Panasonic FH-2000 – Computer aus der Aktentasche

Bild stammt von der Seite: https://jameltayeb.com/

Knapp ein Kilogramm schwer, acht Textzeilen auf dem Bildschirm und kein einziges Laufwerk: Der Panasonic FH-2000 hatte wenig mit den tragbaren Computern gemein, die Mitte der 1980er-Jahre als schweres Reisegepäck durchgingen. Panasonic dachte kleiner. Der Rechner sollte in eine Aktentasche passen und unterwegs genau jene Programme ausführen, die sein Besitzer für die Arbeit benötigte – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die tschechoslowakische Zeitschrift Mikrobáze ordnete ihn 1988 bei den „Handheld Computern“ ein. Das klingt heute nach Hosentaschenformat, bezeichnete damals aber eine recht unterschiedliche Gruppe tragbarer Arbeitsgeräte. Sie wurden in Lagerhäusern, Laboren oder im Außendienst eingesetzt, erfassten Daten und übermittelten sie später an einen größeren Rechner. Statt von Diskette kamen ihre Programme meist direkt aus einem ROM.

Genau für diese Art der Arbeit war der FH-2000 gebaut. Sein LC-Display zeigt acht Zeilen mit jeweils 80 Zeichen und erreicht eine Auflösung von 480 × 64 Bildpunkten. Eine Beleuchtung gibt es nicht. Dafür blieb das Gehäuse mit ungefähr 25,8 × 11 × 4,1 Zentimetern erstaunlich kompakt. Panasonic brachte darauf dennoch rund 90 Tasten unter. Mit etwa 910 Gramm ließ sich der Rechner tatsächlich mitnehmen, ohne dass daraus gleich eine Kraftübung wurde. Strom lieferte ein wiederaufladbarer 6-Volt-Akku, am Schreibtisch übernahm das Netzteil.

Ein x86-Rechner im Kleinformat

Beim Prozessor wird die Sache komplizierter. Zwei erhaltene Geräte sind mit einem 80C88 bei 4,77 MHz dokumentiert: ein FH-2000 im Computermuseum der Nationalen Technischen Universität Athen und ein baugleicher Nixdorf PC-05 aus einer privaten Sammlung. Andere technische Verzeichnisse nennen hingegen einen Oki 80C86.

Vollständig auflösen lässt sich der Widerspruch bisher nicht. Ein technisches Handbuch ist ebenso wenig aufgetaucht wie ein Platinenfoto, auf dem sich der Prozessor zweifelsfrei erkennen ließe. Da sich die 80C88-Angabe immerhin auf zwei konkrete Geräte stützt, spricht derzeit mehr für diesen Chip. Der 80C88 gehört zur gleichen Prozessorfamilie wie der Intel 8088 des ursprünglichen IBM PC. Intern arbeitet er mit 16 Bit, nach außen ist sein Datenbus jedoch nur acht Bit breit.

Beim Arbeitsspeicher gibt es ebenfalls unterschiedliche Angaben. Das Exemplar in Athen wird mit 128 KB geführt, der erhaltene Nixdorf PC-05 mit 256 KB. Hier könnten tatsächlich mehrere Ausstattungen im Umlauf gewesen sein.

Auf ein Diskettenlaufwerk verzichtete Panasonic vollständig. Betriebssystem und Anwendungen steckten in ROM-Bausteinen, von denen der Rechner mehrere aufnehmen konnte. Zur Grundausstattung gehörten Taschenrechner, Uhr, Wecker und Funktionen für die serielle Datenübertragung. Mit zusätzlichen ROMs kamen BASIC, eine DOS-Umgebung oder speziell entwickelte Firmenprogramme hinzu.

Für den Anwender war das denkbar einfach: Gerät einschalten und loslegen. Er musste weder ein Programm laden noch eine Diskette einlegen. Allerdings war der FH-2000 damit immer nur so vielseitig wie die vorhandenen ROMs. Ohne die passenden Bausteine blieb von seinen Möglichkeiten nicht viel übrig.

Software nach Maß

Panasonic bot zum Rechner ein eigenes Entwicklungssystem und ein EPROM-Programmiergerät an. Unternehmen konnten ihre Anwendungen damit selbst vorbereiten oder anfertigen lassen. Das fertige Programm wurde auf einen EPROM-Baustein geschrieben und anschließend in den FH-2000 eingesetzt.

Wie das in der Praxis aussah, zeigt ein erhaltener Nixdorf PC-05. Ein französischer Sammler brachte das Gerät nach dem Austausch eines defekten Speicherchips wieder zum Laufen und konnte anschließend das BASIC-ROM starten. Weil sich die nackten Bausteine nur umständlich einsetzen und herausnehmen ließen, fertigte er dafür eigene kleine Halterungen an.

Über eine serielle Schnittstelle konnte der Rechner Daten mit anderen Systemen austauschen. Daneben befand sich ein Anschluss für Erweiterungen, allen voran den passenden Thermodrucker. Dessen Gehäuse diente zugleich als größere Basisstation mit Akku und bot Platz für weitere ROM-Bausteine. Für die Arbeit unterwegs ließ sich der FH-2000 herausnehmen und allein verwenden.

Beim Kunden statt auf dem Schreibtisch

Einen seltenen Einblick in den tatsächlichen Einsatz liefert das FH-2000 der Nationalen Technischen Universität Athen. Es wurde in den 1980er-Jahren von Außendienstmitarbeitern der griechischen Versicherung Interamerican benutzt. Sie konnten beim Kunden Daten eingeben, Berechnungen durchführen und die Ergebnisse mit der angeschlossenen Thermoeinheit ausdrucken. Zurück im Büro ließen sich die gespeicherten Informationen über die serielle Verbindung übertragen.

Damit nahm der FH-2000 eine Rolle ein, die später spezialisierte Handheld-Terminals, PDAs und schließlich Smartphones übernehmen sollten. Er war kein kleiner Bürocomputer für alle Gelegenheiten, sondern ein Werkzeug für einen vorher festgelegten Arbeitsablauf.

In Deutschland erschien derselbe Rechner als Nixdorf PC-05. Nixdorf dürfte ihn vor allem zusammen mit angepasster Software an Geschäftskunden geliefert haben. Im gewöhnlichen Computerhandel spielte er offenbar kaum eine Rolle – und vermutlich liegt genau darin der Grund, weshalb heute nur wenig über ihn zu finden ist.

Die Geräte überdauerten mit etwas Glück in einem Lagerraum oder einer Sammlung. Die eigens für einen Kunden programmierten ROMs verschwanden dagegen häufig zusammen mit der Anwendung, für die sie bestimmt waren. Bis heute fehlt außerdem ein vollständiger öffentlich zugänglicher Satz der Systemsoftware. Deshalb lässt sich der FH-2000 nicht einfach im Emulator starten und erforschen. Von einem Rechner, der einst seine Programme unverlierbar im ROM trug, ist ausgerechnet die Software am schlechtesten erhalten.