Commodore MDS 6500 – Der PET als Entwicklerwerkzeug

Wer Ende der 1970er-Jahre Software für einen 6502-Rechner entwickeln wollte, benötigte mehr als einen Texteditor und eine freie Steckdose. Quelltexte mussten eingegeben, übersetzt, auf Fehler untersucht und schließlich auf das eigentliche Zielsystem übertragen werden. MOS Technology hatte dafür zunächst das MDT650 entwickelt, ein kostspieliges Microcomputer Development Terminal mit Diskettenlaufwerk und eigener Entwicklungssoftware. Der spätere Commodore MDS 6500 übertrug dieses Prinzip auf eine wesentlich vertrautere Grundlage: den PET.

Die Abkürzung MDS stand für Microcomputer Development System. Hinter der besonderen Modellbezeichnung verbarg sich kein vollständig neu konstruierter Rechner, sondern ein für Entwicklungsarbeiten angepasster Commodore PET 2001-32N mit 32 KB RAM. Auf dem Gehäuse saß anstelle der üblichen PET-Modellbezeichnung ein MDS-6500-Schriftzug. Zum System gehörte ein passend beschriftetes CBM-2040-Doppeldiskettenlaufwerk, das Programmtexte, Objektdateien und weitere Entwicklungsdaten aufnehmen konnte.

Der PET brachte dafür bereits eine zweckmäßige Grundausstattung mit. Sein MOS-6502-Prozessor arbeitete mit ungefähr 1 MHz, der eingebaute Monitor stellte 40 Zeichen in 25 Zeilen dar, und über den IEEE-488-Anschluss ließ sich das externe Doppellaufwerk betreiben. Für gewöhnliche Büroarbeiten war diese Kombination ebenfalls geeignet, doch beim MDS 6500 lag der Schwerpunkt auf der Erstellung von Software für die MCS6500-Prozessorfamilie.

Der Name sorgt leicht für Verwirrung. MCS6500 war die Bezeichnung der von MOS Technology entwickelten Mikroprozessorfamilie, zu der neben dem bekannten 6502 auch der 6501 sowie mehrere Varianten mit abweichender Anschlussbelegung gehörten. Das MDS 6500 bezeichnete dagegen ein komplettes Entwicklungssystem. Es steckte also kein besonderer „6500-Prozessor“ im Rechner; im Inneren arbeitete weiterhin der aus dem PET bekannte 6502.

Wie solche Systeme eingesetzt wurden, zeigt das MCS6500 Family Hardware Manual. Es beschreibt neben Prozessoren, Speicherbausteinen, Bussystemen und Interruptsteuerung auch das ältere MDT – Microcomputer Development Terminal. MOS bezeichnete dieses als fertig zusammengestelltes System, mit dem Entwickler ihre Programme und die Verbindung zu Ein- und Ausgabegeräten prüfen konnten. Der Vorteil lag auf der Hand: Statt gleichzeitig nach Fehlern in selbst aufgebauter Hardware und im eigenen Programmcode suchen zu müssen, erhielt der Entwickler eine bekannte Arbeitsumgebung. Damit ließ sich das Problem wenigstens auf eine Seite des Schreibtisches eingrenzen.

Bei Commodore waren die ursprünglichen MDT650-Systeme nur in geringer Zahl vorhanden. Auf ihnen wurde der MOS Resident Assembler eingesetzt, mit dem unter anderem Software für den ersten PET und das CBM-2040-Laufwerk entstand. Als das 2040 verfügbar war, portierte Commodore-Mitarbeiter John Feagans den Resident Assembler auf den PET. Damit konnte Commodore die Entwicklungsarbeit von den seltenen und teuren MDT-Terminals auf die eigenen Serienrechner verlagern.

Bekannte Versionen des PET Resident Assemblers tragen die Datierungen 27. November 1979 und 15. Dezember 1979. Commodore veröffentlichte diese Software 1980 als Teil des PET Assembler Development System. Der Assembler verarbeitete Quelltexte, erzeugte Maschinencode und konnte Listen mit Speicheradressen, Opcodes und Fehlermeldungen ausgeben. Zusammen mit dem Diskettenlaufwerk wurde der PET damit zu einer vollständigen Entwicklungsstation, ohne dass dafür erneut ein spezielles Terminal von Grund auf konstruiert werden musste.

Die praktische Bedeutung dieser Arbeitsweise ging über den MDS 6500 hinaus. Commodore verwendete den auf den PET übertragenen Resident Assembler für Betriebssystem- und BASIC-Bestandteile späterer PET-Modelle, des VIC-20, des C64 und der CBM-II-Reihe. Auch ROMs verschiedener Diskettenlaufwerke, Drucker und Commodore-eigener Programme entstanden mit dieser Entwicklungsumgebung. Erst ab 1984 verlagerte Commodore einen größeren Teil der Arbeit auf einen unter VAX/VMS laufenden Cross-Assembler.

Wie deutlich sich ein MDS 6500 technisch von einem normalen PET 2001-32N unterschied, ist nur unvollständig dokumentiert. Die erhaltenen Beschreibungen sprechen von einem modifizierten PET mit Assembler und einem passend gekennzeichneten 2040-Laufwerk. Ob der Assembler fest im Rechner untergebracht war oder zum ausgelieferten Diskettensatz gehörte, lässt sich aus den derzeit verfügbaren Unterlagen nicht eindeutig ableiten. Auch eine vollständige Liste der zusätzlich gelieferten Programme, Handbücher und Kabel fehlt.

