zentralen Bestandteilen der späteren Softwarearchitektur mitwirkte.

Blue Sky Rangers, Entwickleralltag, Geheimhaltung, Easter Eggs

Rolfe erkannte früh, dass die begrenzte Speicherkapazität der Module zu den größten Herausforderungen gehören würde. Statt jede Funktion in jedem Spiel neu zu programmieren, entwickelte er eine Bibliothek von Routinen, die fest im System gespeichert wurden. Daraus entstand das sogenannte EXEC.

In Veröffentlichungen zur Geschichte des Intellivision wird das EXEC häufig als eines der ersten Betriebssysteme einer Spielkonsole beschrieben. Diese Bezeichnung ist nicht unzutreffend, erklärt jedoch nur einen Teil seiner ursprünglichen Aufgabe. Das EXEC entstand zunächst, um Speicherplatz zu sparen. Routinen für Grafik, Controller-Eingaben, Spiellogik und zahlreiche Standardfunktionen mussten dadurch nicht mehr in jedem Modul erneut untergebracht werden.

David Rolfe beschrieb seine Rolle später mit folgenden Worten:

"I took the STIC and added the EXEC, and this created a platform which the individual cartridge designers would carry to an even higher level."

(„Ich nahm den STIC und ergänzte das EXEC. Dadurch entstand eine Plattform, die die Entwickler der Spielmodule auf eine noch höhere Ebene bringen konnten.“)

Das Zitat verdeutlicht, wie Rolfe die Beziehung zwischen STIC, EXEC und den späteren Modulentwicklern verstand. Die Hardware bildete das Fundament, das EXEC stellte die Werkzeuge bereit, und die eigentlichen Spielentwickler bauten darauf ihre Ideen auf.

Das EXEC beeinflusste die Arbeitsweise der Programmierer in mehreren Bereichen. Viele Spiele konnten deutlich komplexer ausfallen, als es die geringe Modulgröße zunächst vermuten ließ. Gleichzeitig lernten erfahrene Entwickler schon bald, die Grenzen des Systems zu umgehen. Einige Routinen des EXEC wurden direkt ersetzt, andere umgangen. Die Programmierer begannen, eigene Tricks zu entwickeln, um zusätzliche Animationen, schnellere Abläufe oder größere Spielfelder zu realisieren.

Viele Entwickler nutzten die vorhandene Hardware schließlich über die ursprünglich vorgesehenen Routinen hinaus. Die Grundlagen, auf denen die späteren Intellivision-Spiele entstehen sollten, lagen nun bereit: eine ungewöhnliche Hardwarearchitektur, ein leistungsfähiger Grafikchip, ein fest integriertes Softwaregerüst und eine Gruppe von Entwicklern, die sich in einer Branche bewegten, deren Arbeitsweisen und Werkzeuge vielerorts erst entstanden.

Während Käufer ihre ersten Partien Astrosmash, Major League Baseball, NFL Football oder Utopia spielten, wussten die wenigsten, wer diese Programme eigentlich entwickelt hatte. Namen von Programmierern erschienen auf Verpackungen der frühen Videospielbranche nur selten. Dies galt nicht nur für Mattel. Auch Atari nannte die Entwickler seiner Spiele gewöhnlich nicht in Werbung oder auf Modulverpackungen. Programmierer galten als Angestellte des Unternehmens, nicht als öffentliche Autoren ihrer Werke. Die Diskussion um Anerkennung und Urheberschaft führte 1979 sogar zur Gründung von Activision, nachdem mehrere bekannte Atari-Programmierer das Unternehmen verlassen hatten.

Die Menschen, die später als Blue Sky Rangers bekannt werden sollten, kamen aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Viele hatten ursprünglich nicht vor, Videospiele zu entwickeln. Steve Rooney arbeitete vor seinem Wechsel zu Mattel sechs Jahre bei Hughes Aircraft. Mark Orbanic kam von TRW. Andere Mitarbeiter wurden direkt nach dem Studium eingestellt. Gemeinsam war ihnen vor allem eines: Sie gehörten zu einer Generation technischer Fachkräfte, die zwischen Luft- und Raumfahrtindustrie, Verteidigungsprojekten und den ersten Mikrocomputern aufgewachsen war.

Bei der Suche nach neuen Mitarbeitern setzte Mattel Electronics auf ungewöhnliche Methoden. Bewerber mussten häufig den sogenannten Minkoff Measure absolvieren, einen von Dennis Minkoff entwickelten Test mit Logik- und Problemlösungsaufgaben. Gesucht wurden keine Experten für Videospiele – dieser Beruf existierte praktisch noch nicht –, sondern Menschen, die unbekannte technische Probleme analysieren konnten. Mehrere spätere Entwickler erinnerten sich Jahrzehnte später noch an diesen Test.

Die Geschichten über die Einstellungsgespräche wirken heute beinahe zufällig. David Warhol arbeitete nach seinem Studium an einer Universität, als eine Stellenausschreibung von Mattel über seinen Schreibtisch lief. Eigentlich sollte er diese für Absolventen aushängen. Stattdessen entschied er spontan:

"No, I'm going to apply." („Nein, ich werde mich selbst bewerben.“)

Später erinnerte er sich daran, dass Gabriel Baum im Vorstellungsgespräch nur wenige Minuten über seine Qualifikationen sprach. Der Rest des Gesprächs drehte sich um völlig andere Themen:

"For five minutes we talked about my qualifications, for ten minutes we talked about what it was like to work at Mattel, and then for twenty minutes we talked about the history of the symphony in Scandinavia."

(„Fünf Minuten sprachen wir über meine Qualifikationen, zehn Minuten darüber, wie es wäre, bei Mattel zu arbeiten, und anschließend zwanzig Minuten über die Geschichte der Symphonie in Skandinavien.“)

Warhol führte diese ungewöhnliche Gesprächsführung darauf zurück, dass Gabriel Baum nach Menschen mit unterschiedlichen Interessen, Erfahrungen und Denkweisen suchte.

Auch Mark Orbanic erinnerte sich an sein Vorstellungsgespräch. Zu diesem Zeitpunkt besuchte er zusätzlich eine juristische Fakultät. Gabriel Baum fragte ihn, warum jemand mit diesem Hintergrund überhaupt in die Videospielbranche wechseln wolle. Orbanic antwortete später:

"I don't know. I guess I'm just a dumb guy. It seems like this would be a lot of fun."

(„Keine Ahnung. Ich schätze, ich bin einfach ein einfacher Kerl. Das sieht nach einer Menge Spaß aus.“)

Nach seiner Erinnerung verlief das Gespräch danach deutlich entspannter.

Der Arbeitsalltag unterschied sich erheblich von späteren Entwicklungsstudios. Als Mattel Electronics noch wuchs, saßen viele Entwickler zunächst in einem Bereich eines Lagerhauses. Freiliegende Leitungen und Rohre an der Decke führten dazu, dass die Mitarbeiter diesen Abschnitt scherzhaft „The Submarine“ nannten. Zwischen Spielzeugprototypen, Testgeräten und Computern entstand dort ein Team, das innerhalb kurzer Zeit stark anwuchs.

Die technische Arbeit wurde von Speicherknappheit bestimmt. Die Entwickler konkurrierten teilweise miteinander darum, Programmroutinen um einzelne Decles zu verkleinern. Bill Fisher erinnerte sich daran, dass bereits das Einsparen weniger Instruktionen zusätzlichen Platz für Grafiken, Spielmechaniken oder Soundeffekte schaffen konnte. Steve Rooney galt innerhalb des Teams als jemand, der besonders geschickt darin war, Programmcode zu verkleinern.

Viele Probleme mussten mit Methoden gelöst werden, die aus heutiger Sicht ungewöhnlich wirken. Komfortable Debugger standen nicht zur Verfügung. Steve Rooney berichtete, dass er häufig HALT-Befehle in Programme einfügte und absichtlich Abstürze erzeugte. Trat der Absturz an der erwarteten Stelle auf, war zumindest klar, dass man die Fehlerursache eingegrenzt hatte.

Auch Mark Orbanic erinnerte sich an die Schwierigkeiten der Fehlersuche. Als er an Vectron arbeitete, verwendete er Videorekorder, um Spielsitzungen aufzuzeichnen und Fehler später Bild für Bild analysieren zu können. Manche Probleme ließen sich nur auf diese Weise nachvollziehen.

Die Werkzeuge entstanden oft direkt im Unternehmen. Programme wurden auf PDP-11-Systemen geschrieben, assembliert, gelinkt und anschließend auf Testhardware übertragen. ROM-Bausteine mussten gebrannt, beschriftet und in spezielle Testmodule eingesetzt werden. Bill Fisher erinnerte sich später daran, dass bereits dieser Vorgang genügend Fehlerquellen bot, um einen Entwickler mehrere Stunden zu beschäftigen.

Trotz dieser Einschränkungen entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern. Bob Newstadt beschrieb, wie Entwickler gegenseitig ihre Spiele testeten, Ideen austauschten und technische Probleme gemeinsam diskutierten. Für viele Fragestellungen gab es keine Lehrbücher und keine etablierten Vorgehensweisen. Lösungen entstanden häufig durch Gespräche zwischen Kollegen oder durch Experimente am laufenden Projekt.

Die Entwickler kamen aus unterschiedlichen Firmen, Universitäten und technischen Fachrichtungen. Einige hatten zuvor an Flugzeugen gearbeitet, andere an Großrechnern oder wissenschaftlichen Projekten. Im Arbeitsalltag verloren diese Unterschiede jedoch zunehmend an Bedeutung. Die Teams waren klein, die technischen Herausforderungen ähnlich und die Entwickler testeten ihre Programme häufig gegenseitig. Wer eine Routine optimierte oder eine Lösung für ein Hardwareproblem fand, gab diese Erfahrung oft an andere weiter.

Mit den Jahren entstand dadurch mehr als nur eine Gruppe von Mitarbeitern. Viele der Beteiligten arbeiteten an mehreren Projekten zusammen, wechselten zwischen Spielen und unterstützten Kollegen bei technischen Problemen. Die Grenzen zwischen Programmierer, Designer und Tester waren häufig weniger streng gezogen als in späteren Entwicklungsstudios. Aus einzelnen Entwicklern wurde allmählich eine Gemeinschaft, die ähnliche Werkzeuge, ähnliche Erfahrungen und einen gemeinsamen technischen Hintergrund teilte.

Aus den einzelnen Entwicklern war inzwischen ein eingespieltes Team geworden. Parallel dazu entstand bei Mattel Electronics eine eigene Bezeichnung für die Gruppe, die für einen Großteil der Intellivision-Software verantwortlich war: die Blue Sky Rangers.

Der Begriff knüpfte an die ältere Blue Sky Group aus der Zeit von Jack Ryan an, bezeichnete jedoch eine andere Generation von Mitarbeitern. Während die Blue Sky Group Konzepte und Zukunftsprojekte entwickelte, bestand das neue Team aus den Menschen, die die Intellivision-Spiele tatsächlich entwarfen, programmierten, testeten und produzierten.

Zur Unternehmenskultur gehörte weiterhin ein hoher Grad an Geheimhaltung. Mattel wollte verhindern, dass konkurrierende Firmen erfolgreiche Entwickler gezielt abwarben. Die Namen der Programmierer erschienen deshalb meist nicht öffentlich. Viele Käufer kannten die Entwickler ihrer Lieblingsspiele nicht.

Mehrere Teammitglieder reagierten darauf mit kleinen versteckten Botschaften. Mark Orbanic und Keith Robinson gehörten zu den Entwicklern, die wiederholt versuchten, eine offizielle Nennung der Programmierer durchzusetzen. Nach ihren Erinnerungen lehnte Gabriel Baum dies jedoch konsequent ab. Einige Entwickler entschieden sich daraufhin, ihre Namen oder Initialen direkt in den Spielen zu verstecken.

Aus dieser Situation entstanden mehrere frühe Easter Eggs. In manchen Fällen waren sie nur durch bestimmte Tastenkombinationen oder ungewöhnliche Aktionen sichtbar. Für die Entwickler waren sie nicht nur ein technischer Scherz, sondern auch eine Möglichkeit, ihre Arbeit in einer Zeit kenntlich zu machen, in der Programmierer öffentlich kaum wahrgenommen wurden.

Als die ersten Intellivision-Spiele auf den Markt kamen, sahen Käufer lediglich die fertigen Module. Hinter den Kulissen arbeiteten jedoch Mathematiker, Ingenieure, Programmierer und Designer, die viele ihrer Werkzeuge selbst entwickelten, Speicherplatz bis auf einzelne Decles ausreizten und Probleme lösen mussten, für die es noch keine etablierten Vorgehensweisen gab. Aus diesem Umfeld gingen die Blue Sky Rangers hervor – die Entwicklergeneration, die das Intellivision über seine gesamte Lebensdauer begleiten sollte.

Vom Spielsystem zum Heimcomputer

Als Käufer Ende 1979 ein Intellivision nach Hause trugen, erwarben sie nach Vorstellung von Mattel nicht nur eine Spielkonsole. Das Gerät sollte der erste Baustein einer deutlich größeren Produktfamilie werden, die von Videospielen über Musikprogramme bis hin zum Heimcomputer reichte. Während Atari vor allem den Markt für Heimvideospiele eroberte, verfolgte Mattel eine ehrgeizigere Vision: Das Intellivision sollte langfristig zu einem universellen Familiencomputer ausgebaut werden.

Bereits auf frühen Prospekten und Präsentationen wurde deshalb nicht nur die eigentliche Konsole gezeigt, sondern auch eine geplante Erweiterung namens Keyboard Component. Sie war weit mehr als ein gewöhnliches Zubehörteil. Tatsächlich stellte sie das zentrale Zukunftsversprechen des gesamten Systems dar. Die ursprünglichen Pläne gingen deutlich über das hinaus, was Käufer damals von einer Spielkonsole erwarteten. Die Keyboard Component besaß einen eigenen MOS Technology 6502-Prozessor, 16 Kilobyte gemeinsam nutzbaren Arbeitsspeicher, eine vollwertige Tastatur sowie integrierte Kassettenlaufwerke zur Datenspeicherung. Mattel stellte Anwendungen für Bildung, Programmierung, Haushaltsplanung und persönliche Datenverwaltung in Aussicht. Das Intellivision sollte nicht nur Spiele abspielen, sondern langfristig zum Familiencomputer werden.

Die technische Umsetzung erwies sich jedoch als schwieriger als erwartet. Obwohl die Keyboard Component auf Messen präsentiert und in Werbematerialien ausführlich beworben wurde, gelangte sie nie in den regulären landesweiten Verkauf. Stattdessen erschienen lediglich kleine Testserien in ausgewählten Regionen der USA. Hinzu kam ein Verkaufspreis von rund 600 US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie die eigentliche Konsole. Für viele Beobachter wurde zunehmend deutlich, dass Mattel Schwierigkeiten hatte, das angekündigte Produkt in einer wirtschaftlich tragfähigen Form auf den Markt zu bringen.

Diese Situation führte schließlich zu einem Eingreifen der Federal Trade Commission (FTC). Die Behörde vertrat die Auffassung, dass Mattel eine wesentliche Produkteigenschaft beworben hatte, die Kunden über Jahre hinweg nicht erwerben konnten. Für das Unternehmen entstand dadurch erheblicher Druck, eine marktfähige Lösung vorzulegen. Die Keyboard Component entwickelte sich damit von einem Zukunftsprojekt zu einem handfesten geschäftlichen Problem.

Innerhalb von Mattel entstand daraufhin ein neues Entwicklungsprojekt. Während Teile des ursprünglichen Teams weiterhin an der Keyboard Component arbeiteten, erhielt eine zweite Gruppe den Auftrag, eine deutlich günstigere Alternative zu entwickeln. Das Ergebnis war das Entertainment Computer System, kurz ECS, das Anfang 1983 erschien.

Im Vergleich zur Keyboard Component wirkte das ECS deutlich bescheidener. Die Erweiterung bestand aus einem Adaptermodul und einer separaten Tastatur. Statt der ursprünglich versprochenen 16 Kilobyte standen lediglich 2 Kilobyte RAM zur Verfügung. Dennoch erfüllte das System die wichtigsten Forderungen der FTC: Es bot eine BASIC-Programmiersprache, konnte Programme auf Kassette speichern und ermöglichte den Anschluss eines Druckers. Für Mattel war dies entscheidend. Das Unternehmen konnte nun argumentieren, dass die versprochenen Computerfunktionen tatsächlich verfügbar waren.

Technisch nutzte das ECS weiterhin die vorhandene Hardware des Intellivision. Der Hauptprozessor der Konsole übernahm den Großteil der Rechenarbeit. Das Erweiterungsmodul ergänzte zusätzliche Ein- und Ausgabefunktionen sowie einen weiteren Soundchip. Dadurch standen insgesamt zwei dreistimmige Klangerzeuger zur Verfügung. Für Musikprogramme und einige Spiele eröffneten sich dadurch zusätzliche Möglichkeiten.

Zum ECS gehörte außerdem ein Music Synthesizer, ein kleines Musikkeyboard, das an die Tastatur angeschlossen werden konnte. Mattel präsentierte das System als Kombination aus Lerninstrument und Unterhaltungselektronik. Käufer konnten einfache Melodien spielen, musikalische Übungen durchführen und die Klangerzeugung des Systems nutzen. Der Gedanke, eine Spielkonsole als Musikinstrument einzusetzen, erscheint heute ungewöhnlich, entsprach jedoch der damaligen Vorstellung eines multifunktionalen Heimcomputers.

Auch die BASIC-Umgebung des ECS vermittelt einen Eindruck davon, wie Mattel sich die Zukunft des Systems vorgestellt hatte. Benutzer konnten Programme schreiben, Variablen anlegen, Schleifen erzeugen und einfache Grafiken sowie Klänge erzeugen. Die Möglichkeiten blieben durch den geringen Arbeitsspeicher eingeschränkt, dennoch stellte das ECS für viele Intellivision-Besitzer den ersten Kontakt mit dem Programmieren dar.