Eine häufig zitierte Commodore-Modellübersicht nennt 500 gefertigte Geräte, während eine weitere Beschreibung von weniger als 500 Exemplaren spricht. Eine dazugehörige Produktionsaufstellung von Commodore ist bislang nicht bekannt. Die Zahl sollte daher als überlieferte Größenordnung und nicht als abschließend bestätigte Stückzahl verstanden werden.

Der MDS 6500 war damit kein eigenständiger Heimcomputer und auch kein gewöhnliches PET-Sondermodell für Schulen oder Büros. Er gehörte zu den professionellen Werkzeugen, mit denen Software für die wachsende 6502-Rechnerfamilie entstand. Äußerlich blieb er ein PET mit passendem Doppellaufwerk. Seine eigentliche Aufgabe lag jedoch nicht vor dem Bildschirm, sondern in den Programmen, ROMs und Betriebssystemteilen, die mit seiner Hilfe entwickelt wurden.

Coleco Telstar Gemini – Der letzte große Pong

Coleco Telstar Gemini – Der letzte große Pong

Im Sommer 1978 stand in vielen amerikanischen Wohnzimmern noch das Echo des Pong-Booms in der Luft. Doch während Atari und Fairchild längst programmierbare Module auf den Markt brachten, hielt Coleco an seiner erfolgreichen Telstar-Linie fest. Der Telstar Gemini war dabei so etwas wie das finale Kapitel einer Ära – ein letzter Versuch, aus der betagten Pong-Technik ein Stück Designkultur zu formen.

Coleco hatte seit 1976 eine wahre Pong-Flut produziert: Telstar Alpha, Ranger, Combat, Colortron – jedes Modell mit leicht anderer Variante des beliebten Ball-und-Schläger-Spiels. Der Gemini unterschied sich jedoch in einem entscheidenden Detail: Er besaß abnehmbare Controller, die wie futuristische Fernbedienungen wirkten und das Kabelchaos früherer Modelle beseitigten. Für ein Gerät, das 1978 noch in Wohnzimmern mit Holzpaneelen stand, war das bemerkenswert fortschrittlich. Popular Electronics lobte damals: „Der Telstar Gemini ist vielleicht Colecos ausgefeilteste Umsetzung der Pong-Formel – abnehmbare Steuerungen und ein elegantes Design zeigen Gespür für die Ästhetik moderner Wohnzimmer.“

Im Inneren arbeitete kein Prozessor im heutigen Sinn, sondern der bewährte General Instrument AY-3-8500-1, jener legendäre Pong-Chip, der unzählige Konsolen dieser Zeit antrieb. Er erzeugte sechs Spielvarianten – Tennis, Squash, Handball, Hockey, Practice und Jai-Alai – allesamt Variationen eines einzigen Prinzips. Keine ROM-Module, keine Speichererweiterung, kein Mikroprozessor – nur reine Schaltungskunst. Der Bildschirm blieb monochrom, die Ballgeschwindigkeit analog geregelt. Doch gerade diese Einfachheit machte den Reiz aus.

Das Gehäuse des Gemini wirkte modern, fast luxuriös. Schwarzer Kunststoff, eine silberne Frontplatte und die typische Coleco-Holzoptik am Rand – eine Mischung aus Raumfahrt und Wohnzimmermöbel. An der Rückseite fand sich der Anschluss für eine optionale Lightgun, die auf dasselbe Prinzip wie beim Telstar Marksman setzte: ein lichtempfindlicher Sensor im Lauf, der den Punkt des CRT-Bildschirms erfasste. Damit zielte Coleco buchstäblich auf ein Publikum, das schon das Ende der Pong-Ära herannahen sah.

Zum Verkaufsstart kostete der Gemini rund 80 US-Dollar, was heute etwa 340 Euro entspräche – kein Schnäppchen für eine Konsole ohne austauschbare Spiele. Dennoch verkaufte Coleco rund 200 000 Einheiten, bevor der Markt 1979 vollständig zusammenbrach. Video Review Magazine schrieb damals treffend: „Coleco presst die letzten Tropfen Spaß aus der Pong-Hardware – der Gemini sieht großartig aus, kommt aber zu spät.“

Im Rückblick wirkt der Gemini wie das liebevoll geschnitzte Totem eines aussterbenden Stammes. Electronic Fun with Computers & Games bezeichnete ihn später poetisch: „Es war die Dämmerung des analogen Spielens, und der Gemini stand wie ein stolzer Dinosaurier vor dem Aussterben.“ Und tatsächlich: Kurz nach dem Produktionsende konzentrierte sich Coleco auf programmierbare Systeme und Spielzeug – ein Kurs, der schließlich 1982 im ColecoVision gipfelte.

Heute ist der Telstar Gemini ein seltenes Sammlerstück. Er steht symbolisch für die Zeit, als Elektronik noch aus wenigen Transistoren und viel Optimismus bestand. Seine abnehmbaren Controller waren ein Blick in die Zukunft, sein monochromes Pong-Bild ein Blick in die Vergangenheit. Und so gleitet der Gemini in die Geschichte ein – als der Moment, in dem Coleco zum letzten Mal den Ball schlug, bevor die digitale Revolution endgültig begann.