Während Mattel versuchte, das Intellivision zum Computer auszubauen, entstanden weitere Erweiterungen. Die bekannteste war das Intellivoice-Modul, das 1982 erschien. Es handelte sich um einen Sprachsynthesizer, der gesprochene Wörter und Sätze während des Spiels wiedergeben konnte. Für viele Intellivision-Besitzer war es das erste Mal, dass eine Heimkonsole während des Spiels Befehle, Warnungen oder Funksprüche in gesprochener Form ausgab. Titel wie Space Spartans, B-17 Bomber, Bomb Squad, Tron: Solar Sailer und World Series Baseball nutzten diese Technik.

Mattel investierte erheblichen Aufwand in diese Entwicklung und richtete sogar ein eigenes Sprachlabor in Hawthorne, Kalifornien, ein. Technisch basierte das System auf dem Sprachsynthese-Chip General Instrument SP0256 Narrator. Die Speicherkapazitäten der Module setzten den Möglichkeiten jedoch enge Grenzen. Dennoch erreichten einzelne Intellivoice-Spiele beachtliche Verkaufszahlen. Für B-17 Bomber und Space Spartans werden häufig Verkaufszahlen von rund 300.000 Exemplaren genannt. Das Sprachmodul selbst konnte sich jedoch nicht in gleichem Maße verbreiten wie die Konsole und blieb hinter den Erwartungen von Mattel zurück. Zeitweise wurde das Intellivoice-Modul sogar als kostenlose Zugabe beim Kauf eines Intellivision angeboten, um die Verbreitung zu erhöhen. Bereits 1983 stellte Mattel die Weiterentwicklung weitgehend ein. Mehrere geplante Sprachspiele erschienen nie oder wurden eingestellt.

Noch weiter voraus war ein anderer Dienst: PlayCable. Bereits 1981 konnten Intellivision-Besitzer in ausgewählten Kabelnetzen Spiele herunterladen, ohne ein Modul kaufen zu müssen. Die Programme wurden über das Kabelfernsehnetz übertragen und temporär im Speicher eines Zusatzgeräts abgelegt.

Aus heutiger Sicht wirkt PlayCable beinahe wie ein früher Vorläufer moderner Download-Dienste. Statt ein Spiel im Laden zu erwerben, konnten Teilnehmer aus einem wechselnden Angebot auswählen und Programme direkt über das Kabelnetz abrufen. Jahre bevor digitale Vertriebsplattformen auf Konsolen selbstverständlich wurden, experimentierte Mattel bereits mit einem ähnlichen Grundgedanken. Ein vergleichbares System für den Atari 2600 erschien erst rund zwei Jahre später.

Eine weitere bemerkenswerte Erweiterung war der System Changer. Dieses Zubehör erlaubte es, Module des Atari 2600 auf dem Intellivision auszuführen. Die Ironie blieb vielen Zeitgenossen nicht verborgen. Während Mattel in Werbespots die technischen Vorteile des eigenen Systems gegenüber Atari hervorhob, verkaufte das Unternehmen gleichzeitig ein Gerät, mit dem Kunden die Spiele des Konkurrenten nutzen konnten. Technisch handelte es sich dabei nicht um eine Software-Emulation. Der System Changer enthielt wesentliche Teile der Atari-2600-Hardware und nutzte diese innerhalb des Intellivision-Systems. Aus wirtschaftlicher Sicht war die Entscheidung nachvollziehbar: Besitzer eines Intellivision mussten sich nicht mehr zwischen beiden Spielbibliotheken entscheiden.

Parallel zu diesen Entwicklungen verfolgte Mattel noch einen anderen Weg in den Computermarkt. Anfang der 1980er Jahre erlebte der Heimcomputersektor einen regelrechten Boom. Systeme wie der Commodore VIC-20, der Commodore 64, der TI-99/4A oder die Atari-400/800-Serie machten deutlich, dass viele Familien erstmals einen Computer anschaffen wollten. Mattel wollte an dieser Entwicklung teilhaben und brachte 1983 den Aquarius auf den Markt.

Anders als gelegentlich behauptet wird, handelte es sich dabei weder um ein umgebautes Intellivision noch um eine direkte Weiterentwicklung der Keyboard Component. Der Aquarius war ein eigenständiger Heimcomputer. Dennoch verfolgten beide Projekte dasselbe Ziel: Mattel wollte sich nicht auf Videospiele beschränken, sondern als Anbieter von Heimcomputern wahrgenommen werden.

Betrachtet man diese Erweiterungen gemeinsam, ergibt sich ein anderes Bild des Intellivision. Die Konsole war nie als isoliertes Spielsystem gedacht. Zwischen 1979 und 1983 versuchte Mattel wiederholt, daraus eine Plattform für Lernen, Musik, Programmierung, Kommunikation und Unterhaltung zu entwickeln. Einige dieser Ideen waren ihrer Zeit voraus, andere scheiterten an Kosten, Technik oder Marktbedingungen.

Viele dieser Projekte entstanden in einer Phase, in der Mattel Electronics stark wuchs und die Zukunft des Unternehmens vielversprechend erschien. Die Entwicklungskosten stiegen jedoch ebenso schnell wie die Erwartungen. Schon bald sollte sich zeigen, dass nicht jede technische Idee auch wirtschaftlich erfolgreich sein musste – und dass die größten Herausforderungen für Mattel Electronics erst noch bevorstanden.

Spiele auf Intellivision

Die wachsende Spielebibliothek zahlte sich für Mattel zunächst aus. Anfang der 1980er Jahre gehörte das Intellivision zu den erfolgreichsten Heimkonsolen Nordamerikas. Während Atari weiterhin den größten Marktanteil hielt, hatte sich Mattel als ernstzunehmender Konkurrent etabliert. Für viele Verbraucher war das Intellivision inzwischen die Premium-Alternative zum Atari VCS. Die Verkaufszahlen stiegen kontinuierlich, die Händler bestellten neue Ware, und innerhalb des Unternehmens entwickelte sich Mattel Electronics von einem Experiment zu einem der wichtigsten Geschäftsbereiche des Konzerns.

1981 überschritt die installierte Basis des Systems die Millionengrenze. Gleichzeitig wuchs die Entwicklungsabteilung in rasantem Tempo. Aus der kleinen Gruppe von Ingenieuren und Programmierern, die wenige Jahre zuvor noch in provisorischen Büros gearbeitet hatte, wurde eine Organisation mit Dutzenden Entwicklern, Grafikern, Produzenten und Testern. Die Blue Sky Rangers waren längst nicht mehr nur ein kleines Spezialteam. Mattel Electronics entwickelte sich zu einem Unternehmen innerhalb des Unternehmens.

Der Erfolg blieb auch außerhalb der Branche nicht unbemerkt. Mattel investierte hohe Summen in Werbung und führte den Wettbewerb mit Atari öffentlich und aggressiv. Die Fernsehspots mit George Plimpton liefen landesweit und griffen den Konkurrenten direkt an. Statt allgemeiner Werbeaussagen zeigte Mattel Bildschirmvergleiche. Baseball gegen Baseball. Football gegen Football. Weltraumspiel gegen Weltraumspiel. Ziel war nicht nur Aufmerksamkeit, sondern die Botschaft, dass Intellivision technisch überlegen sei. Diese Kampagne trug erheblich dazu bei, dass aus einem Wettbewerb zwischen Produkten einer der ersten großen Konsolenkriege wurde.

Für einige Jahre schien die Strategie aufzugehen. Mattel Electronics meldete hohe Umsätze, stellte neue Mitarbeiter ein und plante weitere Expansionen. Das Unternehmen arbeitete gleichzeitig an neuen Spielen, Hardware-Erweiterungen, Computern und zukünftigen Konsolengenerationen. Innerhalb des Konzerns entstand die Vorstellung, dass elektronische Unterhaltung zu einem ebenso wichtigen Geschäftsfeld werden könnte wie Barbie oder Hot Wheels.

Doch genau in dieser Phase begannen sich erste Probleme abzuzeichnen.

Ein Teil davon entstand durch die eigenen Ambitionen. Die Entwicklung der Keyboard Component verschlang über Jahre erhebliche Ressourcen. Ursprünglich war sie als Herzstück der langfristigen Intellivision-Strategie gedacht. Stattdessen entwickelte sie sich zu einem kostspieligen Dauerprojekt, das immer wieder verschoben wurde. Die Federal Trade Commission beschäftigte sich inzwischen mit den Werbeversprechen Mattels, weil die angekündigte Computererweiterung trotz jahrelanger Werbung kaum erhältlich war. Das später veröffentlichte ECS löste dieses Problem zwar teilweise, konnte die ursprünglichen Erwartungen jedoch nicht vollständig erfüllen.

Gleichzeitig veränderte sich der Markt. Als das Intellivision 1979 erschien, bestand die Konkurrenz im Wesentlichen aus Atari. Anfang 1982 sah die Situation bereits anders aus. Mit dem ColecoVision erschien ein neues System, das besonders durch seine Arcade-Umsetzungen Aufmerksamkeit erregte. Atari brachte mit dem 5200 eine technisch leistungsfähigere Plattform auf den Markt. Darüber hinaus gewannen Heimcomputer wie der Commodore VIC-20, der Commodore 64, die Atari-8-Bit-Reihe und der TI-99/4A zunehmend an Bedeutung. Käufer standen nun vor einer wesentlich größeren Auswahl als noch wenige Jahre zuvor.

Für Mattel bedeutete dies steigende Kosten auf nahezu allen Ebenen. Neue Spiele wurden umfangreicher. Die Werbeausgaben nahmen zu. Gleichzeitig musste das Unternehmen in neue Hardware investieren, um technologisch konkurrenzfähig zu bleiben. Projekte wie das ECS, der Aquarius und verschiedene Nachfolgesysteme liefen teilweise parallel. Was während der Wachstumsphase noch wie eine Stärke wirkte, entwickelte sich zunehmend zu einer finanziellen Belastung.

Dennoch sprach Anfang 1982 wenig dafür, dass die Entwicklung bald ein abruptes Ende nehmen würde. Die Verkaufszahlen blieben hoch, die Händler orderten weiterhin große Stückzahlen, und die gesamte Videospielbranche befand sich scheinbar in einem unaufhaltsamen Boom. Neue Firmen entstanden beinahe monatlich, Investoren zeigten Interesse, und viele Marktbeobachter gingen davon aus, dass die Erfolgskurve noch jahrelang weiter steigen würde.

Gerade diese Euphorie erwies sich jedoch als trügerisch. Innerhalb weniger Monate sollte sich die Situation grundlegend verändern. Was zunächst wie eine gewöhnliche Marktverlangsamung aussah, entwickelte sich zu einer Krise, die zahlreiche Unternehmen der Branche erfassen würde. Auch Mattel Electronics blieb davon nicht verschont. Ausgerechnet in dem Moment, als das Intellivision seinen größten Erfolg erreicht hatte, begann sich das wirtschaftliche Fundament unter dem Unternehmen zu verschieben.

Die Nachfolger

Intellivision II - Foto: Evan Amos (CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons)

Während das Intellivision Anfang der 1980er Jahre seine größten Verkaufserfolge erreichte, arbeitete Mattel bereits an mehreren Nachfolgeprojekten. Das Unternehmen wollte die bestehende Konsole nicht einfach unverändert weiterverkaufen, sondern plante sowohl eine modernisierte Version als auch leistungsfähigere Nachfolgesysteme.

Den Anfang machte 1983 das Intellivision II. Technisch blieb das System weitgehend unverändert. Prozessor, Grafik- und Soundhardware entsprachen im Wesentlichen dem ursprünglichen Modell. Mattel verkleinerte jedoch das Gehäuse, vereinfachte die Elektronik und reduzierte die Herstellungskosten. Für Käufer bedeutete dies eine kompaktere und günstigere Konsole, die weiterhin mit der vorhandenen Spielbibliothek genutzt werden konnte. Das Intellivision II war damit keine neue Konsolengeneration, sondern vor allem eine kostengünstigere Neuauflage des bestehenden Systems.

Das Intellivision II war jedoch nicht als langfristige Zukunft der Plattform gedacht. Bereits auf der Winter CES im Januar 1983 stellte Mattel das Intellivision III vor. Die neue Konsole sollte gegen das ColecoVision und Ataris 5200 antreten und gleichzeitig vollständig kompatibel zur bestehenden Spielbibliothek bleiben.

Nach den veröffentlichten Spezifikationen waren eine Auflösung von bis zu 320 × 192 Bildpunkten, zusätzliche Farben, integrierte Sprachfunktionen sowie eine deutlich leistungsfähigere Grafikarchitektur vorgesehen. Zu den angekündigten Ausstattungsmerkmalen gehörten außerdem Funk-Controller und verschiedene Erweiterungsmöglichkeiten. Mattel kündigte mehrere Spiele für das neue System an, darunter Yogi Bear's Adventure, Treasure of the Yucatan, Grid Shock und Air Ace. Keiner dieser Titel erschien später für das System, da die Konsole selbst nie den Handel erreichte.
Während das Intellivision III öffentlich vorgestellt wurde, entstand innerhalb des Unternehmens bereits ein weiteres Projekt mit dem Codenamen Decade. Anders als das Intellivision III sollte Decade nicht auf der bestehenden Architektur aufbauen, sondern eine vollständig neue Hardware erhalten.

Die bekannten Entwürfe nennen einen Motorola-68000-Prozessor, bis zu 4.096 Farben, Hardware-Skalierung und deutlich erweiterte Grafikmöglichkeiten. Intern lief das Projekt unter dem Namen Decade. In späteren Veröffentlichungen und unter Sammlern wurde es häufig als Intellivision IV bezeichnet. Das System befand sich jedoch noch in Entwicklung und erreichte nie die Serienproduktion.

1983 standen damit gleichzeitig drei Generationen nebeneinander: das Intellivision II im Handel, das angekündigte Intellivision III und das intern entwickelte Decade-Projekt. Das Intellivision II sollte die bestehende Plattform kostengünstig weiterführen. Das Intellivision III war als unmittelbarer Konkurrent zu ColecoVision und Atari 5200 vorgesehen. Parallel dazu arbeiteten Entwickler bereits an einer Hardware, die mit dem ursprünglichen Intellivision nur noch wenig gemeinsam hatte.

Nur wenige Monate später änderte sich die Situation grundlegend. Weder das Intellivision III noch Decade erreichten die Serienproduktion. Die Projekte wurden eingestellt, bevor sie über Entwicklungsunterlagen, Prototypen und Messeankündigungen hinauskommen konnten.

Vom Wachstum zur Krise

1983 arbeitete Mattel Electronics gleichzeitig an neuen Spielen, Erweiterungen, Heimcomputern und mehreren Konsolenprojekten. Aus der kleinen Entwicklungsgruppe der späten 1970er Jahre war innerhalb weniger Jahre eine deutlich größere Organisation geworden. Während die Blue Sky Rangers neue Software entwickelten, entstanden parallel Hardwareprojekte wie das ECS, der Aquarius, das angekündigte Intellivision III und das interne Decade-Projekt.

Der Markt sah jedoch anders aus als noch bei der Einführung des Intellivision im Jahr 1979. Damals war Atari der wichtigste Konkurrent. Anfang der 1980er Jahre standen Käufern deutlich mehr Alternativen zur Verfügung. Neben Atari und Coleco gewannen Heimcomputer zunehmend Marktanteile. Systeme wie der Commodore 64 oder die Atari-8-Bit-Rechner boten nicht nur Spiele, sondern konnten auch programmiert und für andere Anwendungen genutzt werden. Für viele Familien wurde der Preisunterschied zwischen Spielkonsole und Heimcomputer dadurch weniger entscheidend.

Gleichzeitig produzierten Hersteller und Händler in Erwartung weiterer Rekordumsätze immer größere Stückzahlen. Neue Konsolen, Erweiterungen und Spielmodule erschienen in rascher Folge. Als die Nachfrage hinter diesen Erwartungen zurückblieb, füllten sich Lagerbestände mit unverkaufter Ware. Preisnachlässe wurden häufiger, und viele Unternehmen mussten ihre Absatzprognosen korrigieren.

Für Mattel kam hinzu, dass mehrere kostspielige Projekte gleichzeitig finanziert wurden. Neben dem laufenden Intellivision-Geschäft investierte das Unternehmen in den Heimcomputermarkt, neue Hardwareentwicklungen und zukünftige Konsolengenerationen. Solange die Umsätze stiegen, ließ sich diese Strategie tragen. Als sich der Markt abschwächte, rückten die Kosten stärker in den Vordergrund.

Die Folgen wurden 1983 sichtbar. Mattel Electronics meldete Verluste von mehr als 280 Millionen US-Dollar. Noch kurze Zeit zuvor hatte die Elektroniksparte als wichtiger Wachstumsträger des Konzerns gegolten. Nun wurden Entwicklungsbudgets gekürzt, Projekte gestoppt und Stellen abgebaut. Die Arbeiten am Intellivision III sowie am Decade-Projekt endeten, bevor eines der Systeme die Serienproduktion erreichte.

Für viele Mitarbeiter kam dieser Kurswechsel überraschend. Während zuvor neue Hardware, neue Spiele und weitere Expansionen geplant worden waren, bestimmten nun Sparmaßnahmen und Umstrukturierungen den Arbeitsalltag. Projekte, die wenige Monate zuvor noch öffentlich angekündigt oder intern diskutiert worden waren, verschwanden aus den Planungen.

Ende 1983 und Anfang 1984 begann Mattel mit der Auflösung großer Teile von Mattel Electronics. Hardwareentwicklungen wurden eingestellt, Teams aufgelöst und zahlreiche Mitarbeiter entlassen. Damit endete die Zeit, in der Mattel versucht hatte, sich dauerhaft als einer der führenden Anbieter im Videospiel- und Heimcomputermarkt zu etablieren.

Für das Intellivision bedeutete dies jedoch noch nicht das Ende. Obwohl Mattel Electronics verschwand, blieb die Konsole selbst am Markt. Die nächsten Jahre sollten zeigen, dass die Geschichte des Systems noch nicht abgeschlossen war.

INTV

Mit der Auflösung großer Teile von Mattel Electronics schien das Schicksal des Intellivision zunächst besiegelt. Die Hardwareentwicklung war eingestellt worden, Nachfolgeprojekte verschwanden in den Archiven, und zahlreiche Mitarbeiter verließen das Unternehmen. Aus Sicht vieler Beobachter schien das System denselben Weg zu gehen wie zahlreiche andere Konsolen der frühen Videospielära.

Doch die Geschichte nahm eine andere Wendung.

1984 übernahm eine Gruppe ehemaliger Mattel-Manager und Investoren die Rechte am Intellivision-Geschäft. Das neue Unternehmen firmierte unter dem Namen INTV Corporation. Anders als Mattel verfügte die Firma nur über begrenzte finanzielle Mittel. Statt neue Konsolen zu entwickeln, konzentrierte sich INTV darauf, die vorhandene Hardware weiter zu verkaufen und die bestehende Nutzerbasis zu bedienen.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch zahlreiche Spiele in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Einige dieser Projekte wurden fertiggestellt und veröffentlicht. Dadurch erschienen noch Jahre nach dem Ende von Mattel Electronics neue Intellivision-Module. Für Besitzer der Konsole wirkte das System dadurch lebendiger, als man nach dem Zusammenbruch der ursprünglichen Elektroniksparte erwarten konnte.

INTV veröffentlichte außerdem überarbeitete Verpackungen, neue Hardwarevarianten und vermarktete die Konsole weiterhin über Versandhandel und ausgewählte Händler. Während Nintendo, Sega und Atari um die Vorherrschaft der nächsten Konsolengeneration kämpften, entstand rund um das Intellivision eine kleinere, aber bemerkenswert treue Nutzerbasis.

Wirtschaftlich konnte das System seine früheren Verkaufszahlen nicht mehr erreichen. Dafür war der Markt inzwischen zu stark verändert. Dennoch gelang es INTV, die Plattform mehrere Jahre länger am Leben zu halten, als viele Zeitgenossen erwartet hatten. Die letzten offiziell veröffentlichten Spiele erschienen noch in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre.

Mit dem Ende der kommerziellen Vermarktung verschwand das Intellivision jedoch nicht vollständig. Sammler, ehemalige Entwickler und Enthusiasten hielten das Interesse an der Konsole aufrecht. Besonders Keith Robinson spielte später eine wichtige Rolle bei der Bewahrung der Unternehmensgeschichte, der Dokumentation von Entwicklungsunterlagen und dem Erhalt zahlreicher Informationen über die Blue Sky Rangers und ihre Arbeit.

Heute wird das Intellivision häufig als Ataris wichtigster Herausforderer der frühen Konsolenjahre beschrieben. Seine technische Architektur, die ungewöhnlichen Controller, Erweiterungen wie Intellivoice oder PlayCable sowie Projekte wie Utopia, Astrosmash oder Advanced Dungeons & Dragons unterscheiden es bis heute von vielen anderen Systemen seiner Zeit.

Nicht alle Ideen von Mattel waren erfolgreich. Einige Erweiterungen erschienen verspätet, andere erreichten nie den Handel. Projekte wie Intellivision III oder Decade blieben unvollendet. Dennoch zeigt die Geschichte des Systems, wie weit die Planungen innerhalb weniger Jahre reichten. Zwischen 1979 und 1983 entwickelte sich das Intellivision von einem neuen Konkurrenten des Atari VCS zu einer Plattform mit eigener Softwarebibliothek, zahlreichen Erweiterungen und mehreren geplanten Nachfolgern.

Als die letzten Intellivision-Konsolen verkauft wurden, war die große Zeit der ersten Heimkonsolengeneration bereits vorbei. Die Spuren, die das System hinterlassen hatte, blieben jedoch sichtbar – in den Spielen, in den Ideen seiner Entwickler und in den Unterlagen zu Projekten, die nie über das Reißbrett hinausgelangten.

 

 

Centipede: Wie Dona Bailey und Atari 1981 einen Arcade-Klassiker zwischen Trackball, Zufall und Pilzlabyrinth schufen

Ein leises Summen liegt in der Luft, irgendwo zwischen Neonlicht und dem metallischen Klang fallender Münzen. Anfang der 1980er Jahre war die Spielhalle kein Ort der Erklärungen, sondern der Erfahrung. Als Dona Bailey zum ersten Mal vor einem Automaten von Space Invaders stand, wusste sie nicht einmal, was ein Videospiel war. „I said what is a video game…“, erinnerte sie sich später, nur um wenige Augenblicke danach eine Entscheidung zu treffen, die rückblickend wie ein Wendepunkt wirkt: „I don’t want to program for GM anymore, I want to program for Atari.“ („Ich will nicht mehr für GM programmieren, ich will für Atari programmieren.“) Was als neugieriger Blick auf flackernde Pixel begann, führte direkt zur Mitarbeit an einem der einflussreichsten Titel der Arcade-Geschichte: Centipede.

Bailey brachte dabei kein vages Interesse, sondern handfeste technische Erfahrung mit. Bei General Motors hatte sie bereits mit dem MOS-6502-Prozessor gearbeitet – jenem Chip, der auch das Herz vieler Heimcomputer wie des Commodore 64 bilden sollte. Dort programmierte sie Systeme wie Tempomat- und Klimasteuerungen im Cadillac Seville. Der Wechsel zu Atari war damit weniger ein Sprung ins Unbekannte als eine Verschiebung des Einsatzfeldes: von Sensorik und Regeltechnik hin zu Bildpunkten und Spiellogik. Die Werkzeuge blieben jedoch ähnlich streng – und ebenso unerbittlich.

Denn die Entwicklung von Centipede war ein permanenter Balanceakt zwischen Idee und Limit. „I was always supposed to be counting my bytes and counting my cycle time“, erklärte Bailey. („Ich musste ständig meine Bytes und meine Taktzyklen mitzählen.“) Jeder Befehl, jede Routine war an exakte Zeitfenster gebunden. Wurde diese Grenze überschritten, hatte das unmittelbare Konsequenzen: „If you run over the amount of clock time there’s tearing on the screen.“ („Wenn man die verfügbare Taktzeit überschreitet, zerreißt das Bild.“) Programmieren bedeutete hier nicht nur Logik, sondern Timing im wortwörtlichen Sinne – eine direkte Verbindung zwischen Code und sichtbarem Ergebnis.

Auch der Arbeitsalltag im Atari-Arcade-Team wirkt aus heutiger Sicht fast fremd. Code wurde handschriftlich verfasst, in einen Korb gelegt, von spezialisierten Mitarbeiterinnen abgetippt, kompiliert und auf ein PROM gebrannt. Erst Stunden später ließ sich das Ergebnis im Entwicklungskabinett testen. „Here’s your cubicle, now make a game“, lautete die nüchterne Einweisung. („Hier ist deine Kabine, jetzt mach ein Spiel.“) Eine Struktur, die kaum Planung erlaubte, dafür aber Experiment begünstigte. „We had no idea what we were doing. We were just doing stuff.“ („Wir hatten keine Ahnung, was wir da taten. Wir haben einfach Dinge gemacht.“)

Die Grundidee von Centipede war schlicht: Ein segmentierter Gegner bewegt sich über das Spielfeld und wird vom Spieler beschossen. Doch die eigentliche Qualität entstand aus den Lösungen, die unterwegs gefunden wurden. Ein prägnantes Beispiel sind die Pilze. Lange Zeit wurden sie als ironische Anspielung interpretiert, doch Bailey widersprach dieser Deutung deutlich: „It was not my style to make a drug reference like that.“ („Es war nicht meine Art, einen solchen Drogenwitz zu machen.“) Stattdessen entstand ihre Funktion aus einem praktischen Problem. Bailey benötigte visuelle Marker, um die Bewegung und Drehpunkte des Tausendfüßers nachvollziehen zu können. Aus einfachen Testobjekten entwickelte sich schließlich der Pilz als grafisch funktionierende Form. „Putting the mushrooms on the screen made it a maze right away.“ („Die Pilze machten das Spielfeld sofort zu einem Labyrinth.“) Aus einer technischen Notwendigkeit wurde ein spielprägendes Element.

Ähnlich zentral war die Frage der Steuerung. Frühere Varianten mit Knöpfen oder Joystick erwiesen sich für Bailey als wenig überzeugend. Erst mit dem Einsatz eines Trackballs änderte sich das grundlegend. „It was when the track ball was tried out that it really became compelling for me to play“, erinnerte sie sich. („Erst mit dem Trackball wurde das Spiel für mich wirklich fesselnd.“) Die direkte, fließende Bewegung verlieh dem Spiel eine Präzision, die sich mit herkömmlichen Eingabegeräten kaum erreichen ließ. Bailey sah darin rückblickend auch einen möglichen Grund für die ungewöhnlich breite Spielerbasis: „I think the track ball was part of the reason that it was successful with girls and women.“ („Ich glaube, der Trackball war einer der Gründe für den Erfolg bei Frauen und Mädchen.“)

Technisch nutzte Centipede zudem einen hardwarebasierten Zufallsmechanismus, gekoppelt an den Atari-Pokey-Chip. Dadurch variierte das Spielfeld von Runde zu Runde – ein Ansatz, der sich deutlich von den festen Angriffsmustern früherer Titel wie Space Invaders oder Galaxian unterschied. Pilzverteilung, Gegnerbewegungen und Bedrohungslagen wirkten weniger berechenbar und gaben dem Spiel eine Dynamik, die über das reine Reaktionsspiel hinausging. Besonders die Spinne wurde so zu einem unberechenbaren Faktor, dessen Auftreten durch ein charakteristisches Geräusch angekündigt wurde – eine frühe Verbindung von Sound und Spielmechanik.

Auch visuell setzte Centipede eigene Akzente. Die leuchtenden, teilweise pastellartigen Farben entstanden zunächst aus technischen Umständen, wurden jedoch bewusst beibehalten. Bailey beschrieb ihre Reaktion darauf schlicht mit: „I just thought it was so beautiful.“ („Ich fand es einfach wunderschön.“) In der dunklen Umgebung der Spielhallen entwickelte das Spiel dadurch eine besondere Präsenz. „It would be the shimmering jewel across the room.“ („Es war quer durch den Raum ein schimmerndes Juwel.“) Damit wurde Centipede nicht nur ein Spiel, sondern auch ein visueller Anziehungspunkt.

Die zeitgenössische Presse bestätigte diese Wirkung, wenn auch nicht ohne Einschränkungen bei den Heimversionen. Die britische Commodore User schrieb über die VIC-20-Fassung: „All round, centipede is a good one or two player game with well-defined graphics and good clear sound.“ („Alles in allem ist Centipede ein gutes Ein- oder Zwei-Spieler-Spiel mit klar definierten Grafiken und gutem, deutlichem Sound.“) Das deutsche Magazin TeleMatch hob die Popularität des Originals hervor und beschrieb den Spielablauf treffend: „Reaktion ist alles!“ Gleichzeitig wurde jedoch auch kritisch angemerkt, dass die grafische Umsetzung nicht an die Arcade-Version heranreiche. Internationale Stimmen wie das Games Magazine bezeichneten die Atari-5200-Version als „faithful and satisfying adaptation“, während Bill Kunkel und Arnie Katz im Video Magazine auf die technischen Grenzen des Apple II verwiesen und die Steuerung als „sluggish“ beschrieben.

Mit dem Erfolg des Arcade-Originals begann eine breite Welle von Portierungen. Systeme wie das Atari 2600 reduzierten die Darstellung auf einfache Formen, bewahrten jedoch die Geschwindigkeit und damit den Kern des Spiels. Auf leistungsfähigeren Plattformen wie dem Atari 5200 oder den Atari-Heimcomputern näherte sich das Spiel stärker dem Original an, insbesondere wenn ein Trackball verwendet werden konnte. Umsetzungen für den Commodore 64 oder Systeme wie den ZX Spectrum zeigten jeweils eigene Interpretationen, während spätere Versionen etwa für den Game Boy durch das kleinere Display ein verändertes Spielgefühl erzeugten. Entscheidend blieb dabei stets die Steuerung: Ohne Trackball verlor Centipede einen Teil seiner charakteristischen Präzision.

Auch wirtschaftlich spiegelt das Spiel den Wandel der Branche wider. Ein Arcade-Automat kostete zur Veröffentlichung rund 2.000 bis 3.000 US-Dollar, was inflationsbereinigt etwa 7.000 bis 10.000 Euro entspricht. Heimversionen waren deutlich günstiger und machten das Spiel einem breiteren Publikum zugänglich, während spätere Budgetveröffentlichungen den Titel dauerhaft im Markt hielten.

Die Entwicklung von Centipede lag im Kern bei Ed Logg und Dona Bailey, deren Zusammenarbeit das Spiel maßgeblich prägte. Weitere Beiträge entstanden innerhalb des Atari-Teams, lassen sich jedoch nicht in allen Fällen eindeutig einzelnen Personen zuordnen.

Auffällig ist rückblickend auch, wie konzentriert Baileys Beitrag in der Spielegeschichte geblieben ist. Abgesehen von Centipede ist kein weiteres von ihr entwickeltes Spiel erschienen. Zwar arbeitete sie nach ihrer Zeit bei Atari und später unter anderem bei Activision an weiteren Projekten, doch keines davon erreichte den Markt. Diese Entwicklung ist weniger ungewöhnlich, als es aus heutiger Sicht erscheinen mag: Die frühe Spieleindustrie war geprägt von kurzen Karrieren, instabilen Strukturen und einem rasanten Wandel.

So bleibt Centipede nicht nur als Spiel in Erinnerung, sondern als Momentaufnahme einer Phase, in der sich das Medium noch in Bewegung befand. Zwischen handgeschriebenem Code, experimentellen Ideen und der unmittelbaren Rückmeldung aus der Spielhalle entstand ein Titel, dessen Prinzip sich als erstaunlich widerstandsfähig erwies. Dass er auf unterschiedlichsten Systemen funktionierte und bis heute nachvollziehbar bleibt, spricht weniger für technische Perfektion als für die Klarheit seines Entwurfs – und für eine Zeit, in der man, wie Bailey es formulierte, oft einfach begann, Dinge zu machen.

 

Qix – 1981 by Taito

Qix – 1981 by Taito

qix coverQix. Allein schon der Name klingt wie ein Reizhusten mit Highscore: „K-K-K-Qix!“ Was nach einem obskuren Zauberspruch aus einem nicht lizenzierten „Harry Potter“-Spin-off klingt, war 1981 eines der unverständlichsten, aber auch fesselndsten Spiele, das je einen Arcade-Automaten unsicher machte. Entwickelt wurde der beinharte Zeitvertreib von Randy und Sandy Pfeiffer, einem amerikanischen Ehepaar, das offensichtlich sehr viel Spaß daran hatte, Spielern das finale Aggressionspotential zu entlocken. Die Grundidee war eigentlich simpel: ein kleines Viereck, ein paar Linien, ein paar Feinde und jede Menge Nervenzusammenbrüche. „Sort of like video-game Etch-a-Sketch“, sagte Sandy später. Auf Deutsch: „So eine Art Etch-a-Sketch als Nervensäge.“ Und wer nicht weiß, was ein Etch-a-Sketch ist: Das ist diese rote Plastiktafel mit den zwei Drehknöpfen, mit der man als Kind stundenlang versuchte, einen Kreis zu malen, und am Ende doch wieder nur ein zittriges Treppenhaus rausbekam. Also ein Zeichenbrett mit eingebautem Frustfaktor – quasi der Urvater aller unfreiwilligen Pixelkunst. Der Name „Qix“ übrigens entstand, weil Randy ein Autokennzeichen hatte, auf dem „JUS4QIX“ stand. Übersetzung? „Just for kicks“, also „nur zum Spaß“. Ironisch, denn das Spiel war für viele eher „just for heart attacks“.

Man spielt einen sogenannten Marker – klingt wie Büroartikel, ist aber ein blitzschnelles kleines Pixel, das sich an den Rändern eines Rechtecks bewegt. Ziel ist es, durch das Ziehen von Linien – genannt „Stix“ – das Spielfeld einzuteilen. Klingt wie eine Unterrichtsstunde bei meiner alten Mathelehrerin, ist aber um Längen spannender. Denn während man diese Linien zieht, tanzt ein wütender, unberechenbarer Blitzsturm namens „Qix“ durchs Feld, als hätte er einen Kaffee zu viel und keine Ahnung, was Schwerkraft ist. Zusätzlich nerven einen die „Sparx“ – kleine elektrische Biester, die die Ränder entlang kriechen und genau dann auftauchen, wenn man kurz durchatmen will. Steht man zu lange rum, kommt der Fuse – eine glühende Lunte, die einem die gerade gezogene Linie rückwärts abfackelt.

Gesteuert wird das Ganze mit einem Vier-Wege-Joystick, dazu zwei Tasten: eine für „schnell zeichnen“ (schnelle Stix) und eine für „langsam zeichnen“ (dafür aber doppelter Punktwert). Das Prinzip ist also klar: Wer mehr riskiert, wird belohnt – oder explodiert. Besonders schlaue Leute versuchten damals, das Spielfeld mit winzigen Quadraten systematisch abzubauen, Punkt für Punkt. Besonders dumme Leute (dieser Autor eingeschlossen) versuchten, den Qix einzukreisen. Spoiler: Man kann den Qix nicht einsperren. Der Qix ist wie ein wütender Staubsaugergeist – er lässt sich nicht fangen, aber er fängt dich.

Das Spiel wurde 1981 auf Taitos hauseigener M6809-Arcadehardware gebaut, mit sagenhaften 1,25 MHz Taktung. Aber was Randy Pfeiffer da rausholte, war beeindruckend: ein minimalistisches Design, aber mit maximalem Stresslevel. „Man bekam die Spieler nie dazu, ein Level zu beenden – sie hauten einfach ab.“ Sagte er später. Verständlich. Wer beim dritten Fuse durchdreht, rennt lieber zur Flippermaschine nebenan. Seine Frau Sandy fand das großartig. „Gerade das macht es spannend – elegant, aber unberechenbar.“.

Portierungen gab’s reichlich. Die Game Boy-Version war erstaunlich spielbar, trotz der Grafik in „fifty shades of grau“. Auf dem C64 lief es leidlich flüssig, auch wenn der Joystick manchmal eher ein Vorschlaghammer war. Die NES-Fassung hatte ein kleines Delay bei der Steuerung – in einem Spiel, das auf Millisekunden reagiert, etwa so hilfreich wie Gummistiefel beim Ballett. Immerhin: Die meisten Umsetzungen behielten das Zwei-Geschwindigkeits-System und das Punktesammeln bei. Allerdings ließ sich das nervenzerfetzende Gefühl, wenn der Qix plötzlich von links über die Leinwand bricht wie ein schlecht gelaunter Stromgeist, nur auf dem Automaten richtig spüren – inklusive Pulsrasen und Schweißhänden.

Qix war kommerziell erfolgreich, aber kein Blockbuster. Etwa 488 Automaten wurden gebaut, aber die Spieler, die hängen blieben, blieben wirklich hängen. Das Spiel hatte keine Musik, kaum Soundeffekte und sah aus wie ein Oszilloskop mit Grippe – aber es hatte dieses gewisse Etwas. „

Geplante Features? Es gab einige Ideen, die es nie ins Spiel schafften. Zwei Qix gleichzeitig, rotierende Sparx, Power-Ups, unterschiedliche Linienformen, Levelhintergründe – alles verworfen. Zu verwirrend, zu technisch, zu sehr 1983. Ein Zwei-Spieler-Modus wurde auch mal angedacht – aber schon bei der Vorstellung, dass zwei Spieler gleichzeitig mit zwei Fuses und zwei Qix hantieren, platzte den Testern das Gehirn. Letztlich blieb es beim Ein-Spieler-Konzept – und das war auch gut so.

Kritik? Klar, gab’s. „Zu abstrakt“, „zu schwer“, „zu wenig Explosionen“. Stimmt alles irgendwie. Aber Qix war auch nie gedacht als Kirmes-Feuerwerk. Es war ein stilles, tückisches Spiel. Einer der Entwickler sagte einmal: „Qix ist es egal, ob du gewinnst – es bewegt sich einfach.“ Ein bisschen wie das Leben. Nur ohne Continues.

Heute gilt Qix als Klassiker mit Kultstatus. Es inspirierte Spiele wie Volfied, Super Qix, Qix Adventure und jede Menge Trittbrettfahrer mit „-ix“-Endung. Auch Spiele wie Cubixx oder Fortix auf modernen Plattformen greifen das Territoriums-Einfärbeprinzip wieder auf. In Sammlerkreisen bringt ein originaler Automat zwischen 1.500 und 3.000 Dollar – je nachdem, wie oft jemand Cola über das Controlpanel gekippt hat. Der Preis damals: rund 2.000 US-Dollar, inflationsbereinigt heute etwa 6.500 Euro. Nicht billig für ein Spiel ohne Level, ohne Story, ohne Soundtrack – aber mit mehr Spannung als die etlichen Staffeln einer schlechten Netflix-Teeny-Drama-Serie, die meine Tochter häufig schaut.

Qix ist kein Spiel, das sich jedem sofort erschließt. Es ist wie ein Glas trockener Weißwein aus der Arcade-Ära: etwas sperrig, aber unglaublich elegant. Und wenn man sich einmal reingefuchst hat, will man nicht mehr raus. Oder kann es nicht, weil man in der Mitte vom Fuse erwischt wurde.

 

Missile Command – 1980 by Atari

Missile Command – 1980 by Atari

Missile Command Cover

Missile Command, entwickelt von Dave Theurer und veröffentlicht von Atari im Jahr 1980, ist ein klassisches Shoot-'em-up-Arcade-Spiel, das während des Kalten Krieges entstand. Der Spieler übernimmt die Rolle eines regionalen Kommandanten, der sechs Städte vor einer endlosen Salve ballistischer Raketen verteidigen muss. Mit Hilfe eines Trackballs steuert der Spieler ein Fadenkreuz über den Bildschirm und feuert Abwehrraketen von drei Basen ab, um die feindlichen Geschosse abzufangen. Das Spiel endet, wenn alle sechs Städte zerstört sind.

Die Entwicklung von Missile Command begann, als Gene Lipkin, damaliger Präsident von Ataris Coin-Op-Abteilung, ein Bild eines Radarschirms in einer Zeitschrift sah und Steve Calfee, den Abteilungsleiter, aufforderte: "Mach mir ein Spiel wie dieses." Dave Theurer wurde mit der Umsetzung beauftragt. Ursprünglich sollten die sechs Städte reale Orte in Kalifornien darstellen, darunter San Francisco und Los Angeles. Aufgrund der politischen Spannungen des Kalten Krieges entschied sich Theurer jedoch, keine spezifischen Orte oder Länder zu benennen, um mögliche Kontroversen zu vermeiden. Er betonte: "Ich wollte den Spieler nicht in die Position eines Völkermörders bringen. Nur ein Verrückter würde ohne Kontext nukleare Waffen einsetzen, oder?" Diese Entscheidung führte dazu, dass die Städte anonym blieben und die Details der Geschichte der Vorstellungskraft des Spielers überlassen wurden. Während der Entwicklung litt Theurer unter Albträumen von nuklearen Explosionen, was die intensive Natur des Projekts widerspiegelt.

Missile Command war ein sofortiger Erfolg und wurde für seine Einzigartigkeit, farbenfrohe Grafik und herausforderndes, punktbasiertes Gameplay gelobt. Das Spiel verkaufte fast 20.000 Arcade-Automaten und wurde von Sega in Japan vertrieben, wo es zu den zehn umsatzstärksten Arcade-Spielen des Jahres 1980 gehörte. In einer retrospektiven Rezension gab Brett Weiss von AllGame dem Arcade-Spiel die Höchstwertung von 5 von 5 Punkten und lobte die Steuerung, das rasante Gameplay, die Soundeffekte und das strategische Zielen und Feuern.

Das Spielziel besteht darin, die sechs Städte vor ankommenden Raketen, Smart Bombs, Bombern und Satelliten zu schützen. Der Spieler steuert ein Fadenkreuz mit einem Trackball und feuert Abwehrraketen von drei Basen ab, um die Bedrohungen zu neutralisieren. Jede Basis verfügt über eine begrenzte Anzahl von Raketen, und wenn eine Basis getroffen wird, wird sie zerstört und unbrauchbar. Das Spiel wird in aufeinanderfolgenden Levels mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad gespielt, wobei die Geschwindigkeit und Anzahl der feindlichen Angriffe steigen. Das Spiel endet, wenn alle sechs Städte zerstört sind.

Missile Command wurde auf zahlreiche Heimcomputer und Konsolen portiert, darunter das Atari 2600 (1981), Atari 8-Bit-Computer (1981), Atari 5200 (1982), Atari ST (1986), Game Boy (1991) und viele andere Systeme. Die Portierungen wurden größtenteils positiv aufgenommen, wobei das Gameplay und die Grafik gelobt wurden. Die Atari-2600-Version, programmiert von Rob Fulop, enthielt ein Easter Egg: Wenn der Spieler im Level 13 alle seine Raketen ohne Punktgewinn abfeuerte, verwandelte sich die rechte Stadt in die Initialen "RF" des Programmierers.

Obwohl das Spiel keine spezifischen Länder oder politischen Botschaften enthielt, wurde es oft als Reflexion der Ängste des Kalten Krieges und der nuklearen Bedrohung gesehen. In einer Szene des Films "Terminator 2: Tag der Abrechnung" spielt der junge John Connor Missile Command in einer Spielhalle, was die Themen des Films von drohender nuklearer Vernichtung widerspiegelt.
Insgesamt gilt Missile Command als eines der großen klassischen Videospiele aus der goldenen Ära der Arcade-Spiele. Es wird für seine innovative Spielmechanik, sein fesselndes Gameplay und seine kulturelle Relevanz gelobt. Das Spiel hat zahlreiche Nachfolger, Klone und Remakes inspiriert und bleibt ein bedeutender Teil der Videospielgeschichte.

Missile Command in Terminator II

River Raid – 1982 by Activision

River Raid - 1982 by Activision

River Raid Cover

River Raid, entwickelt von Carol Shaw und veröffentlicht von Activision im Jahr 1982, ist ein wegweisendes Shoot-'em-up-Spiel für das Atari 2600. Als eine der ersten weiblichen Spieleentwicklerinnen in der Branche schuf Shaw mit River Raid ein Spiel, das sowohl technisch beeindruckte als auch kommerziell erfolgreich war.
Carol Shaw, geboren 1955, wuchs in Palo Alto, Kalifornien, auf und zeigte früh Interesse an Mathematik und Computern. Nach ihrem Abschluss in Elektrotechnik und Informatik an der University of California, Berkeley, begann sie 1978 bei Atari zu arbeiten. Dort entwickelte sie unter anderem 3-D Tic-Tac-Toe und Video Checkers für das Atari 2600. 1980 wechselte sie zu Tandem Computers, bevor sie 1982 zu Activision kam, wo sie River Raid entwickelte.

In River Raid steuert der Spieler ein Kampfflugzeug über den "River of No Return" und zerstört dabei feindliche Tanker, Hubschrauber, Jets und Brücken, während er Hindernissen ausweicht und den Treibstoffvorrat im Auge behält. Das Spiel zeichnet sich durch sein kontinuierliches vertikales Scrolling und die prozedural generierte Spielwelt aus, die für das Atari 2600 innovativ war. Das Spielziel besteht darin, so viele Punkte wie möglich zu sammeln, indem man feindliche Einheiten und Brücken zerstört, ohne abzustürzen oder den Treibstoff zu verlieren. Der Spieler muss strategisch vorgehen, um Treibstoffdepots zu nutzen und Hindernissen auszuweichen. Carol Shaw betonte in Interviews die Bedeutung von Planung und Strategie im Spiel: "Sie müssen wissen, wann Sie beschleunigen oder verlangsamen, wann Sie schießen oder ausweichen und wann Sie tanken müssen. Es ist ein Spiel, das sowohl schnelle Reflexe als auch strategisches Denken erfordert."

Shaw ließ sich von Spielen wie Scramble inspirieren und wollte ein Spiel mit kontinuierlichem Scrolling für das Atari 2600 entwickeln. Ursprünglich plante sie ein Weltraumthema, entschied sich jedoch für ein Fluss-Szenario, da es besser zum Gameplay passte. Die Entwicklung des Spiels umfasste das Zeichnen von Grafiken auf Millimeterpapier und das Programmieren in Assemblersprache, um die Hardware des Atari 2600 optimal zu nutzen.

River Raid war ein großer kommerzieller Erfolg und verkaufte über eine Million Exemplare. Es wurde 1984 mit dem "Best Action Videogame" Award bei den Arkie Awards ausgezeichnet. Das Spiel erhielt international positive Bewertungen für sein innovatives Gameplay und sein Design. River Raid wurde auf verschiedene Heimcomputer und Konsolen portiert, darunter Atari 5200, Atari 8-Bit, Intellivision, Commodore 64, ZX Spectrum, MSX und IBM PCjr. Die Portierungen wurden größtenteils positiv aufgenommen, wobei das Gameplay und das Design gelobt wurden. In Westdeutschland wurde River Raid 1985 aufgrund seines militärischen Themas indiziert und durfte nicht an Jugendliche verkauft werden. Trotz dieser Kontroverse blieb das Spiel international beliebt und beeinflusste viele nachfolgende Shooter-Spiele. River Raid bleibt ein bedeutendes Spiel in der Geschichte der Videospiele und wird für sein innovatives Design und seine technische Umsetzung auf begrenzter Hardware gelobt. Es gilt als Klassiker des Atari 2600 und als Meilenstein im Genre der Shoot-'em-ups.

Carol Shaw verließ 1984 die Spieleindustrie und ging 1990 in den Ruhestand. 2017 wurde sie mit dem Industry Icon Award bei den Game Awards für ihre Beiträge zur Videospielbranche geehrt. In einer Rezension des Magazins "The Video Game Update" wurde River Raid als "eines der besten Spiele für das Atari 2600" bezeichnet. Das Spiel erhielt Lob für seine präzise Steuerung und das süchtig machende Gameplay.

Pitstop II – 1984 by Epyx

Pitstop II

Pitstop II

Pitstop II, veröffentlicht 1984 von Epyx, war eine der ersten Rennsimulationen mit Splitscreen-Multiplayer, ein Feature, das das Spiel von anderen Rennspielen seiner Zeit abhob und es zu einem frühen Klassiker machte. Entwickelt von Stephen H. Landrum, der bereits am ersten Pitstop (1983) gearbeitet hatte, bot die Fortsetzung ein deutlich erweitertes Spielerlebnis. Während das Originalspiel noch ein Einzelspielerrennen mit strategischem Reifenmanagement war, brachte Pitstop II echten Wettbewerb zwischen zwei Spielern, die gleichzeitig um den Sieg kämpften. Besonders beeindruckend war dies auf Plattformen wie dem Commodore 64, wo das Spiel trotz begrenzter Hardware flüssig lief und ein intensives Racing-Erlebnis bot.

Die Entwicklung von Pitstop II begann kurz nach dem Erfolg des ersten Spiels. Epyx erkannte schnell das Potenzial für eine Multiplayer-Version und beauftragte Landrum mit der Umsetzung. Laut einem Interview mit dem Entwickler in einer Ausgabe der Zeitschrift Compute!'s Gazette (1985) war die größte Herausforderung, eine Split-Screen-Grafikdarstellung ohne große Leistungseinbußen zu ermöglichen. Landrum erzählte: „Wir mussten einen Weg finden, zwei Rennperspektiven darzustellen, ohne den Spielfluss zu unterbrechen. Unser Trick bestand darin, die Streckendarstellung zu optimieren und den Speicherverbrauch drastisch zu reduzieren.

Technisch setzte das Spiel auf Vektorgrafik-basierte Strecken, die sich flüssig in den Bildschirm hinein bewegten, während sich die Umgebung dynamisch anpasste. Das Fahrgefühl war für damalige Verhältnisse sehr gut umgesetzt: Spieler mussten auf Kurven, gegnerische Fahrzeuge und vor allem den Reifenverschleiß achten. Dies machte das Boxenstopp-Feature zu einem entscheidenden Element des Spiels. War der Reifenabrieb zu hoch, platzte der Reifen, und der Spieler musste zwangsläufig in die Boxengasse fahren, was Zeit kostete. Dieser strategische Aspekt machte das Spiel anspruchsvoller als viele der damaligen Arcade-Racer. Ein großes Highlight war die Möglichkeit, mit einem Freund direkt am selben Bildschirm gegeneinander anzutreten – etwas, das in den frühen 80ern eine Seltenheit war. In Zeitungsberichten wie der Zzap!64 (1984) wurde dieses Feature besonders gelobt: „Pitstop II beweist, dass Rennspiele mehr als nur Geschwindigkeit sein können – das clevere Boxenstopp-System macht es zu einer echten Herausforderung.

Der kommerzielle Erfolg des Spiels war beachtlich. Besonders auf dem Commodore 64 wurde es ein Bestseller, aber auch auf Atari 8-Bit-Computern und dem IBM PC fand es eine treue Fangemeinde. Epyx profitierte enorm von dem Spiel, das sich innerhalb des ersten Jahres über 200.000 Mal verkaufte – eine beeindruckende Zahl für ein Spiel dieser Zeit. Es wurde als eines der besten Rennspiele der 8-Bit-Ära gefeiert und beeinflusste spätere Titel wie Grand Prix Circuit (Accolade, 1988) und Test Drive (1987). Einige Kritiker bemängelten, dass der Schwierigkeitsgrad für Anfänger zu hoch sei, da selbst kleine Fahrfehler zu erheblichen Strafen führten. In einer Ausgabe der Your Computer (1985) wurde angemerkt: „Ein großartiges Spiel, aber Einsteiger könnten schnell frustriert sein – Pitstop II verzeiht keine Fehler.

Konvertierungen des Spiels erschienen für:
• Commodore 64 (1984)
• Atari 8-Bit (1984)
• IBM PC (CGA) (1984)
• Apple II (1985)

Internationale Wertungen fielen durchweg positiv aus:
• Zzap!64: 92% („Fantastisches Multiplayer-Erlebnis mit cleverem Boxenstopp-Feature.“)
• Compute!’s Gazette: 8,5/10 („Eines der besten Rennspiele für Heimcomputer.“)
• Your Computer: 4/5 („Schnell, fordernd und voller Action.“)
• Happy Computer: 83% („Ein Meilenstein für Rennspiele auf Heimcomputern.“)

Heute gilt Pitstop II als Kultklassiker. Es ist eines der ersten Spiele, das kompetitiven Splitscreen-Rennsport populär machte und eine Blaupause für viele spätere Rennspiele wurde. Trotz seiner Einfachheit bleibt es spielerisch herausfordernd und ist ein Paradebeispiel für Epyx’ Fähigkeit, innovative und spaßige Sport- und Rennspiele zu entwickeln.